Geschlechterdebatte

Hans Alef: „Mir wurde vorgeworfen, ich wäre kein Mann, sondern ein Parasit“

Von Arne Hoffmann   21. März 2012

Für den heutigen Beitrag habe ich den Männerrechtler Hans Alef über die Schwierigkeiten befragt, mit denen ein Leben als Pionier im Bereich neuer Geschlechterrollen noch immer verbunden ist.

Arne Hoffmann: Hans, wie bist du zur Männerbewegung gekommen, und in welcher Form engagierst du dich dort?

Hans Alef: Mit Gleichberechtigung beschäftige ich mich schon seit ungefähr 20 Jahren. Schon damals kam mir der Eindruck, dass zwar die feministische Seite männliche Privilegien oder scheinbare Vorteile eroberte (was ich für vollkommen legitim halte), im Gegenzug aber kein Millimeter an Rechten und Vorteilen in typisch weiblichen Gebieten (z.B. Familienrecht und Rollenfreiheit) aufgegeben werden sollte. Im Gegenteil, diese Rechte wurden noch zusätzlich massiv ausgebaut.

Die Bestätigung meiner Annahme bekam ich vor ca. zwölf Jahren als ich Hausmann und Berufsvater wurde. Die größten Anfeindungen bezüglich dieser Rolle kamen von Frauen, insbesondere von Feministinnen, hatte ich mich doch ihrer Ansicht nach aus der Versorgerrolle herausgemogelt und weibliches Hoheitsgebiet betreten.

Dazu kamen Ungerechtigkeiten Männern gegenüber hinsichtlich der Wehrpflicht, Gesundheitsversorgung, früherer Rentenanspruch bei gleichzeitiger höherer Lebenserwartung von Frauen.

Was mich aber am meisten schockierte, war die faktische Entrechtung von Vätern (insbesondere von nicht verheirateten Vätern) nach einer Trennung sowie die beliebige Austauschbarkeit von biologischen, sozialen und juristischen Vätern unter anderem durch das Verbot heimlicher Vaterschaftstests.

Irgendwann stieß ich dann im Internet auf den Verein MANNdat und war erfreut zu sehen, das dort einige Menschen meine Gedanken zum Thema formulierten und aktiv wurden. Ein paar Jahre später wurde dann der Verein AGENS gegründet, in dem ich Mitglied bin und mich engagiere.

Meine Interessenschwerpunkte sind Väterrechte und Jungenförderung.

Arne Hoffmann: Du berichtest, dass du die größten Anfeindungen wegen deiner Rolle als Hausmann von Feministinnen erhalten hast ...

Hans Alef: Das hat hauptsächlich im Internet stattgefunden, da man dort ungehindert durch soziale Regeln anonym das schreiben kann, was man auch wirklich denkt.

Da wurde mir vorgeworfen, ich wäre kein Mann, sondern ein Parasit, der seine Frau ausnutzt und sich auf ihre Kosten ein faules Leben macht. Das Kind, so hieß es, gehöre vor allem in den ersten Lebensjahren – aber auch danach – gefälligst zur Mutter. Aus dem Slogan "Mein Bauch gehört mir!" wurde also "Mein Kind gehört mir!"

Man fragte mich, was wäre, wenn meine Frau sich ein weiteres Kind von einem anderen Mann wünschen würde, und es hieß, so wäre die Emanzipation aber nicht gemeint, dass jetzt Väter zu Hausmännern würden! Ich wäre berechnend vorgegangen und hätte meine Frau durch unsere Heirat nur als Versorgerin für mein faules Leben benutzt.

Ich wurde sozial isoliert, verhöhnt und verlacht – schlimmer und perfider als dies ein Macho jemals könnte.

Es klangen auch gefährlichere Töne an, die sich in Formulierungen fanden wie: "Man muss sich fragen, warum ein Mann, statt einem ordentlichen Beruf nachzugehen, sich lieber den ganzen Tag mit Kindern beschäftigt ..." Die gehässigen Andeutungen und Unterstellungen, die mit solchen Sätzen verbunden waren, waren unüberhörbar.

Eine mir bekannte Diplom-Psychologin, die als Betreuerin (Vormund) arbeitet, nannte mich in ihrer Wut einen "verantwortungslosen Verpisser" und drohte mir an, sie wolle mich durch eine befreundete Psychiaterin entmündigen lassen (was mich natürlich schwer geschockt hat).

Dazu kamen permanente ungefragte Einmischungen in meine Rolle als Vater hinsichtlich der Erziehung meiner Kinder, zum Beispiel ob ich denn auch gesund kochen würde, ob ich den Haushalt überhaupt zur Zufriedenheit meiner Frau führen würde und so weiter.

