Wirtschaft

Zukunft der Weltökologie und -ökonomie

16. August 2013, von Prof. Günter Buchholz

Unter dem obigen Titel soll die Herbsttagung 2013 des Arbeitskreises Politische Ökonomie durchgeführt werden. Sie schließt an die Herbsttagung 2011 in Trier an und widmet sich der Zukunft der Industrienationen und der kapitalistischen Produktionsweise.

ErdeHände-lonh7851

Der erste Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass der „…Beginn des 21. Jahrhunderts (…) durch eine in der Geschichte noch nie dagewesene Situation gekennzeichnet [ist], die uns mit dem gleichzeitigen Auftreten weltweiter Umwelt-, Ressourcen-, Klima- Wirtschafts- und Finanzkrisen konfrontiert.

Das völlige Scheitern an den sich auftürmenden globalen Problemen ist zumindest als Möglichkeit ins Auge zu fassen. Diese Krisen, die in der öffentlichen Diskussion zumeist als voneinander getrennt wahrgenommen und diskutiert werden, haben ihre gemeinsame Ursache in der widersprüchlichen kapitalistischen Dynamik. Die Logik der Produktion des relativen Mehrwerts und der ihr inhärente ´prozessierende Widerspruch` liefern hierfür die Begründung. Die daraus resultierende Diagnose verweist allerdings nicht auf eine bloße Reinigungskrise im Sinne der Schumpeterschen ´schöpferischen Zerstörung`, sondern auf nichts weniger als das Endstadium der kapitalistischen Produktionsweise.“ (Claus-Peter Ortlieb: "Der prozessierende Widerspruch", in: Ökonomie und Gesellschaft – Jahrbuch 24: Entfremdung – Ausbeutung – Revolte, Hrsg. Gerd Grözinger und Utz-Peter Reich, Marburg 2012, S. 127 – 144)

Der zweite Ausgangspunkt ist das kleine aber wichtige Buch „Utopistik – Historische Alternativen des 21. Jahrhunderts“ des Weltsystemtheoretikers Immanuel Wallerstein, und damit seine Diagnose, dass das Weltsystem in eine längere Phase der Turbulenz eingetreten sei, in der es in den gesellschaftlichen Konflikten um historische Weichenstellungen des 21. Jahrhunderts für die fernere Zukunft geht (vgl. hierzu: http://www.praxisphilosophie.de/weltsystem.htm).

Eine dieser Weichenstellungen betrifft die Frage, ob ein ökologisch verträglicher Entwicklungspfad gefunden und eingeschlagen werden wird, denn ohne die Weltökologie kann die Weltökonomie angemessen nicht mehr gedacht werden.

Die Entwicklung der kapitalistischen Produktionsweise hat dazu geführt, dass die übermäßige Ausnutzung der Quellen des gesellschaftlichen Reichtums, der Arbeitskraft und der Natur, und die Entwicklung der Produktivkräfte, also des technischen Fortschritts, des Wissens und der Arbeitsproduktivität, auch die Ökonomie an Grenzen der Kapitalakkumulation herangeführt hat. Dabei spielen gesellschaftsinterne Widersprüche der Produktion, der Verteilung, des Konsums sowie des Geld- und Kreditsystems einschließlich der Finanzialisierung ihre eigene bedeutende Rolle. Diese Widersprüche haben sich in der Großen Krise seit 2007 Geltung verschafft.

Wie werden sich, hiervon ausgehend, die Triade, die BRIC-Länder und die Entwicklungsländer im 21. Jahrhundert voraussichtlich entwickeln?

Während auf diese Fragen – mit zahlreichen wichtigen Beiträgen und Büchern – üblicherweise mit im Grunde konservativen Fragestellungen nach einer für das bestehende Wirtschaftssystem besseren Wirtschafts- und Sozialpolitik geantwortet wird, soll es hier um die Frage nach einer historischen Grenze der kapitalistischen Produktionsweise und ihrer möglichen oder notwendigen Transformation gehen; einer möglichen Transformation deswegen, weil die produktiven Bedingungen dieser Produktionsweise vermutlich ausgereift sind, und eine notwendige Transformation, weil die entwickelten Produktionsbedingungen eine Transformation zu einer Alternative hin nahe legen oder verlangen.

