Gesellschaft

Der Brüsseler Anschlag und der Islamofaschismus

6. Juni 2014 von Prof. Adorján F. Kovács

Kürzlich hat Joseph Croitoru das neue Buch von Hamed Abdel-Samad über den islamischen Faschismus in der „SZ“ vernichtend besprochen. Dabei hat sich Abdel-Samad auf die ägyptischen Muslimbrüder konzentriert, deren Mitglied er ja einmal war und die er kennen sollte.

Croitoru verurteilt den Begriff des „Islamofaschismus“ und meint: „So ist er hierzulande bei Rechts- wie bei Linkspopulisten, die mit diesem Etikett auch die islamische Religion per se zu diffamieren suchen, ebenso beliebt wie bei militanten Gegnern des politischen Islams in den muslimischen Ländern.“ Leider trägt die Absicht, sei sie „gut“ oder „böse“, nichts dazu bei, die Richtigkeit eines Begriffs zu veri- oder zu falsifizieren.

der-islamische-faschismus-567hu8ed877623In diesem Zusammenhang ist es immer wieder interessant, die krampfhaften Windungen der staatstragenden Presse zu beobachten, wenn es um die Beugung unangenehmer Wahrheiten und die Verwirrung von Begriffen geht. Daraus kann Vieles gefolgert werden. Man erinnert sich: Vor einigen Tagen wurde auf das Jüdische Museum in Brüssel ein mörderischer Anschlag verübt. Mehrere Menschen kamen in kürzester Zeit ums Leben. Der erste Reflex in den Medien war: Es handelt sich um ein antisemitisches, also rechtsradikales Attentat. Niemand wusste Genaues, aber wenigstens dies schien klar; die Vermutung war ja kaum von der Hand zu weisen.

Obwohl hierzulande auch schändliche Versuche unternommen wurden, die schreckliche Tat herunter zu spielen: Vera Lengsfeld hat auf den Seiten der „Freien Welt“ darauf hingewiesen, dass der Begriff der „Schießerei“, den die ARD am Abend der Tat gebrauchte, völlig deplatziert war, weil er ja eine Gegengewalt unterstellte, die es nicht gegeben hatte. Sie witterte daher einen „latenten Antisemitismus“ auch bei der ARD.

Nun ist der Täter gefasst und offenbar geständig. Aber auch jetzt reden die etablierten Medien um den heißen Brei herum. Es habe sich, so die Sprachregelung, um einen Franzosen gehandelt. Formal ist das richtig. Der Franzose heisst Mehdi Nemmouche und ist Dschihadist mit syrischer Kampferfahrung.

Jetzt wird der kaltblütige Vierfachmord als „islamistischer“ Anschlag verbucht. Dadurch ist er irgendwie weniger schlimm. Damit wird aber nur wieder die simple Tatsache vertuscht, dass auch ein islamischer Terroranschlag auf Juden antisemitisch ist. Warum? Weil der Islam konstitutiv eine antijüdische (und auch antichristliche) Religion ist, die in ihrer politischen Ausprägung, von der sie kaum zu trennen ist, als ideologisch ausgesprochen rechts bezeichnet werden muss. Die merkwürdige Allianz, die bei der Europawahl zwischen jüdischen und muslimischen Vertretern gegen die tatsächlich oder angeblich rechtsradikalen Parteien zu beobachten war, ist von jüdischer Seite eine tragische Selbsttäuschung.

Rechtsradikale Parteien wie die „Jobbik“ in Ungarn suchen aufgrund dieser ideologischen Verwandtschaft enge Beziehungen zu islamischen Staaten. Wer das nicht ernst nimmt und an solchen Zeichen erkennt, dass es sich beim Islam in seiner politischen Ausprägung um eine rechte Ideologie handelt, dem ist nicht zu helfen. Ein die gesamte Gesellschaft erfassender Totalitarismus, ein aus der Identifizierung von Menschsein und Moslemsein her rührender Rassismus, Antisemitismus, Ablehnung der modernen Kultur, Antiliberalismus, autoritärer Führungsstil, Betonung des makulinen Prinzips, Expansionismus, positive Bewertung von Gewalt und prinzipielle Bereitschaft dazu – dies sind nur einige der gemeinsamen Merkmale (nach S. Payne). Ob man den Begriff des „Faschismus“ bemühen soll, kann wegen einiger Unterschiede bestritten werden, doch sei er mangels besserer Alternativen hier benutzt.