Die Anfeindungen liefen schließlich auf die Forderung hinaus, Ehe und Familie abzuschaffen zugunsten eines Kollektivs, in dem die Gesellschaft alle Kinder von Geburt an betreut, also angefangen bei der Kinderkrippe bis hin zum Schulabschluss. Biologische Vaterschaft wäre nur insofern von Bedeutung, als man eben männliches Sperma brauche. Männer werden in diesem Weltbild auf rechtlose Samenspender und finanzielle Versorger reduziert.

Während die Hausfrau als abhängige Sklavin ihres Ehemanns angesehen wird, ist der Hausmann in den Augen dieser Feministinnen ein Schmarotzer. Und so wie alle Frauen werden auch Familienernährerinnen in dieser Ideologie als Opfer gesehen.

Wie schon Warren Farrell erkannte, wird Vätern das Privileg der Rollenfreiheit schlicht nicht zugestanden.

Arne Hoffmann: Nun würden die wenigsten Feministinnen eine Hausfrau als Parasitin bezeichnen. Kaum tut ein Mann genau das, was traditionellerweise Frauen tun, geht massive Hetze los. Wie erklärst du dir diese Aggressionen gegen dich?

Hans Alef: Dahinter steckt nichts anderes als Machtstreben. Das Kind wird als Eigentum betrachtet. Es geht den Ideologinnen im Endeffekt um die Schaffung eines Matriarchats und damit die Abschaffung jeglicher Väterrechte. 

Arne Hoffmann: Soviel also zu den Reaktionen aus dem Feminismus. Wie sieht der Rest der Gesellschaft aus? Die Medien feiern die "neuen Väter", Politiker beschimpfen Männer, die dem klassischen Rollenmodell anhängen, als von der Evolution überholte Dinosaurier ... Bist du in deinem Alltag als Rollenpionier so umjubelt und gefeiert, wie das Politik und Medien zufolge der Fall sein müsste?

Hans Alef: Na ja, wirklich gefeiert werden nur die erziehenden Väter, die auch Karriere machen und Frau und Kinder versorgen, also die eierlegende Wollmilchsau. Ich bin im Alltag überhaupt nicht umjubelt und gefeiert worden – im Gegenteil, ich bin von Männern und Frauen jeglicher politischer Coleur verachtet worden, mit Ausnahme von wirklich freiheitlich-liberalen Menschen.

Arne Hoffmann: Du wurdest schon in verschiedene Fernsehsendungen eingeladen, um über deine Erfahrungen zu berichten. Ins SWR-"Nachtcafé" bist du noch gegangen, aber bei "Hart aber fair" und "Frau TV" hast du dankend abgelehnt. Warum?

Hans Alef: Die Redaktion von "Hart aber fair" bei denen ich mich als Hausmann für ein Väterthema beworben hatte, wollte mich als gescheiterten Hausmann darstellen, also jemanden, der öffentlich erklärt, mit dieser Rolle einen Fehler begangen zu haben. Ich empfand das als Unverschämtheit und sagte, das ich trotz der massiven sozialen Isolation diese Rolle erneut übernehmen würde, wollten wir noch ein Kind haben. Ich hatte den Eindruck, nur als Statist für ein von der Redaktion vorgegebenes Konzept dienen zu sollen, und habe daher abgelehnt. Bei "Frau TV" hatte ich das mulmige Gefühl, dass man mich vorführen wollte, deshalb war das auch nichts für mich.

Arne Hoffmann: Auf ganz besondere Weise "dankt" dir die Heinrich-Böll-Stiftung deine Vorreiterfunktion, was neue Geschlechterrollen angeht: Dort bringt man (also Ilse Lenz und Hinrich Rosenbrock) dich als AGENS-Mitglied auf reichlich absurde Weise mit Rechtsextremen in Verbindung – als ob es das erklärte Ziel der NPD wäre, allen Männer das Hausmänner-Dasein als eines von vielen denkbaren Lebenskonzepten anzubieten – und nennt AGENS schließlich sogar in einem Atemzug mit dem Massenmörder Anders Breivik. Das dürfte der bisherige Höhepunkt der Diffamierungen gegen dich sein. Wie hast du auf diese Veröffentlichung der Böll-Stiftung reagiert?

Hans Alef: Zuerst wollte ich nicht reagieren, weil das Ganze nach Satire klang, so unglaublich war das. Da ich aber nicht möchte, das meine Kinder und meine Frau und natürlich ich selbst auch in die Nähe von Rechtsradikalismus gerückt werden, schrieb ich der Heinrich-Böll-Stiftung. Ich fragte sie, wie ein Hausmann, der seine Kinder von Geburt an erzogen hat, bei der Polizei Selbstverteidigungkurse für Teenagerinnen gibt und ehrenamtlich in einem Altenheim gearbeitet hat, rechtsradikal sein kann!? Einfach nur absurd, so etwas!

