Gesellschaft

Wussten Sie eigentlich, dass Sie rechts sind?

Über die Hintergründe und Konsequenzen einer kritischen Sichtweise auf den Feminismus

14. August 2013, von Till Schneider

Ich schreibe derzeit an meinem zweiten Essay über den Feminismus. Er ist fast fertig und wird in Buchform wohl eine Länge von 350 bis 400 Seiten erreichen.

links-rechts

Man kann sich denken, dass ich seit Beginn meiner Beschäftigung mit dem Thema, zu datieren auf August 2012, eine Menge von Texten gelesen habe. Die Bücher ergeben zusammen ca. drei Regalmeter; die Artikel, Blogeinträge usw. aus dem Internet sind kaum zu zählen.

Dabei sind "Amazon" und "Booklooker" zu meinen besten Freunden geworden: fünf bis sechs (gebrauchte) Bücher zum Preis von einem (neuen) – das erlaubt das Studium von allem Relevanten einschließlich Randbereichen. Nie waren die Bedingungen so gut, in die Tiefe zu gehen und keine qualitativen Abstriche zu dulden. Ich schreibe noch nicht lange zu Veröffentlichungszwecken und frage mich, wie die das wohl früher gemacht haben.

Als ich mit der Arbeit begann, war ich ein ganz normaler Linksintellektueller wie in diesem unserem Lande üblich. ("Rechtsintellektuelle" – man muss keine Statistiken studieren, um zu wissen, dass das eine Rarität ist.) Und nicht, dass ich mit den Jahren etwa "milder" geworden wäre. Nein, mein Wahlverhalten wurde sogar im Gegenteil "immer linker"; noch bei der letzten Wahl habe ich die gewählt, die auch so heißen. Dann aber begann meine Beschäftigung mit dem Feminismus, und diese erwies sich – was mich heute nicht mehr überrascht – als Katalysator für eine "Umwertung aller Werte". Es würde zu weit führen, wollte ich diesen Erkenntnisprozess in allen Details nachzeichnen. Daher seien nur einige Stationen skizziert, beginnend mit den feminismologischen Befunden im engeren Sinn.

Was mir als erstes ins Auge stach, war die Tatsache, dass feministischen Forderungen so wenig Widerstand entgegengesetzt wird. Ich leitete daraus etwas ab, das ich als quasireligiösen Status bezeichnete: Die Forderungen des Feminismus – sowie die "Antragstellerinnen" selbst – sind sakrosankt und dürfen daher nicht kritisiert werden. Zugleich wird Letzteren offenbar der Status von "höchsten Richtern" zuerkannt, welche die Kritiker – also Sünder – sowie alle anderen Schuldigen jederzeit nach Belieben vorladen und ihnen das Urteil bzw. die Strafe zumessen können. Das wiederum gab mir erstmals den Gedanken ein, dass der real existierende und praktizierte Feminismus totalitäre Züge haben könnte – ein Verdacht, der sich in der Folge ausnahmslos erhärtete, und der übrigens schon mit systematisch bedingten Erfordernissen des Feminismus zu erklären ist. Der Zufall wollte es, dass ich zugleich kleinere Arbeiten über den Islamismus verfasste; dabei geschah es mehrmals, dass ich nicht mehr wusste, ob ich gerade über Islamismus oder Feminismus schrieb. Das kurierte mich von letzten Zweifeln am ideologisch-totalitären Charakter des Feminismus.

Aber gegen Totalitarismus habe ich eben etwas. Es gibt sogar nichts, wogegen ich mehr hätte. Totalitarismus heißt unter anderem: Ausmerzung des Individuellen. Doch auf dem Individuellen beruht nachweislich der Erfolg der westlichen Kultur sowie – damit einhergehend – eine Lebensqualität, die unter totalitären Bedingungen unmöglich zu erreichen ist und die ihrerseits wieder Bedingung für individuelle Kreativität ist. Ein unaufhörlicher Kreislauf, ohne den ich weder meinen Ursprungsberuf Pianist noch meine schriftstellerische Tätigkeit zufriedenstellend ausüben könnte. (Zufriedenstellend natürlich nicht nur für mich, sondern auch für andere – zum Beispiel für Frauen.)

