Geschlechterdebatte:

Denkfehler

Die taz will „eine taz-Volontariatsstelle für eine Frau mit Migrationsgeschichte“ besetzen. „Es gibt keine Altersbeschränkungen und spezifische Berufsabschlüsse sind nicht zwingend. Soziales Engagement, Lebenserfahrung sowie Interesse am Qualitätsjournalismus werden vorausgesetzt.“

justitia

Dagegen hat nun ein Mann vor dem Arbeitsgericht geklagt, wie die taz selbst berichtet:

 „Die taz musste sich heute vor dem Arbeitsgericht wegen Diskriminierung verantworten. In der Redaktion gibt es vier bis sechs Volontariatsstellen – und eine davon ist ausdrücklich einer Frau mit Migrationsgeschichte vorbehalten. Auf diese Stelle bewarben sich über 100 Frauen – und ein Mann. Als gebürtiger Ukrainer erfüllte er zwar das in der Ausschreibung genannte Kriterium der Migrationsgeschichte, aber nicht das des weiblichen Geschlechts. Die taz schickte ihm eine Ablehnung – und später den Hinweis auf eine andere Volontariats-Ausschreibung, die für Männer und Frauen offen steht. Doch der Student bewarb sich nicht um diese Stelle, sondern zog stattdessen vor Gericht.

Die taz habe ihn “höchst überflüssig wegen meines Geschlechts diskriminiert”, heißt es in seiner Klageschrift. In der Verhandlung sagte er heute: “Mit Ihrer Stellenausschreibung diskriminieren Sie Millionen von Menschen.”"

Eine erste Verhandlung hat bereits stattgefunden, mit folgender Problemstellung:

„Umstritten war vor Gericht, ob es ausreicht, wenn einerseits Frauen benachteiligt werden und andererseits Migranten. Oder ob die taz nachweisen muss, dass gerade Frauen mit Migrationshintergrung besonders stark benachteiligt werden.

Frauen sind in den Medien zumindest in den Führungsetagen deutlich benachteiligt. Auch Migranten werden von Verlagen und Sendern diskriminiert: Laut „Mediendienst Integration“ hat in Deutschland jeder fünfte Einwohner einen Migrationshintergrund, aber nur jeder fünfzigste Journalist. Dort gibt aber keine nach Geschlecht differenzierten Zahlen. Der Richter hat der taz heute in der Verhandlung aufgetragen, dazu Untersuchungen vorzulegen – ein Urteil gab es heute noch nicht.“

Ich staune immer wieder über solchen Unsinn. Denn es handelt sich – auch hier - um einen sehr sehr häufigen Denkfehler. Er besteht darin, dass eine statistische Größe als Begründung einer Benachteilung gewertet wird.

Eine Benachteiligung gibt es aber tatsächlich nur dann, wenn es nachweisbare systematische personalpolitsche Ursachen gibt, zum Beispiel in Gestalt selektiver Auswahlprozesse zu Lasten bestimmter Personen oder Gruppen, die dann in der Folge eine statistische Unterrepäsentanz bewirken, wenn also gezeigt werden kann, wer wen auf welche Art und Weise konkret ungleich behandelt und dadurch benachteiligt. Im vorliegenden Fall sind das offensichtlich Angehörige des männlichen Geschlechts.

Statistische Ungleichheiten, auf die immer wieder Bezug genommen wird, sagen für sich überhaupt n i c h t s über eine mögliche Benachteiligung aus. Deshalb helfen dem Gericht hier keinerlei statistische Daten irgendwie weiter. Sie sind vielmehr ebenso irrelevant wie die Begründung der taz mit Blick auf § 5 AGG im Ansatz falsch und unbegründet ist. Systematische diskriminierende Ursachen sind auf gesellschaftlicher Ebene überhaupt nicht nachgewiesen, und zwar weder theoretisch noch empirisch. Sie werden lediglich ideologisch unterstellt und als Tatsache lediglich behauptet. Aber noch so viele statistische Daten sind in diesem Zusammenhang völlig sinn- und nutzlos.

Und weil statistische Ungleichheiten nichts über Diskriminierungen aussagen, können sie auch keine sinnvolle politische Zielgröße sein. Sinnvoll ist alleine, konkrete Diskriminierungsentscheidungen zu verhindern.

Das Problem besteht darin, dass der Denkfehler nicht als Denkfehler begriffen wird, weil er massenhaft begangen wird. Aber das ändert nichts an seiner Fehlerhaftigkeit.

Man kann nur hoffen, dass wenigstens das Arbeitsgericht einsichtig ist.

 

Weitere Beiträge
Gesellschaft

Britisches Familienrecht: Das Gemetzel kann beginnen


Britische Mütter müssen neuerdings mit drastischen Strafen rechnen, wenn Sie Vätern den Umgang mit den Kindern verweigern. Im schlimmsten Falle kann dies sogar mit einer Gefängnisstrafe enden.
"Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt", ließ uns der Feldherr Napoleon Bonaparte einst angedeihen. Und in der Tat sind sich die Liebe und der Krieg näher als uns lieb sein mag. Die Übergänge sind...

Geschlechterdebatte

Die Frauenquote verstößt gegen Menschenrechte


Der Menschenrechtsaktivist Aaron Rhodes äußert Bedenken gegen die gesetzliche Frauenquote, die in der Debatte zur Frauenquote bis dato kaum Beachtung fanden.
Aaron Rhodes ist ein bekannter Menschenrechtsaktivist. Er ist Mitbegründer von Freedom Rights Project, einer Initiative, die sich mit der Menschenrechtsproblematik im internationalen Recht beschäftigt. Rhodes engagiert sich weltweit für die...

