Geschlechterdebatte

Wenn Frauen zu sehr lügen

10. April 2013 von Till Schneider

Seit Erscheinen von "Wenn Frauen zu sehr lieben", dem Frauen-Coabhängigkeits-Bekämpfungsklassiker von Robin Norwood (1986), träume ich davon, selbst ein Buch herauszubringen, dessen Titel am publizitätsträchtigen Wörtchen "Wenn" aufgehängt ist. Motto: Jetzt sage ICH Ihnen mal, was los ist, WENN ... schnallen Sie sich gut an!

Wohl jeder Autor träumt von einem solchen Coup. Aber bevor ich den erforderlichen Buchinhalt zusammenhabe, kann ich ja schon einmal anderweitig einen Wenn-Titel vergeben: Ich stelle hier zwei Artikeln voran, die ich aus dem Amerikanischen übersetzt habe. Höchst bemerkenswerte Artikel - Autorin: Tracy McMillan. Und da hält der Titel tatsächlich, was er verspricht: Wenn Frauen zu sehr lügen - dann kann es ihnen eines Tages passieren, dass jemand sie auffliegen lässt. Jemand aus den eigenen Reihen, der genau Bescheid weiß. Eine Schwester. Das ist hier passiert - siehe unten. Zuvor gebe ich eine Einführung.

Es muss buchstäblich die Hölle los gewesen sein, nachdem am 13. Februar 2011 im US-amerikanischen Online-Magazin The Huffington Post ein Artikel der TV-Autorin Tracy McMillan erschienen war, Titel: Why You're Not Married - Warum Sie nicht verheiratet sind. Dieser Artikel war an Frauen gerichtet. Innerhalb kürzester Zeit gingen im "Blog" der Huff Post -zigtausende Kommentare dazu ein, die wutschäumenden Protest, wenn nicht blanken Hass zum Ausdruck brachten (die Mehrheit) oder begeisterte Zustimmung und Dankbarkeit (die Minderheit). Was war geschehen? Dies: Die heute 48-jährige McMillan, drei Mal verheiratet und geschieden, Mutter eines Sohnes, hatte das vielleicht heißeste aller Eisen angepackt, die in der feminismusverkraterten Soziallandschaft herumstehen. Sie hatte ihren Geschlechtsgenossinnen offen ins Gesicht gesagt, wie sie über deren Beziehungsleben denkt. Genauer: Über die eigen- und partnerlebenszermürbende Dauer-Malaise dieses Beziehungslebens. Wie rigoros sie dabei zu Werk gegangen war, illustriert aufs Eindringlichste ihr zentraler Lehrsatz: Das Problem sind nicht die Männer. Das Problem sind Sie selbst.

Ausgezickt-McMillan-554673987869Versteht sich, dass da kaum eine Damenhutschnur an ihrem angestammten Platz bleiben konnte. Denn, schlimmer noch: Im ganzen Artikel fällt kein einziges Wort über irgendwelche Fehler von Männern. Sogar im Gegenteil: An mehreren Stellen werden die Männer ausdrücklich gewürdigt - bis hin zu der Ungeheuerlichkeit, dass deren Verhalten als klar frauen-überlegen dargestellt wird. Und damit ist natürlich dieses "Thesenpapier", wie es wohl am besten zu nennen ist, in einem katastrophalen, ja eigentlich unzumutbaren Maß unfeministisch. Tracy McMillan fällt, mit einem Wort, ihren sämtlichen Schwestern kurzerhand in den Rücken und verrät die gemeinsamen Ideale, Überzeugungen und stillschweigenden Übereinkünfte aufs Schändlichste. Das Ganze öffentlich. Sieht man sich die Sache durch eine andere Brille an, dann ist aber auch eine alternative Einschätzung möglich: McMillan legt hier den Grundstein zu einer Totalrevolution im Dialog der Geschlechter. Sein Name: Ehrlichkeit.

Vom Sturm der Entrüstung, den ihr Artikel entfacht hatte, ließ sich Tracy McMillan nicht einschüchtern. Sie legte sogar nach, am 26. Mai 2012, Titel diesmal: Why You're Still Not Married - Warum Sie immer noch nicht verheiratet sind. Der Inhalt: Vier weitere Thesen, die - zusammen mit den sechs vorherigen - ein Gesamtpanorama der Gründe weiblicher Beziehungsdestruktivität bieten sollen. Insgesamt also zehn Gründe, und wer sich an die gleiche Anzahl bestimmter christlicher Lehrformeln erinnert fühlt, der ist durchaus auf der richtigen Spur: McMillan liefert gewissermaßen die Zehn Gebote für die postfeministische Frau.

Wie macht sie das? Indem sie die Lügen entlarvt, mit welchen sich Frauen über eigenes, destruktives Beziehungsverhalten zu beruhigen pflegen. Jenes sich-selbst-Anlügen, das es ihnen nicht zuletzt erlaubt, den Blick stets unverwandt auf den Feind gerichtet zu halten - auf den Partner, der an der ganzen Malaise schuld ist. Oder vielleicht ja doch nicht. Jedenfalls muss McMillans Motiv für eine so radikale Vorgehensweise seinerseits als christlich fundiert, auf jeden Fall aber als moralisch fundiert angesehen werden. In ihren eigenen Worten: Ich werde Sie nicht anlügen. Und das Resultat dieser Selbstvorgabe, es kann nur als spektakulär bezeichnet werden.

