Geschlechterdebatte:

Schulen, Sex und Bildungspläne

Manchmal gibt es bekanntlich Auseinandersetzungen, bei denen es für unbedarfte Betrachter schwer zu entscheiden ist, welche Seite ihnen stärker auf die Nerven geht. Für mich ist der Streit um die Online-Petition, die sich gegen den Bildungsplan der Landesregierung in Baden-Württemberg richtet, eine solche Situation.

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Auch lesenswerte Diskussionen und Beiträge dazu in Blogs, etwa bei Alles Evolution, beim Stadtfuchs, bei Mein Senf oder im Pelz-Blog, beziehen ganz unterschiedliche Positionen, sind aber nach meinem Eindruck jeweils gegenüber beiden gegnerischen Parteien skeptisch.

Auf der einen Seite eine Petition mit mittlerweile etwa 168.000 Unterzeichnern, die sich kaum die Mühe macht, zwischen akzeptablen und inakzeptablen Zielen der Landesregierung zu unterscheiden und die ihr rundweg unterstellt, eine

pädagogische, moralische und ideologische Umerziehung an den allgemeinbildenden Schulen

anzustreben.

Dass es richtig sei, die Diskriminierung von Homo-, Bi- und Transsexuellen im Unterricht zu thematisieren, erwähnt der Autor in einer einzigen Passage, die er dann nirgends weiter vertieft. Welche Diskriminierung? Was hat die Schule damit zu tun? Was erleben beispielsweise Jungen an durchschnittlichen deutschen Schulen, wenn sie früher oder später merken, dass sie sich sexuell für ihre Mitschüler stärker interessieren als für ihre Mitschülerinnen? Oder Mädchen, die merken, dass sie lesbisch sind?

Solche Fragen sind dem Petenten, dem Realschullehrer Gabriel Stängle, nicht sonderlich wichtig. Stattdessen ärgert er sich gleich mehrmals über die wolkige – und im Original übrigens in eine Frage, nicht in eine Tatsachenaussage verpackte – Formulierung des Lesben- und Schwulenverbands, dass womöglich die „Schule ein homophober Ort“ sei.

Noch seltsamer ist jedoch die Reaktion auf die Petition.

Warum eigentlich denken Bildungspolitiker immer nur an Sex?

Nachdem die Petition zum Erfolg geworden war und schon Zehntausende unterschrieben hatten, erschienen in großen Zeitungen und Magazinen des Landes heftige Angriffe auf sie und ihren Verfasser – so gleichlautend, dass auch stabile Gemüter darüber zu Verschwörungstheoretikern hätten werden können.

In Baden-Württemberg soll die Vermittlung von Toleranz gegenüber Homosexuellen in den Bildungsplan geschrieben werden. Ein Realschullehrer sammelt dagegen in einer Online-Petition mit abstrusen Argumenten Unterschriften. Er erntet erschreckenden Zuspruch.“

Damit gelingt es Carola Padtberg-Kruse im Spiegel in nur drei Sätzen, den Bildungsplan falsch darzustellen, den Petitionstext zu verzeichnen und als Sahnehäubchen auch noch das Klischee vom Volk, dem großen bösen Lümmel, draufzusetzen.

Johanna Bruckner entdeckt für die Süddeutsche Zeitung bei Stängle einen Kampf „wider die Toleranz“, bei dem er, offenbar ebenso boshaft wie durchtrieben,

die an Menschenverachtung grenzenden Passagen geschickt weiter unten auf der Seite platziert hat“.

Welche Passagen sie damit meint, verrät Bruckner praktischerweise übrigens nicht, so dass sich alle SZ-Leser besorgt nickend selbst die Sätze der Petition heraussuchen können, die sie am meisten empören.

In der taz hatte zuvor Lena Müssigmann den Ton gesetzt, klargestellt, dass Stängle – wer hätte das gedacht – „Zuspruch aus der rechten Szene“ erhalte und dass mit der Petition „konservative Kräfte ins Feld“ gegen die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ ziehen würden.

