Gesellschaft

Opferverliebte Journalistinnen - Unterwerfung, die sich genießen lässt

02. Juli 2013, von Prof. Gerhard Amendt

Wer reißt sich schon um den Job bei der Müllabfuhr oder den Fernfahrern, wenn er über die Option einer Philosophieprofessur verfügt. Dass das eine leichter als das andere zu haben ist, stellt niemand in Frage.

Opfer-Abo

Da die Akademikerquote von Frauen aber nicht geringer als die von Männern ist, kommt es offenbar darauf an, was sie daraus machen. Und sie machen anderes daraus als Männer. Sie wählen, was ihnen Spaß macht und meiden, wo der Spaß für sie aufhört.

Das belegt die Statistik und das ist das gute Recht auch aller Frauen. Unterm Strich befindet es allerdings darüber, wie die Berufs- und Einkommensverteilung verläuft. Gerade wortgewaltige Frauen in der Bloggerszene denken nicht gerne darüber nach, ob zwischen Erfolgen, die erreicht werden, und denen, die ausbleiben, ein Zusammenhang besteht. Einer, der in den Personen selber liegt und nicht bei ominösen Mächten. Angefangen bei simplen Alltagsweisheiten wie: ohne Fleiß kein Preis, bis hin zu komplexeren Verkettungen, die letzlich zum Erfolg befähigen.

frauenquoten-quotenfrauen-l-4565723trc972b49Gerade wortgewaltige Journalistinnen bevorzugen eine einzige Erklärung, wenn die Wunscherfüllung von Frauen ausbleibt, zu lange währt, zu anstrengend ist, Rückschläge und Frustration mit sich bringt, oder dass Gehalt den Erwartungen nicht entspricht: Diskriminierung à la Sexismus! Aus diesem Grund gäbe es auch zu wenige Professorinnen in der Philosophie. Kaum kommt eigenes Verhalten von gescheiterten Frauen dabei ins Spiel. Das soll gewährleisten, dass in keinem Fall die Dynamik in den Blick gerät, die Wechselwirkungen zwischen persönlichem Verhalten und äußeren Umstanden aufdeckt.

Die verleugnete Wechselwirkung nimmt dadurch beinahe Tabucharakter an. Denn würden Wechselbeziehungen ins Auge gefasst, dann würde Erfolg wie Misserfolg auch in die eigene Zuständigkeit von Frauen fallen. Vorbei wäre es damit, den bösen Buben Schuld für die Misserfolge von Frauen anzuhängen. Wurden jüngst die fehlenden Frauen in Vorständen beklagt, so sind es jetzt die fehlenden Philosophieprofessorinnen. Morgen werden es andere begehrte Berufe sein.

Um die komplexen Wechselwirkung auch für Professorinnen dem Blick zu entziehen, hat S. Anderl in der FAZ einen übergreifenden Mechanismus der weiblichen Erfolglosigkeit festzulegen versucht. Sie meint, dass es angesichts der „bösen Buben“ dazu komme, “dass Mitglieder einer sozialen Gruppe mit negativem Stereotyp – eben Frauen - in bestimmten Situationen weniger leistungsfähig sind, da ihr Wissen über bestehende Vorurteile ihr eigenes Verhalten im Sinne einer selbsterfüllenden Prophezeiung negativ beeinflusst.

Die Festlegung ist eindeutig. Weil Männer von Frauen nichts halten, ziehen Frauen es vor, so zu werden, wie vor allem die Männer glauben, dass sie es eh nur sein können. Obwohl Frauen wissen, dass sie anders sein können und anders sind, so verzichten sie darauf, trotzig, zielstrebig, selbstbewusst und kämpferisch dem Vorurteil sich entgegenzustellen. Mit dem Hinweis auf eine self-fulfilling prophecy wird von S. Anderl der Vollständigkeit halber noch ein Korken der Flasche aufgedrückt, der verhindert, dass der emanzipatorische Geist überhaupt entweichen kann. Das unterstellt, dass Frauen zu nichts anderem fähig seien als zur Identifikation mit dem Angreifer.

