Gesellschaft

Das Gina-Lisa Urteil ist richtig und gut!

...und eine schallende Ohrfeige für die beiden Bundesminister Schwesig und Maas

Bis zuletzt war auch für Experten nicht absehbar, wie das Verfahren rund um das „It-Girl“ Gina-Lisa Lohfink ausgehen würde. Und das nicht etwa deshalb, weil sich Frau Lohfink mit Burkhard Benecken einen echten „Promi-Anwalt“ und selbsterklärten Spezialisten für schlicht jedes Rechtsgebiet ins Boot geholt hatte, der sie aufgrund seiner profunden Kenntnisse hätte „raushauen“ können.

vicffagt 33577gqi

Erst recht nicht, weil etwa die Beweislage zu dürftig gewesen wäre; das war sie entgegen zahlreicher unsubstantiierter Behauptungen in den Medien von Anfang an nicht.

Zur Erinnerung: Nach dem Sachverständigengutachten war eine Manipulation durch KO-Tropfen ausgeschlossen. Das vermeintliche Opfer Lohfink war in der umfassend auf Video festgehaltenen Nacht wach, ansprechbar und vollständig orientiert. Sie selbst hatte zunächst von einvernehmlichem Sex gesprochen, dann von einer Vergewaltigung, dann von KO-Tropfen. Zusammengefasst: Wer sich ernsthaft mit dem Fall befasste, dem war schnell klar, dass die Schauspielerin Lohfink die Vergewaltigung ganz einfach erfunden hatte. Ob sie das getan hat, um nach der Verbreitung der Sexvideos ihren Ruf zu schützen, so wie es die Staatsanwaltschaft vermutete? In ihrem letzten Wort betonte die Angeklagte jedenfalls, sie sei nicht hier, um berühmt zu werden – nun ja, zu spät.

Über den Autor

Alexander Stevens

Dr. Alexander Stevens ist ausschließlich auf Sexualstrafsachen spezialisierter Anwalt mit Schwerpunkt Missbrauch, Vergewaltigung und Kinderpornographie, eine Spezialisierung die in Deutschland fachlich kaum bzw. nicht vertreten ist. Einem breiten Publikum ist er durch sein am 01. April 2016 erschienenes Buch „Sex vor Gericht“ (Knaur Verlag) bekannt

Nein, man kann der Berliner Justiz nur den größten Respekt zollen, dass sie sich nicht von den größtenteils völlig unkritischen Medien oder den gleichfalls völlig desinformierten Gina-Lisa-Fans ins Handwerk gepfuscht haben zu lassen. Denn einer dieser Fans war der eigene oberste Dienstvorgesetzte – der Bundesjustizminister.

Vor nicht allzu langer Zeit hatten sich völlig unerwartet Bundesminister wie Manuela Schwesig und zuletzt sogar Heiko Maas öffentlich zu dem laufenden Verfahren geäußert. Der Prozessausgang war deshalb völlig offen, denn wie heißt es so schön in einem alten, aber keineswegs veralteten Sprichwort: „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“.

Wie oft haben wir es schon erlebt, dass sich die Justiz nur allzu liebedienerisch eben jenen politischen Wünschen beugt, welche gerade „en vogue“ sind - denken Sie nur an Gustl Mollath oder den Fall des „Neuburger Notarztes“. In beiden Fällen hatte die Politik recht unverblümt einen Freispruch quasi eingefordert, welcher dann auch prompt geliefert wurde. Dass beide Fälle in Bayern spielten, wo Staatsanwaltschaft und Gericht auch noch mit dem gleichen Personal durchwechseln, ist wohl kein reiner Zufall.

Wie oft hörte ich schon von Richtern und Staatsanwälten die sich gesetzes- aber nicht weisungstreu verhalten hatten, nun einen „EDEKA-Stempel“ (Ende der Karriere) in der Personalakte stehen zu haben. Wie weit es inzwischen mit unseren rechtsstaatlichen Prinzipien gekommen ist, dass man Richtern und Staatsanwälten huldigen muss, die sich an Recht und  Gesetz halten und sich dabei nicht von mediengeilen Politaktionisten wie Familien- und Justizministern beeinflussen lassen?!

