Geschlechterdebatte:

„Ein geschlechtergerechter Puff für unsere Kleinen!“

In der Soziologie wird zurzeit versucht, den Puff zum  Inbegriff der Vielfalt sexueller Lebensbedürfnisse zu erheben. Er wird als pulsierendes Zentrum von Vielfalt gepriesen – vor allem für die Kinder.

Nur fragt man sich, ob es dabei wirklich um Vielfalt oder ganz trivial nur darum geht,  Grenzen einzureißen, die Beziehungen zwischen Menschen erst möglich machen?  Zumal das Einreißen von Grenzen persönliche Beziehungen nicht weniger unmöglich macht als das Überschreiten nationaler Grenzen Unfrieden stiftet. Dann wäre der geschlechtergerechte Puff als Modell der Aufklärung über Sexualität nur einfältig und würde kultivierte Beziehungen verhindern.

Zwar wird Vielfalt ständig beschworen,  aber Gedanken darüber, wie das Individuelle und seine zahllosen Erscheinungen entstehen oder zerstört werden, kommen dabei zu kurz. Wenn Sexualpädagogen, um deren Agieren innerhalb der Soziologie es geht, Gespräche von Jugendlichen lediglich moderieren wollen, dann sollen Pädagogen eben nicht zu einer normativ-kulturell ausgerichteten Freiheit verhelfen, sondern sie sollen zum ziellosen Regredieren ermutigen. Nimm dir, was du willst! Alles sei möglich, nichts zu bedenken und je mehr von Beidem um so besser und umso mehr Freiheit den Vielfältigkeiten. Aber  wenn Konflikte vernachlässigt werden, dann sind die Feinde des Individuellen am Werk und das Kollektivistische scheint zerstörerisch auf. Sexualpädagogische Moderatoren sind deshalb nicht Neutrale, sondern Ermöglicher regressiver Bedürfnisse, die Umerziehung betreiben.  

Befreiung der Sexualität

Als die 68er der kommerziellen Werbung um einige Jahre voraus waren, erklärten sie die Befreiung der Sexualität wie Weiland Wilhelm Reich zum Vehikel der gesellschaftlichen Revolutionierung. Sei die Sexualität erst einmal befreit, dann komme die große Freiheit  ganz von selbst; eben das, was Gewerkschaften, Sozialdemokratie und Kommunisten nicht erreichen konnten. Freie Sexualität sei die Grundlage einer Gesellschaft von Freien! Das hat die Werbung wenige Jahre später zur Ideologie der Werbung im Alltag umgemünzt und Konsum als Vehikel der Individualisierung angepriesen. Und genau darauf hat es die Sexualpädagogik der Vielfalt abgesehen. Sie wollen ein sorglos grenzenloses Paket für alles Sexuelle. Sie wollen Beliebigkeit, so dass keiner an seiner Sexualität mehr leiden möge. Und wenn sich das von Fall zu Fall doch schwieriger als gedacht darstellt, dann sollen - z. B. - Transgenderjugendliche, die nicht wissen, was sie sein wollen, geschützt werden. Das Männliche und Weibliche darf  an Schulen nicht mehr benannt werden, weil die Erwähnung  des Unterschieds  Transsexuelle in ihrer  Ungewissheit schmerzlich berühren würde. Das Normale sei deshalb totzuschweigen, damit der Abweichende nicht gestört wird. Das ist Wortmagie, die weder hilft noch Konflikte löst.

Grenzen einreißen, Unterschiede verleugnen

amendt-hoellenhunde-himmelswesenGrenzen einreißen und Unterschiede verleugnen, das sind zwei Seiten einer Medaille. Ganz in der Tradition des Sexualpädagogen Helmut Kentlers und der Pädophiliepropaganda kulminiert das bei Sexualpädagogen wie E. Tuider etc. im Plädoyer für Grenzenlosigkeit, die Übergriffigkeit voraussetzt, denn Beliebigkeit kann nur platzgreifen, wenn zuvor die Strukturen der Unterschiede zerstört wurden. So werden stets die Grenzen zwischen den Generationen und den Geschlechtern in Frage gestellt, um sie letzlich schleifen zu können. Weil keine Gesellschaft offenen Auges das zulassen wird, was Tuider, Kentler und Apologeten des Pädophilen klar ist, sagen sie nie offen, was ihnen vorschwebt. Sie bringen es stets hinterrücks ins Spiel. So wird – zum Beispiel - bei Prof. Tuider über die erste Menstruation geredet, auch die von lesbischen Frauen und plötzlich ist die Rede vom Gruppensex. Wie es zu dieser eigentümlichen Verknüpfung kommt,  ist nicht nachvollziehbar. Was hier verknüpft wird, folgt dem geheimen höchst verqueren Wunsch der Verfasser.

