Gesellschaft

AGENS-Positionen zum Problem der häuslichen Gewalt

Von Arne Hoffman, 12. Mai 2012

Wenn es um häusliche Gewalt gehe, sei die Dunkelziffer misshandelter Männer vermutlich weitaus höher, als es die Kriminalstatistiken hergeben, erklärte im Dezember 2008 die Nürnberger Kriminalhauptkommissarin Cora Miguletz. Man habe es hier mit einem extrem tabuisierten Thema zu tun. "Die Männer müssen jetzt das Gleiche tun, wie die Frauen vor 20 Jahren - sie müssen sich eine Lobby schaffen" befindet Miguletz. "Doch dazu ist es erst einmal notwendig, dass man sich eingesteht, dass einem so etwas passieren kann - auch als Mann. Erst dann kann sich das Rollenverständnis ändern." Auch die Berner Kommission für Gleichstellungsfragen gelangte in ihrem Gewaltbericht 2010 zu dem Fazit: "Die gegenwärtige Situation männlicher Opfer ähnelt der von vergewaltigten und misshandelten Frauen vor dreissig Jahren. Sie mussten damals gegen Verleugnung der Problematik und gegen Ignoranz kämpfen."

Mit der Männerrechtsbewegung ist die von Kommissarin Miguletz geforderte Lobby gerade im Entstehen. Die von ihr begangenen Tabubrüche führen zu anhaltenden heftigen Attacken aus dem feministischen Lager. Bis zu einem gewissen Teil ist AGENS ein Teil dieser Lobby. Aber AGENS ist mehr als nur ein Teil der Männerbewegung. AGENS geht es um das Engagement für eine Geschlechterpolitik, die beiden Geschlechtern zugute kommt, weil sie auf problemorientierter Wissenschaft und nicht auf Ideologie beruht. Das Problemfeld häuslicher Gewalt ist einer der Bereiche, wo diese entideologisierte Politik zu einer deutlichen Reduzierung der Gewalt in Partnerschaften beitragen kann.

Die AGENS-Positionen zum Problemfeld häuslicher Gewalt im Einzelnen

1.) AGENS plädiert mit Nachdruck dafür, dass das gesamte Spektrum der häuslichen Gewalt enttabuisiert wird und von Politik und Medien als das soziale Problem angegangen wird, das es ist – und nicht nur, wie bisher, das eng umgrenzte Spektrum von häuslicher Gewalt, die Männer gegen ihre weiblichen Partner ausüben. Ebenfalls angesprochen gehört häusliche Gewalt von Frauen gegen ihren männlichen Partner, häusliche Gewalt von Eltern gegenüber ihren Kindern, häusliche Gewalt von Kindern gegen ihre Eltern, häusliche Gewalt gegen Senioren und häusliche Gewalt unter Geschwistern. Wenn für AGENS derzeit häusliche Gewalt gegen Männer im Vordergrund steht, dann deshalb, weil es hierzu erstens eine ebenso starke Tabuisierung wie einen extrem stabilen Forschungsstand gibt und die Enttabuisierung dieses Aspekts zweitens einen Knackpunkt beim Angehen häuslicher Gewalt insgesamt darstellt.

Auch die hohe Rate häuslicher Gewalt in homosexuellen Partnerschaften muss in diesem Zusammenhang angesprochen werden. Dieses Problem weiter unter den Teppich zu kehren, weil die hohe Rate solcher Gewalthandlungen beispielsweise bei lesbischen Paaren die feministischen Ideologie vom "Patriarchat" als Ursache häuslicher Gewalt Lügen straft, betrachtet AGENS als besonders perfide Form von Homophobie, die die Betroffenen weiter dieser Form von Gewalt ausgesetzt hält, statt sie effektiv davor zu schützen.

2.) Seit Anfang der 80er Jahre liegen Studien vor, denen zufolge Gewalt in Partnerschaften etwa zum gleichen Anteil von beiden Geschlechtern ausgeht. Inzwischen gibt es mehrere hundert solcher Untersuchungen aus aller Herren Länder. Der amerikanische Psychologe Martin Fiebert hat eine vielbeachtete Bibliographie dieser Studien online gestellt. Viele dieser Untersuchungen belegen sogar, dass Frauen häusliche Gewalt häufiger initiieren als Männer. So gaben etwa auch in der im Jahr 2010 veröffentlichten EKD-Studie "Männer - die ewigen Gewalttäter?". 45 Prozent der befragten Männer und 41 Prozent der befragten Frauen an, häusliche Gewalt erlitten zu haben. Da AGENS aber einen "Wettbewerb" um Opfer-Sein und Täterschaft unterbinden möchte, lassen wir es auf der Annahme der "annähernden Gleichverteilung" beruhen, die für ein lösungsorientiertes Herangehen an diese Problematik vollkommen ausreicht. Wichtig ist es, überhaupt einmal anzuerkennen, dass häusliche Gewalt in der überwiegenden Zahl aller Fälle entgegen dem beliebten Klischee eben nicht "prügelnder Mann und geschlagene Frau" bedeutet.

3.) AGENS erscheint es ebenfalls als wenig sinnvoll, das bisherige Klischee mit der Behauptung retten zu wollen, dass Frauen von häuslicher Gewalt weit schwerere Verletzungen davontrügen. Der Soziologe Bastian Schwithal äußert sich hierzu in seiner Metastudie "Weibliche Gewalt in Partnerschaften: Eine synontologische Untersuchung" eindeutig: "Übersicht 'Studien: Severe Violence' gibt die Ergebnisse von 94 Studien und Untersuchungen hinsichtlich schwerer Gewaltformen ('severe violence') wieder. Ähnlich wie bei 'minor violence' lässt sich auch hier die Beobachtung machen, dass ein höherer Anteil an Frauen schwere Gewalt gegenüber einem Intimpartner gebraucht als umgekehrt. Das Verhältnis von Männern und Frauen im Hinblick auf 'verübte Gewalt' ist 47,0% zu 53,0%. Bei 'erlittener Gewalt' ergibt sich hinsichtlich der Geschlechtsverteilung folgendes Bild: 52,3% Männer gegenüber 47,7% Frauen hatten schwere Gewaltformen durch einen Intimpartner erlitten."