Ein solcher Auftritt schreit im Land der unbegrenzten Möglichkeiten nach Wiederholung - und nach Transformation in andere soziale Mitteilungsformen. Die zum Beispiel wären: Ratgeberliteratur. Man erinnere sich: Amerika ist das Mutterland der systematischen Selbstverbesserung! Das wusste auch Tracy McMillan, und sie baute ihr Online-Thesenpapier zu einem veritablen Buch-Ratgeber aus. Er erschien im Mai 2012 und in deutscher Übersetzung bereits im September 2012, unzweideutiger Titel: Ausgezickt! So bleibt er für immer - Schluss mit den 10 Kardinalfehlern moderner Frauen. Dieser Beziehungsratgeber ist sehr brauchbar, ja vermutlich der einzige, der Chancen auf erfolgreiche Verwirklichung hat (Grund dafür: die besagte Ehrlichkeit), und meine Rezension ist auf www.cuncti.net nachzulesen. Hier füge ich hinzu: Wie schon das Thesenpapier fußt er auf einer Erkenntnis - eigentlich einer Binsenweisheit -, die aber in Beziehungsfragen häufig unbeachtet, gar Science Fiction zu sein scheint. Sie lautet in meinen Worten: Jede erwachsene Person ist zu jedem Zeitpunkt und in jeder Hinsicht zu hundert Prozent verantwortlich für ihr Tun. Nicht zu neunundneunzig; auch nicht zu fünfzig (dieser Irrtum wäre im Rahmen von Zweier-Beziehungen noch der naheliegendste - was ihn aber nicht richtiger macht), und schon gar nicht zu zwanzig bis null Prozent.

McMillans Buch ersetzt jedoch keineswegs ihren "Urtext", also die beiden Thesenpapiere aus der Huff Post, die ich nun ins Deutsche übertragen habe. Dieser Urtext bietet gegenüber dem Ratgeber sogar Vorteile: Erstens schlackenlose Komprimiertheit der Kernaussagen, und zweitens einen durchgängigen Tonfall, der sich durch beißende Ironie bis hin zu Polemik auszeichnet. Dieser Tonfall ist nicht nur Verpackungsmaterial. Er ist selbst Aussage - womöglich sogar die entscheidende, denn er schwitzt die starke Betroffenheit McMillans aus. Und er zeigt die genaue Art dieser Betroffenheit, die man ohne Hinzufügung eigener Polemik so in Worte fassen kann: Tracy McMillan hatte vom verlogenen, manipulativen Beziehungsgewürge ihrer Geschlechtsgenossinnen die Schnauze dermaßen gestrichen voll, dass sie es irgendwann nicht mehr ausgehalten hat. Sie musste den Mund aufmachen. Nicht zuletzt im Interesse der Schwestern, denen sie aus ihrer selbstkonstruierten Falle (Koproduzent: der Feminismus) heraushelfen will. Was sie, laut eigener Aussage, auch mit Erfolg tut. Zu der Frage, wodurch sie überhaupt qualifiziert ist für ihre Radikal-Nachhilfe, sagt McMillan Etliches; hier die Kurzversion: eigene Erfahrung. Sie habe jeden nur erdenklichen Beziehungs-Mist selbst gebaut. X-mal. Und irgendwann Konsequenzen ziehen müssen wegen der Folgen, die das für sie hatte.

Bevor ich endlich den Ring freimache für zwei Runden McMillan-Klartext, kehre ich aus gegebenem Anlass noch einmal zurück zu meinem Opener - Robin Norwoods "Wenn Frauen zu sehr lieben" (Originaltitel: Women Who Love Too Much). Dieser behandelt, wie angedeutet, das Problem weiblicher Co-Abhängigkeit in Beziehungen. Er war auch für viele der betroffenen Frauen hilfreich. Aber es gab Nebenwirkungen, die mit Norwoods Begriff lieben zusammenhängen. Den verwendet sie nämlich, obwohl es im Buch um Beziehungssucht geht - und von dieser sagt sie selbst, dass sie etwas völlig anderes sei als "lieben". (Mehr noch: Genau auf diese Unterscheidung - die äußerst streng zu erfolgen habe - will ihr Buch hinaus.) Solche Ungenauigkeit auf der elementarsten aller Ebenen, bei den Grundbegriffen, konnte aber nicht ohne Folgen bleiben: Seither glaubt man mehr denn je, Frauen würden mehr lieben als Männer. So viel mehr sogar, dass sie daran krank werden können - was der beste Beweis ist für ihr stärkeres "Lieben". Jedenfalls habe ich selbst geglaubt, dass dies dem Buchtitel entnommen werden müsse (zumal praktisch zeitgleich Profi-Frauenversteher Wilfried Wieck Bestürzendes verkündete: Männer lassen lieben!), und ich war verblüfft, als ich etliche Jahre später Norwoods Buch las. Dann allerdings habe ich begonnen, Umfragen durchzuführen, ob es anderen genauso gegangen war wie mir. Ergebnis: Es war vielen so gegangen - und Nicht-Kennern des Buchs ging es oft noch immer so. Für mich ein Beleg dafür, dass sich Problematisierung weiblichen Verhaltens und Frauen-Idealisierung nicht ausschließen müssen, ja dass sie Hand in Hand gehen können. Unentwirrbar gewiss auch für viele Frauen, ergo kontraproduktiv. Ein Eigentor.