Geschlechterdebatte

Für eine offene und sachliche Geschlechterdebatte. Gegen Diffamierungen.

Offener Brief an die Zeit-Redaktion 15. September 2014
Sehr geehrte Damen, sehr geehrte Herren, wir reagieren mit diesem Brief auf einen Text, der am vergangenen Donnerstag in der Zeit veröffentlicht wurde und bei dem wir nicht verstehen, wie er in einer Zeitung mit einem Anspruch auf Seriosität erscheinen konnte.
Es ist in unseren Augen ein menschenfeindlicher, hetzerischer Text, und er...

Gesellschaft

Die Theorie hinter dem Zeitgeist der Beliebigkeit. Eine Buchbesprechung


Der Philosoph Daniel von Wachter unterschied in einem Vortrag vor drei Jahren zwischen zwei Arten von „Philosophie“: Es gebe einmal die „literarische oder existenzielle Philosophie“, die „oft dunkel, geheimnisvoll, kryptisch, quasireligiös“ sei, sich „oft unklar und unscharf ohne Definitionen“, dafür aber „mit langen Sätzen“ ausdrücke.
Diese Art von Philosophie stelle „keine klare Frage“,...

Geschlechterdebatte

Der undressierte Mann


2oo8 veröffentlichte Walter Hollstein im Aufbau-Verlag sein Buch „Was vom Manne übrig blieb“. Es entwickelte sich rasch zu einem Standardtext zur Problematik der wachsenden Männerfeindlichkeit. Seit Frühjahr 2012 ist der Band vergriffen. Er erscheint nun ganz neu bearbeitet, aktualisiert und um einige Kapitel erweitert im Verlag „Opus Magnum“ (Stuttgart). Wir veröffentlichen einen Ausschnitt aus...

Gesellschaft

13 Thesen für die Freiheit

Für freie Menschen und eine Gesellschaft freier Menschen im 21. Jahrhundert 31. Oktober 2013
Wir haben Glück, heute zu leben. Noch nie standen so vielen Menschen so viele Möglichkeiten offen. Wir sind mobiler, gesünder, wohlhabender, gebildeter, technologisch fortgeschrittener und in vielerlei Hinsicht freier in unserer persönlichen Lebensgestaltung als je zuvor. Grund genug, optimistisch in die...

Gesellschaft

Die Illusion der sozialen Gerechtigkeit

Von Michael Klein   26. März 2012Zuerst veröffentlichet auf sciencefiles.org
“Soziale Gerechtigkeit” ist ein geflügelter Begriff. Soziale Gerechtigkeit ist positiv belegt. Es macht sich gut, soziale Gerechtigkeit zu fordern. Es gehört zum guten Ton, soziale Gerechtigkeit ganz oben auf der politischen oder eigenen Agenda zu verorten. So darf die Schuldenbremse, mit der staatliche Ausgaben reduziert...

Geschlechterdebatte

Was bringt das neue Sorgerecht für unverheiratete Männer?


Die Gesetzesreform zum Sorgerecht nicht verheirateter Väter ist am 19. Mai 2013 in Kraft getreten. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hatte bereits 2009 die bisherige Sorgerechtsregelung in Deutschland, nach der unverheiratete Väter ohne die Zustimmung der Mutter kein Sorgerecht für ihre Kinder erhalten konnten, als Diskriminierung der Väter verurteilt.
Die dadurch erforderlich...

Geschlechterdebatte

Wir müssen reden – über Faschismus

Von Arne Hoffmann   15. März 2012
Das Kopfschütteln und der Ärger war groß über diese Schmähschrift der Heinrich-Böll-Stiftung – "Studie" konnte man diesen Mist ja wohl kaum nennen! Zu haarsträubend erschienen die Vorwürfe: Rechtsextremismus, Rassismus... und das, obwohl man in Wahrheit nichts anderes als Geschlechtergerechtigkeit forderte. Nein, polterten einige, eine Möglichkeit zum Dialog gab...

Geschlechterdebatte

'Der deutsche Bürger wird immer noch belogen' - die Väterbewegung im Interview


Er ist die personifizierte Väterbewegung in Deutschland. Seit etwa 20 Jahren beschäftigt er sich mit dem Thema Trennungsväter. Franzjörg Krieg, mittlerweile pensionierter Lehrer und selbst betroffener Trennungsvater.
Wer Väterpolitik begreifen und Trennungsväter verstehen will, muss mit ihm reden. MANNdat sprach mit ihm über Trennungsväterpolitik, die Väterbewegung und das neue Familienrecht.
...

Gesellschaft

Der neue Antisemitismus- von den Medien hofiert und von der Politik finanziert


Es geht heiß her in diesem Sommer auf deutschen Straßen und Plätzen. Daran sind nicht die Temperaturen schuld.
In Göttingen werden Demonstranten gejagt, geschlagen, bespuckt und verhöhnt. Anschließend wird eine von ihnen erbeutete Israelfahne verbrannt.
In Frankfurt überlässt die Polizei einem Hassprediger das Polizeimikrofon für seine antisemitischen Parolen. Erst nach Tagen, als die Empörung im...

Wissenschaft

Manuela Schwesig unterminiert die Freiheit der Forschung

30. September 2016, von der Redaktion
Gerhard Amendt, Professor für Geschlechter- und Generationenforschung, hat einen offenen Brief an Manuela Schwesig geschrieben - der Vorwurf: Vereitelung von Forschung.
Doch zunächst die Vorgeschichte: Wenn Eltern sich trennen, stellt sich meist die Frage, wer die Kinder betreut. Viele Eltern möchten auch fortan gemeinsam für die Kinder sorgen, auch wenn Vater...