Wissenschaft

Gegen den Staatsfeminismus

11. Dezember 2013, von Dr. Inge Schuster

Auf Grund meiner Zugehörigkeit zum weiblichen Geschlecht war ich bereits vor einem halben Jahrhundert und bis jetzt weder in Deutschland (an einem MPI) noch in Österreich (Uni, Pharma) irgendeiner Benachteiligung ausgesetzt.

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Dieser Genderunfug ist eine Mißachtung aller Frauen, die sich ihre Karrieren durch Wissen, Können und Leistung erarbeitet haben! Der „Staatsfeminismus“ führt auch in Österreich zu intolerablen Auswüchsen.

Als Frau, die ein Leben lang in Grundlagen- und angewandter Forschung und Lehre gearbeitet hat, kann ich den Offenen Brief zur Rettung von Freiheit von Forschung und Lehre nur voll unterstützen. In Wien geboren (Jg. 1941) und aufgewachsen, habe ich an der Universität Wien Chemie studiert. Da ich aus einer armen Familie kam und es damals keine Stipendien, wohl aber Studiengebühren gab, habe ich einen Teil der Kosten durch Nachhilfestunden verdient. Daß die meisten meiner Kollegen männlich waren, ist mir eigentlich nie besonders, vor allem nicht negativ aufgefallen, weder während des Studiums oder der darauffolgenden Anstellung an der Uni, während des mehrjährigen post-doc-Aufenthalts an dem höchst renommierten Max-Planck-Institut für Biophysikalische Chemie in Göttingen noch während der 30-jährigen Forschungs-Tätigkeit in einem der größten Pharma-Konzerne.

Ich erhielt immer zumindest vergleichbar große – häufig mehr – Ressourcen, Entlohnung und Möglichkeiten wie meine männlichen Mitstreiter. Mein Forschungslabor war immer “gender-neutral”, beherbergte männliche und weibliche Techniker, Diplomanden und (post)Doktoranden. Auch jetzt nach Jahren im sogenannten Ruhestand bin ich noch wissenschaftlich aktiv, mit zahlreichen meiner häufig jüngeren in- und ausländischen Kollegen und Freunden in Kontakt. Der Fokus verschiebt sich (mangels eines eigenen Labors) allerdings mehr auf Wissenschaftskommunikation – ich freue mich, zu Vorlesungen und Vorträgen eingeladen zu werden (die letzten acht Jahre war ich u.a. Lektor an einer Fachhochschule) und betreibe seit 21/2 Jahren gemeinsam mit einem Freund einen Science Blog (http://scienceblog.at/), der das gesamte Spektrum der Naturwissenschaften umfasst.

In den Jahrzehnten, die ich bewußt überblicke, habe ich gesehen, daß das Respektieren einer Person nicht davon abhängt, ob es sich um einen Mann oder eine Frau handelt, sondern allein um deren Fähigkeiten, Leistungsbereitschaft und Effizienz. In vielen Fällen bemerkte ich, daß dabei kritisches Denken und – wohlbegründete – Ablehnung von Anordnungen keine negativen Auswirkungen nach sich ziehen. Vor allem Firmen sind ja unabdingbar von positivem Input abhängig und nicht davon, ob dieser männlich oder weiblich ist. In vielen Fällen (auch in meinem) sah ich, daß eine intakte Familie mit Kindern zwar die Belastung der Frau erhöht, aber nicht in Widerspruch zu einer möglichen “Karriere” steht. Gehobene und leitende Funktionen sind aber meistens nicht mit Teilzeitarbeit kompatibel, sondern verlangen viele, viele (unbezahlte) Mehrarbeit und somit entsteht – zumindest solange Kinder noch klein sind – Arbeit rund um die Uhr und Verzicht auf jegliche Freizeitaktivitäten.

Es ist nicht verwunderlich, daß viele Frauen (auch unter meinen ehemaligen Kolleginnen und Mitarbeiterinnen) ein weniger anstrengendes Leben vorgezogen haben und noch vorziehen. Wenn wesentliche Kriterien zur Bereitstellung von Ressourcen, Unterstützung und Karrieremöglichkeit einer Person in deren Fähigkeiten, Leistungsbereitschaft und Effizienz liegen, dann darf und kann es in einem vernünftigen System keine Gender-Quote geben! Diese Quote würde nicht nur zur Nivellierung der Leistungen nach unten führen, sondern auch Leistungen der Frauen als deren offensichtliche Verursacher generell negativ bewerten.

Ein wichtiges Anliegen ist mir dabei auch die “Ver-innen-ung” (Verhunzung) unserer Sprache zu stoppen, die bereits heute zu lächerlichen, praktisch nicht mehr vorlesbaren Texten geführt hat. Quoten sollten sich auch deshalb erübrigen, weil die Zahl weiblicher Studenten in vielen Studienrichtungen bereits die Zahl der männlichen übertrifft: Entsprechend dem Darwin’schen Selektions-Prinzip sollte man somit in einigen Jahren auch eine wesentliche Erhöhung der “surviving fittest females” erwarten, die sich um “Karriere-” Positionen in Akademie, Wirtschaft und Politik bewerben.

 

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