Genau darauf sah ich aber den Feminismus schon von Grund auf festgelegt: Ausmerzung oder mindestens: Ausblendung des Individuellen zu Gunsten eines totalen Plurals – "die Männer" –, in dem alle einzelnen Männer angeblich enthalten sein sollen. Einerlei, wie sie sich jeweils konkret verhalten; einerlei, wie viel der einzelne Mann mit den angeblich "allgemeinen" Gesetzen des totalen Plural zu tun hat. Das fand ich schon absurd genug, doch hinzu kam ja noch, dass vergangenes Unrecht – und zwar nur behauptetes vergangenes Unrecht – am gegenwärtigen Mann gesühnt werden sollte, diesmal leider nicht an der "Menge aller Männer", sondern stellvertretend für alle an jedem einzelnen, konkreten Mann. Ich kann sagen: Spätestens, allerspätestens an dieser Stelle war bei mir der Ofen aus. Denn wie man sich bei einem solistischen Musiker leicht denken kann, bin ich Individualist, oder – um das idiotischste und arroganteste Konstrukt des Feminismus, die sogenannte "Zwangsheterosexualität", abzuwandeln – Zwangsindividualist. Für so jemanden aber ist ein Luftschloss wie die feministische Ideologie nicht einfach nur sachlich falsch, sondern gefährlich. Sie dreht ihm den Saft ab.

Und Leute, die keine "Zwangsindividualisten" sind, können unter dieser Ideologie – das ist keinen Deut weniger schlimm – Individualität nicht entwickeln. Auch nicht die angeblichen "Vertreterinnen" der angeblichen Komplementärmenge von "die Männer", also des ebenso totalen Plurals "die Frauen". (Des totalen Plural II, könnte man sagen, wenn man bei der Nummerierung Simone de Beauvoirs bleiben wollte: "le deuxième sexe" für das weibliche Geschlecht. Vielleicht wäre es sogar angemessen, gleich vom totalitären Plural zu sprechen.) Damit zum eigentlichen Thema: Ich stellte fest, dass ich anscheinend – trotz aller Linkswählerei – wohl doch irgendwie "konservativ" bin, denn es ging mir um die Bewahrung von etwas, das mir für die hiesige Gesamtkultur konstitutiv schien. Allerdings eher für die frühere Variante dieser Gesamtkultur.

Nun ist aber klar, dass das hier gemeinte Konstitutive, also "das Individuelle", keinen konkreten Inhalt bezeichnet. Im Gegenteil besagt es ja gerade, dass verschiedene Inhalte koexistieren – heißt allein schon: koexistieren können oder dürfen. So dass mit "das Individuelle" bezeichnet ist: Es gibt Unterschiede. Und hierin muss für meinen Geschmack als Mindestanforderung eingeschlossen sein: der Unterschied zwischen Mann und Frau. Denn das ist "ein Unterschied, der einen Unterschied macht", wie ich irgendwo gelesen habe (kann sein, bei Norbert Bolz) und nur bestätigen kann. So scheint mir allein schon produktive Spannung zwischen den Geschlechtern unverzichtbar zu sein, nicht zu reden von Leidenschaft bis hinein in die Feinheiten der Erotik, die kaum zufällig von so manchem als das Salz in der Suppe des Lebens angesehen werden.

Der Feminismus jedoch, so musste ich feststellen, will qua "Gleichstellung" diese Spannung eliminieren, da er nur das Negative an ihr gelten lässt, ja das Positive aus den schon erwähnten systematischen Gründen nicht einmal sehen kann. Dadurch erzeugt er zwar eine Spannung anderer Art, die weder produktiv, noch leidenschaftlich noch überhaupt irgendwie positiv ist, aber das ist ihm offenkundig egal. Er will eben etwas erreichen. Nur kann es sein, dass das dann Erreichte an die Stelle von etwas tritt, das funktioniert hat, und dass es seinerseits unter Umständen nicht funktioniert – oder nur zu einem beträchtlichen Preis, der für das Vorherige nicht entrichtet werden musste. Für mich erwuchs daraus die Erkenntnis: Mein "Konservatismus" betraf nicht nur den Geschlechterunterschied als Unterschied, sondern auch dasjenige, was durch Gelten und Geltenlassen desselben funktioniert hatte und nunmehr schlechter funktionierte – zum Beispiel: nur (noch) dann funktionierte, wenn der Staat einsprang, also jene Institution, die von Feminismuskritikern durchaus plausibel als "Ersatzehemann" bezeichnet wird.

Und wo steht man nach landläufiger Klassifizierung politisch, wenn man "konservativ" ist? Nun, "links" wohl eher nicht. Also stellte sich mir die Frage: Wenn ich solche unzeitgemäßen Überzeugungen hatte – war ich dann überhaupt "links"? Hatte ich da bisher vielleicht etwas übersehen? Oder hatte sich unterschwellig etwas eingeschlichen, das ich erst jetzt, im Zusammenhang mit meinen Feminismusstudien, klarer erkennen konnte? Möglich – aber was ich mir zunächst bewusst machte, war etwas anderes. Ich hatte nämlich beobachtet, dass Feminismuskritiker von den, sagen wir es anspielungsreich, Opfern ihrer Kritik gern in die politisch rechte Ecke gestellt wurden, und dass sich danach diese Kritiker wiederum nach Kräften bemühten, zu versichern, dass sie, um Himmels Willen, keineswegs "rechts" waren, sondern – wie sich das gehört – "links". Also: auch "links". Die neuen Fragen schienen mir demnach zu sein: Ist an der "rechts"-Einordnung jener Kritiker "vielleicht doch irgendwie" etwas dran – so wie anscheinend bei mir? Und: Weshalb wehren sie sich so vehement gegen diese Einordnung?