Apropos Begriffe: „Antijudaismus“ mag manchen besser passen als „Antisemitismus“, doch ist letzterer traditionell klar gegen Juden und nicht gegen andere semitische Völker gerichtet; zudem gibt es natürlich nichtsemitische Moslems. Der Begriff eignet sich vorzüglich, um die Parallelität von europäischem und islamischem Faschismus zu zeigen. Zwar gibt es auch linken Antisemitismus, von Stalin bis zur RAF, aber dessen Untersuchung hat zu noch problematischeren Begriffen wie „Linksfaschismus“ geführt. Die Hauptschwierigkeit liegt im Begriff des „Faschismus“ selbst. S. Paynes Typologie zum Beispiel verlangt u. a. „den Versuch, eine [...] säkulare Kultur“ und einen „nationalistischen [...] Staat“ zu schaffen, was beides auf den politischen Islam (und ausser den Sufis gibt es nur diesen) nicht recht passen will. Andererseits deutet die „politische Liturgie“ des Faschismus sowie die Verbindung mancher faschistischer Regime mit der Katholischen Kirche darauf, dass ein religiöser (Islamo-)Faschismus sehr wohl möglich ist, der die „Nation“ durch die „Umma“ ersetzt hat und nun diese „über alles in der Welt“ stellt.

Die intellektuelle Kapitulation der, man muss sie leider so nennen, Systempresse Deutschlands besteht darin, in den tödlichen Schüssen auf Besucher des Jüdischen Museums in Brüssel nur darum keinen antisemitischen, rechtsradikalen Terroranschlag mehr zu sehen, weil er von einem Moslem verübt wurde.

Etwa 2000 Dschihadisten aus Europa nehmen schon am syrischen Bürgerkrieg teil. Das ist eine kleine Armee. Mit ihrer Rückkehr dürfte zu rechnen sein. Wie in den 70er Jahren die RAF auf ein recht breites System von Sympathisanten zurückgreifen konnte, ohne die sie nicht hätte so lange „erfolgreich“ agieren können, so werden diese Kämpfer sicherlich auf die Unterstützung von vielen Leuten in Europa rechnen dürfen, die man getrost als fünfte Kolonne bezeichnen kann. Die säkularen Moslems und jene, die für sich akzeptiert haben, dass Religion überwiegend Privatsache ist, sollten sich jetzt viel lauter von ihren dogmatischeren Glaubensbrüdern und -schwestern distanzieren.

Derweil wird in den meinungsführenden Medien weiter Begriffsverwirrung betrieben. Das hat mit Sicherheit den gutgemeinten Grund, „nicht zu spalten“ und „nicht populistisch Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzuhetzen“. Nur bleibt eben die Wahrheit auf der Strecke, die aber nicht populistisch ist und schon gar nicht spaltet, was nicht längst auseinandergefallen ist. Leider muss man als Lehre aus dem RAF-Terror befürchten, dass in Europa nichts Wirksames gegen solche islamofaschistischen Attentäter unternommen wird, solange „nur“ einfache Museumsbesucher und keine Angehörigen der politischen Klasse umgebracht werden.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Wir müssen reden – über Faschismus

Von Arne Hoffmann   15. März 2012
Das Kopfschütteln und der Ärger war groß über diese Schmähschrift der Heinrich-Böll-Stiftung – "Studie" konnte man diesen Mist ja wohl kaum nennen! Zu haarsträubend erschienen die Vorwürfe: Rechtsextremismus, Rassismus... und das, obwohl man in Wahrheit nichts anderes als Geschlechtergerechtigkeit forderte. Nein, polterten einige, eine Möglichkeit zum Dialog gab...

Geschlechterdebatte

Feminismus als Ideologie

8. Juli 2012, von Dr. Alexander Ulfig
Ideologien sind wie Krankheiten oder böse Geister. Sie beherrschen zeitlang das Denken und Leben der Menschen. Die meisten Menschen können sich ihnen kaum entziehen. Wie narkotisiert folgen sie ihnen. Auch ansonsten aufgeklärte und kritische Menschen sind von ihnen naiv begeistert und schalten bei ihrer Beurteilung ihre Kritikfähigkeit völlig aus.
Moderne...

Geschlechterdebatte

Sexuelle Gewalt durch die Mutter - Manfred Bielers "Still wie die Nacht"

04. Oktober 2013, von Lucas Schoppe
Manfred Bielers Roman „Der Mädchenkrieg", die Geschichte einer deutschen Familie in Prag, war 1976 mehrfach preisgekrönt verfilmt worden, die Verfilmung „Das Kaninchen bin ich“ des gleichnamigen, in der DDR verbotenen Bieler-Romans aus dem Jahr 1965 durfte erst 1989 vorgeführt werden.
Das umreißt auch schon wesentliche Lebensstationen des Autors: Manfred...

Geschlechterdebatte

Dr. Barbara Kiesling: „Viele Frauen haben kein Bewusstsein für die eigene Aggression“

Von Arne Hoffmann   10. April 2012
Der Sozialpädagogin, Eheberaterin und Publizistin Dr. Barbara Kiesling, deren Beiträge in Zeitschriften wie "Psychologie heute" erscheinen, ist mit ihrem Buch "Sie küssen und sie schlagen sich" eine Analyse zum Thema häuslicher Gewalt gelungen, die über das bekannte Modell vom Täter Mann und Opfer Frau deutlich hinausgeht. Trotz erheblichen Zeitdrucks ließ sich Barbara...