Auch Thomas B. James Buch "Domestic Violence: The 12 Things You Aren't Supposed to Know" (Aventine Press 2003) enthält ein eigenes Kapitel, das Dutzende von Studien dokumentiert, die belegen, dass nicht Frauen, sondern Männer bei häuslicher Gewalt die schwereren Verletzungen davontragen,

Da es AGENS auch hier nicht um eine Opferkonkurrenz geht, sondern schlicht darum, häusliche Gewalt gegen Männer auch durch die Hintertür nicht wieder zu verharmlosen, können wir auch hier die Formulierung akzeptieren, dass beide Geschlechter "etwa gleich schwere" Verletzungen erleiden.

4.) AGENS weist in diesem Zusammenhang mit Nachdruck auf die kriminologische und soziologische Erkenntnis hin, dass häusliche Gewalt mehrheitlich systemisch und in Wechselwirkung stattfindet. Es gibt also in der Mehrzahl der Fälle nicht einen Prügler/eine Prüglerin und ein Opfer, sondern sich gegenseitig aufschaukelnde und immer weiter eskalierende Konflikte. Darüber hinaus tritt häusliche Gewalt nicht nur geschlechter-, sondern auch generationenübergrifend auf: Wenn also die Mutter gegenüber dem Vater körperlich aggressiv wird, "lernt" häufig auch der Sohn, dass Gewalt ein Mittel zur Konfliktlösung darstellen kann. Wird der Vater gegenüber der Mutter körperlich aggressiv, "lernt" dasselbe die Tochter. Die Mehrzahl der Menschen, die als Erwachsene zu Gewalthandlungen neigen, waren als Kinder selbst Opfer von häuslicher Gewalt – häufig von einem Angehörigen des anderen Geschlechts.

Diese Erkenntnis ist aus der Sicht von AGENS eminent wichtig, um häusliche Gewalt sinnvoll anzugehen. Die feministische Ideologie, in der männliche Gewalttäter dämonisiert und männliche Opfer ausgeblendet werden, schadet auch den Frauen, weil die Vernachlässigung männlicher Opfer die Gewaltspirale aufrechterhält. Solange Massen an Personal und Unsummen von Steuergeldern für eine einseitige Herangehensweise verschleudert werden, weil statt auf wissenschaftliche Studien auf feministische Propaganda gehört wird, bleibt der Kampf gegen häusliche Gewalt aussichtslos.

5.) AGENS protestiert entschieden dagegen, dass der skizzierte seit Jahrzehnten vorliegende Forschungsstand von der deutschen Politik aus ideologischen Gründen schlichtweg ignoriert wird – etwa wenn es auf der Website des Berliner Senats bis heute heißt "Häusliche Gewalt wird in über 80% der Fälle von Männern ausgeübt." Wenn man sich den Fakten verweigert, lässt sich das Problem der häuslichen Gewalt nicht lösen. Regierungsstellen, die sich auf diese Weise einer zielführenden Bekämpfung der häuslichen Gewalt verweigern, müssen dafür angeprangert werden, bis sich dies ändert.

Darüber hinaus müssen die Verantwortlichen für die deutsche Geschlechterpolitik in diesem Zusammenhang stärker in die Pflicht genommen werden. Als etwa der Geschlechterforscher Dr. Peter Döge am 13. November 2010 die oben erwähnte Studie, die auf die hohe Rate männlicher Opfer von häuslicher Gewalt hinweist, auf einer Veranstaltung der EKD vorlegte, blieben Vertreter des Bundesfrauenministeriums der Veranstaltung genauso demonstrativ fern, wie sie zuvor Veranstaltungen zur Jungenkrise ferngeblieben waren. Ministerin Kristina Schröder selbst erklärte lapidar: "Dass die Hälfte der Fälle auf das Konto von Frauen gehen soll - das glaube ich nicht. Der Mann ist nun einmal stärker und löst daher öfter Konflikte mit Gewalt als Frauen." Und als das Bundeskabinett am 4. Mai 2011 die Unterzeichnung des Europaratsübereinkommens zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt an Frauen und häuslicher Gewalt beschloss, überschrieb Kristina Schröder eine von ihrem Ministerium dazu veröffentlichte Pressemitteilung mit dem Satz "Wir müssen Frauen vor Gewalt schützen" und verkündete "Noch in diesem Sommer werde ich einen Gesetzentwurf ins Kabinett einbringen für die Einrichtung eines bundesweiten kostenfreien Hilfetelefons 'Gewalt gegen Frauen'. Damit unterstützen wir die Opfer von Gewalt noch besser und sorgen dafür, dass bestehende Hilfsangebote auch bei den betroffenen Frauen ankommen." Mit derartigen Statements setzt Schröder die Einseitigkeit ihrer Vorgängerinnen ebenso fort wie deren stures Ignorieren der wissenschaftlichen Forschungslage.

