Geschlechterdebatte:

Lebenssituation junger Männer

Das Lebensgefühl vieler junger Männer ist geprägt von einer tiefen Verunsicherung.

MannSchweigen-klas8936

Paradox sind sowohl die Erwartungen an „männliches“ Verhalten in den unterschiedlichsten Lebensbereichen als auch die Ausübung der „männlichen“ Rolle, deren genuine Existenz oft bestritten, dann ihre peinlich genaue Einhaltung jedoch neuerlich eingefordert wird.

Viele Männer glauben, zu einem „Geschlecht 2. Klasse“ zu gehören und fühlen sich daher zunehmend ungerecht behandelt. Sie sollten sich ihrer Gestaltungsspielräume bewusst werden und erkennen, wie stark die sexuelle wie psychische und letztlich emotionale Abhängigkeit der Frauen von männlicher Zuneigung ist. Zum Fokus maskulistischer Bemühungen gehört die Überwindung von Männerhass und einseitiger Gleichstellungspolitik.

Seit langem beklagt – nicht nur – die geschlechterpolitische Initiative Manndat e. V. die Einseitigkeit, mit der sich Entscheidungsträger in Politik und Gesellschaft geschlechtsspezifischen Problemlagen nähern: Im öffentlichen Raum, den Medien sowie den meisten Institutionen, Behörden und Forschungseinrichtungen sind nur die – vermeintlichen oder tatsächlichen – Belange von Frauen relevant. Während jeder Stein unzählige Male umgedreht wird, wenn auch nur im geringsten zu erwarten ist, dass sich unter ihm eine Benachteiligung von Menschen weiblichen Geschlechts findet (und mit „Fördermaßnahmen“ auch dann nicht gespart wird, wenn, ausnahmsweise, auch beim besten Willen keine „Diskriminierung“ zu erkennen ist), blicken diejenigen, die die Meinungsführerschaft innehaben und die Deutungshoheit im öffentlichen Raum besitzen, auch dann über Schwierigkeiten hinweg, die mehrheitlich Männer treffen, wenn der entsprechende Elefant ihnen buchstäblich auf die Füße steigt. Oder sie kümmern sich – wiederum – vorrangig um die 10 % weiblichen Betroffenen.

Manndat ist jedoch konstruktiv: Statt nur auf die – legitimerweise zu kritisierenden – Zustände hinzuweisen, haben wir uns überlegt, einen Schritt weiterzugehen und die Frage zu beantworten, was denn geschehen muss, um – insbesondere jungen – Männern eine bessere, gelingende Zukunft zu ermöglichen.

In diesem Zusammenhang haben wir uns aus Gründen der Stringenz wie der Lesbarkeit für eine Strukturierung in drei Teile entschieden. Zunächst wird das Lebensgefühl vieler junger Männer der Gegenwart skizziert. Hierauf fundierend wird eine wünschenswerte Vision gezeichnet, um diese in einem weiteren Schritt mit Forderungen zu versehen, die zu erfüllen eine wesentliche Grundlage ist, um die formulierten Wünsche Wirklichkeit werden lassen zu können.

Das Lebensgefühl junger Männer ist geprägt von Verunsicherung

Die Mädchen (und Frauen) führen die Regie, im Leben und bei intersexuellen Interaktionen, privat wie öffentlich; wie in der Einleitung umrissen, ist alles, was diese Gesellschaft im Rahmen des Geschlechterverhältnisses bzw. der -politik tut, unglaublich frauenfokussiert; das spüren immer mehr junge Männer. Zu den populärsten Bewältigungsversuchen zählt die Legitimation der einseitigen Gleichstellungspolitik als Wiedergutmachung/Gerechtigkeit für „Leid“, das „die“ Männer „den“ Frauen historisch und international angeblich zugefügt haben und immer noch zufügen. Pauschal und kollektiv. Täter- vs. Opfergeschlecht. Das herrschende Paradigma trennt die Geschlechter antagonistisch. Eine solche Herangehensweise wie auch die gezogenen Schlüsse („Wiedergutmachtungsnotwendigkeit“) sind natürlich mehr als fraglich, sie sind längst falsifiziert, ethisch verwerflich und zwischenmenschlich gemein. Manndat hat sich dazu bereits vielfach geäußert, z.B. hier und hier.

Folge ist ein wachsendes Unbehagen vieler junger Männer, deren Lebensgefühl inzwischen häufig sehr grundsätzlich davon geprägt wird, der eigenen Wahrnehmung nach ungerecht behandelt zu werden. Empirisch lässt sich oft feststellen, dass der individuelle Eindruck auch nach objektivierbaren Kriterien der Bewertung von Sachverhalten gerechtfertigt ist.

Doch (noch) fehlen Sprachrohre, Stimmen und genügend Einfluss, um diesem Unbehagen ein angemessenes öffentliches Gehör im politischen Diskurs zu verschaffen.

