Geschlechterdebatte

Rezension: “Frauenquoten – Quotenfrauen” von G. Amendt

28. Mai 2012, von Dr. Alexander Ulfig, zuerst erschienen bei MANNdat

Das Thema „Frauenquote“ ist ein Dauerbrenner. Es wird von der Politik immer wieder auf die Tagesordnung gebracht. In den Mainstreammedien wird eine Hurra-Propaganda für die Frauenquote betrieben, wobei gebetsmühlenartig immer wieder dieselben Parolen und Forderungen vorgetragen werden. Kritische Beiträge zur Frauenquote werden äußerst selten veröffentlicht. Umso erfreulicher und für die Quoten-Debatte förderlicher ist es, dass der renommierte Geschlechterforscher Gerhard Amendt seine kritischen Ansichten zur Frauenquote in dem Buch „Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul …“ zusammengefasst hat.

Frauenquoten QuotenfrauenAmendt behandelt zunächst arbeitsmarktpolitische Gründe für die Frauenquote. Angesichts der demographisch bedingten Verknappung an qualifizierten Arbeitskräften sollen Frauen mittels staatlicher Maßnahmen in den Arbeitsprozess integriert werden. Dass viele Frauen nur halbtags arbeiten möchten, steht den arbeitsmarktpolitischen Erfordernissen entgegen. Um vollständig in den Arbeitsmarkt integriert zu werden, sollen Frauen nicht halbtags, sondern ganztags arbeiten. Das soll notfalls mit Zwang durchgeführt werden. Dieser Aspekt wird in der gängigen Quoten-Debatte kaum genannt.

Doch die Analyse der arbeitsmarktpolitischen Gründe für die Frauenquote bildet nicht den Schwerpunkt des Buches. Amendt konzentriert sich vielmehr auf die soziopsychologischen Aspekte der Quotenpolitik. Um eine Frauenquote zu rechtfertigen, wird das Frauenbild idealisiert, wobei die Idealisierung auf die Berufswelt ausgeweitet wird. Den Satz „Frauen sind die besseren …“, z.B. die besseren Manager, lesen wir bis zum Ermüden in der Mainstreampresse. Diverse „Studien“ sollen dies belegen. „Gesellschaftspolitik ohne Idealisierung von Frauen ist in Deuschland offenbar nicht möglich“, konstatiert Amendt. Diese Idealisierung enthält ein „komplementäres Entwertungselement“: die Abwertung des Männlichen.

Die Frauenquote wird mit der Behauptung gerechtfertigt, dass Frauen von Männern am beruflichen Aufstieg gehindert werden. Da diese Behauptung empirisch nicht belegt ist, hat sich – so Amendts Beobachtung – die Argumentation der Quoten-Protagonisten verlagert. Es wird jetzt argumentiert, dass Frauen keine ausreichende Motivation für ihre Karriere entwickeln konnten. Daher sollen „äußere Erregungsquellen als emotionaler Beschleuniger“ konstruiert werden. Frauen, die Karriere machen möchten, sollen andere Frauen, die bereits Karriere gemacht haben, als Identifikationsobjekte dienen. Zu ihnen gehören Vorzeigefrauen aus Filmen wie „Sex and the City“ oder weibliche Vorstandmitglieder von DAX-Unternehmen. Daraus folgt, dass Quoten-Befürworter eine unrealistische Vorstellung von der Arbeitswelt und den Anforderungen an Spitzenkräfte haben: „Sie glauben, Frauen mit naiven Identifikationsangeboten von erfolgreichen Frauen auf Hochglanzbildern zu Spitzenpositionen ´verführen` zu können.“

Dass der Weg nach oben mit Anstrengungen und hartem Konkurrenzkampf verbunden ist, wird dabei verschwiegen. Bemerkenswert ist, dass die Quote häufig von Frauen gefordert wird, die selbst Quotenfrauen sind und denen die Leistungsorientierung fremd ist. Doch es reicht nicht aus, so wie andere Frauen sein zu wollen oder zeigen zu wollen, dass man es genauso gut wie Männer kann. Durchsetzungs- und Durchhaltevermögen sowie Risikobereitschaft gehören konstitutiv zum Arbeitsleben.