Vor mehr als 25 Jahren hat die feministische Psychoanalytikerin, Margarete Mitscherlich, diese vermeintliche Unbedarftheit den Frauen bereits angetragen. Sie wollte sie damit von Verantwortung für die Gräuel im Nationalsozialismus befreien. Jetzt wird der Mechanismus der Identifikation mit dem Angreifer dazu verwendet, das Scheitern von Frauen in Hochleistungsberufen von ihren persönlichen Motiven zu entkoppeln.

Wer die Welt so erlebt, wird irgendwann von der eigenen Passivität erschlagen. Denn kein Naturgesetz und keine Unabdingbarkeit zwingt Frauen in den Opferstatus. Diesen sich zu eigen zu machen, beruht auf dem Entschluss, sich mit ihm zu identifizieren und Widerstand gegen die Zuschreibung zu unterlassen. Es ist eine Entscheidung und kein zugeschlagendes Schicksal. Die Opferverliebtheit, die aus dieser Identifikation über die Jahre bei manchen Frauen hervorgegangen ist, wird von Frauen gefördert, die wortaktiv sind, aber passiv im Sozialen. Während die Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung leistungsorientiert ist, sind sie beschwerdeorientiert. Dieses Lamentieren hat Katharina Rutschky als Beschwerdekultur benannt und dem akademischen Milieu als Besonderheit zugewiesen. Es weist Ähnlichkeiten mit sozial privilegierten Frauen auf, die aus Erfahrung wissen, dass mit Schuld auslösenden Beschwerden bei Männern fast alles sich erreichen lässt, was andere nur durch Arbeit in ihren Besitz zu bringen vermögen.

Das Lamentieren will seit einiger Zeit schon den Hochleistungsbereich der Wissenschaften erobern. Die Arbeit der anderen, in dem Fall von Wissenschaftlern, soll über sprachästhetisch drapierte Schuldzuweisungen enteignet werden, denn Erfolg durch Leistungswettbewerb wird gerade nicht favorisiert. Diesen Mechanismus als Frau zu bedienen, setzt voraus, den Opferstatus, nämlich nicht erfolgreich nach eigenen Wünschen zu sein, mit einer gewissen Verliebtheit zu pflegen.

Das jetzt eine der besten Tageszeitungen dem schöngeistigen Chor der benachteiligt sich Wähnenden die Tore zur Beschwerde öffnet, setzt sie dem Verdacht aus, als wolle sie die Mentalität von Wellness als Realitätsprinzip für Frauen einführen. So als würde gesellschaftliche und persönliche Produktivität nicht mehr von Leistung, sondern vom Prinzip der Wunschökonomie beherrscht. Und so lässt sich beobachten, dass drei Jahrzehnte weiblicher Opferideologie wie korrespondierender Misandrie nicht nur eine polarisierte Weltsicht hervorgebracht haben. Die Errichtung des Opferstatus schlägt diese Frauen vielmehr mit den Waffen, zu denen sie selber gegriffen haben. Die bekennenden, klammheimlichen wie peinlich berührten Anhängerinnen der Opferverliebtheit bringen es nicht weiter als zur voll entfalteten Leidenschaft, die weibliche Passivität als gutes Recht einzuklagen. Sie gebären Forderungen ohne Grenzen. Ihre Hyperaktivität beschränkt sich darauf, weibliche Passivität zu kultivieren, der der Ruf nach einer erlösenden Macht sodann folgt.

Aktivität als Befreiendes und Widerstand gegen Zuschreibungen scheint im Kreis der Opferverliebten – allein von denen ist die Rede – sich niemand so recht vorstellen zu wollen. Sie wollen nicht anders sein, als sie von Übelwollenden gesehen werden. So kommt es dazu, dass sie letztlich sogar das Stereotyp ein Stück weit genießen können. Denn sie werden denen vergleichbar, die wirklich krank sind, und die darauf hoffen, dass ihnen der sekundäre Krankheitsgewinn eingeräumt wird, nämlich Nachsicht, Freistellung von Erwartungen und noch mehr Fürsorge als sonst üblich. Die Passivitätswünsche opferverliebter Frauen, die nicht krank sind, sondern freiwillig mit dem Angreifer identifiziert, werden erfüllt. Und das schließt Erfolg ohne volle Leistung ein. Es gibt deshalb keinen Grund, warum sie diesen Weg verlassen sollten, denn der intellektualisierende Masochismus beschert ihnen an Gratifikationen, was sie sich wünschen. Sie genießen den doppelten, nämlich den narzisstischen wie den materiellen Gewinn, der ihnen aus dem Opferstatus und der Nachsicht zufließt. Das ist die Quelle ihrer Leidenschaft, die sie zur Identifikation mit dem Angreifer treibt. Frauen, die sich außerhalb dieser Beschwerdekultur bewegen, verzichten auf die Kultivierung des Marterpfahls.

