Gesellschaft

Das télos der Politischen Philosophie von Karl Marx

25. September 2015, von Prof. Günter Buchholz

Alexander Ulfig fasst die Ergebnisse seines Aufsatzes „Das Desiderat des Marxismus“ wie folgt zusammen: „Das Fehlen einer moralisch-ethischen Grundhaltung ist für weite Teile der linken Denktradition konstitutiv, und zwar seit den Anfängen dieser Denktradition bei Karl Marx und Friedrich Engels. Beide Denker haben es versäumt, ihre Lehre auf ethische Fundamente zu stellen oder wenigstens ethische Aspekte zu berücksichtigen. Das hatte und hat bis heute verheerende Folgen für eine sich links gebärdende Politik. Nur eine Umorientierung, eine tiefgreifende Änderung des linken Selbstverständnisses könnte hier Abhilfe schaffen.“ (1)

marxIch werde im folgenden Gedankengang versuchen zu überprüfen, ob und inwieweit diese Aussage widerlegt oder bestätigt werden kann.

Karl Marx, der 1818 in Trier geboren wurde und der 1883 in London starb, war, obwohl er sich selbst als Kritiker der Philosophie sah, dennoch ein philosophischer Geist, der seine Wurzeln ebenso in der antiken Philosophie hatte, nicht zuletzt in Aristoteles, wie in der neuzeitlichen Philosophie der Aufklärung, besonders im Werk von Georg Wilhelm Friedrich Hegel. (2)

Tatsächlich ist das ungefähr bis zur Revolution von 1848 entstandene Marxsche Frühwerk, in dem er - im Anschluss an Ludwig Feuerbach - von einer Kritik der Religion zur Kritik der Philosophie (Hegels) übergeht, der Ausgangspunkt für eine neuartige Philosophie der Praxis geworden. (3)

Daher schreibt Wolfdietrich Schmied-Kowarzik:

„Ohne Zweifel ist Marx einer der bedeutendsten politischen Philosophen unserer abendländischen Tradition, aus meiner Sicht der wohl (…) bedeutendste seit Platon." (4)

Das philosophische Marxsche Frühwerk fand nach der Revolution von 1848 mit dem Übergang zur Kritik der Politischen Ökonomie in Gestalt der „Theorien über den Mehrwert“ und der „Grundrisse der Kritik der politischen Ökonomie“ seine wissenschaftliche Konkretisierung in seinem Hauptwerk, dem „Kapital“, dessen Erster Band 1867 erschien.

Das Werk kann sowohl aus philosophischer, wie aus soziologischer und aus ökonomischer Perspektive gelesen und wahrgenommen werden, so wie Joseph Alois Schumpeter das offenbar getan hat, aber tatsächlich bleibt - nach Schmied-Kowarzik  - die Einheit seines Denkens über sein gesamtes Werk hinweg gewahrt. Diese Einheit ergibt sich nicht zuletzt aus dem Ziel des Marxschen Denkens, mit dem er philosophiegeschichtlich nicht alleine stand.  

Marx ging es vor allem um die Erkenntnis der Anatomie der bürgerlichen Gesellschaft – zu einer Zeit, in der die gesellschaftliche Ordnung insgesamt noch eine ständisch geprägte Gesellschaft war, in der sich die industriell-technologische Revolution in Europa erst noch durchsetzen musste, und in der der Adel bis 1918 politisch noch eine bedeutende politische Rolle spielte.

Das Marxsche Werk bietet jedoch keine Philosophie von allem. Aber das konnte im Kontext einer Philosophie der Praxis weder der Anspruch sein, noch war es in einer begrenzten Lebensspanne möglich.

So fehlte zum Beispiel eine ästhetische Theorie. Mit Blick auf die moderne abstrakte Kunst des frühen 20. Jahrhunderts versuchte sich Trotzki an dieser Aufgabe, aber Stalin unterdrückte den Suprematismus und setzte den „Sozialistischen Realismus“ durch. Erst in der zweiten Hälfte des 20 Jahrhunderts hat dann Theodor W. Adorno eine Ästhetische Theorie vorgelegt. (5)

