Geschlechterdebatte

Geschlecht und Menge

Gleichschaltung durch Genderpolitik

12. Juni 2013, von Dr. Christoph Zimmer

Was macht feministisches Räsonnement, besonders im scheinakademischen Diskurs, so lächerlich? Daß Sprache als Abklatsch der Biologie aufgefaßt wird. Bei Lebewesen spricht man von Geschlecht, bei Substantiven ebenfalls. Doch das sind ganz verschiedene Dinge. Trotzdem glauben die Feministen, daß grammatisches Geschlecht der Femina sich auf Frauen beziehen würde. Wollen sie damit sagen, daß „Studentinnen“ und Studentinnen dasselbe Geschlecht hätten? Das will man nicht hoffen.

Das Wort „Frau“ bezieht sich nicht deshalb auf Frauen, weil es feminin. Die Feminität des Wortes sagt nichts über das Geschlecht dessen, worauf es bezogen werden mag. Daß „Frau“ feminin, ist irrelevant dafür, daß Frauen weiblich. Daß Frauen weiblich sind, erkennt man nicht aufgrund grammatischer Analyse des Wortes „Frau“. Daß Frauen weiblich, sagt nichts über das Genus des Nomens „Frau“.

Grammatisches Geschlecht benennt nicht natürliches. Genus ist nicht Name von Sexus. Das war zu allen Zeiten bekannt, jenen, die Sprache, verschiedene Sprachen, ihr Funktionieren verstanden:

„Cur dicite grammatici, cur mascula nomina cunnus, Et cur femineum mentula nomen habet?“(1)

In der Grammatik wird Geschlecht morphologisch ausgedrückt. „Frau“, „Güte“, „Bosheit“ sind feminin, weil der Artikel „die“ davorsteht. „Frau“ und „Bosheit“ gehören zur selben Klasse der Femina. Niemand würde sagen wollen, daß deswegen ein Zusammenhang zwischen Frau und Bosheit bestünde.

„Frau“ und Frau hingegen sind gänzlich verschieden. Wörter und Personen haben keine gemeinsamen Eigenschaften. „Frau“ und „Güte“ haben immerhin dasselbe grammatische Geschlecht. „Frau“ und Frau haben überhaupt nichts, gar nichts Gemeinsames. Und doch behauptet der Feminismus, daß „Frau“ und Frau geschlechtlich übereinstimmen würden, ein geschlechtlicher Zusammenhang bestünde, völlig abstrus.

Eine Gruppe von Menschen, drei Studenten, habe die Elemente SAMANTHA, LILLY und MARLEN. Hat diese Kollektion, Gruppe die Eigenschaften ihrer Elemente, „... studiert“ plus „... ist weiblich“? Studiert Gruppe oder SAMANTHA, LILLY, MARLEN? Wer erhält das Diplom? Ist die Gruppe weiblich oder ihre Elemente? Gruppe kennt kein Geschlecht, besonders nicht das ihrer Elemente.

Worauf bezieht sich „Studentinnen“? Auf eine Menge, nicht auf Personen, LILLY, SAMANTHA usw., sondern auf eine abstrakte Zusammenfassung der in Frage kommenden Personen. Mengen haben kein Gewicht, keine empirischen Eigenschaften, kein Geschlecht. Sprachliche Zeichen, die sich auf Mengen beziehen, können biologisches Geschlecht nicht ausdrücken.

Analog „Student“. Das Wort bezeichnet keineswegs einen männlichen Studenten, als ob der Artikel testikulär wäre, sondern bildet Menge oder Klasse derjenigen Elemente, auf die das Prädikat „... studiert“ zutrifft. Wenn HANS studiert, ist HANS Element der Klasse der Studenten. „Hans“ bezeichnet einen männlichen Studenten, „Student“ nicht. „Lilly“ bezeichnet einen weiblichen Studenten, „Studentin“ nicht. Wenn LILLY studiert, ist sie Element der Klasse der Studenten.

