Geschlechterdebatte:

Master of Funds oder: Eine Hand wäscht die andere

ScienceFiles bringt Licht in das Dunkel, das das Begutachtungsgremium des Professorinnenprogramms umgibt.

geldbuendel

Das Professorinnenprogramm war auf ScienceFiles schon mehrfach Thema. 150 Millionen Euro gaben das Bundesministerium für Bildung und Forschung und die Kultusministerien der Länder im Zeitraum von 2008 bis 2012 aus, um damit Professuren an Universitäten zu schaffen, die ausschließlich weiblichen Aspiranten zu Gute kommen, 150 Millionen Euro werden das BMBF und die Kultusministerien der Länder in den nächsten vier Jahren ausgeben, um damit weibliche Aspiranten auf eigens für sie geschaffene bzw. eigens für sie freigehaltene Professuren zu hieven.

Wir haben schon des öfteren über die seltsame Logik hinter Programmen wie dem Professorinnenprogramm geschrieben, die darauf beruhen, dass ein eingebildetes Unrecht (die angebliche Benachteiligung von Frauen an Universitäten, die niemand belegt hat) durch ein aktuelles und tatsächliches Unrecht (die Bevorzugung von weiblichen und Diskriminierung von männlichen Bewerbern) “wettgemacht” werden soll. Letztlich sind diese Programme nichts anderes als Geschenke an Günstlinge, damit die Günstlinge auch in Zukunft bei Fuß stehen, wenn ihr Herr sie ruft (das Ganze erinnert doch sehr an das Lehnsherren-System des Mittelalters, bei dem Verfügungsrechte, die mit einem Einkommen verbunden waren, im Austausch für Loyalität und Hilfe im Krieg zuerkannt wurden).

Das Professorinnenprogramm sieht es vor, dass sich Universitäten mit einem Maßnahmepaket, dessen Ziel es ist, mehr Frauen in universitäre “Spitzen”positionen zu bringen, um ihren Anteil am 150 Millionen Euro Batzen bewerben. Ihre Bewerbung wird dann von einem Begutachtungsgremium geprüft und wohlwollend oder abschlägig beschieden. Natürlich sitzen in diesem Begutachtungsgremium nur Koryphäen der Wissenschaftlichkeit und Vorbilder der Unabhängigkeit, und natürlich gibt es klare und eindeutige Kriterien für die Vergabe der Mittel – immerhin werden die Mittel von Steuerzahlern aufgebracht und immerhin dienen Universitäten ja dem Erkenntnisfortschritt, entsprechende Sorgfalt muss man bei Eingriffen in die personelle Selbstbestimmung der Universitäten walten lassen (eigentlich widersprechen solche Eingriffe der universitären Selbstbestimmung, aber wen kümmert’s…?).

Seltsamerweise werden weder die Kriterien, die dazu geführt haben, dass Universität X ein paar Millionen Euro erhalten hat, noch die Identitäten der Personen, die die Zuteilung der Mittel basierend auf den klaren und eindeutigen Kriterien beschieden haben, offenbart noch werden die Kriterien offenbart, die benutzt wurden, um die nämlichen Koryphäen und Vorbilder in besagtes Begutachtungsgremium zu berufen. ScienceFiles ist es nun, durch ein gewisses Maß an Insistieren gelungen, ein wenig Licht ins Dunkel des Vergabeprozesses von immerhin 150 Millionen Euro zu bringen, und so kann nunmehr enthüllt werden, wer warum im vergangenen Professorinnenprogramm I 150 Millionen Euro verteilt hat.

Zunächst zur Auswahl der Koryphäen und Vorbilder, die das Begutachtungsgremium bevölkern. Zum Prozess der Auswahl schreibt Christina Hadulla-Kuhlmann, Referatsleiterin 124 im Bundesministerium für Bildung und Forschung in einer Email an ScienceFiles:

“Diese Expertinnen und Experten wurden vom Bundesministerium für Bildung und Forschung im Benehmen mit den Ländern ausgewählt. Neben der Fachexpertise wurden insbesondere folgende Kriterien berücksichtigt: Einbeziehung von Universitäten, Fachhochschulen sowie künstlerische Hochschulen; Einbeziehung der großen Wissenschaftsorganisationen; regionale Streuung, Vertreter/innen aus dem europäischen Ausland; Kenntnisse deutscher Hochschul- und Gleichstellungsstrukturen, Fächerstreuung; Erfahrung mit Begutachtungsverfahren”.

