Wissenschaft

Braucht unsere Gesellschaft „Gender Studies“?

09. Februar 2014, von Prof. Günter Buchholz

Der Anglizismus „Gender Studies“ bezeichnet in Deutschland faktisch nicht etwa „Geschlechterforschung“, die eine Forschung wäre, die Fragen im Hinblick auf beide Geschlechter und ihr wechselseitiges biologisches, soziales und kulturelles Verhältnis zueinander stellte und dann wissenschaftlich untersuchte, sondern sie ist einseitig Frauenforschung, also Forschung von Frauen über Frauen für Frauen, teilweise sogar nur für kleine Minderheiten von Frauen (Queer Studies).

Geschlechter-nhux1946

Abgesehen davon, dass m. W. für diese Absonderung keine einleuchtende Begründung existiert, liegt bereits darin eine Verkürzung und Verzerrung des Themen- und Forschungsbereichs, die kaum folgenlos bleiben kann.

Forschung ist das individuelle und zugleich gesellschaftliche Bemühen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, also den Raum des Wissens zu erweitern, auch wenn dieses Wissen in der Regel vorläufig und überholbar bleibt. Nicht immer, aber doch oftmals ergeben sich daraus früher oder später positive und neuartige Anwendungen, die der Gesellschaft zugute kommen und in diesem weiten Sinne Nutzen stiften. Manchmal gibt es epochale Durchbrüche, meist aber nur kleine Fortschritte, und nicht selten können die Ergebnisse je nach Anwendung Nutzen stiften oder Schaden anrichten. Und weil irren eben menschlich ist, gibt es selbstverständlich auch in der Forschung solche Ergebnisse, die sich als bedeutungs- und wertlos erweisen: den Abfall des Forschungsprozesses.

Abgesehen von persönlichen Motivationen muss für Forschung Zeit und Geld aufgewendet werden. Weder Zeit noch Geld sollten, darüber dürfte noch Einigkeit bestehen, verschwendet werden, jedenfalls dann nicht, wenn sich die Gesellschaft daran beteiligt, z. B. indem sie die Forschung finanziert. Aus gesellschaftlicher Sicht ist Forschung weiter nichts als ein Zweig der gesellschaftlichen Arbeitsteilung für Spezialisten, die gelernt haben und wissen, wie man durch Anwendung geeigneter wissenschaftlicher Methoden zu tragfähigen Ergebnissen gelangt, die neue Erkenntnisse darstellen und dadurch den Raum des Wissens erweitern. Das ist Forschungsarbeit; sie führt zu Ergebnissen, die nicht nur nachvollzogen, überprüft und bewertet werden können, sondern die bewertet  (oder - mit anderen Worten - evaluiert) werden müssen. Und genau diese kritische Überprüfung abgelaufener Forschungsprozesse ist die Aufgabe einer Forschungsbewertung (Forschungsevaluation).

Für "Gender Studies" in Niedersachsen gibt es nun eine Forschungsevaluation, die im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (MWK) von der untergeordneten Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsens (WKN) im Jahre 2013 durchgeführt worden ist; möglicherweise ist es die erste und einzige ihrer Art.

In einer Forschungsevaluation „Gender Studies“ werden notwendigerweise Fragen gestellt: ob die Forschungen, die im Zusammenhang der „Gender Studies“ bzw. der Frauenforschung bearbeitet worden sind, wissenschaftstheoretisch und methodisch begründet und fundiert sind, ob sie zu nachvollziehbaren und überprüfbaren Ergebnissen geführt haben, und ob sich aus ihnen - in einem weiten Sinne - ein gesellschaftlicher Nutzen ergeben hat und worin dieser bestehen soll.

In dem längeren Text in den unten angegebenen Quellen wurden diese Überlegungen aufgenommen, und es wurde versucht,  die Forschungsevaluation der WKN ihrerseits zu bewerten. Der Ergebnisbericht dieser WKN-Evaluation wird dargestellt und kritisch kommentiert.

Das Ergebnis der Kritik lautet, dass im Sinne der obigen Anforderungen gar keine Evaluation des Forschungs-Outputs vorgenommen worden ist, sondern dass es der beauftragten Kommission nur darum ging, die Input-Strukturen zu stärken, indem mehr Stellen, mehr finanzielle Mittel  und noch weniger Kontrollen gefordert wurden.

Letztlich geht es um die allgemeine Frage, ob es gesellschaftlich vernünftig ist, für den jeweiligen Forschungszweig zeitliche und finanzielle Mittel einzusetzen und diese unwiderruflich zu verbrauchen und damit nicht mehr für andere Zwecke einsetzen zu können; oder eben nicht.  

Quellen

http://serwiss.bib.hs-hannover.de/frontdoor/index/index/docId/405

oder
http://www.odww.de/index.php?navID=100&uid=601

 

Weitere Beiträge
Wissenschaft

Postmoderner Relativismus an Universitäten

07. November 2014, von Dr. Alexander Ulfig
Neulich hat mich ein Freund zu einer geschichtswissenschaftlichen Vorlesung an der Frankfurter Universität mitgenommen.
In der Vorlesung, die einen einführenden Charakter hat, geht es um Vorurteile, die heute lebende Menschen gegenüber dem Mittelalter haben.
 

Geschlechterdebatte

Feministische Zensur in Polen

6. April 2013, von Dr. Alexander Ulfig
Der polnische Regisseur Krzysztof Zanussi konnte seine Filme trotz kommunistischer Zensur realisieren. Doch was die Kommunisten nicht vollbrachten, wäre beinahe einer feministischen Lobby gelungen.
Krzysztof Zanussi gehört zu den bedeutendsten Regisseuren Polens. Er gewann mit seinen Filmen bei internationalen Filmfestspielen, z.B. in Cannes und Venedig,...