Es folgt zunächst noch ein kleiner Exkurs – bitte um Geduld. Irgendwann las ich folgende Sätze: "Der Feminismus ist eine Heilslehre mit dem Anspruch, zu definieren, was Gut und Böse ist; das heißt, er ist eine säkularisierte Form von Religion, eine missbrauchte, pervertierte Form von Religion." Und: "Beim Feminismus hat die Ideologie die Stelle des Gewissens eingenommen." Und: "Die Ware, die der Feminismus anbietet, ist das Gefühl, ein guter Mensch zu sein." Und: "Feministinnen glauben, es sei irgendwie 'böse', bestimmte Tatsachen anzuerkennen, bestimmte Interessen zu haben oder bestimmte Gefühle zu hegen. Tief im Inneren glauben Feministinnen, sie würden auf der Stelle vom Blitz erschlagen, wenn sie etwas 'Unfeministisches' denken oder gar aussprechen. Feministinnen sind angstgesteuert. Damit sind sie auch manipulierbar. Man muss ihnen nur einreden, irgend etwas oder irgend jemand sei zum Beispiel 'sexistisch' – dazu braucht man nicht einmal Argumente, die bloße Behauptung genügt schon –, und sie werden hass- und angsterfüllt auf den Betreffenden einschlagen, nur weil es behauptet wird. Es gilt die Beweislastumkehr: Nicht der Verleumder muss sich rechtfertigen, sondern der Verleumdete." Schließlich: "Der Feminismus ist einem Fischschwarm vergleichbar: Wir wissen, dass Schwarmfische über die Eigenschaft verfügen, sich an ihren unmittelbaren Nachbarn zu orientieren und in deren Richtung zu schwimmen; auf Menschengruppen übertragen, nennt man dies Konformismus. Schaltet man bei einem einzelnen Fisch allerdings diese Eigenschaft aus, dann schwimmt er, wohin er will, und zieht dadurch alle anderen Fische, denen diese Eigenschaft nicht entfernt wurde, das heißt den ganzen Schwarm, hinter sich her. Genau aufgrund dieses Mechanismus gelingt es kleinen und sogar winzigen Einflussgruppen, alle Feministinnen hinter sich herzuziehen."

Man muss diese Auffassungen nicht teilen, aber ich nehme an, dass feminismuskritisch vorinformierte Leser ihnen zumindest einen gewissen Sinn abgewinnen konnten. Nun aber die böse Überraschung: Ich habe getrickst. Beim hier Zitierten handelt es sich um eine Mogelpackung. Die Sätze stammen aus einem Buch des Politologen Manfred Kleine-Hartlage, Titel: "Warum ich kein Linker mehr bin", und ich habe zwar wörtlich zitiert, aber überall dort, wo ich "Feminismus" oder "Feministinnen" schrieb, heißt es im Buch "die Linke" oder "die Linken". Außerdem steht dort nicht "sexistisch", sondern "rassistisch". Ich habe einfach die zentralen Begriffe durch andere ersetzt.

Und was hat das jetzt gebracht? Mir, abgesehen von diebischer Freude über meinen Augustscherz, das Folgende: Die absolut problemlose Ersetzbarkeit von „links“ durch „feministisch“ – wobei ich betonen möchte: beim Zitierten handelt es sich um eine kleine Auswahl, und es ließe sich das halbe Buch von Kleine-Hartlage so „bearbeiten“! –, diese absolut problemlose Ersetzbarkeit scheint mir mindestens zweierlei zu zeigen. Erstens: Feminismus ist ohne Frage „links“, nämlich im Sinne von: einer gesellschaftlichen Utopie folgend, den Umbau der Gesellschaft in Top-Down-Manier anstrebend. Und zweitens: Wer den Feminismus kritisiert, der lässt wohl doch einige Grundeinstellungen vermissen, die er als echter „Linker“ bräuchte. Genauer vielleicht: Bei ihm sind diese Grundeinstellungen nicht stabil genug, also: nicht so weit zementiert oder generalisiert, wie es für einen Linken pur sang nötig wäre. Das beweist schon allein die Tatsache, dass er auf die Idee kommt, etwas nach vorherrschender Meinung derart Einleuchtendes wie feministische Forderungen zu kritisieren, oder gar den Feminismus und die Feministinnen selbst.

