Politik

Die Doppelmoral der Grünen

18. August 2013, von Prof. Adorján Kovács

Viele Kommentatoren haben aufgrund der jüngsten Vorschläge der Grünen, von denen der zu einem fleischlosen Tag in deutschen Kantinen nur der spektakulärste ist, festgestellt, dass diese Partei etwas Oberlehrerhaftes hat.

GemüseVegetarisch-argu8752

Nicht ohne Grund sehen manche auch einen messianischen Weltverbesserungsdrang, der schon ideologische Züge trägt. Eine Partei der Besserwisser mit höherem Bewusstsein, die die Wahrheit gepachtet haben.

Im Grunde zeigt sich in dem erwähnten Vorschlag, der ja durchaus bedenkenswert, aber keineswegs neu ist, eine parareligiöse Ausrichtung. Die Ähnlichkeit zum katholischen Brauch, am Freitag kein Fleisch zu essen, ist offenkundig - aber es muss bei den Grünen natürlich der Donnerstag sein, um das Ganze als nicht zu sehr abgekupfert aussehen zu lassen.deutsche-befindlichkeiten

Die Grüne Partei hat, wie sich nicht nur bei diesem Beispiel zeigt, eine merkwürdig doppelte Moral. Ist sie doch die Friedenspartei, die erstmals nach dem Zweiten Weltkrieg wieder deutsche Kriegsteilnahmen möglich gemacht hat. Diese janusköpfige Ausrichtung zeigt sie auch bei der vehementen Unterstützung der sogenannten Homo-Ehe, während die ihr nahestehende politische Stiftung nach Heinrich Böll benannt ist, der ein rheinischer Katholik war und mit einer ganzen Reihe von grünen Themen sicher nicht konform gewesen wäre. Aber er kann sich leider nicht mehr wehren.

Die Entrüstung über den sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Priester haben die Grünen am lebhaftesten demonstriert, aber die eigene Verstrickung in pädophile Verirrungen wollen sie nicht ganz so energisch untersuchen. Christa Meves hat schon früh auf die fatale Sexualisierung von Kindern durch linksalternative Ideologen hingewiesen, doch wurden ihre Hinweise abgetan als altmodische Einwürfe einer religiösen Psychologin.

Als linke Partei sind die Grünen eigentlich atheistisch, doch schwammen schon früh alle möglichen auch religiösen Splittergruppen in ihrem Fahrwasser mit. Heute ist die Vorsitzende dieser Partei eine engagierte Protestantin, die eine gelockerte Auffassung von Kirche und Religiosität hat, wie sie nicht nur in Ostdeutschland gepflegt wird, sondern sich auch in immer mehr Verlautbarungen der EKD überhaupt zeigt. Während also immer mehr Grüne eine unverbindliche religiöse Haltung aufweisen, empfiehlt sich die Evangelische Kirche mit irritierenden, nicht gerade bibelkonformen Papieren wie dem jüngsten zur Ehe als eine genau zu dieser janusköpfig unverbindlichen Partei passende.

Womöglich ist Beliebigkeit eine vielen Menschen entgegenkommende Haltung. Patchwork eben. Das könnte den Erfolg der Grünen erklären. Aber wie bei Günter Grass, der den Oberlehrer Deutschlands gab, bis er zugab, jahrzehntelang über eine Mitgliedschaft in der SS geschwiegen zu haben, hat es einen üblen Beigeschmack, wenn an Andere hohe moralische Maßstäbe angelegt werden, die man selbst nicht erfüllt.

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Alice Schwarzer: Heldenhafte Steuerhinterziehung

03. Februar 2014, von Dr. Christian Weilmeier
Nach Angaben des SPIEGEL hat Alice Schwarzer in der Schweiz Steuern hinterzogen. Im Gefolge einer Selbstanzeige musste sie einige Hunderttausend Euro nachzahlen. Schwarzer eine Steuersünderin? Nein, eine Heldin.
Es ist vollkommen nutzlos, jetzt den drohenden männlichen Zeigefinger gegen die Frauenrechtlerin zu erheben. Das mit dem Zeigefinger geht...

Geschlechterdebatte

Sexuelle Gewalt durch die Mutter - Manfred Bielers "Still wie die Nacht"

04. Oktober 2013, von Lucas Schoppe
Manfred Bielers Roman „Der Mädchenkrieg", die Geschichte einer deutschen Familie in Prag, war 1976 mehrfach preisgekrönt verfilmt worden, die Verfilmung „Das Kaninchen bin ich“ des gleichnamigen, in der DDR verbotenen Bieler-Romans aus dem Jahr 1965 durfte erst 1989 vorgeführt werden.
Das umreißt auch schon wesentliche Lebensstationen des Autors: Manfred...

Politik

Wo sind die Linken aus den islamischen Ländern geblieben?

29. Dezember 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren lernte ich viele Studenten aus den islamischen Ländern kennen. Sie waren alle links und atheistisch. Was ist aus ihren Überzeugungen geworden?
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lernte ich sehr viele Studenten aus den sog. „islamischen Ländern“ kennen (damals sprach...