Die FAZ Bloggerin S. Anderl hat deshalb eine verblüffende Erklärung für das Problem, dass es an Professorinnen in der Philosophie fehle: Weil Philosophie mehrheitlich von Männern betrieben wird, die weiß sind, heterosexuell und nicht behindert, deshalb haben Frauen nur begrenzte Chancen zum Aufstieg. Die Lösung folgt sogleich auf den Fuß. Mehr Frauen würden nach dieser Logik zu Professoren ernannt, wenn Männer in der Philosophie schwarz wären, homosexuell verkehrten und im Rollstuhl daherkämen. Was ist eigenartiger an diesem Konzept? Dass Frauen solange nicht erfolgreich sein können, solange sie Männer nicht „kastriert und behindert“ haben? Was zu tun wäre, liegt dann in der Hand der Frauen selber. Oder dass Frauen von „Behinderten und Minderheiten“ umgeben sein müssen, damit sie sich nicht bedroht fühlen? Oder, dass erfolgreiche Frauen in der Philosophie keine Erwähnung finden?
 
FAZ: Der Aufschrei der Philosophinnen

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Eine Quote für das Eigenlob

02, April 2016, von Sabine Beppler-Spahl
Die Unterstützer der Frauenquote feiern sich selbst. Der Emanzipation der Frau haben sie nicht geholfen. Die Quote verstößt gegen grundlegende Freiheitsrechte.
Endlich haben Deutschlands Frauen es geschafft. Die Herrschaft der Männer ist überwunden. Das zumindest war die Botschaft des vor einem halben Jahr verabschiedeten Quotengesetzes. Ab Januar müssen die ca....

Geschlechterdebatte

Master of Funds oder: Eine Hand wäscht die andere

30. Januar 2013, von Michael Klein, zuerst erschienen bei ScienceFiles.org
ScienceFiles bringt Licht in das Dunkel, das das Begutachtungsgremium des Professorinnenprogramms umgibt.
Das Professorinnenprogramm war auf ScienceFiles schon mehrfach Thema. 150 Millionen Euro gaben das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerien der Länder im Zeitraum von 2008 bis 2012 aus, um...

Geschlechterdebatte

Unter Wölfen

28. Februar 2014, von Birgit Kelle
Wir Frauen verschenken Sex heute ohne die Gegenleistung einer festen Bindung. Und glauben auch noch, das wäre so etwas wie eine Befreiung. Eine Gegenrede auf Bascha Mika.
Bascha Mika gehört zu meinen Lieblingskontrahentinnen. Mehrfach saßen wir uns bereits in Talksendungen gegenüber. Sie ist klug und bissig, mit dieser lächelnden, fiesen Art, wie es nur Frauen...

Geschlechterdebatte

Frauenquote in der Filmbranche

29. September 2014, von Dr. Alexander Ulfig
Regisseurinnen fordern eine Frauenquote in der Filmbranche. Sie beklagen „eine männliche Sicht auf die Welt“ in Film und Fernsehen.
170 Regisseurinnen fordern eine Frauenquote für die Vergabe von Regieaufträgen und Fördermitteln. Zu den Unterzeichnerinnen von Pro Quote Regie gehören u.a. Doris Dörrie, Senta Berger und Veronica Ferres.
...

Politik

An der Substanz

4. Juli 2014, von Dr. Klaus Funken
Seit Anfang Juli wissen wir, wie sich die Manipulation am italienischen Wahlrecht durch die neue sozialdemokratisch geführte Regierung unter Matteo Renzi bei der Europawahl ausgewirkt hat: Der Frauenanteil unter den italienischen Europaabgeordneten hat sich verdoppelt - von 21% bei der Wahl 2009 auf 40% 2014.
Dies ist einmalig. Bei keiner Europawahl in keinem...