Zu den vorgestellten Fragen waren ursprünglich die folgenden Themenkreise geplant, von denen aber Nr. 2 und 3 leider nicht abgedeckt werden können:

1 Die Weltsystemtheorie (Immanuel Wallerstein) und ihre Perspektiven
2 Die Zukunft der Triade (USA, EU, Japan) im 21. Jahrhundert
3 Die Zukunft der BRIC–Staaten im 21. Jahrhundert
4 Die Zukunft der Entwicklungsländer und der Entwicklungspolitik im 21. Jahrhundert
5 (K)eine Zukunft der kapitalistischen Produktionsweise?
6 Transformation der kapitalistischen Produktionsweise? Und ihre Alternativen?

Die Tagung soll vom Freitag dem 18. bis Sonntag den 20. Oktober in Hannover (im Hanns-Lilje-Haus, Knochenhauerstr. 33, Altstadt/Nähe Marktkirche) stattfinden. Interessenten sind herzlich eingeladen. Wer an der Tagung teilnehmen möchte, sollte möglichst eine E-Mail an den Initiator Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! schreiben, um die Planung zu erleichtern.

Die Feinplanung der Tagung finden Sie hier.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Wer will die Frauenquote?

Interessen des Besitzbürgertums versus Interessen des weiblichen Angestelltenmilieus 10. November 2014, von Prof. Günter Buchholz
Wenn es - nach einem Diktum von Karl Marx - das (gesellschaftliche) Sein ist, das das Bewusstsein bestimmt, dann ist zu erwarten, dass es Sichtweisen gibt, die sich aus Gründen der sozialen Schichtung und den sich daraus ergebenden unterschiedlichen Wahrnehmungs- und...

Gesellschaft

Ohne Kapitalismus kein Respekt

19. Mai 2012, von Michael Klein - zuerst erschienen auf Sciencefiles.org
Derzeit ist es en vogue, sich vom Kapitalismus zu distanzieren. “Die Krise heißt Kapitalismus” titelt die “Gruppe soziale Kämpfe” deren Ziel darin besteht, Re-Kommunalisierung und Verstaatlichung durchzusetzen, also Sozialismus einzuführen.
Eine andere Sektion der so genannten “Occupy Bewegung” ist gar der Ansicht “Echte Demokratie...

Gesellschaft

Gerechtigkeit und Ungleichheit

11. Juli 2013, von Prof. Günter Buchholz
„Gerechtigkeit“ ist im Alltagsbewusstsein ein ebenso gängiger wie unscharfer Ausdruck. Dass dieser oder jener Sachverhalt ungerecht sei, das wird gerne und häufig vorgeworfen.
Und es wird damit die Erwartung verknüpft, dass der angesprochene andere Mensch doch bitte unmittelbar einsehen müsse, dass die Aussage, es bestehe eine Ungerechtigkeit, berechtigt und zu...

Politik

Was Guy Fawkes Day mit der EU-Bürokratie zu tun hat

06. November 2013, von Michael Klein
Gestern war Bonfire-Night im Vereinigten Königreich, Guy Fawkes Day. Guy Fawkes war einer von 13 Verschwörern, katholischen Verschwörern, die im Jahre 1605 geplant haben, das House of Lords in die Luft zu sprengen und alle, die sich am 5. November darin befinden, vor allem King James I, um ihn durch seine neunjährige Tochter ersetzen zu können und dieselbe...

Gesellschaft

Wussten Sie eigentlich, dass Sie rechts sind?

Über die Hintergründe und Konsequenzen einer kritischen Sichtweise auf den Feminismus 14. August 2013, von Till Schneider
Ich schreibe derzeit an meinem zweiten Essay über den Feminismus. Er ist fast fertig und wird in Buchform wohl eine Länge von 350 bis 400 Seiten erreichen.
Man kann sich denken, dass ich seit Beginn meiner Beschäftigung mit dem Thema, zu datieren auf August 2012, eine Menge von...

