Gesellschaft

Der Generalverdacht gegen die Aufklärung

Oder: Wie die Dialektik der Aufklärung die Verbreitung der Aufklärung verhinderte

12. Dezember 2016, von Dr. Alexander Ulfig

Die Kritische Theorie, auch "Frankfurter Schule“ genannt, gehört zu den einflussreichsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Ihr programmatisches Werk ist die 1947 von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verfasste Dialektik der Aufklärung.

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Bild: Jjshapiro in der Wikipedia auf Englisch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6633571, Bild beschnitten

Darin formulieren die beiden Hauptvertreter der Kritischen Theorie ihre folgenreiche Kulturkritik. Ihre Hauptthese lautet: Die Aufklärung schlägt in Gegenaufklärung um; fortschrittliche Ideale werden in ihr Gegenteil verkehrt. Die Aufklärung mündet in Unterordnung, skrupellose Machtausübung und Gewalt – sie mündet letztlich in Faschismus.

Dieser Prozess scheint für Horkheimer und Adorno notwendig zu sein. Somit entsteht ein Generalverdacht gegen die Aufklärung, denn: Warum sollte man sich für die Aufklärung einsetzen, wenn hinter ihr immer die Gegenaufklärung lauert, wenn sie notwendigerweise zur Gegenaufklärung führt?

Die These vom Umschlag der Aufklärung in Gegenaufklärung hatte und hat bis heute einen großen Einfluss auf vor allem intellektuelle und meinungsbildende Kreise in Deutschland. Sie hat das Bild von der Aufklärung hierzulande entscheidend geprägt. Der Generalverdacht gegen die Aufklärung hat somit die Verbreitung ihrer Ideale bis zu einem gewissen Grad verhindert. Davon zeugt der heute herrschende antiaufklärerische, d.h. auch nihilistische und relativistische Zeitgeist. Er tritt in Gestalt der Postmoderne auf.

Im ersten Schritt möchte ich die Grundgedanken der Dialektik der Aufklärung darlegen. In dem darauffolgenden Exkurs werde ich die Ideale der Aufklärung des 18. Jahrhunderts schildern. In einem weiteren Schritt unterziehe ich Horkheimers und Adornos These von dem Umschlag der Aufklärung in Gegenaufklärung einer grundlegenden Kritik. Schließlich werde ich auf einige Ähnlichkeiten zwischen der Kritischen Theorie und der Postmoderne hinweisen.

Die Grundgedanken der Dialektik der Aufklärung

Der Entstehungshintergrund der Dialektik der Aufklärung ist die Erfahrung des Faschismus. Horkheimer und Adorno stellen die Frage, wie angesichts des technischen, aber auch des gesellschaftlichen Fortschritts der Faschismus, also ein Rückfall in die Barbarei, auftreten konnte.

„Was wir uns vorgesetzt haben, war tatsächlich nicht weniger als die Erkenntnis, warum die Menschheit, anstatt in einen wahrhaft menschlichen Zustand einzutreten, in eine neue Art von Barbarei versinkt.“(1)

Das Auftreten des Faschismus ist jedoch nach Horkheimer und Adorno kein „einmaliger Betriebsunfall der abendländischen Geschichte“.(2) Vielmehr entspringt dieser Vorgang einer bestimmten Denkart, einer bestimmten in der abendländischen Geschichte herrschenden Form der Rationalität. An dieser Stelle tritt der Begriff der Aufklärung auf.

Mit Aufklärung meinen Horkheimer und Adorno demnach nicht nur die geistige und gesellschaftliche Strömung 18. Jahrhunderts, sondern eine bestimmte Denkart, die sich in der Geschichte der Menschheit auf unterschiedliche Weise manifestiert: im Mythos von Odysseus, Luthertum, Calvinismus, Marquis de Sades Immoralismus, in moderner Wissenschaft und der sog. Kulturindustrie.

Die Hauptthese der Dialektik der Aufklärung besagt: Die Aufklärung schlägt in ihr Gegenteil, in die Gegenaufklärung um. Genauer: Die fortschrittlichen Vorhaben der Aufklärung führen zu Ergebnissen, die diesen Vorhaben zuwiderlaufen. In anderen Worten: Es ist in der Struktur der Aufklärung angelegt, dass sie sich in ihr Gegenteil verkehrt. Horkheimer und Adorno beschreiben es folgendermaßen:

„Wir hegen keinen Zweifel ..., dass die Freiheit in der Gesellschaft vom aufklärenden Denken unabtrennbar ist. Jedoch glauben wir, genauso deutlich erkannt zu haben, dass der Begriff eben dieses Denkens, nicht weniger als die konkreten historischen Formen, die Institutionen der Gesellschaft, in die es verflochten ist, schon den Keim zu jenem Rückschritt enthalten, der heute überall sich ereignet.“(3)

Das Umschlagen der Aufklärung in Gegenaufklärung ist ein dialektischer Prozess. Horkheimer und Adorno vertreten eine spezifische Form von Dialektik. Ich möchte sie als paradoxe Dialektik bezeichnen. Freiheit schlägt in Zwang um, Emanzipation in Versklavung, Fortschritt in Rückschritt usw. Warum es sich so verhält, warum darin nach Horkheimer und Adorno eine gewisse Notwendigkeit liegt, vermögen beide Autoren meines Erachtens nicht hinreichend zu klären. Sie beschreiben bestimmte Strukturmerkmale der Aufklärung und gehen davon aus, dass aufgrund dieser Strukturmerkmale die Aufklärung notwendigerweise der oben genannten paradoxen Dialektik folgt.

Bevor ich auf diese Strukturmerkmale genauer eingehe, möchte ich anmerken, dass sich diese Form von Dialektik wesentlich von der Marxschen Dialektik-Konzeption unterscheidet. Dialektik ist nach Marx die Bewegung der sich widersprechenden ökonomischen und gesellschaftlichen Kräfte, insbesondere die Bewegung zwischen den Produktionsverhältnissen und den Produktivkräften. Der Widerspruch zwischen Produktionsverhältnissen und Produktivkräften drückt sich im Kampf zwischen gesellschaftlichen Klassen aus (im Kapitalismus ist es der Kampf zwischen den Kapitalisten und den Arbeitern). Dialektik ist bei Marx somit als eine Abfolge von Klassenkämpfen zu verstehen, und zwar im Sinne eines Fortschritts, denn am Ende der Geschichte, am Ende der Abfolge von Klassenkämpfen steht die Abschaffung des Privateigentums, die Aufhebung der Ausbeutung und die Errichtung einer klassenlosen Gesellschaft.

Kommen wir zurück zur Charakteristik der Strukturmerkmale der Aufklärung, die nach Horkheimer und Adorno eine Grundlage für den dialektischen Umschwung von der Aufklärung zur Gegenaufklärung bilden. Die Aufklärung distanziert sich von der Natur, um sie zum Gegenstand zu machen. Sie macht die Natur zum Objekt, über das man verfügen und das man beherrschen kann.

„Die Aufklärung verhält sich zu den Dingen wie der Diktator zu den Menschen. Er kennt sie, insofern er sie manipulieren kann. Der Mann der Wissenschaft kennt die Dinge, insofern er sie machen kann. Dadurch wird ihr An sich Für ihn. In der Verwandlung enthüllt sich das Wesen der Dinge immer als je dasselbe, als Substrat von Herrschaft.“(4)

Objektivierbarkeit, Verfügbarkeit, Beherrschbarkeit und Berechenbarkeit sind zentrale Ansprüche der Aufklärung. In der Aufklärung und somit in der modernen Wissenschaft konzentriert man sich auf Fakten, auf das, was mit den Mitteln der Wissenschaft empirisch festgestellt werden kann. Diese Haltung wird als Positivismus bezeichnet. Somit verzichtet die Aufklärung Horkheimer und Adorno zufolge auf eine übergreifende Deutung der Welt sowie auf eine Sinngebung. Sie verzichtet ferner auf eine Reflexion auf gesellschaftliche Zusammenhänge, auf das gesellschaftliche Ganze. In anderen Worten: Die Aufklärung thematisiert nicht die Eingebundenheit des Menschen in das gesellschaftliche Ganze, sie thematisiert nicht seine historische, soziale und gesellschaftliche Bedingtheit.

Ein weiteres Merkmal der Aufklärung stellt die Technik dar:

„Technik ist das Wesen dieses Wissens. Es zielt nicht auf Begriffe und Bilder, nicht auf das Glück der Einsicht, sondern auf Methode, Ausnutzung der Arbeit anderer, Kapital.“(5)

Die herrschende Form der Vernunft ist dabei die sog. instrumentelle Vernunft. Sie betrachtet die Natur und auch den Menschen nicht als Selbstzweck, sondern als Mittel (Instrument) zum Zweck. Die Mittel-Zweck-Relation ist daher das Grundmerkmal dieser Form von Vernunft. Die instrumentelle Vernunft zielt auf die Beherrschung der Natur und die Unterwerfung des Menschen - z.B. durch Institutionen – sowie auf seine Manipulation durch die Massenkultur, insbesondere die Massenmedien.

Das Konzept der instrumentellen Vernunft ist zentral für die gesamte Kritische Theorie.(6) Was sich dem Diktat der instrumentellen Vernunft entzieht, hat in der Aufklärung und in der Wissenschaft gewissermaßen keine Existenzberechtigung. Das macht nach Horkheimer und Adorno den totalitären Charakter der Aufklärung aus.

„Was dem Maß von Berechenbarkeit und Nützlichkeit sich nicht fügen will, gilt der Aufklärung für verdächtig. Darf sie sich einmal ungestört von auswendiger Unterdrückung entfalten, so ist kein Halt mehr. (...) Aufklärung ist totalitär.“(7)

Viele der obigen Zitate aus der Dialektik der Aufklärung machen deutlich, dass die Aufklärung eine Verstrickung von (instrumenteller) Vernunft und Herrschaft/Macht reproduziert. Horkheimer und Adorno behaupten sogar:

„Macht und Erkenntnis sind synonym.“(8)

Die Aufklärung gipfelt Horkheimer und Adorno zufolge notwendigerweise in totaler Beherrschung, in einem Zustand, in dem alle Verhältnisse durch Macht bestimmt werden. Der Faschismus zeigt, wo eine durch die oben genannten Strukturmerkmale bestimmte Aufklärung endet.

Doch welche Konsequenzen ziehen Horkheimer und Adorno aus der von ihnen vorgenommenen Deutung der Geschichte und der Kultur? Welche Lösungen und Auswege bieten sie?

Eine Konsequenz, die sie daraus ziehen, ist, dass man keine positive Vorstellung des Lebens, einer Ethik und einer Gesellschaftsordnung entwickeln kann. Versuchte man eine solche Vorstellung zu entwickeln und zu realisieren, dann – folgt man der Dialektik der Aufklärung – würde das Gute, das Fortschrittliche irgendwann in sein Gegenteil umschlagen. Konsequenterweise ist es dann nur möglich zu sagen, was nicht das Gute und das Fortschrittliche ist. Möglich ist nur eine negative Einkreisung dessen, was gut und fortschrittlich ist. Der Philosoph Rüdiger Bubner formuliert es auf folgende Weise:

„Die Kritische Theorie hat zum Gegenstand, dass keine Theorie mit Wahrheitsanspruch auftreten könne, und ist darin auch hinsichtlich ihrer selbst konsequent, insofern sie sich strikt an der Aussage durch philosophische Sätze im traditionellen Sinne hindert, und vielmehr, was sie meint, nur an anderen Gegenständen sichtbar zu machen versteht, indem sie deren Unwahrheit zu Bewusstsein bringt.“(9)

Adorno entwickelt daher die Konzeption einer Negativen Dialektik.(10) Sie wendet sich gegen die Herrschaft des Allgemeinen, gegen die Herrschaft des Begriffs, genauer: gegen die Subsumption (Unterordnung) des Einzelnen unter das Allgemeine. Adorno möchte das unmittelbar Gegebene, das Besondere und Individuelle, in seiner Terminologie: das Nichtidentische, zum Ausdruck bringen. Es kann am angemessensten in der Kunst erfahren werden. Das zeigte Adorno in seiner unvollendet gebliebenen Ästhetischen Theorie.(11) Bei Horkheimer treten – insbesondere in seiner Spätphilosophie – zunehmend pessimistische und resignative Züge auf. In der total „verwalteten Welt“ verschwindet Individualität. Die Massenkultur und der Konformismus setzen sich immer mehr durch. Nur in religiösen Erfahrungen kommt noch die „Sehnsucht nach dem ganz Anderen zum Vorschein.(12)

Bevor ich einige Grundgedanken der Dialektik der Aufklärung einer Kritik unterziehe, möchte ich die Ideale der Aufklärung des 18. Jahrhunderts in Erinnerung rufen. Zwar weiten Horkheimer und Adorno den Begriff der Aufklärung auf unterschiedliche geistig-gesellschaftliche Strömungen aus, doch die Aufklärung des 18. Jahrhunderts spielt für sie eine zentrale Rolle. Schließlich wurde die moderne Wissenschaft samt Technikorientierung zum Vorbild dieser Form von Aufklärung. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hat darüber hinaus Ideale hervorgebracht, die bis heute als Inbegriff des Fortschritts gelten. Sie bilden die Grundlage einer Ethik. Horkheimer und Adorno waren wohl besonders daran interessiert zu zeigen, wie sich ausgerechnet diese Ideale in ihr Gegenteil umkehren konnten.

Exkurs: Die Ideale der Aufklärung

Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts stellt den Menschen in den Mittelpunkt des Interesses. Er soll als Einzelperson (Individuum) und nicht als Repräsentant von Gruppen, im 18. Jahrhundert als Repräsentant eines sozialen Standes, betrachtet werden. Ferner soll er nicht blind den Meinungen und Dogmen der Autoritäten, sei es staatlicher oder kirchlicher Art, folgen, sondern selbst nachdenken. Der Mensch ist ein autonomes Wesen, d.h. er ist auf sich selbst gestellt und im Denken und Handeln selbständig. Er ist in der Lage, sein Leben selbst zu bestimmen und es selbst zu gestalten. Als einziges Richtmaß gilt ihm dabei die menschliche Vernunft.

Immanuel Kant zufolge ist der Mensch frei. Die Freiheit, genauer: die Freiheit des Willens, ermöglicht es ihm, sich die Zwecke und Prinzipien seines Handelns sowie moralische Gesetze, die auch für andere Menschen verbindlich sein können, zu setzen. Die Freiheit des Willens ist daher die Grundlage der Moral und der Ethik. Da der Mensch mit einem freien Willen ausgestattet ist, ist er ein Handlungssubjekt; er führt Handlungen aus; er ist für seine Handlungen verantwortlich.

Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts hat eine starke gesellschaftliche und politische Dimension. Die herrschenden, durch politische und religiöse Autoritäten vertretenen Meinungen und Normen sollen kritisch überprüft und gegebenenfalls – falls sie der Prüfung nicht standhalten – revidiert oder durch andere Meinungen und Normen ersetzt werden. Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts ist deshalb mit einer radikalen Kritik der bestehenden Gesellschaftsordnung (des Feudalismus) und der Religion verbunden. Die Letztere kulminiert nicht selten im Atheismus und in offener Antireligiosität (siehe die Schriften von Paul Henri Thiry d’Holbach).

Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts zeichnet sich jedoch nicht nur durch eine radikale Kritik an den bestehenden Verhältnissen, sondern auch durch die Suche nach einer anderen, gerechteren Gesellschaftsordnung aus. Zentral ist dabei das Ideal der Gleichheit. Da Menschen nicht nach ihrer Gruppenzugehörigkeit und Abstammung betrachtet werden, sind sie im Prinzip gleich. Jeder Mensch ist qua Menschsein wertvoll. Anders formuliert: Kein Mensch ist mehr wert oder weniger wert als ein anderer Mensch.

Außerdem bezieht sich das Ideal der Gleichheit auf die Gleichheit vor dem Gesetz und im Gefolge der Aufklärung auf die Chancengleichheit sowie darauf, „dass alle Menschen gleichermaßen die Möglichkeit haben sollen, ihre je ´besonderen` eigenen Lebensentwürfe ... in Freiheit zu finden und zu verwirklichen.“(13)

Schließlich möchte ich das Ideal der Brüderlichkeit, modern gesprochen: der Solidarität, erwähnen. Das Zusammenleben soll nicht auf Zwang, Unterdrückung und Ausbeutung, sondern auf gegenseitiger Anerkennung, Achtung und Unterstützung beruhen.

Die hier genannten Ideale der Aufklärung können als Grundelemente einer aufklärerischen Ethik betrachtet werden. Kants Moralphilosophie kann als eine prominente Variante einer solchen Ethik aufgefasst werden.(14)

Die Ideale bilden die Grundlage für die Menschenrechtserklärungen. Dort werden universelle, d.h. für alle Menschen geltende, Rechte formuliert, die das Individuum gegenüber dem Staat und anderen Institutionen einfordern kann (z.B. das Recht auf Unversehrtheit der Person, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit und Religionsfreiheit). Die Ideale der Aufklärung des 18. Jahrhunderts prägen bis heute alle Bereiche unserer Gesellschaft. Kurz: Sie bilden immer noch das Fundament unseres Wertesystems.

Warum die These vom Umschlag der Aufklärung in Gegenaufklärung falsch ist

Nach Horkheimer und Adorno zeichnet sich die Aufklärung des 18. Jahrhunderts durch den „hierarchischen Aufbau der Begriffe“, das „Systematische“ als den „Zusammenhang der Erkenntnis aus einem Prinzip“ und durch die „Einheit“ als „Einstimmigkeit“ aus. Das Denken wird somit als die „Herstellung von einheitlicher, wissenschaftlicher Ordnung und die Ableitung von Tatsachenerkenntnis aus Prinzipien“ bestimmt.(15) Die Vernunft ist das Vermögen, das Besondere unter das Allgemeine zu subsumieren (unterordnen). Die Unterordnung des Besonderen unter das Allgemeine und die Systematik als Vereinheitlichung sind demnach zentrale Merkmale der aufklärerischen Vernunft.