Um den Zusammenhang herzustellen: Tracy McMillans Texte - sowohl Thesenpapier als auch Ratgeber - werden einen solchen Effekt nicht haben können. Und hätte die Autorin den Ehrgeiz gehabt, für ihr Buch einen "Wenn"-Titel zu finden, dann hätte sie höchstwahrscheinlich den Titel dieses Artikels vorweggenommen: Wenn Frauen zu sehr lügen. Im Übrigen gilt für "Wenn"-Autoren natürlich die exakte Umkehrung des Spruchs "Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Vater Millionär" - etwa so: Wenn das Wörtchen wenn nicht wär, wär mein Reichtum eine Mär! Nun aber die Abrissbirne im Wortlaut.

Warum Sie nicht verheiratet sind

Sie wollen heiraten. Hat eine Weile gedauert, bis Sie sich das eingestanden haben. Aber es laut auszusprechen - auch nur in Ihrer Vorstellung -, das fühlt sich irgendwie verzweifelt an. Irgendwie unfeministisch. So gar nicht nach Ihnen selbst. Jedenfalls nicht nach einem Ich, das Sie wiedererkennen würden. Denn Sie gehören ja nun nicht zu den Mädels, die vor laufender TV-Kamera heiraten. Und genauso wenig würden Sie in einer Fernsehshow um Männer kämpfen wie diese armseligen Möchtegern-Starlets.

Sie haben noch nie von einer tiefblauen Ringschatulle geträumt.

Aber dann ist etwas passiert. Noch ein Geburtstag vielleicht. Eine Trennung. Die Hochzeit Ihres Bruders. Dessen Auserkorene wollte Sie als Brautjungfer - und plötzlich waren Sie's. Und fragten sich, wie zum Teufel es passieren konnte, dass Sie im Alter von 36 den Mittelgang der Kirche entlanglaufen, bekleidet mit etwas halbwegs Anständigem von J. Crew, das Sie in Kombination mit ein paar schicken Pumps und einer Jeansjacke hervorragend umfunktionieren könnten. Sie fingen an, die Braut zu hassen - sie war so zum K*** glücklich -, und zum ersten Mal überhaupt fingen Sie an, Gefühle zu entwickeln angesichts der Tatsache, dass Sie nicht verheiratet sind. Nicht, dass Ihnen das bisher wirklich etwas ausgemacht hätte. Aber plötzlich (ach, so plötzlich!) stellten Sie fest, dass Sie sich fragten ... tieeeef durchatmen ... warum Sie nicht verheiratet sind.

Nun, ich weiß, warum.

Wie ich das wissen kann? Das hat vor allem mit Folgendem zu tun: Ich war drei Mal verheiratet. Ja, drei Mal. Mit einem sehr netten MBA mit 19; mit einem sehr netten Minister-Sohn mit 32 (und schwanger); und mit 40 mit einem sehr netten Lügner und Betrüger, der genau wie mein Vater war - wäre mein Vater in Harvard gewesen, statt so viele Runden im Staatsgefängnis zu drehen.

Ich war irgendwie die geborene Heiraterin. Dazu trägt enorm bei, wenn man in Pflegeunterbringung aufgewachsen ist. Mein Verlangen nach Geborgenheit sorgte dafür, dass ich die Männer, mit denen ich mich verabredete, nach ganz besonderen Eigenschaften aussuchte - Eigenschaften, die in einer verblüffend hohen Zahl von Fällen zur Heirat führen. So wurde ich ungewollt zu einer Art Knast-Anwältin für Beziehungen. Zu jemandem also, der mit seinem eigenen Fall derart schwer zu kämpfen hatte, dass er jetzt Ihnen bei Ihrem Fall helfen kann.

Aber ich werde Sie nicht anlügen. Das Problem sind nicht die Männer. Das Problem sind Sie selbst. Klar, es gibt dürftige Exemplare von Männern - aber nicht diese sind es, die Ihnen im Weg stehen. Tatsache ist nämlich: Wenn alles, was Sie genau in diesem Moment tun, heiratsfördernd wäre, dann hätten Sie den Ring schon am Finger. Reden wir also nicht drumherum, und schauen wir uns die sechs Hauptgründe dafür an, warum Sie nicht verheiratet sind.

1. Sie sind eine Zicke.

Unter einer Zicke verstehe ich Folgendes: Sie sind wütend. Wahrscheinlich glauben Sie nicht, dass Sie wütend sind. Sie denken wahrscheinlich, dass Sie besonders schlau sind, oder (wenn Sie viele Therapiesitzungen hinter sich haben) dass Sie Grenzen setzen. In Wirklichkeit aber sind sie stocksauer. Auf Ihre Mutter. Auf den militärisch-industriellen Komplex. Auf Sarah Palin. Und das verscheucht die Männer.

Die Sache ist die: Die meisten Männer wollen einfach eine Frau heiraten, die nett zu ihnen ist . Ich habe eine 13-jährigen Sohn, und das ist, als würde man mit der Einzeller-Version eines Ehemannes zusammenleben. Folgende Dinge sind meinem Sohn wichtig: Maccaroni mit Käse, ein Videospiel und Kim Kardashian. Haben Sie Kim Kardashian mal wütend gesehen? Wohl kaum. Sie haben Kim Kardashian lächeln, mit dem Hintern wackeln und in einem Sexvideo agieren sehen. Wut von Frauen macht Männern Angst. Klar, esscheint ungerecht zu sein, dass Sie sich mit der Angst und der Unsicherheit eines Mannes auseinandersetzen müssen, um heiraten zu können - aber im Grunde ist es doch genau richtig so. Denn sich mit der Angst und der Unsicherheit eines Mannes auseinanderzusetzen ist ein wesentlicher Bestandteil Ihres Lebens als Ehefrau.

