Geschlechterdebatte:

Die Frauenquote und ihr Rattenschwanz

Die Beseitigung der Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes am Arbeitsplatz war eine der Hauptforderungen der Frauenpolitik vor 30 Jahren. Jetzt setzt die gleiche Frauenpolitik durch, dass die Benachteiligung aufgrund des Geschlechtes in immer mehr Bereichen gesetzlich festgelegt wird: Per Frauenquote.

Dabei wird es nicht nur Dax-Unternehmen treffen, sondern weitgehende negative Veränderungen auf unsere Gesellschaft und Rechtsbewusstsein bewirken. Die gesetzliche Frauenquote in der Wirtschaft wird kommen. So will es die große Koalition. Das ist keine Überraschung. Wir hatten das schon im Februar 2011 Jahren im Beitrag „Frauenquote – oder: Von der Lust zu diskriminieren“ vorhergesehen. Bei Landes- und Bundesbehörden, selbst bei der Bundeswehr, gibt es die Frauenquote ja schon lange. Die Komödie, die die CDU in dieser Frage gespielt hat, war durchschaubar.

Die Frauenquote war schon immer ein Wunsch der als Merkel-Nachfolgerin gehandelten CDU-Feministin Ursula von der Leyen. Es war dieselbe Ursula von der Leyen, die als damalige Familienministerin in der alten Großen Koalition von 2005 bis 2009 dafür gesorgt hat, dass nahezu die komplette SPD-Familienpolitik als CDU-Familienpolitik übernommen wurde. Das Kalkül, mit Kristina Schröder vor vier Jahren den Posten der Familienministerin mit einer Quoten-Kritikerin zu besetzen, um die konservativen Wähler der CDU vorübergehend zu besänftigen, ging auf. Nach dem überwältigenden Wahlsieg der CDU hat Schröder nun ihre Schuldigkeit getan und kann gehen. Und mit der SPD geht ohnehin nichts ohne Quote, wie sie unmissverständlich in den Koalitionsverhandlungen kund tat.

Wohlgemerkt nichts ohne Frauenquote. Dort, wo Jungen, Väter und Männer die schlechteren Quoten aufweisen, dort wo der Geschlechterpolitik der Blick auf die Quoten nicht in dem Kram passt, lässt man Geschlechterpolitik kurzerhand ausfallen. Bei den Lehrkräften z.B. gibt es nur noch 5 bis 10 % Männeranteil an den Grundschulen. Hier kann die Geschlechterpolitik seltsamerweise aber keine relevanten geschlechterspezifischen Unterschiede feststellen. Oder noch deutlicher im kürzlich verabschiedeten „Referentenentwurf zum Hochschulzukunftsgesetz“ von NRW, in dem explizit gesagt wird (§37a (2)), dass die vom Gesetz geforderten Quotenmaßnahmen zur Angleichung der Geschlechter bei den Professorenstellen nicht anzuwenden sind, wenn die Zahl der Professorinnen die der Professoren übersteigt.

Es ist diese charakteristische Doppelmoral, die heutzutage für Geschlechterpolitik schon so selbstverständlich geworden ist, dass sie gar nicht mehr auffällt. Ob man an einer Quote wirklich Gleichberechtigung messen kann, ist fraglich. Aber wenn die Politik dies tut, dann muss sie diesen Maßstab auch dort anlegen, wo Jungen, Väter und Männer die schlechteren Quoten aufweisen. Ansonsten ist die Frauenquote nichts anderes als schnöder Sexismus.

Jungen haben eine um 50 % höhere Schulabbrecherquote als Mädchen und eine um 20 % geringere Quote an Abschlüssen zur allgemeinen Hochschulreife. Die weitaus größten geschlechterspezifischen Bildungskompetenzunterschiede in den PISA-Faktoren haben die Jungen im Lesen. Trotzdem gibt es bundesweit zwar 100 spezielle, staatlich geförderte Mädchenprojekte im MINT-Bereich (MINT = Mathematik, IT, Naturwissenschaft, Technik), aber nur vier Jungenleseförderprojekte. Doch auch hier sieht die Politik, die sonst so nach gleichen Quoten strebt, keinen Handlungsbedarf. Geschlechterspezifische Bildungsstatistiken in Bund und Ländern enthalten nur Mädchendaten, aber keine Jungendaten. Das zeigt deutlich, dass das Bildungsgefälle zuungunsten der Jungen nicht als Problem, sondern faktisch als positive Rückmeldung einer Geschlechterpolitik gesehen wird, die sich auch heute noch ausschließlich auf die Frauenquote beschränkt. Ist nicht jeder Junge, der im Bildungssystem scheitert, ein Gewinn für die Frauenquote? Und nur darauf kommt es ja an, in der Geschlechterpolitik.

Neben den Jungen und männlichen Jugendlichen, deren Arbeitslosenquote heute schon über 40 % höher ist als die der weiblichen Jugendlichen, werden vor allem die aktiv erziehenden Väter die größten Verlierer der Frauenquote sein. Denn sie werden doppelt diskriminiert. Zum einen durch die beruflichen Ausfallzeiten, aber auch zusätzlich durch die gesetzlich vorgeschriebene Diskriminierung aufgrund ihres Geschlechtes.

