Geschlechterdebatte

Ansichten eines gefährlichen Clowns

Von Bernhard Lassahn   17. März 2012

„Glauben Sie’s doch einfach“, sagte sie, „einfach glauben. Sie können sich nicht vorstellen, wie der eiserne Wille, einfach etwas zu glauben, hilft.“ So heißt es bei Heinrich Böll in den ‚Ansichten eines Clowns’. Glauben muss man auch, was jüngst im Auftrag der Böll-Stiftung als „Studie“ über die „Antifeministische Männerrechtsbewegung“ veröffentlicht wurde. Überzeugen kann es nicht. „Nagel und Schraube, Wissen und Glaube“, sagt der Volksmund. Was Hinrich Rosenbrock da zusammengenagelt hat, zeigt kein Wissen, und ist keine Wissenschaft.

Darüber müssen wir uns zum Glück nicht streiten. Es gibt Kriterien. An denen hat Michael Klein im Forum ‚Kritische Wissenschaft – critical science’ die „religiöse Schrift“ von Rosenbrock gemessen: das Ergebnis ist eindeutig. Heike Diefenbach hat sich schon bei ihren Studenten entschuldigt; die kommen sich verschaukelt vor, wenn sie bei ihr lernen müssen, wie man richtig wissenschaftlich arbeitet und wenn sie dann vorgeführt kriegen, dass es auch so geht. Jedenfalls bei Ilse Lenz vom Lehrstuhl für ‚Soziologie, Soziale Ungleichheit und Geschlecht’, die Rosenbrocks „Arbeit“ betreut hat.

Die Studie will zeigen, dass die Männerrechtler „rechts“ stehen und in letzter Zeit „Angriffe“ gestartet haben, um Debatten über Geschlechterfragen „zu stören“. Doch Rosenbrock weiß so wenig – so wenig über die „neuen“ oder „extremen“ Rechten. Dabei würden wir gerne davon etwas wissen.

Götz Aly hat neulich eine Diskussion losgetreten, die im Grunde nicht neu ist; es geht um die Frage, ob der Nationalsozialismus so etwas wie das schwarze Schaf unter den sozialistischen Bewegungen war – das braune Schaf sozusagen. Da stellt sich die Frage, was überhaupt rechts ist. Hier erfahren wir es nicht. Rosenbrock behauptet nur, dass etwas „rechts“ oder „rechtsextrem“ ist, ohne zu erklären, was er damit meint. Er schreibt wie jemand, der sich sicher ist, dass sowieso alle wissen, wovon er redet, er setzt ein Schulterklopfen voraus. Und so nennt er keine Programme, keine Positionen und als Namen hauptsächlich einen.

Richtig. Genau den. Der taucht gleich zu Anfang auf und auch in der Ankündigung auf der Seite der Böll-Stiftung: „Die Brisanz antifeministischer Ideologien, u.a. in der Diskussion um rechtes Gedankengut, wird auch in den Behauptungen des norwegischen Attentäters Anders Behring Breivik deutlich.“

Dessen „Behauptungen“ kommen jedoch auf den knapp 180 Seiten nicht vor. Auch um eine „Diskussion um rechtes Gedankengut“ geht es nicht. Der Name Breivik dient nur als Symbol für Gewalt. Darum geht es. Hinrich Rosenbrock schreibt wie ein schlechter Krimiautor, der sich im Grunde für nichts interessiert, weder für die Glaubwürdigkeit seiner Figuren noch für das politische Umfeld, sondern nur für die Möglichkeit, den Mann mit der Knarre auftreten zu lassen – „the man with the gun“, wie es bei Raymond Chandler heißt, der allerdings ein guter Krimiautor ist.

Auch über die Männerrechtler erfahren wir so gut wie nichts. Auch ohne eine Studie wissen wir, dass es Schwule und Väter gibt – zwei Interessengruppen, die ausschließlich aus Männern bestehen, zu denen sich Sympathisanten gesellen. Zu den Schwulen sagt er nichts. Die Väter erwähnt er immerhin am Rande und gesteht ihnen zu, dass sie berechtigte Anliegen haben. Er meint jedoch, dass sie gesondert behandelt werden müssen. Hier kneift er. Damit ist sein Bericht so wertlos wie ein Reiseführer über Japan, in dem die beiden Hauptinseln Honshu und Kyushu unberücksichtigt bleiben.

