Oder: Wie die Dialektik der Aufklärung die Verbreitung der Aufklärung verhinderte

12. Dezember 2016, von Dr. Alexander Ulfig

Die Kritische Theorie, auch "Frankfurter Schule“ genannt, gehört zu den einflussreichsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Ihr programmatisches Werk ist die 1947 von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verfasste Dialektik der Aufklärung.

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Bild: Jjshapiro in der Wikipedia auf Englisch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6633571, Bild beschnitten

Darin formulieren die beiden Hauptvertreter der Kritischen Theorie ihre folgenreiche Kulturkritik. Ihre Hauptthese lautet: Die Aufklärung schlägt in Gegenaufklärung um; fortschrittliche Ideale werden in ihr Gegenteil verkehrt. Die Aufklärung mündet in Unterordnung, skrupellose Machtausübung und Gewalt – sie mündet letztlich in Faschismus.

 

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25. Juli 2016, von Gunnar Kunz

Ich hätte nie gedacht, dass es mir mal so gehen würde. Eigentlich bin ich ein optimistischer Mensch. Noch nie hatten wir so viele Möglichkeiten, uns zu entfalten, wie heute. Jeder kann leben, wie er es für richtig hält. Geschichte vollzieht sich in Pendelbewegungen, doch unterm Strich wird das Leben besser. Von alledem bin ich noch immer überzeugt. Aber im letzten Jahr hat sich etwas in mir verändert. Ich bin pessimistischer geworden in Bezug auf die Zukunft.

Gezeiten njhu7856 Häufig werde ich im Anschluss an eine Lesung aus einem meiner Kriminalromane aus der Weimarer Republik gefragt, ob ich Parallelen zwischen damals und heute sähe. Bis vor kurzem habe ich zwar Gemeinsamkeiten, auch erschreckende, benannt, aber immer hinzugefügt, dass man die Ausgangsbedingungen nicht vergleichen kann.

 

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25. September 2015, von Prof. Günter Buchholz

Alexander Ulfig fasst die Ergebnisse seines Aufsatzes „Das Desiderat des Marxismus“ wie folgt zusammen: „Das Fehlen einer moralisch-ethischen Grundhaltung ist für weite Teile der linken Denktradition konstitutiv, und zwar seit den Anfängen dieser Denktradition bei Karl Marx und Friedrich Engels. Beide Denker haben es versäumt, ihre Lehre auf ethische Fundamente zu stellen oder wenigstens ethische Aspekte zu berücksichtigen. Das hatte und hat bis heute verheerende Folgen für eine sich links gebärdende Politik. Nur eine Umorientierung, eine tiefgreifende Änderung des linken Selbstverständnisses könnte hier Abhilfe schaffen.“ (1)

marxIch werde im folgenden Gedankengang versuchen zu überprüfen, ob und inwieweit diese Aussage widerlegt oder bestätigt werden kann.

 

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Oder: Wie die Linken auf ihre Ideale verzichten

16. August 2015, von Dr. Alexander Ulfig

Früher haben große Teile der Linken Karriere abgelehnt. Sie wurde als Ausdruck der Entfremdung angesehen und galt als Inbegriff von Geldgier, hierarchischen Strukturen, Konkurrenz und Ellenbogenmentalität, kurz: als Inbegriff des falschen Lebens.

Karriere mknj7643 Seit geraumer Zeit beobachten wir eine Rehabilitierung des Karrierismus, und zwar insbesondere in der sich als links begreifenden Frauenbewegung. Doch welche Gründe gibt es für diesen Sinneswandel?

 

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09. Februar 2015, von Christine Bauer-Jelinek


Die vielzitierte „Gläserne Decke“, die besagt, dass Frauen auf ihrem Karriereweg (von Männern) behindert würden, ist ein Mythos – auch wenn deutlich weniger Frauen in Top-Positionen zu finden sind. Die Vorstellung von benachteiligten und unterdrückten Frauen einerseits und bestens verdienenden Männern, denen ein „roter Teppich“ für ihren Aufstieg an die Spitze gelegt wird, hält einer objektiven Betrachtung nicht stand: Gleichberechtigung und Chancengleichheit sind längst erreicht.

Frauenteam-njhu8234 Gleichberechtigung heißt, dass es Rechte gibt, die man wahrnehmen kann oder auch nicht. Sonst wäre ja auch das Scheidungsrecht erst dann erfüllt, wenn alle geschieden wären oder wenn Trennungen genau zur Hälfte von Männern und Frauen beantragt würden.

 

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02. Februar 2015, von Prof. Günter Buchholz

Alban Werner, ein Mitglied der Partei der LINKEN, hat in den Blättern für deutsche und internationale Politik einen lesenswerten Artikel über die „Alternative für Deutschland“ (AfD) veröffentlicht, in dem er sich, auch wenn es ihm, wie manche Formulierungen erkennen lassen, schwer gefallen und nicht immer gelungen ist, doch erkennbar um eine gewisse Sachlichkeit und Differenzierung bemüht hat.

