Geschlechterdebatte

Der radikale Biologismus des Gender-Mainstreamings

25. November 2014, von Prof. Günter Buchholz

Bei der Frauenquotenpolitik geht es darum, ein Mittel zu finden, um sich auf dem Arbeitsmarkt und in den Personalhierarchien privater Unternehmungen und öffentlicher Organisationen in der subjektiv als übermächtig erlebten Konkurrenz gegenüber Männern Sondervorteile zu verschaffen.

AnatomieMannFRau-klnj8767 In der Durchsetzung dieser Interessen gibt es bis hin zum offenen Verfassungsbruch kaum Hemmungen. Allerdings muss der feministischen Rechtfertigungsrhetorik, die hierfür entwickelt worden ist („Geschlechtergerechtigkeit“ usw.), Respekt gezollt werden.

Denn soviel Heuchelei auf einmal ist auf seine Weise eine historische Leistung. Aber wir haben es eben nur mit Rhetorik und nicht mit Begründungen zu tun. Begründungen müssen in logischer Hinsicht fehlerfrei und in empirischer Hinsicht gültig sein. Da die empirische Seite bereits hinlänglich kritisiert worden ist, soll hier der logischen Kohärenz Aufmerksamkeit geschenkt werden.

Gideon Böss hat einen Artikel mit dem Titel „Mit Sexismus für die Frauenquote“ veröffentlicht. Er schreibt u. a. folgendes:

“Die SPD will eine Frauenquote in Führungspositionen. Als Teil der dazugehörigen Kampagne startete gerade #BockAufQuote. Dabei stellen Frauen ein Bild von sich online, auf dem steht: „Ich werde dann mal Chefin“. Dass Quotenregelungen immer automatisch die Diskriminierungen all jener zur Folge haben, die nicht in den Genuss der Quote kommen, scheint sie dabei nicht zu stören. Stattdessen betonen die Befürworter der #BockAufQuoten-Kampagne immer die wichtige Signalwirkung, die mehr weibliche Führungskräfte für die Frauen insgesamt hätten. Damit haben sie sich für die edlere von zwei möglichen Deutungen entschieden.”

“Unabhängig von allem anderem, ist dieser Quoten-Vorstoß natürlich der pure Sexismus. Schließlich soll der prüfende Blick auf die Genitalien darüber entscheiden, wer die Führungsposition bekommt. Die #BockAufQuote-Kampagne würde jedenfalls nichts an Glaubwürdigkeit verlieren, würde sie #BockAufSexismus heißen. Aber das klingt halt einfach zu hässlich.”

Die Kommentatorin Corinne schreibt dazu (ebd.):

“Beim Global Gender Gap Report des World Economic Forum ist Deutschland wieder auf einem hinteren Platz gelandet. Man kann doch nicht ständig so tun, als würden Frauen und Männer mit den gleichen Vorraussetzungen starten, wenn dem nicht so ist. Die strukturelle Benachteiligung von Frauen ist eine Tatsache. Wenn beide Geschlechter von der gleichen Basis aus starten, kann man all die Argumente oben diskutieren. Bis dahin braucht man die Quote.” (Hervorhebung: GB)

Aber Corinne befindet sich im Irrtum: Die - wie immer in solchen Fällen bloß behauptete - strukturelle Benachteiligung von Frauen ist eben k e i n e Tatsache, sondern ein feministisches Dogma, das ich „Patriarchatsdogma“ nenne. Im übrigen braucht niemand die Ziele und Maßstäbe zu akzeptieren, die dem Global Gender Report des World Economic Forum normativ vorausgesetzt sind. Sie müßten allererst einmal begründet werden, um akzeptiert werden zu können. Fehlanzeige: das Dogma schlägt überall durch.

Der Feminismus behauptet mit der Kategorie gender selbstwidersprüchlich, dass es nicht nur zwei Geschlechter gebe, nämlich Mann und Frau, sondern – soziologistisch gedacht – keines oder nur eines oder viele Geschlechter, und zwar im Sinne eines vermeintlich existierenden Kontinuums von Geschlechtlichkeit überhaupt, während er zugleich mit der Frauenquotenpolitik nach rein biologischen Kriterien nur diese Teilmenge (Frauen) zu Lasten der anderen (Männer) bevorteilen will.

Er ist also mit der ersten Haltung anti-biologisch und soziologistisch, mit der zweiten aber strikt biologisch und anti-soziologisch. Denn soziologisch ist nicht die Geschlechtszugehörigkeit relevant, sondern die Klassen- und Schichtzugehörigkeit von Personen, einerlei welchen Geschlechts. Deshalb gibt es auch in allen Klassen und Schichten notwendigerweise Männer und Frauen. Und deshalb geht die Argumentation von Judith Schoenen fehl; sie ist wie alle anderen Feministinnen gefangen vom falschen Schema der feministischen Dichotomie und sie versteht deshalb die Stratifikation der bürgerlichen Gesellschaft nicht.

