Gesellschaft:

AGENS-Positionen zum Problem der häuslichen Gewalt


Wenn es um häusliche Gewalt gehe, sei die Dunkelziffer misshandelter Männer vermutlich weitaus höher, als es die Kriminalstatistiken hergeben, erklärte im Dezember 2008 die Nürnberger Kriminalhauptkommissarin Cora Miguletz. Man habe es hier mit einem extrem tabuisierten Thema zu tun. "Die Männer müssen jetzt das Gleiche tun, wie die Frauen vor 20 Jahren - sie müssen sich eine Lobby schaffen" befindet Miguletz. "Doch dazu ist es erst einmal notwendig, dass man sich eingesteht, dass einem so etwas passieren kann - auch als Mann. Erst dann kann sich das Rollenverständnis ändern." Auch die Berner Kommission für Gleichstellungsfragen gelangte in ihrem Gewaltbericht 2010 zu dem Fazit: "Die gegenwärtige Situation männlicher Opfer ähnelt der von vergewaltigten und misshandelten Frauen vor dreissig Jahren. Sie mussten damals gegen Verleugnung der Problematik und gegen Ignoranz kämpfen."

 

Extremistisch? Populistisch?

Wenn Etiketten die Bewertung beeinflussen


Zuerst erschienen auf Sciencefiles.org

Im deutschen politischen Diskurs ist es an der Tagesordnung, die Position des politischen Gegners oder den politischen Gegner gleich selbst als extremistisch oder populistisch zu bezeichnen. So schreibt die Badische Zeitung von der Rückkehr des “Populisten Guttenberg”, die Zeit weiß, dass Putin ein “nationaler Populist” ist, und Spiegel-Online kennt den Schweizer Populisten Christoph Blocher. Populismus werfen Lokalpolitiker von CDU und SPD in Grevenbroich dem “UWG-Vorsitzenden Carl Windler” vor, reiner Populismus ist in Goch am Werk, wo im Gemeinderat um die Erhebung von Elternbeiträgen für die Kindertagespflege gestritten wird, und selbst der Streit um die Westerhausener Turnhalle ist nicht davor gefeit, den Vorwurf reinen Populismus’ mit sich zu bringen. Der Zweck dieser Etikettierung von unliebsamen oder Gegenpositionen ist klar: Die entsprechenden Positionen sollen abgewertet, die Urteilsbildung von Beobachtern beeinflusst, gar manipuliert werden. Ob das klappt?

 

Prof. Adorján Kovács: Die Deutschen heben wieder ab

Ein Volk der Extreme: Wie aus Nazis Linke wurden und aus Linken Nazis werden: Interview mit Professor Adorján Kovács, Arzt und Publizist

Alexander Ulfig: Sie arbeiten als Arzt und sind daneben auch als Publizist tätig. Ihre publizistischen Arbeiten kreisen fast alle um Deutschland. In Ihrem Buch „Deutsche Befindlichkeiten“ werfen Sie den Deutschen die Neigung zu Übertreibungen und Extremen vor. Ist diese Neigung wirklich eine typisch deutsche Charaktereigenschaft?

Adorján Kovács: Ob es überhaupt so etwas wie kollektive Eigenschaften gibt, ist ja umstritten. Ich meine aber auch nicht, wenn ich von „den“ Deutschen rede, tatsächlich jeden einzelnen; das ist doch eigentlich selbstverständlich. Dennoch wird jeder, der die Welt unvoreingenommen mit offenen Augen sieht, feststellen, dass es durchaus gewisse und auch typische Unterschiede zwischen vielen, selbstverständlich nicht sämtlichen Angehörigen verschiedener Völker gibt, wobei die Ursachen dafür zunächst einmal keine Rolle spielen sollen. Die Feststellung von unterschiedlichen Volkscharakteren ist eigentlich banal und natürlich an sich auch nichts Schlimmes. Nehmen wir zum Beispiel den Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki, der meinte, die Eigenschaft, die bei Juden besonders auffiele, sei ihre Intensität.

 

Gesundheit und Kommerz

Derzeit macht die Kunde vom geplanten Zusammenschluss zwischen Helios, einer Tochtergesellschaft des Pharmariesen Fresenius, und der Rhön-Klinik AG die Runde im deutschen Blätterwald. Die Gigantomanie, die gedanklich hinter diesem Plan zum Bau des größten deutschen Klinikkonzerns steckt, wird in der übrigen Wirtschaft immer öfter kritisiert, aber für den medizinischen Sektor ist sie noch relativ neu und wird darum umso unbedenklicher forciert.

 

Hegemoniale Moral


Zuerst erschienen auf Sciencefiles.org

Moralische Erwägungen sind in modernen Gesellschaften öffentlich. Öffentliche Agenten geben moralisch Wünschenswertes vor und versuchen, durch die Setzung des “moralisch Wünschenswerten” das Verhalten von Ihnen und mir zu beeinflussen, zu lenken, in die richtige Richtung versteht sich. Entsprechend ist der öffentliche Raum gefüllt mit moralisch wünschenswerten Darbietungen. Der Versuch, durch die Protegierung moralisch wünschenswerter Verhaltens im öffentlichen Raum, die gesellschaftliche Wirklichkeit zum (vermeintlich) Besseren zu verändern, kann jedoch nicht gelingen. Damit gibt es ein logisches und – wie eine neue Untersuchung von Mazar und Zhong (2012) zeigt, ein empirisches Problem.