2. Sie sind oberflächlich.

Wenn es darum geht, einen Mann zum Heiraten auszusuchen, dann zählt nur ein Kriterium wirklich: Charakter. Von daher ist es naheliegend, dass der Charakter eines Mannes ganz oben in Ihrer Kriterienliste steht. Stimmt's? Nun, wenn Sie nicht verheiratet sind, dann weiß ich schon, dass er dort nicht steht. Denn: Würden Sie nach einem Mann mit Charakter Ausschau halten, dann hätten Sie schon einen. Männer mit Charakter sind nämlich per definitionem bindungswillig.

Anstattdessen halten Sie nach einem Großen Ausschau. Oder nach einem Reichen. Oder nach einem, der weiß, was ein Eames-Stuhl ist. Das ist aber leider nicht die Denkweise einer Ehefrau. Es ist die Denkweise eines Teenagers. Und Männer mit Charakter möchten keine Teenager heiraten. Teenager sind nämlich nie glücklich. Und sie haben auch nie Lust, zu kochen.

3. Sie sind ein Flittchen.

Mit einem Typen im Whirlpool auf dem Hausdach abhängen, darauf fliegen die Damen aus Jersey - aber sie wollen nicht heiraten. Sie dagegen schon. Was leider bedeutet: Wenn Sie Sex außerhalb von festen Beziehungen haben, müssen Sie damit aufhören. Warum? Weil ab einem gewissen Alter Gelegenheitssex wie eine Partydroge ist. Ihre Wirkung hält nicht lange an.

Das hängt unter anderem mit einem Stoff namens Oxytocin zusammen - einem Bindungshormon, das freigesetzt wird, wenn eine Frau a) ihr Baby stillt und b) einen Orgasmus hat. Dieser Stoff wird Ihnen Ihre Gelegenheitssex-Spielereien gründlich vermasseln. Wegen diesem Stoff können Sie kumpelhaft mit einem Kerl rumf***en, der noch nicht mal besonders gut ist, und dann denken, dass Sie komplett auf ihn abfahren, ohne die geringste Ahnung zu haben, weshalb. Oxytocin - deshalb. Und weil Ihre Biologie nicht zwischen Heiratsmaterial und Charlie Sheen unterscheiden kann, werden Sie entschieden wählerischer sein müssen, als Sie es momentan sind.

4. Sie sind eine Lügnerin

Normalerweise läuft es ungefähr folgendermaßen: Sie lernen einen Typen kennen, der gut aussieht und sie mag, der aber nicht wirklich für eine Beziehung zur Verfügung steht. Irgendwas ist an ihm dran, das die Verfügbarkeit für eine Beziehung kategorisch ausschließt, zum Beispiel, dass er verheiratet ist, oder dass er auf dem Skateboard durch die Gegend brettert. Vielleicht rückt er auch selber damit raus und faselt irgendwas Kryptisches und Interpretationsbedürftiges, zum Beispiel "ich stehe momentan nicht für eine Beziehung zur Verfügung".

Ihnen ist völlig klar: Wenn Sie ihm die Wahrheit sagen - dass Sie heiratsreif sind -, ruft er Sie nicht mehr an. In der Regel hört er schon am selben Tag damit auf. Und das wollen Sie nicht. Also erzählen Sie ihm einfach, wie perfekt das Ganze doch ist, weil Sie doch nur Spaßsex wollen! Sie lieben Spaßsex! Und Sie wollen um Gotteswillen keine Beziehung eingehen! Sie schwören es!

Ungefähr zehn Minuten später schießt das Oxytocin ein. Sie fangen an, mehr zu wollen. Aber Sie sagen es ihm nicht. Das ist Ihr Geheimnis - nur zwischen Ihnen und Ihren 28.000 besten Freundinnen. Stattdessen hängen Sie mit ihm ab, pennen mit ihm und warten darauf, dass er herausfindet: Er kann ohne Sie nicht leben. Ich habe Neuigkeiten für Sie:Das wird er nie "herausfinden". Er weiß schon, dass er genauso gut ohne Sie leben kann. Und Sie wissen es auch. Denn andernfalls würden Sie ihn nicht gleich anlügen.

5. Sie sind egoistisch.

Wenn Sie nicht verheiratet sind, denken Sie höchstwahrscheinlich sehr viel über sich selbst nach . Sie denken über Ihre Hüften nach, über Ihre Klamotten, über Ihre Nasolabialfalten. Sie denken über Ihre Karriere nach - oder, wenn Sie keine haben, über eine Ausbildung zur Yogalehrerin. Gelegentlich denken Sie darüber nach, wie die Heirat mit einem wohlhabenden Mann - na ja, mindestens einem Mann mit einem richtig, richtig guten Job - Ihre sämtlichen Probleme lösen würde.

Aber eine gute Ehefrau, oder auch nur eine halbwegs anständige, verbringt ihren Tag nicht mit Nachdenken über sich selbst. Sie hat zu viel s**t um die Ohren, vor allem, nachdem sie Kinder bekommen hat. Das ist übrigens auch der Grund, weshalb so viele weibliche Berühmtheiten plötzlich einen Mann bekommen, nachdem sie Kinder adoptiert haben. Die Kinder geben ihr zu verstehen: Hallo, Zicke! Es dreht sich nicht mehr alles nur um dich! Und nachdem sie ein oder zwei Jahre auch mal an andere gedacht haben, kreuzt auf einmal Brad Pitt oder Harrison Ford auf und beschließt, ihr Lebensgefährte zu werden. Wobei hinzuzufügen ist: Wenn das, was Sie eigentlich wollen, ein Baby ist, dann holen Sie sich eins. Ihr Ehemann wird mit von der Partie sein. Mutterschaft ist eine exzellente Methode, um Schürzenjäger auszusortieren.