Logisch gesehen ist „Student“ einstelliges Prädikat, seine Extension die Klasse derer, die studieren, seine Intension die Eigenschaft „... studiert“. Wenn x studiert, x Student ist, erkennt man daraus nicht, welches Geschlecht x hat, oder welche Haarfarbe oder welches Körpergewicht. Will man sagen, daß x studiert und zusätzlich männlich, reicht „Student“ nicht aus. Zwei Prädikate müssen zutreffen.(2) Genauso, wenn x studiert, und weiblich.(3) Will man sagen, daß x studiert, männlich und blond ist, braucht man 3 Prädikate, usw.

Die Menge derer, die studieren, sind Studenten, gleichgültig ob männlich oder weiblich, schwarz oder weiß. Student ist, wer studiert, nicht wer männlich. „Studentin“ fügt der Menge der Studenten keine weiteren Elemente hinzu. Feminines Genus schafft nicht mehr Studenten herbei als die Menge bereits Elemente enthält. Da diese alle Studenten umfaßt, enthält sie auch alle weiblichen. Die Mengen der weiblichen Studenten und die der männlichen sind Teilmengen der Menge der Studenten.(4)

Folglich ist die Menge der Studentinnen keine zusätzliche Menge, die sich zur Menge der Studenten komplementär verhielte. LILLY Studentin nennen, beruht darauf, daß sie studiert, Student ist. Studentinnen gibt es, weil sie Studenten sind.

In der Anrede „Liebe Studentinnen und Studenten“ werden nicht mehr Personen angesprochen als in „Liebe Studenten“. Von Studentinnen reden fügt nichts hinzu, was nicht schon von Studenten gilt. „Liebe Studentinnen und Studenten“ mag heute höflicher klingen, ist aber redundant, nichtssagend, ohne Informationswert.

Die grammatisch-logische Falle, Genus Hinweise auf Sexus entnehmen zu wollen, ist typisch für gynäzistisches Gender-Grouillement.

Wäre „Studentin“ Name für alle weiblichen Studenten, dann müßte er auch LILLY bezeichnen, falls sie studiert. „Lilly“ und „Studentin“ würden sich beide auf LILLY beziehen. Und Aussagen wie beispielsweise „Lilly ist klein und dick“ und „Studentin ist klein und dick“ sind dann äquivalent, zwangsläufig, da Namen, die sich auf ein und dasselbe Objekt beziehen, salva veritate austauschbar.(5) Also kann „Studentin“ kein Name für weibliche Studenten sein, wenn der Ausdruck schon nicht einmal Name für einen Studenten ist, nämlich LILLY. Man kann Eigennamen als Prädikate behandeln, aber nicht Prädikate als Namen.

Es seien x, y, z weibliche Menschen. Auf diese werde mit Namen, „Samantha“, „Lilly“ und „Marlen“, Bezug genommen. Auch auf die Namen kann Bezug genommen werden, etwa, daß der erste dreisilbig und die beiden andern zweisilbig sind. Diese Aussagen haben mit x, y, z nichts zu tun, beziehen sich nicht auf jene Damen, sondern auf Eigenschaften ihrer Namen, Attribute sprachlicher Ausdrücke.

Würde man sagen, feminines Genus der Grammatik bezöge sich auf biologisches Geschlecht, wäre das, als sagte man, diese Personen seien dreisilbig. Grammatisches Geschlecht als Eigenschaft von Wörtern verhält sich zu dem, worauf diese sich vielleicht beziehen mögen, wie die Anzahl der Silben eines Namens zu dem, der ihn trägt.

Namen, Individuenkonstanten sind es aufgrund von Konvention, nicht aufgrund eines Charakters, den diese Ausdrücke an sich hätten. Konvention macht einen Ausdruck zum Namen, indem sie eine Relation zu etwas anderem, z.B. Ding, Person, einem anderen Ausdruck herstellt. Das Wort, der Eigenname referiert dann auf dieses Objekt als ganzes, samt seinen Eigenschaften.

Deshalb drücken Personennamen meistens biologisches Geschlecht aus. „Samantha“, „Lilly“, „Marlen“ gelten als Namen für Frauen, nicht für Männer. Warum drücken sie Geschlecht aus? Weil Konvention, Namensgebung, Taufe einen Zusammenhang zwischen diesen Wörtern und bestimmten Frauen etabliert hat. Ohne diese Konvention bestünde weder Grund, die Wörter als Namen zu deuten, noch als Namen für Frauen. „Studentin“ bekleidet dieses Amt nicht.