Das erwähnte Übereinkommen des Europarates hinterlässt – trotz einiger Passagen mit geschlechtsneutralen Formulierungen – im übrigen ebenfalls den deutlichen Eindruck, dass Gewaltschutz nur sehr einäugig wahrgenommen wird. Hier zeigt sich, dass das Übergehen männlicher Opfer kein deutsches, sondern ein internationales Problem darstellt. So finden beispielsweise auch am 25. November zahlreiche Veranstaltungen im Rahmen eines von den Vereinten Nationen initiierten Internationalen Tag "Nein zu Gewalt an Frauen" statt. Einen Internationalen Tag "Nein zu Gewalt an Männern" oder "Nein zu Gewalt an Menschen" gibt es bislang nicht. Langfristig möchte AGENS daran mitwirken, die bestehende Diskriminierung männlicher Gewaltopfer auch auf internationaler Ebene zu beseitigen.

6.) AGENS wendet sich dagegen, dass auch in den Medien das Problem der häuslichen Gewalt häufig nicht lösungsorientiert behandelt wird, sondern um damit stattdessen eine Dämonisierung von Männern voranzutreiben. Dies wird deutlich in Passagen wie "Der Würger, Schläger, Vergewaltiger ist nicht der fremde Mann. Die Gefahrenzone nicht der dunkle Park. Das Böse schleicht auf Hauspantoffeln." (Barbara Schleicher in der Wochenzeitung "Freitag" vom 24.11.2006). Auch wenn die Frauenzeitschrift "Brigitte", wie 2008 geschehen, die Forderung nach "Erziehungscamps für prügelnde Ehemänner" in die Debatte einbringt, ist dieser Populismus für eine konstruktive Sachdebatte alles andere als hilfreich. Noch skandalöser geriet die Verhöhnung männlicher Gewaltopfer im April 2012 in der Zeitschrift "Chrismon". Auch auf einen derart verantwortungslosen Journalismus muss immer nach Auffassung von AGENS wieder hingewiesen werden.

Das Spiegelbild der medialen Dämonisierung von Männern zu brutalen Monstern ist die mediale Bagatellisierung ihres Opfer-Werdens. Wenn also in Witzen, Comics und Werbespots Gewalt gegen Männer als humoristischer Höhepunkt dargestellt wird, wäre zu fragen, ob eine vergleichbare Gewalthandlung gegenüber einer Frau dieselbe Heiterkeit auslösen würde. Auch hiergegen ist hörbarer Einspruch notwendig.

Insbesondere feministische Propaganda zur Gewalt gegen Männer, die förmlich Aufrufen dazu gleichkommt, muss weitaus stärker als bisher als absolut inakzeptabel gebrandmarkt werden. Beispielhaft sei hier das öffentliche Frohlocken Alice Schwarzers genannt, nachdem Lorena Bobbitt ihrem schlafenden Mann das Glied abgehackt hatte. Schwarzer kommentierte dies mit den Worten: "Sie hat sich gewehrt. Sie hat ihren Mann entwaffnet ... Eine hat es getan. Jetzt könnte es jede tun. Der Damm ist gebrochen, Gewalt ist für Frauen kein Tabu mehr. Es kann zurückgeschlagen werden. Oder gestochen. Amerikanische Hausfrauen denken beim Anblick eines Küchenmessers nicht mehr nur ans Petersilie-Hacken ... Es bleibt Opfern ja gar nichts anderes übrig, als selbst zu handeln. Und da muss ja Frauenfreude aufkommen, wenn eine zurückschlägt. Endlich." Ein derart unappetittliche Gewaltpropaganda, durchtränkt von offenbar kompletter Ahnungslosigkeit über die tatsächliche Forschungslage bei diesem Thema – wobei beides in Schwarzers Texten immer wieder aufschimmert – machen deutlich, wie wenig sich Schwarzer als Ikone der Frauenbefreiung und Vorbild für junge Frauen eignet, zu der sie ihre Anhänger immer wieder hinaufstilisieren wollen. Über de verheerenden Einfluss von Feministinnen wie Alice Schwarzer ist nach der Ansicht von AGENS eie umfassende Aufklärung notwendig: am besten schon in Schulbüchern, wo das Problemfeld der häuslichen Gewalt nach Ansicht verschiedener Frauenpolitiker ja ohnehin zum Thema gemacht werden soll.

7.) In diesem Zusammenhang gilt es zu erkennen, dass das Trivilaisieren männlichen Leidens nicht getrennt von der Abwertung von Männern zu sehen ist, wie sie seit mindestens 200 Jahren in unserer Gesellschaft besteht, was Christopher Kucklick (ehemals Chefredakteur des Wissenschaftsmagazins GEO) in seinem Buch "Das unmoralische Geschlecht: Zur Genese der negativen Andrologie" (Suhrkamp 2008) nachweist.

Die Auswirkungen dieser Männerfeindlichkeit zeigen sich beispielsweise in einer amerikanischen Studie, welche die Akzeptanz von Gewalt in Intimpartnerschaften mit Hilfe von Daten untersuchte, die durch eine repräsentative telefonische Befragung auf nationaler Ebene von 5.238 Erwachsenen gewonnen worden waren. Die Befragten akzeptierten in höherem Maße Frauen, die ihre Mänmner schlugen. Ferner zeigten sie eine höhere Toleranz gegenüber Gewalt in Partnerschaften, wenn sie zuerst von Gewalthandlungen von Frauen gegenüber Männern befragt wurden. Eine Umfrage des U.S. Department of Justice kam zu folgendem Ergebnis: 41% der befragten Amerikaner finden es weniger gravierend, wenn eine Frau ihren Mann tötet als umgekehrt.

Für eine wirkungsvolle Bekämpfung häuslicher Gewalt ist es mithin von entscheidender Bedeutung, auch die massive Männerfeindlichkeit unserer Gesellschaft zu beseitigen.