Bis heute fehlt aber eine ausgearbeitete marxistische Moralphilosophie. Alexander Ulfig sieht in dem Fehlen einer solchen Moralphilosophie eine Lücke. Hätte sie nicht bestanden, dann hätte sich aus seiner Sicht eine Moralphilosophie womöglich positiv orientierend, also zum Guten hin, auswirken können, und sie hätte vielleicht die stalinistischen Verbrechen gehemmt oder verhindert, nämlich die ungeheure Gewalt gegen die Bauernschaft, das Lagersystem des Gulag mit seiner Zwangsarbeit, und die berüchtigten Moskauer Prozesse im Jahre 1938, mit denen Stalin die Bolschewiki (d. h. die von Lenin geführten „Mehrheitler“ der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei Russlands)  von 1917 vernichtete. Ob sich allerdings eine psychopathische Persönlichkeit wie die Stalins davon hätte beeinflussen lassen, das dürfte äußerst zweifelhaft sein. (6)

Fällt heute in öffentlichen Diskussionen der Name von Karl Marx, dann wird die Wahrnehmung dessen, wofür Marx angeblich steht, rückblickend durch diese historischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts geprägt, die im kollektiven Bewusstsein noch präsent sind, während die Erinnerung an seine eigentliche Wirkungsepoche, das 19. Jahrhundert, weitgehend verblasst ist. Aber es gibt natürlich wirkungsgeschichtliche Zusammenhänge, nämlich zwischen seinem Tod und dem Beginn des I. Weltkriegs, aber als Kontinuität und Bruch.

Die unsere heutige rückblickende Wahrnehmung diesbezüglich prägenden Erfahrungen des 20. Jahrhunderts, schlagwortartig benannt, heißen: Arbeiterbewegung, die russischen Revolutionen von 1905 und 1917, die deutsche Novemberrevolution von 1918, der russische Leninismus, der Stalinismus, der Poststalinismus und die Existenz der Sowjetunion als Weltmacht bis 1989, sowie die jüngere chinesische Geschichte ab 1911, dem Ende des chinesischen Kaiserreichs, dann die kriegerisch-revolutionäre Vorgeschichte der Volksrepublik China, die 1949 durch die KP Chinas unter Mao Tse-tung gegründet wurde, und die folgende dynamische Entwicklung Chinas seit Beginn der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. (7)

Diese im Rückblick erscheinende Wirkungsgeschichte führt im kollektiven Bewusstsein zu einer Wahrnehmung, der das Originale gar nicht mehr in den Blick gerät, oder die dieses Originale verzerrt rezipiert, welches vollständig der Epoche von der Großen Französischen Revolution (1789) bis zum Beginn des Ersten Weltkrieges (1914) angehört. Sie heißt nach Erich Hobsbawm: „Das lange 19. Jahrhundert“, dem „das kurze 20. Jahrhundert“ folgte – von 1914 – 1991. Nicht aus der Perspektive eines im „kurzen 20. Jahrhundert“ wirkungsgeschichtlich geprägten und dadurch verzerrten Rückblicks soll deshalb im folgenden argumentiert werden, sondern, dem Zeitpfeil folgend, aus der Perspektive der Entstehung und Entwicklung des Marxschen Denkens.  Sperbers Biographie ist ein hierfür vorzüglich geeigneter Text, weil er Leben und Werk in den Lebensumständen der Zeit in unsere Vorstellung zurückholt. Sie lässt m. E. die damalige Zeit und die Lebensumstände, die mit ihr verbunden waren, ebenso hervortreten wie den persönlichen Entwicklungsprozess, in dem sich Leben und Werk verschränkten. (8)

Intention und Richtung des Marxschen Denkens können nur aus seiner frühen Rezeption und Kritik der Philosophie Hegels verstanden werden. Es geht hierbei um die als „Vormärz“ bezeichnete Periode zwischen der Französischen Revolution von 1830 und dem Tode Hegels 1831 bis zum Ende der Revolution von 1848.

Die Schüler und Anhänger Hegels bildeten im Meinungsstreit Flügel aus. Marx gehörte zum linkshegelianischen Flügel, dem es um ein philosophisches Verständnis der christlichen Religion ging. Das war damals ein hochpolitisches Thema, weil die Religion und  deren intellektueller Ausdruck, die Theologie, zugleich die ständestaatliche Ordnung der Zeit, die politische Herrschaft des Adels, legitimierte. Wer immer hieran rührte und dieses heiße Eisen anzufassen wagte, der wurde politisch ins Abseits gestellt, ausgegrenzt und verfolgt. Die Karriere war damit zu Ende. Insbesondere der preußische Despotismus war in dieser Hinsicht konsequent hart und unnachgiebig, was neben dem Militarismus zum schlechten preußischen Ansehen erheblich beigetragen hat.

