Geschlechterdebatte

Eine Stimme der Vernunft

20. Mai 2014, von Dr. Alexander Ulfig

In einem Beitrag auf der Seite der ARD wird wieder mal das Thema „Frauenquote“ diskutiert.

guenter buchholz

Warum eine Frauenquote für die Wirtschaft, von der ca. 200 Frauen aus der Oberschicht profitieren würden, ein wichtiges Thema ist, wird dabei nicht erläutert. Warum berichten die ARD und andere Leitmedien nicht in ähnlicher Häufigkeit und Ausführlichkeit über beispielsweise die Obdachlosigkeit, von der in der BRD Tausende von Menschen, mehrheitlich Männer, betroffen sind?

Zu dem ARD-Beitrag äußern sich in einer Bildergalerie „Entscheidungs- und Meinungsträger“. Was dabei zunächst auffällt, ist das zahlenmäßige Missverhältnis zwischen Quoten-Befürwortern und Quoten-Gegnern. Fünf Personen sprechen sich ausdrücklich für die Frauenquote aus, eine dagegen, eine ist zwar gegen eine starre Quote, aber doch für die Steigerung des Frauenanteils in Führungspositionen um rund dreißig Prozent. Wir haben also letztlich sechs Personen für die Frauenquote und eine dagegen. Und das soll ein ausgewogenes Verhältnis sein? Und das soll eine ausgewogene Berichterstattung sein? Und dafür zahlen die Bundesbürger monatlich die Rundfunkbeiträge?

Die Äußerungen der Quoten-Befürworter braucht man hier nicht ausführlich zu zitieren, denn wir kennen sie alle auswendig. Es handelt sich um die Parolen und Sprüche, die seit mehr als fünf Jahren fast täglich von Politikern und Medienleuten wiederholt werden. Sie reichen von nicht nachgewiesenen Behauptungen („Dennoch sind wir (Frauen, A.U.) noch immer im Nachteil“), längst widerlegten Aussagen („Frauen bekommen weniger Gehalt als Männer“) bis hin zu sexistischen Behauptungen voller Klischees und Vorurteile („Frauen interessieren sich zuerst für Inhalte und Menschen. Männer für Geld und Prestige. Kurz: Macht ist männlich, Verantwortung ist weiblich“).

Die Äußerungen der Quoten-Befürworter sind völlig unreflektiert und gegenüber der Forderung nach einer Frauenquote unkritisch. Kurz: Es handelt sich um eine Hurra-Propaganda für die Frauenquote. Die Quoten-Befürworter begehen darüber hinaus permanent Denkfehler (hauptsächlich logische Fehlschlüsse), die sie selbst offensichtlich gar nicht bemerken. Ein gravierender Denkfehler besteht darin, Gleichberechtigung und Gleichstellung gleichzusetzen, ein weiterer nicht minder gravierender darin, die statistischen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen als Folge von Frauendiskriminierung zu betrachten.

Auf diese Denkfehler verweist der einzige Quoten-Gegner in der ARD-Galerie, der Ökonom Prof. Günter Buchholz. Zum ersten Denkfehler schreibt er:

„Der Artikel 3 des Grundgesetzes spricht von Gleichberechtigung oder sinngemäß von Chancengleichheit, also von der Gleichheit der Startchancen, und nicht von der Gleichheit der Ergebnisse des Wettbewerbs.“

Zum zweiten Denkfehler äußert er sich folgendermaßen:

„Statistische Ungleichheiten sind vielmehr, das belegen mittlerweile viele wissenschaftliche Studien, eine Folge von individuellen Neigungen und Abwägungen, Kompromissbildungen und Entscheidungen im Hinblick auf Beruf, Karriere und Familie, und sie sind somit kein Ausdruck von Diskriminierung.“