Gesellschaft

Niedergang der Presse am Beispiel der „Brigitte“

30. Oktober 2014, von Hadmut Danisch
Ich fange das mal anders an. Ich war zweimal im Laufe meines Berufslebens bei Internet-Providern tätig. Trotzdem unterschieden sich die Tätigkeiten extrem.
Beim ersten Provider war ich bei einem der beiden ersten deutschen Provider, bei dem wir damals noch alles selbst machten und wirklich jede Schraube und jedes Bit persönlich und beim Vornamen kannten. Es...

Geschlechterdebatte

Wie Alice Schwarzer einmal eine Alien-Invasion bekämpfte

10. Juli 2013, von Lucas Schoppe
Ich brauche den Feminismus, damit jemand meine Stimme zum Verstummen bringt.“ Diesen Satz, eine Übersetzung der Reaktion eines amerikanischen Mannes auf die dortige „whoneedsfeminism“-Kampagne, habe ich vor wenigen Tagen auf der Facebook-Seite des deutschen Pendants „Wer braucht Feminismus?" veröffentlicht. Er wurde sofort gelöscht.
Anlass für mich waren...

Gesellschaft

Gesellschaftliche Entfremdung auflösen! Für ein Leben und Lernen in Freiheit

26. November 2012, von Prof. Günter Buchholz
Rezension des Buches „Sehnsucht nach Wahrheit“ von Christa Maria Bauermeister
Die Initiatorin und Herausgeberin dieses Buches war Oberstudienrätin am Alfelder Gymnasium, hat sich nach Herausgabe des Buches jedoch versetzen lassen. Dieser Wunsch nach Versetzung steht im Zusammenhang mit der Haltung des Kollegiums und des Schulleiters des Alfelder...

Geschlechterdebatte

Polemischer antifeministischer Backlash, gruselige Verschwörungstheorien ...

... und andere sachliche Worte der Zeit für Kritik an den Gender Studies 22. Juli 2015, von Lucas Schoppe
In der Zeit hat die Kulturjournalistin und Deutschlandradio Kultur-Redakteurin Catherina Newmark gerade einen Text veröffentlicht, in dem sie Kritikern der Gender Studies vorwirft, ihre Kritik lediglich Aus Angst vor einem anderen Leben zu üben: aus Angst also vor einer Änderung bestehender...

Geschlechterdebatte

Antifeminismus zwischen Demagogie und Flirthilfe

19. August 2013, von Lucas Schoppe
Da lese ich, im Zug sitzend, unschuldig auf meinem Laptop ein paar Texte zum Thema „Antifeminismus“, kämpfe mich zum Beispiel ohne Rücksicht auf mich selbst durch Rolf Pohls „Männer – das benachteiligte Geschlecht? Weiblichkeitsabwehr und Antifeminismus im Diskurs über die Krise der Männlichkeit“
und bleibe trotz des wikipedia-Artikels mit der großen...

Geschlechterdebatte

Die Angst vor dem Feminismus

27. September 2013, von Eckhard Kuhla
Befragt nach dem Grund seiner Zustimmung zu dem seltsamen „Herr Professorin“-Beschluss, antwortete der Senats-Vicechef der Uni Potsdam: „... es hätte sonst Ärger mit Feministinnen gegeben“.
Diese seltsame Kapitulation und die fehlende Zivilcourage verblüffen. Es zeigt: Ein Phänomen geht um. Es ist die A n g s t vor Folgen, nicht politisch korrekt zu handeln. Folgen,...

Politik

Wo sind die Linken aus den islamischen Ländern geblieben?

29. Dezember 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren lernte ich viele Studenten aus den islamischen Ländern kennen. Sie waren alle links und atheistisch. Was ist aus ihren Überzeugungen geworden?
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lernte ich sehr viele Studenten aus den sog. „islamischen Ländern“ kennen (damals sprach...