Was ist das für ein Bundesjustizminister, der sich ohne Aktenkenntnis und allem Anschein nach ohne großen Sachverstand in ein laufendes Verfahren öffentlich einmischt? Immerhin wurde im Windschatten dieses „skandalösen Falls“ mal eben mit großem Rückenwind eine sinnlose und handwerklich schlechte Verschärfung des Sexualstrafrechts durchgewinkt.

Der eigentliche Skandal an dem Fall „Gina-Lisa“ ist indes ein anderer. Denn wer die derzeitige Praxis der Justiz rund um die Frage von Falschaussagen bei Sexualdelikten auch nur ansatzweise kennt – und von einem Bundesjustizminister dürfte eine solche Kenntnis im eigenen Wirkungskreis durchaus erwartet werden – weiß, dass die Täter hier quasi nie eine Strafverfolgung zu befürchten haben – Im Gegensatz zu kleinen Schwarzfahrern und Kiffern, wo die Justiz mit aller Härte des Gesetzes zuschlägt.

„Nur“ 7 % aller Vergewaltigungsanzeigen werden laut polizeilicher Kriminalstatistik in der Justiz als erwiesene (!) Falschbeschuldigungen gewertet und somit strafrechtlich verfolgt. Dies obwohl zahlreiche ideologisch gänzlich unverdächtige und seriöse Studien indizieren, dass die wirkliche Zahl deutlich höher liegen dürfte: Wie etwa die des rechtsmedizinischen Instituts Hamburg, das die größte deutsche Opferambulanz betreibt und die Falschbelastungsquote in 27 Prozent der Fälle nachweisen konnte, in denen sich die angeblich Vergewaltigten ihre Verletzungen selbst zugefügt hatten. Selbst Polizeibehörden gehen davon aus, dass die Falschbelastungsquote bei Sexualdelikten deutlich höher liegt, so etwa eine Sachbearbeiterbefragung des LKA Bayern, wonach die erfahrenen Ermittler den Falschbelastungsanteil auf  33,4% schätzen.

Im Umkehrschluss kann man also davon ausgehen, dass wenn die Justiz gegen eine Frau wegen falscher Verdächtigung ermittelt, auch tatsächlich stichhaltige Beweise zur Verfügung stehen. Die Justiz will nämlich trotz der eklatanten Fallzahlen rund um Falschbeschuldigungen um jeden Preis vermeiden, dass wahre Opfer von Sexualtaten von einer all zu harten Gangart gegen mögliche Zweifel am Wahrheitsgehalt davon abgehalten werden, eine Strafanzeige gegen ihren Peiniger zu erstatten. Dass dem so ist, belegt eine Studie des LKA Bayern aus der hervorgeht, dass Anzeigen wegen Vortäuschung oder falscher Verdächtigung - mit wenigen Ausnahmen - nur dann von der Polizei an die Staatsanwaltschaft überhaupt abgegeben werden, wenn das vermeintliche Opfer gesteht, den Sachverhalt falsch geschildert zu haben, oder die Beweislage bei Abschluss der Ermittlungen klar gegen die Aussagen des „Opfers“ spricht. Selbst in diesen Fällen wurden noch rund ein Viertel der Strafverfahren ohne Folgen für die mutmaßliche Täterin eingestellt.

 

sex vor gericht ssfeteufMit anderen Worten: selbst ohne Kenntnis des Falls war von Anfang an davon auszugehen, dass die Staatsanwaltschaft Berlin wohl sehr gute Gründe hatte, um Frau Lohfink anzuklagen. Das hätte einem Justizminister selbst ohne Aktenkenntnis klar sein müssen, ebenso wie ihm hätte klar sein müssen, dass man sich als Dienstherr nicht in ein laufendes Strafverfahren einmischt um fleißig zu politisieren.