Die unabhängigen Bildungswissenschaftler Michael Klein und Heike Diefenbach haben unterschiedliche Studien besprochen, die belegen, dass die statistischen Ungleichheiten zwischen Männern und Frauen in einigen Arbeitsbereichen, insbesondere im Management, keine Folge von Frauendiskriminierung sind. Die statistischen Ungleichheiten hängen von Faktoren ab, die wiederum auf freien Entscheidungen von Frauen beruhen. Zu empfehlen sind hier folgende Beiträge: „Ende einer Genderphantasie: Die „Gläserne Decke“ in Scherben“, „Fiktion und Fakt: Einmal mehr erweist sich die Frauenquoten-Saga als Lüge“ und „Alles Lüge – Feministisches Rent Seeking durch Frauenquoten“.

In dem Artikel „Der europäische Irrationalismus des 21. Jahrhunderts“ betont Prof. Buchholz, dass die ständig wiederkehrenden Denkfehler „eines der besorgniserregenden Symptome gesellschaftlicher Fehlentwicklung“ sind:

„Der dadurch verursachte Rationalitätsverlust ist ausgesprochen schädlich. Es breitet sich seit längerer Zeit auf allen Ebenen ein gesellschaftlicher Irrationalismus aus, darunter nicht zuletzt im Bildungs- und Wissenschaftssystem, der bisher nur dümmlich und schwer erträglich ist, der uns aber noch richtig gefährlich werden wird.“

Buchholz sieht darin Parallelen zur Epoche vor dem 1. Weltkrieg. Damals nahm die Unvernunft überhand, was katastrophale Folgen für Europa hatte. Die von Buchholz gezogenen Parallelen können daher als eine Mahnung an alle Verantwortlichen aufgefasst werden.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Rezension: “Frauenquoten – Quotenfrauen” von G. Amendt

28. Mai 2012, von Dr. Alexander Ulfig, zuerst erschienen bei MANNdat
Das Thema „Frauenquote“ ist ein Dauerbrenner. Es wird von der Politik immer wieder auf die Tagesordnung gebracht. In den Mainstreammedien wird eine Hurra-Propaganda für die Frauenquote betrieben, wobei gebetsmühlenartig immer wieder dieselben Parolen und Forderungen vorgetragen werden. Kritische Beiträge zur Frauenquote werden...

Geschlechterdebatte

Spielen im Opfer-Modus

12. März 2014, von Birgit Kelle
Schöne neue Welt: Jetzt sollen also auch noch Kinderspielplätze gendersensibel gestaltet werden.
Was haben Aufsichtsräte und Spielplätze gemeinsam? Beide sind nicht gendersensibel genug, die großen und kleinen Mädchen haben nicht genug Spielraum. Für die einen gibt’s demnächst die Frauenquote, um die Spielplätze kümmert sich jetzt die SPD.
...

Geschlechterdebatte

Neoliberalismus, Emanzipation und Frauenquote

08. Mai 2013, von Prof. Günter Buchholz
Reinhard Jellen hat einen Artikel unter dem Titel „Über die Frauenquote“ geschrieben, der hoffentlich dazu beiträgt, die im Grunde unglaubliche feministische Verblendung innerhalb der Mitte-Links-Parteien erst einmal wahrzunehmen, um sie dann aufzulösen.
Als Leitsatz des Artikels stellt er ein Zitat voran: „While feminism has delivered for some...

Bildung

Wie sinnvoll sind anonymisierte Bewerbungsverfahren?

Von Dr. Alexander Ulfig   8. April 2012Familienministerin Kristina Schröder führte im August 2010 anonyme Bewerbungen für ihr Ministerium ein. Die Bewerber sollten im Lebenslauf weder Namen, noch Geschlecht, Alter, Familienstand, Religion, Behinderung oder Nationalität angeben. Erst beim Vorstellungsgespräch ist es notwendig, die eigene Identität preiszugeben. Für Ministerin Schröder soll dieses...

Gesellschaft

Diskriminierungen – individuell oder kollektiv?