Damit ist zunächst klar, dass dieser Kritiker in irgendeinem Sinn "konservativ" ist. Nämlich mindestens in dem Sinn, dass er nicht a priori der Überzeugung ist, die – zweifellos neuere – feministisch moderierte Sicht aller Dinge sei besser und den Individuen sowie der Gesellschaft zuträglicher als die vorherige. Aber ist er deshalb auch gleich "rechts"? Nun, wie man's nimmt. Es kommt darauf an, was man darunter verstehen will. Man kann sich der Frage vielleicht von folgender Seite nähern: Das "Linkssein" des Feminismuskritikers hat einen Knacks. Ein Keil ist hineingetrieben. Und zwar an einer Stelle, die für wahres "Linkssein" ziemlich bedenklich ist: bei der "Gleichheit" der Menschen. Der Feminismuskritiker weiß zum Beispiel, dass im Grundgesetz zwar von Gleichheit vor dem Gesetz die Rede ist, aber nirgends von sonstiger Gleichheit. Er weiß darüber hinaus, dass dort Gleichberechtigung, nicht aber Gleichstellung angemahnt wird, und dass es einen Unterschied gibt zwischen Chancengleichheit und Ergebnisgleichheit. All diese Unterschiede hält er für höchst relevant, und er leidet unter ihrer Vernachlässigung – doch da er sie tagtäglich sogar massiv vernachlässigt sieht, will sein Unbehagen nicht enden. Das aber heißt: Der besagte Keil sitzt stabil und erweist sich als Stachel im "linken" Fleisch, der beständig schmerzt.

Und der Stachel kann zur Entzündung des Gewebes führen, die auf weiter entfernte Bereiche ausstrahlen kann, schließlich sogar das gesamte Gewebe erfassen kann. So ist es jedenfalls mir ergangen. Ich erkannte – dies nur eines von zahlreichen Beispielen, wenn auch ein zentrales – den "Gleichheits"-Begriff des real existierenden Feminismus als ideologisch, also: nicht mit der beobachtbaren Realität übereinstimmend, schon gar nicht zwingend aus ihr hervorgehend, und identifizierte die zugehörige Ideologie als utopistisch, also: eine "insgesamt" bessere Zukunft anstrebend mittels Top-Down-Gesellschaftsumbau. Was impliziert, dass die Gegenwart ebenso "insgesamt" als nicht gut genug und daher als zu überwindend angesehen wird. (Man kennt es aus dem SPD-Parteiprogramm: "Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden." Überwinden – in meinen Augen ein sicherer Indikator für "holistischen" Utopismus.) Zu schweigen natürlich von der Vergangenheit: Da war nun bekanntlich gar nichts so, wie man sich das heute vorstellt (und worauf man heute das "Recht" hat), was gleichbedeutend ist mit: Es war alles schlechter als heute – wobei auch heute alles immer noch schlecht genug ist und daher insgesamt in eine bessere Richtung umgebogen werden muss. Der Vergangenheit kann man also noch viel weniger als der gegenwärtigen Realität etwas entnehmen, das es wert wäre, angestrebt zu werden.

Vielleicht ist aber meine "Fleisch"-Metapher in der obigen Form gar nicht richtig. Dort war ja vom "linken" Fleisch die Rede, in dem der – sozusagen "rechte" – Stachel sitzt und schmerzt. Fragt sich nämlich, ob es nicht umgekehrt ist. Also wie folgt: Es ist gerade das "Linke", das den Stachel darstellt und schmerzt – nämlich in einem Fleisch, das weder "links" noch "rechts" ist, sondern das entzündlich reagiert auf alles, was mit der konkreten Lebenswirklichkeit in Widerspruch tritt. Ein Beispiel: Der Feminismus soll alles "besser machen", nämlich "gerechter" usw. ad infinitum, aber die Leute – heißt: Männer und Frauen, zu schweigen von den Kindern – werden unter seiner Regentschaft immer einsamer. So wäre es in diesem Fall das "Linke" selbst, also die utopistische Top-Down-Ummodelungsideologie des Feminismus, was schmerzt und zu (chronischer) Entzündung führt. Um beim Fleisch zu bleiben: Ein eingefleischter "Linker" mag zwar Schmerzen verspüren, wenn etwas gegen seine "linken" Überzeugungen verstößt. Sogar große Schmerzen. Aber viel größer werden auch für ihn diejenigen Schmerzen sein, die nicht seine Überzeugungen, sondern sein reales Leben betreffen. So dass mit "Fleisch" – eigentlich naheliegend – wohl doch besser etwas Lebensnäheres, Lebenspralleres bezeichnet werden sollte als Überzeugungen, und seien diese noch so "eingefleischt".

