Geschlechterdebatte:

Anspruch und Wirklichkeit in der Familien- und Geschlechterpolitik

Interviewfrage an Karl Lagerfeld: „Wie halten Sie es mit Familie?“ Antwort: „Nein! Nein! Man kann nicht alles haben!“

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Auf dem Feld der Familien- und Geschlechterpolitik gibt es eine mehr oder minder stark radikalisierte Minderheit von Frauen, die sich als selbst ernannte Avantgarde begreift und die tatsächlich - ohne erkennbare kritische Selbstreflexion - meint, sie hätte die nötige Einsicht und die Legitimation, gegenüber der Mehrheit der Frauen die politische Führung zu übernehmen, die Männer systematisch zu diskriminieren, um eigene Interessen durchzusetzen, und der Gesamtgesellschaft die Richtung ihrer Selbstveränderung vorzugeben.

Diese Ansprüche sind zwar entgegen der öffentlichen Wahrnehmung völlig unbegründet und unwahr, aber die Frauennetzwerke haben es verstanden, sich umfangreich öffentliche Mittel zu beschaffen und damit politisch-organisatorisch eine ganze Architektur von einflussreichen Frauennetzwerken zu schaffen, die auf allen Ebenen, von der EU-Bürokratie bis in die letzte Kommune und Hochschule tätig und wirksam sind. Es gibt zum einen die relativ verselbständigte Ebene der „Gender Studies“ in den Hochschulen, in denen „geforscht“ wird, dann die machtpolitisch fundamentale Ebene der Frauen- bzw. „Gleichstellungsbeauftragten“, weiter das Mycel der politisch organisierten Feministinnen in den NGO´s, den  Verbänden, den Kirchen,  den Parteien und Parlamenten, sowie die Ebene der Journalistinnen, die die kollektive Propagandistin verkörpert und für die nötige faktische Zensur sorgt. Schließlich gibt es noch die Juristinnenverbände, die die rechtspolitische Privilegierung „der Frauen“ konzeptionell vorantreiben. Die Gesamtheit dieser und weiterer Organisationsformen, etwa in Stiftungen oder privaten Verlagen, bündelt sich zu dem, was aufgrund der juristischen und institutionellen Verankerung „Staatsfeminismus“ zu nennen angemessen ist.

Die Tendenz dieser Politik ist, in Übereinstimmung mit privatwirtschaftlichen Interessen, denen es um die Erschließung des weiblichen Arbeitskräftepotenzials geht, u. a. gegen die traditionelle Familie gerichtet, so wie sie in Art. 6 GG gemeint war und ist. Die Berufstätigkeit der Frauen wird höher gewertet als ihre Tätigkeit in der Familie. Und die speziellen Bedürfnisse der Kinder werden bagatellisiert oder gleich ganz verleugnet. Allerdings ist die Berufstätigkeit als alleiniger Lebensinhalt nur für eine Minderheit von Frauen eine sinnvolle Perspektive, nämlich für jene, die aus diesem oder jenem Grund kinderlos bleiben und die ihre ideologisierte Selbstwahrnehmung unzulässig verallgemeinern.

Die große Mehrheit der Frauen dürfte zwar berufstätig sein wollen, aber eben nur zeitweilig oder nur mehr oder weniger in Abhängigkeit von den jeweiligen familiären Anforderungen, denen von den Frauen selbst meist eine Priorität zugewiesen wird. Es kommt entsprechend häufig zu mehr oder weniger tragfähigen Kompromissen, etwa durch die Ausübung von Teilzeitarbeit.

Diese Anforderungen an Haushalt und Familie sind in Zeiten der Kleinfamilie im historischen Vergleich drastisch geschrumpft, und zwar einerseits wegen der heute viel geringeren Kinderzahl und andererseits wegen der Halbautomatisierung der privaten Haushalte. Dennoch wird selbst auf hohem und höchstem Niveau weiter gejammert, so wie wir es aus dem Märchen vom „Fischer und seiner Frau“ immer schon kennen. Gleichwohl ist es plausibel und legitim, dass die Frauen ihre angewachsene disponible Zeit für eine berufliche Tätigkeit verwenden wollen, insbesondere, wenn die historische Anhebung ihres Qualifikationsniveaus berücksichtigt wird. Aber in diesen Kompromissbildungen setzt sich das Realitätsprinzip gegen die illusorische Vorstellung durch, man könne einfach alles haben. Das ist eben nicht und niemals so. Im Gegenteil gilt, dass niemand alles haben kann, Männer nicht, und Frauen auch nicht. Karl Lagerfeld war das völlig klar. Denn die Kehrseite einer Entscheidung für etwas ist immer der Verzicht auf etwas anderes. Männer beispielsweise, die lebenslang alternativlos voll im Berufsleben bleiben, verzichten, zumeist unfreiwillig, weitgehend darauf, die tägliche Entwicklung ihrer Kinder mitzuerleben und zu begleiten, also als Vater für sie anwesend zu sein. Das, zum Beispiel, wird gern übersehen.

Gegenüber all diesem ideologisierten feministischen Anspruchsdenken zeigt nun die Allensbach-Studie, wie sich Männer und Frauen im Hinblick auf Berufstätigkeit und Familie und Kinder tatsächlich verhalten. Sie verbleiben nämlich, offenbar relativ unbeeindruckt, weit stärker in traditionellen Bahnen als es die diesbezügliche eifernde und nicht selten auch geifernde Propaganda vermuten ließe. Der Grund hierfür dürfte schlicht in der Dominanz des gesunden Menschenverstandes und zugleich in einem Pragmatismus der Praxis liegen, der die Verrücktheiten denen überlässt, die ihrer würdig sind. Und das ist gut so.

 

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