Was steht denn überhaupt in dieser mühsam zu lesenden Expertise? Es ist wirklich anstrengend: Allein die Wiederholungen lassen den Verdacht aufkommen, dass gar nicht oder nur flüchtig gegengelesen wurde. Es geht - wie es im Untertitel heißt - um „Denkweisen, Netzwerke und Online-Mobilisierung“. Was mag das sein? Es klingt irgendwie bedrohlich. Droht ein Cyber-Krieg?

Um dieser „Mobilisierung“, die auch als „Angriff“ bezeichnet wird, auf die Spur zu kommen, hat Rosenbrock ein Forum besucht, das „wgvdl“ heißt: ‚Wie viel „Gleichberechtigung“ verträgt das Land?’ Es ist ein offenes Forum, ein digitaler Stammtisch. Genau da, mag er gedacht haben, findet sich, was er sucht: Aufrufe zur Gewalt, Bekennerschreiben und das, was er nach Judith Buttler „Hate Speech“ nennt. Wie ein Sportreporter, der gar nicht vorhat, über die Leistungen der Mannschaft zu schreiben, hat er sich in die Umkleidekabine geschlichen in der Hoffnung, dass er da etwas Beiseitegesprochenes aufschnappt, das die Gefährlichkeit dieser Männer belegt.

Wenn man sich sowieso nicht für die tatsächlichen Probleme der Männer interessiert, dann bietet sich so eine Versuchesanordnung an: Da stört es auch nicht, dass Äußerungen, die da anonym gepostet werden, keinerlei Beweiskraft haben und dass so ein Forum kein einheitliches Bild abgibt. Wegen Meinungsverschiedenheiten gibt es inzwischen sogar zwei ‚wgvdl’-Foren, die aufgrund ihrer graphischen Gestaltung (besser gesagt: dem Fehlen jedweder Gestaltung) auch „gelbe Seiten“ genannt werden. Der Lauscher Rosenbrock hat da Formulierungen gehört, die ihm aufstoßen. Einer der User spricht von „Geschlitzten“, wenn er Frauen meint. Und es kommt noch schlimmer. Es gibt Tiervergleiche! Männer, die sich überangepasst gegenüber Feministen verhalten, werden als „lila Pudel“ bezeichnet. Es gibt auch das Verb: „er, sie, es pudelt“.

Ich vermute, dass Lady Bitch Ray so etwas nicht in den Mund nehmen würden, weil es ihr zu harmlos wäre. Für Rosenbrock ist es too much. Dabei gelten Pudel als intelligent. Schopenhauer hatte einen. Mit „lila Pudel“ wird der „dressierte Mann“ bezeichnet; einer, der „Männchen“ macht. In englischsprachigen Texten heißen solche Leute „white knights“. Es geht dabei nicht nur um die berühmten Weicheier, gemeint sind auch die falschen Kumpel, die einem Alkoholiker einen Schnaps spendieren, Trittbrettfahrer, die auf den falschen Zug gesprungen sind oder einer peinlichen Mode nachlaufen.

Auf seinen Pudel ist er mächtig stolz, er erwähnt ihn immer wieder und hält sein Forschungsergebnis offenbar für einen „dicken Hund“. Leute, die so genannt werden, hat es voll erwischt: „Mit dem Begriff ‚Lila Pudel’ wird ihnen unter anderem die Menschlichkeit und Männlichkeit abgesprochen.“ Nicht auszudenken, was ihnen sonst noch alles abgesprochen wird. Einer der User hat sogar eine „öffentliche chirurgische Geschlechtsumwandlung“ für „lila Pudel“ imaginiert. Da hört der Spaß auf. Rosenbrock dazu: „Dass diese Phantasien durchaus auch ernst gemeint sind, zeigt sich daran, dass im Forum Listen mit namentlicher Nennung von ‚Pudeln’ existieren.“

Er stellt sich seinerseits auch etwas vor – und zwar: „Eine strafrechtliche Verfolgung von einzelnen Aktivist/innen, gerade aus dem Bereich des ‚wgvdl’-Forums, bei kriminellen Taten wie Bedrohungen oder Volksverhetzung ...“ Volksverhetzung? Da stelle ich mir gleich eine Pudel-Demo vor dem Brandenburger Tor vor, bei der die Pudel kleine Plakate hochhalten mit der Inschrift: Wir sind das Volk.