Es war also zufälligerweise der Feminismus, an dem ich etwas viel Umfassenderes hinreichend genau zu sehen lernte. An ihm erkannte ich zum ersten Mal mit voller Schärfe die Logik utopistisch-ideologischer, "holistischer", damit in nuce totalitärer Top-Down-Ummodelungsbestrebungen. (Vielleicht, weil mich deren Auswirkungen hier, beim Feminismus, ungleich direkter betreffen als etwa beim Marxismus, der mich infolgedessen auch nie zu wirklich gründlichem Durchdenken gereizt hatte.) Es war dann nur noch eine Frage der Zeit, bis ich feststellte: Feminismus ist ein Paradebeispiel für Top-Down; seinerseits ist Top-Down klassisch "links"; also ist Feminismus eindeutig "links"; wenn ich gegen Feminismus bin, bin ich nicht "links" (genug) – aber bin ich dann überhaupt "links"? Um mir diese Frage zu beantworten, musste ich lediglich noch das Paradebeispiel "Feminismus" zur Seite legen und "links" als solches ins Visier nehmen – und was ich dann zu sehen bekam, war dies: Sämtliche Merkmale des Feminismus, die mir sauer aufstoßen, sind auch bei "links" als solchem zu finden. Tatsächlich sämtliche. Und weil sie alle mir derart aufstoßen, bin ich offenbar – "rechts". Was denn wohl sonst.

Und der Feminismus ist einfach eine Teilmenge von "links". Das kann man beweisen. Er geht in der Gesamtmenge "links" vollständig auf, und zwar aus einem simplen Grund: Sein "Linkssein" rührt nicht daher, dass er feministisch ist, sondern es rührt umgekehrt sein "Feministischsein" daher, dass er "links" ist. Anders wird kein Schuh daraus – und das sah ich nicht zuletzt an etwas, das meine Recherchen sozusagen als "Zuckerl" hergaben: Die Gründungsurkunden des Feminismus (selbstverständlich nicht zu verwechseln mit der Frauenbewegung – ist klar, nicht wahr?), diese Gründungsurkunden sind so stramm "links", wie es strammer gar nicht möglich wäre. Die wichtigsten stammen von Friedrich Engels, von dem man ein paar verträumte Spekulationen über "Matriarchat" respektive "Mutterrecht" (welches "ursprünglich" gewesen sei) als wissenschaftliche Tatsachenfeststellungen übernahm, und von Simone de Beauvoir, von der nicht zu sagen, sie hätte in einem geradezu linksradikalen Milieu verkehrt, ein schweres Versäumnis wäre. Das bedeutet: "Links", ja radikal "links" geht dem Feminismus voraus, und der Feminismus als solcher und ganzer ist genuin (radikal-)linksgestrickt.

Kritisiert also jemand den Feminismus – gar: vehement und grundsätzlich –, so kommt er nicht umhin, mit "linkem" Gedankengut in Konflikt zu geraten. Dramatisch in Konflikt zu geraten, um genau genug zu sein. Wer am Feminismus "so richtig" etwas auszusetzen hat, der geht "links" an die Wäsche, und zwar ebenfalls "so richtig". Weshalb aber will er dann unbedingt, wie ich oben festgestellt habe, "trotzdem" – also: auch – als "links" gelten? Was stört ihn so ungeheuer daran, wenn man ihn, in seiner Eigenschaft als Feminismuskritiker, als "rechts" bezeichnet? Nun, wohl vor allem die Tatsache, dass er sich "ansonsten" nicht als "rechts" sieht. Verständlicherweise wehrt er sich gegen eine Generalisierung, die zudem eindeutig den Charakter von Diffamierung zum Zweck der Ausschaltung besitzt. Nur könnte es eben sein, dass er damit das Kind mit dem Bade ausschüttet, wobei gälte: "Bad" gleich "rechts", "Kind" gleich er selbst. Meiner heutigen Überzeugung nach gerät der "ernsthafte" Feminismuskritiker mit seiner Kritik des Feminismus an die Logik von "links" als solchem, insbesondere an Utopismus, Top-Down-Gesellschaftsumbau und damit Totalitarismus; sollten zudem diese Punkte diejenigen sein, an denen er sich besonders stört – was ich nach einem Jahr Intensivfeminismologie und zahlreichen Kontakten mit Feminismuskritikern für ausgesprochen wahrscheinlich halte –, so kritisiert er geradewegs "links", also: er kritisiert im letzten, kühlsten Grunde viel eher "links" als nur die Teilmenge "Feminismus".