Lässt man die selbsternannten „Sexualpädagogen“ an die Schulen, was sie anstreben, dann rechtfertigen sie das damit, dass sie bessere Sexualpädagogen als Eltern und Lehrer seien. Schamgefühle hätten sie keine, denn die seien nur hinderlich und repressiv. Dass Sexualpädagogen Jugendliche vor verletzenden Beschämungen bewahren sollen, können sie sich nicht vorstellen. Das Professionelle, das solche reflektierte Distanz möglich macht, das kennen und wollen sie nicht. Was immer hinterrücks an Kinder herangetragen wird, wird in den 60iger Jahren als Schwarze Pädagogik benannt. In der Sexualpädagogik weisen sie auch auf ideologische Entwürfe einer freien Gesellschaft, zumeist aber weisen sie auf ungelöste psychosexuelle Konflikte ihrer Erfinder hin. Statt ihre Konflikte selber zu lösen, sollen stattdessen die anderen sich verändern, damit die eigene Verstörtheit nicht mehr störend erlebt werden muss. Das ist nicht nur magisches Denken, sondern ein Indiz preisgegebener Selbstverantwortung.

Sexualpädagogik: ein Rückblick

Ein kurzer Rückblick in die Geschichte der Sexualpädagogik bestätigt das. So entsprach Die Sexfront von Günter Amendt der 60iger Jahre vor allem dem Wunsch, Sex frei von Schuldgefühlen praktizieren zu können. Etwas, was den meisten Eltern der Kriegsgeneration nie vergönnt war. So wie es eine „Fresswelle“ in den 50iger Jahren gegeben hat, der die Schweinekoteletten nach den Kriegsentsagungen nicht groß genug sein konnten, so haben die 68er so viel Sex haben wollen, wie er den Eltern während des Krieges und den arbeitsamen 50iger Jahren nie möglich war. Jedes Reden über Beziehungen und Sexualität wäre nur störend gewesen wie der Hinweis während der Fresswelle, dass es so etwas wie Esskultur und Mäßigung gäbe. Der fehlende Beziehungsaspekt im Sexbuch, das Sexualität  als „freien Verkehr“ beschreibt, blieb deshalb ohne Leidenschaft. Sexualität „erkannte den anderen“ nicht, sondern nahm ihn zum Objekt der Befriedigung. Da das beide taten, war das zumeist eine beziehungslose aber einverständliche flüchtige Angelegenheit.  

Die Sexualpädagogik eines Helmut Kentlers hingegen war nicht nur von den homosexuell-pädophilen Zügen des Autors geprägt, sondern sie versuchte darüber hinaus eine sexualpädagogische Nähe zu Jugendlichen herzustellen, die von jener Distanz aufhebenden „Annäherung“ geprägt war, wie sie in den 90iger Jahren von Rüdiger Lautmann beschrieben und im Film von Christoph Röhl über die „Auserwählten“ der Odenwaldschule nachgespielt wurde. Auch dort taucht wie bei den Pädophilen die Vorstellung auf, dass sie eigentlich die besseren Eltern seien, weil sie deren Scheu und Scham vor Grenzüberschreitungen, sprich Inzest, nicht kennen würden. Der Hinweis, dass es sich bei der Pädophilie um eine Charakterstörung handelt, die durch Uneinsichtigkeit in die Destruktivität des eigenen Verhaltens geprägt ist, wurde als „verweigerte sexuelle Befreiung“ angefeindet. Heute lautet das Verdikt eher auf „religiösen Fundamentalismus“. Jenseits der  Entkriminalisierung von Pervers-Pathologischem wollten sie zusätzlich als „vollwertiger Sexualform“ anerkannt werden. Die liberale Öffentlichkeit hat das durchaus begünstigt, wie die Unverfrorenheit zeigte, mit der homosexuell-pädophile Lehrer an der Odenwaldschule über Jahrzehnte auf Jungen ungehindert zugreifen konnten. So wurde die Odenwaldschule letzlich zum Waterloo der liberalen Öffentlichkeit, die sich ihrer Verantwortung gegenüber den eignen Kindern entzog, weil sie es vorzog, sich von seriell arbeitenden Kinderverderbern als der Krone der Reformpädagogik betören zu lassen. Natürlich hat es damals wie heute aufklärerische Sexualpädagogik gegeben, die auf alterstypische Wissenswünsche von Kindern einfühlsam einging, ohne sie sexuell zu missbrauchen und kindliche Schamgrenzen zu verletzten.