Gesellschaft

Sexuelle Belästigung: In Deutschland bisher nur während der Arbeitszeit verboten

Über die (noch) fast grenzenlose Freiheit von Grapschern und sexuellen Anmachen in Deutschland 21. Februar 2016, von Dr. Alexander Stevens
Die Debatte um sexuelle Belästigung von Frauen ebbt nicht ab. Zuletzt bei den sog. „Sex- Mobs" in der Silvesternacht, aber auch im letzten Jahr, als selbsterklärte „Pick-Up- Artists" Jagd auf „sexhungrige" Frauen machten, die freilich durch die offensiv...

Geschlechterdebatte

Ein Kämpfer für den rechten Glauben besucht ein Amt

Die offene Gesellschaft und ihre falschen Freunde: Ein Monolog für zwei Personen 23. Januar 2016, von Lucas Schoppe
Die Kampagne „ausnahmlos“ wurde von Feministinnen nach den vielfachen sexuellen Übergriffen in der Silvesternacht mit erheblicher medialer und politischer Unterstützung lanciert. Vereinzelt fragten Kommentatoren in sozialen Netzwerken auch danach, ob denn die Kampagne ausnahmslos allen...

Gesellschaft

Die ästhetisierte Gewalt

Von Kevin Fuchs   6. April 2012

Gewalt ist Männersache – so der Mythos. Bei häuslicher Gewalt verdichtet sich die These einer Gleichverteilung männlicher und weiblicher Täter. Im außerhäuslichen Bereich ist Gewalt hingegen eindeutig männlich dominiert, doch auch hier ist die Vorstellung von Gewalt als schlicht „männlichem Prinzip“ nicht haltbar.
 

Geschlechterdebatte

Die Antisexualisten und ihr Krieg gegen den Mann

16. Januar 2015, von Kevin Fuchs
In der westlichen Welt geht eine neue Mode um. Nach einer Jahrzehnte fortdauernden Hypersexualisierung unserer Kultur, der Pornographisierung einer ganzen Jugend und nach anrüchigen Aufklärungsköfferchen mit putzigen Plüschvaginas und Plüschpenissen für Grundschüler irritiert uns ein neuer Kanon, der sich so gar nicht dem uns Gewohnten fügen mag. Ich nenne es...

Geschlechterdebatte

Gegen die Homophobie von Ilse Lenz und Hinrich Rosenbrock

Von Arne Hoffmann   22. März 2012
Die von Ilse Lenz und Hinrich Rosenbrock verfasste Kampfschrift "Die antifeministische Männerrechtsbewegung", die als "Expertise" verkauft werden sollte, wurde in den letzten Wochen von Männerrechtlern sämtlicher politischer Lager, von weit rechts bis weit links, als unseriös abgelehnt. Ich habe Kontakt mit etlichen Männer- und Väterrechtlern der...

Geschlechterdebatte

Wozu männliche Monstren und friedliche Frauen gut sind - Margarete Mitscherlichs „Die friedfertige Frau“

10. Juni 2014, von Lucas Schoppe
Angenommen, eine psychisch kranke Frau würde in den USA vier Frauen und zwei Männer erschießen –
angenommen, sie würde Videobotschaften sowie ein langes Manuskript hinterlassen, in denen sie die mangelnde Aufmerksamkeit von Männern und die Unwürdigkeit anderer, bei Männern erfolgreicher Frauen für ihre Taten verantwortlich macht –
...

Gesellschaft

Universelle Menschenrechte versus partikulare Sonderrechte

26. Mai 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Menschenrechte schützen den Einzelnen und legen seine grundlegenden Freiheiten fest. Sie sollen für alle Menschen gelten. Doch bis heute mangelt es nicht an Versuchen, ihre Allgemeingültigkeit, ihre Universalität, zu untergraben und partikulare – nur für bestimmte Gruppen geltende – Sonderrechte zu etablieren.
Im ersten Schritt werde ich die Attribute...

Geschlechterdebatte

Wie man böse Kerle zu netten Jungs umbaut - Progressive Mädchenpädagogik und die „Nice Guys Engine“

18. Februar 2014, von Lucas Schoppe
Der folgende Text ist ein Beitrag zur Blogparade des Monats Februar, die Geschlechterrollen zum Thema hat. Alle Ähnlichkeiten zu einer Satire sind unbeabsichtigt und ungewollt, aber unglücklicherweise unvermeidbar.
Ein Partnertest. Nicht etwa in der Bravo oder auf einer wenig vertrauenswürdigen Internet-Seite, sondern in einem wissenschaftlichen Angebot für...