Zur Charakteristik der Aufklärung des 18. Jahrhunderts verwenden Horkheimer und Adorno oft den Begriff „kalkulierendes Denken“.(16) Es handelt sich dabei um einen Begriff, der mit dem der instrumentellen Vernunft verwandt ist. Die Aufklärung möchte alles in Mittel-Zweck-Relation setzen. Sie möchte alles berechnen, messen und für bestimmte Zwecke einsetzen:

„Vernunft ist das Organ der Kalkulation, des Plans, gegen Ziele ist sie neutral, ihr Element ist die Koordination.“(17)

Das bedeutet, dass das kalkulierende Denken auch Ziele verfolgt, die bar jeglicher Moralität oder gar amoralisch sind.

Als ein Vertreter der Aufklärung des 18. Jahrhunderts wird von Horkheimer und Adorno Marquis de Sade betrachtet. Er ist in gewissem Sinne der Vollender der Aufklärung; er denkt sie – in den Augen von Horkheimer und Adorno – konsequent zu Ende. Anders gewendet: Er zeigt, wozu das vollends aufgeklärte Individuum fähig ist.

„Das Werk des Marquis de Sade zeigt den ´Verstand ohne Leitung eines anderen`, das heißt, das von Bevormundung befreite bürgerliche Subjekt.“(18)

Horkheimer und Adorno ziehen eine merkwürdige Parallele zwischen Kant und Sade:

„Die eigene architektonische Struktur des kantischen Systems kündigt wie die Turnerpiramiden der Sadeschen Orgien und das Prinzipienwesen der frühen bürgerlichen Logen – ihr zynisches Spiegelbild ist das strenge Reglement der Libertingesellschaft aus den 120 Journées – die vom inhaltlichen Ziel verlassene Organisation des gesamten Lebens an.“(19)

Begriffliche Hierarchie, Systematik und Einheit des Denkens führen nach Horkheimer und Adorno in der Aufklärung des 18. Jahrhunderts notwendigerweise zu Herrschaft, skrupelloser Machtausübung und Gewalt. Die positiven, konstruktiven und fortschrittlichen Ideale der Aufklärung wie Freiheit, Autonomie, Gleichheit und Brüderlichkeit wandeln sich in negative, destruktive und rückwärtsgerichtete Kräfte wie Zwang, Unterordnung, Herrschaft und Gewalt.
Die Aufklärung des 18. Jahrhunderts mündet nach Horkheimer und Adorno – und das bezeugen die Schriften von Sade - in Amoralismus.

Damit ist eine Position gemeint, die die Verbindlichkeit moralischer Normen leugnet. Es gibt keine rationalen Gründe gegen den Inzest, Kinder sollen von ihren Eltern getrennt werden, die Zerstörung der Familie wird somit zur wichtigen gesellschaftlichen Aufgabe, Gewissenlosigkeit wird zur Tugend, Gewalt bis zum Mord wird propagiert. Als eine Folge der Aufklärung besteht für Horkheimer und Adorno die

„Unmöglichkeit, aus der Vernunft ein grundlegendes Argument gegen den Mord vorzubringen.“(20)

Somit wird von dem Aufklärer Sade gedanklich das vorweggenommen und ausgelebt, was im Faschismus zur Realität wurde.

Zusammenfassend kann Folgendes behauptet werden: Für Horkheimer und Adorno schlägt die Aufklärung des 18. Jahrhunderts – wie auch die anderen Formen der Aufklärung - aufgrund ihrer Struktur in Gegenaufklärung um. Bei dieser Form der Aufklärung verläuft der Umschlagsprozess besonders radikal. Als repräsentativer Vertreter und Vollender der Aufklärung wird von Horkheimer und Adorno Marquis de Sade angesehen. Sein Amoralismus ist die konsequente Folge der Aufklärung. Sie mündet in Faschismus.

Die von Horkheimer und Adorno vorgeschlagene Interpretation der Aufklärung des 18. Jahrhunderts ist in vielfacher Hinsicht falsch. Neuere Forschungen zeigen, dass Sade nicht als ein repräsentativer Vertreter der Aufklärung des 18.Jahrhunderts betrachtet werden kann. Die meisten Aufklärer waren keine Amoralisten. Im Gegenteil: Sie haben elaborierte ethische Konzeptionen entwickelt, Konzeptionen, die sich von der religiös fundierten Ethik absetzten.

Für Diderot soll an die Stelle des kritiklosen Glaubens an überlieferte Meinungen selbständiges Denken treten. Der Mensch soll sich bei der Gestaltung seines Lebens nicht an religiösen Dogmen, sondern an der eigenen Natur, also den eigenen Bedürfnissen, orientieren. Eine wichtige Rolle spielt dabei sein Streben nach Glück.

Rousseau entwickelt neben der Konzeption des Gemeinwillens als Grundlage des Zusammenlebens Ideen darüber, wie individuelles Glück zu erreichen ist. Dabei spielt die Erziehung eine entscheidende Rolle. Ihr Ziel ist es, einen vernünftigen, selbständigen, tugendhaften und glücklichen Menschen herauszubilden. Die Entwicklung aller Anlagen, Fähigkeiten und Kräfte des einzelnen Menschen steht im Mittelpunkt der erzieherischen Maßnahmen.

Für Voltaire ist die menschliche Vernunft das alleinige Richtmaß des Denkens und Handelns. Er bekämpft den – vor allem religiösen – Dogmatismus und spricht sich für Toleranz, Meinungsfreiheit, Brüderlichkeit und Gleichheit aller Menschen aus.

Der bereits erwähnte Immanuel Kant entwickelt auf der Basis der Ideale der Aufklärung eine Ethik, die wichtigste und einflussreichste Ethik der Neuzeit, eine Ethik, die bis auf den heutigen Tag nicht nur auf das Fachpublikum, sondern auch auf die breite Öffentlichkeit wirkt. Das aus dieser Ethik entspringende Ideal des dauerhaften Friedens auf Erden hat bis heute an Aktualität nichts verloren.

Aus den obigen Erläuterungen folgt:

„Die Kluft zwischen den ethischen Ansätzen der Radikalaufklärer und dem Sadeschen Amoralismus könnte kaum tiefer sein.“(21)

Eine Gemeinsamkeit zwischen den Radikalaufklärern und Sade besteht darin, eine von religiösen Dogmen unabhängige Lebenshaltung zu kreieren. Doch die Radikalaufklärer möchten im Gegensatz zu Sade anstelle der religiösen eine säkulare Moral entwickeln. Sades Position ist nicht auf Freiheit, Autonomie und Gleichheit, sondern auf Zwang, Unterordnung und Gehorsam ausgerichtet. Letztlich

„geht es Sade nicht um die Begründung des Atheismus, sondern um die Inthronisation einer Gegen-Gottheit: der Natur, deren ´énergie` ... sich in Zerstörung, Stärke und Grausamkeit manifestiert und der wir uns angleichen sollen.“(22)

Horkheimers und Adornos These, dass die Aufklärung des 18. Jahrhunderts in Gegenaufklärung umschlägt, wobei als Beleg dafür die Position von Sade herangezogen wird, ist falsch. Beide Autoren erkennen nicht die moralisch-ethische Dimension der Aufklärung. Sie erkennen vor allem nicht ihre bleibende positive Wirkung.

Aufklärung schlägt nicht in Gegenaufklärung um, vielmehr gibt es Positionen und Systeme, die entweder die Ideale der Aufklärung nicht kennen (z.B. den Islam und Formen des außer-europäischen sowie außer-westlichen Totalitarismus wie den chinesischen oder kambodschanischen Kommunismus), oder sie missverstehen bzw. nicht in der Lage sind, sie zu verwirklichen (z.B. den Kommunismus des ehemaligen Ostblocks und den Feminismus) oder ausdrücklich gegen sie verstoßen (z.B. den Faschismus und den Rassismus). Nicht Zuviel, sondern Zuwenig an Aufklärung hat zur Entstehung von totalitären Systemen geführt.

Kritische Theorie und Postmoderne

Für Horkheimer und Adorno kann es aufgrund der Dialektik der Aufklärung keine positive Vorstellung einer Ethik oder einer Gesellschaftsordnung geben. Sie können nicht positiv sagen, an welchen Werten und Normen sich die Menschen orientieren sollten. Möglich ist nur eine negative Einkreisung dessen, was gut, erstrebenswert und fortschrittlich ist. Ihre Position kann daher als nihilistisch und relativistisch bezeichnet werden. Das rückt sie in die Nähe einer heute sehr einflussreichen philosophischen Strömung: in die Nähe der philosophischen Postmoderne. Ich möchte hier nur skizzenhaft auf einige Berührungspunkte zwischen der Kritischen Theorie und der philosophischen Postmoderne hinweisen.

(a) Die neuzeitliche Vernunft und somit auch das „Projekt der Moderne“ ist nach Ansicht von Horkheimer/Adorno und vieler Postmodernisten gescheitert.(23) Die Katastrophen der jüngeren Geschichte zeigen, was eine Orientierung an der (instrumentellen) Vernunft ausrichten kann. Es ist notwendig, die einseitige Orientierung an der instrumentellen Vernunft zu überwinden und andere Formen von Vernunft/Rationalität zur Geltung zu verhelfen.

(b) Skepsis gegenüber oder gar Ablehnung von großen theoretischen Entwürfen, Systemen und „großen Erzählungen“. Solche Entwürfe streben nach der Verallgemeinerung der Erkenntnis, ordnen das Einzelne/Individuelle unter das Allgemeine. Die Skepsis gegenüber großen Systemen zeigt sich auch in der Darstellungsweise der Dialektik der Aufklärung. Sie stellt eine Ansammlung von „Fragmenten“ dar. Auch postmoderne Denker lehnen das Systemische und in der Darstellung das Systematische ab. Sie möchten stattdessen das Fragmentarische, Partikulare und Lokale zum Ausdruck bringen.(24)

(c) Es gibt kein Subjekt, das als Ausgang und Grundlage der Erkenntnis auftreten und das – wie bei Kant – die Welt konstituieren würde. Es gibt überhaupt kein Zentrum der Welt.(25) Auch in sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen gibt es keine feste Identität. „Es gilt, seine Identität so auszubilden, dass sie der aktuellen Pluralität gewachsen, Identität in Übergängen ist.“(26)

(d) Die Verstrickung von Wissen/Erkenntnis und Macht. In der Dialektik der Aufklärung behaupten Horkheimer und Adorno, dass Erkenntnis und Macht synonym sind. Die Gegenaufklärung, in die die Aufklärung notwendigerweise umschlägt, zeichnet sich durch Unterordnung und hemmungslose Herrschaftsausübung aus. Alle Verhältnisse werden auf Machtverhältnisse reduziert. Auch für postmoderne Denker wie Michel Foucault ist der Macht-Begriff zentral. Alle sozialen Beziehungen, d.h. die gesamte soziale Welt, sind von Machtkonstellationen durchsetzt, die sich permanent verändern und umformen.(27)

(e) Die Ablehnung des Positivismus, nach dem Tatsachen die Grundlage der Erkenntnis und der wissenschaftlichen Forschung bilden, und des Szientismus, nach dem allein die (positive) Wissenschaft wahre Erkenntnisse liefern kann. Horkheimer und Adorno sowie den Postmodernisten zufolge besitzt die Wissenschaft keinen ausgezeichneten Zugang zur Wahrheit. Sie suchen nach anderen Erfahrungsbereichen, in denen sich „Wahrheit“ zeigen kann. Zu ihnen gehört in erster Linie die Kunst. 

Quellen:

(1) Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Frankfurt am Main 1988, S. 1.
(2) Gunzelin Schmid Noerr, „Unterirdische Geschichte und Gegenwart in der Dialektik der Aufklärung“, in: Harry Kunneman/Hent de Vries (Hrsg.), Die Aktualität der „Dialektik der Aufklärung“. Zwischen Moderne und Postmoderne, Frankfurt am Main 1989, S. 71.
(3) Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, op. cit. 1988, S. 3.
(4) Ebd., S. 15.
(5) Ebd., D. 10.
(6) Vgl. Max Horkheimer, Zur Kritik der instrumentellen Vernunft, Frankfurt am Main 1967.
(7) Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, op. cit., S. 12.
(8) Ebd., S. 10.
(9) Rüdiger Bubner, „Was ist Kritische Theorie?“, in: Karl-Otto Apel (Hrsg.), Hermeneutik und Ideologiekritik, Frankfurt am Main 1971, S. 180.  
(10) Theodor W. Adorno, Negative Dialektik, Frankfurt am Main 1966.
(11) Theodor W. Adorno, Ästhetische Theorie, Frankfurt am Main 1970.
(12) Max Horkheimer, Notizen 1950 – 1969 und Dämmerung. Notizen in Deutschland, Frankfurt am Main 1974.
(13) Heiner Bielefeldt, „Die Würde des Menschen – Fundament der Menschnrechte“, in: Hans Jörg Sandkühler (Hrsg.), Recht und Moral, Hamburg 2010, S. 119.
(14) Immanuel Kant, Kritik der praktischen Vernunft, Horst D. Brandt/Heiner F. Klemme (Hrsg.), Hamburg 2003.
(15) Max Horkheimer/Theodor W. Adorno, op. cit. 1988, S. 88.
(16) Ebd., S. 93, 95.
(17) Ebd., S. 95.
(18) Ebd., S. 93.
(19) Ebd., D. 95.
(20) Ebd., S. 127.
(21) Winfried Schröder, Moralischer Nihilismus. Typen radikaler Moralkritik von den Sophisten bis Nietzsche, Stuttgart 2002, S. 145.
(22) Ebd., S. 155.
(23) Vgl. Jürgen Habermas, Der philosophische Diskurs der Moderne. Zwölf Vorlesungen, Frankfurt am Main 1985.
(24) Vgl. Jean-François Lyotard, Das postmoderne Wissen, Graz/Wien 1986.
(25) Gérard Raulet, Gehemmte Zukunft. Zur gegenwärtigen Krise der Emanzipation, Darmstadt 1986, S. 156 und 177.
(26) Wolfgang Welsch, Ästhetisches Denken, Stuttgart 19933, S. 197.
(27) Michel Foucault, Der Wille zum Wissen. Sexualität und Wahrheit 1, Frankfurt am Main 1977, S. 113f.

 

 

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Kommentare   

0 # Frankfurter SchuleGünter Buchholz 2016-12-13 15:38
Es gab in der ersten Hälfte des 20 Jh. zwei gesellschaftliche Rückschritte, zwei ungefähr zeitgleiche Umschläge in die Barbarei, zum einen jenen, nicht völlig unerwarteten, von Rosa Luxemburg befürchteten Umschlag der kapitalistischen Gesellschaft in den totalilitären Faschismus, zum anderen, völlig unerwartet, jenen der sozialen Revolution in den stalinistischen Totalitarismus, später in die poststalinistische "verwaltete Welt", so daß es dadurch keinen Weg mehr in eine humane Zukunft zu geben schien.
Und das erklärt m. E. den kosmischen Pessimismus der Dialektik der Aufklärung, die in 40er - Jahren geschrieben wurde und die, völlig angemessen, einen zutiefst entsetzten, an sich selbst zweifelnden Geist der Vernunft in dieser bodenlosen Zeit offenbart; realgeschichtlich nur allzu begründet.

Auch in Rußland fraß die Revolution ihre Kinder, wie es schon zuvor im 18. Jh. in der Großen Französischen Revolution geschehen war.

Die Entwicklung der Linken war danach davon gezeichnet, daß sie einerseits im Schatten des Stalinismus und des Post-Stalinismus blieb, ohne ihn wirlich zu überwinden, oder daß sie sich alternativ dem Maoismus zuwandte, der Stalins Methoden sinisierte, mit entsprechend furchtbaren Folgen im Großen Sprung und in der Kulturrevolution, die seltsamerweise im Westen etliche Anhänger fand, die uns heute über Vielfalt und Nachhaltigkeit etc. meinen aufklären zu müssen.

Nordkorea ist der bizarre Endpunkt jener maoistischen Entwicklung, die in China selbst wiederum verändert worden ist, durch Deng.

Vielleicht bietet sich im heutigen Neomarximus die Chance eines Neuansatzes im Kontext der "Praxisphilosophie", die zum Stalinismus immer so kritisch stand wie zum kapitalistischen System und zum verzweifelten kosmischen Pessimismus der Frankfurter Schule:

Horst Müller: Das Konzept PRAXIS im 21. Jahrhundert, 1. Aufl., Norderstedt 2015.

Es ist zu wünschen, daß dieses Buch gelesen wird und eine Debatte anstößt.
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-13 16:26
Das, Herr Ulfig, ist nach vielen guten Artikeln von Ihnen ein in meinen Augen leider weniger gute Artikel, der m.E. einige Fehler enthält.

Sie schreiben:

„Für Horkheimer und Adorno kann es aufgrund der Dialektik der Aufklärung keine positive Vorstellung einer Ethik oder einer Gesellschaftsordnung geben. Sie können nicht positiv sagen, an welchen Werten und Normen sich die Menschen orientieren sollten. Möglich ist nur eine negative Einkreisung dessen, was gut, erstrebenswert und fortschrittlich ist. Ihre Position kann daher als nihilistisch und relativistisch bezeichnet werden.“

Max Horkheimer und Theodor W. Adorno haben allerdings jeweils unterschiedliche Ethik-Ansätze vertreten und des Weiteren kann keiner dieser Ansätze als relativistisch oder gar als nihilistisch bezeichnet werden.

