Geschlechterdebatte

Gibt es „gleiche Qualifikation“ ?

30. Juni 2012, von Dr. Alexander Ulfig

Wie selbstverständlich wird in der Gesetzgebung und in der Arbeitswelt von „gleicher Qualifikation“ gesprochen. Bei Bewerbungen um Arbeitsplätze orientiert man sich an der Satzung „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt“. Diese Satzung spielt eine wichtige Rolle in der Beschäftigungspolititk. Sie ist ein wichtiges Instrument, mit dessen Hilfe Frauen auf bestimmte Positionen gehievt werden. Doch kann es „gleiche Qualifikation“ überhaupt geben? Wenn ja, in welchen Berufen? Wie lässt sich Qualifikation bestimmen oder gar messen? Schauen wir uns einige Berufe an!

Qualifikation statt Quote1) Verpacker. Zwei Verpacker sind dann gleich qualifiziert, wenn jeder von ihnen zeitgleich die gleiche Menge von Gegenständen ordnungsgemäß verpackt. Ein anderer Qualifikationsfaktor ist die Ausdauer: Wenn einer der Verpacker bereits nach einer Stunde schlapp macht, der andere erst nach fünf Stunden, ist der letztere für den Job besser qualifiziert. Ähnlich verhält es sich mit Kassiererinnen: Zwei Kassiererinnen sind gleich qualifiziert, wenn jede von ihnen die gleiche Menge von Produkten in der gleichen Zeit kassiert.

2) Verkäufer. Schwieriger wird es, „gleiche Qualifikation“ bei Verkäufern festzustellen. Zwei Verkäufer sind gleich qualifiziert, wenn jeder von ihnen die gleiche Menge von Produkten in der gleichen Zeit verkauft. Oder: Sie sind gleich qualifiziert, wenn jeder von ihnen Produkte im gleichen Wert in der gleichen Zeit verkauft. In diesem Beruf zählen auch noch andere Fähigkeiten, die Qualifikationen bilden, die aber nicht messbar sind, zum Beispiel Freundlichkeit, Überzeugungskraft und Vertrauen schaffen.

3) Wissenschaftler. Zwei Wissenschaftler wären dann gleich qualifiziert, wenn sie gleiche Rezensionen, Aufsätze und Bücher geschrieben, gleiche Vorträge gehalten und gleiche Veranstaltungen gemacht hätten. Ein solcher Fall ist mir aus der Wissenschaftsgeschichte nicht bekannt und ich glaube nicht, dass er jemals eintreten wird. Wissenschaftliche Qualifikationen sind viel zu komplex, um in ihrem Fall von Gleichheit zu sprechen. Wissenschaftler sind immer unterschiedlich qualifiziert. „Gleichheit von Qualifikation“ ist in der Wissenschaft demnach eine Chimäre, also etwas, was es dort gar nicht geben kann. Ähnliches gilt für die allermeisten Berufe, wie zum Beispiel Unternehmer, Ärzte, Juristen, Journalisten und Politiker.

Trotzdem werden der Ausdruck „bei gleicher Qualifikation“ und die Satzung „Bei gleicher Qualifikation werden Frauen bevorzugt“ immer wieder verwendet, um – wie eingangs erwähnt wurde – Frauen zu bevorzugen. In nicht wenigen Fällen lassen sich Qualifikationsunterschiede schwer feststellen. Das liegt daran, dass bestehende Qualifikationskriterien oft mangelhaft und ungenau sind. Oft ist man gar nicht gewillt, nach weiteren, besseren Qualifikationskriterien zu suchen. Da wo die Differenzen schwer zu ermitteln sind, kann immer gesagt werden, dass „gleiche Qualifikation“ vorliegt. In solchen Fällen kann dann schnell zugunsten von Frauen entschieden werden. Anstatt eine gesellschaftliche Gruppe zu bevorzugen, sollten weitere, bessere Qualifikationskriterien ausgearbeitet werden. Somit könnten Stellen an Bestqualifizierte unabhängig von ihrer Gruppenzugehörigkeit vergeben werden. Nur auf diese Weise könnte es eine gerechtere Praxis der Stellenvergabe geben.