Und dann könnte man ihn wohl am ehesten als "rechts" bezeichnen, wäre da nicht die hoffnungslos negative Überfrachtetheit des Begriffs "rechts" speziell in Deutschland. Ich muss nicht in Einzelheiten gehen, um feststellen zu können: In einer Gesellschaft, die derart absurden Unfug treibt mit den Begriffen "links" und "rechts" – vor allem aber dem Begriff "rechts" –, in einer solchen Gesellschaft ist es nicht möglich, diese Begriffe noch in einer irgendwie sinnvollen Weise zu verwenden. Sie können dort keine Bedeutung mehr haben, die etwas Reales, Substantielles auszudrücken vermöchte. Sie sind vollständig degeneriert zu Floskeln der, sagen wir, diensteifrig-angepassten Selbstetikettierung bis hin zur Selbstfeier ("links") oder der Diffamierung zum Zweck der Ausschaltung ("rechts"). Mit diesen Begriffen ist hierzulande einfach nichts mehr anzufangen, außer eben: Kampf. Allerdings ist zu berücksichtigen: Dass "rechts" einen so unterirdischen Klang hat, geht ganz klar auf das Konto von "links". Und das bedeutet: Wer sich gegen die Etikettierung "rechts" wehrt, der mag vielleicht irgendwie recht haben, aber er geht genau damit auf das Spiel ein, dessen Regeln von "links" diktiert werden. Dieses Spiel heißt: Nachweisen müssen, dass man selbstverständlich nicht "rechts" ist, und Mitspielen heißt: Kotau vor "links" und seiner angemaßten Definitionsmacht über "rechts".

Man muss mir nicht erklären, was ich nur zu gut selbst weiß: Der Drang zum Mitspielen bei diesem Spiel ist praktisch unwiderstehlich. Denn es steht Enormes auf dem Spiel – vor allem für den, der das Mitspielen verweigert. Für ihn scheint das Urteil immerhin zu lauten: Ächtung, Exklusion, Verbannung. Gleichwohl handelt es sich um ein schmutziges Spiel, bei dem der eben-doch-Mitspieler nur verlieren kann: Das Antreten nach Regeln, die exklusiv von einem Lager geschaffen werden, erlaubt nichts anderes. So perpetuiert er die Definitionsmacht von "links" über "rechts", und vor allem erlaubt er "links", einen in der Psychologie so genannten "Anker" zu setzen. Das funktioniert folgendermaßen: Schreit "links" zum Beispiel "Rassist" (übrigens typisch für "links": Maximalismus, also "immer gleich in die Vollen" bei der Wortwahl), dann katapultiert das den solcherart Bezeichneten auf der Unmenschen-Skala schlagartig auf volle 100. Wehrt er sich dagegen, indem er den Vorwurf abstreitet und Gegenargumente anschleppt, dann reicht das gerade mal, seinen Skalenwert auf vielleicht 60 zu reduzieren, wenn überhaupt – semper aliquid haeret, "es bleibt immer etwas hängen". Und 60 ist immer noch verdammt viel, geschweige denn null, so dass sich die Frage stellt, ob das 1. den Aufwand rechtfertigt, und ob es 2. nicht alles noch viel schlimmer macht. Wobei 2. die erheblich brennendere Frage ist, denn einem Anker kann man letztlich nur entgehen, wenn man ihm nicht zu ankern erlaubt – und sich-Wehren heißt, ihm das Ankern zu erlauben.

Um noch einmal zum oben missbrauchten Manfred Kleine-Hartlage zurückzukommen: Irgendwann im Verlauf meines Erkenntnisprozesses, der mich vom Einzelfall "Feminismus" zum übergeordneten Allgemeine(re)n "links" führte, geriet ich per Internet-Fund an sein Büchlein "Warum ich kein Linker mehr bin" (Postkartenformat, 91 Seiten, Prädikat: unaufgeregt sachlich, 100-prozentig konsistent, schlackenlos stringent, daher so kurz). Der Titel erinnerte mich menetekelhaft an das, wohinein mich meine perifeminismologischen Streifzüge unentrinnbar gezogen hatten, und erwies sich angesichts meiner Lage als noch viel unwiderstehlicher denn der erwähnte sozialdefensive Mitspielzwang bei "sich von 'rechts' distanzieren". Ich griff also zu, und nach der Lektüre war ich überzeugt, so ungefähr das beste Buch über den Feminismus gelesen zu haben, das ich kannte, wiewohl es gar nicht vom Feminismus handelte. Zugleich sah ich ein, weshalb das so war – siehe oben unter "Teilmenge" –, und sah infolgedessen alle "Feminismus"- und "links"-Dominosteine unterschiedslos umgekippt darniederliegen, Prädikat: utopistische Ideologie mit vollautomatischer Gut-Böse-Etikettiervorrichtung und eingebautem Totalitarismusgenerator.