Richtig ist, dass Adorno und Horkheimer keine vergleichbar ausgereiften Ethik-Konzeptionen entwickelt haben wie z.B. John Rawls, Ronald Dworkin, Karl Otto Apel oder Jürgen Habermas. Ich persönlich halte die Ethikkonzeptionen von Rawls, Dworkin, Apel oder Habermas für besser als die von Adorno und Horkheimer. Das macht Adorno und Horkheimer aber noch lange nicht zu moralischen Relativisten oder Nihilisten.

Ihre Schriften zur „Dialektik der Aufklärung“ und zur „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ waren ja unter anderem gerade als Kritik am durch den in ihren Augen mit der rein instrumentellen bzw. zweckrationalen Vernunft einhergehenden moralischen Relativismus und moralischen Nihilismus intendiert. Schon von dieser Zielsetzung her sollte klar sein, dass Adorno und Horkheimer sicherlich nicht solche Kritiken am moralischen Relativismus und Nihilismus verfasst haben, um dann selbst moralischen Relativismus und Nihilismus zu predigen.

Max Horkheimer war ein Anhänger des Philosophen Arthur Schopenhauer und vertrat eine an Schopenhauer angelehnte Mitleids- und Solidaritätsethik.

Max Horkheimer:

„Schopenhauers pessimistische Lehre ist ein Trost. Im Gegensatz zur heutigen Gesinnung bietet seine Metaphysik die tiefste Begründung der Moral, ohne mit exakter Erkenntnis in Widerspruch zu geraten (…)
Schopenhauer hat die Liebe zum Nächsten, ja zur Kreatur philosophisch begründet, ohne die heute fragwürdigen Behauptungen und Vorschriften der Konfessionen auch nur zu berühren.“

(aus: Max Horkheimer – Schopenhauers Denken im Verhältnis zu Wissenschaft und Religion (1971), in: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 7: Vorträge und Aufzeichnungen 1949 – 1973, Fischer, 1985, S. 251 f.)

Aus einem Spiegel-Interview mit Max Horkheimer:

HORKHEIMER (…), darüber hinaus könnte eine Solidarität entstehen, die den Menschen notwendig zugehört. Sie ergibt sich daraus, daß sie endliche Wesen sind, daß sie leiden und sterben müssen.

SPIEGEL: Was soll diese Solidarität aller Menschen im Bewußtsein ihrer Verlassenheit bewirken?

HORKHEIMER: Zunächst einmal das Gemeinsame, die Fragwürdigkeit der Welt im Leiden und Sterben. Weiterhin die gemeinsame Bemühung um eine bessere Existenz.

(aus: Max Horkheimer – Was wir „Sinn“ nennen, wird verschwinden, Gespräch mit Georg Wolff & Helmut Gunnior, (1970), in: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 7: Vorträge und Aufzeichnungen 1949 – 1973, Fischer, 1985, S. 352)

Für eine ausführliche Darstellung der Entwicklung von Horkheimers moralphilosophischen Reflektionen siehe folgendes Buch:

Dieter Sattler - Max Horkheimer als Moralphilosoph. Studie zur Kritischen Theorie, Lang, 1996:

http://www.bol.de/shop/buecher/suche/?sq=sattler+horkheimer&sswg=ANY×tamp=1481640700647

Theodor W. Adorno versuchte hingegen, einen Ethik-Ansatz zu entwickeln, der gemäß seinem Verständnis von Dialektik jenseits von in seinen Augen zu abstraktem Universalismus einerseits und Relativismus andererseits angesiedelt sein sollte. Ich persönlich halte Adornos Ethik-Ansatz zwar für eine (interessante) Sackgasse, aber relativistisch ist er nicht.

Adorno geht davon aus, dass man zwar nicht klar bestimmen könne, was das moralisch Gute sei, dass es aber sehr wohl möglich sei, begründet zu bestimmen, was das moralisch Schlechte sei. Eine Überwindung des Relativismus könne daher ausgehend von begründeten Reflektionen über das moralisch Schlechte geleistet werden. In diesem Sinne führte er aus:

„Dagegen führt das Prinzip der bestimmten Negation (…) wirklich über die sogenannte Relativität hinaus. Wir mögen nicht wissen, was das absolut Gute, was die absolute Norm, ja auch nur, was der Mensch und das Menschliche und die Humanität sei, aber was das Unmenschliche ist, das wissen wir sehr genau. Und ich würde sagen, dass der Ort der Moralphilosophie heute mehr in der konkreten Denunziation des Unmenschlichen als in der unverbindlichen und abstrakten Situierung etwa des Seins des Menschen zu suchen ist.“

(aus: Theodor W. Adorno - Probleme der Moralphilosophie (1963), Suhrkamp, 2015, S. 261)

Bei Adorno führte dies zu spezifischen - keineswegs relativistischen - Grundsätzen, zu Dingen, die aus seiner moralphilosophischen Perspektive begründet vermieden werden sollten. Dazu gehörte für Adorno z.B., dass es keine Folter geben dürfe, dass niemand hungern müssen sollte und dass Auschwitz sich nicht wiederholen dürfe.
Adorno starb leider, bevor er seinen Ethik-Ansatz weiter ausarbeiten konnte.

Es gibt inzwischen mehrere Untersuchungen zu Adornos Ethik-Konzeption. Eine ausführliche Darstellung von Adornos Reflektionen zur Moralphilosophie findet sich z.B. in:

Gerhard Schweppenhäuser - Ethik nach Auschwitz. Adornos negative Moralphilosophie, Springer, 2016
http://www.bol.de/shop/buecher/verknuepfung/ethik_nach_auschwitz/gerhard_schweppenhae/EAN9783658117702/ID44407449.html?jumpId=15702654
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+2 # Negative DialektikAlexander Ulfig 2016-12-14 21:28
Gut, aber letztlich bestätigen Sie, dass beide keine elaborierte Ethik-Konzeption entwickelt haben, dass sie letztlich keine positive Vorstellung einer philosophisch ausgereiften Ethik hatten. Es ist auch der Sinn der Negativen Dialektik, dass nur eine negative Umkreisung dessen möglich ist, was moralisch geboten sein könnte. Abgesehen davon haben beide einige Überlegungen zu ethischen Fragen angestellt, die Sie hier dankenswerter Weise vorstellen.
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0 # RE: Negative DialektikLeszek 2016-12-17 15:30
Sie schreiben:

"Gut, aber letztlich bestätigen Sie, dass beide keine elaborierte Ethik-Konzeption entwickelt haben, dass sie letztlich keine positive Vorstellung einer philosophisch ausgereiften Ethik hatten. Es ist auch der Sinn der Negativen Dialektik, dass nur eine negative Umkreisung dessen möglich ist, was moralisch geboten sein könnte. Abgesehen davon haben beide einige Überlegungen zu ethischen Fragen angestellt, die Sie hier dankenswerter Weise vorstellen."

Adorno und Horkheimer haben ihre Ethik-Ansätze zwar nicht im Detail ausgearbeitet, aber es handelt sich bei Adorno und Horkheimer (wie ich auch in einer früheren Diskussion mit Ihnen auf diesem Blog in der Vergangenheit bereits einmal erwähnte) um zwei linke bzw. marxistische Denker, bei denen ethische Vorstellungen eine wichtige Rolle spielen.

Als positive Moralphilosophie in dem Sinne, dass versucht wird zu begründen, was das in moralischer Hinsicht Gute sei, kann Adornos Ethik-Ansatz, wie erwähnt, deshalb nicht gelten, da dieser sich darauf beschränkt zu versuchen begründet festzustellen, was das moralisch Schlechte sei.

Adorno wollte unbedingt vermeiden, einen Ethik-Ansatz zu entwickeln, der so interpretiert werden könnte, dass es darum ginge - über die Anerkennung und Einhaltung menschenrechtlicher Prinzipien hinaus – Menschen Vorgaben zu machen, wie sie zu leben hätten. Seine sehr liberale Einstellung manifestierte sich dann allerdings in der m.E. übertriebenen Haltung, Ethik solle sich auf eine negative Moralphilosophie – welche versucht begründete Feststellungen bezüglich des moralisch Schlechten, das zu vermeiden ist, zu treffen – beschränken, aber auf die Formulierung positiver Werte und Normen, also den Versuch der begründeten Feststellung des in moralischer Hinsicht Guten zu verzichten.

Adornos moralphilosophischer Ansatz ähnelt in seiner Struktur diesbezüglich also den Konzeptionen von Freiheit bei jenen Denkern des Liberalismus, die nur einen negativen Freiheitsbegriff bejahen („Freiheit von“), weil sie in einem positiven Freiheitsbegriff („Freiheit zu“) die Gefahr des Abgleitens in autoritäre Einstellungen befürchten, (wobei Adorno seinen negativen moralphilosophischen Ansatz allerdings vor dem Hintergrund seines Verständnisses von Dialektik begründete).

Ich persönlich halte Adornos moralphilosophischen Ansatz zwar für interessant, aber nicht für ausreichend und sehe darin bis zu einem gewissen Grad eher einen Rückfall hinter Kant in eine Ethik, die sich nur auf begründete Aussagen gemäß dem Motto: „Du sollst nicht…“ oder „Die Gesellschaft soll nicht…“ beschränkt.
Trotzdem kann Relativismus auch aus dieser Perspektive kritisiert werden, lassen sich universelle Menschenrechte auch aus dieser Perspektive begründen.

Bei Horkheimers Ethik-Ansatz kann hingegen durchaus von einer positiven Ethik gesprochen werden, denn Horkheimers ethische Vorstellungen laufen ja auf eine Aktualisierung von Schopenhauers Mitleids-Ethik hinaus. Der von Schopenhauer formulierte moralische Imperativ „Verletze niemanden, vielmehr hilf allen, soweit du kannst“ beinhaltet sowohl eine negative Norm bzw. Norm des zu Vermeidenden („Verletze niemanden“) als auch eine positive Norm („Hilf allen, soweit du kannst“). Horkheimers an Schopenhauer anknüpfende ethische Reflektionen können daher als positiver moralphilosophischer Ansatz bezeichnet werden.

Bei den Philosophien von Adorno und Horkheimer ist zu berücksichtigen, dass diese sich bei manchen Themen unterscheiden können. Dass Adorno und Horkheimer zeitweise eng zusammengearbeitet haben und auch gemeinsame Schriften verfasst haben, bedeutet nicht, dass sie in philosophischen und wissenschaftlichen Fragen grundsätzlich immer die gleichen Positionen vertreten hätten.
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0 # RE: Negative DialektikLeszek 2016-12-17 15:36
Einig waren sich Adorno und Horkheimer allerdings darin, dass sie es ihrem Selbstverständnis nach ablehnten die bürgerliche Gesellschaft ausgehend von einem konkreten alternativen Gesellschaftsentwurf bzw. den Werten und Normen eines alternativen Gesellschaftsentwurfs zu kritisieren. Ihrem Verständnis von Dialektik zufolge sollte Kritik an fortschrittlichen Phänomenen nur „immanente Kritik“ sein, das heißt also: Kritik ausgehend von zentralen Werten der kritisierten Sache selbst.

Als fortschrittliche Phänomene galten für Adorno und Horkheimer z.B. die Aufklärung und die bürgerliche Gesellschaft, daher konnte Kritik an Fehlentwicklungen im Anschluss an die Aufklärung aus ihrer Perspektive nur vom Standpunkt der Aufklärung selbst erfolgen und Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft nur ausgehend von den menschenrechtlichen Werten und Prinzipien der bürgerlichen Gesellschaft selbst.

Adorno erklärt dies folgendermaßen:

„Wenn man an einem Gebilde Kritik übt, dann kann diese Kritik – und das ist eine populäre Redeweise – entweder transzendente Kritik sein, das heißt, sie kann das Gebilde oder die Realität oder was immer es sei, messen an irgendwelchen Voraussetzungen, die dem Urteilenden zwar festzustehen scheinen, die aber nicht in der Sache sind; oder sie kann immanente Kritik sein, das heißt, sie kann woran Kritik geübt wird, messen an dessen eigenen Voraussetzungen, an seinem eigenen Formgesetz. Der dialektische Weg ist nun immer der, der immanenten Kritik, das heißt, es darf ganz in dem Sinn, den ich Ihnen eben entfaltet habe, nicht etwa an die Sache ein ihr äußerliches Kriterium herangebracht werden, keine „Versicherung“ und kein „bloßer Einfall“, sondern sie muss, um zu sich selber zu kommen, an sich, an ihrem eigenen Begriff gemessen werden. Wenn etwa Marx, um Ihnen ein Beispiel aus der materialistischen Dialektik zu geben, Kritik übt an der kapitalistischen Gesellschaft, dann kann das bei Marx niemals geschehen, indem er ihr eine sogenannte ideale, etwa eine sozialistische Gesellschaft gegenüberhält. Das ist bei Marx an allen Stellen sorgfältig vermieden, genau wie Hegel niemals an irgendeiner Stelle sich dazu hergegeben hat, die Utopie oder die verwirklichte Idee als solche auszumalen. Darüber herrscht in beiden Versionen der Dialektik ein schweres Tabu.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 50 f.)

Entsprechend vertrat Adorno auch folgendes Verständnis der Funktionen seiner Soziologie:

„Wenn Sie mich fragen, was Soziologie eigentlich sein sollte, dann würde ich sagen, es muss die Einsicht in die Gesellschaft sein, in das Wesentliche der Gesellschaft, Einsicht in das, was ist, aber in einem solchen Sinn, dass diese Einsicht kritisch ist, indem sie das, was gesellschaftlich „der Fall ist“, wie Wittgenstein gesagt haben würde, an dem mißt, was es selbst zu sein beansprucht, um in diesem Widerspruch zugleich die Potentiale, die Möglichkeiten einer Veränderung der gesellschaftlichen Gesamtverfassung aufzuspüren.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie, Suhrkamp, 2015, S. 31)

Max Horkheimer hielt auch in seiner konservativen Spätphase am Prinzip der immanenten Kritik fest, für ihn war immanente Kritik eine Form der Kritik, die sowohl aus einer politisch linken Perspektive als auch aus einer politisch konservativen Perspektive angewendet werden könnte. Er erklärt dies in Anlehnung an Schopenhauer (als politisch konservativen Denker) und Marx (als politischen linken Denker) folgendermaßen:

„(…) Schopenhauer stand kritisch zur Welt, aber nicht kritisch im Sinne moderner Revolution, sondern kritisch im Sinne des Konservativen. (…) Er maß – wie sehr viele Konservative – die Welt an den Ideen, zu denen sie sich bekannte, und er fand einen krassen Unterschied; und das bestimmte weitgehend die Kritik, die er an der gesellschaftlichen Realität übte. Ich will jetzt nicht auf seine Metaphysik eingehen, die zwar sehr wichtig ist, sondern darauf hinweisen, dass die konservative Haltung ebenso kritisch sein kann, wenn sie eine wahre konservative Haltung ist, wie die ihr entgegengesetzte revolutionär-marxistische . Von Marx las ich erst nach dem Ersten Weltkrieg etwas, und ich fand manche Ähnlichkeit mit Schopenhauer, denn es schien mir, dass die Marxsche Lehre eigentlich ein Protest dagegen war, dass die Losungen der bürgerlichen Revolution – liberte, egalite, fraternite – in der Welt, die sich zu ihnen bekannte, nur für eine relative kleine Gruppe verwirklicht wurden. Und so kamen für mich diese beiden Denker zusammen.”

(aus: Max Horkheimer – Verwaltete Welt. Gespräch mit Otmar Herrsche. In: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 7, Vorträge und Aufzeichnungen 1949 – 1973, S. 364)

So wie Kritik an der bürgerlichen Gesellschaft für Adorno und Horkheimer also stets immanente Kritik sein musste, so kam für sie auch hinsichtlich ihrer Kritik an (in ihren Augen) Fehlentwicklungen der Aufklärung keine andere Form der Kritik in Frage als die immanente Kritik. Und darum heißt es in der „Dialektik der Aufklärung“ direkt am Anfang wie bereits zitiert:

„Wir hegen keinen Zweifel (…), dass die Freiheit in der Gesellschaft vom aufklärenden Denken unabtrennbar ist.“

(aus: Max Horkheimer & Theodor W. Adorno – Dialektik der Aufklärung, Fischer, 2003, S. 3)

In seinem moralischen Imperativ zur westlichen Zivilisation verband Max Horkheimer das Prinzip der immanenten Kritik mit einer moralischen Verpflichtung zur Verteidigung der Errungenschaften der westlichen Zivilisation.

Max Horkheimer:

„Die sogenannte freie Welt an ihrem eigenen Begriff zu messen, kritisch zu ihr sich verhalten und dennoch zu ihren Ideen zu stehen, sie gegen Faschismus, Hitlerscher, Stalinscher oder anderer Varianz zu verteidigen, ist Recht und Pflicht jedes Denkenden.“

Der syrische Politikwissenschaftler Bassam Tibi, der in seinem Buch „Europa ohne Identität?“ den Begriff der Leitkultur prägte und den kulturrelativistischen Multikulturalismus und den Postmodernismus kritisierte, hat dieses Zitat Max Horkheimers seinem Buch vorangestellt.
Bassam Tibis Buch steht unter anderem in der Tradition der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers und ist Max Horkheimer gewidmet. Bassam Tibi argumentiert in dem Buch für eine an Aufklärung, Menschenrechten und Demokratie orientierte europäische Leitkultur.
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-13 16:46
Sie schreiben:

„(c) Es gibt kein Subjekt, das als Ausgang und Grundlage der Erkenntnis auftreten und das – wie bei Kant – die Welt konstituieren würde. Es gibt überhaupt kein Zentrum der Welt.(25) Auch in sozialen und gesellschaftlichen Verhältnissen gibt es keine feste Identität. „Es gilt, seine Identität so auszubilden, dass sie der aktuellen Pluralität gewachsen, Identität in Übergängen ist.“(26)“

Hierbei gibt es allerdings den keineswegs trivialen Unterschied zwischen der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers und dem Postmodernismus, dass Adorno und Horkheimer zwar die Entstehung der „postmodernen fließenden Identitäten“ unter den Bedingungen des Spätkapitalismus analysieren, diese aber kritisch sehen. Die „fließenden Identitäten der Postmoderne" sind für die klassisch-psychoanalytisc he
Sichtweise, von der Adorno und Horkheimer ausgehen, Ausdruck von Ich-Schwäche, Produkt dysfunktionaler Sozialisationsbedingungen und nicht wünschenswert.

