Interview mit Professor Günter Buchholz

14. September 2013, von Dr. Alexander Ulfig

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Alexander Ulfig: Herr Professor Buchholz, Sie verstehen sich selbst als Linken. Was heißt für Sie links?

Günter Buchholz: In der bürgerlichen Gesellschaft steht politisch links, wer innerhalb der objektiven gesellschaftlichen und ökonomischen Herrschaftsverhältnisse für eine wirtschaftliche, soziale, rechtliche und politische Besserstellung der Beherrschten eintritt und wer diese Praxis mit der Perspektive einer geschichtlichen Emanzipation der Beherrschten verbindet.

 

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09. September 2013, von Dr. Johannes Resch

Borcherts Ausführungen haben Gewicht. Er war als Sachverständiger wesentlich am Zustandekommen des „Trümmerfrauenurteils“ 1992 und des Urteils zur Pflegeversicherung 2001 beteiligt. Als Vorsitzender Richter am Hessischen Landessozialgericht rief er erfolgreich das Bundesverfassungsgericht zur Überprüfung der Hartz IV-Gesetze an.

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Gleich eingangs geißelt er den „semantischen Betrug“, indem durch Begriffe wie „Versicherung“  und „Generationenvertrag“ ein solides Sozialsystem vorgegaukelt werde. Tatsächlich handle es sich aber um ein brutales Umverteilungssystem von Arm zu Reich, das durch „Transferausbeutung der Familien“ gekennzeichnet sei und „auf breiter Front“ das Grundgesetz verletze.

 

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16. August 2013, von Prof. Günter Buchholz

Unter dem obigen Titel soll die Herbsttagung 2013 des Arbeitskreises Politische Ökonomie durchgeführt werden. Sie schließt an die Herbsttagung 2011 in Trier an und widmet sich der Zukunft der Industrienationen und der kapitalistischen Produktionsweise.

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Der erste Ausgangspunkt ist die Hypothese, dass der „…Beginn des 21. Jahrhunderts (…) durch eine in der Geschichte noch nie dagewesene Situation gekennzeichnet [ist], die uns mit dem gleichzeitigen Auftreten weltweiter Umwelt-, Ressourcen-, Klima- Wirtschafts- und Finanzkrisen konfrontiert.

 

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22. Juli 2013, von Prof. Günter Buchholz

Die institutionelle Stabilität des traditionellen deutschen dreigliedrigen Schulsystems ist wirklich ungewöhnlich. Sie hat ganze historische Epochen überstanden: das deutsche Kaiserreich, die Weimarer Republik, das sogenannte „Dritte Reich“, und auch innerhalb der Bundesrepublik hat sich diese Struktur mit kleineren oder größeren Modifikationen bis in die Gegenwart behauptet.

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Weder pädagogische Kritik noch ausländische Beispiele besserer schulischer Strukturen haben daran etwas ändern können.

 

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17. Juli 2013, von Monika Ebeling

Wenige Tage, nachdem ich meinen Blogbeitrag "Arme Jungs" veröffentliche, in dem ich auf miese Zustände für bildungsschwache junge Männer in der Leiharbeit hinweise, erhalte ich eine anonyme Email von "klytem".

Leiharbeiter-hgcs6729Sie stellt sich mir als Frau vor, die seit 20 Jahren selbstständige Unternehmerin in der Leiharbeit ist.  Sie schreibt, dass sie mit Männern nur deshalb Geld verdienen kann, weil sie, Klytem, ihre Stundenlöhne immer wieder drücken könnte.

 

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12. Juli 2013, von Dr. Bruno Köhler

Wiederholt hat MANNdat die problematische Arbeitsmarktsituation von Männern thematisiert. Schon die ehemalige Bundesanstalt für Arbeit hat männliche Arbeitslose bei der Arbeitsmarktförderung benachteiligt. Für Männer, die arbeitslos sind oder von Hartz IV leben müssen, hat sich die Situation seitdem noch verschlechtert.

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Wiederholt hat MANNdat die problematische Arbeitsmarktsituation von Männern thematisiert – im Gegensatz zum Bundesforum Männer, das von der Bundesregierung finanziert wird und behauptet, die „Interessensvertretung für Jungen und Männer“ zu sein.