Es schmälert Kleine-Hartlages Leistung nicht, wenn ich sage: Mein Verdacht, dass ich in Wirklichkeit gar nicht "links" sein könnte, sondern – o Schreck! – RECHTS, erfuhr durch ihn nur eine allerletzte Bestätigung. Ich war "im Innersten" schon so weit gewesen, mich nicht mehr gegen diese Selbsterkenntnis-Zumutung zu wehren. Kleine-Hartlage bestätigte mich lediglich darin, dass sich das nicht nur gut anfühlt, sondern sich gut anfühlen muss – weil es, um seine Metapher zu gebrauchen, auf Dauer dann doch komfortabler ist, seinen eigenen Augen zu trauen und zuzugeben, dass der Regen von oben nach unten fällt und nicht umgekehrt. Zu allem Überfluss machte er mir Mut zu der Selbsterlaubnis, dass sich das auch noch gut anfühlen darf – keine Selbstverständlichkeit in einer Gesellschaft, in der die großen "rechten" Parteien die "linken" so erfolgreich imitieren, dass man sie kaum noch von diesen unterscheiden kann, in der also – so Kleine-Hartlage in seinem neuesten Buch – eine parteiübergreifende "Metaideologie" herrscht. Doch ich bleibe hier beim älteren Buch, zumal das neue für den vorliegenden Zusammenhang eindeutig zu starker Tobak ist (aber nicht, weil es "rechtsextrem" wäre!): "Warum ich kein Linker mehr bin" – das besagt natürlich, dass der Autor, ich zitiere mich selbst, "ein ganz normaler Linksintellektueller wie in diesem unserem Lande üblich" war. Jahrzehntelang. Und von diesem Blickwinkel aus versah er sein Geschäft als Politologe und plagte sich, wie praktisch alle seiner Kollegen, mit den (Selbst-)Widersprüchen "linken" Denkens.

Aber dann kam ihm eben die Sache mit dem Regen dazwischen, den er immer nur von oben nach unten fallen sah, und nachdem ihn auch der raffinierteste Links-Optiker nicht von seiner Sehstörung hatte befreien können, beschloss er versuchsweise davon auszugehen, dass es sich bei dem, was er sah, nicht um eine Sehstörung, sondern um die platte Wirklichkeit handelt. Bestätigung erfuhr er danach durch die Tatsache, dass er jedes Mal, wenn es regnete, oben nass wurde und nicht unten, und so konnte er schließlich schreiben: "Für mich war es [zum "Rechten" zu mutieren, T.S.] eine Befreiung: Endlich [es folgt eine lange Liste, endend mit:] endlich sich selbst vertrauen, endlich schreiben zu können, weil man endlich etwas Relevantes zu sagen hat." Um im Bild zu bleiben: Relevant ist zum Beispiel, jemandem zu sagen, dass er den Regenschirm über seinen Kopf halten sollte, statt sich draufzustellen, und diese Relevanz erweist sich unwiderleglich daran, dass derjenige zuverlässig trocken bleibt, wenn er dem Ratschlag folgt, niemals aber, wenn er ihm zuwiderhandelt. Übertragen auf feministische Verhältnisse könnte das heißen: Relevant wäre, eine über Einsamkeit klagende Frau darauf hinzuweisen, dass ihre Einsamkeit kaum mit der Schlechtigkeit "der Männer" zu erklären ist, sondern wohl doch eher mit der erlernten Misandrie, die ihr der Feminismus beschert hat, und sie behutsam zu Selbstprüfung und Umdenken zu animieren; irrelevant wäre hingegen, sie anstattdessen über die Tücken des männlichen Sexismus, Gender Pay Gap oder Gläserne Decke aufzuklären, wie schrecklich diese im Einzelnen auch sein mögen. So meint Kleine-Hartlage das mit seiner "Relevanz"; mich vermag er damit zu überzeugen.