Der erste Schritt war das von David Friedrich Strauß 1835 erschienene Buch „Das Leben Jesu“, das die theologische Heilsgeschichte des Neuen Testaments historisierte, indem es nach den Tatsachen  fragte. Damit war prinzipiell der Übergang vom Glauben zum Wissen vollzogen worden. In einem zweiten Schritt konnte die Philosophie Ludwig Feuerbachs hieran anschließen. Es ging ihm um das  „Wesen des Christentums“ (Leipzig 1841), und darin nicht um eine theologische Deutung, sondern um eine Erklärung der Religion.

Er fand eine anthropologische Antwort, die jene der Theologie umkehrte, oder die sie auf die Füße stellte. Danach schafft sich der Mensch selbst seine Religion. Das Diesseits ist das Primäre, und das Religiöse ist das von diesem abgeleitete Phänomen.

Das gesellschaftliche Sein bestimmt das Bewusstsein, wird Marx später in den Feuerbachthesen schreiben. Marx war nun derjenige Feuerbachianer, der diese auf die Religion bezogene Denkfigur auf die Philosophie übertrug, und die Philosophie seiner Zeit war eben die von Georg Wilhelm Friedrich Hegel, dem Zeitgenossen Goethes. Schlüsseltexte hierfür sind die Texte: (a) „Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung“, geschrieben Ende 1843 und Januar 1844, sowie (b) die im Frühjahr 1845 formulierten „Thesen über Feuerbach“.  Hier, in der Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie - Einleitung, formuliert Marx:

„Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“ (9)

Folglich postuliert Marx hier mit bewußtem Anklang an Kant seinen kategorische Imperativ, dass der Mensch kein erniedrigtes, kein geknechtetes, kein verächtliches Wesen sein soll. Und dass alle gesellschaftlichen Verhältnisse umgeworfen werden sollen, die dem entgegenstehen.

Wer nicht erniedrigt, nicht geknechtet und nicht verachtet lebt, der lebt in Freiheit und Würde.

Wer in Freiheit und Würde lebt, und wessen materielle Lebensgrundlagen gesichert sind, der kann, abgesehen von Wechselfällen des Schicksals, ein „gutes Leben“ im Sinne von Aristoteles führen, ein Leben mit dem Ziel der „Eudaimonie“, ein Leben vor dem Tode, das ein glückliches, weil gelingendes Leben zu werden vermag (vgl. Aristoteles: Nikomachische Ethik).

Aber dafür sind solche gesellschaftlichen Verhältnisse Voraussetzung und Ziel, die Menschen eben nicht erniedrigen, knechten oder der Verachtung überlassen. Das moralische Motiv revolutionärer Praxis im Sinne von Marx verdankt sich der Verneinung, der Beseitigung, der Aufhebung  schlechter gesellschaftlicher Verhältnisse, aber diese bleibt lediglich ein Mittel zum Zweck.

Dieser aber heiligt m. E. eben nicht jedes Mittel, wie bei den moralischen Nihilisten, die wirkungsgeschichtlich im 20. Jahrhundert nicht nur in der Arbeiterbewegung, sondern in der ganzen Gesellschaft die Oberhand gewannen. Diesem Umstand oder der Dialektik der Aufklärung, wie Horkheimer/Adorno das nannten, sind jene Exzesse geschuldet, die das Bild dessen, was im Original gemeint war, bis heute und bis zur Unkenntlichkeit verzerren.

Wenn ich hier postuliert habe, dass der Zweck nicht jedes Mittel heiligt, dass also ein guter Zweck keineswegs die Anwendung auch aller schlechten und schlechtesten Mittel erlaubt, dann ist damit der Punkt getroffen, der das eigentliche Problem darstellt. Denn: Dieses Postulat muss moralphilosophisch begründet, anerkannt, durchgesetzt, verteidigt und in der Praxis gelebt werden, im Sinne einer lebendigen Kultur, wenn Moral als etwas Reales erscheinen soll, etwas Reales, das fähig ist, moralisch verwerfliches Handeln zu blockieren. Und es muss sich dabei gegenüber der hohnlachenden und zynischen Negation des moralphilosophischen Nihilismus behaupten, der jedes Mittel recht ist, wenn es nur zum Ziele führt. Der Triumph dieser Einstellung gilt als modern, ist jedoch in den Konsequenzen barbarisch, wie das Zeitalter der Extreme (Hobsbawm) weltweit demonstriert hat.