Große Worte, kleine Belege. Aus einem Knochensplitter rekonstruiert er ein riesiges Saurierskelett. Es ist fürwahr eine magere Ausbeute. Wen wundert das? Er hätte sich denken können, dass ein „offenes“ Forum an beiden Seiten offen ist. Da kann nicht nur jeder schreiben. Da kann auch jeder drin lesen. Geheimnisse oder Überraschungen wird man da nicht finden.

Für ihn reicht es. Ihm wurde „ ... deutlich, dass die Betreiber/innen und die meisten User/innen von ‚wgvdl’ eine Gesellschaft anstreben, in der Männer, u.a. essentialistisch begründet, eine Vormachtstellung haben; der Feminismus ausge­rottet wird; Gleichstellungspolitik, Frauenforschung wie auch Frauenhäuser abgeschafft sind; Homosexualität abgewertet wird und Frauen vor allem als sexuelle Objekte gesehen werden.“ Und weiter: „Angesichts des Ausmaßes der Gewaltandrohungen besteht hier Handlungsbedarf in Bezug auf rechtliche und zivilgesellschaftliche Schritte.“

Außerdem hat er sich noch einen weiteren - zumindest auf den ersten Blick - gänzlich ungeeigneten Forschungsgegenstand vorgenommen: den Verein ‚agens’. Über den lässt sich nicht viel sagen, er ist bisher hauptsächlich durch eine Buchveröffentlichung aufgefallen. Die Parole des Vereins lautet „MITeinander“ mit großem MIT. Das klingt unverdächtig. Dennoch. Diesem e.V. widmet er überproportionale Aufmerksamkeit, als wollte er Versäumnisse an der falschen Stelle ausgleichen. Hier nennt er endlich ein paar Namen, zeichnet kleine Porträts und macht sich die Mühe, Info-Texte abzuschreiben:

„Eckhard Kuhla ist Diplomingenieur, Autor, Publizist und politischer Kabaret­tist. Gemeinsam mit seiner Frau Ramona Kuhla trat er mit der Kabarett-Gruppe ‚Die Giftspritzen’ auf, die sich u.a. auch mit geschlechterpolitischen Fragen befasste. Außerdem ist er in der Mobilitätsinitiative ‚Moin’ aktiv, die sich mit Konzepten nachhaltiger Mobilität befasst. Gemeinsam mit seiner Frau tritt er immer wieder bei ‚Medrum - Christliches Informationszentrum’ in Erschei­nung ...“

Und? Wo bleibt die Gewalt? Wo schlummert das Böse? Vielleicht hier: „Eckhard Kuhla befürwortet (also) eine traditionelle Rollenver­teilung und versucht diese mit einem essentialistischen Geschlechterbild zu untermauern.“ Essentialistisch! Na dann. Das gilt auch für Monika Ebeling, auf die sonst nichts von allem, was er an Kriterien anwendet, zutrifft: Sie ist kein Mann, keine Antifeministin (sie sagt das so, er hält sie dennoch für eine, die es bloß nicht wahrhaben will), sie ist nicht politisch rechts, und sie neigt weder zu Gewalt, noch zu Hassparolen. Ihr Ton ist moderat, wie man in ihrem Blog ‚Geschlechterdemokratie’ nachlesen kann. Aber: Sie „bezieht sich auf essentialistische Geschlechtsvorstellungen.“ Mehr noch: Sie „vertritt einen essentialistischen Geschlechterdualismus.“

Als wenn das nicht genug wäre: Auf der offiziellen Internetseite der Stadt Goslar, wo sie als Gleichstellungsbeauftragte tätig war, hatte sie den ‚vaeternotruf’ verlinkt. Auf dessen Homepage wiederum findet man einen Wahlaufruf für die Piraten-Partei und eine Kritik am Bundesverfassungsgericht, in dem die Worte „Herr Hitler aus Braunau“ vorkommen.