8.) Gewaltopfer beiderlei Geschlechts benötigen ein Netzwerk von Institutionen und Ansprechpartnern, das ihnen Unterstützung gewährt. Bisher gibt es einen derartigen Schutz nur für Frauen. So machte am 3. November 2010 das Magazin "Kulturzeit" (3sat) darauf aufmerksam, dass die männlichen Opfer von häuslicher Gewalt (8000 allein in Berlin im dem Beitrag vorangegangenen Jahr) von der Politik bislang komplett ignoriert werden. Wie unverhohlen dies geschieht, wurde exemplarisch deutlich, als am 12. Mai 2000 die damalige Bundesfamilienministerin Christine Bergmann der Wochenzeitung "Freitag" erklärte, Männerhäuser seien von ihr bei der Bekämpfung häuslicher Gewalt definitiv nicht geplant: "Ich denke, das ist auch nicht nötig! Wenn Männer keine Gewalt anwenden, brauchen sie auch keinen Zufluchtsort." Ihre Nachfolgerin Ursula von der Leyen kündigte am 27.9.2007 einen Aktionsplan an, der Gewalt gegen Frauen mit 133 Maßnahmen bekämpfen soll, wobei diese Einseitigkeit medial in ähnlich einseitigen Sendungen wie der Talkshow "Menschen bei Maischberger" (hier am 9. Oktober 2007) flankiert wurde. Auch die jetzige Frauenministerin Kristina Schröder lässt keinerlei besonderes Engagement erkennen, männlichen Opfern häuslicher Gewalt zu helfen; und als AGENS-Gründungsmitglied Professor Gerhard Amendt die Forderung nach geschlechtsneutralen Gewaltschutzhäusern erhob, wurde er dafür von Zeitschriften wie der "Emma" und der "Brigitte" medial an den Pranger gestellt. Dass dies kein Automatismus sein muss, zeigen Fälle in Großbritannien und den USA, wo von häuslicher Gewalt betroffene Männer sich auf der Grundlage von Gleichstellungsgesetzen in Frauenhäuser einklagen konnten, weil diesen Institutionen andernfalls die öffentlichen Gelder gestrichen worden wären. Hierzulande werden erste nicht-sexistische Projekte wie das beiden Geschlechtern offenstehende, rein privat finanzierte Gewaltschutzhaus Lindenhof in Ketzin von AGENS ausdrücklich unterstützt.

9.) AGENS wirkt darauf hin, dass männliche Opfer häuslicher Gewalt auch von den Behörden stärker zur Kenntnis genommen werden. Bisher, berichtet der Soziologe Ludger Jungnitz, werde betroffenen Männern beispielsweise von Polizisten oft nicht geglaubt: "Ich habe von Fällen gehört, wo Betroffene ausgelacht wurden oder es nicht geschafft haben, eine Anzeige zu erstatten." Fälle dieser Art liegen auch der geschlechterpolitischen Initiative MANNdat vor, die deshalb im November 2007 einen offenen Brief an den nordrhein-westfälischen Innenminster sandte. Darin forderte MANNdat den Minister unter anderem dazu auf, die Polizeibeamten verstärkt dahingehend zu schulen, dass von Gewalt im familiären Bereich nicht nur Frauen betroffen sind, sowie eindeutige Richtlinien und Handlungsanweisungen zu erlassen, die gewährleisten, dass beiden Geschlechtern geeignete Hilfe zukommt. Diesen Forderungen schließt sich AGENS vollinhaltlich an.

Allerdings sind Polizisten nicht die einzigen Beamten, die stärker für häusliche Gewalt gegen Männer sensibilisiert werden müssen. So weist die Soziologin Julia Bennwitz (inzwischen Bennwitz-Heit) in Arne Hoffmanns Buch "Männerbeben: Das starke Geschlecht kehrt zurück" (Lichtschlag 2007) darauf hin, dass auch Entschei­dungen des Jugendamtes in dieser Hinsicht mitunter "absolut kontraproduktiv" sind, was sie an einem Beispiel verdeutlicht: "Ein von der Gewalt der Partnerin betroffener Mann wurde durch Anordnung dieses Jugend­amtes immer wieder in die partnerschaftliche Wohnung zurückgeschickt, wo er sicherstellen musste, dass die Kindesmutter, deren suizidale Absichten bekannt waren, nicht unbeauf­sich­tigt mit den gemeinsamen Kindern umgeht. Als der Mann vorschlug, er wolle lieber mit den Kindern vorübergehend bei seiner Mutter wohnen, hielt das Jugendamt dies für keine faire oder zumutbare Lösung in Rücksicht auf die Mutter der Kinder und bot als Alternative an, die Kinder in einem Heim unterzubringen, was der Mann jedoch ablehnte. In diesem Fall war also das Jugendamt dafür verantwortlich, dass der Mann sich zum Schutz seiner Kinder über ein Jahr lang immer wieder der eskalierenden Gewalt seiner Partnerin aussetzen musste. Auch andere Interviewpartner sprachen fassungslos darüber, dass sie beim Jugendamt mit ihren Problemen auf taube Ohren gestoßen waren. Definitiv wurde an diesen Stellen niemals über das Gewaltschutzgesetz gesprochen. Meiner Einschätzung nach muss gerade in solchen Ämtern einiges passieren, damit von Gewalt betroffene Männer, auch zum Schutz der Kinder, kompetent beraten werden." Dies deckt sich mit der Auffassung von AGENS: Die Mitarbeitern von Jugendämtern und anderen Behörden müssen darin geschult werden, wie der derzeitige Kenntnisstand im Bereich häuslicher Gewalt aussieht.