 

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11. Juli 2013, von Prof. Günter Buchholz

„Gerechtigkeit“ ist im Alltagsbewusstsein ein ebenso gängiger wie unscharfer Ausdruck. Dass dieser oder jener Sachverhalt ungerecht sei, das wird gerne und häufig vorgeworfen.

MännerArmut-kash6719Und es wird damit die Erwartung verknüpft, dass der angesprochene andere Mensch doch bitte unmittelbar einsehen müsse, dass die Aussage, es bestehe eine Ungerechtigkeit, berechtigt und zu unterstützen sei.

 

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05. Juli 2013, von Prof. Günter Buchholz

Hochschulabsolventen bieten in der Regel ihre Arbeitskraft auf dem Arbeitsmarkt an, und sie werden schon im Studium darauf trainiert, sich für die Auswahlprozesse der Nachfrager nach Arbeitskraft fit zu machen (Bewerbertrainings). Das verweist darauf, dass am Arbeitsmarkt eine enorme Machtasymmetrie existiert.

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Die faktische Dominanz der Nachfrageseite zwingt nicht nur Bewerber zur vorausschauenden Anpassung, bis hin zur Unterwürfigkeit, sondern sie greift auf die Anbieterseite und die Bildungsinstitution Hochschule über,

 

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03. Juli 2013, von Prof. Günter Buchholz

Wir leben nach wie vor in einer stratifizierten Gesellschaft, d. h. in einer Gesellschaft, die durch die Existenz sozialer Klassen und Schichten konstituiert und geprägt wird.

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Es können zwei konstituierende Merkmale unterschieden werden: zum einen das Vermögen und zum anderen die Bildung.

 

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25. Juni 2013, von Sebastian Müller

Die Menschen in Brasilien gehen zu Recht auf die Straßen: Milliarden für die WM statt Gelder für Bildung, dazu korrupte Strukturen in der Politik. Doch die Kritik an der Regierung wirft auch einen großen Schatten auf die FIFA.

In einem fußballverrückten Land, vielleicht dem fußballverrücktesten überhaupt, protestieren die Menschen gegen die Weltmeisterschaft im kommenden Jahr. Wie konnte es dazu kommen? Diejenigen Funktionäre und ehemaligen Stars, die sich oder den Fussball bereits verkauft haben, können sich freilich keinen Reim darauf machen. FIFA-Präsident Sepp Blatter rechnete mit dem Ende der Proteste, sobald der Confed-Cup beginnen würde, da der Fußball “stärker als die Unzufriedenheit der Menschen” sei.

Doch längst geht es nicht mehr nur um Fußball. Blatters Ignoranz wurde mit einem donnernden Buh-Konzert bestraft, so dass er bei der Eröffnungsfeier des Confed-Cups minutenlang nicht zu Wort kam. FIFA und Regierung spielten diesen Vorfall, der die Stimmung im Land deutlicher nicht symbolisieren könnte, mit fadenscheinigen Erklärungsversuchen herunter.

 

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23. Juni 2013, von Prof. Günter Buchholz

Der von Ralph Bollmann und Inge Kloepfer geschriebene FAZ-Artikel „Chancengerechtigkeit – Die neue Klassengesellschaft“ greift aus empirischer Sicht zu Recht das Problem der vertikalen sozialen Mobilität – insbesondere die intergenerationelle Aufwärtsbewegung - auf.

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Positiv ist zu vermerken, dass der Blickwinkel zu Recht an der gesellschaftlichen Stratifizierung orientiert ist, denn es werden „Klassen“ oder „Schichten“ betrachtet und eben nicht, wie es gendermodisch - und falsch - nahe läge, das weibliche Geschlecht einerseits gegenüber dem männlichen Geschlecht andererseits, d. h., die „feministische Dichotomisierung“ wird implizit zurückgewiesen.

 

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16. Juni 2013, von Prof. Günter Buchholz

Das politische  Links-Rechts-Schema wirkt heute zu Recht vielfach veraltet, zum Teil deshalb, weil es Probleme gibt, die – wie die ökologische Krise – unabhängig von politischen Positionen die ganze Menschheit betreffen.

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Hinzu kommt, dass diese Begriffe verpönt sind: die ehemals Rechten („Deutschnationale“, „Konservative“) und die ehemals Linken („Sozialisten“, „Sozialdemokraten“) sehen sich heute alle in der MITTE stehen, was immer das auch bedeuten mag.

 

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