Geschlechterdebatte

Allen Frauen Gutes tun - der Mutter zuliebe?

17. Oktober 2015, von Prof. Gerhard Amendt


Kollektive Schuldgefühle gibt es nicht. Wer in der Debatte über die aktuellen wie historischen Arrangements von Männern und Frauen sich Gedanken über eine männliche Kollektivschuld macht, der sitzt im Boot der Feministen und Genderideologen.

Mutter Sohn 07564326 Er hat sich nämlich die Ideologie angeeignet, nach der alle Männer Täter seien und alle Frauen Opfer. Nur mit dieser Annahme lässt sich die Vorstellung einer Kollektivschuld von Männern gegenüber Frauen als Opferkollektiv überhaupt denken.

Kollektivschuld gibt es nicht, es kann allenfalls Verantwortung für alle bestehen, gesellschaftlichen Veränderungen geben, mit denen sich vergangene Geschlechterarrangements auflösen lassen, weil sie, obwohl früher einverständlich praktiziert, heutzutage nicht mehr gewollt werden.

Alle rätseln darüber, warum Männer zu mehr als dreißig Jahren Männerbeschimpfung durch Feministen und Genderideologen, von aufmüpfigen Ausnahmen abgesehen, stur und verbissen geschwiegen haben. Auch dem Historiker Martin van Creveld ist das aufgefallen. Er bietet eine interessante Erklärung an. Er meint, dass das Schweigen der Männer zum männerabschätzigen Feminismus sich aus Schuldbewusstsein herleiten könne. Die Grundlage dafür sei Dankespflicht gegenüber Müttern, weil diese sie geboren haben. Und darauf verzichtet haben, sie abzutreiben. Das Schweigen zu den ewigen Wehklagen über Männliches enthalte letztlich den Vorwurf, dass Männer undankbar seien  und, wie das im Leben öfters ist, dass sie das beschämt, was ihnen die Sprache verschlägt – sie schweigen. Der Undank vergrößert sich ins Unermessliche, weil der lamentierende Feminismus in seiner Opferverliebtheit überall versagende Männer wähnt, die alle Frauen vernachlässigen, statt ihnen ein gutes Leben und eine sichere Welt zu bescheren.hoellenhunde himmelswesen 0

Warum Männer dazu schweigen, ist damit aber noch lange nicht erklärt. Denn könnte man nicht geltend machen, dass Männer den Feminismus bekämpfen sollten, weil sie nicht wollen, dass er ihre Mütter für dumm und unselbständig verkauft und sie im Namen eines nicht existierenden Opferkollektivs in die Sackgasse von Ressentiment, Ärger und Hass auf Ehemänner, Väter und Großväter treibt? Das zu verkünden, wäre eine gelungene Art, sich für die Schenkung des Lebens zu bedanken, vorausgesetzt, dass man den Gedanken einer Dankesschuld akzeptieren sollte. Das wäre etwas anderes, als sich vor den Plattitüden des Feminismus zu ducken, Asche aufs Haupt zu streuen und die Mütter sprachlos zu Existenzkrüppeln deklarieren zu lassen. Und im Übrigen: Warum sollen Männer allen Frauen Dank für ihre Existenz schulden? Sie wurden doch nur von einer geboren. Dank ist eine personenbezogene Haltung und keine auf die Gattung!

Und es gibt noch ein weiteres Problem!

Müssten Frauen gegenüber ihrer Mutter nicht ebenfalls Dankesschuld empfinden, denn auch sie wurden unter Schmerzen geboren. Dafür gibt es aber keine Hinweise. Soll man daraus schließen, dass die Mehrheit der Frauen zu den Verunstaltungen durch Feminismus ebenfalls aus Dankespflicht schweigt und sich für „Dummerchen“ verkaufen lässt?

Ich glaube, dass Martin van Creveld als Historiker eine starre Sicht auf das Verhalten von Männern einnimmt. Vielleicht haben sozialpsychologisch orientierte Soziologen bessere Erklärungen! Allerdings setzt das voraus, dass sie sich an die von Denkverboten, Drohungen und Berufsverboten am Leben gehaltene Genderideologie überhaupt herantrauen. Das setzt Mut zum Konflikt voraus, wofür es nur magere Hinweise in den Sozialwissenschaften gibt.