Dass letztlich die Staatsanwaltschaft recht behielt und das Gericht Gina Lisa antragsgemäß verurteilte, lässt immerhin hoffen und setzt das richtige Zeichen: in Richtung eines deplatzierten Justizministers, in Richtung desinformierter Feministinnen, die ohne Akten- und Sachverstand pauschal gegen die „Vergewaltiger-Spezies“  Mann konspirieren, aber insbesondere in Richtung der gut 30 % Falschbeschuldigerinnen wie es Gina-Lisa eine ist. Denn wer einen anderen unschuldig eines schweren, kaum nachweisbaren Verbrechens bezichtigt, um einen wie auch immer gearteten Vorteil zu erhaschen, sei es nur Rache oder eben eine Widerbelebung der eigenen TV-Präsenz, der verdient es, dafür bestraft zu werden.

Man muss sich dabei eines vor Augen halten: Ohne die umfangreichen (Entlastungs-)Beweisvideos wären die beiden Männer vermutlich zu langjährigen Haftstrafen verurteilt worden. Daher in jedweder Hinsicht Vielen Dank Gina Lisa.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Sexuelle Gewalt durch die Mutter - Manfred Bielers "Still wie die Nacht"


Manfred Bielers Roman „Der Mädchenkrieg", die Geschichte einer deutschen Familie in Prag, war 1976 mehrfach preisgekrönt verfilmt worden, die Verfilmung „Das Kaninchen bin ich“ des gleichnamigen, in der DDR verbotenen Bieler-Romans aus dem Jahr 1965 durfte erst 1989 vorgeführt werden.
Das umreißt auch schon wesentliche Lebensstationen des Autors: Manfred Bieler wurde 1934 in Zerbst geboren, war...

Geschlechterdebatte

Sexismus ist weiblich – oder: Das Märchen vom bösen Buschmann


Was haben Frauen für ein Bewusstsein von Aggression und Unterdrückung? Haben Affen den Flitzebogen erfunden? Hat jede Frau ein süßes Geheimnis? Warum schleppen schwarze Männer Scheiße? Wie erkennt man Sexisten? Warum schmeckt ihnen die Süßspeise nicht?
Das sind vielleicht Fragen. Die haben sich nach und nach ergeben, als ich die Überschrift las: „Viele Frauen haben kein Bewusstsein für die eigene...

Politik

Zweierlei Frauenverachtung: H. Clinton versus D. Trump

Wer von beiden ist abschätziger gegenüber Frauen?
Der 45. Präsident der USA hat mittlerweile sein Amt angetreten. Die Enttäuschung auf der Verliererseite über den sicher geglaubten Sieg ist noch immer groß. Was vielen als Verrat an Hillary Clinton als einer Symbolfigur der Frauensache dünkt, bedarf der genaueren Betrachtung.
Die Äußerungen  von Donald Trump über die Verfügbarkeit von Frauen – grab ’em...

Gesellschaft

Nicolaus Sombart: Erotik ist Verführung


Eine intelligente Alternative zum Gender-Mainstreaming Erinnert sich noch jemand? Die Sexualhysterie der deutschen Medien erreichte Mitte letzten Jahres einen Höhepunkt. Das reale alter ego des Herrn Kaiser von der Hamburg-Mannheimer reiste nach dessen Rückzug aus der Werbung ins Gellért-Hotel nach Budapest, wo er mit vielen Kollegen ein (nach Zeugenaussagen: rauschendes) Sexfest feierte. Das...

Geschlechterdebatte

Das Hurenmodell


Eins vorweg: Daß Liebende und Ehepartner einander verlassen, ist so alt wie es Männlein und Weiblein gibt.
Und was der häufigste Grund dafür ist, weshalb Männer Frauen verlassen, kann ich mir wie auch der geneigte Leser schon denken: `Ne Jüngere! Aber über solcherlei Tragödien soll besser eine Frau reflektieren. Auch geht es mir nicht darum, die Irrungen und Wirrungen in Liebesdingen bei jungen Menschen...