Der Untertitel des vorliegenden Essays lautet: "Über die Hintergründe und Konsequenzen einer kritischen Sichtweise auf den Feminismus". Er ist mit Bedacht gewählt, und ausdrücken will ich damit Folgendes: Hintergrund von Feminismuskritik kann sein, dass der Kritiker "konservativ" ist und sich infolgedessen an der (radikal) "linken" Komponente des Feminismus viel mehr aufreibt als an den "eigentlich" feministischen Inhalten; umgekehrt kann es Konsequenz einer kritischen Sichtweise auf den Feminismus sein, dass dieser Kritiker – wie zum Beispiel ich selbst – zur Logik von "links" als solchem durchstößt und, da hiervon wenig begeistert, plötzlich merkt, dass er ja "rechts" ist. Zumindest: dass er eine Selbstprüfung startet und überlegt, was seine kritische Haltung gegenüber dem Feminismus an darüber Hinausgehendem enthält, um danach möglicherweise Bedarf zu verspüren, sein Welt- und vor allem Selbstbild insgesamt zu revidieren. Letzteres natürlich, weil Konsistenz – hier gemeint: Widerspruchsfreiheit nach innen wie nach außen – als ein zentrales menschliches Grundbedürfnis anzusehen ist, dessen dauerhafte Nichtbefriedigung niemandem mehr schadet als dem Grundbedürftigen selbst, und zwar auch dann, wenn eine gesellschaftliche "Metaideologie" die Befriedigung unter Strafe stellt.

Kurz: Beharren auf "Linkssein" muss nicht zwangsläufig heißen, dass der Beharrende nicht "rechts" ist, sondern es kann auch bedeuten, dass er Angst hat – vor Exkommunikation. Und dass es hierzulande überaus wahrscheinlich ist, diese Angst zu empfinden, muss wohl kaum bewiesen werden. Dennoch habe ich beschlossen, mit dem Beharren aufzuhören, und es kommt mir dabei mittlerweile ein gesunder Oppositionsgeist zupass, der dem "Linken" frech entgegenschleudert: "Gut, ich bin 'rechts' – na und? Wo siehst du die Heerscharen, mit denen ich dich und deine Genossen faschistisch plattzumachen gedenke? Es gibt sie nicht! Was es nur gibt, das ist der laufende Schwachsinn des 'links'-gleich-gut- und 'rechts'-gleich-böse-Denkens – aber da ich selbst nicht schwachsinnig bin, spiele ich bei dem Spiel nicht mehr mit. Ende der Durchsage!" Während ich eben den Feminismuskritiker, siehe Essay-Haupttitel, frotzelnd frage: "Wussten Sie eigentlich, dass Sie rechts sind?" Und auch mein nicht abschaltbares Wortakrobatik-Modul hat sich schon an die Arbeit gemacht, weshalb ich zum Abschluss ein erstes Ergebnis seines Wirkens präsentieren kann: "Rechts" ist recht, "links" ist link. Doch mit der Überprüfung dieser Behauptung muss ich den Leser nun allein lassen. Das ist, oder wäre, sein Job.

PS: Die Wörterbücher mühen sich damit ab, einen Gegenbegriff zu "konservativ" zu präsentieren. Und welcher wird vorzugsweise genannt? "Liberal". Sollten Sie also konservativ sein, zu schweigen natürlich von "rechts", so müssen Sie wissen, dass Sie – deshalb! – nicht liberal sind. Überlegen Sie sich das mit Ihrem Konservatismus noch mal! 

Till Schneider, geboren 1960, ist Pianist, Schriftsteller und freier Journalist. Er studierte Musik, Journalistik und Psychologie.

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Geschlechterdebatte

Für eine offene und sachliche Geschlechterdebatte. Gegen Diffamierungen.

Offener Brief an die Zeit-Redaktion 15. September 2014
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, wir reagieren mit diesem Brief auf einen Text, der am vergangenen Donnerstag in der Zeit veröffentlicht wurde und bei dem wir nicht verstehen, wie er in einer Zeitung mit einem Anspruch auf Seriosität erscheinen konnte.
Es ist in unseren Augen ein menschenfeindlicher, hetzerischer Text, und er...

Geschlechterdebatte

Über den Gender-Begriff (1)

08. März 2015, von Prof. Günter Buchholz
Den Begriff „gender“ haben Sie wahrscheinlich schon einmal gehört oder gelesen. Feministinnen verwenden ihn häufig und gern. Aber wissen Sie eigentlich, was mit „gender“ gemeint ist?
Ich meine, wissen Sie, was genau damit gemeint, und was eben nicht? Damit sie verstehen, wovon Feministinnen wirklich reden oder schreiben? Nun, wir haben es mit einem...

Geschlechterdebatte

Mogelpackung „Männerpolitik“

1. November 2012, von Prof. Walter Hollstein
In Berlin hat jüngst eine Internationale Konferenz zum Thema "Männerpolitik" stattgefunden, organisiert vom Familienministerium.
Programmatisch hieß es dazu: "Die gleichstellungsorientierte Jungen-, Männer- und Väterpolitik wird als zukunftsorientierte Säule der Gleichstellungspolitik positioniert." In ihrer Eröffnungsrede führte Ministerin Kristina...