Arne Hoffmann: Wie hat die Böll-Stiftung auf deine Klarstellung reagiert?

Hans Alef: Überhaupt nicht. Was hätten sie auch schreiben sollen – bin ich doch ein politisch gewollter "neuer Vater" ..?

Arne Hoffmann: Zyniker würden jetzt sagen, dass du als Hausmann wegen dieser Kampagne gegen dich und andere AGENS-Mitglieder wenigstens nicht mit negativen Folgen im Beruf zu rechnen hättest. Aber stimmt das überhaupt? Welche Schäden, fürchtest du, können dir durch diese Denunziationen entstehen?

Hans Alef: Massive Schäden. Ich suche seit einigen Jahren verzweifelt einen Teilzeitjob, da meine Kinder (Kindergarten und Gesamtschule) mittlerweile halbtags betreut sind, stoße aber immer wieder auf große Ablehnung meiner Person, da ich es wagte, Hausmann zu werden. Jetzt komme ich als Dank für meine Vorreiterrolle auch noch in die Nazi-Ecke. Das reduziert meine Chancen, einen Arbeitsplatz zu finden, erheblich! Und was würde die Belegschaft der Firma, in der meine Frau arbeitet, über einen "rechten" Ehemann sagen? Ihr Job und damit die wirtschaftliche Existenz unserer Familie ist aufgrund dieser Denunziationen in Gefahr.

Arne Hoffmann: Was sagt deine Frau eigentlich zu diesem ganzen Irrsinn?

Hans Alef: Bisher nichts. Sie steht hinter mir und ich hinter ihr. Unser Modell funktioniert seit zwölf Jahren.

Arne Hoffmann: Du würdest dich also tatsächlich noch einmal dafür entscheiden, Hausmann zu werden, auch wenn du vorher gewusst hättest, dass sich unsere Gesellschaft trotz aller Lippenbekenntnisse dermaßen schwer mit Genderpionieren tut? Oder würdest du irgendetwas anders machen, wenn du geahnt hättest, was mit deiner Entscheidung alles auf dich zukommt?

Hans Alef: Nein, ich würde es wieder machen, weil ich mir keine schönere und sinnvollere Arbeit vorstellen kann. Noch lebe ich in einer freien Gesellschaft und lasse mich nicht durch sozialen Druck davon abhalten, mein Leben so zu leben, wie ich möchte.

Arne Hoffmann: Herzlichen Dank für dieses Gespräch. Gute Nacht und viel Glück!

 

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Infopaket zur Gleichstellungspolitik II

07. Juni 2014
In den Leitmedien herrscht eine sehr einseitige Berichterstattung zur Gleichstellungspolitik; Die Gleichstellungspolitik wird dort meist unkritisch propagiert, wobei unbegründete und falsche Informationen verbreitet werden.
Das betrifft beispielsweise die längst als falsch erwiesene Behauptung von einem dreiundzwanzigprozentigen Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen sowie die Mär...

Gesellschaft

Britisches Familienrecht: Das Gemetzel kann beginnen

2. Juli 2012, von Kevin Fuchs
Britische Mütter müssen neuerdings mit drastischen Strafen rechnen, wenn Sie Vätern den Umgang mit den Kindern verweigern. Im schlimmsten Falle kann dies sogar mit einer Gefängnisstrafe enden.
"Im Krieg und in der Liebe ist alles erlaubt", ließ uns der Feldherr Napoleon Bonaparte einst angedeihen. Und in der Tat sind sich die Liebe und der Krieg näher als uns lieb sein...

Geschlechterdebatte

Alice Schwarzer: Heldenhafte Steuerhinterziehung

03. Februar 2014, von Dr. Christian Weilmeier
Nach Angaben des SPIEGEL hat Alice Schwarzer in der Schweiz Steuern hinterzogen. Im Gefolge einer Selbstanzeige musste sie einige Hunderttausend Euro nachzahlen. Schwarzer eine Steuersünderin? Nein, eine Heldin.
Es ist vollkommen nutzlos, jetzt den drohenden männlichen Zeigefinger gegen die Frauenrechtlerin zu erheben. Das mit dem Zeigefinger geht...

Gesellschaft

Gender Mainstreaming: Diversity für Privilegierte

4. April 2016, von Kevin Fuchs
Gender-Mainstreaming ist Teil einer kardinalen Strategie - den sogenannten „positiven Maßnahmen". Demnach gilt es als Pflicht des Staates, benachteiligte Gruppierungen auszumachen und sie zwecks Kompensation zu privilegieren, sie letztlich also „positiv" zu diskriminieren.
Aber wer soll in den Genuss dieser „positiven Maßnahmen" kommen? An wen soll das Etikett der...