Auch gesellschaftliche Klassen und Schichten reproduzieren sich - bei gegebenen gesellschaftlichen Verhältnissen – biologisch, und das heißt, einmal abgesehen von sozialen Auf- und Abstiegen, in sich, und zwar mittels Heterosexualität sowie der gesellschaftlichen Institution der Familie. Erodiert diese, u. a. wegen einer falschen Familienpolitik, dann geht das tendenziell zu Lasten einer gelingenden biologischen Reproduktion.

Wer also im Zusammenhang mit Frauenquoten die Gender-Kategorie benutzt, der befindet sich bereits in einem logischen Selbstwiderspruch, weil gender keinen Geschlechtsdimorphismus – also die Geschlechterpolarität von Mann und Frau – kennt.

Die Forderung nach Frauenquoten ist eine Forderung ausschließlich anhand eines biologischen Merkmals, nämlich der Geschlechtszugehörigkeit als Frau (vgl. dazu auch "Von Natur aus besser? Der Biologismus hinter der Frauenquote in Aufsichtsräten"). Und die Forderung nach Frauenquoten ist nichts anderes als Ausdruck eines nackten verteilungspolitischen Anspruchs, d. h. eines Anspruchs ohne irgendeine tragfähige Begründung, ein Anspruch, der bestenfalls mit dürftigen Rechtfertigungsversuchen bemäntelt wird.

Die machtpolitische Haltung dahinter ist eine nihilistische, weil allein die faktische Durchsetzung zählt. Das erklärt auch die Gleichgültigkeit gegenüber Wissenschaftlichkeit und Wahrheit und die auffällige Gleichgültigkeit und Hemmungslosigkeit von Feministinnen im Umgang mit diesen Eckpfeilern der Aufklärung.

Wer hingegen mit der Gender-Kategorie (Judith Butler, et. al.) operiert, der hat keine Grundlage dafür, für "Frauen" Subventionen und Privilegien (Quoten z. B., oder Forschungsmittel für Frauenforschung = Gender Studies) einzufordern, denn die Gender-Kategorie suspendiert den Geschlechtsdimorphismus – also die Kategorien Mann und Frau, die es aus dieser Sicht gar nicht gibt, weil die biologische bzw. anthropologische Grundlage der Gesellschaft, der Mensch als Natur, verleugnet wird.

Soviel zur „Logik“ des Feminismus.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Von müden Helden und unwichtigen Toten - eine Zeit-Kritik

07. Januar 2014, von Lucas Schoppe
Die Krise des Mannes wird nicht einfach nur übersehen. Die These, dass Männer Hilfe brauchen, wird schlicht bekämpft. Sie passt nicht in unser Bild von Frauen und Männern. Sie macht die Diskussion über Macht und Gerechtigkeit noch komplizierter, als sie schon ist.“
Anstatt einfache Zuschreibungen zu liefern, welches Geschlecht mächtig und welches...

Geschlechterdebatte

SPD: 25 Jahre Frauenquote sind genug

Von Dr. Klaus Funken, 2. Mai 2012
Die SPD hatte auf ihrem Parteitag in Münster 1988 die verbindliche Frauenquote in ihren Parteistatuten aufgenommen. Diese Quotenregelung sollte für 25 Jahre Geltung haben, also bis zum Jahr 2013 befristet sein. Eine solche Privilegierung von Frauen ist nur zeitlich begrenzt gerechtfertigt. Sie ist auch nur dann verfassungsgemäß. Das war Konsens in Münster....

Geschlechterdebatte

Virales Video über sexuelle Übergriffe auf der Straße entpuppt sich als Fake

14. November 2014, von Arne Hoffmann
Zahlreiche Medien berichten dieser Tage – wie immer in diesen Fällen gutgläubig, grundnaiv und ohne Gegenrecherche – über ein aktuelles virales Video, das sexuelle Übergriffe darzustellen scheint, und geben das dort Gezeigte wieder, als ob es sich um unzweifelbare Fakten handeln würde.
So schreibt etwa der Schweizer "Blick" in dem Beitrag Wie eine Betrunkene zu...