Wenn „Studentin“ beide Eigenschaften, „x studiert“ und „x ist weiblich“, ausdrücken würde, verdoppelte es die Eigenschaft „x ist weiblich“, da x ja vorher schon weiblich war. Und würde x nicht studieren, besagte die Aussage „SAMANTHA ist keine Studentin“, daß sie nicht studiert und auch nicht weiblich, und zugleich, daß sie weiblich.

„Studentin“ im Sinne von „... studiert und ist weiblich“ aufzufassen, verdoppelt Weiblichkeit, wenn SAMANTHA studiert, und führt bei Negation zu Widerspruch der Weiblichkeit. Deswegen kann die Intension des Prädikats „Studentin“ die Eigenschaft „... ist weiblich“ nicht enthalten.

Genauso „Student“. Würde „Student“ bedeuten, daß x studiert und männlich, dann wird in „HANS studiert“ verdoppelt, daß er männlich, und in „HANS studiert nicht“ gesagt, daß HANS männlich und nicht männlich wäre. Was widersprüchlich, ist sinnlos, ist auszuscheiden, um zu Vernünftigem weiterzukommen.

„Student“ und „Studentin“ sind keine Namen von Personen wie „HANS“ oder „LILLY“. Sie referieren nicht wie Namen auf Individuen samt ihren biologischen Eigenschaften. Die Möglichkeit der Sprache, Genera, Wörter morphologisch in Maskulin, Feminin, Neutrum u.a. zu kategorisieren, stellt keine Beziehung zu biologischem Geschlecht her. Genus ist Menge, abstrakte Zusammenfassung von Elementen, von denen eben abstrahiert wird.

Setzt man ein Maskulinum, „der Leser“, in den Plural, glauben die Feministen in ihrer apprehensiven Fixierung auf Geschlechtliches, daß „die Leser“ männliche Leser wären, bloß weil „Leser“ maskulin. Sie behaupten, daß der maskuline Plural, „die Leser“, weibliche Leser anmaßend mitmeinen würde, wie sie sich akataleptisch auszudrücken belieben.

Da aber „der Leser“ auf das Geschlecht derjenigen, welche lesen, gar nicht Bezug nimmt, genausowenig wie auf irgendwelche anderen Eigenschaften, meint das Wort weder männliche noch weibliche Leser. Es bezieht sich auf die Menge jener, die lesen, egal welches Geschlecht oder sonstige Eigenschaften sie haben. Leser ist, wer liest, nicht wer männlich. „Leser“ ist, wie „Student“ vorhin, logisch Prädikat, dessen Extension, die lesen umfaßt, nicht die männlich sind.

Als generische Maskulina haben sich Genderspeaker angewöhnt, im Plural stehende Maskulina zu bezeichnen. „Generisch“ ist Derivat von „Genus“, bedeutet „Menge“, „Klasse“. Sie verstehen ihre eigene Terminologie nicht.(6)

Auch beim generischen Femininum geraten sie in die Bredouille. Wie wollen sie femininem Plural, z.B. „die Personen“, einen maskulinen, grammatisch nicht möglich, gegenüberstellen?

Genus als Name von Sexus aufzufassen, könnte man als gynäkotropische Alfanzerei abtun, wenn diese nicht inzwischen amtlichen Charakter angenommen hätte. Grammatischer Feminismus mündet in sprachpolizeiliche Willkür, Einschränkung freien Sprachgebrauchs und behördliche Gleichschaltung, wo kein Spaß mehr verstanden wird.

Das „Reglement für sprachliche Gleichstellung“ des Bundesverwaltungsamtes, einer deutschen Regierungsbehörde, mutet uns dies zu:

„Erst wenn der maskulinen Form die feminine gegenüberstellt wird, ist eindeutig erkennbar, dass sich die maskuline Wortform ausschließlich auf Männer, die feminine ausschließlich auf Frauen bezieht.“(7)

So ein Unsinn. Stellt man der maskulinen Form,

„der weibliche Kriminelle“, die feminine Form, „die weibliche Kriminelle“,

gegenüber, kommt dadurch etwa zum Ausdruck, daß die maskuline Wortform ausschließlich Männer betrifft?