Anmerkung

Im Zusammenhang mit der Diskussion um die Frauenquote in der Wirtschaft wird oft hervorgehoben, dass Frauen bessere Hochschulabschlüsse als Männer haben (dabei wird meist nicht spezifiziert, um welche Fächer es sich handelt, sondern ganz allgemein von Hochschulabschlüssen gesprochen, das ist aber hier nicht das Thema). Damit möchte man sagen, dass Frauen besser qualifiziert sind als Männer, in den Führungsetagen der Wirtschaft aber trotzdem unterrepräsentiert sind. Hochschulabschlüsse und gute Noten werden demnach als entscheidende Qualifikationskriterien für den Manager-Job betrachtet. Dabei wird übersehen, dass die Welt voll von herausragenden Managern ist, die gar keinen Hochschulabschluss haben. Als Beispiel kann hier der begnadete Manager Zino Davidoff dienen, bekannt durch Davidoff Zigarren, Davidoff Zigaretten, Kosmetika und andere Produkte, der nach der Schule „nur“ eine kaufmännische Ausbildung im elterlichen Betrieb gemacht hat. Offensichtlich sind für den Manager-Job andere Qualifikationen als Hochschulabschlüsse und gute Noten notwendig.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Family Tenure statt "Kaskadenmodell" - Sexistische Nebenwirkungen universitärer Frauenförderung

6. Januar 2013, von Prof. Stefan Hirschauer, zuerst erschienen in Forschung & Lehre
Warum führen viele weibliche Studierende nicht automatisch zu vielen Professorinnen? Wenn die Gründe dafür vor allem im Privatleben liegen, die Maßnahmen zur Frauenförderung aber auf universitäre Verfahren zielen, dann haben sie nur schwache, dafür aber schädliche Wirkungen.
An Universitäten herrscht seit langem...

Geschlechterdebatte

Sex ist süß, macht aber dumm

30. Juli 2012, von Bernhard Lassahn
Wie der sexistische Blick und totalitäres Denken die Limbo-Latte niedrig hält
Stellen wir uns vor, aus dem Schwimmbecken im Olympiastation wäre das Wasser abgelaufen, und das Becken wäre stattdessen mit unzähligen kleinen Liebesperlen angefüllt. Die eine Hälfte der Perlen wäre rot, die andere weiß. Nun geht jemand mit verbundenen Augen an den Beckenrand und...

Geschlechterdebatte

Zensur zum Weltmännertag

8. November 2012, von Lars Bielefeldt
Ausgerechnet am Samstag, den dritten November, am Weltmännertag, veröffentlichte die Süddeutsche Zeitung (SZ), Print wie Online, einen Artikel der Schriftstellerin Amelie Fried
Dass kaum jemand den Weltmännertag wahrnahm, entspricht meinen Erwartungen und bleibt zugleich bezeichnend. Den Weltfrauentag kann man(n) nie vergessen – dafür sorgen die gefühlten...

Geschlechterdebatte

Quoten-Kunst-Kanon

01. Dezember 2014, von Prof. Adorján Kovács
Es gibt immer noch Bereiche, in denen Männer und Frauen nicht zu gleichen Teilen repräsentiert sind. Dazu gehören die Müllabfuhr und die Stahlgießerei. Auch in den Bergwerken und beim Militär kann es noch vorkommen, dass man auf mehr Männer als Frauen stößt.
Das macht den Genderideologen aber nichts aus, denn diese Jobs sind viel zu anstrengend und...

Geschlechterdebatte

Entweder Gleichberechtigung - oder Gleichstellung!

12. Dezember 2012, von Prof. Günter Buchholz
Der Begriff der Gleichberechtigung wurde bereits 1949 ins Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland  geschrieben. Er gehört zum unveränderlichen Kernbestand der Grundrechtsnormen, und er lautet:
Art 3 GG
(1) Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich.
(2) Männer und Frauen sind gleichberechtigt. Der Staat fördert die tatsächliche Durchsetzung der...

