Geschlechterdebatte:

Frauenquoten sind ein Luxusspielzeug!

Warum dem gemeinen Bürger eine Frauenquote für Aufsichtsräte getrost egal sein kann

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René Obermann dürfte man, was die Frauenquote anbelangt, als Avantgardisten bezeichnen. Keiner wie er hat die Quote derart hemmungs- und rücksichtslos durchgesetzt. In gleichsam einzigartiger Weise hat er wie kein Anderer die grotesken Seiten der Quote vorgeführt und sie der Lächerlichkeit preisgegeben.

Zunächst wurde die McKinsey-Beraterin Claudia Nemat zur neuen Europachefin benannt. Diese redet gerne darüber, dass gewisse Studien einen positiven Zusammenhang zwischen Unternehmensgewinnen und Frauenanteil erwiesen haben. Besagte Studien stammen zufälligerweise aus dem Hause McKinsey selbst. Zudem dürften die Ergebnisse dieser Untersuchungen vorhersagbar gewesen sein, denn schließlich erfolgten sie in Zusammenarbeit mit der "Women’s Forum for the Economy & Society" - einer Frauenorganisation also [1]. Nun haben wir uns mittlerweile daran gewöhnt, dass "Wissenschaft" mehr und mehr dazu verkommt, als PR-Werkzeug missbraucht zu werden. Wenn uns also eine McKinsey-Beraterin McKinsey-Studien schmackhaft machen will, die in Zusammenarbeit mit einer feministischen Organisation entstanden sind, welche wiederum ein bestimmtes Interesse mit einem bestimmten Ergebnis verbindet, dann dürfen wir getrost weghören. Konzentrieren wir uns statt dessen auf das Wesentliche.

frauenquote-danischDas Wesentliche ist die Frage, warum oder wie Claudia Nemat Europa-Chefin geworden ist. Sehen wir uns hierzu ein paar weitere Personalveränderungen bei der Telekom an, neben Nemat wurde die einstige Bildungsministerin von Baden-Württemberg, Marion Schick zum Personalvorstand ernannt. Für das Ressort "Datenschutz und Compliance" sind die ehemalige Justizministerin Brigitte Zypris oder Birgit Grundmann, Staatssekretärin im Justizministerium, im Gespräch.

Besonders die Ernennung von Marion Schick erzürnte die Arbeitnehmervertreter derart, dass sie demonstrativ den Saal des Aufsichtsrats verließen. Schick habe keinerlei Erfahrung im Management von Unternehmen und man könne sich nicht vorstellen, dass sie die Interessen der Belegschaft vertreten könne. Zudem sei man übergangen worden, man habe Frau Schick ernannt ohne die Arbeitnehmerseite in die Suche miteinzubeziehen. Obermann wiegelte ab, die Berufung von Frauen in den Vorstand sei "pure betriebliche Notwendigkeit".

Was signalisiert Obermann damit? Die Erfahrung respektive Qualifikation ist unwichtig, auch die Akzeptanz in der Belegschaft? Hauptsache eine Frau?

Was ins Auge sticht, ist die völlige Ignoranz von Erfahrung, Qualifikation und Arbeitnehmerbelange. Es scheint so, als würde hier bewusst Kollateralschaden in Kauf genommen. Durchaus hat die Telekom hieraus einen Gewinn. Das stete Gezetere um Frauen in Führungsetagen ist nicht nur ungeheuer nervig, es ist auch durchaus schädlich. Langfristig kann hierdurch das Image eines Unternehmens Schaden nehmen. Die Political Correctness gebietet Frauenförderung, und wer hier keine "Erfolge" nachzuweisen hat, wird in die Chauvi-Ecke geschoben.Vielleicht - und man ist sogar schmunzelnderweise geneigt, der Telekom Absicht zu unterstellen - wird hier eine simplere Strategie verfolgt.

Wo andere Unternehmen sich in der Frauenfrage noch um Rechtfertigungen und Versprechungen bemühen, ist die Telekom längst aus dem Schneider. Weder hat es die Telekom damit nötig, sich in der Gleichstellungsdebatte aufreiben zu lassen noch ist sie länger in der Pflicht, intern wirklich ernsthafte Frauenförderung zu betreiben. Die Quote ist vorzeigbar und erschlägt einfach alles, auch jede Kritik mitsamt demjenigen der sie ausspricht. Indem sich die Telekom als beispielgebende Pionierin gibt, ist sie, anders als andere Unternehmen, über jeden Zweifel erhaben. Sie hat sich den politischen Zwängen in vorauseilendem Gehorsam gebeugt und hat damit nun ihren Frieden. Wenn die letzte Quotenfrau ihren Platz eingenommen hat, kann man sich wieder ums Geschäft kümmern. Die Telekom kann sich ein solches Vorgehen leisten, sie ist schließlich groß genug, um den einen oder anderen quotierten Posten schlicht mitzuschleifen.Soll ich ehrlich sein? Genauso würde ich es ebenfalls handhaben. Es ist der einfachste und effizienteste Weg, einer bizarr aufgeblasenen Gleichstellungsdebatte aus dem Weg zu gehen.