Faeusterot-vcxd4325 Angesichts des trüben Zustandes der öffentlichen politischen Diskurse in diesem Land ist das bereits ein Lob. Mein Interesse an diesem Text richtet sich jedoch nicht auf die AfD und auch nicht auf die Frage, wie die diesbezüglichen Einschätzungen von Alban Werner zu beurteilen sind. Darüber mögen sich die Leser seines Artikels selbst Gedanken machen. Mich interessiert hier allein, was dieser Text über das heutige linke Selbstverständnis aussagt.

 

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10. Januar 2015, von Prof. Günter Buchholz

Eine ausgewogene Debatte über Immigration scheint derzeit kaum möglich. Dabei spielte sie eine zentrale Rolle für die Zukunft unseres gesellschaftlichen Selbstverständnisses.

AfrikaArmut-xysd5423 Wie ist ein vernünftiger Umgang mit dem Thema Immigration möglich? Die Antwort, die hier gegeben wird lautet: indem zunächst alle Aspekte in gleicher Weise aufgegriffen und in ihrer Widersprüchlichkeit dargestellt und reflektiert werden. Daraus ergeben sich politische Handlungsoptionen, die politisch und moralisch abgewogen werden müssen, um zu Entscheidungen zu gelangen.

 

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02. Juni 2014, von Prof. Günter Buchholz

Es gibt bekanntlich einen manchmal katastrophalen Unterschied zwischen“gut gemeint” – oder der vermeintlich oder tatsächlich guten Gesinnung – und “gut” in einem intersubjektiv begründbaren Sinne sowie, insbesondere, im Sinne der tatsächlichen Folgen.

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Wer sich dessen nicht bewußt ist und ebenso naiv wie beschränkt auf der persönlichen subjektiven Gesinnung beharrt, um diese zur Geltung zu bringen, der muß anderen, die ebenso berechtigt eine andere subjektive Gesinnung haben oder die sich bereits über die Folgen Gedanken gemacht haben, als zwanghafter Rechthaber, als Vertreter einer Political Correctness oder einer Ideologie, als nur vermeintlich wohlwollender Diktator oder als totalitärer Erzieher eines neuen Menschen erscheinen.

 

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15. Mai 2014, von Prof. Günter Buchholz

Ein Aufstand (welch ein Wort!) der Wirtschaftsstudenten ist es zwar nicht, der von den in der „Gesellschaft für Plurale Ökonomik“ organisierten Studenten ausgeht, aber ein kräftiger Hinweis auf einen bedenklichen Missstand ist es sehr wohl.

WirtschaftSchlagwörter Eingefordert wird mit Blick auf Wirtschaftstheorien: Vielfalt statt Einfalt!  Konkurrenz statt Monopol! Das ist ein klassischer ordoliberaler Standpunkt, mehr nicht. Aber begründet ist er, dieser Einspruch!

 

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12. März 2014, von Birgit Kelle

Schöne neue Welt: Jetzt sollen also auch noch Kinderspielplätze gendersensibel gestaltet werden.

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Was haben Aufsichtsräte und Spielplätze gemeinsam? Beide sind nicht gendersensibel genug, die großen und kleinen Mädchen haben nicht genug Spielraum. Für die einen gibt’s demnächst die Frauenquote, um die Spielplätze kümmert sich jetzt die SPD.

 

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10. Februar 2014, von Prof. Günter Buchholz

Grüner Star ist eine Augenkrankheit, bei deren Verlauf es von den Wahrnehmungsrändern her zu einem allmählichen und weitgehend unbemerkten Gesichtsfeldausfall kommt. Es entwickelt sich dadurch zunehmend das, was man einen Tunnelblick nennt.

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Dabei wird alles dunkel - bis auf das berühmte Licht am Ende des Tunnels. Allerdings wird dieses - in einer ähnlichen Metapher ersehnte - Tunnelende nie erreicht, sondern das restliche Sehvermögen erlischt endgültig.

 

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12. Januar 2014, von Kai Rogusch

Die Vermögen konzentrieren sich und zugleich frönt das Bürgertum selbstgefälliger Zukunftsferne. Die oberen Etagen der Gesellschaft müssen wieder mehr investieren. Denn ohne Investitionen in die Realwirtschaft sinken die Lebenschancen aller.

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Machen wir uns nichts vor: Obwohl die offiziellen Arbeitslosenzahlen in den letzten Jahren deutlich gesunken sind und die Konjunktur im Vergleich mit so manchem Euro-Krisenstaat vergleichsweise gut läuft, verfestigt sich in Deutschland die Ungleichheit der Lebenschancen.

 

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