10.) Ein weiterer Grund dafür, dass Männer sich nicht so einfach von einer prügelnden Partnerin trennen können, wie sie oft möchten, liegt in den massiven Sanktionen, die sie im Fall einer Trennung befürchten müssen. "Ein Mann, der sich nach erlittener Misshandlung von seiner Ehefrau trennt, trennt sich aller Voraussicht nach von allem, was er bisher sein eigen genannt hat", erklärt dazu der britische Publizist David Thomas. "Nachdem er von seiner Frau fertiggemacht wurde, gibt ihm das System den Rest." Er verliert in aller Regel einen beträchtlichen Teil seines Einkommens und seine Kinder. Aus diesem Grund reichten einer Untersuchung des Londoner Gewaltforschers Malcolm George zufolge nur 20 Prozent der geprügelten Männer die Scheidung ein, aber 70 Prozent der prügelnden Frauen. Für Deutschland kann Julia Bennwitz dieselbe Problematik aufzeigen: "15 von 17 Männern, also die überwiegende Mehrheit meiner Interview­partner, hatten mit ihrer gewalttätigen Partnerin gemeinsame Kinder, die zum Teil während der Partnerschaftsbiografie in das Gewaltgeschehen direkt eingebunden waren, sei es, dass sie selbst von körperlicher und psychischer Gewalt durch die Kindesmutter betroffen waren, sei es, dass sie als Druck- und Erpressungsmittel gegen den Kindesvater missbraucht wurden. Zur Zeit der Interviews lebten alle diese Väter von der Kindesmutter getrennt und litten mehr­heitlich unter dem eingeschränkten oder verweigerten Recht, ihre Kinder besuchen zu dürfen. Zum Teil liefen auch Klagen gegen das der Kindesmutter zugesprochene Aufenthalts­be­stim­mungsrecht. Meiner Einschätzung nach waren die Sorgen vor einer Veröffentlichung der Gewalterfahrungen überwiegend dadurch bestimmt, dass weitere nachhaltige Schwierigkeiten auftreten könnten, die Kinder überhaupt zu sehen oder das Aufenthaltsbestimmungsrecht vor Gericht für sich zu erstreiten, wenn die Kindesmutter erfahren würde, dass das Schweigen über ihre Gewalthandlungen gebrochen wird."

In diesen Problembereich gehört auch, dass Männer in Trennungssituationen ein höheres Risiko eingehen, Gewaltopfer zu werden. "Jeder zweite Trennungsvater wird Opfer häuslicher Gewalt" betitelte daher der österreichische Väterrechtsverein "Vaterverbot" die Pressemitteilung zu einer Studie, die zu eben jenem Ergebnis gelangte. In der Pressemitteilung heißt es weiter: "Von den befragten 515 Trennungsvätern gaben 59% an, Gewalt durch ihre Partnerin erlebt zu haben. Dieses Ergebnis deckt sich mit Ergebnissen deutscher [Habermehl, Amendt] wie auch internationaler Studien. (...) Nur 15% der befragten männlichen Gewaltopfer zeigten die erlebte Gewalt behördlich an. Bei der Deutschen Pilotstudie 'Gewalt gegen Männer', hat kein Einziger der befragten Opfer Anzeige erstattet. Und dies obwohl 5% Angst hatten, ernsthaft oder lebensgefährlich verletzt zu werden. Von den 15%, die eine Anzeige erstatteten, fühlten sich 5% von den Behörden unterstützt, 95% im Stich gelassen. Eine wesentliche Rolle für die Zurückhaltung bei Anzeigen spielt eine Art Immunität der Mutter, die auch als Gewalttäterin kaum Konsequenzen oder gar Obsorgeverlust der involvierten Kinder zu befürchten hat. Väter werden vielfach mit Kindesvorenthaltung erpresst, erfahrene Gewalt nicht zur Anzeige zu bringen. Das Recht des Mannes auf Gewaltschutz steht der Angst gegenüber, den Kontakt zu den eigenen Kindern für lange oder immer zu verlieren."

Die Benachteiligung von Männern im Bereich häuslicher Gewalt ist mithin nicht getrennt von anderen Benachteiligungen zu sehen, die Männer in unserer Gesellschaft erfahren. Wer die Häufigkeit häuslicher Gewalt reduzieren möchte, muss auch die Väterrechte deutlich stärken.

11.) Nicht nur männliche Opfer, auch weibliche Täter benötigen dringend mehr professionelle Zuwendung. So berichtet der Anti-Gewalt-Berater und –Pädagoge Burkhard Oelemann im Interview mit Arne Hoffmann, dass die die Ausblendung der Täterschaft von Frauen dazu führe, dass sich Frauen, die schlagen, in herkömmlichen Beratungen nicht ernst genommen fühlen. "Viele der Frauen, die uns aufsuchen", so Oelemann, "berichten übereinstimmend, dass sie vorher zum Teil mehrere Anläufe unternommen hatten, sich professionell wegen ihrer eigenen Gewalttätigkeit beraten zu lassen. Doch sie begegneten in der Regel Beraterinnen, die sie als Opfer sahen – nicht aber als Täterin. Eine Frau sprach neulich davon, dass man ihr in einer Familien- und Eheberatungsstelle aktiv einreden wollte, sie würde gleichsam in Notwehr ihren Partner schlagen. Als sie dann mehrfach widersprach, weil sie eben allein initiativ in Krisen oder Konfliktsituationen ihren Partner schlägt, erntete sie nur Kopfschütteln und Unverständnis bis hin zur Wut, ob sie denn nicht endlich verstehen würde oder könnte, dass natürlich der Partner auch für ihr Schlagen verantwortlich sei ... Beinahe niemand glaubt einer Täterin ihr Tatverhalten. Frauen haben Opfer zu sein, Punkt. Wenn wir weiterhin über die weibliche Täterschaft bei häuslicher Gewalt schweigen und die politisch Verantwortlichen weiterhin keine niedrigschwelligen Angebote für Frauen präsentieren, die misshandeln, sondern weiterhin deren Gewalt leugnen, wird sie eskalieren. Mit Gesetzen und Strafandrohungen allein kommen wir hier ebenso wenig weiter wie bei männlichen Tätern." AGENS schließt sch dieser Forderung Burkhard Oelemanns nach niedrigschwelligen Beratungsangeboten für Gewalttäterinnen an.