Adorno bemerkt hierzu:

„Ich möchte (…) immerhin einblenden, dass zur Mündigkeit eine bestimmte Festigkeit des Ichs, der Ich-Bindung hinzugehört, wie sie am Modell des bürgerlichen Individuums gebildet ist. Die Möglichkeit, wie sie heute vielfach gefordert ist, (…) sich, statt ein festes Ich auszubilden, auf stets wechselnde Situationen umzustellen, harmoniert mit dem Phänomen der Ich-Schwäche, die wir von der Psychologie her kennen, in einer, wenn ich mich nicht irre, doch sehr problematischen Weise. Ob etwa bei Menschen, in denen es die Festigkeit von der Vorstellung eines eigenen Berufs gar nicht mehr gibt, die sich also relativ mühelos, wie man so sagt, umstellen und einarbeiten können, dies wirklich der Mündigkeit zugute kommt oder ob dieselben Menschen nicht gerade, indem sie dann sonntags auf dem Sportplatz jede Besinnung verlieren, sich als unmündig erweisen, das möchte ich als Problem wenigstens offenhalten.“

(aus: Theodor W. Adorno – Erziehung zur Mündigkeit (1969) in: Theodor W. Adorno – Erziehung zur Mündigkeit, Suhrkamp, 2015, S. 143)
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-13 17:14
Sie schreiben:

"Nicht Zuviel, sondern Zuwenig an Aufklärung hat zur Entstehung von totalitären Systemen geführt."

Das meinte Adorno auch:

„Wenn aber der kritische Gedanke sich nun des selbst fortgeschrittenen Phänomens bemächtigt, dann bedeutet das nicht, dass man ihm gegenüber die mittlere Menschenvernunft des Vertrauten anruft, sondern es kann nur bedeuten, dass man dann versucht, das Phänomen, mit dessen Insuffizienz (Unzulänglichkeit) man es zu tun hat, dadurch zur Korrektur zu bringen, dass man es dazu anhält, sein eigenes Prinzip immer weiter zu treiben; mit anderen Worten und um es etwas inhaltlicher auszudrücken:
Wenn man immer wieder auf eine Dialektik der Aufklärung stößt, also auf eine Dialektik der Rationalität derart, dass man feststellen muss, was alles auf dem Weg der Aufklärung, auf der Bahn der Aufklärung an Opfer und Unrecht liegenbleibt, dann kann und darf das nicht bedeuten, dass man hinter diese Aufklärung wieder zurückgeht, dass man irgendwelche Naturschutzparks von Irrationalitäten anlegt, sondern es kann und darf lediglich das bedeuten, dass diese Wundmale, die die Aufklärung hinterlässt, zugleich auch stets die Momente sind, in denen Aufklärung selber als eine noch partielle, als nicht aufgeklärt genug, gewissermaßen sich erweist, und dass nur dadurch, dass man ihr Prinzip konsequent weiterverfolgt, diese Wunden vielleicht geheilt werden können.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 266)

Man sollte m.E. stets berücksichtigen, dass Adorno und Horkheimer der Ansicht waren, dass an fortschrittlichen Phänomenen nur immanente Kritik geübt werden solle, dementsprechend verstanden sie ihre Kritik an der Aufklärung als Kritik an der Aufklärung vom Standpunkt der Aufklärung mit dem Ziel einer Selbstzerstörung der Aufklärung entgegenzuwirken.

Und deshalb heißt es ja auch in der "Dialektik der Aufklärung" z.B. :

„Wir hegen keinen Zweifel, (…), dass die Freiheit in der Gesellschaft vom aufklärenden Denken unabtrennbar ist.“

(aus: Max Horkheimer & Theodor W. Adorno – Dialektik der Aufklärung, Fischer, 2003, S. 3)

„Nimmt Aufklärung die Reflexion auf dieses rückläufige Moment nicht in sich auf, so besiegelt sie ihr eigenes Schicksal.“

(ebd. S. 3)

„Indem die Besinnung auf das Destruktive des Fortschritts seinen Feinden überlassen bleibt, verliert das blindlings pragmatisierte Denken seinen aufhebenden Charakter, und darum auch die Beziehung auf Wahrheit.“

(ebd. S. 3)

"(…) die Aufklärung muss sich auf sich besinnen, wenn die Menschen nicht vollends verraten werden sollen.“

(ebd. S. 5)

„Die dabei an Aufklärung geübte Kritik soll einen positiven Begriff von ihr vorbereiten, der sie aus ihrer Verstrickung in blinder Herrschaft löst.“

(ebd. 6)
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0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2017-01-13 19:03
Auch Max Horkheimer betont in "Zur Kritik der instrumentellen Vernunft"dass die Alternative zu einer einseitigen und sich verselbständigen instrumentellen/zweckrati onalen Vernunft nicht in weniger, sondern in mehr unabhängigem - und d.h. aufklärerischem - Denken liegen muss und dass ein Verzicht auf Aufklärung und Vernunft nur zu kultureller Regression mit fürchterlichen Folgen für die Gesellschaft führen kann:

"Die Lehren , die die Natur oder den Primitivismus auf Kosten des Geistes erhöhen, begünstigen die Versöhnung mit der Natur nicht; im Gegenteil, sie drücken emphatisch Kälte und Blindheit gegenüber der Natur aus. Immer wenn der Mensch vorsätzlich Natur zu seinem Prinzip macht, regrediert er auf primitive Triebe. (...) Die Absage der Philosophen und Politiker an die Vernunft infolge ihrer Kapitulation vor der Wirklichkeit beschönigt eine weit schlimmere Form der Regression und gipfelt unvermeidlich in einer Verwechslung der philosophischen Wahrheit mit erbarmungsloser Selbsterhaltung und Krieg.
Kurzum, wir sind zum Guten oder Schlechten die Erben der Aufklärung und des technischen Fortschritts. Sich ihnen zu widersetzen durch Regression auf primitive Stufen, mildert die permanente Krise nicht, die sie hervorgebracht haben. Im Gegenteil, solche Auswege führen von historisch vernünftigen zu äußerst barbarischen Formen gesellschaftlicher Herrschaft. Der einzige Weg, der Natur beizustehen, liegt darin, ihr scheinbares Gegenteil zu entfesseln, das unabhängige Denken.

(aus: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 6: „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ und „Notizen 1949-1969“, Fischer, 2008, S. 134 f.)
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-13 18:16
Sie schreiben:

„(d) Die Verstrickung von Wissen/Erkenntnis und Macht. In der Dialektik der Aufklärung behaupten Horkheimer und Adorno, dass Erkenntnis und Macht synonym sind.“

Dann schauen wir uns die entsprechende Passage mal an. Da heißt es:

„Rücksichtslos gegen sich selbst hat die Aufklärung noch den letzten Rest ihres eigenen Selbstbewusstseins ausgebrannt. Nur solches Denken ist hart genug, die Mythen zu zerbrechen, das sich selbst Gewalt antut. Vor dem Triumph des Tatsachensinns heute wäre auch Bacons nominalistisches Credo noch als Metaphysik verdächtig und verfiele dem Verdikt der Eitelkeit, das er über die Scholastik aussprach. Macht und Erkenntnis sind synonym.“

(aus: Max Horkheimer & Theodor W. Adorno – Dialektik der Aufklärung, Fischer, 2003, S. 10)

Hierbei geht es offensichtlich nicht darum, dass Macht und Erkenntnis grundsätzlich untrennbar verbunden wären wie bei Foucault, sondern darum, dass es unter bestimmten Bedingungen zu einer Allianz von Macht und Erkenntnis kommt, nämlich dann, wenn Aufklärung sich vollständig zu instrumenteller bzw. zweckrationaler Vernunft verengt, die völlig von rationalen ethischen Reflektionen abgekoppelt ist.

Sie schreiben:

„(b) Skepsis gegenüber oder gar Ablehnung von großen theoretischen Entwürfen, Systemen und „großen Erzählungen“. Solche Entwürfe streben nach der Verallgemeinerung der Erkenntnis, ordnen das Einzelne/Individuelle unter das Allgemeine. Die Skepsis gegenüber großen Systemen zeigt sich auch in der Darstellungsweise der Dialektik der Aufklärung. Sie stellt eine Ansammlung von „Fragmenten“ dar. Auch postmoderne Denker lehnen das Systemische und in der Darstellung das Systematische ab. Sie möchten stattdessen das Fragmentarische, Partikulare und Lokale zum Ausdruck bringen.(24)“

Wo findet sich bei Adorno und Horkheimer denn die postmoderne Ablehnung der „großen Erzählungen“?
Die Aufklärung lehnten sie keineswegs als „große Erzählung“ ab, sondern es ging ihnen ihrem Selbstverständnis nach um eine Rettung der Aufklärung.

Adorno blieb des Weiteren Zeit seines Lebens Marxist (wiewohl er sich auch auf fast alle anderen philosophischen Strömungen bezog), von einer Ablehnung des Marxismus als „großer Erzählung“ kann hier also nicht die Rede sein.

Horkheimer war längere Zeit Marxist, löste sich aber in der Spätphase seines Werkes vom Marxismus und wurde immer konservativer. Ich kenne allerdings keinen Text von ihm, in dem er den Marxismus als „große Erzählung“ kritisieren würde, wie es manche Postmodernisten taten.

Zeit seines Lebens war Horkheimer Schopenhauerianer und es fiel ihm offenbar nicht ein, Schopenhauers Philosophie als „große Erzählung“ zu kritisieren.

In der Spätphase seines Werkes vertrat Horkheimer zudem eine Variante negativer Theologie, er war also der Überzeugung, dass Gott existiert, wir aber nichts Konkretes über Gott aussagen könnten. Horkheimer verteidigte auch das Christentum.
Antworten
0 # "Große Erzählung"Alexander Ulfig 2016-12-13 21:59
"Wo findet sich bei Adorno und Horkheimer denn die postmoderne Ablehnung der „großen Erzählungen“?"
Das ist ein Missverständnis oder missverständlich von mir formuliert. "Große Erzählung" bezieht sich auf Lyotard. Ich möchte hier auf Gemeinsamkeiten hinweisen: Ablehnung von großen Systemen bzw. vom Systemdenken durch Horkheimer/Adorno und Ablehnung von "Großen Erzählungen" durch Lyotard, womit der Letztere ebenfalls große philosophische Systeme meint.
Antworten
0 # RE: "Große Erzählung"Leszek 2016-12-19 11:35
@ Alexander Ulfig

„Ich möchte hier auf Gemeinsamkeiten hinweisen: Ablehnung von großen Systemen bzw. vom Systemdenken durch Horkheimer/Adorno und Ablehnung von "Großen Erzählungen" durch Lyotard, womit der Letztere ebenfalls große philosophische Systeme meint.“

Die Verteidigung der Integrität des Besonderen bzw. Partikularen gegenüber einem falschen, weil repressiven Allgemeinen innerhalb der Kritischen Theorie, die Sie offenbar an den Postmodernismus/Poststruk turalismus erinnert, ist ein spezifisches Thema im Werk Adornos, nicht so sehr bei Horkheimer.

Hier gibt es aber einen wichtigen Unterschied zum Poststrukturalismus/Postm odernismus, denn für Adornos-Dialektik-Verstän dnis ist die von ihm häufig wiederholte Idee eines dialektischen Verhältnisses zwischen dem Allgemeinen und dem Besonderen/Partikularen zentral.

Ausgehend von dieser Perspektive lehnt Adorno zwar solche „Großtheorien“ ab, die seiner Ansicht nach die spezifischen Besonderheiten/Partikular itäten, die diese unter sich befassen, nicht angemessen zur Geltung kommen lassen, bei denen das dialektische Verhältnis zwischen Allgemeinem und Besonderen also von Seiten des Allgemeinen her „gestört“ ist.

Ebenso lehnt Adorno aber auch solche „Kleintheorien“ ab, die sich rein auf das Besondere/Partikulare beschränken ohne es in Beziehung zum Allgemeinen zu setzen, bei denen also die dialektische Beziehung von Seiten des Besonderen her „gestört“ ist.
Es ist sogar ein grundlegender methodischer Aspekt von Adornos Dialektik-Verständnis, dass das Partikulare/Besondere immer auf das Allgemeine rückgekoppelt werden muss, zum Allgemeinen in Beziehung gesetzt werden muss, um es überhaupt wirklich verstehen zu können.

In wissenschaftstheoretische r Hinsicht geht es Adornos Dialektik-Verständnis zufolge also stets darum, dass Besondere und das Allgemeine in ihrem jeweiligen Zusammenhang zu erfassen und in ethischer und politischer Hinsicht geht es Adorno um eine „Versöhnung“ des Allgemeinen und des Besonderen.

Adorno schlägt sich also nicht in der gleichen einseitigen Weise auf die Seite des Besonderen/Partikularen, wie es jene Poststrukturalisten/Postm odernisten taten, für die das Allgemeine prinzipiell ein abzulehnendes Prinzip ist.

Entsprechend lehnt Adorno auch Großtheorien nicht grundsätzlich ab, vielmehr entwirft er ja selbst welche: Die psychoanalytisch begründete Zivilisations- und Geschichtstheorie in der „Dialektik der Aufklärung“ ist sicherlich eine Großtheorie, ebenso Adornos dialektische soziologische Gesellschaftstheorie.
In „Zur Lehre von der Geschichte und der Freiheit“ entwirft Adorno sogar eine Neu-Interpretation der Theorie des hegelianischen Weltgeistes (der bei Adorno allerdings weder mit Gott identifiziert wird, noch notwendigerweise gut ist, noch deterministisch verstanden wird, sondern eher dem nahekommt, was wir gewöhnlich mit dem Begriff Zeitgeist bezeichnen).

Eben dieser Versuch Allgemeines und Besonderes dialektisch in Beziehung zu setzen, kommt ja eben auch in Adornos moralphilosophischen Überlegungen zum Ausdruck, wenn Adorno z.B. einerseits gegenüber autoritären Moralnormen, die das Individuum in seiner Entfaltung behindern, die persönliche Freiheit verteidigt (Berücksichtigung des Partikularen/Besonderen) und gleichzeitig darauf insistiert, dass Moralphilosophie niemals ohne ein Allgemeines auskommen kann, also die universalistische Dimension menschenrechtlicher Moral bejaht (Berücksichtigung des Allgemeinen).

Adorno spricht z.B. von einer „Doppelstellung der Moral“ und meint damit, „dass wir das moralisch Allgemeine so weit zu akzeptieren haben, wie es auf der einen Seite durchsichtig ist in seiner Beziehung auf die verwirklichte Menschheit (…) und auf der anderen Seite durchsichtig ist in bezug auf die Freiheit und Selbstbestimmung des Individuums und dass dagegen alle Moral, soweit sie unterdrückend und repressiv ist, zur Kritik steht.“

(zit. nach: Gerhard Schweppenhäuser – Ethik nach Auschwitz, Springer, 2016, S. 205)

An anderer Stelle formuliert Adorno den gleichen Gedanken folgendermaßen:

„Damit Sie mich also nicht falsch verstehen: auf der einen Seite ist die Kritik der Moral als des schlecht Allgemeinen in seiner repressiven Funktion gegenüber dem Besonderen, gegenüber dem Individuum, ohne allen Kompromiss durchzuführen; auf der anderen Seite aber ist das Moralische, ohne dass ein Allgemeines gedacht würde, an dem die unreflektierte Fürsichheit des Individuums seine Grenze fände, genausowenig möglich.“

(aus: Theodor W. Adorno - Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit, Suhrkamp, 2016, S. 366)
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0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-17 18:38
Dass es Adorno und Horkheimer nicht darum ging, zu behaupten, Macht und Erkenntnis seien grundsätzlich untrennbar miteinander verbunden, sondern, dass dies aus ihrer Sicht nur dann der Fall ist, wenn sich Vernunft zu reiner zweckrationaler/instrumen teller Vernunft verengt, die unmoralische Ziele im Dienste von Herrschafts- und Profitinteressen anstrebt, verdeutlicht auch das folgende Zitat von Theodor W. Adorno:

"Aber man soll doch hier wirklich die Kirche im Dorf lassen, also sich etwa darüber klar sein, dass die Drohungen, welche die ratio in ihrer heute wissenschaftlich-fortschr eitenden Gestalt auf die Menschheit ausübt, ja nicht an der ratio, nicht an der Wissenschaft als solcher liegen, sondern an der Verflechtung der ratio mit höchst realen gesellschaftlichen Verhältnissen, innerhalb deren sie von vornherein auf Zwecke dirigiert wird, die ihrerseits wegen des irrationalen Zustandes der Gesamtgesellschaft auch irrational sind. "

(aus: Theodor W. Adorno - Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit, Suhrkamp, 2016, S. 91 f.)
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0 # PRAXIS - PhilosophieGünter Buchholz 2016-12-14 22:28
Mit Blick auf:
Horst Müller: Das Konzept PRAXIS im 21. Jahrhundert, 1. Aufl., Norderstedt 2015.
verweise ich auf den Vortrag von Horst Müller:
https://www.dorftv.at/video/26198
Antworten
0 # Drift vs. ZustandWolf-Dieter Busch 2016-12-16 01:02
Die Aufklärung ist – im Wortsinn – nicht ein Zustand, sondern ein Drift, vereinfacht: von „dumm“ nach „klug“.