Dieses Problem betraf und betrifft allerdings die gesamte Gesellschaft, nicht etwa nur die Arbeiterbewegung, oder die Linke. Alexander Ulfig hat diesen Punkt also berechtigterweise aufgegriffen, und auch seine Kritik erscheint nicht als verfehlt, aber sie greift zu kurz, weil die Frage, ob und inwieweit der moralphilosophische Nihilismus in die Schranken gewiesen werden kann, eine gesamtgesellschaftliche Frage ist.

Die Menschen sind nach Aristoteles ein „zoon politikon“, ein gesellschaftliches Wesen. Wir leben als menschliche Individuen wohl naturgemäß sowohl in der Gemeinschaft meist familialer Gruppen ebenso wie in einer größeren Gesellschaft, nie aber völlig isoliert als wären wir geborene Eremiten.

In unserer Neuzeit sind wir als Ergebnis eines historischen Individuationsprozesses Mitglieder einer Gesellschaft von Individuen. Das heißt, wir sind weder einer Gesellschaft noch Kollektiven (z. B. Ständen) vollständig untergeordnet, wie noch im Absolutismus und im modernen Totalitarismus. Und wir sind als Individuen nicht in der fiktiven Art eines Robinson Crusoe isoliert, sondern leben zumindest in lockeren Beziehungsstrukturen.

Ist es nun also zutreffend, Moralphilosophie als Desiderat des Marxismus zu bezeichnen, wie Alexander Ulfig das getan hat?

Ich denke: Ja und nein.

Ja, nämlich insoweit, als sich in der Wirkungsgeschichte des 20. Jahrhunderts sowohl in der politischen Linken wie in der politischen Rechten ein moralischer Nihilismus durchsetzte, und das mit den furchtbarsten Folgen. Nach dem II. Weltkrieg wurde dieser zwar für mehrere Jahrzehnte zurückgedrängt, aber in den letzten beiden Jahrzehnten setzt sich der moralische Nihilismus in der Tendenz erneut und immer mehr durch.

Nein, nämlich insoweit, als die nachweisbaren Intentionen und Motive bei Marx und in der Arbeiterbewegung des 19. Jahrhunderts sehr wohl ein moralisches Fundament hatten, wenn auch nur in Gestalt eines skizzenhaften Ansatzes. Dieser jedoch zielt auf ein positives Ziel, nämlich auf die politische Ermöglichung eines „guten Lebens“ nicht nur für eine Oberschicht, sondern für alle Gesellschaftsmitglieder. Marx geht bezüglich der Klassenstruktur der Gesellschaft zwar über Aristoteles hinaus, schließt aber bezüglich des Zieles, des télos, an ihn an.

Die Frage nach einer handlungsleitenden Moral im Kontext Marxschen Denkens ist offen und noch zu beantworten, aber sie ist entwicklungsfähig, und es wird m. W. daran gearbeitet.

Anmerkungen

(1) Ulfig, Alexander: "Das Desiderat des Marxismus": https://www.cuncti.net/gesellschaft/811-das-desiderat-des-marxismus

(2) Vgl.: Marx, Karl: Über die Differenz der demokritischen und epikureischen Naturphilosophie, in: Marx-Engels Werke, Bd. 40; Aristoteles: Die Nikomachische Ethik, 8. Aufl., München 2010; Thomas Sören Hoffmann: Georg Wilhelm Friedrich Hegel – Eine Propädeutik, 2. Aufl. Wiesbaden 2012

(3) Vgl.: https://de.wikipedia.org/wiki/Praxisphilosophie  und  http://www.praxisphilosophie.de/  und
Müller, Horst: Das Konzept PRAXIS im 21. Jahrhundert, Norderstedt 2015

 (4) Schmied-Kowarzik, Wolfdietrich: "Die Herausforderung der Marxschen Philosophie der Praxis und die Misere aktueller Marxinterpretation", in: Horst Müller (Hrsg.), Studien zur Philosophie & Wissenschaft gesellschaftlicher Praxis – Von der Systemkritik zur gesellschaftlichen Transformation, Norderstedt 2010, S. 58 ff.