Es ist die gefürchtete Messerwerfer-Methode. Ein Messerwerfer wirft nicht auf die Frau, die sich vor der Zielscheibe aufgestellt hat, sondern haarscharf daneben. So auch Rosenbrock. Er geht nicht auf Zitate von Monika Ebeling ein, sondern auf etwas, das knapp daneben liegt; auf etwas, das ihr nahegelegt wird: Sie ist „guilty by association“.

Ich auch. Dabei bin ich ebenfalls kein Antifeminist (das behauptet er zwar, ich weiß es zufällig besser). Was habe ich getan? Ich habe behauptet, dass Vater und Mutter „sehr unterschiedliche Rollen“ hätten. Das zeigt deutlich, dass ich einen „essentialistischen Geschlechtsdualismus“ vertrete – nein, kleiner Scherz: „einen biologischen Geschlechtsdualismus“. Ein bisschen Abwechslung bietet er schon. Zusammenfassend gehöre ich dann aber auch zu denen, die „essentialistische Familienvorstellungen“ haben. Also doch. „Essentialistisch“ ist sein Lieblingswort. Es kommt so oft vor, dass man den Text gut als Sprachübung für Leute mit einem S-Fehler nutzen kann.

Was geht hier vor? Sein Vergleichsmaßstab ist das „sozial konstruierte Geschlecht“, wie er es in den Gender-studies gelernt hat. Dem gegenüber liegen die „Essentialisten“, die - wie er zumindest unterstellt - in dem Geschlecht etwas Wesenhaftes sehen, vielleicht sogar etwas Biologisches. Na, gut. Doch woran erkennt er das? Es lässt sich an all den von ihm bemühten Beispielen gar nicht festmachen. Vertraut er da seinem Bauchgefühl? Oder hat er einen geheimen Essentialismus-Detektor?

Er weiß selber, wie kleinlich die Vorhaltungen sind und er betont auch, dass ‚agens’ zu den leisen Stimmen gehört. Und warum widmet er sich denen dann so ausgiebig? Weil sie genauso rechtsextrem und gewalttätig sind. Wie das? „Es lassen sich zwar zwei Lager, ein eher gemäßigtes und ein extremes ausma­chen, diese lassen sich aber aufgrund interner Vernetzung nicht eindeutig trennen. Außerdem befasst sich keines von beiden mit der Abschaffung noch bestehender weiblicher Benachteiligung ...“

Stimmt. Beide Lager überlassen die Abschaffung „weiblicher Benachteiligung“ Leuten, die dafür bezahlt werden. Da ist schon eine gewisse (wenn auch unbedeutende) Gemeinsamkeit gegeben. Doch da war noch etwas: die „interne Vernetzung“!

Hier ist der Hot-spot seiner Studie: Das Zauberwort „Vernetzung“ wird als Vorwand genommen, um nicht mehr zu unterscheiden – nicht mehr zu unterscheiden zwischen gemäßigt und extrem, zwischen Impuls und Empfänger, Kopie und Original, Relation und Ursächlichkeit, geistigem Eigentum und Raubkopie. Ich nehme wieder mich als Beispiel. Ich war es nämlich: „er ... greift Feminismus als ‚sexistische(n) Rassismus’ an“.

Womöglich ist das den Lesern der ‚Achse des Guten’ nicht aufgefallen. Man konnte es in meinem Beitrag ‚Der Tag, an dem ich die Frauen verstehe’ leicht übersehen. Ich habe da von jemandem erzählt, der letztlich dahin kommt, den Feminismus als „sexistischen Rassismus“ zu erleben. Ich schrieb in der dritten Person. Ich zitierte selber. Doch solche Feinheiten verschwinden in der Schlamperei eines Nachwuchswissenschaftlers und im Weltbild eines Internet-Idioten, für den eh alles eins ist, und der in der Wunderwelt des Netzes nur die dunkle Seite des Mondes sieht, die alle Katzen grau macht.