Geschlechterdebatte

Warum „Gleichstellung“ kein Auftrag des Grundgesetzes ist…

…und warum Gleichstellungs-Politiker das auch gar nicht wollen 7. März 2017, von Lucas Schoppe
Neulich bei Twitter erfand die grüne Bundestagsabgeordnete Renate Künast ein alternatives Grundgesetz.
Im herkömmlichen Grundgesetz findet sich das angegebene Zitat nicht, auch nicht an der Stelle, die Künast mehrmals zum Beleg anführt - mit dem freundlichen Hinweis, dass „ein Blick ins Gesetz (…) die...

Geschlechterdebatte

„Ein geschlechtergerechter Puff für unsere Kleinen!“

31. Oktober 2014, von Prof. Gerhard Amendt
In der Soziologie wird zurzeit versucht, den Puff zum  Inbegriff der Vielfalt sexueller Lebensbedürfnisse zu erheben. Er wird als pulsierendes Zentrum von Vielfalt gepriesen – vor allem für die Kinder.
Nur fragt man sich, ob es dabei wirklich um Vielfalt oder ganz trivial nur darum geht,  Grenzen einzureißen, die Beziehungen zwischen Menschen erst möglich...

Geschlechterdebatte

Wir müssen reden – über Faschismus

Von Arne Hoffmann   15. März 2012
Das Kopfschütteln und der Ärger war groß über diese Schmähschrift der Heinrich-Böll-Stiftung – "Studie" konnte man diesen Mist ja wohl kaum nennen! Zu haarsträubend erschienen die Vorwürfe: Rechtsextremismus, Rassismus... und das, obwohl man in Wahrheit nichts anderes als Geschlechtergerechtigkeit forderte. Nein, polterten einige, eine Möglichkeit zum Dialog gab...

Geschlechterdebatte

Förderung für Mädchen, Ritalin für Jungen

18. Februar 2013, von Tom Todd, zuerst erschienen bei AGENS
Nicht erst mit dem gerade erschienen Ärztereport 2013 der Barmer GEK wird deutlich, wie sehr Jungen in ihrem Werdegang mittlerweile systematisch benachteiligt werden.
In allen Bereichen fehlt es an männlichen Sparringpartnern, die für die Identitätsbildung und Persönlichkeitsentwicklung von Jungen unabdingbar sind: fehlende männliche...

Geschlechterdebatte

Vergesst die Rechten!

Von Arne Hoffmann   18. März 2012
Um von Anfang an Missverständnisse zu vermeiden: Ich arbeite mit Personen aus dem konservativen Lager immer wieder gerne für eine lohnende Angelegenheit zusammen. Gelegenheit dazu habe ich beispielsweise bei AGENS, einer die verschiedenen Lager überbrückenden geschlechterpolitischen Initiative, genauso wie bei den bürgerlich Liberalen von "eigentümlich frei" und Co....

Geschlechterdebatte

Menschenrechte in Beton

Zur Achtung der Menschenrechte in Deutschland. Update 2015 05. Juni 2015, von Lucas Schoppe
„Menschenrechte sind in der Bundesrepublik offenbar nur deklamatorischer Natur.“ Dieser Satz bezieht sich auf das deutsche Familienrecht und ist mehr als zwanzig Jahre alt. Er stammt aus dem Essay „Die Achtung der Menschenrechte in Deutschland – Anspruch und Wirklichkeit. Gedanken zum Jahr der Familie“,...

Geschlechterdebatte

Was sich in einem Test so alles spiegelt

27. August 2012, von Wolfgang Hattinger, in anderer Fassung zuerst erschienen bei DerStandard
An der Medizin-Uni Wien wurde in diesem Jahr (2012) erstmals der Aufnahmetest zum Medizinstudium (ESM-Test) "genderspezifisch" ausgewertet. Man argumentierte diese "Notwendigkeit" damit, dass in den vergangenen Jahren stets mehr Männer prozentual besser abschnitten als Frauen.
Anders als bei dem...

Geschlechterdebatte

Josef und Nivea. Und eine Weihnachtsgeschichte.

24. Dezember 2013, von Lucas Schoppe
Mit Blick auf das nahende Weihnachtsfest empfahl Franziskus seinen Mitarbeitern Josef als Vorbild. Dieser habe sich fürsorglich ‚um seine Braut und das Kind‘ gekümmert und dabei ‚still‘ an der Seite Marias gestanden.“
Ganz ähnlich wie von Papst Franziskus, aber mit ganz anderer Bewertung, wird Josef von Marcus Spicker im Kuckucksvaterblog beschrieben:
...