Wissenschaft

Braucht unsere Gesellschaft „Gender Studies“?

09. Februar 2014, von Prof. Günter Buchholz

Der Anglizismus „Gender Studies“ bezeichnet in Deutschland faktisch nicht etwa „Geschlechterforschung“, die eine Forschung wäre, die Fragen im Hinblick auf beide Geschlechter und ihr wechselseitiges biologisches, soziales und kulturelles Verhältnis zueinander stellte und dann wissenschaftlich untersuchte, sondern sie ist einseitig Frauenforschung, also Forschung von Frauen über Frauen für Frauen, teilweise sogar nur für kleine Minderheiten von Frauen (Queer Studies).

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Abgesehen davon, dass m. W. für diese Absonderung keine einleuchtende Begründung existiert, liegt bereits darin eine Verkürzung und Verzerrung des Themen- und Forschungsbereichs, die kaum folgenlos bleiben kann.

Forschung ist das individuelle und zugleich gesellschaftliche Bemühen, neue Erkenntnisse zu gewinnen, also den Raum des Wissens zu erweitern, auch wenn dieses Wissen in der Regel vorläufig und überholbar bleibt. Nicht immer, aber doch oftmals ergeben sich daraus früher oder später positive und neuartige Anwendungen, die der Gesellschaft zugute kommen und in diesem weiten Sinne Nutzen stiften. Manchmal gibt es epochale Durchbrüche, meist aber nur kleine Fortschritte, und nicht selten können die Ergebnisse je nach Anwendung Nutzen stiften oder Schaden anrichten. Und weil irren eben menschlich ist, gibt es selbstverständlich auch in der Forschung solche Ergebnisse, die sich als bedeutungs- und wertlos erweisen: den Abfall des Forschungsprozesses.

Abgesehen von persönlichen Motivationen muss für Forschung Zeit und Geld aufgewendet werden. Weder Zeit noch Geld sollten, darüber dürfte noch Einigkeit bestehen, verschwendet werden, jedenfalls dann nicht, wenn sich die Gesellschaft daran beteiligt, z. B. indem sie die Forschung finanziert. Aus gesellschaftlicher Sicht ist Forschung weiter nichts als ein Zweig der gesellschaftlichen Arbeitsteilung für Spezialisten, die gelernt haben und wissen, wie man durch Anwendung geeigneter wissenschaftlicher Methoden zu tragfähigen Ergebnissen gelangt, die neue Erkenntnisse darstellen und dadurch den Raum des Wissens erweitern. Das ist Forschungsarbeit; sie führt zu Ergebnissen, die nicht nur nachvollzogen, überprüft und bewertet werden können, sondern die bewertet  (oder - mit anderen Worten - evaluiert) werden müssen. Und genau diese kritische Überprüfung abgelaufener Forschungsprozesse ist die Aufgabe einer Forschungsbewertung (Forschungsevaluation).

Für "Gender Studies" in Niedersachsen gibt es nun eine Forschungsevaluation, die im Auftrag des Niedersächsischen Ministeriums für Wissenschaft und Kunst (MWK) von der untergeordneten Wissenschaftlichen Kommission Niedersachsens (WKN) im Jahre 2013 durchgeführt worden ist; möglicherweise ist es die erste und einzige ihrer Art.

In einer Forschungsevaluation „Gender Studies“ werden notwendigerweise Fragen gestellt: ob die Forschungen, die im Zusammenhang der „Gender Studies“ bzw. der Frauenforschung bearbeitet worden sind, wissenschaftstheoretisch und methodisch begründet und fundiert sind, ob sie zu nachvollziehbaren und überprüfbaren Ergebnissen geführt haben, und ob sich aus ihnen - in einem weiten Sinne - ein gesellschaftlicher Nutzen ergeben hat und worin dieser bestehen soll.

In dem längeren Text in den unten angegebenen Quellen wurden diese Überlegungen aufgenommen, und es wurde versucht,  die Forschungsevaluation der WKN ihrerseits zu bewerten. Der Ergebnisbericht dieser WKN-Evaluation wird dargestellt und kritisch kommentiert.

Das Ergebnis der Kritik lautet, dass im Sinne der obigen Anforderungen gar keine Evaluation des Forschungs-Outputs vorgenommen worden ist, sondern dass es der beauftragten Kommission nur darum ging, die Input-Strukturen zu stärken, indem mehr Stellen, mehr finanzielle Mittel  und noch weniger Kontrollen gefordert wurden.

Letztlich geht es um die allgemeine Frage, ob es gesellschaftlich vernünftig ist, für den jeweiligen Forschungszweig zeitliche und finanzielle Mittel einzusetzen und diese unwiderruflich zu verbrauchen und damit nicht mehr für andere Zwecke einsetzen zu können; oder eben nicht.  

Quellen

http://serwiss.bib.hs-hannover.de/frontdoor/index/index/docId/405

oder
http://www.odww.de/index.php?navID=100&uid=601

 

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