Das geschieht an konkreten Wissens-Gegenständen, z. B. „der Herr hat die Welt erschaffen“ → „Evolution der Arten durch Auslese“.

Nach Erreichen des Zustandes „klug“ ist die Aufklärung – im Wortsinn – beendet.

Der Irrtum besteht darin, die Aufklärung statt als Drift als Zustand aufzufassen; also ihre Motive und Methoden auch jetzt, wo es obsolet ist, anzuwenden: „Auslese im Tierreiche“ → „Auslese in der Gesellschaft“.
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-18 17:54
Sie schreiben:

„(e) Die Ablehnung des Positivismus, nach dem Tatsachen die Grundlage der Erkenntnis und der wissenschaftlichen Forschung bilden, und des Szientismus, nach dem allein die (positive) Wissenschaft wahre Erkenntnisse liefern kann. Horkheimer und Adorno sowie den Postmodernisten zufolge besitzt die Wissenschaft keinen ausgezeichneten Zugang zur Wahrheit."

Hierbei werden allerdings die gravierenden Unterschiede zwischen den wissenschaftstheoretische n Auffassungen von Adorno und Horkheimer und denen innerhalb des Poststrukturalismus/Postm odernismus unterschlagen.
Zudem wird nicht darauf eingegangen, wie Adorno und Horkheimer den Begriff Positivismus verwendet haben, sie verwendeten ihn nämlich nicht präzise, sondern als Oberbegriff für alle wissenschaftstheoretische n Auffassungen ihrer Zeit, die die Dialektik als Methode nicht einbeziehen.

Adornos und Horkheimers wissenschaftstheoretische Auffassungen beruhen auf einer Synthese von empirischer Sozialforschung einerseits und der Dialektik als geisteswissenschaftlicher Methode andererseits. Mir ist kein Theoretiker des Poststrukturalismus/Postm odernismus bekannt, der eine ähnliche wissenschaftstheoretische Position vertreten würde, in der Regel können Vertreter des Poststrukturalismus weder mit empirischer Sozialforschung, noch mit Dialektik etwas anfangen.

Im Folgenden sei kurz etwas genauer auf Adornos und Horkheimers wissenschaftstheoretische Auffassungen eingegangen.
Diejenige Schrift Adornos, in der seine wissenschaftstheoretische n Auffassungen am ausführlichsten dargestellt werden, ist m.W. das Buch „Einleitung in die Soziologie“, das auf einer 1968 gehaltenen Vorlesung beruht: Theodor W. Adorno – Einleitung in die Soziologie (1968), Suhrkamp, 2003.
Adornos Verständnis von Dialektik wird des Weiteren genauer dargestellt in dem Buch „Einführung in die Dialektik“, das auf einer 1958 gehaltenen Vorlesung beruht: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik (1958), Suhrkamp, 2015.
Ich denke, dass Horkheimer den meisten wissenschaftstheoretische n Positionen, die Adorno in diesen beiden Büchern vertritt, wohl weitgehend zugestimmt hat. Meine Darstellung lehnt sich daher wesentlich (aber nicht ausschließlich) an diese beiden Schriften an.

Ganz allgemein sollte zuerst festgehalten werden, dass die erste Generation der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule Pioniere der empirischen Sozialforschung in Deutschland waren. Später im US-amerikanischen Exil bildeten sie sich hinsichtlich empirischer Sozialforschung weiter, denn die Sozialwissenschaften in den USA waren damals in dieser Hinsicht bereits weiter entwickelt als in Deutschland. Die erste Generation der Kritischen Theorie begründete in den USA mittels Anwendung der empirischen Sozialforschung die empirische Autoritarismusforschung in Bezug auf die Persönlichkeit aus soziologischer und sozialpsychologischer Perspektive. Mit ihrer Rückkehr nach Deutschland brachten Adorno und Horkheimer auch die für die damalige Zeit fortgeschrittensten Methoden der empirischen Sozialforschung mit nach Deutschland und wendeten diese bei ihren Forschung im Institut für Sozialforschung an.
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-18 17:56
Adorno und Horkheimer unterschieden sich von anderem Soziologen, die empirische Sozialforschung betrieben, in einem wesentlichen Punkt: Sie sahen sich selbst in der Tradition dialektischer Philosophie in der Nachfolge von Hegel und Marx und vertraten vehement die Ansicht, dass empirische Sozialforschung allein für ein angemessenes Verständnis der sozialen Wirklichkeit nicht ausreiche. Sie waren der Ansicht, dass empirische Sozialforschung durch die Dialektik als geisteswissenschaftliche Methode ergänzt werden müsse, um es der Soziologie zu ermöglichen, die gesellschaftlichen Zusammenhänge, in denen bestimmte soziale Phänomene stehen, genauer zu verstehen sowie sogenannte objektive Bewegungsgesetze der Gesellschaft zu erfassen. Soziale Phänomene könnten durch empirische Sozialforschung hinsichtlich bestimmter Dimensionen mit Erkenntnisgewinn erforscht werden, aber für ein tieferes Verständnis der Zusammenhänge, die bestimmte soziale Phänomene mit dem gesellschaftlichen „Ganzen“ verbinden, sei die Dialektik die angemessene Methode.

Außerdem könne es die Dialektik auch erleichtern auf spezifische Fragestellungen und Hypothesen zu sozialen Phänomenen zu kommen, die für das Verständnis eines sozialen Phänomens wesentlich sind und dadurch die empirische Sozialforschung bereichern. Adorno gibt in seiner „Einführung in die Dialektik“ hierfür ein paar Beispiele.

Des Weiteren würde es mit Hilfe der Dialektik leichter fallen empirische Forschungsinstrumente auszuwählen oder zu kreieren, die einem bestimmten sozialen Phänomen tatsächlich angemessen sind, denn ein wesentlicher Grundzug der Dialektik war in den Augen Adornos und Horkheimers, dass die Dialektik eine Art des Denkens hervorzurufen versucht, die sich ganz und gar in die zu erforschende Sache vertieft und stets nur ausgehend von der Sache selbst denkt, um so zu vermeiden der zu erforschende Sache voreilig irgendwelche Forschungsinstrumente oder Theorien überzustülpen, die ihr nicht angemessen sind und dadurch zu riskieren auf verzerrte Ergebnisse zu kommen.

Die Dialektik war für Adorno und Horkheimer also sowohl für sich genommen als auch im direkten Zusammenspiel mit empirischer Sozialforschung eine unverzichtbare Methode zur Erfassung der gesellschaftlichen Wirklichkeit.
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0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-18 17:57
Leider beließen es Adorno und Horkheimer allerdings nicht immer dabei mittels Argumenten für die Dialektik als Methode zu werben - und sie besaßen m.E. zum Teil durchaus bedenkenswerte Argumente in dieser Hinsicht – sie ließen sich leider auch manchmal dazu hinreißen Anhänger anderer wissenschaftstheoretische r Vorstellungen unter dem von ihnen als undifferenziertem Schlagwort verwendeten Label „Positivismus“ in in meinen Augen oberflächlicher und unfairer Weise zu kritisieren.

Es sei an dieser Stelle erwähnt, dass ich kein Fan der oberflächlichen und undifferenzierten Kritiken bin, die Adorno und Horkheimer z.B. am logischen Positivismus, am amerikanischen Pragmatismus und am kritischen Rationalismus übten. (Ebensowenig bin ich ein Fan der oberflächlichen und undifferenzierten Kritik, die z.B. Karl Popper an der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers übte.)

Glücklicherweise haben viele Vertreter der zweiten und dritten Generation der Kritischen Theorie der Frankfurter Schule solche albernen Feindbilder hinter sich gelassen. Jürgen Habermas und Axel Honneth integrierten z.B. den amerikanischen Pragmatismus in ihre Philosophien, Peter V. Zima knüpft gleichzeitig an Adorno und Horkheimer genauso wie an Otto Neurath, Karl Popper und Hans Albert an, Bassam Tibi bezieht sich positiv sowohl auf Adorno und Horkheimer wie auf Karl Popper. In solchen theoretischen Ansätzen, die darum bemüht sind die Teilwahrheiten der ersten Generation der Kritischen Theorie mit den Teilwahrheiten in jenen Philosophien, die von Adorno und Horkheimer nicht angemessen verstanden und gewürdigt wurden, zu verbinden, sehe ich persönlich eine konstruktive Weiterentwicklung der Kritischen Theorie.

Die berechtigte Kritik an Adornos und Horkheimers dogmatischem – und gemäß ihrem eigenen Verständnis von Dialektik, die sich ja stets ganz in die Sache zu vertiefen habe – undialektischen Umgang mit einigen Vertretern anderer philosophischer Strömungen ändert aber nichts daran, dass Adorno und Horkheimer ihr Verständnis von Dialektik in anderen Passagen ihres Werkes mit m.E. z.T. bedenkenswerten Argumenten begründet haben.

Adornos und Horkheimers wissenschaftstheoretische Auffassung ist nicht wahrheitsrelativistisch, wie dies zumindest z.T. im Poststrukturalismus/Postm odernismus der Fall ist. Für Adorno und Horkheimer gibt es eine objektive Wirklichkeit und diese ist für sie mittels einer Synthese aus empirischer Forschung und Dialektik auch potentiell zu verstehen. Adorno und Horkheimer vertraten aber ebenfalls keinen wissenschaftstheoretische n Dogmatismus, die Dialektik war für sie keine Methode, die Unfehlbarkeit garantiert.

Adorno beschreibt die Dialektik vor allem als eine Methode des Denkens, der es darum geht, sich immer mehr in den zu erforschenden Gegenstand zu vertiefen und alle Reflektionsprozesse stets ausgehend von der spezifischen Natur und Dynamik des jeweiligen Gegenstandes vorzunehmen. Weil die zu erforschenden Dinge aber ganz verschieden sein können, sei die Dialektik als Methode nicht endgültig systematisierbar. Adorno zählt mehrere Aspekte oder „Regeln“ dialektischen Denkens auf, weigert sich aber entschieden diese in eine konkrete dauerhafte Abfolge zu bringen, so dass eine eindeutig systematische Methode daraus entstünde. Seiner Ansicht nach habe sich die Dialektik stets dem spezifischen, zu erforschenden Gegenstand anzupassen, so dass es sich von Fall zu Fall unterscheiden kann, welche Aspekte der Dialektik in welcher Reihenfolge zur Geltung kommen.

Gleichzeitig pocht Adorno entschieden darauf, dass ein guter dialektischer Denker sich bei der Ausübung der Dialektik genauso von persönlichen Vorlieben und Abneigungen frei machen muss wie ein guter empirischer Sozialforscher. Adornos Verständnis von Dialektik steht jedem Subjektivismus, der sich alles zurecht biegen möchte, wie es ihm gefällt, fern. Ein solcher subjektivistischer Umgang mit Dialektik ist für Adorno schlicht Missbrauch der Dialektik und er empfiehlt Personen mit solchen Neigungen doch bitte gar nicht erst mit dem dialektischen Denken anzufangen.

Die Unterschiede zwischen den wissenschaftstheoretische n Auffassungen Adornos und Horkheimers und den wissenschaftstheoretische n Auffassungen solcher Postmodernisten, die die Wirklichkeit (zumindest zum Teil) in wahrheitsrelativistischer Weise in Diskursen und sozialen Konstruktionen aufgehen lassen, ist also groß. (Es sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass nicht alle Diskursanalytiker und Sozialkonstruktivisten postmoderne Wahrheitsrelativisten sind. Es gibt auch einen wissenschaftlich seriösen Umgang mit der Diskursanalyse als geisteswissenschaftlicher Methode und es gibt auch einen seriösen Sozialkonstruktivismus, die jeweils innerhalb ihres Geltungsbereichs verbleiben.)

Adornos und Horkheimers Wissenschaftsverständnis steht dem von ihnen kritisierten Positivismus also weitaus näher als einem Postmodernismus, der von wahrheitsrelativistischen Grundlagen ausgeht.
Ganz gleich ob man Adornos und Horkheimers Wissenschaftsverständnis zustimmt oder ablehnt, so handelt es sich jedenfalls um eine Auffassung, von der ausgehend postmodernistischer Wahrheitsrelativismus kritisiert und zurückgewiesen werden kann.
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0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-18 18:18
Meine letzten drei Kommentare sind in umgekehrter Reihenfolge zu lesen, wie sie jetzt da stehen. (Merkwürdige Kommentarfunktion)
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0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungEl_Mocho 2016-12-20 08:06
@ Leszek: Finden sich irgendwo im Werk von Adorno und Horkheimer Hinweise darauf, wie denn eine "nichtinstrumentelle" Vernunft konkret aussehen würde?

Finden isch ferner Hinweise darauf, wie "Dialektik" eigentlich funktioniert. Ich meine, wie man mit Hilfe von Dialektik zu Erkenntnissen gelangt, die banaler formaler Logik überlegen sind?
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0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-29 16:22
@ El_Mocho

„Finden sich irgendwo im Werk von Adorno und Horkheimer Hinweise darauf, wie denn eine "nichtinstrumentelle" Vernunft konkret aussehen würde?“

Adorno und Horkheimer unterscheiden hierbei ja zwischen zwei Vernunftformen.
Die in „Dialektik der Aufklärung“ und „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ dargestellte Theorie beruht auf der Unterscheidung zwischen einer Form von Vernunft, deren Funktion in der rationalen Bestimmung moralischer Ziele besteht und einer weiteren Form von Vernunft, deren Funktion, die rationale Bestimmung angemessener Mittel zur Erreichung von Zielen darstellt.

Wie es der Horkheimer-Experte Zvi Rosen in seiner Einführung zu Max Horkheimer formuliert:

„In der „Dialektik der Aufklärung“ war de facto die Rede von zwei Begriffen der Vernunft: der potentiell emanzipatorischen Vernunft, die im Dienste der Menschheit steht, und der instrumentellen Vernunft, die auf der Reduktion der Vernunft zu einem Instrument der Kalkulation im Dienste selbstsüchtiger Ziele basiert. In der „Kritik der instrumentellen Vernunft“ wird unter Berufung auf Max Weber der erste Begriff durch die Bezeichnung „objektive“ Vernunft und der zweite durch „subjektive“ Vernunft ersetzt. (…) Subjektive Vernunft hat es wesentlich mit Mitteln und Zwecken zu tun, mit Angemessenheit von Verfahrensweisen an Ziele, ohne der Frage der Vernünftigkeit bzw. Legitimität der Ziele nachzugehen.“

(aus: Zvi Rosen – Max Horkheimer, Beck, 1995, S. 132)

Also:

Die sogenannte objektive oder emanzipatorische oder kritische Vernunft ist für rationale ethische/moralische Reflektionen zuständig.

Die subjektive oder zweckrationale oder instrumentelle Vernunft ist hingegen für rationale Reflektionen zur Bestimmung der Mittel zur Erreichung von Zielen zuständig, sie reflektiert aber nicht darüber, ob Ziele und Zwecke in moralischer Hinsicht gerechtfertigt sind oder nicht.

Würden wir Adornos und Horkheimers Theorie im Kontext der Forschungsergebnisse und Theorien der empirischen kognitiven und moralischen Entwicklungspsychologie in der Tradition von Jean Piaget und Lawrence Kohlberg versuchen zu reformulieren, dann wäre mit objektiver/emanzipatorisc her/kritischer Vernunft wesentlich die Verbindung von formal-operationalem (oder post-formalem) Denken und postkonventioneller Moral gemeint.

Mit subjektiver/zweckrational er/instrumenteller Vernunft wäre hingegen formal-operationales Denken gemeint, wenn es zur Bestimmung angemessener Mittel zur Erreichung bestimmter Zwecke angewendet wird.

Beide Vernunftformen sind nach Adorno und Horkheimer wichtig und auch die subjektive/zweckrationale /instrumentelle Vernunft ist notwendig und nicht per se moralisch falsch oder schlecht.

Die subjektive/zweckrationale /instrumentelle Vernunft kann aber in moralischer Hinsicht zu etwas Schlechtem werden, wenn sie von der objektiven/emanzipatorisc hen/kritischen Vernunft abgekoppelt ist und sich im Zuge dieser Abkopplung in den Dienst solcher egozentrischer Interessen oder partikularer Gruppeninteressen stellt, welche aus einer postkonventionellen moralischen Perspektive unmoralisch sind und sie wird insbesondere dann zu etwas in moralischer Hinsicht Schlechtem, wenn sie in den Dienst von Unterdrückung, Manipulation, Ausbeutung und irrationaler Gewalt gestellt wird.

Formal-operationales Denken - jene Art des Denkens, welche jeder echten Form von Philosophie im Gegensatz zur reinen Mythologie in der Menschheitsgeschichte zugrundeliegt und welche im 18. Jahrhundert mit der Philosophie der Aufklärung endlich den entscheidenden kulturellen Durchbruch hatte – hat demnach eine positive und eine negative Seite.

Einerseits ist formal-operationales Denken die notwendige Voraussetzung für die Entstehung der Idee der universellen Menschenrechte und für ein menschenrechtlich begründetes Demokratieverständnis sowie für die großen Errungenschaften in den Geisteswissenschaften, Sozialwissenschaften und Naturwissenschaften in Folge der Aufklärung, welche sich positiv auf die Entwicklung der Menschheit ausgewirkt haben.