Politik

Die grüne Unfähigkeit, sich zu schämen

23. August 2013, von Lucas Schoppe
Wenn ich mich richtig erinnere, war es Václav Havel, der einmal gefordert hat, Politikern zu verbieten, Kinder auf den Arm zu nehmen, sich mit ihnen ablichten zu lassen und sie so für die eigene Präsentation zu benutzen. Ich mache mir diese Forderung jedenfalls gern zu eigen und möchte sie auf Wahlkampfplakate ausweiten.
Kinder sind für die beauftragten...

Geschlechterdebatte

Empörungstheater

29. September 2013, von Lucas Schoppe
„Frauen würden sich ihrer Obdachlosigkeit schämen und verstecken, sagt Renate Kaufmann. ‚Männer hingegen feiern ihr Schicksal quasi mit einem Doppelliter in der Öffentlichkeit‘, überspitzt die Bezirksvorsteherin von Mariahilf (SP) die Tatsache, dass obdachlose Frauen viel weniger sichtbar sind."
Das wurde aber auch Zeit: Während oberflächlich argumentierende...

Politik

Vietnam. Der Traum vom Frieden

07. Juni 2013, von Bernhard Lassahn
Es schneit wie in einem Schüttelglas, als ich nach Vietnam aufbreche. Ich habe sofort die Melodie von "I’m dreaming of a white Christmas" vor meinem geistigen Ohr. Auch wenn Weihnachten schon vorbei ist, ich spüre doch etwas von der frohen Erwartung eines Kindes vor dem Fest. Ich freue mich auf ein "White Christmas" in Vietnam.
Mit diesem Lied wurde der Krieg...

Gesellschaft

Stolz und Trägheit

Zum 100. Geburtstag von Albert Camus 07. November 2013, von Prof. Adorján Kovács
In Camus´ Roman „Die Pest“ kommt dieser seltsame Typ vor, Grand, der ein Buch schreiben möchte. Aber eins, das vollkommen ist.
Er erklärt dem Doktor Rieux:„«Sehen Sie, Herr Doktor, was ich will ist folgendes: am Tag, da das Manuskript zum Verleger kommt, soll der nach dem Lesen aufstehen und zu seinen Mitarbeitern...

Geschlechterdebatte

Von der Wehrpflicht zum nächsten Krieg?

25. Mai 2014, von Prof. Günter Buchholz
Die 2007 einsetzende und bis heute nicht überwundene globale Finanzkrise, die aufgrund der Theorie des Postkeynesianers Hyman P. Minsky zu erwarten gewesen war, löste ein Déjà-vu-Erlebnis aus, nämlich bezüglich des Schwarzen Freitags der Weltwirtschaftskrise von 1929-32 sowie der nachfolgenden Depression der 30er Jahre bis zum II. Weltkrieg.
Die...

Wissenschaft

Friedenstauben statt Erkenntnis – Deutsche Hochschulen üben sich in freiwilliger Selbstkontrolle

19. November 2012, von Dr. Heike Diefenbach und Michael Klein, zuerst erschienen auf ScienceFiles.org
Hätte Albert Einstein seine verflixte Relativitätstheorie nicht formuliert, dann hätte es keine Atombombe gegeben, zumindest wäre ihre Entwicklung schwieriger gewesen.
Hätte Alfred Nobel nicht sein Dynamit und damit den ersten industriell verwendbaren Sprengstoff erfunden, US-amerikanische Outlaws...

Gesellschaft

Die Todeslust

1. September 2012, von Prof. Adorján Kovács
Eine Überlegung zum norwegischen Massenmörder
Der Dichter Georg Heym schrieb am 6. Juli 1910 in Berlin in sein Tagebuch:
„Ach, es ist furchtbar. Schlimmer kann es auch 1820 nicht gewesen sein. Es ist immer das gleiche, so langweilig, langweilig, langweilig. Es geschieht nichts, nichts, nichts. Wenn doch einmal etwas geschehen wollte, was nicht diesen faden...

Geschlechterdebatte

Massenvergewaltigungen, Versklavung, Gendercide

Von Arne Hoffmann   29. März 2012

Wenn in unserer Gesellschaft Männerrechtler darüber sprechen, wie sie und ihre Geschlechtsgenossen diskriminiert werden, führen sie von der Ausgrenzung der Väter bis zur Jungenkrise gerne Beispiele aus ihrem direkten Umfeld an. Aber ist das nicht ein verengter Blick? Die internationale Perspektive auf die Benachteiligung von Geschlecht geht dabei häufig verloren....

Gesellschaft

Der neue Antisemitismus- von den Medien hofiert und von der Politik finanziert

31. Juli 2014, von Vera Lengsfeld
Es geht heiß her in diesem Sommer auf deutschen Straßen und Plätzen. Daran sind nicht die Temperaturen schuld.
In Göttingen werden Demonstranten gejagt, geschlagen, bespuckt und verhöhnt. Anschließend wird eine von ihnen erbeutete Israelfahne verbrannt.
In Frankfurt überlässt die Polizei einem Hassprediger das Polizeimikrofon für seine antisemitischen Parolen....