Die gesetzliche Frauenquote ist Ausdruck einer neuen Dimension in der Geschlechterpolitik. Das hat sich schon mit der Einführung der gesetzlich verbindlichen Frauenquote bei der Bundeswehr vor einigen Jahren und mit der Legalisierung von Körperverletzung an Jungen durch Beschneidung am 12.12.2012 im Bundestag gezeigt. Jungen wurden durch das Beschneidungsgesetz die Grundrechte aus Artikel 2 (Recht auf körperliche Unversehrtheit) und Artikel 3 (Gleichberechtigung) massiv eingeschränkt. Die Geschlechterpolitik veranlasst mittlerweile per Gesetz die konkrete Aberkennung und Einschränkung von Grund- und Menschenrechten für Jungen und Männer. Und das auf Veranlassung einer Frauenpolitik, die man einst vorgeblich etablierte, um Diskriminierungen zu beseitigen.

Mit der verpflichtenden Benachteiligung von Männern im Berufsleben durch die Frauenquote ist aber nicht das Ende der Fahnenstange erreicht. Man wird Überwachungseinrichtungen mit weitreichenden Befugnissen benötigen, die die ordnungsgemäß durchgeführte gesetzliche Diskriminierung von Männern an den jeweiligen Arbeitsplätzen zu kontrollieren haben. Die Stellen sogenannter Gleichstellungsbeauftragter, ein Posten im Übrigen, der Männern in Bundesbehörden und den meisten Ländern per Gesetz verwehrt ist, werden Konjunktur haben. Und sie werden als „Diversity- oder Genderbeauftragte“ auch in den Firmen implementiert werden. Sieht man sich die Aufgaben, die Befugnisse und die minimalen Kontrollmöglichkeiten von Gleichstellungsbeauftragte an, so kann man erstaunlich viele Übereinstimmungen mit den Parteisekretären der ehemaligen Ostblockstaaten feststellen.

Und um genügend geeignete Frauen für Managerposten zu bekommen, müssen natürlich auch auf nachfolgenden Ebenen Frauenquoten und damit auch dort weitere Benachteiligungen von Jungen und Männern eingeführt werden. Ein Dominoeffekt, der zu immer mehr Quotenregelungen in immer mehr Bereichen von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft führen wird. Die Bildungsdiskriminierung von Jungen, wie sie bislang von Landes- und Bundespolitik durch die geschlechterspezifische Ungleichverteilung von Förderung zuungunsten der Jungen besteht, wird weiter forciert werden. Selbst Pläne, öffentliche Wahlen durch Frauenquotenangaben zu den jeweiligen Parteien auf den Wahlunterlagen zu manipulieren, nehmen, wie das Beispiel Rheinland-Pfalz zeigt, schon Gestalt an.

Und was machen die Männer? Es gibt zwar immer mehr von ihnen, die diese charakteristische Doppelmoral der Geschlechterpolitik und Frauenquoten kritisieren. Aber Geschlechterpolitik war schon immer ein männersteriles Politikfeld. Wie sich die geschlechterpolitischen Funktionärinnen die Rolle der Männer in der Geschlechterpolitik vorstellen, macht die Evangelische Akademie Tutzing in einer Ankündigung zu einer genderpolitischen Veranstaltung deutlich: Männer sollen sich selbst kritisieren, ihre Probleme „quasi-therapeutisch“ aufarbeiten und mit ihrem „männlichen Habitus“ brechen. Das entspricht dem Geschlechterkriegsdenken der Achtzigerjahre. Es befürwortet die Männer diskriminierende Frauenquote ebenso wie es die Bildungsprobleme von Jungen verharmlost. Männern wird faktisch vorgeschrieben, welche „Jungen- und Männerinteressen“ sie in einer feministischen Gesellschaft ausschließlich haben dürfen, nämlich die Selbstkastration eigener Bedürfnisse und das selbstverleugnende Unterwerfen unter die Wünsche der feministischen Geschlechterpolitik.

Wohin wird dies führen? Vorgeblich zu einer humaneren Gesellschaft. Kann dies sein? Kann eine Gesellschaft, die inhumane Methoden als Mittel zum Zweck („positive Diskriminierung“ – wie die Politik den Grundrechteentzug von Jungen und Männern euphemistisch nennt) befürwortet, wirklich eine humane Gesellschaft hervorbringen? Nach Albert Schweitzer ist dies nicht möglich, denn er definierte Menschlichkeit so: „Humanität besteht darin, dass nie ein Mensch einem Zweck geopfert wird.“ Aber der war ja auch „nur“ ein Mann, und damit nach Meinung von Cornelia Piper (FDP) ein „halbes, unfertiges“ Wesen.

„Wer die menschliche Gesellschaft will, muss die männliche überwinden“ – so steht es im Grundsatzprogramm der SPD. Und alle folgen ihr.

Der Artikel erschien zuerst auf MANNdat.

 

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