Die Zeitungen äußern sich, als sei die Idee einer kritischen Distanz von Journalisten gegenüber Politikern ohnehin absurd, fast unisono mit dem bildungspolitischen Sprecher der SPD, Stefan Fulst-Blei:

Die jetzige Onlinepetition birgt den Geist massiver Intoleranz und ist pädagogisch wie politisch unterste Schublade”.

Solch große Worte sind bekanntlich dazu geeignet, alles Mögliche dahinter zu verstecken. Zum Beispiel die Tatsache, dass der Baden-Württembergische Bildungsplan pädagogisch und im Hinblick auf die Schulpraxis völlig misslungen ist – ein Referendar, der eine solche Planung einer Unterrichtsreihe einreichen würde, bekäme mit etwas Pech von seinen Ausbildern nahegelegt, sich doch bitte einen anderen Beruf zu suchen.

Der Entwurf hat fünf „Leitprinzipien“ (Berufliche Orientierung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Medienbildung, Prävention und Gesundheitsförderung und Verbraucherbildung – warum das „Prinzipien“ sein sollen, und nicht etwa „Bereiche" oder „Lernfelder" oder was auch immer, hab ich übrigens selbst nicht so richtig verstanden), die den ganz unterschiedlichen traditionellen Fächern ihre Ziele setzen.

Gemeinsam ist diesen Leitprinzipien der „Gesichtspunkt der Akzeptanz sexueller Vielfalt“, der damit gleichsam ein Meta-Leitprinzip ist.

An vier der fünf „Prinzipien" wird daher ein Passus angehängt, der mit der ritualisierten Wendung „Zusätzlich ist zu berücksichtigen“ beginnt. Bei beruflicher Orientierung haben also die Lehrkräfte zusätzlich zum Bewerbungstraining, zur Organisation von Praktika („Realbegegnungen“) und Jobbörsen, zum Erstellen von Portfolios und zur Hilfe bei der Berufs- und Karriereplanung unbedingt ein weiteres Lernziel zu berücksichtigen:

Schülerinnen und Schüler setzen sich mit der eigenen geschlechtlichen Identität und Orientierung auseinander mit dem Ziel sich selbstbestimmt und reflektiert für ein ihrer Persönlichkeit und Lebensführung entsprechendes Berufsfeld zu entscheiden.“ (S. 9)

Wär ja auch noch schöner, wenn Schüler_innen* sich ihren Beruf nach solchen profanen Kriterien wie dem Verdienst suchen würden, ohne darauf zu achten, ob er auch angemessen zu ihrer geschlechtlichen Identität passt.

Die Passagen zur Akzeptanz sexueller Vielfalt sind in vier von fünf Fällen in dieser willkürlichen Weise an das Ende der Listen mit den jeweils zu erwerbenden „Kompetenzen“ angeklatscht. Seltsamer noch wird dieses Vorgehen, wenn in anderen Fällen klar wird, dass die Auseinandersetzung mit der „geschlechtlichen Identität“ ihren Schwerpunkt bei der Beschäftigung mit Homo- und Transsexualität hat.

Für die Unterrichtsplanungen in Schulen würde das bedeuten, dass Lehrkräfte wie bisher Jahresarbeitspläne oder Pläne für Unterrichtseinheiten erstellen und sich am Ende jeweils fragen müssen, wo sie denn nun eigentlich noch die Schwulen, die Lesben oder die Transsexuellen unterbringen können.

Was wäre wohl, wenn sich eine einzelne Lehrkraft im Unterricht so zwanghaft auf Sexualität fixieren würde wie dieser Bildungsplan? Wenn ein Lehrer beispielweise wieder und wieder nach Gelegenheiten suchte, sein Steckenpferd „lesbische Liebe“ im Unterricht unterzubringen?

Dass es ausgesprochen seltsame Folgen haben würde, an Schulen tatsächlich nach diesem Bildungsplan zu unterrichten und ihn dabei ernst zu nehmen, hat sicherlich auch Stängle gemerkt. Wie arrogant aber von ihm, anzunehmen, als Lehrer könne er im Hinblick auf Schulunterricht oder pädagogische Fragen kompetenter sein als eine Spiegel-Redakteurin oder ein Baden-Württembergischer Landespolitiker.