Aber auch in der Schrift „Körper, Liebe, Doktorspiele“, die seit 2001 von der Bundeszentrale für Gesundheitliche Aufklärung vertrieben wurde, finden wir Anleitungen zur Grenzüberschreitung zwischen den Generationen. Zentral in diesen Schriften war, dass Kinder nicht wie bisher nur mit Worten aufgeklärt werden sollten, sondern dass sie ein Recht darauf hätten, die Genitalien ihrer Eltern erkundend anfassen zu dürfen. „Aufklärerisches“ sollte jenseits der Sprache „handgreiflich“ werden! Niemand wollte wahrhaben, dass die Bundesregierung damit zeitgleich den Missbrauch von Kindern in Kampagnen anprangerte, während vom Familienministerium finanzierte Broschüren Eltern dazu ermutigten, ihren Kindern den Zugang zu ihren Genitalien zu eröffnen.

Sexualpädagogik der Vielfalt

Dieser kurze Rückblick beschreibt Versuche, Kinder mit „Sexualpädagogik“ zu Gunsten anderer zu manipulieren. Das ist nicht neu. Es geschieht in Religionsgemeinschaften, Erziehungsheimen und Eliteschulen - mitunter auch in Familien. Zur augenblicklichen Situation wird hier die These vertreten, dass die Sexualpädagogik der Vielfalt die Praktiken von sexuellen Subkulturen in den Vordergrund rücken möchte. Minoritäres, Ausgefallenes und abartige Praktiken sollen öffentlich werden, damit daraus Toleranz zeitlich verzögert entstehen möge. Toleranz soll sich, so der Wunsch, zur Anerkennung und Wertschätzung für diese Praktiken steigern. Ob Fortpflanzung, Klappensex, Fist Fucking, Analsex, Missionarsstellung, Dark Room, Sado-Masochismus, Masturbation oder was immer - etwas gemeinsam haben, das sie „gleichwertig“ macht, ist weder eine Frage der Pädagogik noch der Politik. Das entscheidet jeder für sich selber und die stillschweigende Konsensbildung einer Gesellschaft.  