In dem sowohl vom Deutschen Bundestag als auch vom Deutschen Bundesrat gebilligten Bericht zur „sprachlichen Gleichstellung von Frauen und Männern“, einem Dokument von kaum glaublicher Beschränktheit, werden statt der als zu vermeiden klassifizierten generischen Maskulina „geschlechtsindifferente Personenbezeichnungen“ empfohlen, Bezeichnungen von Personen, Namen, die auf Geschlecht nicht Bezug nehmen würden.

Hier verschränken sich sprachlogische Ignoranz und rechtliche Unvereinbarkeit in peinlicher Weise. Namensrechtliche Vorschriften widersprechen dem ausdrücklich:

„Für Knaben sind nur männliche, für Mädchen nur weibliche Vornamen zulässig. [...] Läßt ein Name Zweifel über das Geschlecht des Kindes aufkommen, so ist zu verlangen, das dem Kinde ein weiterer, den Zweifel ausschließender Vorname beigelegt wird.“(8)

Nach dieser Verwaltungsvorschrift sollen Personenbezeichnungen, Namen ausdrücklich Auskunft über Geschlecht geben, bei Intersexualität freilich problematisch.(9) Zur Person gehört ihr Geschlecht. Identifikation einer Person betrifft notwendig ihr Geschlecht. Diese Vorschrift verlangt, daß geschlechtsneutrale, -indifferente Personenbezeichnungen auszuschließen seien, die vorige das Gegenteil.

In feministisch-bundesverwaltungsamtlicher Rechtssprache bekommt man „die Bürger“, „die Leser“ als „maskuline Personenbezeichnungen“ vorgesetzt, von residualer Akataphasie nicht frei. Maskuline Personenbezeichnungen sind „HANS“, „PETER“. Bürger und Leser sind Mengen.

Derselbe Fehler bei „Studierenden“, „Lesenden“, substantivierten Partizipien, Beispielen für angeblich „geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen“. Auch diese sind keine Bezeichnungen von Personen, sondern ebenfalls Mengen. Ersetzung generischer Maskulina durch substantivierte Partizipien ist untauglich, geschlechtsneutrale Personenbezeichnungen herzustellen. Solange eine Person Geschlecht hat, und der Name die ganze Person benennt, benennt er auch ihr Geschlecht, kann geschlechtsneutral somit nicht sein.

Der EU gehören mehrere Länder an, deren Sprachen gar kein Genus kennen.(10) Mehrere Sprachen, vor allem agglutinierende, haben kein grammatisches Geschlecht. Auch im Japanischen gibt es Genus nicht. Übereinstimmung von Genus und Sexus hat nicht den Schatten sprachwissenschaftlichen Anhalts, drückt nur die für Propaganda geeignete Stufe von Primitivität aus.(11)

Trotzdem brüsten sich myope Mediokristen, sie hätten sich auf Forschungen, Experten gestützt, dies und das zitiert, eine Fassade von Seriosität und akademischem Gehabe aufzurichten. Obwohl der Feminismus mit Grammatik, Logik, Linguistik, Semiotik auf Kriegsfuß steht, Sprache als Demagogie versteht, unfreiwillig Kabarett und Comedy beliefert, klaubt er aus Wörterbüchern Lemmata zusammen, „generisches Maskulinum“, normalen Plural des Sexismus anzuklagen.

Indem nicht erst eine Meinung, ihr sprachlicher Ausdruck normiert, sondern schon der Elemente Form des sprachlichen Ausdrucks, seine Morpheme ideologischer Normierung unterworfen werden, findet Gleichschaltung auf tieferer Ebene statt, nicht erst auf der bisher üblichen semantischen, sondern bereits auf der syntaktischer, grammatischer Strukturen, der Substantive, substantivierter Verben, ihrer Derivate.

Dessenungeachtet wird Gender-Mainstream, dem Credo disjunkter Geschlechter verpflichtet, die intrikate Übereinstimmung grammatischen Geschlechts bei Intersexualität behandeln mögen, bei chromosomalen, gonadalen, hormonellen, anatomischen Variationen, bei uneindeutiger Geschlechtsidentität,(12) ob sich Genus auf Gonaden oder Gamone, Termone, durch diese erzeugte Geschlechtsorgane, phänotypische (haplo- und diplophänotypische), genotypische (haplogenotypische oder diplogenotypische) beziehe. Vielfalt biologisch-medizinischen Lebens auf die für Gynogender passende Simplizität zu trimmen, stellt Herausforderung künftiger ForschergenerationInnen dar.