In aller Kürze: Die Positionen im Begutachtunsggremium wurden an Personen vergeben, die sich entwder schon seit Längerem auf einem Karriere-Ticket fortbewegen, das “Gender” als Präfix zu was auch immer hat, an weibliche Personen, die ohne Gender in Positionen gelangt sind und sich für Frauenförderungsvorhaben hergeben und außerdem an Personen aus gesellschaftlichen Bereichen, aus denen mit Sicherheit kein Widerspruch zu erwarten ist.

Die Liste der Begutachter, die auf Grundlage der genannten Kriterien vom “BMBF” zusammen gekommen ist, liest sich wie folgt:

  • An erster Stelle finden wir die ehemalige Präsidentin der Universität Hamburg, Monika Auweter-Kurz, die indes die erste Auswahl-Runde nicht überstanden hat.
  • Gleich an zweiter Stelle finden wir eine alte Bekannte, die besonders für ihre sonderlichen Versuche, die deutsche Sprache mit dadaistischen Elementen zu durchsetzen, in bestimmten Kreisen geschätzt wird und die immer wieder dafür gut ist, in den unmöglichsten Situationen “Geschlecht” zu sehen. Die Rede ist von niemand anderem als der Richterin am Bundesverfassungsgericht Susanne Baer, die bevor sie offiziell richten durfte, einen Lehrstuhl für Öffentliches Recht und Geschlechterstudien an der Humboldt-Universität in Berlin besetzt hat. Wie es der Zufall so will, profitiert die Humboldt-Universität gleich dreifach vom Professorinnenprogramm I, d.h. drei Professuren – ausschließlich für Frauen -wurden an der Humboldt-Universität geschaffen und aus dem Professorinnenprogramm finanziert.
  • Mit Jutta Dahlhoff folgt ein Vertreter des Leibnitz-Instituts für Sozialwissenschaften. Dahlhoff leitet das Center of Excellence Women in Science, auf dessen Konferenzen wiederum Heike Kahlert, gerne Vorträge zu halten scheint. Man kennt sich im Begutachtungsgremium.
  • Nicht nur finden sich im Begutachtunsggremium viele gute Bekannte, es finden sich auch Multifunktionäre, z.B. Adelheit Ehmke, die, wenn sie nicht gerade als Präsident der European Plattform of Women Scientists tätig ist, im Stiftungsrat der Leuphana Universität Lüneburg sitzt.
  • Der Reigen der Begutachter wird erweitert durch Uta Feser, Präsident der Fachhochschule Neu-Ulm, die damit einer Fachhochschule vorsitzt, der es, ebenso wie der Humboldt Universität von Verfassungsrichterin Baer gelungen ist, gleich drei Lehrstühle aus dem Professorinnenprogramm fördern zu lassen.
  • Wir finden auch männliche Begutachter im Gremium, drei unter 15 Begutachtern, einer davon ist Peer Pasternack, der Direktor des Instituts für Hochschulforschung an der Universität Halle-Wittenberg. Sie erinnern sich an das Institut für Hochschulforschung? Das ist das Institut, in dem das Professorinnenprogramm I im Auftrag und auf Kosten des BMBF evaluiert und als Erfolg befunden wurde. Wie sich die Kreise doch immer schließen, wäre es nicht so offensichtlich sumpfig, man könnte fast lachen über diese offene Form der Basenwirtschaft.
  • Neben Peer Pasternack hat es Andreas Spiegl von der Akademie der Bildenden Künste in Wien in das Begutachtergremium verschlagen. Wenn Sie dazu Fragen haben, bitte, wir haben keine.
  • Der Reigen wird abgerundet von Christine Färber, die ihren Lebensunterhalt damit zu verdienen scheint, Seminare im Gender Mainstreaming durchzuführen und insofern gleich in doppelter Hinsicht für das Begutachtungsgremium nützlich zu sein scheint.
  • Der Vollständigkeit halber wollen wir noch die restlichen Begutachter nennen. Es sind dies Karin Lochte, beim Alfred Wegener Institut für Polar- und Meeresforschung zuständig und im Reigen der Gender-Günstlinge somit ein Exot;Elisabeth Maurer, an der Universität Zürich als Gleichstellungsbeauftragte tätig und somit kein Exot; Detlef Müller-Böling, emeritiert, aber immer noch aktiv wie es scheint, Ursula Nelles, Rektor der Westfälischen-Wilhelms-Universität und somit einer Universität, die nicht am Professorinnenprogramm I teilgenommen hat und schließlichBrigitte Voit , die in Polymeren forscht und somit ein weiterer Exot im Gremium der Gender-Experten ist.