Dass Schuldgefühle gegenüber Frauen und Bemühungen um Wiedergutmachung unter vielen Männern bestehen, ist nicht von der Hand zu weisen. Ich denke nur an die angestrengten alltäglichen Bemühungen vieler Männer, es Frauen recht zu machen, damit sie möglichst zufrieden sind. Dieses Bemühen ist nicht nur alltäglich, nein, es beherrscht die meisten ein Leben lang. Ich würde noch einen Schritt weitergehen und sagen, dass es ein wesentliches Element männlicher Identität ist. Wie könnte man sonst verstehen, dass Männer seit Menschengedenken anstandslos die schweren und gefährlichen Jobs übernehmen, in Kriege ziehen, in Bergwerke einfahren, ihre Kinder kaum sehen, nachts arbeiten und nicht einmal in Zeiten endloser Gleichheitsrhetorik darauf kämen, von Frauen zumindest heutzutage Ähnliches zu fordern. Das „Bemüht sein um Frauen“ kann man schon früh im Leben von Jungen beobachten. Es wird sichtbar gegenüber Mitschülerinnen, später dann Freundinnen, der Ehefrau, Berufskolleginnen etc.

Zu den Attacken auf das Selbstwertgefühl der Männer äußern sie sich deshalb nur selten, weil sie nur allzu bereit sind, das als Kritik an der Vergeblichkeit ihrer guten Absichten anzuerkennen. Dieses „Bemüht sein“ sucht Anerkennung und findet sie auch und wird damit von Männern wie Frauen gemeinsam am Leben erhalten.

Die feministische Genderideologie hingegen stellt diese Leistungsbereitschaft nicht nur in Frage, sondern etikettiert sie als Quelle aller gesellschaftlichen und menschlichen Fehlentwicklungen. Kurz gesagt: Männer sind an allen Übeln schuld. Diese Unterstellung hat seit vier Jahrzehnten eine gesellschaftliche Atmosphäre geschaffen, in der sich Frauenprivilegien ohne die üblichen Anstrengungen an Land ziehen lassen und in der eine essentielle moralische Überlegenheit des Weiblichen verkündet wird.

Zu all dem schweigen die meisten Männer, nicht ohne diese Verwerfungen zu registrieren. Aber es gibt auch solche, die damit liebäugeln, sich als löbliche Ausnahme „gattungstypischer Fehlentwicklung“ anzubiedern. Man denke an den amerikanischen Frauenversteher Michael Kimmel und seine Gruppe, die auf Frauen nichts kommen lassen und deren vorbehaltlose Frauenpflege sie zu jeder Ambivalenz für ihr eigenes Verhältnisses zu Frauen unfähig macht.

Sie sind nicht nur unbewusst mit den Schuldvorwürfen identifiziert. Vielmehr haben sie sich diese politisch zu eigen gemacht und meinen, dass die Kritik der Genderideologen an „allen Männern“ die einzige Chance für deren Emanzipation böte. Sie sollten Feministen werden, um sich zu befreien. Das erhebt Masochismus zum Instrument der Befreiung.

Oder denken Sie an Volker Pilgrim, Autor von Muttersöhne, der trotz seiner Homosexualität oder vielleicht wegen ihr, Frauen sich zu Füssen warf, aber dann doch wiederum tief enttäuscht sie zutiefst verachtete.

Letztlich führt das zur allgemeinen Frage zurück, die im Text von Alexander Ulfig „Geschlecht und Schuld“ im Mittelpunkt steht und der ich in Von Höllenhunden und Himmelswesen ein Stück näher zu kommen versuchte. Nämlich: Warum schweigen die meisten Männer, warum lassen sie sich abwerten, warum die Kinder nach der Scheidung wegnehmen, warum kehren sie die Aggression von Außen gegen sich selber und werden depressiv, statt sich zu wehren, warum lassen sie sich Frauenquoten aufzwingen, warum schützen sie ihre Söhne an den Schulen nicht vor der Verachtung von Lehrerinnen und unendlich vieles mehr. Oder: Warum sind Männer in ihrem Verhältnis zu den Frauen so botmäßig und zu vernachlässigend zu sich selber?