12.) Da im Bereich der häuslichen Gewalt bisher weit überwiegend die feministische Ideologie statt wissenschaftlicher Erkenntnisse als Erklärungsmodell herangezogen wurde, fällt eine dringend notwendige sachgerechte Ursachenforschung bisher flach. Als Gründe häuslicher Gewalt beherrschen stattdessen weitgehend Ideologeme wie "das Patriarchat" und "böse", also minderwertige Männer die öffentliche Diskussion. Eine rationalere Übersicht der wissenschaftlich ermittelten, tatsächlichen Ursachen findet man hingegen beispielsweise in dem oben bereits erwähnten Buch "Domestic Violence: The 12 Things You Aren't Supposed to Know". Als Faktoren, die tatsächlich stark zu Gewalttaten in der Partnerschaft beitragen, werden hier unter anderem geringes Selbstwertgefühl, Armut, Arbeitslosigkeit, Alkoholismus, Drogensucht, geistige Störungen, Stress, biologische und neurologische Einflüsse, Zusammenleben und/oder Elternschaft zweier sehr junger Partner, emotionale oder körperliche Misshandlungen in der Kindheit und schwache Eltern-Kind-Bindungen aufgeführt. Eine eher kursorische Zusammenstellung Arne Hoffmanns, was solche Faktoren angeht, wurde auch von der ehemaligen Goslarer Gleichstellungsbeauftragten Monika Ebeling in ihrem Blog veröffentlicht. Dies reicht aber als solides Fundament für eine Problemlösung nicht aus. Deshalb ist auch in Deutschland die Forschung, was Entstehungsbedingungen bei häuslicher Gewalt angeht, deutlich voranzutreiben.

13.) Das sogenannte Gewaltschutzgesetz gehört abgeschafft. Der Mainzer Kriminologie-Professor Michael Bock erklärte bereits bei einer Expertenanhörung vor der Verabschiedung dieses Gesetzes 2001, warum dieses Gesetz bei der Bekämpfung von häuslicher Gewalt kontraproduktiv ist – nur um daraufhin von feministischen Ideologinnen niedergekreischt zu werden. Das Fazit des von den Verantwortlichen weitgehend ignorierten kritischen Gutachtens Professor Bocks zum Gewaltschutzgesetz lautete: "Das Gewaltschutzgesetz geht von einem Feindbild 'Mann' aus, das empirisch nicht haltbar ist. Es fördert nicht den konstruktiven Dialog der Geschlechter, sondern ist ausschließlich auf Enteignung, Entmachtung, Ausgrenzung und Bestrafung von Männern gerichtet. Sein Ziel ist nicht, häusliche Gewalt zu bekämpfen, sondern nur Männergewalt. Geschützt werden sollen nicht alle in häuslicher Gemeinschaft lebenden Menschen oder gar Ehe und Familie, sondern nur Frauen. Mit diesem Grundtenor wird das Gesetz auf jede Art von Lebenspartnerschaft eine zersetzende Wirkung ausüben und damit nicht nur die demographische Entwicklung negativ beeinflussen sondern auch die Lebensqualität der Bürger und die gesellschaftliche Integration."

Ein zentraler Problempunkt dieses Gesetzes liegt darin, dass es statt mit einer systemischen Therapie aller Betroffenen versucht, häusliche Gewalt mit Abschreckung und Bestrafung zu unterbinden. Dass dieses Gesetz formell geschlechtsneutral formuliert ist, kann nicht darüber hinwegtäuschen, wie einseitig es gegen Männer gerichtet ist, die bei einem Vorwurf der häuslichen Gewalt aus ihrer eigenen Wohnung verwiesen werden können. (Falls es eine Mietwohnung ist, muss der plötzlich obdachlos gewordene Mann weiterhin Miete zahlen.) "Der Prügler geht, die Geprügelte bleibt" fasste die damalige Justizministerin Däubler-Gmelin am 8. März 2001 die Schlagrichtung dieses Gesetzes zusammen. Und auf der Website des Niedersächsischen Ministeriums für Soziales, Frauen und Familie heißt es ebenso klar: "Durch das Gewaltschutzgesetz werden Personen, die von ihren Lebenspartnern misshandelt werden, schnell und effektiv geschützt. Wer schlägt, muss gehen: Gewalttätige Männer müssen damit rechnen, aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen zu werden, betroffene Frauen und ihre Kinder erhalten verbesserte Unterstützungsangebote."

Da manchen Feministinnen selbst dieses Gesetz nicht verheerend genug ist, haben sie in den letzten Jahren immer wieder versucht, seine Einseitigkeit zu verschärfen. So forderte das Berliner Interventionsprojekt gegen häusliche Gewalt (BIG) vereinfachte Verfahren gegen Männer und verbesserte Schutzmöglichkeiten für Frauen. Gerlinde Kuppe, bis 2009 Sozialministerin Sachsen-Anhalts, forderte: Wenn eine Frau in Zukunft behaupte, dass ihr Mann sie schlage, sollte dieser sofort und ohne jeden Gerichtsbeschluss aus der gemeinsamen Wohnung verwiesen werden. Die Polizei dürfe sich nicht mehr in der Rolle des neutralen Schlichters sehen, forderte Kuppe, sondern müsse eindeutig Position zu Gunsten "der Opfer" (aus Kuppes Sicht offenkundig: der Frauen) beziehen. Eine derartige sexistische Vorverurteilung hat mit den Grundsätzen eines Rechtsstaats alerdings überhaupt nichts mehr zu tun.