Ja, das also ist das Gremium der Begutachter, die Mehrzahl davon mit einer ganzen Reihe von Interessen gesegnet, die eher nicht dem Ideal des unabhängigen Begutachters entsprechen und die überwiegende Mehrheit mit erheblichen Interessen im Bereich der Genderforschung, Interessen, die durch die 150 Millionen Euro des Programms sicher keinen Schaden nehmen. Sie alle haben über die Vergabe der Mittel des Programms entschieden und dabei Kriterien angelegt, die in offizieller Lesart klar und eindeutig sind und die tatsächlich dadurch auffallen, dass sie die Kriterien, nach denen der Aufstieg in einer meritokratischen Gesellschaft und insbesondere an Universitäten eigentlich funktionieren soll, nicht enhalten. Wir sprechen von Qualifikation. Kompetenz, Fähigkeit, Leistung … Scheinbar waren die Begutachter der Meinung, das Kriterium “weiblich” umfasse alle genannten Kriterien, weshalb man sich nicht weiter damit beschäftigen müsse.

Und außerdem ist ja nicht Qualität das Ziel des Professorinnenprogramms, sondern Quantität, und deshalb ist es vor allem wichtig, dass die Universitäten, die Mittel aus dem Professorinnenprogramm erhalten:

  • einen Plan zur Erhöhung des Anteils von Frauen in “wissenschaftlichen Spitzenpositionen” präsentieren;
  • einen Plan zur Karriere- und Personalentwicklung für Nachwuchswissenschaftlerinnen vorlegen;
  • einen Plan zur Akquirierung von Studentinnen für Fächer, in denen Frauen unterrepräsentiert sind, vorlegen”

Und selbstverständlich darf auch die Umgestaltung von Universitäten in Kindertagesstätten nicht fehlen, weshalb jede Hochschule, die im Professorinnenprogramm gefördert werden will, ein Konzept für eine familiengerechte Hochschule vorlegen muss, das flexible Arbeitsformen und Arbeitsortwahl sowie Kinderbetreuungsangebote umfasst.

Wem das alles noch nicht reicht, der kann die komplette Liste der Kriterien in der Abbildung nachlesen. Uns bleibt abschließend nur darauf hinzuweisen, dass die Netzwerkbildung, die in Genderkreisen für so wichtig erachtet wird und die in der Besetzung des Begutachtungsgremiums ihren deutlichen Niederschlag gefunden hat, eine Form des Nepotismus, der Basenwirtschaft heraufbeschworen hat, die ihresgleichen sucht und bei näherer Betrachtung vermutlich alle bekannten Versuche, eine Gesellschaft mit einem Netz von Günstlingen zu durchziehen, in den Schatten stellt. Da bleibt einem nur, die alte Weisheit auszugraben, dass Netzwerke die Tendenz zur Implosion in sich tragen, da die Zahl der Günstlinge schneller zu wachsen pfelgt als die Höhe der Mittel, die unter den Günstlingen aufgeteilt werden kann.

 

 

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