Politik

Dummheit 2.0: Die Piraten haben es voll verkackt

23. September 2013, von Hadmut Danisch

Das war kein Elfmeter, den sie verschossen haben. Die Piraten standen 3 Meter vor dem Tor, kein Torwart, keine Gegenmannschaft, viel Zeit – und trotzdem haben sie das Tor nicht getroffen.

SchiffSchlagseite-lnhg6724

Ich habe in meinem Blog schon mehrfach prophezeit, dass die Piraten als Mehrheitsbeschaffer in die Regierung kommen könnten, wenn sie es über die 5-Prozent-Hürde schaffen. Eigentlich hatte ich vermutet, dass es für Schwarz-Gelb zu knapp wird, jetzt ist die FDP ganz draußen und für die CDU reicht es so nicht.

Hätten sich die Piraten auf Themen konzentriert, mit denen sie Erfolg und in denen sie anfangs mal Kompetenz hatten, wären sie ein passender Koalitionspartner für die CDU geworden. Man hätte sich politisch auf das Thema Internet beschränkt und damit der CDU komplementär gegenübergestanden, die ja in Sachen Internet so gar keine Kompetenz, kein Gefühl, keine Politik hat.

Und das hätte man schaffen müssen. Denn die Weltlage war eine Steilvorlage, den Ball förmlich vor den Fuß gelegt: Vorratsdatenspeicherung, NSA-Skandal, alles wird abgehört, völlige Abwesenheit von Internetkompetenz bei allen anderen Parteien. Das hätte man gewinnen müssen. So dämlich kann man doch eigentlich gar nicht sein, dieses Gratis-Ding nicht abzuholen und in den Bundestag einzuziehen.

Aber die Piraten waren so dämlich.

An keiner, an keiner einzigen Stelle haben die den Eindruck erweckt, Politik zu können oder überhaupt nur erwachsen zu sein. Die Piraten haben nichts geliefert, wirklich gar nichts, einfach überhaupt nichts geliefert (außer vielleicht stillose Polemik gegen andere), und sich stattdessen nur mit sich selbst beschäftigt – und dabei bewiesen, dass sie sogar noch an der Beschäftigung mit sich selbst scheitern.

Wer wäre so blöd, einer Partei Politik anzuvertrauen, die sich nicht mal stabil halten kann, wenn sie noch gar keine Aufgabe hat?

Die Piraten nahmen Kompetenz für sich in Anspruch, aber bewiesen nicht nur, in wirklich jedem Thema inkompetent zu sein, sondern gar nicht erst ein Thema zu brauchen, um inkompetent zu sein. Die können nicht mal zusammen in einem Zimmer sitzen.

Und dazu kamen dann noch solche Super-Schwachsinnsthemen wie Grundeinkommen und Gender. In Berlin haben sie nichts auf die Reihe bekommen, aber Klotüren umzubeschriften und um der Geschlechterquote wegen Straßen dämliche Namen zu geben, das passt so genau auf deren Niveau. Zu nichts, was auch nur irgendwie wichtig wäre, irgendetwas geleistet, aber Belanglosigkeiten, mit denen sich kein annähernd vernünftiger Mensch abgeben würde, zu Problemen aufgeblasen. Politische Kompetenz ist, bestehende Probleme zu erkennen und zu lösen, nicht künstlich welche zu machen.

Wie konnte man überhaupt auf die Idee kommen, dass man mit Themen wie Gender und linken Positionen Stimmen holen könnte? Das sind nur raubkopierte (oder nach feindlicher Übernahme) aufgezwungene Themen der Grünen, Billigplagiate, No-Name-Handelsmarken. Wer sollte sowas wählen? Wer auch immer sowas wählen wollte, würde dafür die Grünen wählen. Und die haben deutlich verloren.