Von Dr. Alexander Ulfig   16. April 2012
Die Frage, was Gerechtigkeit bedeutet, beschäftigt Menschen seit Jahrtausenden. In der Gegenwart konkurrieren kollektivistische Auffassungen, denen zufolge die Gruppenzugehörigkeit für die Beurteilung eines Menschen entscheidend ist, mit individualistischen Auffassungen, für die die Einzigartigkeit (Individualität) des Menschen den höchsten Wert darstellt. Die...

Geschlechterdebatte

Männer in den Medien: Drei Forderungen an Journalisten, die ihre Verantwortung ernst nehmen

9. September 2015, von Arne Hoffmann
Der Deutsche Genderkongress 2015 macht auf die dringende Notwendigkeit einer konstruktiven Männerpolitik in unserer Gesellschaft aufmerksam. Hierfür ist eine faire, nicht-sexistische Behandlung von Männern in unseren Medien unabdingbar. Die folgenden Absätze erklären, in welchen drei Bereichen verantwortungsbewusste Journalisten besonders gefordert sind.
1....

Geschlechterdebatte

Petition zur Förderung von Jungen - Das Potential von Jungen begreifen

Petition an Manuela Schwesig 03. April 2014
Bildung ist ein wichtiger volkswirtschaftlicher Faktor und die Grundlage für die Entwicklungsperspektiven von Kindern und Jugendlichen. Bildung und Bildungsförderung sind vielfältige gesamtgesellschaftliche Herausforderungen auf kommunaler sowie Länder- und Bundesebene.
Im Sinne eines von der Bundesregierung propagierten Gender Mainstreamings gehört...

Gesellschaft

Der Apfel und seine Feinde

16. Januar 2014, von Bernhard Lassahn
An einer Stelle fällt Vladimir Nabokov in seinem wunderbaren Buch ‚Erinnerung, sprich' aus der Rolle und wendet sich direkt an den Leser, als müsste er dringend etwas klären: Es ist nicht so, dass er gegen den Kommunismus ist, weil der seine Familie um ihr Vermögen gebracht hat, es ist die unmenschliche Gleichmacherei, die ihm so verhasst ist.
Wie sieht es...

Geschlechterdebatte

Gleichberechtigt „schwarzern“

04. Februar 2014, von Birgit Kelle
Endlich macht sich die Gleichberechtigung auch bei der Steuerhinterziehung bemerkbar! Danke Alice! Wieder eine Männerdomäne erobert.
Diesmal das Schwarzgeld. Und ja, es tut mir auch wirklich leid, dass der Name von Alice Schwarzer so wunderbar einlädt zu ganz neuen Wortschöpfungen im Zusammenhang mit dem Vorbeischaffen von Steuergeldern am Fiskus.
...

Geschlechterdebatte

Ein offener Brief an alle Männer, Väter und Jungs zu Weihnachten

15. Dezember 2014, von Tom Todd
Liebe Männer, Väter und Jungs,gerade in der Weihnachtszeit, in der die Familie, die Liebe und gefühlsbetont der Zusammenhalt der Menschheit hochgehalten werden, schwappen die Wogen der Enttäuschung und Verbitterung verstärkt an die Oberfläche.
Gerade jetzt vielleicht verhärten sich noch mehr die Gefühle und Meinungen, die uns Männern dazu verleiten, hart ins...

Geschlechterdebatte

Schweiz: Zwangsdienst für Männer in einem Land der Gleichberechtigung

11. August 2013, von Lars G. Petersson
Am 22. September 2013 haben die Schweizer das Recht abzustimmen. Zur Debatte steht Artikel 59, Absatz 1 bis 3 der Bundesverfassung - die allgemeine Wehrpflicht für Männer. Anlass genug, die geschlechterpolitische Dimension dieser Abstimmung in Augenschein zu nehmen.
Der Tradition verpflichtet Abstimmungen über die Wehrpflicht haben in der Schweiz Tradition....