6. Sie sind nicht gut genug.

Nicht, dass ich das annehmen würde. Sie sind gut genug. Ich sage es, weil Sie nicht nach einem Partner Ausschau halten, der mit Ihnen auf derselben Stufe steht. Nein, Sie wollen einen, der besser ist als Sie selbst: Besser aussehend, bessere Herkunft, besserer Job.

Dazu müssen Sie wissen: Sie sind genau in diesem Moment genau richtig. Punkt. Das nicht verstanden zu haben, ist eines der Haupthindernisse fürs Heiraten, denn Frauen, die ihren eigenen Wert nicht kennen, geben miserable Ehefrauen ab. Weshalb? Nun, Sie können sich eine Zeitlang selbst belügen, aber letztendlich werden Sie Ihren Partner kein bisschen mehr lieben können, als Sie sich selbst lieben. Kluge Männer wissen das.

Ich kann es an der kunstfördernden, progressiven Schule meines Sohnes sehen. Dort haben vielleicht sechs von 183 Kindern Mütter, die so reizend sind, wie Sie es zu sein versuchen. Attraktiv sind sie - klar. Sie sind nur keine Objekte. Ihre Ehemänner haben sie (klugerweise) nach ihrem Charakter ausgewählt, nicht nach ihrer Körbchengröße.

Das waren also die schlechten Nachrichten. Die guten sind: Ich bin überzeugt, dass jede Frau einen großartigen Partner finden kann - wenn sie es will. Nur müssen Sie die Vorstellung aufgeben, dass Heiraten Sie glücklich macht. Das wird es nicht. Nach dem Abklingen der ersten Euphorie werden Sie nämlich einfach Sie selbst sein, allerdings mit doppelt so viel Wäsche.

Denn Heiraten, das bedeutet letztlich nicht, etwas zu bekommen - es bedeutet, zu geben. Eigenartigerweise wissen das die Männer viel besser als wir Frauen . Das liegt vielleicht daran, dass für sie Heiraten mit sich bringt, ihren bestgehüteten Schatz zu opfern - einen frei agierenden Penis -, und für uns ist genau das der Gipfel eines Prinzessinnentraums. Eines Prinzessinnentraums, der so universell ist, dass er Disneyland hervorgebracht hat.

Das Entscheidende: Verheiratetsein ist schlicht eine Langzeit-Gelegenheit, Liebe zu praktizieren, auch wenn der andere es gar nicht verdient. Ihr chaotischer, Maccaroni-mit-Käse-essender Mann wird nämlich nicht das tun, was Sie wollen. Aber wenn Sie ihm trotzdem Ihre Liebe schenken - weil Sie dazu bereit waren, sich in eine Person zu verwandeln, die liebenswürdig, tief, tugendhaft, wahrhaftig und großzügig ist, und die vor allem ihr kostbares Selbst so akzeptiert, wie es ist -, dann werden Sie feststellen, dass Sie in den Genuss von demjenigen kommen, was Sie sich schon immer gewünscht haben:

Liebe.

Warum Sie immer noch nicht verheiratet sind

Sie wollen immer noch heiraten. Ein Jahr ist es her, dass diese fürchterliche Frau (ich) mit den drei geschiedenen Ehen diese unglaublich (suchen Sie sich's raus: dumme, sexistische, ganz und gar UNWAHRE) Geschichte in der Huffington Post geschrieben hat, weil Sie mit 30 oder 40 und ein paar Zerquetschten immer noch Single sind. Was gibt ihr (mir) das Recht, Frauen zu erzählen, was mit ihnen nicht stimmt? Die Leute versuchen immer, Frauen ein schlechtes Gefühl zu machen - das ist alles. Misogynisten.

Trotzdem gibt es ein Problem. Sie sind immer noch Single. Und Sie wollen es nach wie vor nicht bleiben. Und seit Ihnen Ihre Schwester/ Mutter/ Kollegin/ Nennfreundin vor einem Jahr dieses unglaublich (suchen Sie sich's raus: gemeine, niederträchtige, ganz und gar UNHALTBARE) Pamphlet geschickt hat, ist Ihnen die Idee gekommen (höööchstens ein Mal), dass ja womöglich doch ein ganz winziges Körnchen Wahrheit dran sein könnte. Vielleicht sind Sie stutenbissig. Vielleicht wollen Sie sich nicht mit klein gewachsenen Männern treffen. Vielleicht bleibt der Gelegenheitssex, auf den Sie so stehen, doch nie so gelegentlich, wie Sie das gerne hätten.

Aber keine Angst. Als hätten meine ersten sechs Gründe immer noch nicht gereicht (und wie könnten Sie die vergessen: 1) Sie sind eine Zicke, 2) Sie sind oberflächlich, 3) Sie sind ein Flittchen, 4) Sie sind eine Lügnerin, 5) Sie sind egoistisch und 6) Sie sind nicht gut genug), präsentiere ich Ihnen jetzt vier GANZ NEUE GRÜNDE dafür, dass Sie immer noch nicht verheiratet sind. Und wenn Sie damit fertig sind, mich runterzuputzen, dann werden Sie feststellen: Ich spreche einzig und allein davon, wie man ein besserer Mensch werden kann. Das ist nämlich der Schlüssel dafür, die Beziehung zu bekommen, die man gerne hätte.