Geschlechterdebatte

Umgekehrter Rassismus? Sexismus?


Das Weltkulturen Museum in Frankfurt am Main (ohne Bindestrich offiziell so falsch geschrieben) zeigt derzeit eine Ausstellung namens „TRADING STYLE – Weltmode im Dialog“, mit den Modelabels A Kind of Guise (Deutschland), Buki Akib (Nigeria), CassettePlaya (Großbritannien), P.A.M. (Australien) und historischen Objekten aus der Sammlung des Weltkulturen Museums.
 

Geschlechterdebatte

„Sexismus“ - die neue Prüderie?


Das Lamento über den Sexismus stammt aus der geplünderten Waffenkammer des Feminismus. Es ist ein Kampfbegriff, der von politischer Indoktrination und nicht von aufgeklärter Überzeugung lebt.
Letztlich soll er die Welt von Männern und Frauen verändern. Deren Beziehungen soll nicht mehr von Erotik geprägt werden, weil das zu sehr die Gemeinsamkeiten statt des Trennenden betont. So soll Erotik,...

Gesellschaft

Horst Arnold - ein bitterer Nachruf


Exemplarische Abrechnung mit der Gleichstellungsideologie der letzten 10 Jahre
Der Gymnasiallehrer Horst Arnold musste für 5 Jahre hinter Gitter, weil seine Kollegin behauptet hatte, sie sei von ihm in der großen Pause im Biologievorbereitungsraum rektal vergewaltigt worden. Es stand Aussage gegen Aussage. Warum sollte sie so etwas behaupten?
Sicher ist so ein Verfahren wegen Vergewaltigung kein...

Gesellschaft

Das Unwort im Munde herumgedreht

23. Januar 2013, von Andreas Kraußer, zuerst erschienen bei MANNdat
Eine Jury um die Sprachwissenschaftlerin Nina Janich hat „Opfer-Abo“ zum Unwort des Jahres 2012 gekürt. Sowohl inhaltlich als auch im Hinblick auf das Auswahlverfahren hat sich die Jury damit der Lächerlichkeit preisgegeben. Dagegen gebührt Jörg und Miriam Kachelmann Dank, mit ihrer kreativen Wortschöpfung einen...

Wissenschaft

Sind Gender Studies Wissenschaft?


Der Feminismus stimmt mit der Biowissenschaft darin überein, daß es Mann und Frau, also den biologischen Dimorphismus als Voraussetzung der Fortpflanzung der Gattung, tatsächlich gibt, und dies war und ist zugleich immer schon selbstverständlicher Teil des Alltagswissens. Der Genderismus bestreitet jedoch in den Gender Studies, die einen wissenschaftlichen Anspruch erheben, genau dies. Es komme...

Gesellschaft

Sexuelle Belästigung: In Deutschland bisher nur während der Arbeitszeit verboten

Über die (noch) fast grenzenlose Freiheit von Grapschern und sexuellen Anmachen in Deutschland
Die Debatte um sexuelle Belästigung von Frauen ebbt nicht ab. Zuletzt bei den sog. „Sex- Mobs" in der Silvesternacht, aber auch im letzten Jahr, als selbsterklärte „Pick-Up- Artists" Jagd auf „sexhungrige" Frauen machten, die freilich durch die offensiv eingesetzten Fertigkeiten der...

Geschlechterdebatte

„Lasst das mal den Papa machen“

Der „Stromberg“-Film ist sexistisch: Fragt sich nur, gegenüber wem
Bernd Stromberg ist zurück: Noch ein Mal – als Kinofilm. Die Büro-Satire spielt im (vermeintlichen) Alltag europäischer Durchschnittsbürger, in diesem Falle Versicherungsangestellter in Nordrhein-Westfalen.
So viel vorweg: Ich teile die Ansicht des Schauspielers – und Hauptdarstellers – Christoph Maria Herbst, wonach „Stromberg“...