(5) Vgl.: Adorno, Theodor W.: Ästhetische Theorie, in: Gesammelte Schriften 7, Frankfurt am Main 1970

(6) Vgl. Moneta, Jakob: Aufstieg und Niedergang des Stalinismus, Frankfurt am Main 1977;
Spence, Jonathan D.: Chinas Weg in die Moderne, Wien 1995

(7) Vgl. Hobsbawm, Eric: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts, 12. Aufl., München 2014.
"Hobsbawm widmete sich besonders der Epoche von 1789 bis 1914, der er eine eigene Trilogie widmete (Das lange 19. Jahrhundert):
The Age of Revolution: 1789–1848 (Europäische Revolutionen: 1789–1848)
The Age of Capital: 1848–1875 (Die Blütezeit des Kapitals. Eine Kulturgeschichte der Jahre 1848–1875)
The Age of Empire 1875–1914 (Das imperiale Zeitalter 1875–1914). 

Im Zusammenhang damit wandte Hobsbawm sein Interesse der Entwicklung der Arbeiterbewegung zu, den heraufsteigenden nationalistischen Ideologien und den unterschiedlichen Formen von Sozialrevolte. Am bekanntesten wurde seine Analyse des „kurzen 20. Jahrhunderts“ (The Age of Extremes: A History of the World 1914–1991 – deutsch als: Das Zeitalter der Extreme: Weltgeschichte des 20. Jahrhunderts 1914–1991)." 

Quelle: https://de.wikipedia.org/wiki/Eric_Hobsbawm
Vgl. auch: Kocka, Jürgen: "Das lange 19. Jahrhundert. Arbeit, Nation und bürgerliche Gesellschaft", in: Gebhardt. Handbuchbuch der deutschen Geschichte Bd. 13, 10. Aufl., Stuttgart 2002.

(8) Eine sehr empfehlenswerte neue Darstellung in Leben und Werk von Karl Marx stammt von Jonathan Sperber: Karl Marx – Sein Leben und sein Jahrhundert, München 2013. Sie lässt m. E. die damalige Zeit und die Lebensumstände, die mit ihr verbunden waren, ebenso hervortreten wie den persönlichen Entwicklungsprozess, in dem sich Leben und Werk verschränkten.

(9) Marx, Karl:  Zur Kritik der Hegelschen Rechtsphilosophie. Einleitung (1843/44):
„Das Fundament der irreligiösen Kritik ist: Der Mensch macht die Religion, die Religion macht nicht den Menschen. Und zwar ist die Religion das Selbstbewußtsein und das Selbstgefühl des Menschen, der sich selbst entweder noch nicht erworben oder schon wieder verloren hat. Aber der Mensch, das ist kein abstraktes, außer der Welt hockendes Wesen. Der Mensch, das ist die Welt des Menschen, Staat, Sozietät. Dieser Staat, diese Sozietät produzieren die Religion, ein verkehrtes Weltbewußtsein, weil sie eine verkehrte Welt sind. Die Religion ist die allgemeine Theorie dieser Welt, ihr enzyklopädisches Kompendium, ihre Logik in populärer Form, ihr spiritualistischer Point-d'honneur |Ehrenpunkt|, ihr Enthusiasmus, ihre moralische Sanktion, ihre feierliche Ergänzung, ihr allgemeiner Trost- und Rechtfertigungsgrund. Sie ist die phantastische Verwirklichung des menschlichen Wesens, weil das menschliche Wesen keine wahre Wirklichkeit besitzt. Der Kampf gegen die Religion ist also mittelbar der Kampf gegen jene Welt, deren geistiges Aroma die Religion ist.

Das religiöse Elend ist in einem der Ausdruck des wirklichen Elendes und in einem die Protestation gegen das wirkliche Elend. Die Religion ist der Seufzer der bedrängten Kreatur, das Gemüt einer herzlosen Welt, wie sie der Geist geistloser Zustände ist. Sie ist das Opium des Volkes.
Die Aufhebung der Religion als des illusorischen Glücks des Volkes ist die Forderung seines wirklichen Glücks. Die Forderung, die Illusionen über seinen Zustand aufzugeben, ist die Forderung, einen Zustand aufzugeben, der der Illusionen bedarf. Die Kritik der Religion ist also im Keim die Kritik des Jammertales, dessen Heiligenschein die Religion ist.