Machen wir also dort weiter, wo wir aufgehört hatten:

7. Sie haben ein Problem .

Sie trinken zu viel. Sie essen zu viel. Sie verdienen zu wenig. Egal, was es ist: In ihrem Leben gibt es (mindestens) eine gewichtige Sache - eine Einstellung, ein Verhalten, ein Laster -, das Sie ganz sicher und garantiert und unter gar keinen Umständen aufgeben wollen. Und die schlechte Nachricht ist: Genau das ist die EINE GEWICHTIGE SACHE, die Sie ganz sicher und garantiert und unter gar keinen Umständen BEHALTEN KÖNNEN. Jedenfalls dann nicht, wenn Sie Fortschritte machen wollen. Das Heimtückische daran: Diese Sache scheint Ihr Leben annehmbar zu machen! Und sie gibt Ihnen das Gefühl, dass mit Ihnen alles in Ordnung ist! Wie können Sie also wissen, dass Sie ein Problem haben? Ganz einfach: WEIL SIE ES GEHEIM HALTEN. Sollte es also etwas geben, das Sie Ihrer Mutter, Ihrer besten Freundin oder Ihrer Verabredung nicht erzählen können (oder wollen), dann können Sie sicher sein, dass diese Sache Ihnen dabei im Weg stehen wird, Ihre beste Beziehung zu haben.

8. Sie sind durchgeknallt .

Durchgeknallt heißt: Sie LIEBEN INTENSITÄT. Sie erwarten vom Leben, dass es Ausrufezeichen setzt!!!!!!! Normale Leute, normale Beziehungen? Entlocken Ihnen ein lautes GÄHNEN. Sie sehen sich eher wie Angelina Jolie, als sie noch mit Billy Bob um die Häuserblocks zog. Durchgeknallt ist, wenn Sie ihr Handy wie eine Automatikwaffe benutzen. Sie treffen ihn, haben Sex mit ihm, kämpfen und machen Schluss - alles per SMS. Ein weiteres Anzeichen dafür, dass Sie durchgeknallt sind, ist folgendes: Sie erzählen im Pausenraum ständig lange, komplizierte Geschichten, wie es letztes Wochenende war. Sie gehen davon aus, dass Ihre Zuhörer begeistert sind - und sie sind es tatsächlich, denn für sie ist das so, als würden sie eine neue Folge von Fear Factor sehen. Wer will denn nicht Leuten zuschauen, die Wanzen verspeisen? Also: Ein todsicheres Indiz dafür, dass Sie durchgeknallt sind, besteht darin, dass mehr als eine Person findet, Sie würden in einer reality show eine großartige Figur abgeben - und dass Sie das auch finden.

9. Sie sind ein Kerl.

Damit ist nicht gemeint, dass Sie die Cardinals mögen, dass Sie kurze Haare haben, oder dass Sie mehr verdienen als die meisten Männer. Gemeint ist: Wenn es zur Beziehung kommt, wollen Sie Jagd auf ihn machen und ihn töten. Sie rufen Jungs an, sie SMSen ihnen, sie verabreden sich mit ihnen. Sie haben Sex, als wäre es ein Aushilfsjob, und hoffen auf eine Festanstellung, nachdem Sie ihn erobert haben. Aber der Countdown läuft nicht für Sie, denn Sie haben mit KEINEM EINZIGEN dieser Jungs eine verbindliche Dauerbeziehung. Will ich damit sagen, dass Sie einem Nähkreis beitreten sollten? Dass Sie stets Rüschen tragen sollten? Um Gottes Willen, nein. Aber es könnte Sie interessieren, was passiert, wenn Sie die Dinge einfach auf sich zukommen lassen. Denn eines braucht der Junge mehr als alles andere, um Ihr Mann werden zu können: Er muss eine Beziehung mit Ihnen WIRKLICH WOLLEN. (Ach nee, wer hätte das gedacht.) Gottseidank gibt es eine idiotensichere Methode, um herauszufinden, ob er das tut: Er wird Sie 1) um Ihre Telefonummer bitten, und er wird die Nummer 2) AUF DER STELLE BENUTZEN. (Probieren Sie gar nicht erst, sich einzureden, er hätte mit dem Anruf deshalb zwei Wochen gewartet, weil er vielleicht seine Oma in Milwaukee besuchen musste! Jungs nehmen ihre Handys nach Milwaukee mit.) Wenn Sie Männer auf diese Weise vorsortieren, dann wird das Schuldenkrisen verhindern, wie sie Ihr bisheriges Liebesleben darstellt. Es ist nämlich nicht entscheidend, ob Ihnen ein Mann am Ende des Tages seinen Samen spenden will. (Die Antwort wird wahrscheinlich lauten: Zur Hölle, ja!) Was Sie wissen wollen, ist, ob er bereit ist, Ihre Eizelle ins College zu schicken. Und wenn einem Mann nicht danach ist, sich mit Ihnen zu verabreden, LAUTET DIE ANTWORT NEIN.