All dies kann in Kulturen, die ihren entwicklungspsychologisch en Schwerpunkt aufgrund prämoderner Sozialisationsformen auf prä-formalen kognitiven Strukturen haben nicht in gleichem Ausmaß entwickelt werden, weil die dafür nötige kognitive Komplexität erst durch die Aktivierung formal-operationalen Denkens erreicht werden kann. Vormoderne Kulturen sind in entwicklungspsychologisch er Hinsicht schwerpunktmäßig konkret-operational, nicht formal-operational strukturiert, d.h. das logische Denken beschränkt sich dort weitgehend auf konkrete Dinge, persönliche Erfahrungen und bekannte Erzählungen, erreicht aber keine höheren Abstraktionsgrade, daher handelt es sich bei prämodernen Kulturen stets um mythologische Kulturen, in denen es kein Konzept universeller Menschenrechte gibt, weil über bestehende traditionelle Mythen, Werte und Normen nicht oder nur in geringem Maße hinausgedacht werden kann.

Das formal-operationale Denken kann hingegen höhere Abstraktionsgrade erreichen, es ist ein Denken, welches über das Denken selbst nachdenken kann, daher können ab Erreichen des formal-operationalen Denkens die traditionellen prämoderne Mythen, Werte und Normen quasi „von außen betrachtet“ werden, kritisch in den Blick genommen und analysiert werden und es können rational begründete Alternativen entwickelt werden. Auf den vorherigen kognitiven Stufen ist dies noch nicht möglich und das ist in entwicklungspsychologisch er Perspektive der entscheidende Aspekt, der den Unterschied zwischen prämodernen und modernen Kulturen ausmacht.
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0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-29 16:22
Leider ist das nicht alles, denn formal-operationales Denken hat auch eine Schattenseite. Es kann nämlich auch unabhängig von postkonventioneller Moral zur Anwendung gelangen, denn postkonventionelle Moral entwickelt sich hinsichtlich der chronologischen Abfolge sowohl auf individueller wie auf kultureller Ebene immer erst nach dem formal-operationalen Denken.

Weil die höheren kognitiven Strukturen sich immer VOR den höheren moralischen Strukturen entwickeln – denn zuerst muss man von einer komplexeren Ebene aus denken können, bevor man lernen kann auch von einer komplexeren Ebene aus moralische Urteile zu fällen – bringen sich modernisierende und moderne Gesellschaften - und erst Recht deren politische und ökonomische Herrschaftseliten - eben auch Unheil hervor.

Formal-operationales Denken ermöglicht nämlich auch die Entwicklung von Herrschafts-und Ausbeutungsstrategien, Propaganda-, Manipulations- und Überwachungstechniken sowie militärischen und anti-ökologischen Technologien auf einer Komplexitätsstufe, wie sie das prämoderne voraufklärerische konkret-operationale Denken aufgrund seines geringeren Abstraktionsniveaus nicht hervorbringen kann. Nur formal-operationales Denken kann z.B. Gaskammern, Atombomben und totalitäre Überwachungstechnologien entwickeln, prämoderne Gesellschaften können das von sich aus nicht.
(Die Ewoks können keinen Todesstern bauen, das Imperium schon.)

Und diese unmoralische Variante formal-operationalen Denkens, also formal-operationales Denken, welches sich – abgekoppelt von postkonventioneller Moral – in den Dienst von Herrschaft und Ausbeutung stellt, das kritisieren Adorno und Horkheimer eben in ihrer Terminologie als von der objektiven/emanzipatorisc hen/kritischen Vernunft abgekoppelte subjektive/instrumentelle /zweckrationale Vernunft.

Die instrumentelle/zweckratio nale/subjektive Vernunft ist aber nicht AN SICH schlecht. Wenn instrumentelle und emanzipatorische Vernunft miteinander verbunden bleiben, dann bleibt auch die instrumentelle Vernunft gut. Nur wenn sich die instrumentelle Vernunft aus diesem Zusammenhang löst und isoliert zur Anwendung gelangt kann es passieren, dass sie böse wird.

Das ist also so ähnlich - da Aspekte der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers ideengeschichtlich manchmal zum mosaischen Bilderverbot in Beziehung gesetzt werden, verwende ich jetzt auch mal eine religiöse Analogie - wie die kabbalistische Theorie der Entstehung des Übels in der traditionellen jüdischen Mystik.

Jene göttliche Emanation im kabbalistischen Lebensbaum, die Gebura oder Din genannt wird und von der gesagt wird, dass aufgrund ihres metaphysischen Einflusses Phänomene wie Übel, Böses und Leiden in die Schöpfung eingehen, ist in der jüdischen Mystik ursprünglich nicht böse. Gebura/Din bleibt gut, solange dieser Archetyp im Einklang mit den anderen göttlichen Emanationen des Lebensbaumes wirkt. Wenn Gebura/Din sich aber aus diesem Zusammenhang löst und seine Energien isoliert vom göttlichen „Gesamtorganisms“ zum Ausdruck kommen, erst dann entstehen aus seinem Wirken Übel, Böses und Leiden.

(vgl. Gershom Scholem – Von der mystischen Gestalt der Gottheit, Suhrkamp, 1977, 2. Kapitel)

Und so ähnlich ist in der Kritischen Theorie Adornos und Horkheimers eben das Verhältnis von objektiver/emanzipatorisc her/kritischer Vernunft und subjektiver/zweckrational er/instrumenteller Vernunft. Wenn diese Vernunftformen im Zusammenhang wirken, dann bleibt die instrumentelle Vernunft gut, löst sich die instrumentelle Vernunft aus diesem Zusammenhang, dann kann sie u.U. böse werden.

Nun, ich bin ja Agnostiker und kann nicht beurteilen, ob die Theorie zur Entstehung des Übels in der jüdischen Mystik zutreffend ist, aber ich bin mir doch relativ sicher, dass Adornos und Horkheimers Theorie zum Verhältnis der beiden Vernunftformen im Wesentlichen richtig ist.

Ich habe hier kurz versucht Adornos und Horkheimers Theorie in entwicklungspsychologisch er Perspektive in der Tradition Piagets und Kohlbergs zu reformulieren. Aus dieser Perspektive wird m.E. leichter ersichtlich, dass Adornos und Horkheimers Kritik der instrumentellen Vernunft – trotz aller kritikwürdigen Übertreibungen, die sich bei Adorno bekanntlich nicht selten finden – im Kern richtig und mit dem entwicklungspsychologisch en empirisch-wissenschaftlic hen Forschungsstand weitgehend im Einklang ist.

Adorno und Horkheimer selbst kannten die Forschungsergebnisse und Theorien von Piaget und Kohlberg nicht, sie begründen ihre Theorie vor einem psychoanalytischen Hintergrund. Erst Habermas integrierte die Forschungsergebnisse und Theorien von Piaget und Kohlberg in die Kritische Theorie.

Habermas kritisierte in „Der philosophische Diskurs der Moderne“ zu Recht Übertreibungen und Einseitigkeiten in der „Dialektik der Aufklärung“, versäumte aber leider eine entwicklungspsychologisch e Reformulierung der Teilwahrheiten der in Adornos und Horkheimers „Dialektik der Aufklärung“ und „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ dargestellten Theorie zu geben. Somit ist Habermas Kritik an der „Dialektik der Aufklärung“ zwar m.E. z.T. korrekt, zum anderen Teil aber selbst zu einseitig.

Dass speziell Adorno gerne Übertreibungen als Stilmittel verwendete, ist ja allgemein bekannt und sollte bei einer Adorno-Lektüre stets berücksichtigt werden. Das ändert aber nichts daran, dass die durch die Aufklärung freigesetzte Art des Denkens – das formal-operationale Denken – neben seinen großen und unverzichtbaren Errungenschaften tatsächlich auch eine Schattenseite besitzt – und diese Schattenseite nun völlig aus der philosophischen Diskussion auszuklammern, weil man glaubt, nur so ließe sich die Philosophie der Aufklärung wirksam verteidigen, wird m.E. nicht zum Ziel führen. Instrumentelle Vernunft in ihrer unmoralischen und kritikwürdigen Form existiert sehr wohl – und darauf hinzuweisen ist Teil der Aufklärung.
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-30 15:56
@ El_Mocho

„Finden isch ferner Hinweise darauf, wie "Dialektik" eigentlich funktioniert. Ich meine, wie man mit Hilfe von Dialektik zu Erkenntnissen gelangt, die banaler formaler Logik überlegen sind?“

Ja, Adorno beschreibt in dem Buch „Einführung in die Dialektik“, das auf eine Vorlesung aus dem Jahre 1958 zurückgeht, wie Dialektik als geisteswissenschaftliche Methode seiner Ansicht nach funktioniert. Sein Dialektik-Verständnis ist stark vom Dialektik-Verständnis von Hegel und Marx geprägt, aber nicht mit diesem identisch, Adorno vertritt beim Thema Dialektik also manchmal auch andere Positionen als Hegel und Marx sie vertreten haben.

Adorno ist allerdings wie Hegel der Ansicht, dass Methode und zu erforschender Gegenstand beim dialektischen Denken nicht voneinander zu trennen seien, dass sich die Dialektik immer nach dem spezifischen zu erforschenden Gegenstand zu richten habe und dass Dialektik daher nicht als eine eindeutig systematisierbare Methode dargestellt und angewendet werden könne, bei der der Ablauf Schritt für Schritt immer gleich wäre. Stattdessen beschreibt er in der Vorlesung Merkmale und „Regeln“ dialektischen Denkens, weigert sich aber strikt diese in eine bestimmte Reihenfolge zu bringen.

Beim dialektischen Denken, wie Adorno es auffasst, geht es unter anderem darum, zu versuchen jede zu erforschende Sache nicht nur in ihrer Isoliertheit, sondern auch in ihren wichtigsten kontextuellen Bezügen zu verstehen sowie jede zu erforschende Sache nicht nur in ihrer Gegenwärtigkeit, sondern auch in ihrer Geschichtlichkeit und Entwicklungsdynamik zu verstehen.

Des Weiteren geht es darum Widersprüche, die sich bei einer zu erforschenden Sache auffinden, nicht zu ignorieren oder zu versuchen sie oberflächlich zu glätten und dadurch zu riskieren eine falsche Einheitlichkeit in der Darstellung zu erzeugen, sondern diesen Widersprüchen genau nachzugehen und zu versuchen sie in ihrem spezifischen Zusammenhang im Kontext der zu erforschenden Sache zu verstehen.

Bei der Anwendung der Dialektik soll der dialektische Denker sich stets ganz der Sache selbst überlassen, sich völlig in den zu erforschenden Gegenstand und dessen Eigendynamik versenken und dabei konsequent um Objektivität bemüht sein.
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2016-12-30 15:58
Für Wahrheitsrelativismus hat Adorno nichts übrig:

„Das ist das Wichtigste eigentlich, was man zur Disziplinierung des dialektischen Denkens überhaupt lernen kann. Gerade das dialektische Denken, das nicht von irgendwelchen starren Begriffen, von einem starren System, von starren Gegebenheiten ausgeht, sondern in einem so eminenten Maße dazu gehalten ist, sich der Sache zu überlassen, das entgeht in der Tat nur dann wirklich der Gefahr jenes Relativismus und jener Unverbindlichkeit und schlechten Wendigkeit, wenn es die Verpflichtung dem einzelnen Gegenstand gegenüber nicht etwas laxer nimmt, als es die üblichen Wissenschaften und die üblichen Denkgewohnheiten tun, sondern, wenn es sie schwerer nimmt, wenn es also mit einem unvergleichlich viel größeren Ernst in die einzelnen Probleme sich versenkt, als es das konventionelle Denken überhaupt gestattet.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 223)

„Ich wäre froh, wenn mir nur das eine gelungen wäre in dieser Vorlesung (…) Ihnen es plausibel zu machen, was ich Ihnen jetzt nur gleichsam als eine These vortragen kann: dass ich mich nämlich zu relativistischen Soziologen (…) in genauso schroffem Gegensatz fühle wie zu den anthropologischen Ontologien von heutzutage (…) und dass das Modell des Denkens, das ich Ihnen hier zu entwerfen versuche, eben eines ist, das genau diese Alternative eigentlich nicht anerkennt. Das heißt, die dialektische Theorie hält an der Idee der Wahrheit fest.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 267 f.)

„Auf der einen Seite scheint mir der Gedanke eines sogenannten wertfreien Denkens (…) deshalb schon allein sehr problematisch zu sein, weil ja die Unterscheidung des Wahren und Falschen selber eine Wertunterscheidung, wenn Sie so wollen, ist. Wenn ich nicht in irgendeiner Weise dem Wahren vor dem Falschen den Vorrang gebe, wenn ich nicht an so etwas wie einem Primat des Wahren vor dem Falschen festhalte, dann verliert jener Begriff der Objektivität des Denkens selbst überhaupt seinen Sinn, auf den nun gerade der Gedanke der Wertfreiheit pocht.“

(aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 268)

„(…) und ich glaube, nur der, der eigentlich von vornherein darauf verzichtet, dass ihm das Denken, wie man so sagt, etwas gibt, sondern der statt dessen dem Denken etwas geben will, nämlich sich selber, nur der sollte überhaupt mit der Dialektik sich einlassen. Jedem anderen würde ich dringend empfehlen, bei den traditionellen Denkformen zu bleiben (…).“

(aus: Theodor W. Adorno – Einführung in die Dialektik, Suhrkamp, 2015, S. 274 f.)

Ob nun die Art des Denkens, die Adorno als dialektisches Denken beschreibt, tatsächlich etwas ganz anderes ist als formale Logik oder ob es sich in Wahrheit nur um eine spezialisierte Art von Anwendung ganz bestimmter Aspekte der formalen Logik handelt, das ist eine interessante Frage, der ein Experte für formale Logik genauer nachgehen müsste.

Ich kann mir durchaus vorstellen, dass ein solcher vielleicht zu dem Ergebnis käme, dass dialektisches Denken, wie Adorno es auffasst, sich nicht wirklich gravierend von formaler Logik unterscheidet, sondern nur bestimmte Aspekte formaler Logik in ganz spezieller Weise anwendet.

Adorno selbst erwähnt, dass dialektisches Denken sich aus einer „immanenten Kritik“ der formalen Logik bei bestimmten schwierigen Fragen heraus entwickelt habe, d.h. wenn man bei bestimmten Problemen mit gängigen Anwendungen formaler Logik nicht mehr weiterkomme, aber bestimmte Grundprinzipien formaler Logik konsequent weiter treibe, dann würde man automatisch zur Dialektik gelangen – nicht als äußerer Gegensatz zur formalen Logik, sondern als Resultat einer bestimmten Anwendung, bei der die formale Logik über sich selbst hinausgehe und dabei ins dialektische Denken umschlage, weil nur auf diese Weise bestimmte Probleme logisch weiter zu verfolgen seien.

In diesem Sinne stellt sich also die Frage, ob bzw. ab wann man von einem qualitativ anderen Denken tatsächlich sprechen kann.

Um solchen Fragen nachzugehen bedürfte es aber spezialisierten Fachwissens in formaler Logik und dialektischem Denken gleichermaßen.

Ein ähnliches Problem stellte sich übrigens auch bei der Erforschung post-formaler kognitiver Stufen im Kontext der neo-piaget´schen kognitiven Entwicklungspsychologie:

https://en.wikipedia.org/wiki/Postformal_thought

Einige Entwicklungspsychologen sind der Ansicht, dass das formal-operationale Denken im Sinne Jean Piagets nicht, wie Piaget glaubte, die höchste kognitive Stufe darstelle, sondern, dass es außerdem auch post-formale Stufen gebe. Dabei werden von dieser Richtung der neo-piaget´schen kognitiven Entwicklungspsychologie z.T. auch Denkbewegungen, wie sie in manchen Formen dialektischer Philosophie vorkommen, dem post-formalen Denken zugeordnet.

Andere Entwicklungspsychologen lehnen das Konzept post-formalen Denkens hingegen ab, sie bestreiten nicht die Existenz der beschriebenen kognitiven Funktionen, konzeptualisieren diese aber anders.

Es gibt im Kontext der kognitiven Entwicklungspsychologie also Forschungsergebnisse und Theorien zu Denkbewegungen, die manche Philosophen traditionell dem dialektischen Denken zuordnen.