Geschlechterdebatte

Die Frauenquote verstößt gegen Menschenrechte

01. Januar 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Der Menschenrechtsaktivist Aaron Rhodes äußert Bedenken gegen die gesetzliche Frauenquote, die in der Debatte zur Frauenquote bis dato kaum Beachtung fanden.
Aaron Rhodes ist ein bekannter Menschenrechtsaktivist. Er ist Mitbegründer von Freedom Rights Project, einer Initiative, die sich mit der Menschenrechtsproblematik im internationalen Recht...

Gesellschaft

Diskriminierungen – individuell oder kollektiv?

Von Dr. Alexander Ulfig   16. April 2012
Die Frage, was Gerechtigkeit bedeutet, beschäftigt Menschen seit Jahrtausenden. In der Gegenwart konkurrieren kollektivistische Auffassungen, denen zufolge die Gruppenzugehörigkeit für die Beurteilung eines Menschen entscheidend ist, mit individualistischen Auffassungen, für die die Einzigartigkeit (Individualität) des Menschen den höchsten Wert darstellt. Die...

Geschlechterdebatte

Für eine ausgewogene Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik

Offener Brief an den Deutschen Presserat 09. Januar 2014
Wir, die Unterzeichner des Offenen Briefes, wenden uns an Sie, weil wir über die Berichterstattung der deutschen Leitmedien zur Gleichstellungspolitik besorgt sind.
Seit Jahren werden wir fast täglich mit Artikeln konfrontiert, die sehr einseitig über die Gleichstellunspolitik, insbesondere über die Frauenquote, berichten. Wir beobachten mit...

Geschlechterdebatte

Frauenquoten und Statistik-Tricks

18. April 2013, von Thomas Petersen, zuerst erschienen bei DER STANDARD
Die Abstimmung im Deutschen Bundestag über Frauenquoten in Aufsichtsräten könnte auch für Österreich Signalwirkung haben. Wie seriös aber ist die Rechnung, die dem Ansinnen zugrunde liegt?
Oft wird angenommen, dass politische oder andere gesellschaftliche Akteure versuchen, die Öffentlichkeit dadurch zu manipulieren, dass...

Geschlechterdebatte

Individuelle Leistung statt kollektive Quoten

16. Juni 2012, von Dr. Alexander UlfigNirgendwo werden Gehirnwäsche und mediale Manipulation so intensiv betrieben wie in der Debatte um die Frauenquote.
In bestehenden Unternehmen soll eine Frauenquote in den Vorstandsetagen eingeführt werden. Die Einführung der Fauenquote wird dabei als Gleichberechtigung deklariert. Frauen sind aber bereits gleichberechtigt. Bezogen auf die Wirtschaft...

Geschlechterdebatte

Gleichberechtigung durch Bevorzugung? Das Professorinnenprogramm ist ein eklatanter Bruch mit dem Grundgesetz

10. Januar 2013, von Michael Klein, zuerst erschienen auf Sciencefiles.org
Eckhard Kuhla, erster Vorsitzender von Agens e.V., kommt das Verdienst zu, im European auf das Professorinnenprogramm aufmerksam gemacht zu haben, das seit 2007 und “fast unbemerkt von der Öffentlichkeit” vom Bundesministerium für Bildung und Forschung und den Kultusministerien der Ländern konspirativ betrieben wird. 
Ziel...

Geschlechterdebatte

Wider den Gleichstellungswahn

15. Juni, von Lars Bielefeldt, zuerst erschienen bei AGENS
Kommentar eines Studenten zum FAZ-Artikel „Lauter verlorene Männer“ (02.06.12)
Die Grundstimmung, in der wir sozialisiert worden sind, und die Gesellschaft, in die wir nun, als jüngere Generation, hineinwachsen, ist ausgesprochen männerfeindlich, und zwar mit einer Intensität und gleichzeitig einer alltäglichen Selbstverständlichkeit, dass...