Geschlechterdebatte

Wie der Feminismus die freien Wahlen in Deutschland torpediert

06. Oktober 2013, von Arne Hoffmann
In der Frankfurter Allgemeinen beschäftigt sich der Politikwissenschaftler Markus Linden mit der schleichenden Manipulation freier Wahlen durch die feministische Ideologie.
Leider verschwurbelt er das, worauf er aufmerksam machen möchte, in einem ebenso ausschweifenden wie ermüdenden Schreibstil, als ob er keine Zeitungsleser, sondern Studenten vor sich hätte....

Geschlechterdebatte

Die Vorurteile der Feministinnen

03. Januar 2014, von Prof. Günter Buchholz
Prof. Gerhard Amendt hat einen angeblich „furchtbaren“ Artikel mit dem Titel „Die Frauenquote entmündigt das weibliche Geschlecht“ geschrieben und Caroline Engelhardt wird darüber wütend.
Nennt man so etwas in der Psychoanalyse nicht Widerstand? Wäre es so, und der Eindruck drängt sich förmlich auf, dann hätte der Psychologe Prof. Amendt den wunden...

Geschlechterdebatte

Sich an die gepuderte Nase fassen

7. Januar 2013, von Till Schneider
Tracy McMillan rät Frauen dringend, dem Ego-Wellnessfeminismus abzuschwören 
Man kann sich kaum entscheiden, was man sensationeller finden soll: Dass die US-amerikanische TV-Autorin Tracy McMillan, 48, drei Mal verheiratet und geschieden, Mutter eines Sohnes, einen Frauen-Ratgeber herausbringt, in welchem doch tatsächlich den Frauen gesagt wird, sie seien ganz...

Geschlechterdebatte

Role models – wofür?

Sind weibliche Führungskräfte in erster Linie weiblich oder in erster Linie Führungskraft?
Von Michael Klein   20. April 2012 Zuerst erschienen auf Sciencefiles.org
Durch Zufall bin ich im Blog von Wolfgang Goebel, dem Personalchef von McDonald’s Deutschland, auf einen Beitrag mit dem Titel “Wie ernst ist locker?” gestoßen. Was dem Titel nicht unmittelbar zu entnehmen ist, es geht um ein “Gender...

Geschlechterdebatte

Feministische Dichotomie – Männer versus Frauen

20. März 2012
Warum die Gleichstellungspolitik keine linke, sondern eine rechte Politik ist! Interview mit Professor Günter Buchholz
Alexander Ulfig: Herr Professor Buchholz, in Ihren Artikeln kritisieren Sie die gegenwärtige Gleichstellungspolitik. Was hat Sie dazu bewogen, sich mit diesem Thema auseinanderzusetzen?
Günter Buchholz: Erst meine Erfahrung als Hochschullehrer ab 1994 hat bewirkt, dass ich...

Politik

Neue EU-„Studie“: Der frei flottierende Wahnsinn

09.{jcomments off} Oktober 2013, von Michael Klein
Man mag das Wort “Studie” gar nicht mehr in den Mund nehmen bzw. die Buchstaben auf der Tastatur so aneinanderreihen, dass dabei “Studie” herauskommt.
Seit sich Institutionen, Ministerien, die EU, die Gewerkschaften, Parteien und sonstige Organisationen, denen nichts an Wissenschaft, aber viel an Gefälligkeitsstudien liegt, der “Studien”...

Geschlechterdebatte

Gibt es „gleiche Qualifikation“ ?

30. Juni 2012, von Dr. Alexander Ulfig
Wie selbstverständlich wird in der Gesetzgebung und in der Arbeitswelt von „gleicher Qualifikation“ gesprochen. Bei Bewerbungen um Arbeitsplätze orientiert man sich an der Satzung „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt“. Diese Satzung spielt eine wichtige Rolle in der Beschäftigungspolititk. Sie ist ein wichtiges Instrument, mit dessen Hilfe...

Wissenschaft

Paradigma und Inkommensurabilität

15. Juni 2014, von Dr. Alexander Ulfig und Artur Z. Zielinski
Wie kaum ein anderer hat Thomas S. Kuhn mit seinem Werk Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen die Debatte zur Entwicklung von wissenschaftlichen Theorien beeinflusst. Dabei standen die Begriffe „Paradigma“ und „Inkommensurabilität“ im Zentrum der Auseinandersetzung.
Die beiden Begriffe wurden zu Modebegriffen in vielen...

Geschlechterdebatte

On women quotas and other undeserved comforts

May 7, 2016, by Professor Gerhard Amendt [i], formerly Institute for Gender and Generational Research, Bremen University (IGG)
The quota system is superficially portrayed as a debate about fairness. It is presumed that women are discriminated against by men. The evidence for this presumption of unequal treatment is women's apparent underrepresentation in the labour market. The quota system is...