Vor allem daß biologisches Geschlecht konkret ist, wird Schwierigkeiten bereiten. SAMANTHA, LILLY, MARLEN haben Geschlecht, die Menge der Frauen nicht. Biologisches Geschlecht im allgemeinen gibt es nicht in der Natur. Soll nun grammatisches Genus femininer Wörter mit dem biologisch-individuellen Geschlecht von SAMANTHA, oder dem von LILLY, MARLEN oder von wem übereinstimmen? Da muß noch viel in Bildung investiert werden.

Solange will man nicht warten. Sprachpolizeiliche Erlasse kürzen dankbar ab, denaturieren Sprachgebrauch nach marxistisch-kommunistischem Muster zum Instrument von Bewußtseinsbildung,(13) davon ausgehend, daß Sprache nicht einfach frei, der Sprecher seine Muttersprache zur Genehmigung einzureichen habe, er sich dadurch, daß er genderignorant spricht, verantwortungslos, diskriminierend, damit eventuell strafbar macht, sich unkorrekt, falsch verhält. Ein Segen, daß der Kindergarten der Genderkompetenz garantiert, wie richtig zu sprechen.

Regierung hat Macht, kann sich um das niedrige Niveau ihrer Verlautbarungen futieren. Auch daß sie Nonsens enthalten, muß sie nicht stören. Nicht einmal daß Nonsens Gesetz wird, ist erstaunlich. Es entspricht Tradition, Sprachgebrauch habe gesetzliche Vorschriften zu beachten.

Daß aber auch Universitäten, statt sich sprachlicher Zwangsjacken zu entwinden, wie es sich für Horte der Wissenschaft und freier Forschung gehört, sich in gemeiner Amoral ihrer politischen Korrektheit grätschend, direkt in ihre sprachwissenschaftlichen Fächer vergewaltigend eingreifen, muß einem vorkommen, als folgten sie Anweisungen der Reichsschrifttumskammer des Zentralkomitees der EU. Viele Hochschulen und Universitäten mit ihren unsäglichen geschlechtergerechten Leitfäden nötigen zu widersinnigen Gleichschaltungsregeln, indem sie sich anmaßen, sprachliche Ausdrucksweise verbindlich vorzuschreiben.

Die Universität Zürich, sich eines EINSTEINS rühmend, verfügt laut „Verhaltenskodex Gender Policy“:

„Es wird davon ausgegangen, dass sich grundsätzlich alle Sachverhalte konsequent geschlechtergerecht [...] ausdrücken lassen.“(14)

Es wird davon ausgegangen, daß grundsätzlich alle Sachverhalte Geschlecht haben. Versteht sich, daß der Universität dabei „Vorbildfunktion“ zukommt.

Dieselbe Universität weiter:

„Die Verwendung maskuliner Personenbezeichnungen für beide Geschlechter, das so genannte generische Maskulinum, wird der Forderung nach sprachlicher Gleichbehandlung nicht gerecht, da es die Präsenz von Frauen verschleiert“.(15)

Auch wenn man Verschleiern beiseite läßt, was haben Wörter mit Anwesenheit von Frauen tun?

Den Vogel schießt die Schweizerische Bundeskanzlei ab, „in Zusammenarbeit mit der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften“ akademisch beraten. Sie definiert in „2., vollständig überarbeiteter Auflage 2009“ im Glossar ihres Elaborats „Geschlechtergerechte Sprache. Leitfaden zum geschlechtergerechten Formulieren im Deutschen“:

„Sexus natürliches Geschlecht dessen, was ein Substantiv bezeichnet“(16)

Dieses natürliche Geschlecht dessen, was ein Substantiv bezeichnet, hätten wir alle gern einmal gesehen.

