Für eine ausgewogene Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik

Offener Brief an den Deutschen Presserat

09. Januar 2014

Wir, die Unterzeichner des Offenen Briefes, wenden uns an Sie, weil wir über die Berichterstattung der deutschen Leitmedien zur Gleichstellungspolitik besorgt sind.

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Seit Jahren werden wir fast täglich mit Artikeln konfrontiert, die sehr einseitig über die Gleichstellunspolitik, insbesondere über die Frauenquote, berichten. Wir beobachten mit Besorgnis, wie die Leitmedien zu einem Handlanger der Gleichstellungspolitik werden und somit den Interessen bestimmter Gruppen dienen.

Dabei werden gebetsmühlenartig immer wieder die gleichen Phrasen und Parolen verwendet, wie z.B. „Der Anteil von Frauen muss erhöht werden“, „Wir brauchen mehr Frauen in Führungspositionen“, „Frauen müssen mehr leisten als Männer, um Karriere zu machen“, „Frauen verdienen 23% weniger als Männer“, „Es gibt eine gläserne Decke, die Frauen daran hindert, Karriere zu machen“, „Männer-Seilschaften behindern den beruflichen Aufstieg von Frauen“ usw.

Für solche oft wiederholten Äußerungen von Phrasen und Parolen gibt es ein Wort: Propaganda.

Kritische Stimmen zur Gleichstellungs- und Quotenpolitik kommen in den Leitmedien äußerst selten vor, obwohl es mittlerweile eine breite Palette an gut begründeten Gegenpositionen gibt. Sie werden jedoch ignoriert oder gezielt unterdrückt.

Die Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik zeichnet zeichnet sich durch die Verbreitung von Falschinformationen aus. Als Beispiele hierfür können die Verbreitung der längst als falsch erwiesenen Behauptungen von einem 23prozentigen Lohnunterschied (Gender Pay Gap) zwischen Männern und Frauen sowie die Mär von der „Gläsernen Decke“ dienen.

Mit besonderem Nachdruck wird in den deutschen Leitmedien seit Jahren die Frauenquote propagiert. Die Anzahl von Pro-Quote-Artikeln steht in einem eklatanten Missverhältnis zu Contra-Quote-Artikeln. Die letzteren stellen Ausnahmen dar.

Eine besonders unrühmliche Rolle spielt in diesem Zusammenhang die Organisation ProQuote, die sich für eine Frauenquote in den Redaktionen von deutschen Leitmedien einsetzt. Für ProQuote zählt nicht Leistung und Qualifikation, sondern das Geschlecht als maßgebendes Kriterium bei der Stellenbesetzung. Sie betreibt einen offenen Lobbyismus. Die Lobby-Arbeit von ProQuote widerspricht den fundamentalen Prinzipien der journalistischen Arbeit, ohne dass diese Organisation dafür vom „Deutschen Presserat“ gerügt worden wäre.

Eine Unsitte, die sich leider auch in den Leitmedien verbreitet hat, ist die Diffamierung von Kritikern der Gleichstellungspolitik. Sie werden als Extremisten und als politisch rechts denunziert. Die Diffamierung ersetzt dabei, und das ist entlarvend, eine begründete, nachvollziehbare Kritik, die - wie jede ernsthafte Kritik - erwünscht wäre. Die Praxis der Denunziation und der Diffamierung widerspricht ebenfalls den fundamentalen Regeln der journalistischen Arbeit.

Die Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik widerspricht somit fundamentalen Prinzipien der journalistischen Arbeit, an die wir im Folgenden erinnern möchten.

Zunächst gehört zu einer freien Presse und zu einer freiheitlichen Presseberichterstattung, dass widersprechende Meinungen - möglichst mit ihren jeweiligen Begründungen - zugelassen werden. Um Einseitigkeiten zu vermeiden, ist im Prozess der öffentlichen Urteilsbildung der Grundsatz, wonach immer auch die andere Seite gehört werden solle, zwingend zu berücksichtigen; er trägt wesentlich zur Qualität und zur Fairness dieses Prozesses bei.

Zur journalistischen Arbeit und zum journalistischen Ethos gehören unseres Erachtens folgende Prinzipien: Sachlichkeit, weltanschauliche Neutralität, die Trennung von Nachricht und Weltanschauung sowie Nachricht und Kommentar, Unabhängigkeit, Unvoreingenommenheit, Ausgewogenheit und Nachprüfbarkeit. Die Einhaltung dieser Prinzipien garantiert eine Annäherung an die Realität und eine objektive Berichterstattung.

Darüber hinaus kann nur Vielfalt in der Berichterstattung eine bestmögliche Annäherung an die Realität garantieren. Unterschiedliche Sichtweisen sollten in den Leitmedien gleichberechtigt vertreten sein. Nur die Konkurrenz verschiedener Sichtweisen und die kritische und möglichst sachliche Auseinandersetzung zwischen ihnen können die Einseitigkeit in der Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik überwinden.

Ferner sollten Journalisten dem aufklärerischen Denken folgen und sich als die vierte, kritische Gewalt im Staat verstehen. Demnach ist es die Aufgabe der Journalisten, die herrschende Politik, zu der die Gleichstellungspolitik gehört, ebenso kritisch wie hartnäckig zu beleuchten, anstatt Werbung für sie zu machen.

Die Gleichstellungspolitik dürfte nicht vorausgesetzt, sondern müsste hinterfragt, analysiert und aus unterschiedlichen Perspektiven kritisch betrachtet werden, um erstens die Öffentlichkeit sachlich zu informieren und um zweitens eine erste öffentliche Urteilsbildung anzuregen.

Zum kritischen Journalismus gehört dabei ferner, dass die Journalisten ihre eigene Parteilichkeit reflektieren und berücksichtigen: Gerade wer bereits eine bestimmte inhaltlich-politische Position hat, ist besonders verpflichtet, anders denkende Menschen zu Wort kommen zu lassen.

Viele der genannten Prinzipien sind in dem „Pressekodex“ des „Deutschen Presserats“ enthalten. Leider werden sie von vielen Journalisten bezüglich der Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik nicht eingehalten. Deshalb fordern wir Sie dazu auf, die oben genannten Missstände wahrzunehmen und gegen sie vorzugehen.

Mit besonderem Nachdruck fordern wir Sie dazu auf, den Machenschaften von ProQuote Einhalt zu gebieten. Die Arbeit von ProQuote sollte als reine Lobbyarbeit erkannt werden, die fundamentalen Prinzipien der journalistischen Arbeit widerspricht.

Prof. Dr. Günter Buchholz

Dr. Alexander Ulfig

Arne Hoffmann, M.A.

Dieser Offene Brief ist eine Initiative der Frankfurter Erklärung zur Gleichstellungspolitik.

Auf der Seite der Frankfurter Erklärung kann man den Offenen Brief mit einer Unterschrift unterstützen. Hier geht es zum Kontakt-Formular.

 

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