Paradoxerweise führt die Quotenpolitik zum Wiederbeleben von traditionellen Bildern von Männern und Frauen. Sie verstärkt die Vorstellung, dass Frauen im außerfamiliären Bereich nicht viel zuzutrauen ist. Von da aus ist der Schritt zu der Vorstellung nicht weit, dass der „eigentliche Lebensbereich“ von Frauen Heim und Herd sei. Frauen bedürfen der Hilfe von Männern bzw. vom Vater Staat. Sie sollen von den Härten des beruflichen Lebens verschont bleiben. Die Quotenpolitik ist somit eine „Regression zu traditionellen Arrangements von Männern und Frauen“.

Interessant ist die Frage, warum sich Männer für die Frauenquote einsetzen. Die genannten traditionellen Vorstellungen bilden dafür nur einen Grund. Der zweite Grund ist nicht minder wichtig: Männern, besser: einem abstrakten Kollektiv „die Männer“ oder „das Patriarchat“, werden Schuldgefühle „eingeredet“. Sie werden für das Leid der Frauen verantwortlich gemacht. Die Frauenquote kann als eine Wiedergutmachung für dieses Leid angesehen werden.

Quotenpolitik – so eine zentrale Aussage Amendts – ist eine Politik, die den beruflichen Aufstieg von Leistung entkoppelt und an deren Stelle leistungsfremde Kriterien, die Zugehörigkeit zu einem Kollektiv, setzt. Das widerspricht dem individualistischen Gerechtigkeitskonzept, wonach ein Mensch nach seinen individuellen Fähigkeiten und Qualifikationen und nicht nach seiner Gruppenzugehörigkeit beurteilt und eingestellt wird. Amendt plädiert abschließend dafür, dass der einzelne Mensch in den Mittelpunkt der arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen gestellt wird. Dieses Plädoyer beinhaltet auch eine Mahnung: Der Kollektivismus führt notwendigerweise zu totalitären Gesellschaftsformen. Das beweist die Geschichte des 20. Jahrhunderts. Wir sollten dieser Entwicklung entgegenwirken, bevor es zu spät ist.

Gerhard Amendt: Frauenquoten – Quotenfrauen. Oder: Einem geschenkten Gaul …, Manuscriptum Verlag 2011, 75 Seiten, 9, 50 Euro, ISBN 978-3-937801-73-5

 

Weitere Beiträge
Wissenschaft

Schwätzer-Hijacking

18. Mai 2014, von Michael Klein
Wenn das 21. Jahrhundert durch etwas ausgezeichnet ist, dann dadurch, dass das Verhältnis derer, die über etwas reden, im Verhältnis zu denen, die dieses Etwas tun, immer schiefer wird.
Überspitzt formuliert leben wir in einem Zeitalter des Schwätzer-Hijackings, in dem es immer mehr selbst ernannte Experten gibt, die von dem, wovon sie Experte zu sein vorgeben,...

Geschlechterdebatte

AUFRUF an von der Quote betroffene Männer und Frauen

16. Mai 2013, von Eckhard Kuhla
Zum Hintergrund: Die Frauenquote ist inzwischen ein genial aufbereitetes Produkt der Medien, initiiert durch eine kleine Lobby-Gruppe von Frauen, konkreter: eine Gruppe der Radikalfeministinnen. Diese Lobby-Gruppe vermittelt fälschlicherweise den Eindruck, dass sie für “die” Frauen spricht, in realiter arbeitet sie nur für den eigenen Macht-Erhalt und -Gewinn....

Wissenschaft

Autoritative Hochschul- und Gleichstellungspolitik

Die Normierung der Frauen- und Gleichstellungspolitik im Niedersächsischen Hochschulgesetz (NHG) in der Fassung vom 24. Juni 2002
Von Prof. Günter Buchholz   17. April 2012

Mit dem NHG von 2002 wurde von der damaligen SPD-Landesregierung in Hannover eine neoliberale Hochschulreform durchgesetzt, die die partizipative Gruppenhochschule, die eine tatsächliche Mitwirkung an internen...

Geschlechterdebatte

Goldmarie durch Geschlecht - Frauenquote ist Selbstbetrug

24. Juli 2014, von Monika Ebeling
Es war ein eigentümliches Klima in den Siebzigern und Achtzigern des vorigen Jahrhunderts. Ein Klima, in dem sich radikale, abstruse und längst wieder verworfene Ideen, und auch die sogenannte ´Frauenbefreiung´, Bahn brachen.
Man wollte nicht mehr hinnehmen, dass sich ´Frauenrechte´ prozesshaft, gesellschaftskonform oder gar ´bio-dynamisch´  entwickeln.  Nun sollte mit...