Was Stängle in seiner Umerziehungs-Rhetorik jedoch verschweigt, ist, dass dieser Bildungsplan in den Routinen des Schulalltags ohnehin abgeschliffen würde. Vielleicht würde sogar, in der Zersetzungsarbeit der Alltagstätigkeiten gegen die erhabene Planung, etwas Positives daraus werden – dass Lehrkräfte ab und zu mal auf gute Filme oder Texte aufmerksam würden, die Homosexualität oder Transsexualität zum Thema haben, oder dass schwule Kollegen und Schüler oder lesbische Kolleginnen und Schülerinnen weniger allein mit der Frage dastünden, wie sie in der Schule mit ihrer Homosexualität umgehen können.

Ist es eigentlich normal, normal zu sein?

Heikler als die an vier der Leitlinien herangeklatschten Absätze ist ohnehin das einzige „Leitprinzip“, in das die „Akzeptanz sexueller Vielfalt“ bereits eingebaut werden konnte, nämlich das zur „Prävention und Gesudheitsförderung“. Zur „Identität und Identitätsentwicklung“ gehören dort nicht nur solche Klassiker wie der „Abgleich von Selbst- und Fremdbild“ (25), sondern auch die „Vielfalt in der sexuellen Identität und Orientierung (Hetero-, Homo-, Bisexualität; Transsexuelle, Transgender und Intersexuelle)“ (25f.) sowie die

Zusammenhänge von Sexualität, Geschlechtsidentität und gesellschaftlichen Mustern in Bezug auf die Identitätsentwicklung (erlebtes Geschlecht, biologisches Geschlecht, soziales Geschlecht, juristisch zugeschriebenes Geschlecht)“ (26).

Fächerübergreifend und prinzipiell schon von der Grundschule an.

Hier werde die „Thematisierung verschiedener Sexualpraktiken in der Schule als neue Normalität“ propagiert, schreibt Stängle in seiner Petition. Das stimmt so nicht – der Begriff „normal“ kommt im Arbeitspapier zum Bildungsplan überhaupt nicht vor, auch der Begriff „Normen“ (26) nur zwei Mal, und dann unabhängig von sexueller Identität. Das ist angesichts eines Bildungsplans für Schulen überraschend und unrealistisch, aber erklärbar – schließlich ist der Begriff „normal“ im Zusammenhang mit sexuellen Orientierungen vorbelastet.

Wird „normal“ im Sinne von „gesund“ verstanden, dann werden diejenigen, die außerhalb dieser Normalität leben, als krank angesehen, als abnorm. Im Hinblick auf sexuelle Orientierungen hat sich das keineswegs total verflüchtigt, aus guten Gründen übrigens – schon der Stadtfuchs weist in seiner sehr lesenswerten Begründung, warum er die Petition unterschrieben habe, darauf hin, dass es bei der Auseinandersetzung von Menschen mit ganz unterschiedlichen sexuellen Orientierung doch wahrscheinlich nicht, beispielsweise, um eine eingehende Beschäftigung mit der Lebenssituation Pädophiler gehen soll.

Für Homosexualität, auch für Transsexualität aber hat sich die Zuschreibung als „krank“ für die meisten Menschen wohl erledigt, und ebenfalls mit guten Gründen. Wenn Stängle Homosexualität mit erhöhten Gesundheitsrisiken konnotiert, dann haben sich darin womöglich Restbestände dieser Zuschreibung erhalten – doch einerseits sind Stängles Daten, wenn auch nur zum Teil, belegt (die im Vergleich zu Heterosexuellen relativ hohe Zahl der HIV-Infektionen bei homosexuellen Männern), und es ist auch hier nicht die Homosexualität selbst, die als krank erscheint.