Die Kritik hat die imaginären Blumen an der Kette zerpflückt, nicht damit der Mensch die phantasielose, trostlose Kette trage, sondern damit er die Kette abwerfe und die lebendige Blume breche. Die Kritik der Religion enttäuscht den Menschen, damit er denke, handle, seine Wirklichkeit gestalte wie ein enttäuschter, zu Verstand gekommener Mensch, damit er sich um sich selbst und damit um seine wirkliche Sonne bewege. Die Religion ist nur die illusorische Sonne, die sich um den Menschen bewegt, solange er sich nicht um sich selbst bewegt.
Es ist also die Aufgabe der Geschichte, nachdem das Jenseits der Wahrheit verschwunden ist, die Wahrheit des Diesseits zu etablieren. Es ist zunächst die Aufgabe der Philosophie, die im Dienste der Geschichte steht, nachdem die Heiligengestalt der menschlichen Selbstentfremdung entlarvt ist, die Selbstentfremdung in ihren unheiligen Gestalten zu entlarven. Die Kritik des Himmels verwandelt sich damit in die Kritik der Erde, die Kritik der Religion in die Kritik des Rechts, die Kritik der Theologie in die Kritik der Politik. (…)

Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen, die materielle Gewalt muß gestürzt werden durch materielle Gewalt, allein auch die Theorie wird zur materiellen Gewalt, sobald sie die Massen ergreift. Die Theorie ist fähig, die Massen zu ergreifen, sobald sie ad hominem |am Menschen| demonstriert, und sie demonstriert ad hominem, sobald sie radikal wird. Radikal sein ist die Sache an der Wurzel fassen. Die Wurzel für den Menschen ist aber der Mensch selbst. Der evidente Beweis für den Radikalismus der deutschen Theorie, also für ihre praktische Energie, ist ihr Ausgang von der entschiedenen positiven Aufhebung der Religion. Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“  (Hervorhebung: GB) - Quelle:
http://www.mlwerke.de/me/me01/me01_378.htm

 

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0 # RE: Das télos der Politischen Philosophie von Karl MarxAlexander Ulfig 2015-09-26 12:21
"Die Kritik der Religion endet mit der Lehre, daß der Mensch das höchste Wesen für den Menschen sei, also mit dem kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist.“
Die Kritik der Religion ist die Voraussetzung jeglicher Kritik. Marx verwendet hier den Begriff des Kategorischen Imperativs nicht im Sinne einer Moraltheorie. Er denkt hier nicht wie Kant an ein Sollen, an dem man sich orientieren könnte, sondern bescheibt einen Ist-Zustand. Es handelt sich also nicht um eine moralische Norm, sondern um einen Zustand, den die Menschheit notwendigerweise erreichen wird.
Antworten
0 # RE: Das télos der Politischen Philosophie von Karl MarxGünter Buchholz 2015-09-26 20:41
Auf die Kritik der Religion folgte die Kritik der Philosophie, und auf diese die Kritik der Politischen Ökonomie.
Die obige Interpretation des Satzes und seines Zusammenhangs kann ich jedoch nicht nachvollziehen. Es geht um einen Ist-Zustand, der aber zugleich kritisch verworfen wird. Der zitierte Satz meint m. E. klar erkennbar ein Sollen. Dieses weist, auch moralisch und mit Grund, die Richtung des Handelns, mehr allerdings nicht. Es fehlt eine Moralphilosophie, die den Handelnden darüber hinaus die moralische Bewertung der Mittel und damit die eigene moralische Kontrolle ihres Handelns ermöglicht. Darauf aber käme es in der Praxis an. Wenn der Zweck nicht alle Mittel heiligt, welche Mittel sind dann moralisch zu rechtfertigen, welche nicht, und mit welchen Gründen?
Die Vorstellung, es gebe einen Zustand, den die Menschheit notwendigerweise erreichen wird, diese Vorstellung ist eine, die Kautsky gehegt haben mag. Aber mit Marx´ Denken hat sie m. E. wenig zu tun.
Antworten
0 # RE: Das télos der Politischen Philosophie von Karl MarxLeszek 2015-09-26 20:51
Sehr guter Artikel von Prof. Günter Buchholz.

