6. September 2012, von Prof. Günter Buchholz

Das hier rezensierte Buch verdient eine Hervorhebung, weil es in einer Zeit einer großen ökonomischen Krise, vergleichbar mit der von 1929 ff., eine tragfähige Analyse und eine Zukunftsorientierung für das 21. Jahrhundert bietet. In einer Zeit erheblicher politischer und theoretischer Verunsicherung ist das besonders bemerkenswert.

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Der Autor ist Dr. Johannes Müller, Prof. für Volkswirtschaftslehre seit 1995, der heute an der Hochschule Hannover, Fakultät IV, Abt. Betriebswirtschaft lehrt. In seinem sehr gut lesbaren Buch legt er das Gewicht der Argumente auf eine gründliche empirische Argumentation. Das hat den Vorzug, dass er sich einerseits statt auf abstrakte Modellwelten auf die Realität einlassen kann, und andererseits, dass er die empirischen Argumente als Entscheidungskriterien bei den im Hintergrund befindlichen modelltheoretischen Streitfragen ins Feld führen kann. Insofern ist das Buch auch im Hinblick auf die wissenschaftstheoretischen Auseinandersetzungen um konkurrierende Denkschulen der Ökonomie ein Gewinn.

 

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23. August 2012, von Prof. Günter Buchholz

Deutschland (und mit ihm vermutlich ganz Westeuropa) wird sich (…) der Auseinandersetzung mit der Frage 'Wie hältst du´s mit dem Kapital?' demnächst stellen müssen.

— Rainer Rotermund 1997

European Parliament

1   Herrschaft des Volkes ?

Die moderne Demokratie ist jung; entstanden erst zur Zeit der einsetzenden Industriellen Revolution durch den amerikanischen Unabhängigkeitskrieg und durch die Französische Revolution, und mit geistigem Rückgriff auf die Antike: auf die Römische Republik und die Polis von Athen; von dort her beispielgebend und ausgreifend auch auf andere Gesellschaften. Das Bürgertum suchte eine politische Form, die seiner gesellschaftlichen, insbesondere seiner ökonomischen Führungsrolle entsprach, und es fand sie im Parlamentarismus, in der Staatsform der Republik. Die politische Gleichheit aller Staatsbürger war, z.B. im Hinblick auf die Wahlberechtigung, keineswegs von Beginn an gewährleistet, sondern die diskriminierten Klassen, Schichten und Gruppen mussten sich das Allgemeine Wahlrecht erst erkämpfen.

 

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12. August 2012, von Prof. Günter Buchholz

Wie die Situation von Studenten aus bildungsfernen Schichten und migrantischen Studenten verbessert werden kann

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Das früher extern staatlich und intern partizipatorisch gelenkte Hochschulsystem ist seit einem Jahrzehnt unter den vorherrschenden Einfluss von Kapitalinteressen geraten. Das zeigt sich an den Landeshochschulgesetzen und an der Bologna-Reform. Die Lehre ist vereinheitlicht strukturiert und einem Controlling-Verfahren (Akkreditierung und Evaluierung von Studiengängen) unterworfen worden.

 

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10. August 2012, von Prof. Adorján Kovács

In einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ antwortete der Psychologe Jerome Kagan auf die Feststellung, in den 1960ern seien psychische Erkrankungen bei Kindern praktisch unbekannt gewesen, heute aber sei nach offiziellen Angaben jedes achte Kind in den USA psychisch krank:

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„That's true, but it is primarily due to fuzzy diagnostic practices. Let's go back 50 years. We have a 7-year-old child who is bored in school and disrupts classes. Back then, he was called lazy. Today, he is said to suffer from ADHD (Attention Deficit Hyperactivity Disorder). That's why the numbers have soared.“

Eine deutliche Sprache, die man in Deutschland vermisst. Der Fragesteller setzt noch einen drauf:

 

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9. August 2012, von Prof. Erich Ribolits

Wer heute schwerwiegende Mängel in den Grundkompetenzen des Lesens, Schreibens, Rechnens sowie der Verwendung von Informations- und Kommunikationstechnologien hat, gehört zu den programmierten Verlierern des Arbeitsmarktes.

bookshelf

Denn zum einen haben die technologischen Entwicklungen der letzten Jahrzehnte den Großteil jener Tätigkeiten zum Verschwinden gebracht, bei denen derartig gehandicapte Personen früher problemlos eingesetzt werden konnten, und zum anderen haben die erreichten Produktivitätsfortschritte den Bedarf an menschlicher Arbeitskraft generell verringert.

 

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3. August 2012, von Prof. Günter Buchholz

„Wir müssen die dynamischen Methoden des Kapitalismus nutzen, um Gewinn zu machen – und diese dann auf umso nützlichere und sinnvollere Weise anderen zugute kommen lassen. Aus ethischer wie aus praktischer Sicht ist dies eine der besten Möglichkeiten, gesellschaftliche Veränderungen herbei zu führen.“ Dalai Lama

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1 Warum wir dumm werden

Die Fähigkeit der Gesellschaft, ihre Probleme, soweit sie aufgrund fundamentaler Widersprüche überhaupt lösbar sind, auch tatsächlich zu lösen, hängt von ihrer kollektiven Bewusstheit ab.