Die Piraten haben überhaupt nicht kapiert, was Politik eigentlich ist, nämlich Themen anzupacken, die gefragt sind, und nicht zu versuchen, der Welt seine eigenen privaten Probleme aufzudrücken. Man wird dafür gewählt, dass man die Themen anpackt, die der Wähler hat. Nicht dafür, dass man den Wähler mit seinen eigenen Hirnrissen belästigt. Dabei sind sie ja nicht mal so weit gekommen. Sagt mir mal einer, für welches Thema außer Klotüren die Piraten überhaupt noch aufgefallen wären. Wofür hätte man die noch wählen sollen? NSA? Kam kein Ton von denen. Und wenn, dann nur Gemecker, keine Lösungsansätze. Wie so ein quengelndes Kind.

Und dann die idiotische Personalstrategie.

Wenn ich mir anschaue, was für Typen, was für bekloppte Bilder ich hier in Berlin von den Piraten habe rumhängen sehen, habe ich mich stets gefragt, ob denen eigentlich klar ist, dass die Wählerstimmen holen und nicht vergraulen sollen. Wie konnte das passieren, dass ein Johannes Ponader da in eine exponierte Position kam? Wie konnte es passieren, dass eine Anke Domscheit-Berg gar auf die Kandidatenliste kommen konnte? Die politisch überhaupt nichts gebracht und geleistet, aber mit ihrem eigennützigen Gender-Quatsch enormen Schaden angerichtet hat?

Ich kann mir nur an den Kopf greifen, wenn man solche feministischen Lobhudeleien wie die der Süddeutschen liest, wonach Domscheit-Berg die perfekte Politikerin sein solle. Ich halte die Frau für unerträglich, für inkompetent und vor allem, was am schlimmsten ist, für massiv unseriös.

In meinem Blog gab es immer wieder Kommentare, und immer wieder bekam ich Mails, dass ich die Piraten doch nicht nach der blöden Führungstruppe bewerten sollte, sondern die angeblich so tolle Arbeit in den Regionen sehen müsse. So? Muss ich das? Es ist ja gar nichts zu sehen. Was haben sie denn gemacht? Und was bringt das, die Schuld auf die Knallchargen in den oberen Positionen zu schieben? Irgendwer muss die doch gewählt haben. Das Problem Anke Domscheit-Berg ist nicht von ihr selbst gemacht, sondern von denen, die sie intern gewählt haben. Und das waren auch die unteren Dienstgrade. Beschwert Euch nicht, den Mist habt Ihr selbst gebaut. Unternehmensberater in Sachen Gender will sie sein. Es möge jeder im Auge behalten, dass sie wesentlich daran beteiligt war, eine eigentlich unschlagbare Partei bei erwarteten 8% per Gender komplett raus- und in die Lächerlichkeit zu kicken.

Es war fatal, die Partei dem Genderismus und den grünen Überläufern zu überlassen. Reihenweise wurden die Leute mit Kompetenz rausgeekelt, weil die Gender-Idioten an immer mehr Stellen die Kontrolle übernommen haben, interne Medien wie Mailinglisten, Flaschenpost und so weiter heimlich zensiert und gefiltert haben.

Da habt Ihr den Mist: Als die Piraten noch eine Männer-Informatiker-Partei war, ging’s steil bergauf. Ziemlich genau seit die auf Gender sind und von diesem „Kegelclub” und deren vandalierenden Pöbel-Truppen gesteuert wurden, sich Leute wie Domscheit-Berg eingetreten haben, ging’s steil bergab. Merkt Ihr noch was?

Ich wage mal eine Prognose auf das traurige Ergebnis: Die CDU ist alleine nicht mehrheitsfähig und hat keinen Koalitionspartner mehr. Es wird wohl auf eine »große Koalition« aus schwarz-rot hinauslaufen. Oder womöglich auch auf Rot-Rot-Grün. Was bedeutet das? Dass die SPD die Ministerposten besetzen wird, für die die anderen keine Kandidaten eingeplant haben.

Und welche sind das?

Der Internet-Minister. Die SPD ist die einzige Partei, die explizit jemanden für das Thema Netzwerke aufgestellt hat. Gesche Joost, das ist die, die es für Internet-Kompetenz hält, Handys mit Glitzerfolie zu bekleben und dämliche Frauenhandys zu entwickeln, die Netzwerkstörungen vorgaukeln können, wenn man gerade nicht mit jemandem reden will. Internet auf dem Niveau pubertierender Teenager-Gören.