Hier sind die Stationen der schiefen Bahn, auf die er da geraten ist: Wenn eine „Verlinkung“ vorhanden ist, dann ist das bereits eine „Vernetzung“, und zwar eine, die einer „Strategie“ folgt. Die Vernetzung lässt auf eine „Schnittmenge“ schließen und zwar auf eine „essentielle“. Damit ist „alles“ gesagt. Schon habe ich Pol A und Pol B gleichgeschaltet. Sie sind nicht mehr zu unterscheiden.

Beispiel: Mit der Seite ‚free-gender’, die sich in krassen Worten gegen Gender Mainstreaming wendet, hat er eine Adresse identifiziert, die eindeutig rechtsextrem ist, auch wenn sie gleichwohl für die rechte Szene untypisch ist. Die Anlaufstelle ist ihm bekannt: ein Haus, in dem auch die NPD ein- und ausgeht. Wer darauf verlinkt oder von da aus verlinkt wird, ist sofort infiziert. Das Internet macht es möglich – besser gesagt, seine Vorstellung davon als Schaltstelle zur Verbreitung ansteckender Krankheiten.

Ohne diesen Mythos vom großen Virus wäre ein Mann aus Leipzig, der möglicherweise NPD wählt, mit einem Antifeministen aus Zürich nicht „intern verlinkt“, so dass die beiden „nicht mehr deutlich zu unterscheiden“ sind. Sie wären sogar leicht zu unterscheiden. Es wären einfach nur zwei Männer mit einer Gemeinsamkeit: einer kritische Einstellung zu GM. Sie wären wie zwei Patienten, die zufällig im Wartezimmer nebeneinander sitzen und nur eines gemeinsam haben: Zahnschmerzen. Jeder seine.

Leute, die nicht unterscheiden können, gab es schon, bevor es Computer gab. Es geht auch ohne Strom. Georg Kreisler berichtet in seinem Lied vom ‚Musikkritiker’ von einem zutiefst unmusikalischen Menschen, der kein Stück vom anderen unterscheiden kann und daher von sich sagt: „Für mich ist das alles nur laut!“ So kann auch Rosenbrock singen: Für mich ist das alles rechts!

Jemand spricht von einer „Bundesbananenrepublik“. Er merkt es sofort: „Die hier beschriebene, spezifische Ablehnung der BRD als Staatsform weist starke inhalt­liche Übereinstimmungen mit extrem rechten Positionen auf.“ Für mich wiederum ist diese Art von Argumentation Banane. Bei ihm wird auf Pudel komm raus beschuldigt und verallgemeinert, bis der Arzt kommt und mit ihm die Polizei: Männerrechtler sind homophob, tendenziell homphob oder teilweise homophob. Egal. Differenzierung war gestern. Hier zahlt sich aus, dass er die Schwulen rechtzeitig ausgeklammert hat, nun kann er sie alle in einen Topf werfen. Antisemitisch sind sie auch. Der erwähnte Mann mit der Banane ist besonders übel, denn er „verharmlost regelmäßig die Shoa“ (immer Di. und Do. zwischen 14.oo und 16.oo Uhr).

Hoffentlich habe ich nichts vergessen: Die Liste der Anklagepunkte ist lang; es wimmelt im Forum von „Gewaltaufrufen, Frauenhass, Homophobie, offenem biologischen und kulturellen Rassismus“. Hinzu kommen noch Essentialismus, Antisemitismus, Volksverhetzung und – einer geht noch – Verfassungsfeindlichkeit. „Es muss jedoch auch darüber nachgedacht werden, inwieweit eine Plattform, auf der teilweise klar verfassungsfeindliche Positionen vertreten werden, noch unter den Schutz der Meinungsfreiheit fällt.“ Glanzpunkte der Peinlichkeit werden erreicht, wenn er Professor Gerhard Amendt vorwirft, nicht wissenschaftlich zu arbeiten und den Antifeministen, dass sie den Feminismus nicht differenziert betrachten.