Gleichwertigkeitszertifikat für Sexualpraktiken

Alle Sexualpraktiken mit einem „Gleichwertigkeitszertifikat“ zu versehen, entspringt einer anderen Motivation. Heterosexuelle kennen diesen Wunsch nach öffentlicher Anerkennung ihrer Sexualpraktiken nicht. Sie tun, was ihnen gefällt und unterlassen, was ihnen missfällt. Auch leiten sie ihre Identität nicht daraus ab, denn die gründet auf mehr als der Art des Sexualverkehrs. Gleichwertigkeit sich zertifizieren zu lassen, deutet wohl auf mangelnde  Selbstgewissheit von sexuellen Subkulturen hin. Die Mehrheit soll ihnen bestätigen, was jedoch nur durch persönliche Gewissheit hergestellt werden kann. Deshalb wollen sie jenseits von Toleranz und Anti-Diskriminierungsgesetz die Wertschätzung der anderen. In Demokratien kann Diskriminierungsfreiheit erwartet werten. Wertschätzung hingegen nicht, denn die gehört der privaten Sphäre jedes Einzelnen an. Das Recht, nach eigener Art sexuell glücklich zu werden, begründet keinen Anspruch auf Wertschätzungen durch die Mehrheit. Das aber strebt die Sexualpädagogik der Vielfalt nach Tuider et al. letzlich an. Aus diesem Grund geht es ihnen nicht um die psycho-sexuelle Entwicklung der Kinder. Die ist ihnen nur Mittel zum Zweck. Sie werden mit „Sexstellungen“ überflutet, damit sie sich daran früh gewöhnen und später nichts dagegen einzuwenden haben. Auch hier die Ähnlichkeiten zur pädophilen Selbstdarstellung! Denn nur weil die Eltern ihre Kinder „verderben“ würden, seien sie für pädophile Werbung und sexuelle Randgruppen nicht aufgeschlossen. Also frühe Neutralisierung der Eltern, damit Wertschätzung der Randgruppen daraus entstehen möge! Die Beschreibung der Pädagogik der Vielfalt als ein Umerziehungsprogramm trifft deshalb den Kern der Sache. Was in die Verantwortung der Eltern fällt, wollen Randgruppen übernehmen. Die Übergriffigkeit, die ein Zeichen allen Missbrauchs ist, zwingt Kinder, Sexpraktiken einzuüben, die sie als Erwachsene vielleicht einmal entdecken werden. Mit ihrer Entwicklung, ihren Phantasien und vor allem mit ihren Versuchen, erste Verliebtheit und sexuelles Begehren zum anderen Geschlecht zusammenzufügen, hat das nichts zu tun. Es geht allein darum, dass die Mehrheit die Ungewissheit der wenigen über deren Sexualität beseitigen möge.

Sexualität: eine private  Angelegenheit

Nur so kommt es zu dem kühnen Versuch, das Bordell als Ort der Vielfalt sexueller kindlicher Bedürfnisse misszuverstehen. Dass der Weg von Erwachsenen ins Bordell von persönlichem Begehren und unterschiedlichsten Lebenssituationen etc. motiviert ist, geht dabei unter, obwohl das darüber entscheidet, ob jemand ins Bordell als Anbieter oder Käufer geht (das „Bordell für die Kleinen“ ist somit auch ein Angebot sich zu prostituieren),  Diese gefühlserstarrte Pädagogik hat eigentlich nur einen Zweck. Sie missbrauchen Kinder, um die Last der eigenen Veränderung nicht tragen zu müssen. Schuldig sind die anderen. Die eigene Sexualität wird aus dem privaten Bereich, wo sie eigentlich hingehört, zur öffentlichen Angelegenheit erklärt. Dass das Private zum Öffentlichen erhoben wird, hat sich als Folge der 68er-Bewegung bereits mehrfach als schwerwiegender Nachteil erwiesen. So auch hier! Den Minderheiten wäre zu empfehlen, ihre Sexualität als Privates abzuschirmen und Identität nicht aus einer sexuellen Besonderheit herzuleiten. Zu ihrem eigenen Schutz sollten sie die Trennung von Privatem und Öffentlichem wiederherstellen. Denn wenn beides zusammenfällt, wird es zum wiederkehrenden Anlass für Kränkungen. Darüber hinaus macht es die Normalen ärgerlich, wenn für sexuelle Gewohnheiten wertschätzende Gefühle abverlangt werden, obwohl sie zwischen Unverständnis, Abneigung, Ekel, Fremdheit, Widerwillen und Desinteresse schwanken. Man erinnere sich an die Photographie von Robert Mapplethorpe, „Helmut and Brooks, N.Y.C“ die 1993/94 im Guggenheim Museum in New York mit der Warnung versehen war, dass die Faust im Anus eines Mannes  die Gefühle der Betrachter verletzten könnte (durchaus ein Antwort auf die Frage der Vielfältigkeitspädagogen, was man wo reinstecken kann).  Dieser Pädagogik ist Empathie für Kinder fremd. Und wer für Kinder keine Empathie aufbringen kann, dem ist  der Zugang zur eigenen Kindheitsgeschichte verschlossen. Deshalb werden persönliche Beziehungen, Befindlichkeiten, Traditionen und Kultur einer seelenlosen Umerziehung leichtfertig geopfert.

Dieser Beitrag erschien zuerst bei AGENS

 

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