Gesellschaft

Rezension: Jürgen Borchert, "Sozialstaatsdämmerung"

09. September 2013, von Dr. Johannes Resch

Borcherts Ausführungen haben Gewicht. Er war als Sachverständiger wesentlich am Zustandekommen des „Trümmerfrauenurteils“ 1992 und des Urteils zur Pflegeversicherung 2001 beteiligt. Als Vorsitzender Richter am Hessischen Landessozialgericht rief er erfolgreich das Bundesverfassungsgericht zur Überprüfung der Hartz IV-Gesetze an.

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Gleich eingangs geißelt er den „semantischen Betrug“, indem durch Begriffe wie „Versicherung“  und „Generationenvertrag“ ein solides Sozialsystem vorgegaukelt werde. Tatsächlich handle es sich aber um ein brutales Umverteilungssystem von Arm zu Reich, das durch „Transferausbeutung der Familien“ gekennzeichnet sei und „auf breiter Front“ das Grundgesetz verletze.

 

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Frankfurts Stalinallee

03. September 2013, von Prof. Adorján Kovács

Die epochalen Visionen Stalins von der Gleichheit der Menschen, von Harmonie und Fortschritt haben im 21. Jahrhundert in Frankfurt am Main, dem deutschen Zentrum des Finanzkapitalismus, eine überraschende Verwirklichung gefunden.

Schnurgerade, breite, endlose und graue Alleen, gewaltige kubische Häuserblocks ohne jede Individualität, die schnörkellosen kahlen Fronten nur von Fensterschlitzen durchbrochen, weisen in die Zukunft des wirklich neuen sozialistischen Menschen, der ganz im Marxschen Sinne erst auf dem Höhepunkt und als Vollendung des entwickelten Kapitalismus entstehen kann.

 

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Wussten Sie eigentlich, dass Sie rechts sind?

Über die Hintergründe und Konsequenzen einer kritischen Sichtweise auf den Feminismus

14. August 2013, von Till Schneider

Ich schreibe derzeit an meinem zweiten Essay über den Feminismus. Er ist fast fertig und wird in Buchform wohl eine Länge von 350 bis 400 Seiten erreichen.

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Man kann sich denken, dass ich seit Beginn meiner Beschäftigung mit dem Thema, zu datieren auf August 2012, eine Menge von Texten gelesen habe. Die Bücher ergeben zusammen ca. drei Regalmeter; die Artikel, Blogeinträge usw. aus dem Internet sind kaum zu zählen.

 

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Menschlichkeit zum halben Preis

11. August 2013, von Bernhard Lassahn

Andrea Nahles folgt, wie sie in ihrem Buch Frau, gläubig, links: Was mir wichtig ist selbstbewusst verkündet, der Weisung: „Mach’s wie Gott: werde Mensch“! Doch wie hält es die SPD mit Menschen, die keine Frauen sind?

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„Wer die menschliche Gesellschaft will ...“, heißt es ihrem Parteiprogramm – nun, das will jeder! Ich kenne keinen, der etwas dagegen hätte (außerdem ist es „alternativlos“, wie Angela Merkel sagen würde, bei Tieren spricht man nicht von „Gesellschaft“), doch - Halt! - es geht noch weiter: „ ... muss die männliche überwinden.“

 

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Leiharbeit

17. Juli 2013, von Monika Ebeling

Wenige Tage, nachdem ich meinen Blogbeitrag "Arme Jungs" veröffentliche, in dem ich auf miese Zustände für bildungsschwache junge Männer in der Leiharbeit hinweise, erhalte ich eine anonyme Email von "klytem".

Leiharbeiter-hgcs6729Sie stellt sich mir als Frau vor, die seit 20 Jahren selbstständige Unternehmerin in der Leiharbeit ist.  Sie schreibt, dass sie mit Männern nur deshalb Geld verdienen kann, weil sie, Klytem, ihre Stundenlöhne immer wieder drücken könnte.