Das also sind die angekündigten „Denkweisen“. Mit denen wird nun - zumindest behauptet er das - ein „Angriff“ gestartet, der über das Netz erfolgt, als so genannte „Online-Mobilisierung“. Die Gefahr besteht allein schon darin, dass es das Internet gibt – allein darin, dass die Foren „offen“ sind und sich „vernetzen“ können, wie es sich wieder mal bei den „gelben Seiten“ zeigt: Da „ ... werden rechtsextreme Seiten verlinkt und als Quellen genutzt. Damit stellt ‚wgvdl’ (...) eine Infrastruktur zur Verfu?gung, die durchaus von Teilen der Neuen Rechten genutzt werden kann ...“ Ein Vorwurf, den man auch gegen die Berliner Verkehrsbetriebe erheben kann. Die stellen mit ihrem S-Bahn Netz eine „Infrastruktur zur Verfügung“, die „durchaus“ auch „von Teilen“ der Schwarzfahrer genutzt werden kann.

Man kann sich fragen, warum jemand, der so wenig Verständnis von der politischen Landschaft, von der Situation der Männer und von den Möglichkeiten des Internets hat, überhaupt so eine Studie schreibt. Es gibt eine Antwort, die diesmal nicht Heinrich Böll, sondern Upton Sinclair gibt: „Es ist schwierig, jemanden etwas verstehen zu machen, wenn sein Einkommen davon abhängt, es nicht zu verstehen.“

Es ist eine Gefälligkeitsstudie. Es ist bestellte üble Nachrede. Hinrich Rosenbrock ist (Achtung Tiervergleich) ein Schmierfink, er ist (Achtung Fremdwort) ein Sykophant. Der angemessene Untertitel der Studie könnte lauten: Handreichungen für den modernen Denunzianten. Ob er dieses Geschäft betreibt, weil er damit freiwillig eine Rollenvorgabe gewählt hat, oder ob er essentiell ein Falschbeschuldiger ist, kann ich allerdings nicht beurteilen.

Er ist nicht zimperlich mit Beschuldigungen. So erzählt er (im Interview mit dem SWR 2), dass radikal antifeministische Männerrechtler bei Arbeitgebern „intervenieren“, damit Frauen „ihre Jobs verlieren“. Da muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen – das Telefon klingelt: „Hallo?“ - (verstellte Stimme) „Hier spricht der Antifeminist“ - „Oh. Was kann ich tun?“ - „Sie haben eine Feministin angestellt“ - „Danke, dass Sie es sagen. Ich werde sie sofort entlassen“ - „Wir meinen es nur gut mit Ihnen“.

Wegen so einer Räuberpistole traue ich auch dem Braten nicht, wenn er von „Morddrohungen“ spricht, die er erhalten hat. Damit ist nicht zu spaßen. Ich habe selber mal eine erhalten; es ist nicht schön – es war allerdings nur die Androhung von „schwerer körperlicher Gewalt“, wie mir mein Anwalt erklärt hat. Ich wusste auch, worum es ging und von wem es kam.

Das weiß ich in seinem Fall nicht. Who (...) is Hinrich Rosenbrock? Ein 26jähriger Student. Wenn Antifeministen einen Groll hegen und Hass schieben, wird sich der gegen einen Familienrichter oder Anwalt richten. Aber nicht gegen einen Nobody. Auf den gefürchteten „gelben Seiten“ machen sich die User über ihn lustig und nennen ihn „Rosenröckchen“. Verdächtig ist, dass er schon mit Morddrohungen auftrumpfte, eh die Studie vorgestellt wurde (WDR 5, zur Ankündigung der Veröffentlichung).

Hier wird der Krimi richtig schlecht. Denn der böse Mann hat kein Motiv mehr. Er ist böse, weil er böse ist. Durch und durch. Schon Schopenhauer hat darüber nachgedacht – vielleicht bei einem langen Spaziergang mit seinem Pudel: In der Trivialliteratur, über die sich Schopenhauer ärgerte, wird nicht verstanden, da werden mutwillig Ressentiments geschürt. Da ist das Böse einfach da, zur Unterhaltung des Publikums. Es wird nicht erklärt. Es ist essentiell.

Die Studie sagt mehr über den Verfasser aus als über das Thema.

 

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