Gut möglich, dass wir künftig Internet-Politik auf diesem Niveau bekommen.

Und wem haben wir das zu verdanken? Den Piraten, die sich irgendwann mal für die führende Internet-Kompetenz in der Politik hielten.

Nachtrag: Nach aktuellem Stand der Hochrechnung (22.15) hat die CDU 295 oder 296 Sitze und hätte 300 zur Mehrheit gebraucht. Wären die Piraten mit einem ordentlichen Internet-Konzept reingekommen, hätten sie mit der CDU den Deal abschließen können, dass sie die Mehrheit beschaffen, dafür das Thema Internet bekommen und sich aus allem anderen komplett raushalten. Viele bei den Piraten halten die CDU nicht für unterstützungsfähig. So aber hätte man wenigstens das ursprüngliche Piraten-Kernthema »Internet« gehabt, Abgeordnete gestellt, wäre Bundestagspartei gewesen und hätte als Partei Geld bekommen.

Und jetzt? Jetzt haben sie gar nichts.

Oder doch, eins haben sie: Einen Grund, den Laden dicht zu machen.

Der Artikel erschien zuerst in Hadmut Danischs Blog.

 

Weitere Beiträge
Politik

Das politische Links-Rechts-Schema und die Frage: Was ist heute „links“?

16. Juni 2013, von Prof. Günter Buchholz
Das politische  Links-Rechts-Schema wirkt heute zu Recht vielfach veraltet, zum Teil deshalb, weil es Probleme gibt, die – wie die ökologische Krise – unabhängig von politischen Positionen die ganze Menschheit betreffen.
Hinzu kommt, dass diese Begriffe verpönt sind: die ehemals Rechten („Deutschnationale“, „Konservative“) und die ehemals Linken...

Politik

Rezension: „Piraten - Auslaufen zum Kentern! Wie man eine Partei erfolgreich versenkt“

06. Septermber 2013, von Arne Hoffmann
In der letzten Woche waren die Absurditäten in der Piratenpartei einmal mehr Thema auf Genderama. Das brachte mich dazu, mich intensiver mit der Frage zu beschäftigen, warum eine Partei, die weit überwiegend von Männern gegründet und etabliert wurde, für Sektierer aus dem feministischen Lager derart anfällig ist.
Und wie kam es überhaupt zum Niedergang dieser...

Gesellschaft

Frauen - Opfer der Gesellschaft?

12. November 2013, von Dr. Tomas Kubelik
Wir alle haben es längst internalisiert: Frauen sind das diskriminierte, das benachteiligte, das unterdrückte Geschlecht.
In der Berufswelt, in der Familie, in der Partnerschaft und nicht zuletzt in der Sprache: Frauen sind das Opfer patriarchaler Strukturen. Seit bald zwei Generationen wird die Öffentlichkeit mit diesem Dogma bearbeitet.
...

Geschlechterdebatte

André Sepeur: „Auch Feminismus ist ein Thema für den Umweltschutz“


Von Arne Hoffmann   28. März 2012
Heute wird Cuncti grün: Für meinen aktuellen Beitrag habe ich André Sepeur, den Herausgeber des Umweltjournals, interviewt.
Arne Hoffmann: André, nicht jeder Männerrechtler wird dich und deine Arbeit kennen. Könntest du dich erst einmal kurz vorstellen?
André Sepeur: Ich bin selbstständiger Internet-Unternehmer, betreibe dort eigene Medien wie beispielsweise das...

Geschlechterdebatte

Wir müssen reden – über Faschismus

Von Arne Hoffmann   15. März 2012
Das Kopfschütteln und der Ärger war groß über diese Schmähschrift der Heinrich-Böll-Stiftung – "Studie" konnte man diesen Mist ja wohl kaum nennen! Zu haarsträubend erschienen die Vorwürfe: Rechtsextremismus, Rassismus... und das, obwohl man in Wahrheit nichts anderes als Geschlechtergerechtigkeit forderte. Nein, polterten einige, eine Möglichkeit zum Dialog gab...