Auch Pronomen müssen für Geschlechtliches herhalten. Bei den „Pronomen jede/jeder sowie jedermann (das wegen seiner lautlichen Übereinstimmung mit «jeder Mann» als besonders geschlechtsspezifisch verstanden wird)“, soll, obzwar sie Nomina substituieren, darauf geachtet werden, „dass in der Folge nicht mit einem maskulinen Pronomen auf sie Bezug genommen wird“.(17) Immerhin ahnt man „spezielle Probleme bei unpersönlichen Pronomina“ hinsichtlich Geschlechts.

Universität Freiburg:

„Geschlechtsneutralisation oder Geschlechtsabstraktion“: „Diese Methode besteht entweder darin, dass: • geschlechtsneutrale Formulierungen oder Begriffe verwendet werden, die gleichzeitig die männliche und die weibliche Form einschliessen (z.B.: «die Studierenden», «die Ausführenden) oder • eine Formulierung gewählt wird, die vom Geschlecht der Person durch Verwendung unpersönlicher Wendungen abstrahiert (z.B.: «die Lehrperson», «das Mitglied», «der Mensch», «das Opfer» usw. oder durch Passivkonstruktion «Die Gerichtskosten werden der unterliegenden Partei auferlegt» statt: «Der Richter oder die Richterin auferlegt die Gerichtskosten der unterliegenden Partei»).“(18)

Weiß Gott aufschlußreich, wie Geschlechtsneutralisation anhand von Gerichtskosten erläutert wird.

In Österreich, dank „zahlreicher wissenschaftlicher Studien“, einer „Vielzahl von Fachliteratur“, ist der Stand noch höher. Dort will man, universitären Horizont regierungsamtlich weitend, generischen Maskulina zum Trotz, Frauen in der Sprache sichtbar machen.(19)

Für die österreichische Regierung funktioniert Sprache wie Kino. Das weiß sie, jetzt läßt sie die Katze aus dem Sack, aus „politischen Festlegungen auf internationaler, europäischer und österreichischer Ebene“. Sprache politisch festgelegt.

Eine Frau, die unsichtbar, kann durch Sprache jedenfalls nicht sichtbar gemacht werden. Primitiv-magisches Sprachverständnis, wie die Hexe von Endor durch Nennung von Wörtern jemanden heraufsteigen läßt,(20) und Plural maskuliner Substantive in Verwirrung von Geschlecht und Menge ist das der Masse Hingeworfene, Gleichschaltung willig zu schlucken, Indikator politischer Zensur entsprechendem sprachwissenschaftlichem Stupor, in beklagenswertem, europäischer Kultur unwürdigem Maße, von an üblen Vorbildern orientiertem Verfall.

Wie kann man Frauen und Männer sprachlich gleichstellen? Gar nicht. Das ist Unfug. Die Frage verrät die Intention, auch noch mit Frauenrechten begründet. Man belügt die Frau, sie würde gewinnen, wenn Wörter verboten, andere vorgeschrieben werden. Gleichschaltung gibt nicht, sie nimmt, ist Zeichen degenerierender Gesellschaft.(21) Weniger Freiheit entspringen nicht mehr Rechte für Frauen.

Anmerkungen

(1) CASANOVA, GIACOMO: Geschichte meines Lebens. Hg. u. komm. v. GÜNTER ALBRECHT in Zus. m. BARBARA ALBRECHT. 12 Bde. Leipzig, Weimar 1983, I, 43.

(2) ? x (Sx ? Mx)

(3) ? x (Sx ? Wx)

(4) ? ? ?M {? x (Sx ? Mx)} ? ?W {? x (Sx ? Wx)}

(5) Vgl. Terminologie der Namensrelation, ZIMMER, „Deus“, Kap. 2.5., www.zmm.cc.

(6) Der Artikel „Genus“ in der Wikipedia korrigiert die primitiven Fehler feministischer Gleichschaltung, die Verwechslung von Personenbezeichnungen mit Prädikaten, von Individuum und Menge, die sogenannte „Asymmetrie der Geschlechter im Bereich von Personenbezeichnungen“ nicht.