Martin van Creveld hat in Das bevorzugte Geschlecht das zu klären versucht, weil er nicht wollte, dass der Unfug der Genderideologie unwidersprochen bleibt und sich so verhängnisvoll auf die Beziehungen der Geschlechter auswirkt, indem er sie vergiftet.

Die männliche Schweigsamkeit als Folge eines Verhältnisses von Ursache und Wirkung zu beschreiben, scheint mir prinzipiell aber eher problematisch. Denn es mutet seltsam an, dass aus der schicksalhaften In-die-Weltsetzung durch das sexuelle Vergnügen der Eltern Schuld sich einstellen soll, die durch Dankeshandlungen abgetragen werden müsste. Warum das allein gegenüber der Mutter so sein sollte, ist nicht weniger nachvollziehbar, wie das Ausblenden des Vaters.

Sich von Genderfeministen verteufeln zu lassen, die beanspruchen, für ein homogenes Kollektiv von Frauen zu sprechen, lässt sich nur halbwegs verstehen, wenn man unterstellt, dass Männer sich mit der genderideologischen Zwangskollektivierung dienstfertig identifizieren. Das heißt, die abgedroschenen Phrasen zu akzeptieren, wonach alle Männer Täter und potentielle Vergewaltiger seien und die Frauen ein Leben lang nur deren Opfer und ansonsten gewaltfrei.

Aber geht dieses Verstehenwollen der Genderideologie nicht in eine völlig falsche Richtung und ist die Suche nach Gründen, warum Männer zu diesen Bombardements aus staatlich alimentierten Bürokratien schweigen, nicht eigentlich eine völlig überflüssige Frage? Denn es gibt dieses Männerkollektiv sowenig wie das Frauenkollektiv, von denen genderideologisch infizierte Bundesministerien rituell fabulieren. Es sei denn, man würde die weibliche und männliche Biologie zugrunde legen.

Offiziell ist der Genderideologie Biologie zwar ein Graus, weil alles von der Gesellschaft vorgeblich gemacht sei und die Natur niemanden etwas Einschränkendes vorgeben könne. Um aber das kollektive Feindbild von Männern als Tätern und allen Frauen als Opfern ins Leben zu setzen, lassen sie genau das durchgehen. Andernfalls käme die zweigeteilte Welt nicht zustande. Nach diesem biologischen Schachzug lässt sich dann, die Gesellschaft in Gute und Böse unterteilen.

In anderen totalitären Ideologien sind das die Rassen, nach denen die Gesellschaft in Freunde und Feinde gespalten wird. Möglich ist das nur, wenn man die Weltsicht von kleinen Kindern oder von totalitären Systemen praktiziert. Die Kinder können die Differenzierungen noch nicht sehen, das totalitäre Denken des Genderismus hingegen will sie nicht sehen. Wer sich dem entgegenstellt, wird mit einer Phobiediagnose belegt. Das kritische Denken wird mit geistiger Krankheit gleichgesetzt. Das war schon so in der Sowjetunion und der DDR etc..

Trotzdem bleiben die Wurstigkeit oder Irritation vieler Männer zu den misandrischen Routinen krakeelender Genderfrauen ein herausforderndes Phänomen. Denn wer lässt sich schon gerne verteufeln! Ich glaube, dass man es eher verstehen kann, wenn man an der Stelle der Kausalität - Dankesschuld fürs Gebären - eine besondere Psychodynamik zwischen Mutter und Sohn vermutet.

Ich werde deshalb eine intime emotionale Dynamik skizzieren, die die Beziehung von Müttern zu ihren Söhnen in ein bislang unbekanntes oder verleugnetes Licht rückt. Das Besondere daran ist, dass Frauen in einer anderen Weise ihre Söhne beglückend, wenn nicht sogar beglückender als ihre Töchter erleben. Ich habe das in den beiden Büchern Vatersehnsucht und Wie Mütter ihre Söhne sehen anhand empirischer Untersuchungen zu belegen versucht.