Problematisch ist in diesem Zusammenhang auch, dass viele Feministinnen eine ausufernde Definition von häuslicher Gewalt anlegen, solange nur der Täter als männlich phantasiert wird. "Gewalt gegen Frauen ist das, was Frauen als Gewalt empfinden" heißt es etwa in der Broschüre "Gewalt gegen Frauen hat viele Gesichter", herausgegeben von Christine Bergmann, die zum Zeitpunkt der Verabschiedung des Gewaltschutzgesetzes Bundesfrauenministerin war. In dieser Broschüre wurde schon die abfällige Bemerkung eines Ehemanns auf einer Party als Gewalt interpretiert. In anderen feministischen Texten, wie sie etwa von BIG herausgegeben werden, zählt "nicht im Haushalt helfen" sowie "Konten nicht offen legen" ebenso zur häuslichen Gewalt wie wenn ein Mann seine Frau beispielsweise wegen zu viel Arbeit vernachlässigt

Schaut man sich eine Broschüre von 2010 an, die das Gewaltschutzgesetz begleitet, darf man zwar feststellen, dass hier (vermutlich aufgrund des jahrelangen Protests der Männerrechtsbewegung) inzwischen Formulierungen verwendet werden, die weibliche Täter und männliche Opfer miterwähnen – eine Entwicklung, die AGENS ausdrücklich begrüßt, auch wenn die Verwirklichung dieses Ansatzes noch sehr fragwürdig ist. Allerdings blieben einige wesentliche Pferdefüße dieses Gesetzes selbst dann erhalten, wenn es tatsächlich einmal ohne Ansehen des Geschlechts zum Einsatz käme. Beispielsweise trägt es zur Eskalierung von Konflikten bei, statt diese zu unterbinden; seine Anwendung kann eine Entfremdung zwischen einem Elternteil und seinen Kindern verstärken und einmal in Kraft getretene Strafmaßnahmen kann man auch auf Wunsch der Beteiligten nicht einfach wieder aussesetzen. Zudem steigt durch das Gewaltschutzgesetz die Häufigkeit von Falschbeschuldigungen im Bereich der häuslichen Gewalt. (In den USA verweist die Bürgerrechtsgruppe RADAR auf Studien, denen zufolge die Rate der Falschbeschuldigung bei häuslicher Gewalt bei 60 bis 80 Prozent liege, was den Steuerzahler 20 Milliarden Dollar pro Jahr koste.)

AGENS macht hier darauf aufmerksam, dass anstelle von Strafandrohungen und Beschämungen, wie sie mit dem Gewaltschutzgesetz maßgeblich verbunden sind, in der internationalen Fachdebatte schon seit Jahren die Konzepte von Heilung und Wandlung unter anderem mit therapeutischer Hilfe empfohlen werden. Eine eingehendere Darstellung solcher Ansätze findet sich etwa in Linda Mills Fachbuch "Insult to Injury: Rethinking Our Responses to Intimate Abuse" (Princeton University Press 2006).

14.) AGENS spricht sich gegen eine "Gewaltsteuer für Männer" aus, wie sie aufgrund entsprechender Initiativen im Ausland (Schweiz, Spanien) auch in deutschen Medien immer wieder diskutiert und von den Grünen unter dem Beifall von Alice Schwarzers "Emma" dem Bayrischen Landtag vorgeschlagen wurde. Genausowenig einverstanden ist AGENS mit der bereits existierenden indirekten Gewaltsteuer für Männer, die vorliegt, wenn etwa die EU zwanzig Millionen Euro für Projekte zur Ächtung von Gewalt gegen Frauen ausgibt und Gewalt gegen Männer ignoriert. (Das Aktionsprogramm der Bundesregierung "zur Gleichstellung der Frau", bei dem der rechtliche Schutz vor häuslicher Gewalt ein wichtiger Teil ist, war gar 400 Millionen schwer.) Es sei "eine besonders perfide Form" von Gewalt, stellte dazu die Geschlechterforscherin Dr. Karin Jäckel fest, "wenn Frauen sich durch Diffamierung von Männern und auf Kosten von Männern Schutzprogramme und dazu erforderliche Geldmittel erlisten, die gleichermaßen bedürftigen Männern nicht zur Verfügung gestellt werden."

15.) Einer besonderen Erwähnung bedarf, dass für AGENS auch sexuelle Gewalt als eine Form der häuslichen Gewalt zählt und auch hierbei die Rate männlicher Opfer höher ist als die herrschende Lehre noch immer glauben machen will. So wies Dr. Peter Döge beim Vorlegen der oben erwähnten EKD-Gewaltstudie 2010 darauf hin, dass acht Prozent aller Frauen angegeben hatten, ihren Partner bereits sexuell genötigt zu haben. Der Anteil der Frauen, die sich durch ihre Männer sexuell genötigt fühlten, liegt mit zwölf Prozent nur unwesentlich höher. Auch Bastian Schwithal gelangt bei einer Zusammenfassung von 55 Studien zu diesem Thema zu dem Fazit, "dass Männer ebenfalls und im weitaus größeren Ausmaß als bisher angenommen sexuelle Gewalt (auch schwere Formen) erfahren. Beim Verüben von sexueller Gewalt ergibt sich ein Geschlechtsverhältnis von 57,9% Männer gegenüber 42,1% Frauen und hinsichtlich erlittener Gewalt ein Männer-Frauen-Verhältnis von 40,8% zu 59,2% ." Auf derartige Erfahrungen von Männern muss nach Ansicht von AGENS verstärkt aufmerksam gemacht werden, da hierüber in der Allgemeinheit weder das nötige Wissen noch die nötige Sensibilität besteht.