10. Sie sind gottlos.

Erinnern Sie sich, dass ich sagte, die Ehe sei ein spiritueller Weg? OK, jetzt sind wir bei diesem Punkt gelandet. Dem Punkt, an dem ich etwas völlig Radikales, Abgedrehtes vorschlage - eine Methode, um das, was Sie auf dem Gebiet Beziehungen gerade am Laufen haben (oder nicht am Laufen haben) zu transformieren. Und das ist es: Ich will Sie dazu bringen, sich einen Gott zu suchen. Haaaalt, hiergeblieben! Ich meine nicht zwangsläufig das, was Sie jetzt denken. Was ich mit Gott meine? Jedenfalls bestimmt keinen bärtigen Typen, der Ihnen einen Mercedes und einen Ehemann spendiert, wenn Sie schön brav sind, und der Sie bestraft, wenn nicht. Das wäre Nikolaus. Ich meine damit, dass Sie in Ihrem Leben einen Sinn für SPIRITUALITÄT kultivieren sollen, eine Beziehung zum Immateriellen, Unsichtbaren - zu der Macht, die hinter Ozeanen, Schwerkraft, Schokolade und den Beatles waltet. Sie wissen schon: Das, was Sie erleben, wenn die Härchen auf Ihren Unterarmen senkrecht stehen. Das Große Etwas. Sie können es einfach Liebe nennen. Aber egal, wie Sie's nennen - das ist der Veränderer des Spiels. Wenn Sie nämlich die Idee von Spiritualität in Ihre Beziehungen hineinmischen, spielt es keine Rolle mehr, wie viele Männer draußen rumlaufen. Keine Demografie mehr, keine kleinen oder großen Jungs, keine Mädels mit O-Beinen oder zehn Extra-Kilos. Keine Listen mit Kriterien mehr, von denen Sie glauben, dass Ihr Partner sie erfüllen muss. Dann sind da nur noch zwei Leute mit einer gemeinsamen spirituellen Mission: EINANDER ZU LIEBEN.

OK, jetzt wissen Sie's. Jedenfalls einiges davon. Denn ich habe noch erheblich mehr dazu zu sagen. So viel, dass ich ein ganzes Buch darüber geschrieben habe, Titel: Warum Sie nicht verheiratet sind - noch. Nicht, um gemeines Zeug über Ihre Macken zu verbreiten. So denke ich gar nicht darüber! Wenn ich sage, dass Sie so und so und so sind, meine ich damit nicht, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt. Nicht wirklich. Dann meine ich, dass Sie menschlich sind. Was automatisch heißt, dass etwas mit Ihnen nicht stimmt. (Ha!) Denn menschlich sein, das BEDEUTET, Macken zu haben. Und verheiratet sein heißt, sich einer wundersamen Herausforderung gegenüberzusehen - mit den Macken der eigenen Person umzugehen, so dass man (paradoxerweise) auch die Macken einer anderen Person akzeptieren kann. Verstehen Sie: So können Sie ihre beste Beziehung haben.

Stimmt, ich habe "versagt" in der Ehe - und wie oft. (Heutzutage ziehe ich es vor, "Versagen" als "Vorerfolg" abzubuchen.) Aber wer, wenn nicht eine dreimal Geschiedene, wäre dafür qualifiziert, über den Mist zu schreiben, den Frauen in Beziehungen bauen? Jedenfalls können Sie dadurch sicher sein, dass ich Ihnen nicht scheinheilig komme. Denn Mist, was für einen auch immer - ICH HABE IHN GEBAUT. Nur habe ich mich dafür entschieden, mich trotzdem zu lieben.

Und wie sich jetzt herausstellt - genau das hätte schon seit jeher passieren sollen.

Nun versuche ich, eine Pyjamaparty in Gang zu bringen, bei der wir Margaritas trinken (für mich keine wirklichen Margaritas mehr - ich war ein Problemfall, und ich musste die Konsequenzen daraus ziehen), bei der wir lachen, bei der wir einander die Wahrheit erzählen über den Mist, den wir bauen, und uns darüber austauschen, wie wir's besser machen können. Weil nämlich: Kein Mensch ist je komplett damit durch, eine Zicke zu sein (oder ein Problemfall, oder durchgeknallt, oder egoistisch). Nee nee, da geht's um Training. Im Verlauf dieses Trainings gelangen wir allmählich dahin, bessere Menschen zu werden - und, als Folge davon, bessere Beziehungen zu haben. Okay, unsere beste Beziehung.

Verdammt. Wenn ich Autos an den Mann bringen würde, wäre ich genau wie Oprah Winfrey. Nur, dass ich Kraftausdrücke benutzen würde.

Tracy McMillan ist TV-Autorin. Sie schreibt unter anderem für "Mad Men" und für "The United States of Tara". Ihre autobiografische Schrift "I Love You and I'm Leaving You Anyway" (Ich liebe dich - und verlasse dich trotzdem) ist mittlerweile als Taschenbuch erhältlich bei Harper Collins/It Books. Sie lebt mit ihrem 13-jährigen Sohn in Los Angeles. (Tracy McMillan auf Twitter: https://twitter.com/whyurnotmarried)

