Geschlechterdebatte:

Warum ich keine Feministin bin

Frauen werden dafür verurteilt, dass sie sich nicht zum Feminismus bekennen. Das ist totalitär.

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Indem sie sich öffentlich vom Feminismus distanzierten, sorgten mehrere weibliche Prominente für erheblichen Unmut in feministischen Zirkeln. Es begann mit Hollywood-Schauspielerin Susan Sarandon, die der britischen Wochenzeitung Observer vor einigen Jahren anvertraute: „Ich betrachte mich selbst als Humanistin, da ich das weniger abschreckend finde". Darauf folgte mit Meryl Streep eine weitere Oscar-Preisträgerin, die Sarandons Empfindung teilte: „Ich bin eine Humanistin, ich bin für das Ungezwungene, Ausgeglichene". Und zuletzt war da noch Marion Cotillard, eine französische Berufskollegin der beiden Vorgenannten, die sich - mit ihren eigenen Worten - nicht dafür „qualifiziere", eine Feministin zu sein, da es in der „Welt des Feminismus zu viel Spaltendes" gebe.

Der darauffolgende Widerstand gegen diese Frauen war vehement. So verwarf etwa ein Artikel Sarandons Äußerung mit der Behauptung: „ Sie hat es nicht ernst gemeint ". Der feministische Online-Hub „Jezebel" mutmaßte, dass „ Queen Meryl [...] direkt aus ihrem Arsch " spreche. Scheinbar gilt die Weigerung, sich selbst als Feminist zu bekennen, als offiziell inakzeptabel. Diese Feministen erkennen offenbar nicht, dass es tyrannisch ist, Widerspruch zu verbieten.

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Doch der beleidigenste Teil dieser hysterischen Antwort ist die Unterstellung, dass diese drei Frauen irgendwie nicht wüssten, was es bedeutet, ein Feminist zu sein. In dem schauerlichsten und duckmäuserischsten Interview, das ich je gesehen habe, fragte die Feministin Lena Dunham die Präsidentschafts-Kandidatin Hillary Clinton, ob sie Feministin sei. Clinton antwortete darauf: „Ich bin immer etwas verwundert, wenn irgendeine Frau, egal welchen Alters, etwas sagt wie: ‚Ich glaube an Gleichberechtigung, aber ich bin keine Feministin'". Dunham kicherte daraufhin ein „Halleluja".

„Stattdessen soll alles, was ihnen nicht gefällt, zum Schweigen gebracht werden."

Wenn jemand wie Hillary Clinton - eine Symbolfigur des Establishments - in die Pantoffeln einer Radikalen schlüpft und über uns Idioten, die wir den Feminismus nicht verstehen, kichert, so sollten bei allen frei denkenden Frauen die Alarmglocken läuten.

Sarandons, Streeps und Cotillards Haltung entspringt der Erfahrung, dass der zeitgenössische Feminismus etwas Entzweiendes hat. Er betrachtet die Welt durch die Geschlechter-Scheuklappen und baut seine Argumentation auf der Behauptung auf, dass Männer und Frauen unveränderlich verschieden seien. Man erkennt das an der gegenwärtigen feministischen Sexkontrolle, die auf der Annahme beruht, dass sämtliche Männer potenzielle Vergewaltiger und Frauen darum dazu verdammt seien, ihr Leben als Opfer zu fristen. Feministen glauben nicht daran, dass Menschen grundsätzlich nach Gutem statt nach Schlechtem streben und sich ein gesundes Sexualleben wünschen, frei von störenden Regeln und Einschränkungen.

Feministinnen denken, man müsse Frauen vor diversen Aspekten des öffentlichen Lebens beschützen, was auch die freie Meinungsäußerung einschließt. Frauen können und sollen nach feministischer Logik nicht mit bestimmten Äußerungen konfrontiert werden, die als sexistisch oder verletzend erachtet werden. Feministinnen wollen sich nicht an Aspekten des gesellschaftlichen Lebens beteiligen, mit denen sie nicht übereinstimmen. Stattdessen soll alles, was ihnen nicht gefällt, zum Schweigen gebracht werden, sei es durch Zensur oder Kriminalisierung.