Im Sinne von „vertraut“ ist der Begriff „normal" möglicherweise schon relevanter für das Thema. Wenn Homosexuelle von Heterosexuellen als fremd, andersartig wahrgenommen werden, dann wird es ihnen damit schwerer gemacht, offen homosexuell zu leben – was wiederum eine Situation betoniert, in der Homosexualität als fremd empfunden wird. Hier kann es also sehr wohl sinnvoll und gerechtfertigt sein, den Begriff der Normalität zu überprüfen.

Wichtig ist ebenso noch ein anderes Verständnis von Normalität, das Homosexuelle oder Transsexuelle weder als krank noch als fremd und andersartig dastehen lässt – der Begriff „normal“ im Sinne von „(statistisch) erwartbar“. Wenn Kinder und Jugendliche ihre „Identität entwickeln“ sollen, dann gehört dazu ja wesentlich die Frage, was sie bis im Normalfall und bis auf Weiteres von anderen erwarten können – und was sie im Hinblick auf die Erwartungen anderer an sie selbst erwarten können.

Ein Jugendlicher, der mit einem Freund unterwegs ist, wird nicht ohne Weiteres erwarten, dass dieser andere Junge ein sexuelles Interesse an ihm hat. Ähnlich geht es auch Erwachsenen, Männern wie Frauen, mit gleichgeschlechtlichen Freunden oder Freundinnen. Hat der andere dieses Interesse doch, dann ist das weder schmutzig noch sündhaft, aber es ist eben überraschend und möglicherweise überrumpelnd.

Normalerwartungen sind funktional, um das eigene Handeln im Alltag zu strukturieren und es mit dem Handeln anderer abzustimmen – auch wenn diese Erwartungen in einigen Fällen falsch sind, sind sie nützlich. Ein Mann etwa, der bei jeder Frau, die er trifft, eingehend überlegt, ob sie eine Mann-zu-Frau-Transsexuelle sein könnte, wird sich vermutlich weder tolerant noch offen, sondern einfach ein wenig seltsam verhalten.

Es hat keinen Sinn, vom Grünen Tisch – bzw. von der Landesregierung oder einem Uni-Schreibtisch aus – die Funktion dieser Normalerwartungen zu leugnen, als ob in der Landesregierung oder in der Uni nicht auch mit eben solchen Erwartungen hantiert würde. Im Gegenteil: Mit dem Blick auf diese Erwartungen lässt sich überhaupt erst nachvollziehbar machen, mit welchen Schwierigkeiten ein Leben verbunden ist, das solche selbstverständlichen und daher oft gar nicht mehr bewussten Erwartungen nicht erfüllt – Schwierigkeiten im Hinblick auf die Interaktion mit anderen wie auf das Selbstgefühl.

Es ist also auch in den Schulen völlig richtig zu versuchen, Menschen das Leben mit solchen Schwierigkeiten zu erleichtern. Das wird aber weit eher gelingen, wenn klargestellt wird, dass ein Leben, das Normalerwartungen in einigen Aspekten nicht erfüllt, deshalb weder krank noch fremd noch bedrohlich noch lächerlich ist – anstatt dadurch, schnurstracks alle diese Erwartungen mit großem Gestus als soziale Konstrukte im Dienste von Herrschaftsstukturen zu entlarven, die ebenso gut anders konstruiert werden könnten.

Von solchen (gender-)feministischen Positionen würden Transsexuelle, so der selbst transsexuelle Walter Greiner,

als Gallionsfigur für eine geschlechtliche Willkür und Beliebigkeit missbraucht, für die doch gerade wir Transsexuelle der lebende Gegenbeweis sind. Denn genauso wie alle Männer und Frauen – aber ganz anders, als Feministinnen glauben – sind wir geschlechtlich schon von klein auf das, was wir sind: originär, im Kern nicht veränderbar durch jegliche Erziehungs- und Therapieversuche.“

Wer schützt Menschen eigentlich vor ihren Beschützern?

Die unerklärliche und unerklärte Sexualitäts-Fixiertheit des Bildungsplans, aber auch die ebenso unerklärte Ignoranz gegenüber nicht-sexuell motivierten Formen der Diskriminierung (zum Beispiel der statistisch wesentlich bedeutenderen aus sozialen Gründen) legt den Gedanken nahe, dass es der Landesregierung weniger um Offenheit und Toleranz geht als darum, Schulen auf die oben skizzierten Grundannahmen der Gender-Theorien zu verpflichten.