(7) Sprachliche Gleichbehandlung von Frauen und Männern. Hg. vom Bundesverwaltungsamt, Köln 22002 (BBB-Merkblatt M 19).

http://www.bva.bund.de/cln_341/nn_2143576/SharedDocs/Publikationen/Verwaltungsmodernisierung/Sprachliche_Gleichbehandlung_von_20Frauen_20Maennern,templateId=raw,property=publicationFile.pdf/Sprachliche_Gleichbehandlung_von_%20Frauen_%20Maennern.pdf, 7.

http://www.berlin.de/imperia/md/content/balichtenberghohenschoenhausen/gesetze-vorschriften/gleichheit_maennerfrauen.pdf.

(8) DA 1975 (Dienstanweisung für Standesbeamte und ihre Aufsichtsbehörden), § 262 (4). – In der Schweiz ist gesetzlich festgelegt, nicht nur durch eine Verwaltungsvorschrift wie in Deutschland, daß der Name das Geschlecht auszudrücken hat: „Vornamen, [...] die allein oder zusammen mit anderen das Geschlecht des Kindes nicht eindeutig erkennen lassen, werden zurückgewiesen.“ Art. 69 (2)ZGB.

(9) Gesetz über die Änderung der Vornamen und die Feststellung der Geschlechtszugehörigkeit in besonderen Fällen (Transsexuellengesetz – TSG).

(10) Genusdifferenzierung fehlt z.B. im Estnischen, Finnischen, desweiteren im Türkischen und anderen Sprachen. Im Ungarischen, Japanischen gibt es kein grammatisches Geschlecht.

(11) „Jede Propaganda hat [...] ihr geistiges Niveau einzustellen nach der Aufnahmefähigkeit des Beschränktesten unter denen, an die sie sich zu richten gedenkt. Damit wird ihre geistige Höhe um so tiefer zu stellen sein, je größer die zu erfassende Masse der Menschen sein soll. [...] Je bescheidener dann ihr wissenschaftlicher Ballast ist, und je mehr sie ausschließlich auf das Fühlen der Masse Rücksicht nimmt, um so durchschlagender der Erfolg.“ Raten Sie mal, woher das Zitat stammt; S. 197f.

(12) ISNA, Intersex Society of North America, www.isna.org – www.intersex-forschung.de.

(13) ROSENKRANZ, BARBARA: MenschInnen. Gender Mainstreaming. Auf dem Weg zum geschlechtslosen Menschen. Graz 2008. - http://www.kresse-discher.de/sprachsalat/menschen-und-menschinnen.

(14) http://www.gleichstellung.uzh.ch/angebote/sprachleitfaden.html. Diesen Quatsch schreibt tatsächlich die Universität Zürich, Gleichstellung, seit dem 7.5.2009. (die zitierte Stelle wurde von der Uni Zürich inzwischen geringfügig geändert, ohne daß der Sinn berührt ist.)

(15) Leitfaden zur sprachlichen Gleichbehandlung von Frau und Mann. Universität Zürich 42006.

http://www.gleichstellung.uzh.ch/angebote/sprachleitfaden/Leitfaden2006_neuesCD_110720.pdf, 3. Kursive hinzugefügt.

(16) http://www.bk.admin.ch/dokumentation/sprachen/04915/05313/index.html?lang=de/Leitfaden+geschlechtergerecht_internet.pdf, 169. Dieser Leitfaden, von CORINA CASANOVA, der Bundeskanzlerin, unterzeichnet, ist dermaßen dämlich, daß man sich das Ergebnis der Zusammenarbeit mit einer Hochschule nur als gekauft oder erzwungen hätte vorstellen mögen, wäre nicht der Gleichstellungsaspekt leitend.

(17) http://www.gleichstellung.uzh.ch/angebote/sprachleitfaden/Leitfaden2006_neuesCD_110720.pdf, 9.

(18) http://unifr.ch/egalite/assets/files/conseil/gleichbehandlung_epicene.pdf, 2. Das stammt wirklich von einer Universität, nicht etwa aus bildungsfernen Milieus.

(19) Empfehlung der Gleichbehandlungsanwaltschaft des Bundeskanzleramts Österreich zum geschlechtergerechten Sprachgebrauch. http://www.gleichbehandlungsanwaltschaft.at/site/6448/default.aspx.

(20) 1 Sam 28, 8-14.

(21) KLEMPERER, VIKTOR: LTI. Notizbuch eines Philologen. Leipzig 41975 (RUB 278).

Der Artikel ist zuerst erschienen auf www.zmm.cc.

 

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