16.) Einzelpersonen und Gruppen, die häusliche Gewalt auf der Grundlage des aktuellen Forschungsstandes statt der feministischen Ideologie bekämpfen, verdienen öffentliche Unterstützung und nicht wie bisher Dämonisierung und Mobbing. Ein exemplarisches Beispiel dafür, wie es in Zukunft nicht ablaufen sollte, stellt der Fall Monika Ebelings dar, die ihr Amt als Gleichstellungsbeauftragte in Goslar unter anderem deshalb verlor, weil sie sich für eine weniger sexistische Behandlung des Problemfelds häuslicher Gewalt engagierte. "Männer werden geschlagen? Das Thema hängt mir zum Hals raus" zitierte etwa die "Stuttgarter Zeitung" die Reaktion Doris Juraneks, Chefin der grünen Ratsfraktion in Goslar und eine der engagiertesten Gegnerinnen Ebelings, zu der Juranek erklärte: "Mittlerweile sehe ich rot, wenn ich sie sehe." AGENS wird Teil einer Entwicklung mit dem Ziel sein, dass sich in Zukunft sexistische Ideologen für ihre Haltung zu verantworten haben und nicht diejenigen, die bei der Bekämpfung von Gewalt jene Konzepte verfolgen, die international als wegweisend gelten.

(Auf der AGENS-Website gibt es auch eine mit fünf Forderungen verbundene Kurzfassung dieses Texts.)

 

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Geschlechterdebatte

Jugendgewalt: Agenda-Setting und manipulative Berichterstattung in Schweizer Medien

6. Mai 2015, von Arne Hoffmann
Warum bleiben männliche Opfer von Gewalt in der Partnerschaft oft noch immer unsichtbar? Schauen wir uns mal die Berichterstattung über eine aktuell vorliegende Untersuchung an.
Die Eidgenössische Technische Hochschule Zürich, kurz ETH Zürich, hat dieser Tage eine aktuelle Studie veröffentlicht, die die Hochschule auf ihrer Website unter der Überschrift Gewalt...

Gesellschaft

Sexualstrafrecht: Nein heißt Nein – selbst ohne Nein

Beim Kennenlernen machen ab jetzt die Frauen den ersten Schritt... 17. Mai 2016, von Dr. Alexander Stevens
Nach der Verurteilung des renommierten Pianisten und Musikprofessors Siegfried M. zu einer Freiheitsstrafe von 1 Jahr und 3 Monaten, weil er seine Kollegin angegrapscht haben soll, steht fest: Wollen Sie als Mann einer Frau Avancen machen, warten Sie ab, bis die Angebetete ihre Hand auf die...

Geschlechterdebatte

Sich an die gepuderte Nase fassen

7. Januar 2013, von Till Schneider
Tracy McMillan rät Frauen dringend, dem Ego-Wellnessfeminismus abzuschwören 
Man kann sich kaum entscheiden, was man sensationeller finden soll: Dass die US-amerikanische TV-Autorin Tracy McMillan, 48, drei Mal verheiratet und geschieden, Mutter eines Sohnes, einen Frauen-Ratgeber herausbringt, in welchem doch tatsächlich den Frauen gesagt wird, sie seien ganz...

Geschlechterdebatte

Infopaket zur Gleichstellungspolitik

04. März 2014
In den Leitmedien herrscht eine sehr einseitige Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik: Die Gleichstellungspolitik wird dort meist unkritisch propagiert, wobei unbegründete und falsche Informationen verbreitet werden.
Das betrifft beispielsweise die längst als falsch erwiesene Behauptung von einem 23 %igen Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen sowie die Mär von der...

Gesellschaft

Jörg Kachelmann: „Sind Menschenrechte nicht unteilbar?“

19. Oktober 2012, von Arne Hoffmann
Jörg & Miriam Kachelmanns "Recht und Gerechtigkeit" und das mediale Echo Ich hatte in meinen Blogs immer wieder über das Gerichtsverfahren gegen Jörg Kachelmann berichtet, aber besonders eilig damit, mir sein Buch darüber zu besorgen, hatte ich es offen gesagt nicht. Das lag an vielen Gründen: Durch die intensive mediale Berichterstattung hatte ich den...

Geschlechterdebatte

Dr. Barbara Kiesling: „Viele Frauen haben kein Bewusstsein für die eigene Aggression“

Von Arne Hoffmann   10. April 2012
Der Sozialpädagogin, Eheberaterin und Publizistin Dr. Barbara Kiesling, deren Beiträge in Zeitschriften wie "Psychologie heute" erscheinen, ist mit ihrem Buch "Sie küssen und sie schlagen sich" eine Analyse zum Thema häuslicher Gewalt gelungen, die über das bekannte Modell vom Täter Mann und Opfer Frau deutlich hinausgeht. Trotz erheblichen Zeitdrucks ließ sich Barbara...

Geschlechterdebatte

Ein gewaltiges Missverständnis

Von Bernhard Lassahn   30. März 2012
Draußen hängen unauffällige Plakate, auf denen zunächst nur eine Tapete zu erkennen ist – mit einem Fleck (Anmerkung: Ich habe mich getäuscht. Der Fleck war nur auf einem Plakat. Aber im Muster der Tapete waren Fäuste zu erkennen. Man muss schon genauer hinsehen). Erst wenn man näher herangeht, sieht man auch, was da steht: „Jede vierte Frau in Deutschland wird...

Geschlechterdebatte

Häusliche Gewalt gegen Männer - ein feministisches Tabu

Wie das Magazin "Chrismon" Gewaltopfer verhöhnt (und zur Gewaltspirale beiträgt) Von Arne Hoffmann   5. April 2012
Über die letzten Jahrzehnte hinweg hat die Männerrechtsbewegung beharrlich immer wieder darauf aufmerksam gemacht, dass hunderten von internationalen Untersuchungen zufolge häusliche Gewalt zu mindestens dem gleichen Ausmaß von Frauen ausgeht wie von Männern. Die bisher von...