 

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2. August 2012, von Prof. Adorján Kovács

Moody´s droht mit der Abwertung der Bonität Deutschlands und seiner Banken. Das war schon lange zu erwarten. Da dies eine ökonomisch getarnte politische Aktion ist (wenn man Ökonomie und Politik heute überhaupt noch trennen kann), bedarf es einer politischen Antwort. Der entfesselte Kapitalismus droht zu einer Gefahr für den sozialen und internationalen Frieden zu werden.

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AFP meldete: "Deutschland droht eine Abwertung seiner Bonität durch die US-Ratingagentur Moody's. Die Agentur senkte den Ausblick für Deutschland, die Niederlande und Luxemburg von stabil auf negativ. Als Begründung wurde die 'wachsende Unsicherheit' in der Eurozone angeführt.

 

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24. Juli 2012, von Jens Berger, zuerst erschienen auf den NachDenkSeiten

Wir befinden uns im Jahre 2012. In ganz Europa erleiden viel zu große Banken viel zu große Verluste und werden vom Staat auf Kosten des Steuerzahlers vor sich selbst gerettet. In ganz Europa zwingen die Finanzmärkte diese nun finanziell angeschlagenen Staaten dazu, Ausgaben zu kürzen, ihr Tafelsilber zu verscherbeln und die letzten Reste des Sozialstaats abzuschleifen.

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In ganz Europa? Nein! Der kleine Inselstaat Island hört nicht auf, dem Wahnsinn Widerstand zu leisten und reagiert auf die Finanzkrise mit exakt der entgegengesetzten Medizin wie der Rest Europas. Und Island hat damit sogar Erfolg.

 

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23. Juli 2012, von Prof. Günter Buchholz, zuerst erschienen auf Grundrisse

Wir leben nicht, um zu arbeiten, sondern wir arbeiten, um gut zu leben.

Leben und Arbeit - Arbeit und Leben

Jede menschliche Gesellschaft muss auf der Grundlage der jeweiligen natürlichen Bedingungen und der von den vorhergehenden Generationen geschaffenen Umständen eine nachhaltige Lebenserhaltung anstreben und verwirklichen. In biologischer Hinsicht gehört hierzu die Fortpflanzung der Gattung sowie die Bewahrung der natürlichen Existenzgrundlagen, in wirtschaftlicher Hinsicht die Organisation der gesellschaftlichen Arbeit. Denn durch gesellschaftliche Arbeit werden die notwendigen Mittel zur Lebenserhaltung erzeugt: Nahrung, Kleidung, Behausung sowie Mittel und Werkzeuge der Arbeit selbst decken die Grundbedürfnisse der Menschen und ermöglichen darüber hinaus ihre Entwicklung und kulturelle Entfaltung in gesellschaftlicher Praxis.

 

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20. Juli 2012, von Kai Rogusch, zuerst erschienen bei NovoArgumente

Schon längst hat sich durch die Hintertür eine europäische Notgemeinschaft mit bundesstaatsähnlichen Zügen etabliert. Wenn ESM und Fiskalpakt in Kraft treten, ist Europa endgültig in einer Transfer- und Überwachungsunion gefangen – mit schlimmen und unumkehrbaren Folgen für die Demokratie

Bundestag-Plenarsaal

Die turbulenten Debatten über die Zukunft der Europäischen Union vermitteln gegenwärtig ein widersprüchliches Bild: Während Berufspessimisten vom Schlage eines Nouriel Roubini einen Kollaps der Eurozone innerhalb von „3 bis 5 Monaten“ an die Wand malen, läuft zugleich eine Debatte über die Schaffung einer „echten“ Wirtschafts- und Währungsunion.

 

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20. Juli 2012, von Prof. Adorján Kovács

Seit dem Hereinbrechen der Finanzkrise wird davor gewarnt, „die“ Banker, „die“ Wirtschaft oder „das“ Wirtschafts- und Finanzsystem verantwortlich zu machen.

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Das Wort von der Managerschelte macht die Runde. So richtig das auch ist, so falsch die Konsequenz, überhaupt niemanden in die Verantwortung zu nehmen, nicht einmal symbolisch. Ein Plädoyer an die Massenmedien dafür, endlich an prominenter Stelle mehr Namen zu nennen – und zwar nicht die von Instituten, sondern von Personen.

Wer soll die Republik aus dem Schuldental retten? Früher einmal, es wird, wenn mich die Erinnerung nicht täuscht, noch zu Zeiten der Schröder-Regierung gewesen sein, titelte die „taz“ anlässlich der neoliberalen Hartz-IV-„Reformen“: Arme, Alte und Kranke sollen es sein.

 

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6. Juli 2012, von Albrecht Müller, zuerst erschienen bei den NachDenkSeiten

Darf man Begriffe benutzen, die bisher der Beschreibung der Verhältnisse in der Nazizeit vorbehalten waren?

SSST

Robert Misik hat für einen Kommentar in der TAZ („Kollegen, ihr habt versagt!“) den Begriff „Gleichschaltung“ zur Beschreibung der Mediensituation in Deutschland benutzt. Es ist begrüßenswert, dass endlich auch ein Journalist einen passenden Begriff, der üblicherweise der Beschreibung der Verhältnisse im Deutschland der Naziherrschaft vorbehalten ist, benutzt.

 

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