 

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Gerechtigkeit und Ungleichheit

11. Juli 2013, von Prof. Günter Buchholz

„Gerechtigkeit“ ist im Alltagsbewusstsein ein ebenso gängiger wie unscharfer Ausdruck. Dass dieser oder jener Sachverhalt ungerecht sei, das wird gerne und häufig vorgeworfen.

MännerArmut-kash6719Und es wird damit die Erwartung verknüpft, dass der angesprochene andere Mensch doch bitte unmittelbar einsehen müsse, dass die Aussage, es bestehe eine Ungerechtigkeit, berechtigt und zu unterstützen sei.

 

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Sollten Roboter unsere Arbeit übernehmen?

10. Juli 2013, von Dr. Alexander Ulfig

Die Vision, menschliche Arbeit könnte weitgehend von Robotern übernommen werden, sollte angesichts des Geburtenrückgangs zum Gegenstand einer politischen Debatte werden. Und nicht nur angesichts des Geburtenrückgangs.

Roboter-klas1278Als ich ein kleiner Junge war – das war Ende der 60er Jahre des vorigen Jahrhunderts -, sah ich einen Fernsehbericht und traute nicht meinen Augen: Roboter haben Autos zusammengebaut. In der Produktionshalle sah ich keinen einzigen Menschen.

 

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Google und Facebook - gefährliche Datenkraken oder Blender?

Ein Selbstversuch

10. Juli 2013, von Jens Berger

Mittlerweile dürfte es sich bereits bis zum arglosesten Internetnutzer herumgesprochen haben, dass die Dienste der beiden Internetgiganten Google und Facebook im großen Maßstab Nutzerdaten speichern und zu einem Profil zusammenfügen, das von ihnen vor allem zu Werbezwecken genutzt wird.

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Welche Daten dieses Profil erhält, lässt sich über die gut versteckte Selbstauskunftsfunktion dieser Dienste in Erfahrung bringen. Das Ergebnis lädt dabei zunächst zum Schmunzeln ein. Erst beim zweiten Blick offenbart sich die Gefahr der gesammelten Daten – vor allem dann, wenn Geheimdienste Zugriff auf die Daten haben.

 

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Kommunistisch statt neoliberal - den Teufel mit Beelzebub austreiben

09. Juli 2013, von Prof. Adorján Kovács

Im Neuen Deutschland ist dieser Tage ein Kommentar von Dr. Nadja Rakowitz erschienen, in dem „Alternativen zum real existierenden Gesundheitswesen“ angemahnt werden. Sie bezieht sich dabei auf die Krankenhäuser.

Dass die neoliberal ökonomisierte Kliniklandschaft in Deutschland immer schlechtere Medizin produziert, ist Insidern bekannt; die Zustände werden langsam, zu langsam auch medial allgemein bekannt.

 

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Die Innenwelt

05. Juli 2013, von Bernhard Lassahn

Nun werden auch Männer als „Professorinnen“ bezeichnet. Jedenfalls an der Universität Leipzig. Das hat einigen Wirbel ausgelöst. Deshalb wird ein Projekt gestartet, das die Sprachregelung mit der umstrittenen „-innen“-Form und die aufgeregte Resonanz, die es ausgelöst hat, wissenschaftlich aufarbeiten möchte.

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Dazu möchte ich meinerseits einen kleinen, unaufgeregten Beitrag leisten. Dabei geht es obendrein um Tennis, um Backrezepte und um gutes Verallgemeinern und schlechtes Verallgemeinern.

 

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Opferverliebte Journalistinnen - Unterwerfung, die sich genießen lässt

02. Juli 2013, von Prof. Gerhard Amendt

Wer reißt sich schon um den Job bei der Müllabfuhr oder den Fernfahrern, wenn er über die Option einer Philosophieprofessur verfügt. Dass das eine leichter als das andere zu haben ist, stellt niemand in Frage.

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Da die Akademikerquote von Frauen aber nicht geringer als die von Männern ist, kommt es offenbar darauf an, was sie daraus machen. Und sie machen anderes daraus als Männer. Sie wählen, was ihnen Spaß macht und meiden, wo der Spaß für sie aufhört.

 

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