Wissenschaft

„Führungsposition“ - ein Unwort in der Wissenschaft

30. Oktober 2012, von Dr. Alexander Ulfig
Das Wort „Führungsposition“ hat sich in allen relevanten Bereichen unserer Gesellschaft fest etabliert. Überall ist von „Führungspositionen“ als dem höchsten Ziel der beruflichen Karriere die Rede.
Feministinnen und Frauenpolitikerinnen sehen im Erlangen von „Führungspositionen“ durch Frauen die Vollendung von Emanzipation und Gleichstellung. Auch die...

Geschlechterdebatte

Goldmarie durch Geschlecht - Frauenquote ist Selbstbetrug

24. Juli 2014, von Monika Ebeling
Es war ein eigentümliches Klima in den Siebzigern und Achtzigern des vorigen Jahrhunderts. Ein Klima, in dem sich radikale, abstruse und längst wieder verworfene Ideen, und auch die sogenannte ´Frauenbefreiung´, Bahn brachen.
Man wollte nicht mehr hinnehmen, dass sich ´Frauenrechte´ prozesshaft, gesellschaftskonform oder gar ´bio-dynamisch´  entwickeln.  Nun sollte mit...

Geschlechterdebatte

Frauenquoten sind ein Luxusspielzeug!

1. Oktober 2012, von Kevin Fuchs
Warum dem gemeinen Bürger eine Frauenquote für Aufsichtsräte getrost egal sein kann
René Obermann dürfte man, was die Frauenquote anbelangt, als Avantgardisten bezeichnen. Keiner wie er hat die Quote derart hemmungs- und rücksichtslos durchgesetzt. In gleichsam einzigartiger Weise hat er wie kein Anderer die grotesken Seiten der Quote vorgeführt und sie der...

Geschlechterdebatte

Individuelle Leistung statt kollektive Quoten

16. Juni 2012, von Dr. Alexander UlfigNirgendwo werden Gehirnwäsche und mediale Manipulation so intensiv betrieben wie in der Debatte um die Frauenquote.
In bestehenden Unternehmen soll eine Frauenquote in den Vorstandsetagen eingeführt werden. Die Einführung der Fauenquote wird dabei als Gleichberechtigung deklariert. Frauen sind aber bereits gleichberechtigt. Bezogen auf die Wirtschaft...

Geschlechterdebatte

Feminismus: die Zeiten ändern sich....

3. März 2015, von Prof. Gerhard Amendt
Bevor man sich erstaunt über das Schweigen der Männer gibt, sollte man sich einmal Gedanken über die Selbstverständlichkeit machen, wie deren Tod hingenommen und stillschweigend totgeschwiegen wird.
Wohingegen das Unbehagen von Frauen im Kleinen wie im Großen – wie bei kriegsbedingten Vergewaltigungen - zum Gesellschaftsskandal stets aufgerüstet wird. Wobei...

Gesellschaft

Das télos der Politischen Philosophie von Karl Marx

25. September 2015, von Prof. Günter Buchholz
Alexander Ulfig fasst die Ergebnisse seines Aufsatzes „Das Desiderat des Marxismus“ wie folgt zusammen: „Das Fehlen einer moralisch-ethischen Grundhaltung ist für weite Teile der linken Denktradition konstitutiv, und zwar seit den Anfängen dieser Denktradition bei Karl Marx und Friedrich Engels. Beide Denker haben es versäumt, ihre Lehre auf ethische...

Geschlechterdebatte

Die Frauenquote: Ein Praxisbericht

02. Januar 2014, der Autor, der anonym bleiben möchte, ist Personalleiter eines weltweit tätigen Unternehmens.
Der Koalitionsvertrag hat uns Personalleitern – neben vielen anderen regelungsintensiven Segnungen – ein noch zu erstellendes Regelwerk „Gesetzliche Frauenquote“ beschert, das, so scheint mir, die Leistungskriterien für Einstellung und Beförderung gleichsam auf dem Verwaltungswege...