Es gibt nicht eine Demokratietheorie, aus der Politiker den Auftrag ableiten könnten, ihre Wähler zu erziehen bzw. ihren Wählern Vorgaben zu machen“,

schreibt dazu Michael Klein bei Kritische Wissenschaft.

Stängles Umerziehungs-Rhetorik überspielt, dass die Schule tatsächlich einen weitgehend als legitim anerkannten Erziehungsauftrag hat. Bei den genderheoretischen Fixiertheiten des Bildungsplans geht es allerdings weniger darum, Schüler im Sinne gesellschaftlich anerkannter Normen zu erziehen – als darum, die Schulen als Hebel zu benutzen, um diese Normen allgemein umzugestalten. Wer die Gesellschaft verändern will, fängt damit eben praktischerweise bei den Menschen an, die sich am wenigsten dagegen wehren können.

Tatsächlich kehrt ein so agierender pädagogischer Staat die Vorgaben eines liberalen Staates um. Dieser hat seine Freiheiten ja nur, weil seine Bürger Freiheiten an ihn delegiert haben – „Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus.“ Es sind die Bürger, die kontrollieren, ob dieser Staat seine Kompetenzen nicht überschreitet.

Im pädagogischen Staat aber ist es umgekehrt eben der Staat, der kontrolliert, ob seine Bürger sich auch in angemessener Weise liberal verhalten. So offen und toleranzverpflichtet sich auch seine Lernziele geben mögen – tatsächlich ist dieser Staat ein autoritärer Staat. Wir brauchen kein Vertrauen, wir sind so oder so im Recht – eine so von sich überzeugte Politik produziert verständlicherweise Misstrauen, und es ist unrealistisch zu glauben, in diesem Klima zur Entwicklung von Offenheit und Toleranz Ernsthaftes beitragen zu können.

Gibt es beispielweise an Schulen bald Noten für die „richtige“ Einstellung zu verschiedenen Formen der Sexualität, als Gesinnungstest? An den Universitäten ist es schließlich auch schon längst normal geworden, die sogenannte „geschlechtergerechte Sprache“ zur Bedingung für die Annahme studentischer Arbeiten zu machen und so dem Nachweis der richtigen Gesinnung absoluten Vorrang vor der wissenschaftlichen Qualität eines Textes zu geben.

Wenn sich autoritäres staatliches Handeln auf den Schutz von Minderheiten beruft, dann produziert das zudem die Gefahr, dass der Widerspruch gegen dieses Handeln sich nicht etwa gegen die verantwortlichen Politiker, sondern gegen die vorgeblich geschützten Minderheiten richtet. Dass die größten französischen Demonstrationen der letzten Jahrzehnte sich ausgerechnet gegen Rechte von Homosexuellen richteten (dazu dieser Gastbeitrag von Kai), ist möglicherweise so erklärbar.

So weit gehen die Proteste gegen den Bildungsplan nicht, doch auch bei der Petition ist nicht deutlich, ob sie sich eigentlich gegen die autoritären Vorstellungen der Landesregierung richtet – oder gegen das, was der Verfasser als einen homosexuellen „Lebensstil" hinstellt. In einigen Debattenbeiträgen zur Unterstützung der Petition entlädt sich durchaus eine erhebliche Wut auf Schwule, Lesben oder Transsexuelle.

Verfestigt sich diese Konstellation, dann stehen sich schließlich zwei autoritäre politische Gruppen gegenüber: eine, die sich als Schutzherrin der Minderheiten gegen die Mehrheit, und eine, die sich als Schutzherrin der Mehrheit gegen die Minderheiten in Szene setzt.

Vernünftige politische Perspektiven bietet weder die eine noch die andere. So war es eigentlich noch freundlich ausgedrückt, wenn ich eingangs behauptet habe, das mir beide auf die Nerven gehen.

Der Artikel erschien zuerst auf man tau.

 

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