Ein m.E. interessanter Artikel zu post-formalem Denken von zwei Entwicklungspsychologen findet sich z.B. hier:

http://www.tiac.net/~commons/Four%20Postformal%20Stages.html

Die beiden Autoren haben auch ein bekanntes wissenschaftliches Werk zum post-formalen Denken geschrieben:

http://www.bol.de/shop/home/suche/;jsessionid=174e9b48e9b54a0aa46cc10114661658.tc6p?sq=Beyond+Formal+Operations%3A+Late+Adolescent+and+Adult+Cognitive+Development&sswg=ANY×tamp=1483107984331
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2017-01-01 12:34
Zum Forschungsstand zum post-formalen Denken in der Entwicklungspsychologie (welches wie gesagt die Erforschung dialektischer Denkformen einschließt) gibt es hier noch einen m.E. interessanten Artikel auf deutsch.
Der Autor vertritt eine andere Sichtweise als die beiden Entwicklungspsychologen in dem zuvor verlinkten englischsprachigen Artikel, er lehnt entwicklungspsychologisch e Stufenmodelle der kognitiven Entwicklung ab (hier bin ich vorerst anderer Meinung), möchte auch den Begriff post-formales Denken gerne durch einen anderen Begriff ersetzen (hier bin ich auch vorerst anderer Meinung), bietet aber darüber hinaus einen interessanten Überblick über Forschungsergebnisse und Theorien der Entwicklungspsychologie zum post-formalen Denken:

Moritz Klingel - Ist postformales Denken als psychologisches Konzept wissenschaftlich zugänglich und empirisch untersuchbar?

http://www.academia.edu/11806532/Ist_postformales_Denken_als_psychologisches_Konzept_wissenschaftlich_zug%C3%A4nglich_und_empirisch_untersuchbar

Und zur Frage nach einer Alternative zur instrumentellen Vernunft hier noch ein Zitat von Max Horkheimer aus „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“, in dem er auf seine Vorstellung zu einem ausgewogenen Verhältnis der beiden von ihm in dieser Schrift als subjektive Vernunft und objektive Vernunft bezeichneten Vernunftformen eingeht:

„Die beiden Vernunftbegriffe stellen keine zwei getrennten und unabhängigen Weisen des Geistes dar, obgleich ihr Gegensatz eine reale Antinomie ausdrückt. Die Aufgabe der Philosophie besteht nicht darin, stur den einen gegen den anderen auszuspielen, sondern eine wechselseitige Kritik zu befördern und so, wenn möglich, im geistigen Bereich die Versöhnung beider in der Wirklichkeit vorzubereiten. (…) Da die isolierte subjektive Vernunft in unserer Zeit überall triumphiert, mit fatalen Ergebnissen, muss die Kritik notwendigerweise mehr mit dem Nachdruck auf der objektiven Vernunft geführt werden (…). Jedoch bedeutet dieser Nachdruck auf der objektiven Vernunft nicht, was in der Terminologie der künstlichen Theologien von heute eine philosophische Entscheidung genannt würde. Denn ganz wie der absolute Dualismus von Geist und Natur ist der von subjektiver und objektiver Vernunft nur ein Schein, obgleich ein notwendiger. Die beiden Begriffe sind in dem Sinn miteinander verflochten, dass die Konsequenz eines jeden nicht nur den anderen auflöst, sondern auch zu ihm zurückführt. Das Element der Unwahrheit liegt nicht einfach im Wesen eines jeden der beiden Begriffe, sondern in der Hypostasierung des einen gegenüber dem anderen. (…) Durch ihre Selbstkritik muss die Vernunft die Beschränktheit der beiden entgegengesetzten Begriffe von Vernunft erkennen; sie muss die Entwicklung der Kluft zwischen beiden analysieren (…). Sowohl die Getrenntheit als auch die wechselseitige Verbundenheit beider Begriffe muss verstanden werden. Die Idee der Selbsterhaltung, das Prinzip, das die subjektive Vernunft zum Wahnsinn treibt, ist zugleich die Idee, die die objektive Vernunft vor demselben Schicksal bewahren kann. Auf die konkrete Wirklichkeit angewandt, bedeutet dies, dass nur eine Definition der objektiven Ziele der Gesellschaft, die den Zweck der Selbsterhaltung des Subjekts einschließt, die Achtung vor dem individuellen Leben, es verdient objektiv genannt zu werden.“

(aus: Max Horkheimer – Gesammelte Schriften Band 6: „Zur Kritik der instrumentellen Vernunft“ und „Notizen 1949-1969“, Fischer, 2008, S. 174 -176)
Antworten
0 # RE: Der Generalverdacht gegen die AufklärungLeszek 2017-01-01 17:59
Dann mal weiter mit dem obigen Artikel. Dort heißt es:

„Dieser Prozess scheint für Horkheimer und Adorno notwendig zu sein.“

sowie

„Warum es sich so verhält, warum darin nach Horkheimer und Adorno eine gewisse Notwendigkeit liegt, vermögen beide Autoren meines Erachtens nicht hinreichend zu klären.“

Die geschichtsphilosophische Frage, ob negative historische Entwicklungen, die sich ereignet haben, aufzuhalten gewesen wären oder nicht, ob sich das Schlechte, das sich in der Geschichte durchgesetzt hat, auch hätte vermeiden lassen und ob es möglich gewesen wäre, dass sich historisch das Bessere gegenüber dem Schlechteren durchgesetzt hätte, wird in der „Dialektik der Aufklärung“ nicht diskutiert.

Glücklicherweise brauchen wir aber trotzdem nicht darüber spekulieren, wie Adorno und Horkheimer zu dieser interessanten geschichtsphilosophischen Frage wohl standen, denn es gibt in Adornos geschichtsphilosophischer Vorlesung „Zur Lehre von der Geschichte und der Freiheit“ aus dem Jahre 1965 eine Passage, in der sich Adorno zu diesem Thema äußert.

Adorno bemerkt dort zu Recht, dass diese geschichtsphilosophische Frage nicht mit Sicherheit beantwortet werden kann, positioniert sich selbst aber gegen die Auffassung, negative Entwicklungen seien historisch stets unvermeidbar gewesen und gegen die Auffassung, das Bessere sei historisch stets mit Notwendigkeit gescheitert.

Adorno distanziert sich dabei auch von entsprechenden geschichtsphilosophischen Ansichten bei Hegel und Marx, insofern diese davon ausgingen, dass positive Tendenzen, die sich historisch letztendlich nicht durchsetzen konnten, mit historischer Notwendigkeit gescheitert seien, weil damals die Zeit einfach noch nicht reif dafür gewesen sei.

Im Folgenden sei ein Abschnitt von Adorno aus der entsprechenden Vorlesung zitiert:

„Schließlich ist zu sagen, dass man Freiheit verstehen muss nicht (…) als eine bloß abstrakte allgemeine Idee, die da irgendwo unveräußerlich über den Menschen hängt, die nach dieser Idee schnappen, ohne dass sie je hoch genug springen können, um sie zu erwischen. Sondern von Freiheit lässt sich sinnvoll überhaupt nur deshalb reden, weil die Möglichkeit zu ihr gegeben, konkret: weil Freiheit zu verwirklichen ist, – und fast möchte ich, im Gegensatz zu der gesamten dialektischen Tradition von Hegel und Marx, denken, daß es eigentlich immer möglich gewesen wäre, dass es in jedem Augenblick möglich gewesen wäre.

Ich habe ihnen zwar verschiedentlich angedeutet, dass die Möglichkeit der Freiheit innerhalb der Unfreiheit selber heranwächst, dass sie ein Werdendes ist; und ich möchte das auch nicht revozieren. Aber ich möchte doch wenigstens den Zweifel in Sie pflanzen, ob das damit so ganz seine Richtigkeit hat, wie wir es lernen, wenn wir Hegel oder Marx studieren und hören, dass der Spartakus-Aufstand im alten Rom oder die Bauernbewegung in Deutschland oder der Aufstand des Babeuf in der Zeit des Directoire in Frankreich, - dass das halt nicht gegangen wäre, weil die geschichtlichen Bedingungen noch nicht so weit waren. Ob die geschichtlichen Bedingungen so weit sind, um etwas zu erlauben, darüber wird dann immer post festum entschieden, darüber wird dann immer erst hinterher geurteilt. Und es ist sehr schwer zu sagen, ob innerhalb der unendlich unübersichtlichen und vielfach irrationalen Struktur der Geschichte es nicht wirklich auch einmal hätte anders gehen können, und die Menschheit wirklich aus dem Dreck sich hätte herausarbeiten können. Ich selbst glaube, in meiner Jugend einen Augenblick erlebt zu haben, in dem das sehr nahe daran gewesen ist. Und ich bin deshalb auch eigentlich nicht so ganz überzeugt von jener dialektischen Lehre, die ich selber Ihnen pflichtgemäß vorgetragen habe; und ich möchte Ihnen das wenigstens als ein Fragezeichen zu dem, was ich Sie sozusagen aus der Tradition, aus der ich komme, lehren musste, immerhin einmal hinzusetzen, - obwohl es natürlich bis jetzt nicht geworden ist und die Geschichtsphilosophie es bekanntlich immer leichter hat, sich auf die Seite der stärkeren Bataillone zu stellen als auf die Seite der schwächeren.

Es ist das eine überhaupt in höchstem Maße spekulative Frage: es wäre möglich gewesen oder nicht möglich gewesen, die sich wahrscheinlich überhaupt nicht bündig entscheiden lässt. Nur warnen möchte ich Sie davor, gleichsam automatisch den Standpunkt der Sieger damit zu beziehen, dass sie auch das nachreden, was einem dann so erzählt wird: dass nämlich, wann immer Freiheitsbewegungen unterlegen sind, das deshalb geschehen sei, weil es damals halt noch nicht möglich war, Hegel hat zwar auf die abstrakte Möglichkeit geschimpft, Marx auch; aber es gibt auch eine abstrakte Unmöglichkeit: die abstrakte Unmöglichkeit post festum, die einem unter ganz allgemeinen Gesichtspunkten einreden will, dass lediglich der Mißerfolg beweise, dass es nicht möglich gewesen sei, - und dieser Schluss allein ist nicht zulänglich.“

(aus: Theodor W. Adorno – Zur Lehre von der Geschichte und von der Freiheit, Suhrkamp, 2006, S. 249 f.)
Antworten
0 # Warum die These vom Umschlag der Aufklärung in Gegenaufklärung richtig istHeinrich Sommerfeld 2017-01-06 11:01
Heinrich Sommerfeld - Teil 2:

Wenn man also in diesem Zusammenhang die männerfeindliche Politik des deutschen Kaiserreiches und des Dritten Reiches klar erkannt hat, weil sie deutsche Männer für Angriffskriege in Massen verheitz haben, die sie dann auch noch verloren haben, hat ein sehr gutes Stück Aufklärung als Mann bereits hinter sich gebracht.

Wer immer noch die bolschewistische Okoberrevolution und den Stalinsmus als deutscher Mann nicht verstanden hat, tut mir sehr leid.

Es geht doch nicht um die Verherrlichung des Kommunismus/Stalinismus.

Es geht darum, dass die damalige arische deutsche feudal-kapitalistische Elite des deutschen Kaiserreiches diese bolschewistische Oktoberrovolution gewollt hat, damit Russland von innen her zusammenbricht und als Kriegsgegner ausfällt (siehe Haffners "Teufelspakt"! Unter Hitler war die arische deutsche feudal-kapitalistische Elite dann so blöd, dass sie mit Wehrmacht und Waffen-SS diesen Stalinismus nach Deutschland geholt hatte. Wer heute immer noch nicht die Adenauer-Propaganda durchschaut hat, kann von mir nur ein mitleidiges Lächeln ernten.

Ich bin doch nicht für den Kommunismus/Stalinsmus oder ähnliches. Ich bin nur dagegen sich als deutscher Mann selbst zu betrügen und weiter zu hoffen, dass der aktuelle männerhassende Feminismus in der Hauptsache etwas mit dem ehemaligen realexistierenden Sozialismus zu tun hat. Denn das ist leider falsch. Der aktuelle Feminismus ist ganz klar neoliberal, wie auch Christine Bauer-Jelinek festgestellt hat. Man informiere sich einfach in der Wikimannia (Christine Bauer-Jelinek - http://de.wikimannia.org/Christine_Bauer-Jelinek).

Das ändert nichts daran, dass Karl Marx am besten die Kapitalismus analysiert hat.

Heutige Geldsystem- und Zinsfetischisten hat es schon so ähnlich 1933 gegeben. Es sind die Sozialdarwinisten des Silvio Gesell.

Das die heutige Demokratie in den USA und der BRD eine Scheindemokratie ist, kann man daran sehen, dass sich diese Regierungen eigentlich nur noch um die Schuldentilgung kümmern können. Wer glaubt denn bei der extrem hohen Staatsverschuldung und dem extrem hohen Außenhandelsdefizit heute wirklich noch daran, dass die USA völlig selbstlos die teuersten Streitkräfte der Welt für "Demokratie und Menschenrechte" einsetzen?

Gibt es da eventuell Parallelen zum "Kindeswohl" bei Scheidungen?

Wer so weit gekommen ist, ist auch aufgeklärt.

Nehmen wir kurz noch diesen Beitrag aus dem Jahr 2010 dazu:

“Meine Brieftasche gehört mir!”
http://guardianoftheblind.de/blog/2010/08/05/%E2%80%9Cmeine-brieftasche-gehort-mir%E2%80%9D/

Hier findet man im Text einen weiteren Namen eines "großen Aufklärers":

Herbert Marcuse

Die sogenannte "Aufklärung", die so zu sagen eng mit den "Westlinken" zusammen hängt, ist von Götz Aly (https://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%B6tz_Aly) sehr schön in seinem Buch aus dem Jahr 2008, "Unser Kampf", beschrieben worden.

Übrig geblieben ist davon eigentlich nur der heutige, ganz klar neoliberale, Feminismus.

Dieser Feminismus hat ganz klar auch Ursachen in den früheren Angriffskriegen des deutschen Reiches, bei dem jedesmal ein riesiger deutscher Frauenüberschuß zurückgeblieben war.

Über wie war doch das gleich, wenn es von irgend etwas ein Überangebot gibit in einer "so genannten" Markwirtschaft?

"Der Preis der Ware fällt!"

Frauen, die nach diesen beiden Weltangriffskriegen mal "männliche" Unterstützung brauchten (und möglichweise kein Geld hatten) mussten natürlich irgendwie dafür zahlen, wenn der Mann wieder kommen sollte. Und schon kommt man auch über diese Schiene der aktuellen Männerverachtung ein ganzes Stück der Aufklärung näher.

Letzten Endes landet man nämlich bei absolut superreichen Produktionsmittelbesitzer n (versteckt hinter Wertpapieren), die heute die Hauptnutznießer des aktuellen männerverachtenden Feminismus sind. Denn in einer Gesellschaftsordnung, wo in den öffentlichen Nachrichten, Reden usw., ständig die Rede von der benachteiligung die Rede ist und wie sich die Gesellschaft, wie sich die Regierung, usw. darum kümmern will im Sinne der Frauen zu regeln, "kann es sich ja nur um eine höchst menschliche Gesellschaftsordnung" handeln.

Leider ist das eben nicht die Wahrheit, sondern im Mittelpunkt dieser Gesellschaftsordnung steht der private Gewinn für die Superreichen. Treten Verluste auf, versucht man das der Masse der Bevölkerung aufzubürden - z. B. dadurch, dass der Staat das bezahlt, mit Geld, das er erstmal, weil er es auf Grund seiner leeren Kassen nicht hat, bei den Superreichen als Kredit aufnehmen muss, die dafür natürlich auch noch mal Zinsen haben wollen.

Da der politische Horizont von sehr vielen Ehefrauen aber nur bis in die Brieftasche des Ehemannes reicht, existiert diese Gesellschaftsordnung noch heute. Möglicherweise ist eben der Fall der Mauer ein Rückschritt gewesen. Fakt bleibt, dass der Ostblock ein Ergebnis von Antikriegsrevolutionen gewesen ist - mindestens von einer Antikriegsrevolution - nämlich der bolschewisitschen Oktoberrevolution, die ohne die finanzielle Unterstützung der arischen deutschen feudal-kapitalistischen Elite des deutschen Kaiserreiches nie hätte stattfinden können. Warum nicht? Weil man nun mal für Propaganda und Waffen auch Geld braucht!

Heute muss man einfach nur so tun, dass alles Schlechte auf dieser Welt nichts mit dem kapitalistischen System zu tun hat, sondern damit, dass es Männer gibt! Da sich die Superreichen hinter Wertpapieren verstecken, kennt nämlich diese Leute eigentlich niemand. Der Ehemann, dieser wollüstige Lüstling, ist bekannt. Jede "Ehefrau" kann ein Lied davon singen.

Ich denke mal, dass Max Horkheimer und Theodor W. Adorno gar nicht so wichtig sind, Karl Marx dagegen schon eher. Auch der deutsche bürgerliche Antifaschist Sebastian Haffner dürfte für das Verständnis gerader deutscher Geschichte ziemlich bedeutend sein. Dass er sich auch mal geirrt hat, als es um das neue Scheidungsrecht in den siebziger Jahren ging, sollte man einem Mann des Jahrganges 1907 schon verzeichen können. Der Wikimannia-Eintrag (http://de.wikimannia.org/Sebastian_Haffner) über Haffner ist leider sehr engstirnig und zeigt eben auch, dass die Macher der Wikimannia einer gewissen Beratungsresistenz unterliegen.
Antworten
0 # Warum die These vom Umschlag der Aufklärung in Gegenaufklärung richtig istHeinrich Sommerfeld 2017-01-06 11:04
Heinrich Sommerfeld - Teil 1
Als Mann sollte man da die deutschen Kriege des 19. und 20. Jahrhunderts, die bolschewistische Oktoberrevolution und die deutsche Novemberrevolution richtig verstanden haben.

Viele Männer haben wahrscheinlich auch heute nicht begriffen, dass die durch Napoleon angestoßene deutsche Nationalbewegung auch in so fern etwas mit Frauen zu tun hatte, weil die französische Armee natürlich auch deutsche Männer für ihre Feldzüge rekrutierte, die vorher Frauen und Kinder ernährt hatten mit ihrer arbeitet. Was wurde aus diesen Frauen?

Später konnte Otto von Bismarck spätesten 1870/71 beim Krieg gegen Frankreich auf eine ziemlich primitive Art "Deutschland einigen"! In erster Linie sahen natürlich schon damals deutsche Frauen die Männer als sogenannte Vaterlandsverteidiger an. Eigentlich hatte schon damals Bismarck einen deutschen Angriffskrieg gegen Frankreich verursacht, aber dann war halt die französische Kriegserklärung der 1. Zug gewesen. Deutsche Männer, die sich an diesem Krieg nicht beteiligen wollten, dürften schon damals mindesten in den Augen von deutschen Frauen als Vaterlandsverräter gegolten haben.

Spätestens seit dem Buch des deutschen Historikers Fritz Fischer - "Griff nach der Weltmacht" - dürfte klar geworden sein, dass Deutschland im 1. Weltkrieg einen hochergeizigen Angriffskrieg geführt hatte und eben keinen Verteidigungskrieg. Auch Bücher von Sebastian Haffner, wie "Die sieben Todsünden des Deutschen Reiches im ersten Weltkrieg" können hier bei der Aufklärung sehr hilfreich sein.