Die Einzigartigkeit dieses Verhältnisses ist die Matrix, die das bereits erwähnte spätere Verhalten des Sohnes zu Freundinnen wie allen anderen Frauen bestimmen wird. Zum Beispiel in der Bereitschaft, kulant zu sein oder, wie heute, sie als Opfer zu sehen oder den Phantastereien einer von Diskriminierung gesteuerten Einkommensdifferenz sich anzuschließen. Um letztlich das Phantasiegebilde eines Patriarchats anzuerkennen, das auf 1000 Jahre erfolgreicher Unterdrückung von Frauen zurückblicken kann. Ein Patriarchat, das es aber nie gegeben hat.

Das ist ein sehr komplexer Vorgang, der unbewusst verläuft, der aber keine eindeutigen Reaktionen vorgibt - wie die Abtragung einer vermeintlichen Geburtsschuld. Die Gründe für das Schweigen lassen sich dann eher als persönliche Antwort darauf beschreiben, dass eine Mutter von klein an ihren Sohn mit ihren Erwartungen befrachtet hat, die allemal ein zu großer Schuh waren. Und wie meine Befragung Wie Mütter ihre Söhne sehen aus den 90er Jahren zeigte, lässt sich ein wesentlicher Kern dieser Mutter-Sohn-Beziehung so formulieren: Viele Mütter möchten, dass ihr Sohn zu dem Mann wird, der jene Männlichkeit verkörpert, die sie als unerfüllte Idealvorstellung in sich tragen und - die Züge eines Märchenprinzen tragen. Diese ist aber weder mit dem Ehemann noch mit anderen Männern im Laufe ihres Lebens in Erfüllung gegangen. Märchenprinzen gibt es bekanntermaßen ja nur im Märchen. Da sie dieses Wunschbild aber nicht aufgeben wollen, versuchen sie ihren Sohn so zu erziehen, dass er so wird, wie sie sich den idealen Mann träumen. Das ist – kurz gesagt - die hoch diffizile Grundlage der männlichen Unfreiheit, die vieles verständlich macht.

Dann liegt es nur auf der Hand, dass viele Männer ihre Liebesbeziehungen nicht allzu frei gestalten können, denn die eigene Mutter wirkt wie ein Kompass in ihnen, der als Orientierung immer vorgibt, was die Mutter eigentlich von ihm erwartet hat. Nicht wenige Männer liegen deshalb zeitlebens im Prokrustesbett der Mutterhörigkeit. Sie sind an die Mutter gebunden, und das macht es schwer, eigene Wünsche zu verfolgen. Denn er soll dem Bild von einem guten Mann entsprechen und obendrein ein besserer Mann als sein Vater werden. Natürlich führt das auch zur Entfremdung vom Vater und generell zu einer eher fragilen Nähe unter Männern. Eine äußerlich getragene elektronische Fußfessel ist eine untaugliche Kontrolle im Vergleich zu diesen verinnerlichten Muttererwartungen.

Beispiele dazu stellt das Alltagsleben, aber auch die Wissenschaft wie der erwähnte Männerforschung Michael Kimmel oder Connell, der sich unlängst zur Frau hat umgestalten lassen, um das Gute nicht nur in Frauen zu beschwören, sondern es auch selber zu verkörpern.

Ebenso sei an den Männertyp des „Softie“ in den 80iger Jahren erinnert. Sie verstanden sich als Antwort auf die Frauenbewegung. Sie trugen keine Krawatten, weil sie darin eine Gewalt andeutende Symbolisierung des Penis sahen. Dieser Typ macht sich anheischig, durch Verleugnung der eigenen anatomischen Beschaffenheit Nachsicht zu finden. Vielleicht meinten sie damit, den Feministen einen wahrscheinlichen Neid auf den Penis oder die Enttäuschung darüber nehmen zu sollen, indem sie den eignen verleugneten. Sie fühlten sich nicht nur schuldig im Hinblick auf die unerfüllten Wünsche der Frauen, sondern wollten durch Wohlgefälligkeit glänzen.

Aber auch sie entkamen dem aufkeimenden Vorwurf der Feministen nicht, dass alle Männer „potentielle Vergewaltiger“ seien, weil es keinen „schuldlosen Penis“ geben könne. Und aus der Frauenbewegung der späten 70er Jahre wurde ihnen johlend nachgerufen, dass sie doch eher auf die Männer stünden, die sie hin und wieder einmal richtig „durchbummsen“ würden. Letztlich saßen die Softies zwischen allen Stühlen, weil sie ihr anatomisches Geschlecht unter den Scheffel stellen wollten!