Geschlechterdebatte

Die Angst vor dem Feminismus

27. September 2013, von Eckhard Kuhla
Befragt nach dem Grund seiner Zustimmung zu dem seltsamen „Herr Professorin“-Beschluss, antwortete der Senats-Vicechef der Uni Potsdam: „... es hätte sonst Ärger mit Feministinnen gegeben“.
Diese seltsame Kapitulation und die fehlende Zivilcourage verblüffen. Es zeigt: Ein Phänomen geht um. Es ist die A n g s t vor Folgen, nicht politisch korrekt zu handeln. Folgen,...

Geschlechterdebatte

Allen Frauen Gutes tun - der Mutter zuliebe?

17. Oktober 2015, von Prof. Gerhard Amendt
Kollektive Schuldgefühle gibt es nicht. Wer in der Debatte über die aktuellen wie historischen Arrangements von Männern und Frauen sich Gedanken über eine männliche Kollektivschuld macht, der sitzt im Boot der Feministen und Genderideologen.
Er hat sich nämlich die Ideologie angeeignet, nach der alle Männer Täter seien und alle Frauen Opfer. Nur mit...

Wissenschaft

Rationalismus oder Irrationalismus, das ist hier die Frage

09. Mai 2015, von Prof. Günter Buchholz
Der Irrationalismus ist vermutlich die Urform menschlichen Bewusstseins. Und der Rationalismus ist das befreite, wahrhaft menschliche Bewusstsein. Diese Befreiung war sehr schwierig und langwierig, und sie ist, mit Blick auf die Gegenwart, ernsthaft gefährdet. Sie muss daher verteidigt werden.
Julian Jaynes hat eine psychohistorische Theorie entwickelt, die die...

Geschlechterdebatte

Feministische Selbstgespräche, Filterbubbles und die Produktion von Nazis

9. April 2013, von Lucas Schoppe, zuerst erschienen bei man tau
Als der WDR-Talker Jürgen Domian auf seiner Facebook-Seite ein mild-kritisches Zitat über den neuen Papst veröffentlichte, Facebook dieses Zitat löschte, die Löschaktion von Domian kritisiert und von vielen als „Zensur“ bezeichnet wurde, trat die Bloggerin Antje Schrupp auf den Plan.
„Dummes Gerede“ sei das, mit Zensur habe das...

Geschlechterdebatte

Envy and Malevolence - the Shaky Foundation of Gender Studies

May 21, 2016, by Professor Gerhard Amendt (formerly of the Institute for Gender and Generation Research, Bremen University, IGG)
Which is less pleasant: being envied or envying yourself? Envy is an intense feeling, it can consume one's soul and destroy the envied person's enjoyment of the object in question. However, envy is also part of life and it is worth to not only point it out but to...

Wissenschaft

Der Teufel und das Weihwasser ...

Vertreterinnen der Gender Studies illustrieren vor breitem Publikum (einmal mehr) ihre Unwissenschaftlichkeit 22. Dezember 2014, von Dr. habil. Heike Diefenbach
Sabine Hark und Paula Villa haben im Tagesspiegel einen neuen Angriff gegen alle Personen getätigt, die sich fragen, worin die Wissenschaftlichkeit von Gender Studies oder auch nur deren Nutzen bestehen soll.
Die Autorinnen des Textes...

Geschlechterdebatte

Rundfunkrat entscheidet: "Hart-aber-fair"-Sendung muss in den Giftschrank

21. August 2015, von Arne Hoffmann
Es war die vielleicht einzige Sendung des öffentlich-rechtlichen Fernsehens, bei der Feminismus und Gender nicht als Nationalheiligtümer dargestellt wurden, die man auf keinen Fall kritisch in Frage stellen darf: die "Hart-aber-"Fair"-Talkrunde am 2. März dieses Jahres mit dem Titel "Nieder mit den Ampelmännchen – Deutschland im Gleichheitswahn?"
Viele...

Geschlechterdebatte

Wo steht der Feind? Markus Theunert über Geschlechterpolitik

11. Mai 2013, von Prof. Walter Hollstein
Erinnern wir uns rasch: Im Frühsommer 2012 hatte der Kanton Zürich für seine Gleichstellungsarbeit einen „Männerbeauftragten“ eingestellt: Markus Theunert. Nach rekordverdächtigen drei Wochen war das Arbeitsverhältnis schon wieder aufgelöst.
Wenn Theunert nun ein Buch zur Geschlechterpolitik vorlegt, könnte erwartet werden, dass er  dieses persönliche...

Geschlechterdebatte

Brauchen wir Professuren für Genderforschung an Universitäten und Hochschulen?

15. August 2013, von Dr. habil. Heike Diefenbach
In der von der Heinrich-Böll-Stiftung vor einigen Wochen veröffentlichten sogenannten Argumentationshilfe (für ansonsten anscheinend der Argumentation Unfähige) mit dem Titel „Gender, Wissenschaftlichkeit und Ideologie“ hat der mitverantwortliche, weil Mitautor, dieses Werkes Manfred Köhnen die Vermutung geäußert, dass es Bestrebungen gebe,...

Geschlechterdebatte

Facebook: Nazi-Mist ist okay, Feminismus-Kritik muss weg

06. Juni 2013, von Lucas Schoppe
Vor ein paar Monaten habe ich zum ersten (und letzten) Mal ein Bild bei Facebook gemeldet. Das Bild vom 4.1. zeigt eine Dose Nüsse, beschriftet ist sie mit den Worten „Buchenwald’s Beste“, darunter steht „Cash-Jews“ (also etwa: Geldjuden), neben den Schriftzug „Nur echt mit dem Stern“ ist ein Judenstern gezeichnet, unten prangt ein Hakenkreuz mit dem Satz...