Männer sollten Autoren ihres eigenen Lebensentwurfs sein können

Das Schlüsselanliegen besteht darin, Männer zu den Autoren ihres eigenen Lebensentwurfs werden zu lassen. Eine der entscheidenden Grundlagen dafür ist die Anerkennung der hohen Bedeutung des „Männlichen“ in und für unsere Gesellschaft bzw. die Daseinsumstände in der westlichen Welt samt ihres materiellen wie ideellen Fortschritts im Allgemeinen. Dafür braucht es Respekt vor der Andersartigkeit von Jungen gegenüber Mädchen.

Wünschenswert wäre, wenn sich mehr Männer ihrer Gestaltungsspielräume auch im Verhalten gegenüber Frauen bewusst würden und sie erkennen, wie stark die sexuelle wie psychische und letztlich emotionale Abhängigkeit der Frauen von männlicher Zuneigung ist.

Dies ist ein Pfrund, mit dem sich wuchern ließe – auch, um weit mehr Optionalität und Empathie für den eigenen Lebensweg und schwierige –lagen sowie die eigene Hilfsbedürftigkeit einzufordern.

Unsere Gesellschaft würde weit humaner, wenn wir Männern eine leistungsentkoppelte Wertschätzung zukommen ließen, die Frauen schon immer erhielten – und die Gewissheit, dass sie von weiblichen Individuen geliebt werden, obschon sie keineswegs „perfekt“ sind.

Weg von der permanenten Konkurrenz um Erfolg!

Die Kernforderung mag zunächst irritieren, da sie dem üblichen Klischee entgegensteht, dass Männerrechtler Frauen hassen oder zumindest antifeministisch sind und von „den“ Frauen ständig etwas fordern. Nein, eine wesentliche Verbesserung der Lebenschancen junger Männer für ihre nahe und ferne(re) Zukunft wäre eine grundlegende Verhaltensänderung von Männern untereinander. Wir müssen endlich die – gegenwärtig leider berechtigte – Annahme widerlegen, wonach „Der Mann dem Mann der größte Feind” ist.

Um dieses hehre Ziel zu erreichen, muss die vorhandene Organisation aller gesellschaftlichen Lebensbereiche nach den Prinzipien des Kampfes um Weibchen überwunden werden: weg von der permanenten Konkurrenz um Erfolg, Achtung und Aufmerksamkeit des anderen Geschlechts. Männer dürfen mehr vom Leben wollen, als Frauen zu versorgen und den Willen ihrer Partnerin zum eigenen zu machen, in vorauseilendem Gehorsam und aus Angst, andernfalls verlassen zu werden.

Es braucht ein entwickelteres Bewusstsein der Männer dafür, dass diese Auseinandersetzungen ihre Kräfte verschleißen sowie die Lebensqualität und -erwartung, zumindest potenziell, drastisch senken.

Zum Fokus maskulistischer Bemühungen – die jeder Mensch in seinem Alltag problemlos mittragen und somit zur Realisierung beitragen kann – gehört die Überwindung von Männerhass und einseitiger Gleichstellungspolitik: Hierzu wiederum zählt eine entschiedene, präzise Begriffsklärung, die Unterscheidung zwischen Gleichberechtigung und Gleichstellung sowie Chancen- und Ergebnisgleichheit. Erst dann kann das außerordentlich und ausschließlich negative Männerbild, mit dem seit Jahrzehnten Millionen von Männern in der westlichen Welt aufgewachsen sind, so ernsthaft wie nachhaltig in Frage gestellt werden, was wiederum eine Grundlage dafür ist, dass in fernerer Zukunft Männer wieder mehr Selbstvertrauen und Rollensicherheit gewinnen, weniger Druck haben, eigene Interessen so selbstbewusst wie selbstverständlich auch gegenüber Frauen artikulieren und vertreten – und auf diese Weise in den unterschiedlichsten Gesellschaftsbereichen gelingender leben können.

Der Artikel erschien zuerst auf MANNdat.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Der feministische (Selbst-)Betrug der SPD


Ich war heute bei der Tagung „Gender-Ungleichheiten und ihre Folgen – Wie arbeiten und wirtschaften wir weiter?” des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) und der SPD-„nahen” Friedrich-Ebert-Stiftung (FES).
Sieht aus, als wäre der Feminismus primär gescheitert, in der Krise und in der Rettungsphase. (Ich war nur bis etwa 16.30 dort, zu mehr hat mir die Zeit heute nicht gereicht.)
...

Geschlechterdebatte

Menschenrechte in Beton

Zur Achtung der Menschenrechte in Deutschland. Update 2015
„Menschenrechte sind in der Bundesrepublik offenbar nur deklamatorischer Natur.“ Dieser Satz bezieht sich auf das deutsche Familienrecht und ist mehr als zwanzig Jahre alt. Er stammt aus dem Essay „Die Achtung der Menschenrechte in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit. Gedanken zum Jahr der Familie“, den Prof. Dr. Michael Reeken im Jahr...

Geschlechterdebatte

Petition zur Förderung von Jungen - Das Potential von Jungen begreifen

Petition an Manuela Schwesig 03. April 2014
Bildung ist ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor und die Grundlage für die Entwicklungsperspektiven von Kindern und Jugendlichen. Bildung und Bildungsförderung sind vielfältige gesamtgesellschaftliche Herausforderungen auf kommunaler sowie Länder- und Bundesebene.
Im Sinne eines von der Bundesregierung propagierten Gender Mainstreamings gehört...