Erst als die Frauen der deutschen Soldaten (das waren ja Männer!) mit ihren Kindern in den großen Stadten zu verhungern anfingen und Erich Ludendorff durch seine eigenen Fehler den Krieg im Westen als verloren verkündet hatte (verkünden lassen hatte Ludendorff es die sozialdemokratische-bürge rliche Regierung der Reichstatsmehrheit!), kam es zur Revolution. Ausgelöst worden war die Sache durch hohe Offiziere der deutschen Marine, die trotz Waffenstillstandsgesuch der deutschen Regierung noch mal eine Fahrt gegen England unternehmen wollten, und so eigentlich die Regierungspolitik torpedierten.

Bei der bolschewistischen Revolution wird es noch deutlicher. Auch in Russland starben nach der Februarrevolution, die zur Absetzung des Zaren geführt hatte, die Frauen und Kinder der Soldaten in den großen Städten. Lenin war eigentlich in der Schweiz isoliert und hätte vor Kriegsende ohne deutsche Hilfe nie nach Russland kommen können. Aber die deutsche kaiserliche Reichsleitung hatte sich einen Plan zurecht gelegt, wie man Russland von innen her zerstören könnte. Auch die Oberste Heeresleitung unter Erich Ludendorff war daran beteiligt. Ohne diese deutsche Hilfe, die mit nicht unerheblich finanziellen Summen verbunden war, hätte es keine bolschewistische Okoberrevolution in Russland gegeben. Sebastian Haffner hat den Vorgang in seinem Buch "Der Teufelspakt" (unbeding die Rowohlt Taschenbuchausgabe vom Juli 1968 verwenden, die den Untertitel "Finfzig Jahre deutsch-russische Beziehungen" trägt, lesen. Die wesentlich jüngere Ausgabe des schweizer Mannesse-Verlages geht nicht von 1917 bis 1967, sondern endet schon im Mai 1945!), hervorragend beschrieben.
Antworten
0 # Kurz noch zur FinanzkriseHeinrich Sommerfeld 2017-01-06 11:55
Heinrich Sommerfeld - Teil 4

Nun muss man bloß noch wissen, dass selbst linke Feministinnen inzwischen erkannt haben, dass der aktuelle Feminismus neoliberal und deshalb abzulehnen ist:

Beweis:

Vortrag von Frigga Haug im Kölner DGB-Haus
Der neue Feminismus ist neoliberal
Von Katrin Steiner
(Online-Flyer Nr. 88 vom 28.03.2007)

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=10692


Mehr Aufklärung ist nicht notwendig, um die aktuelle Männerverachtung, insbesondere auch die aktuelle Verachtung abhängig beschäftigter Männer zu verstehen.

Bei Scheidung läßt sich ganz primitiv durch die Übertragung des alleinigen Sorgerechtes auf die Kindesmutter dafür sorgen, dass der ehemalige Ehemann und Vater eine erhöhte Erwerbsobligenheit gegenüber seinen minderjährigen Kindern hat. Da schlägt jedes Unternehmerherz höher, wenn es etwas für das Kindeswohl tun darf - nämlich den abhängig beschäftigten Mann entlich für den "guten Zweck" des "Kindeswohles" ausbeuten darf.

Frauen, die dafür die staatliche Justiz zur Anwendung gebracht haben, haben sich natürlich auch zum aktuellen Wirtschafts- bzw. Gesellschaftssystem bekannt und sind dadurch auf keinen Fall links sondern höchstens noch scheinlinks.

Auch wenn ich nicht glaube, dass wahrer Maskulismus nur links sein kann, dürfte der Artikel/Interview von Arne Hoffmann doch der beste Artikel auf cuncti.net gebleiben sein. Deshalb hier noch mal die Überschrift und der Link:

"Guy Fawkes: „Wahrer Maskulismus kann nur links sein“"

http://cuncti.net/geschlechterdebatte/61-guy-fawkes-qwahrer-maskulismus-kann-nur-links-seinq

Dieser Artikel ist einer der besten Beweise dafür, wie dämlich die westdeutsche oder sogar westeuropäische Linke ist - überführt durch einen linken Mann.

Lenin und Stalin hatten dagegen aus einer "Hungerrevolte/Antikriegs aufstand" eine richtige Revolution gemacht. Sie hatten das System geändert. Man muss es nicht gut finden.

Nur diese bolschewistische Revolution wurde erst durch die finanzielle Unterstützung durch die arische deutsche feudal-kapitalistische Elite des deutschen Kaiserreiches möglich (Sebastian Haffner: "Der Teufelspakt").

Die arische deutsche feudal-kapitalistische Elite des 3. Reiches hat dann mit Wehrmacht und Waffen-SS genau diese Bolschewisten/Stalinisten nach Deutschland geholt (Auch hierzu steht etwas in Haffner "Der Teufelspakt").

Wer das als deutscher Mann richtig verstanden hat, versteht auch, warum es eben nicht nur wegen der beiden verlorenen deutschen Weltangriffskriege zur "DDR" kam, sondern versteht, dass diese DDR sogar von der arische deutschen feudal-kapitalistische Elite praktisch "doppelt" verursacht wurde: Einmal durch die unterstützungs Lenins und seiner bolschwisitschen Partei - denn ohne diese Unterstützung hätte es keine bolschewistische Oktoberreovlution und kein stalinistisches Russland gegeben!

Und zweitens: Die Hitlerwehrmacht und Waffen-SS habe praktisch ohne Grund - außer dem Grund deutschen Lebensraum im Osten - also der Sowjetunion - erobern zu wollen, den Stalinismus nach Deutschland geholt. Stalin hatte wirklich alles versucht, einen Krieg mit Hitlerdeutschland zu vermeiden. Aber Hitler war dazu einfach zu dämlich.

Und natürlich galt in den Augen deutscher Frauen jeder deutsche Mann des 3. Reiches, der sich nicht an Hitlers Kriegen beteiligen wollte als Feigling und Volksverräter. vaeternotruf.de spricht auch vom nationalsozialistischen Mütterkult.

Zitat von der Webseite vaeternotruf.de:

"Zitat: "Dabei `betonte der Führer (Adolf Hitler) mit aller Entschiedenheit, daß nicht die Sorge für das Wohl des Kindes in erster Linie ausschlaggebend sei, sondern das ethische Recht der Mutter auf das Kind.`"

(nach Werner Schubert, Das Familien- und Erbrecht unter dem Nationalsozialismus, 1993, 703,704)"

Zitat Ende

Dieser nationalsozialistische Mütterkult - ein "gutes" Stück Faschismus - wird auch in der aktuellen neoliberalen BRD gepflegt.

Er ist mit Rechtsbeugung von Familienrichtern und Familienrichterinnen verbunden zum extremen Nachteil für Männer verbunden.

Geregelt wird die Sache über den Mißbrauch des Kindeswohlbegriffes.

Die Sache funkioniert so ähnlich wie bei der US-Regierung:

Die USA - ein Land mit extremster Staatsverschulding und dem riesigsten Außenhandelsdefizit auf dieser Welt - führen natürlich nur völlig selbstlos Krieg ausschließlich für "Demokratie" und "Menschenrechte".

Genauso, wie Frauen sich eben nur völlig selbstlos für das Wohl ihrer Kinder einsetzen.

Nur beide Sachverhalte haben natürlich wenig mit der Wahrheit zu tun.

Für die USA und ihre Angriffskriege hat das in letzter Zeit am besten der unabhängige schweizer Historiker, Dr. Daniele Ganser, herausgearbeitet.

Was den männerverachtenden Feminismus angeht, haben sich längst linke Frauen von diesem Feminismus distanziert.
Antworten
0 # Kurz noch zur FinanzkriseHeinrich Sommerfeld 2017-01-06 11:56
Heinrich Sommerfeld - TEil 3

Spätestens seit dem Ausbruch der Finanzkrise 2007/2008, als die Superreichen, die sich verspekuliert hatten, durch die Regierungen der westlichen Staaten mit Steuergeld geretten hatten, dass diese Staaten gar nicht hatten und als Krediten von den Superreichen aufnehmen mussten, ist klar, dass der aktuelle Kapitalismus ein unlösbares Problem hat.

Der marxistische US-Ökonom, Richard .D Wolff (https://de.wikipedia.org/wiki/Richard_D._Wolff) und der deutsche Wirtschaftsprofessor Dr. Heinz-Josef Bontrup (https://de.wikipedia.org/wiki/Heinz-J._Bontrup) habe es am besten beschrieben.

2 Beispiele:
-
1. Beispiel:

24.11.2011 "Das System hat keine Lösung für das Problem": US-Ökonom Richard Wolff über die Krise in den USA und Europa

Richard Wolff: Professor emeritus für Ökonomie an der University of Massachusetts, USA

http://kontext-tv.de/de/sendungen/das-system-hat-keine-loesung-fuer-das-problem-us-oekonom-richard-wolff-ueber-die-krise-0

-

2. Beispiel

Prof. Dr. Heinz-Josef Bontrup

Wirtschaftswissenschaft mit Schwerpunkt Arbeitsökonomie

https://www.w-hs.de/erkunden/fachbereiche/wirtschaftsrecht/personen/professoren/persoenliche-seiten/prof-dr-heinz-j-bontrup/

(siehe auch sein Eintrag in der Wikipedia und Wikimannia)

Die beiden nach meiner Meinung wichtigsten Vorträge:

1. Vortrag:
"Auswüchse des Finanzkapitalismus"
https://www.youtube.com/watch?v=ZP-Miema-mA


2. Vortrag:
"Die Mainstream-Ökonomie und ihr Versagen"
https://lecture2go.uni-hamburg.de/l2go/-/get/v/13870


Kurz zum 2. Vortrag von Bontrup:

Bontrup erklärt an Hand von folgenden Fakten vollkommen nachvollziehbar die Zusammenhänge des aktuellen neoliberalen Kapitalismus:

3 Vermögensarten

- Geldvermögen
- Imobilien
- Produktivkapital (Maschinen, Gebäude usw.)


Die 4 Arten der Wertschöpfung:

- Löhne/Gehälter
- Zinsen
- Mieten/Pachten/Leasing
- Gewinne (Unternehmerprofite)


5 Konten der Volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung

- Private Haushalte (Konto 1)
- nicht finanzielle Kapitalgesellschaften, also produzierende Unternehmen, Dienstleistungsunternehme n, Genossenschaften (Konto 2)
- Finanzinstitute, also alle Banken, Fonds, Versicherungen und Bundesbank (Konto 3)
- Der Staat, also alle öffentlichen Haushalte (Bund, Länder, Kommunen, Sozialversicherungshausha lt) (Konto 4)
- das Ausland (Konto 5)

Wenn man diese Zusammenhänge verstanden hat, was natürlich eigentlich auch Wissis gelingen sollte, wenn sie die Grundlagen des Rechnungswesens mal gelehrt bekommen haben, wird klar, dass der aktuelle neoliberale Kapitalismus gescheitert ist.
Antworten
0 # Kapitalismus und FeminismusHeinrich Sommerfeld 2017-01-06 12:48
Der aktuelle Feminismus ist neoliberal. Frauen, insbesondere Frauen, die meinten als Feministinnen ganz besonders links zu sein, sind auf den neoliberalen Kaitalismus hereingefallen.

Sehr schön kann man das auch an dem Buch der beiden Feministinnen, Susanne Garsoffky und Britta Sembach, "Die alles ist möglich Lüge", nachvollziehen.

Das sie wahrscheinlich doch eher männerverachtende Feministinnen sind, kann man im Buch daran erkennen, dass sie die neuen Regelungen zum nachehelichen Unterhalt (meistens für Frauen, so gut wie nie für Männer!), die wohl um das Jahr 2008 in Kraft getereten waren und diesen nachehelichen Unterhalt weitestgehend zeitlich begrenzen sollen - ganz in dem Sinne: "Wenn man geschieden ist, muss man sich eben auch selbst um seinen Lebensunterhalt kümmern!"

Nur das wollen natürlich viele Frauen nicht tun, sondern trotz Scheidung möglichst lange möglichst viel Geld vom ehemaligen Ehemann.

Aber auch sonst zeigt dieses Buch, welches mir in der 2. Auflage aus dem Jahr 2014 vorliegt, dass diese Frauen durchaus erkannt haben, "dass sie eigentlich viel zu viel arbeiten müssen", und natürlich viel zu wenig für sich selbst davon haben. Vom Zeitaufwand ganz zu schweigen.

Komisch nur, dass das bezogen auf den Mann für Frauen eher nie ein wirklich wichtiges Thema war. Im Gegenteil - Männer, die durch Zwänge des Arbeitslebens - z. B. auch in höheren und verantwortungsvolleren Positionen - so sie denn diese behalten wollen, weil damit z. B. auch ein wesentlich höheres finanzielles Einkommen verbunden ist (vom Grad der gesellschaftlichen Anerkennung mal ganz zu schweigen!) - mussten sich eher noch der Kritik ihrer Ehefrau aussetzen, dass sie als Mann zu wenig für die Ehefrau und die Kinder da wären - also die Familie vernachlässigen würden.

Susanne Garsoffky und Britta Sembach dürften zu den Frauen gehören, die nicht im Geringsten verstanden, dass der Kapitalismus auch etwas mit ihnen als Frau zu tun hat. Schließlich sind junge Männer z. B. bei der Suche einer Frau als Partnerin notwendigerweise auch Konkurrenten. "Als Männer, die mehr zu bieten haben" gelten nun mal bei den meisten Frauen insbesondere Männer mit einem höheren Einkommen. Das dieses Einkommen sehr wahrscheinlich meistens nicht um sonst zu haben sein wird, bedingt halt auch eine gewissen zeitliche Auslastung solcher Männer mit dem Erwerbsleben.

Und wie es einem von Frauen geschriebenen Buch nicht anders sein kann, bildet wieder der Mann mit seinen Mängeln den Mittelpunkt. Das möglicherweise der aktuelle Kapitalismus mit seiner extremen ungleichen Verteilung der Vermögen eine sehr wichtige Rolle spielen könnte, scheinen sie nicht mal im Ansatz merken zu können oder zu wollen.

Susanne Garsoffky und Britta Sembach gehören zu diesem Typ Frau, der sehr intelligent versucht ganz besonders wieder Männer für dumm zu verkaufen. Ihr Buch zeigt letztendlich was Frau wollen und warum das, was sie vorher wollten, heute als falsch einzuschätzen ist.

Wer es schon mal ganz persönlich mit ähnlichen Frauen zu tun hatte, wird bald merken, dass sie ständig höhere Anforderungen an den eigenen Mann/Partner stellen. Interessant wird es dann aber mit den Kindern, insbesondere wenn es auch um Söhne geht:

Plötzlich werden dort die Anforderungen gegenüber den eigenen Söhnen ständig heruntergeschraubt. Es beginnt mit der Schule. Ist der Sohn schlecht in der Schule, muss das unbedingt am Lehrer liegen, selbst wenn der Sohn keine Hausaufgaben machen will.

Ist der Sohn dann Vater geworden (möglichst ungewollt und unverheiratet), kann es passieren, dass sich die Mütter solcher Söhne, die nun Vater sind, an der Prellung von Kindesunterhalt beteiligen. Nur so können sie gegenüber ihren Söhnen die "gute Mutter" bleiben.

Nicht um sonst hat der 1955 geborene Bonner Kinderpsychologe z. B. sein Buch "Warum unsere Kinder Tyrannen werden" geschrieben.

Susanne Garsoffky und Britta Sembach sind bei näherem Hinsehen ganz klar als die "Nutten des neoliberalen Kapitalismus" zu identifizieren. Sie wollen zwar nicht mehr den Leistungsanforderungen dieses neoliberalen Kapitalismus stellen, der nur den absolut Superreichen Vorteile verschaft, aber sie wollen natürlich von einem finanziell potenten Mann versorgt werden. Wer das offen als Mann sagt, dürfte natürlich mindestens bei Frauen sofort als Frauenhasser gelten.

Natürlich darf man nicht vergesssen, dass gerade auch die Männer der superreichen Schichten längst die Vorteile des aktuellen Männer herabwürdigenden Feminismus erkannt haben. Schließlich längt dieser Feminismus hervorragend vom Grundwiderspruch des Kapitalismus ab.

Aber wer seine Lebenslage als Mann verbessern möchte, muss heute halt klar erkannt haben, dass man sich vor den willkürlichen Auffassungen vom Leben bei Frauen schützen muss. Was Kapitalismus ist bzw. nicht ist, kann man auch heute noch am besten bei Karl Marx nachlesen. Fakt ist jedenfalls, wer für die Erklärung des aktuellen Kapitalismus nur auf das "Geldsystem- und die Zinsen" abfährt, dürfte eher bei änlichen Rechtspopulisten gelandet sein, wie Silvio Gesell, dessen Ideen aber selbst die Nationalsozialisten letztendlich nicht verwirklicht haben. Ihre in mein Kampf bereits angekündigten Angriffskriege haben sie dagegen genau so, wie in Hitlers Buch beschrieben, durchgezogen.

Wer weiter in der Hoffnung lebt, der aktuelle Feminismus hätte hauptsächlich etwas mit Sozialisten, Kommunisten oder Stalinisten zu tun, ist ganz klar auf dem falschen Dampfer. Man sollte auch Sozialisten und Scheinsozialisten unterscheiden können. Spätestens die rot-grüne Regierungszeit von 1998 bis 2005 dürfte gezeigt haben, dass die SPD und die Grünen höchstens scheinlinke Parteien sind.

Ihre neoliberalen Bösartigkeiten hat z. B. der Wirtschaftsprofessor Dr. Heinz-Josef Bontrup hervorragend beschreiben.
Antworten
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