Eines aber sollte man sich aus dem Kopf schlagen: Mit Gleichberechtigung hat all dies nichts gemein. Eine Quote sei gut für die Frauen, meint man. Aber für welche Frauen denn? Nun, am Beispiel der Telekom lässt sich das leicht herleiten: für Frauen die hochrangige McKinsey-Beraterinnen, Ex-Ministerinnen oder Staatssekretärinnen sind. Kurzum: im Falle der Telekom - und dies gilt im Allgemeinen - wird durch die Quote keiner ach so fürchterlich unterjochten Frau endlich zu ihrem langersehnten und wohlverdienten Recht verholfen. Der McKinsey-Beraterin, der Ex-Ministerin und der Staatssekretärin - all diesen Frauen ging es seither blendend und in Zukunft eben noch ein klein wenig blendender.

Eine Quote diskriminiere Männer, heißt es. Aber welche Männer? Zum Beispiel Männer wie Thomas Sattelberger, der seinen Vorstands-Posten bei der Telekom jetzt räumen muss um für Marion Schick Platz zu machen. Wie es der Zufall will, ist gerade er der Architekt der Frauenquote bei der Telekom. Dass ausgerechnet er gehen muss ist Ironie aber auch irgendwie konsequent, geht er doch mit gutem Beispiel voran. Sattelberger wird sich mit seiner Situation arrangieren können, hier wurde ebenso wenig ein Exempel am privilegierten, unterdrückerischen Mann statuiert. Er wird schlicht woanders unterkommen, und falls nicht, hat er ausgesorgt, also sei's drum. Dass zumal ehemalige Spitzenpolitiker in Führungspositionen von Unternehmen nachrücken ist ebenfalls keine Neuigkeit, auch bei McKinsey-Beratern ist dies kein ungewöhnlicher Werdegang. Bis auf den Umstand, dass diesmal ein paar Frauen besonders betont zur Schau gestellt werden, passiert hier folglich nichts Neues.

Man muss sich vor Augen halten, dass derlei Quoten nur ein verschwindend kleines Grüppchen von Menschen betreffen. Es sind Luxusgeschöpfe wie besagte McKinseys, Ex-Minister oder Staatssekretäre, was grob über den Daumen gepeilt den obersten paar Hundert entsprechen dürfte. Dem Rest der Bevölkerung darf die Quote derweil getrost egal sein. Es sind die obersten Eliten, welche sich einen Wettstreit darüber auferlegt haben, wer der politisch Korrekteste ist und das Beste für Frauen tut. Und es sind dieselben Eliten, die diesen Wettstreit nun unter ihresgleichen auszufechten haben, indem die eine dem anderen den Posten streitig macht. Früher spielte die gehobene Gesellschaft Golf oder Polo um sich ihres Status zu vergewissern und sich die Langeweile zu vertreiben. Heute spielen sie Frauenquote und bleiben dabei - heute wie damals - meist unter sich. Es geziemt sich eben, gehört zur Etikette, und wer dazugehören will, macht mit.

Auch in Norwegen - welches als Vorbild in Sachen Gleichstellung gilt - hat die Frauenquote für Aufsichtsräte exakt denselben marginalen Effekt. Man hatte sich erhofft, dass dort ein höherer Frauenanteil sich auch in die unteren Hierarchiestufen fortpflanzen würde. Dieser Effekt blieb aus, abgesehen von den Aufsichtsräten hat sich nichts geändert. Von "Goldröcken" ist dort mittlerweile die Rede - gemeint sind damit Frauen, die gleich mehrere Aufsichtsratsposten angehäuft haben. Dieses Phänomen entstand notwendigerweise, da sich schlicht nicht genügend geeignete Frauen fanden, um auf einen Schlag vierzig Prozent aller Aufsichtsratsposten zu besetzen. Und so kommt es, dass eine kleine Gruppe von nur siebzig Frauen mehr als 300 dieser Posten besetzen [2]. Demzufolge sind jetzt mehr Aufsichtsratsposten mit einer Frau besetzt, aber ein und dieselbe Frau sitzt nun in mehreren Aufsichtsräten.

Im Grunde bedeutet dies, dass nicht wesentlich mehr Frauen als vorher sich in norwegischen Aufsichtsräten befinden. Vielmehr haben viele der Frauen, die sich bereits in einer solchen Position befanden, die freigewordenen Posten untereinander aufgeteilt.

Einer ohnehin privilegierten Minderheit von Frauen wurde somit noch mehr Privilegien verschafft. Den Frauen als ganze Bevölkerungsgruppe hat all dies nichts genutzt, ebenso wie es den Norwegischen Männern per se nicht geschadet hat. Ein wenig Stühlerücken und Postensammeln unter den obersten paar Hundert, wen kümmert's.

[1] McKinsey Company 2007–2010: Women Matter (Teile I-IV)

[2] New York Times 27.01.2010: Getting Women Into Boardrooms, by Law

 

 

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