Geschlechterdebatte

Cuncti-Dossier „Contra Frauenquote“


Die Frauenquote scheint eine beschlossene Sache zu sein. Die börsenorientierten und mitbestimmungspflichtigen Unternehmen sollen ab 2016 verpflichtet sein, 30 Prozent der Aufsichtssitze mit Frauen zu besetzen.
Die Frauenquote wird die Bundesrepublik grundlegend verändern, denn sie verstößt gegen fundamentale Prinzipien unserer Gesellschaft:
 

Geschlechterdebatte

Neu im Buchhandel: Die Quotenfalle - Warum Genderpolitik in die Irre führt

Frauenquoten scheinen in Deutschland allgegenwärtig: in Wirtschaft und Verwaltung, in Wissenschaft, Politik und Medien, in der Justiz, Polizei und Bundeswehr. Sie sind Bestandteil der Gleichstellungspolitik und der dahinter stehenden Ideologie. Mit zunehmender Dynamik werden Strukturen etabliert, um eine neue geschlechtliche Ordnung der Gesellschaft zu zementieren. Die weitreichenden Folgen für...

Geschlechterdebatte

Sprache als Gesinnungstest


Auf den Text über die "geschlechtergerechte Sprache", den ich hier veröffentlicht hatte, bin ich noch mehrmals angesprochen worden. Schon in den Kommentaren hatte Matthias Mala ja darauf hingewiesen, dass es Universitäten gibt, an denen diese Sprache verbindlich ist. Meine eigene Ex-Universität in Göttingen gehört dazu.
Gewiss wird es immer noch im Ermessen von Dozenten liegen, inwieweit sie in...

Geschlechterdebatte

„Though this be madness, yet there is method in’t“


Als der „Berliner Kurier“ - allerdings reichlich spät - am 4. August 2014 seinen Bericht über das „Leitbild zur Gleichstellung und Beteiligung von Frauen und Männern im Kreis Mitte“ (Beschluss der Kreisdelegiertenkonferenz der SPD-Mitte vom 5. April 2014) mit der Überschrift „SPD: Redeverbot für Männer“ aufmachte, dachte der Leser an einen verspäteten Aprilscherz.
Der Spott von Marcus Böttcher, dem...

Geschlechterdebatte

Das Unrecht der „gerechten“ Sprache


Harald Martenstein hat einen deftigen Beitrag über die Ungerechtigkeit von Schimpfwörtern verfasst, der mich bereichert hat. Einige der Kraftausdrücke kannte ich noch nicht. Ich muss aber auch meinerseits über Martenstein schimpfen, vielleicht muss ich ihn sogar einen „Arschkriecher“ nennen, ich bin nicht sicher.
Solche Ausdrücke sind nicht meine Spezialität. Ich bin auch nicht sicher, wie er das...

Geschlechterdebatte

Diskriminierte Männer klagen an


Diskriminierte Männer reichen Klagen ein, Gerichte bestätigen Verfassungswidrigkeit von Frauenförderung, betroffene Verwaltungen betreiben Schadenbegrenzung, eine ungewöhnliche aber überfällige Geschichte – nach fast 20 Jahren Gleichstellungspolitik in Deutschland.
Es ist wohl so, Ideologien verlieren ihre „Strahlekraft“, wenn sie politisch überziehen. Hier geht es um ein Frauenförder-Gesetz.
...

Wissenschaft

Gegen den Staatsfeminismus


Auf Grund meiner Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht war ich bereits vor einem halben Jahrhundert und bis jetzt weder in Deutschland (an einem MPI) noch in Österreich (Uni, Pharma) irgendeiner Benachteiligung ausgesetzt.
Dieser Genderunfug ist eine Mißachtung aller Frauen, die sich ihre Karrieren durch Wissen, Können und Leistung erarbeitet haben! Der „Staatsfeminismus“ führt auch in...

Geschlechterdebatte

Familie, Arbeitsmarkt und Gleichstellungspolitik


Wirtschaft, Unternehmen, Profit, Arbeitsmarkt, Konkurrenz auf der einen und Ehe, Familie,  Kindererziehung, Liebe und Vertrauen auf der anderen Seite bezeichnen die beiden Seiten des Widerspruchs zwischen Produktivität und Reproduktivität.
Wenn die wirtschaftliche Seite aufgrund ihres Profitstrebens übergriffig wird, indem sie die privat-familiale Seite nicht mehr respektiert, indem sie versucht, auf...

Geschlechterdebatte

Münchner SPD will angeblich „Mädchen-Zonen“ auf Kinderspielplätzen


Behauptet Focus. Schön so. Damit die lieben Kleinen schon im Kindergartenalter lernen, dass die Gesellschaft zweigeteilt ist, in Ober- und Untermenschen, in von Geburt aus Adlige mit Sonderrechten und Privilegien und das gemeine Proletariat.
Klar, dass so ein Aufbau einer Zweiteilung der Gesellschaft in Privilegierte und Fußvolk, das draußen bleiben muss, sowas wie ein indisches Kastenwesen, von der...