 

Heuchler, Heuchelei und die Logik dahinter


Zuerst erschienen auf Sciencefiles.org

Haben Sie auch ein Gefühl der Befremdung, wenn Sie Politiker den “Wählerauftrag” beschwören hören, nur um dann im nächsten Satz im Hinblick auf hehre Ziele wie “Solidarität” oder “soziale Gerechtigkeit” darüber belehrt zu werden, was gut für Sie ist bzw. was Sie und “die Menschen” “verstehen” oder “einsehen” müssen? Haben Sie dasselbe Gefühl, wenn Aktivisten es sich offensichtlich leisten können, Monate lang öffentliche Plätze zu besetzen, um ausgerechnet gegen Banker zu demonstrieren, die mit dem Geld der “Bevölkerung” “Roulette” spielen und dadurch “Ungleichheit” zementieren?

 

Inkompetenz bewahrt vor Zweifel

Wer inkompetent ist, merkt nichts (mehr).


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Warum fehlt manchen Menschen die Einsicht, dass die Positionen, die sie vertreten, nicht haltbar sind? Warum behaupten Politiker vollmundig Dinge, von denen sie nachweislich keine Ahnung haben oder sogar wissen, dass sie falsch sind? Warum beforschen Wissenschaftler weiterhin Forschungsgegenstände, die als irrelevant oder falsch erwiesen sind? Warum lassen sich manche Zeitgenossen auch mit noch so guten Argumenten nicht von der Falschheit ihrer eigenen Überzeugungen überzeugen? Warum sind manche Zeitgenossen nicht in der Lage, die eigene Inkompetenz zu erkennen? Die Antworten auf diese Fragen sind nicht nur für den Prozess der Wissenschaft als solchen wichtig, sie vermitteln auch Einsicht in den Intellekt der so beschriebenen Zeitgenossen.

 

Deutsche Gebärpolitik: Quantität statt Qualität


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Drei Faktoren machen den demografischen Wandel (nicht nur) in Deutschland aus: ein Geburtenrückgang, längeres Leben und Migration. Seit 1972 werden in Deutschland weniger Kinder geboren als Alte sterben. Die Geburtenhäufigkeit liegt unter der magischen Zahl von 2.1 Kindern pro Frau, was die Reproduktion der Gesellschaft angeblich in Frage stellt. Außerdem wird Deutschland immer älter, denn eine längere Lebenserwartung und eine zurückgehende Geburtenhäufigkeit verschieben die Gewichte zu gunsten Älterer.

 

Der Gedanke der Frauenemanzipation in der Geschichte

Die Gleichberechtigung der Frau ist ein Thema, das heute – wie sonst nur das fließende Wasser und die Elektrizität – dazu dient, die Moderne von der Zeit davor zu trennen. Im populären Narrativ waren die Frauen Jahrhunderte, wenn nicht Jahrtausende, durch den Mann unterdrückt und errangen ihren Platz in der Welt erst im späten 19. und im Verlauf des 20. Jahrhunderts. Die Sichtweise der heutigen Zeit als einer erleuchteten und der Vergangenheit als einer düsteren, zurückgebliebenen aber ist anachronistisch und wenig aussagekräftig. Tatsächlich ist die Gleichberechtigung der Frau ein modernes Thema, aber vor allem deshalb, weil sie erst seit kurzer Zeit überhaupt eine Rolle spielt.

 

Government Failure – ein Tabu deutscher Sozialwissenschaften

Eine der erstaunlichsten Lücken politikwissenschaftlicher und ökonomischer Forschung betrifft das Versagen von Regierungen. Regierungen treten regelmäßig an, um "ihre Kraft dem Wohle des deutschen Volkes zu widmen, seinen Nutzen zu mehren, Schaden von ihm zu wenden, das Grundgesetz und die Gesetze des Bundes zu wahren und zu verteidigen, und ihre  Pflichten gewissenhaft zu erfüllen, und Gerechtigkeit gegen jedermann zu üben".

 

Lebenslanges Lernen und lebenslange Steuern: Die Systematik hinter der sozialen Ungleichheit

Im Jahre 2000 hat die Europäische Union im Rahmen ihrer Lissabon-Strategie das “Lebenslange Lernen” als Möglichkeit entdeckt, um rund 7 Milliarden Euro über den Zeitraum von 2007 bis 2013 den Bereitstellern von Bildung aller Art zukommen zu lassen. Mittlerweile ist die Lissabon-Strategie von 2000 zur Strategie “Europa 2020? mutiert, einer Strategie für ein “intelligentes, nachhaltiges und integratives Wachstum”.

 

Diskriminierungen – individuell oder kollektiv?

Die Frage, was Gerechtigkeit bedeutet, beschäftigt Menschen seit Jahrtausenden. In der Gegenwart konkurrieren kollektivistische Auffassungen, denen zufolge die Gruppenzugehörigkeit für die Beurteilung eines Menschen entscheidend ist, mit individualistischen Auffassungen, für die die Einzigartigkeit (Individualität) des Menschen den höchsten Wert darstellt. Die kollektivistischen Auffassungen gehen davon aus, dass Menschen qua Gruppenzugehörigkeit benachteiligt, andere Menschen ebenfalls qua Gruppenzugehörigkeit bevorzugt werden.