Gesellschaft

Der neue Antisemitismus- von den Medien hofiert und von der Politik finanziert

31. Juli 2014, von Vera Lengsfeld

Es geht heiß her in diesem Sommer auf deutschen Straßen und Plätzen. Daran sind nicht die Temperaturen schuld.

In Göttingen werden Demonstranten gejagt, geschlagen, bespuckt und verhöhnt. Anschließend wird eine von ihnen erbeutete Israelfahne verbrannt.

In Frankfurt überlässt die Polizei einem Hassprediger das Polizeimikrofon für seine antisemitischen Parolen. Erst nach Tagen, als die Empörung im Netz nicht mehr zu übergehen war, kam die lahme Erklärung, der Mann hätte sich angeboten, deeskalierend auf eine aus dem Ruder laufende linke Anti- Israel Demonstration einzuwirken.

Dass „Kindermörder Israel“ kaum zur Deeskalation geeignet ist, fiel den Beamten nicht auf. Konsequenzen: keine.

In Berlin skandieren Antifa und Islamisten Seit an Seit “Jude, Jude, feiges Schwein…“Der Skandal wird wieder erst durch das Netz publik gemacht. Die Mainstream- Medien berichten spät und zögerlich. Die Politik schweigt tagelang. Weder der Regierende Bürgermeister Wowereit, der sich für eine wohlfeile Kampagne zum Juden erklärte, fühlte sich angesprochen, noch sein Innensenator.

Erst nach einer Strafanzeige des American Jewish Commitee wurde die Staatsanwaltschaft aktiv und stellte prompt fest, dass der Slogan den Straftatbestand der Volksverhetzung nicht erfülle und den der Beleidigung nur, wenn sich ein Beobachter der Demonstration persönlich betroffen gefühlt und Anzeige erstattet hätte. So marschierten die Antisemiten unbehelligt von der Polizei bis zum geplanten Ende ihrer Demonstration.

Danach gab es noch „gemäßigtere“ antisemitische Kundgebungen in Berlin, auf denen nur „Kindermörder Israel“ zu hören und zu lesen war.

Erst als sich die Bilder zu wiederholen begannen, in Essen, in Köln, in München begannen sich Bedenken zu regen.

Als eine der ersten reagierte Anetta Kahane, die Vorsitzende der Amadeu- Antonio-Stiftung. Sie hat in der Frankfurter Rundschau klar gestellt, dass es bei den antisemitischen Ausschreitungen unter dem Deckmantel des Gaza-Protestes, nicht um den aktuellen Krieg im Nahen Osten geht, sondern um die westliche Demokratie. Die libertäre Entwicklung stehe zur Debatte.

Das ist eine bemerkenswerte Erkenntnis einer Frau, die sich noch vor wenigen Jahren in die Reihe derer gestellt hat, die meinten, es wäre unzumutbar, sich als Verein auf die Werte unseres Grundgesetzes zu verpflichten, wenn man staatliche Förderung beziehen möchte. Nun muss Kahane erleben, was dabei rauskommt, wenn Steuergeld mit der Gießkanne verteilt wird und ungeprüft an Gruppen geht, die sich die Abschaffung unserer Lebensweise zum Ziel gesetzt haben und sich dem schon sehr nahe fühlen. Wenn IS, oder ISIS seine Eroberungspläne für Europa verkündet und meint, in fünf Jahren würde Madrid in seine Hände fallen, so ist das keineswegs Spinnerei, sondern eine reale Gefahr.

Fünf Jahre vor dem Oktoberputsch 1917 saß Lenin noch machtlos und frustriert in Zürich, aber seine Sympathisanten waren in ganz Europa präsent und warteten nur auf ihren Einsatz. Fünf Jahre vor der Machtergreifung war die NSDAP nur eine von mehreren antisemitisch-völkischen Parteien. Erst ein Jahr später erlangte sie größere Aufmerksamkeit.

Dagegen hat die IS, oder ISIS nur ein Jahr nach ihrem Auftauchen bereits tausende Menschen umgebracht, bereits bewiesen, dass es ihr nicht nur um die Vernichtung der Juden, sondern auch der Christen geht und kann sich auf Sympathisanten in ganz Europa stützen.

Die Exzesse dieses Sommers haben ihre Vorläufer.

Spätestens seit dem vom damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder ausgerufenen „Aufstand der Anständigen“ im Jahr 2000, nach einem Brandanschlag auf die Düsseldorfer Synagoge, von dem man vermutete, dass er von deutschen Rechtsextremisten verübt worden war, hätte man alarmiert sein müssen.

Als heraus kam , das dieser Anschlag von Islamisten, darunter einem Palästinenser verübt worden war, hätte man das anlässlich des Anschlags aufgelegte Programm zur Unterstützung von Initiativen gegen Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit und Antisemitismus modifizieren müssen.

Das geschah nicht. Islamistischer und linker Antisemitismus wurde von Politik und Medien weitgehend ausgeblendet. Mehr noch. Kritiker von Islamismus und linkem Antisemitismus liefen Gefahr selbst in die rechte Ecke gestellt zu werden, wobei die Antifa zunehmend bestimmte, was rechts sei.

Der von Thilo Sarazzin beschriebene Tugendterror ist seit Jahren traurige Realität, nicht nur in Deutschland, sondern in Europa.

Wenn  heute zu Recht beklagt wird, dass die Mehrheitsgesellschaft zu den links-islamistischen Antisemitismus und seinen Exzessen schweigt, so ist das auch der Tatsache geschuldet, dass jahrelang jegliche Kritik am Islamismus verteufelt und die Antifa verharmlost wurde.

Es kommen jetzt, da immerhin einige Journalisten erschreckt zu recherchieren begannen, immer mehr alarmierende Einzelheiten ans Licht.

Schon in der Schule werden unsere Kinder durch ihre Schulbücher gegen Israel aufgehetzt. Seit Jahren wird in unseren Medien überwiegend „israelkritisch“, also verfälschend vom Nahost-Konflikt berichtet. Das hat auch nach den jüngsten Ereignissen nicht aufgehört.

Gestern wurde gemeldet, dass eine siebenköpfige „deutsche Familie“ in Gaza bei einem israelischen Luftangriff ums leben gekommen sei. Nur wer genauer hinschaute, sah, dass es sich um eine palästinensische Familie mit deutschen Pässen gehandelt hat. Die Frage, was diese Familie im Kriegsgebiet zu suchen hatte, wurde ebenso wenig gestellt, wie im Jahr 2000 die Frage gestellt wurde, warum  ein palästinensischer Vater seinen Sohn ins Schussfeld schiebt und sich noch hinter ihm versteckt.

Die Hamas möchte möglichst viele zivile Opfer, sie hindert Zivilisten daran, der israelischen Aufforderung, das Kriegsgebiet zu verlassen, zu folgen. Da passt eine tote deutsche Familie gut in die Propaganda. Deutsche Journalisten geben willig die nützlichen Idioten für die Hamas.

Es ist höchste Zeit, diesen Entwicklungen auf den Grund zu gehen und die Ursachen zu benennen. Das wird die Aufgabe in diesem Sommer sein, wenn wir eine Zukunft haben wollen.

 

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