Grundsätzlich ist die Internet-Enzyklopädie Wikipedia eine begrüßenswerte Einrichtung. Demokratisch verfasstes und verfügbares Wissen, eine tolle Sache. Nun gab es immer schon sachliche Kritik an inhaltlichen Fehlern der Beiträge und auch absurde Beispiele für die Unflexibilität der Plattform.

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So wird von dem amerikanischen Schriftsteller Philip Roth berichtet, er habe eine falsche Information über eines seiner Bücher korrigieren wollen. Dies wurde ihm verweigert mit dem Hinweis, er solle Nachweise bringen, seine Autorenschaft sei nicht Nachweis genug. Aber in letzter Zeit wird besonders die gebotene Neutralität, die eine der Wissenschaft verpflichtete Internetseite hochhalten müsste, bezweifelt.

Skurrile Fehler – wohl unvermeidlich bei einer solchen Unternehmung - sind das eine. Schlimmer aber ist es, wenn vor allem die deutschen Wikipedianer ideologisch werden und eine bestimmte politische Richtung bevorzugen. Es ehrt Wikipedia zwar, dass Kritik an der Online-Enzyklopädie in einem eigens eingestellten Eintrag behandelt wird; niemand ist fehlerfrei und insofern scheint alles in Ordnung. Doch hat der Maskulist Arne Hoffmann bereits im Juni 2012 einen offenen Brief an Jimmy Wales geschrieben, in dem er eine feministische Beeinflussung unvorbereiteter Leser durch Seilschaften innerhalb der deutschen Wikipedianer anprangerte. Wer nicht schon immer wusste, wes Geistes Kind diese Wikipedia-Aufseher sind, der wird an folgendem Beispiel eindeutig und endgültig belehrt.

Der deutsche Schriftsteller türkischer Herkunft Akif Pirinçci ist in letzter Zeit auch publizistisch vermehrt hervorgetreten. Er macht das sehr provokativ, gleichzeitig aber auch sehr lustig („Verarsche“ nennt er selbst seine Methode). Es geht um das, was die „lieben Deutschen“ (Goethe) so bewegt: Zuwanderung, Homosexualität, Prostituierte, Islam, Gender, Sozialsystem. Er tut das auf diversen Plattformen, nämlich seiner Facebook-Seite, dem Publizisten-Netzwerk „Die Achse des Guten“ oder dem Magazin „eigentümlich frei“. Nun darf sich niemand, der provoziert, darüber beschweren, dass zurückgeschossen wird. Aber eine Enzyklopädie ist nicht der rechte Ort dafür.

Führen wir uns also einfach mal den Wikipedia-Artikel über Pirinçci zu Gemüte. Schon die Gewichtung zeigt, worum es den Aufsehern geht: Die literarische Arbeit Pirinçcis, die mittlerweile Jahrzehnte umfasst, wird in einem knappen Kapitel abgehandelt. Demgegenüber steht ein viel längeres Kapitel über seine viel kürzere publizistische Tätigkeit. Der Grund dafür ist klar: Sie gefällt den Wikipedianern nicht und Pirinçci soll darum öffentlich unmöglich gemacht werden. Komplex ist die Situation bei seiner Islamkritik bzw. seiner Kritik am Verhalten einer bestimmten Gruppe von in Deutschland lebenden Muslimen (v. a. Jugendlichen).

Die Wucht, mit der Pirinçci argumentiert, erklärt sich vielleicht daraus, dass er Alevit ist und die Aleviten in der Türkei eine bis heute stark unterdrückte religiöse Minderheit sind. Er argumentiert also aus einer gewissen Erfahrung heraus. Das interessiert hierzulande aber niemanden, weil das nicht in das offizielle Bild vom Islam passt, und hält all diese Internet-Aufseher nicht davon ab zu glauben, sie wüssten besser als Pirinçci Bescheid.

Viel interessanter noch ist der Abschnitt zu einer Antwort Pirinçcis auf einen offenen Brief der dänischen Therapeutin Tanja Rahm, „die in der Vergangenheit drei Jahre lang als Prostituierte gearbeitet hatte und die auf ihrem Blog einen offenen Brief an ihre damaligen Kunden veröffentlicht hatte, der in der norwegischen »Afterposten« und in der Tageszeitung »Die Welt« veröffentlicht wurde“ (Wikipedia). Der, wie Hoffmann auf seinem Blog richtig schreibt, „vor Selbstgerechtigkeit und Verachtung triefende“ Brief  der Therapeutin, der selbstverständlich zu der aktuellen feministischen Diskussion um die Abschaffung der Prostitution passt, wird nicht zitiert.

Dagegen wird Pirinçcis Antwort, die als Ganzes gelesen nicht anders als urkomische, übrigens auch den Freier und seine Sicht nicht schonende Verhohnepipelung genannt werden kann, in gezielt gewählten Auszügen, also selektiv, zitiert, was sich bei einem satirischen Beitrag eigentlich verbietet. Er ist literarisch gemeint und wird von den humorlosen Wikipedianern als Nachrichten-Faktum benutzt. Natürlich überrascht dann auch nicht mehr, dass die postwendende Verurteilung Pirinçcis durch die „Emma“ den krönenden Abschluss des Wikipedia-Eintrags bildet.

Wie lächerlich diese feministische Propaganda ist, zeigt ein Halbsatz, bei dem die Wikipedianer ihren heiligen Zorn nicht mehr beherrschen konnten und der vor Entrüstung bebt: Unser wackerer Autor habe Tanja Rahm in seinem Brief tatsächlich als Nutte bezeichnet! Pirinçci wagte also eine Frau, die drei Jahre Sexarbeit hinter sich hat und ausdrücklich zu dieser Zeit als Prostituierte Stellung nimmt, in einer satirischen Arbeit als (ehemalige!) „Nutte“ zu bezeichnen! Interessant, aufschlussreich und traurig zugleich ist zuletzt folgende Beobachtung, die nicht hoffen lässt, dass sich nächstens etwas ändert: Hoffmann nannte bereits 2012 Klar- und Spitz-(Nick-)namen einiger feministischer Wikipedianer: Andreas Kemper, „Fiona Baine“/“Finn“ und „SanFran Farmer“. Die verantwortliche Anonyma für diese die Wirklichkeit und Wahrheit entstellenden Einträge zu Pirinçci vom Februar 2014 ist Fiona Baine, die also weiterhin ihr Unwesen treiben kann.

 

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