* * *

Nachtrag: Ich habe in der Einleitung eine Verbindung zwischen Tracy McMillans Thesen und dem Feminismus anklingen lassen. Diese Verbindung gibt es meiner Überzeugung nach tatsächlich - und zwar in hohem Maß. In einem derzeit in Arbeit befindlichen Essay über den Feminismus habe ich sie en detail beschrieben und daraus resultierend die Behauptung aufgestellt: "Ohne den Feminismus, beziehungsweise dessen Folgen und Auswüchse, hätte McMillans Buch überhaupt nicht geschrieben werden können - noch auch müssen. Es ist nämlich nicht weniger als ein Letzte-Hilfe-Koffer, bestückt speziell zur Versorgung der weiblichen Opfer des Feminismus." Um diese gewagte Behauptung ein wenig plausibler zu machen, hier noch zwei Passagen aus McMillans Ratgeber, die im Thesenpapier fehlen: "Eine Zicke fühlt sich Männern überlegen (und den Frauen, die einen Mann wollen)." Und: "In den Achtzigern und Neunzigern, in denen ich groß wurde, war man stolz darauf, eine Zicke zu sein. Es ging darum, sich in der Vorstandsetage ebenso zu behaupten wie im Bett. Sich für jahrhundertelange Unterdrückung zu rächen. (...) Aber wenn es um Beziehungen und Heirat (und nicht zuletzt auch um Mutterschaft) geht, ist der Anspruch der totalen Kontrolle eine enorme Belastung, und für die meisten Männer - und Frauen - absolut inakzeptabel. Wer will denn schon einen Partner, der völlige Unterwerfung fordert?!" Das ist bei weitem nicht alles, aber es mag einen ersten Geschmack geben von den besagten Verbindungslinien - und deutet immerhin an, weshalb ich oben von den "Zehn Geboten für die postfeministische Frau" gesprochen habe.

Till Schneider, geboren 1960, ist Pianist, Schriftsteller und freier Journalist. Er lebt in der Nähe von Heidelberg.

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Gegen den Staatsfeminismus

11. Dezember 2013, von Dr. Inge Schuster
Auf Grund meiner Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht war ich bereits vor einem halben Jahrhundert und bis jetzt weder in Deutschland (an einem MPI) noch in Österreich (Uni, Pharma) irgendeiner Benachteiligung ausgesetzt.
Dieser Genderunfug ist eine Mißachtung aller Frauen, die sich ihre Karrieren durch Wissen, Können und Leistung erarbeitet haben! Der...

Geschlechterdebatte

Wie Sexismus entsteht - und warum es dafür keine Entschuldigung gibt

4. Januar 2013, von Bernhard Lassahn
Auf ‚Cicero Online’ steht ein herausragender Text von Alexander Grau unter dem Titel „Sind wir nicht alle ein bisschen Brüderle?“
Herausragend ist er, weil er zum harten Kern der Sache vordringt und damit so manchen anderen Artikel als bedeutungsloses Geschwätz erscheinen lässt. Ich fürchte jedoch, dass der Autor das selber gar nicht gemerkt hat. Nach einem...

Gesellschaft

Frauen - Opfer der Gesellschaft?

12. November 2013, von Dr. Tomas Kubelik
Wir alle haben es längst internalisiert: Frauen sind das diskriminierte, das benachteiligte, das unterdrückte Geschlecht.
In der Berufswelt, in der Familie, in der Partnerschaft und nicht zuletzt in der Sprache: Frauen sind das Opfer patriarchaler Strukturen. Seit bald zwei Generationen wird die Öffentlichkeit mit diesem Dogma bearbeitet.
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Gesellschaft

Verbotene Liebe, oder wer mit wem, wann, wie oft und wie lange Sex haben darf

11. November 2016, von Dr. Alexander Stevens
Gestern trat das neue Sexualstrafrecht in Kraft. Was ich von dem „Sind Sie für oder gegen Vergewaltigung Hype" halte, habe ich ja schon oft genug kundgetan. Sei's drum.
Da ist sie also nun. Die sagenumwobene „Nein hießt Nein Regelung" oder besser gesagt „Jede Art von mutmaßlich entgegenstehendem Willen heißt jetzt Nein". Wer das genau feststellen...

Geschlechterdebatte

Menschenteile bei Maischberger (und andere ProQuote-Seltsamkeiten)

24 Juni 2013, von Lucas Schoppe
„Zu dem unterirdischen Radiofeature "Maskuline Muskelspiele" sei der Hinweis erlaubt, dass Homann nur "Künstler" ist, kein Journalist. Redaktionell verantwortlich ist Ulrike Ebenbeck, rein zufällig natürlich auch Unterzeichnerin/Unterstützerin von Pro Quote.“ Soweit Thomas M. in einem Kommentar vor wenigen Tagen.
Die zentrale Forderung von ProQuote – einer seit...

Geschlechterdebatte

Hochschulen: Füllhorn für Frauenförderung

2. Januar 2013, von Eckhard Kuhla, zuerst erschienen bei AGENS
Zunächst die Fakten: Studentinnen überholen Studenten, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit. betragen die Frauenquoten  im Vergleich zu 1992[1] bei den Immatrikulationen:  49,5 %, den Studienabschlüssen 51,8% und den Promotionen 44,1%.
Damit liegt die Frauenquote innerhalb der Studentenschaft bei beachtlichen fast 50% , die...

Geschlechterdebatte

„Though this be madness, yet there is method in’t“

13. November 2014, von Dr. Klaus Funken
Als der „Berliner Kurier“ - allerdings reichlich spät - am 4. August 2014 seinen Bericht über das „Leitbild zur Gleichstellung und Beteiligung von Frauen und Männern im Kreis Mitte“ (Beschluss der Kreisdelegiertenkonferenz der SPD-Mitte vom 5. April 2014) mit der Überschrift „SPD: Redeverbot für Männer“ aufmachte, dachte der Leser an einen verspäteten...