Geschlechterdebatte

Warum „Gleichstellung“ kein Auftrag des Grundgesetzes ist…

…und warum Gleichstellungs-Politiker das auch gar nicht wollen 7. März 2017, von Lucas Schoppe
Neulich bei Twitter erfand die grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast ein alternatives Grundgesetz.
Im herkömmlichen Grundgesetz findet sich das angegebene Zitat nicht, auch nicht an der Stelle, die Künast mehrmals zum Beleg anführt - mit dem freundlichen Hinweis, dass „ein Blick ins Gesetz (…) die...

Geschlechterdebatte

Sauberer Sex?

14. Dezember 2013, von Prof. Walter Hollstein
Eigentlich ist es ja erstaunlich, dass die Aufregung erst jetzt passiert. Und ausgerechnet über das Thema Prostitution. Zu den Hochzeiten des populären Feminismus in den späten Siebzigerjahren sollte ja nicht nur die Prostitution verboten werden, sondern die männliche Sexualität überhaupt.
Auf jeden Fall die genitale. Zärtliches Streicheln, ganz...

Politik

Julia Korbik und die Liberalen Männer in der FDP


21. juni 2017, von Mark Smith
Nach der taz und Edition F . hat nun ebenfalls der Vorwärts den Programmentwurf zur Gleichberechtigung der „Liberalen Männer" in der FDP aufgegriffen und macht ein Problem der Männerrechtler aus, das weit über die FDP hinausgeht.
Der böse Wolf und die 7 unschuldigen Geißlein Offenbar wittern gewisse Damen in den feministischen Leitmedien Gefahr, und es glühen...

Geschlechterdebatte

Diversity kann letztlich nur Individualität bedeuten

10. 08. 2014, von Dr. Alexander Ulfig
Diversity soll Vielfalt bedeuten. Doch die bestehenden Diversity-Programme orientieren sich nicht an der Vielfalt von Individuen, sondern an der von Kollektiven.
In immer mehr Unternehmen und Organisationen werden Diversity-Programme eingeführt. Beispielsweise bei der Deutschen Bahn AG. In einem Interview für das Portal ATKearney361Grad gibt Annette Gräfin von...

Geschlechterdebatte

Warum Feminismus nicht links ist (und die Männerrechtsbewegung nicht rechts)

15. Mai 2013, von Lucas Schoppe
„Links=feministisch?“ So ist auf Genderama ein Gastbeitrag des ehemaligen SPD- und Linken-Mitglieds Sven Janssen betitelt.
Janssen geht davon aus, dass eine Männerrechtsbewegung nur erfolgreich sein könne, wenn sie an der „Wurzel des Problems“ ansetze – dass nämlich feministische Positionen nicht einfach Ergebnisse „von intellektuellen Verirrungen“ wären, sondern deshalb...

Geschlechterdebatte

Feministische Zensur in Polen

6. April 2013, von Dr. Alexander Ulfig
Der polnische Regisseur Krzysztof Zanussi konnte seine Filme trotz kommunistischer Zensur realisieren. Doch was die Kommunisten nicht vollbrachten, wäre beinahe einer feministischen Lobby gelungen.
Krzysztof Zanussi gehört zu den bedeutendsten Regisseuren Polens. Er gewann mit seinen Filmen bei internationalen Filmfestspielen, z.B. in Cannes und Venedig,...

Geschlechterdebatte

Was vom Manne übrig blieb – Das Problem der männlichen Identität

1. Juni 2012, von Prof. Walter Hollstein
Im Folgenden möchte ich einige Bemerkungen zu Problemen der männlichen Identität in der heutigen Gesellschaft machen. Die Betonung liegt auf "Bemerkungen". Im Gegensatz zu der Lebenssituation von Frauen, die inzwischen eigentlich in allen Schattierungen und auf allen Lebensstufen sehr gut erforscht worden ist, sind Männerwelten bisher eher rudimentär...