Letztendlich glauben Feministinnen nicht an die Autonomie von Frauen. Sie sehen in ihnen keine frei denkenden Individuen. Feministinnen praktizieren eine cliquenhafte Schwestern-Mentalität. Jedoch tun sie dies nicht durch einen gemeinschaftlichen konstruktiven Ideenaustausch. Vielmehr sind sie eine Gruppe von eben jener Art, wie man sie vielleicht auf einem Schulhof vorfinden könnte. Eine Gruppe, die Sie ausschließt, weil Sie nicht das richtige Haarband tragen. Der heutige Feminismus lehnt Kritik ebenso ab wie jedes Denken in Nuancen. Er untersagt Frauen, sich ihre eigene Meinung zu bilden und althergebrachte Vorstellungen herauszufordern. Dieselben Feministinnen rufen nach staatlicher Intervention und inszenieren Twitter-Kriege, sobald es darum geht, sich einer widerstreitenden Meinung zu entledigen.

„Letztendlich glauben Feministinnen nicht an die Autonomie von Frauen."

Im Gegensatz dazu glaubt ein Humanist an die unendlichen Möglichkeiten der menschlichen Gattung. Unser Humanismus ist in der Tat universell. Wir stören uns nicht an den Eigenarten der Geschlechter, glauben aber auch nicht an biologischen Determinismus. Wir glauben nicht daran, dass Männer inhärent dazu programmiert sind, Frauen zu misshandeln. Wir glauben daran, dass menschliches Miteinander frei von Zwang sein sollte. Das Privatleben ist die Angelegenheit privater Individuen, nicht die des Staates.

Dort, wo sich Feministinnen intolerant gegenüber Menschen mit gegensätzlichen Ansichten verhalten, dort, wo sie die Unterdrückung widerstreitender Meinungen oder die Verbannung ungeliebter Seiten des Lebens fordern, genau dort nehmen sich Humanisten kontroverser politischer Sichtweisen an. Als Humanisten treten wir unmissverständlich und kompromisslos für das Recht auf freie Meinungsäußerung ein. Ebenso stehen wir für den freien Austausch von Ideen zwischen Menschen zum Zweck eines progressiveren Ausgangs.

Und schließlich ist ein Humanist insbesondere von der Stärke und Unabhängigkeit der Menschen überzeugt. Selbstredend sind Frauen in der Lage, konfliktbehafteten Situationen und herausfordernden Ansichten zu begegnen, ohne hierfür den schützenden Arm des Staates um ihre Schultern zu benötigen. Vielmehr fordern wir mehr Freiheit vom Staat. Ein Humanist kämpft für Freiheit, ganz gleich, ob es hierbei um das Recht auf eine kostenfreie und legale Abtreibung oder das Recht geht, sich selbst nicht einen Feministen nennen zu müssen.

Ich bin eine Humanistin und keine Feministin, weil ich mich am öffentlichen Leben beteiligen möchte. Frauen sollten dazu ermuntert werden, sich aktiv konfrontierenden Ansichten entgegenzustellen, sich in politische Gefechte auf der Straße einzubringen und diese mit Argumenten zu gewinnen. Ich bin eine Humanistin und keine Feministin, weil ich der Überzeugung bin, dass es nichts gibt, das wir nicht ändern können und ebenso nichts, was wir nicht besser machen können. Der einzige Weg, der uns dorthin führt, ist der kompromisslose Glaube an die Freiheit.

Aus dem Englischen übersetzt von Kevin Fuchs. Dieser Artikel ist zuerst im britischen Novo-Partnermagazin Spiked erschienen.

Ella Whelan ist Autorin beim britischen Novo-Partnermagazin Spiked.

 

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