Geschlechterdebatte

Wer ist der bessere Chef?

Über feministische Mythenbildung zum Nachteil der Frauen 13. Januar 2013, von Prof. Dr. Walter Simon, zuerst erschienen im PT Magazin
Deutschlands Großkonzerne wollen die Frauenoffensive auf die Chefsessel unterstützen. In der Telekom sollen bis 2015 rund 30 Prozent Frauen Führungsverantwortung übernommen haben.
Fast ein Drittel der Führungsmannschaft der Allianz-Versicherung soll, jedoch ohne...

Geschlechterdebatte

Management - Quotenregelung: Quotenfrauen - Männerfrust?

28. Juni 2014, von Ralf E. Geiling
Frauen und Männer sollten auch in der Arbeitswelt gleiche Chancen haben. Dazu werden nun auf politischer Ebene weitere Weichen gestellt: Der Fahrplan heißt ‚Quotenregelung'. Geraten ‚Männerdomänen' dadurch in Gefahr oder ist das alles nur politisch motiviertes Gerede? Wir haben den Disput zur Frage ‚Qualifikation statt Quote' unter die Lupe genommen.
Zunehmend...

Geschlechterdebatte

Ein historisches Datum

Interview mit Klaus Funken anlässlich der Verabschiedung des Quotengesetzes am 6. März 2015 15. März 2015
Alexander Ulfig: Am 6. März, zwei Tage vor dem Internationalen Frauentag am 8. März, hat der Deutsche Bundestag das Quotengesetz, das „Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst“, wie es...

Geschlechterdebatte

Die gesellschaftlichen Kosten einer gesetzlichen Frauenquote

Von Michael Klein   12. April 2012zuerst erschienen auf Sciencefiles.org
Politiker sprechen gerne von der Wissensgesellschaft, vom lebenslangen Lernen und davon, dass die moderne Welt so komplex ist. Fast als hätten manche von Ihnen Michael E. Porter gelesen, sind sie der Überzeugung, dass moderne Industriestaaten vor allem aus dem Wissen und der Technologie, die sich in Innovationen umsetzen...

Geschlechterdebatte

Die Frauenquote ist eine Niederlage!

21. Juli 2013, von Monika Ebeling
Die Hauszeitung “Vorwärts”  der deutschen Sozialdemokratie liegt vor wenigen Tagen wieder in meinem Briefkasten. Wie immer blättere ich etwas lustlos drin herum und suche nach Beiträgen, die mich interessieren könnten.
Ich lese vom Stolz eines Genossen, in der SPD zu sein, davon, dass Vielfalt der Partei gut tut und dass die SPD eine Politik machen will, in der...

Geschlechterdebatte

So machen Sie Quotengegnergegner mundtot

4. Oktober 2012, von Stefan Sasse, zuerst erschienen auf Oeffinger Freidenker
"So machen Sie Quotengegner mundtot" verspricht die SZ anhand von den beliebtesten handentkräfteten Gegenargumenten zu erklären.
Was folgt, ist ein jeweils "beliebtes" Gegenargument zur Quote in Vorständen, um danach entsprechende Pro-Quote-Argumente zu bringen. Das ist natürlich ein Spiel, das zwei spielen können,...

Politik

Piratinnen – ein Frontbericht

23. Juni 2012, von Hadmut Danisch, zuerst erschienen in Hadmut Danischs Blog
Aus der deutschen Blogosphäre erreichte die Cuncti-Redaktion soeben folgende Meldung:
Ich hatte neulich gebloggt, dass ich der Piratenpartei beigetreten bin, allerdings erst mal probeweise für ein Jahr. Und dass ich darüber berichten wolle, im Guten wie im Schlechten. Hier nun ein Bericht über schlechte Erfahrungen.
Ich war vorhin...

Bildung

Wie sinnvoll sind anonymisierte Bewerbungsverfahren?

Von Dr. Alexander Ulfig   8. April 2012Familienministerin Kristina Schröder führte im August 2010 anonyme Bewerbungen für ihr Ministerium ein. Die Bewerber sollten im Lebenslauf weder Namen, noch Geschlecht, Alter, Familienstand, Religion, Behinderung oder Nationalität angeben. Erst beim Vorstellungsgespräch ist es notwendig, die eigene Identität preiszugeben. Für Ministerin Schröder soll dieses...