Das sind drastische Beispiele für Söhne, die früh gelernt hatten und nie davon wegkamen, dass zum Mann zu werden, etwas damit zu tun hat, Frauen zu verstehen und sich auf deren Erwartungen einzustellen. Letztlich geht es darum, Männlichkeit als Fähigkeit zu verstehen, Frauen zufriedenstellen, für sie da zu sein und sich selber zu vernachlässigen. Eben, weil Frauen es selber nicht können, oder wollen oder weil die Wunscherfüllung durch Männer einfach genussvoller ist als die selbst herbeigeführte.

In der Genderideologie mutierte diese Erwartung zu einer Politik des ewigen Genöle, Forderns, Beschwerdeführens und der Schuldzuweisung. Genderstudien sind Dokumentationen des Lamentierens, die es paradoxerweise darauf anlegen, dass Männer sich eines Besseren, nämlich des Althergebrachten, besinnen, damit Frauen nichts zu kritisieren haben. Eigenständigkeit von Frauen kommt darin nicht vor. Die Genderideologie fällt deshalb hinter die Frauenbewegung zurück und revitalisiert alte Geschlechterarrangements, die sie vorgeblich nicht will.

All das zusammengesetzt ergibt das Feindbild vom imaginären Patriarchat, das Frauen ein Eigenleben unmöglich mache. Deshalb seien Wiedergutmachungen im Namen von Genderpolitik von Männern kollektiv zu fordern. Das scheint in gebildeten Schichten und der liberalen Presse bis heute recht gut zu funktionieren, weil die einst lamentierende Mutter durch lamentierende Genderideologen ersetzt wurde. So gesehen ist der Feminismus alias Genderismus ein politisches Projekt, das mit weitgehend substanzlosen Vorwürfen unter Männern Schuldgefühle wecken soll, damit unverdiente Privilegien ohne Widerspruch sich durchsetzen lassen. Bislang funktionierte das, seit einigen Jahren bricht das Gebäude allerdings in sich zusammen.

Auf diese Weise lässt sich über die Modernisierung von Beziehungen nicht diskutieren. Denn die meisten Männer erkennen darin traditionelle Forderungshaltungen, denen sie bislang noch zu entsprechen versuchen. Sie schweigen dazu, weil sie es für den Gang der „Natur“ und das „Wesen“ der Frauen halten.

Und abermals: Ist die Frage nach dem Schweigen der Männer denn so wichtig, denn die Frauen schweigen zur Genderideologie nicht minder, die ihnen ein Reich unbeschwerter Wellness aus genderideologischer Hand verheißt? Allerdings um den Preis einer verhängnisvollen Etikettierung, die ihnen Verantwortungsfähigkeit abspricht und eine patriarchalisch bedingte Verkümmerung anhängt. Autonomie wird ihnen nicht zugetraut. Stattdessen schweben Lösungen im Raum. Entweder die Männer ziehen sie reumütig aus dem Schlamassel heraus oder die Frauen werden an den Tropf des bevormundenden Staates gehängt. Die Genderideologen werden den Staat den Männern vorziehen, denn ihr Verhältnis zu Männlichem ist essentiell gestört und ihre eigene Existenz ist ein Beispiel dafür, dass es sich gut an diesem Tropf hängen lässt.

Offenbar geht es nicht um das Schweigen zur Genderideolgie. Es geht um etwas Prinzipielles. Die Genderideolgie ist Ausdruck eines Erlösungswahns für eine phantasierte Opfergruppe, die von einer phantasierten Tätergruppe befreit werden soll. Sich auf dieses Spiel einzulassen, verwandelt lösbare Konflikte in ein unüberwindbares Freund-Feind-Verhältnis. Das bringt weder Frauen noch Männer voran. Worum geht es aber dann? Männer wie Frauen müssen gemeinsam ihre Probleme und Lebensperspektiven organisieren. Wer immer von beiden statt die Eigeninitiative den Staat zur Hilfe ruft oder sich der Genderideologie anschließt, der ist auf dem Weg, sich seiner Autonomie zu begeben.

 

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