Dr. Alexander Ulfig hat ansonsten viele der besten philosophischen Texte geschrieben, die ich die letzten Jahre gelesen habe, aber der hier von Prof. Günter Buchholz kritisierte Artikel von Alexander Ulfig weist auch meiner Meinung nach einige Schwächen auf. Bei Gelegenheit wird auch von mir noch eine etwas ausführlichere Kritik an diesem Artikel folgen.

Schon der Satz

„Das Fehlen einer moralisch-ethischen Grundhaltung ist für weite Teile der linken Denktradition konstitutiv, und zwar seit den Anfängen dieser Denktradition bei Karl Marx und Friedrich Engels."

blendet mal eben alle moralisch fundierten linken Theorien aus und erweckt den Eindruck als hätte es vor, neben und nach Marx keine anderen einflussreichen linken Denker gegeben.

Die Realität sieht schon etwas anders aus:

- Für die Frühsozialisten, die Marx vorausgingen, spielten in der Regel auch moralische Argumente eine wichtige Rolle. - Die größte mit dem klassischen Marxismus konkurrierende sozialistische Strömung, der Anarchismus, hat sich immer als ethischer Sozialismus und nicht nur als wissenschaftlicher Sozialismus verstanden.
- In Reaktion auf und in Opposition zum Stalinismus entstand die marxistische Strömung des marxistischen Humanismus, für deren Vertreter auch moralische Argumente bedeutsam waren.
- Ulfig selbst erwähnt am Rande die Syntheseversuche zwischen sozialistischer Theorie und der Ethik von Kant von Eduard Bernstein und anderen für die Entwicklung der traditionellen Sozialdemokratie wichtigen sozialistischen Denkern.
- Theodor W. Adorno und Max Horkheimer verteidigten das humanistisch-moralische Denken in der "Dialektik der Aufklärung" und der "Kritik der instrumentellen Vernunft".
- Linksliberale Philosophen wie Jürgen Habermas und Karl-Otto Apel entwickelten die Diskursethik.
- Linksliberale Philosophen wie John Rawls und Ronald Dworkin und Thomas Nagel entwickelten die moralphilosophisch begründete Politische Philosophie des egalitären Liberalismus .
- Gerald Cohen, ein Hauptvertreter des analytischen Marxismus und bekannter sozialistischer Moralphilosoph entwickelte in seinem Spätwerk eine sozialistische Moralphilosophie - damit kommt Cohen dem hier angesprochenen Wunsch nach einer ausgearbeiteten marxistischen Ethik wohl am nächsten.

Ulfigs Vorgehen bei diesem Thema weist m.E. drei kritikwürdige Aspekte auf:

- Nicht-marxistische linke Strömungen und Philosophen, für die moralische Argumentationen wesentlich waren oder sind, werden ignoriert oder nur kurz erwähnt, ohne weiter auf ihre Bedeutung einzugehen.
- Marxistische Strömungen und Philosophen, für die moralische Argumentationen wesentlich waren oder sind, werden dadurch weggewischt, dass suggeriert wird, diese wären eigentlich keine echten Marxisten.
- Bezüglich des Werkes von Karl Marx und Friedrich Engels selbst werden Zitate, die darauf hinauslaufen, dass diese ihren Sozialismus als wissenschaftlichen Sozialismus, aber nicht als ethischen Sozialismus betrachteten, durchaus begründet kritisiert, es wird aber nicht berücksichtigt, dass Marx und Engels Werk trotz dieser Aussagen auch implizite ethische Elemente enthält - eben jene, an die die Vertreter des marxistischen Humanismus später anknüpften.

Es kann wohl wenig Zweifel daran bestehen, dass Marx z.B. den kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist, durchaus bejaht hat.

Durch diese wenig differenzierte Vorgehensweise wird eine an sich nicht unplausible Hypothese - dass der Mangel an ethischen Reflektionen in Marx Werk einen gewissen Beitrag dazu geleistet hat, dass in Teilen der Linken zu wenig Wert auf ethische Reflektionen gelegt wurde - maßlos überdehnt und unglaubwürdig.
Natürlich ist die politische Linke nicht nur "amoralisch", sondern kennt auch viele einflussreiche Denker, für die moralisch-ethische Reflektionen und Perspektiven wichtig waren und an die angeknüpft werden könnte, um in Teilen der zeitgenössischen Linken vorhandene ethische Defizite von einem politisch linken Standpunkt aus zu kritisieren und zu überwinden.

Leider wird in dem Artikel auch noch mit dem vom Verfassungsschutz erfundenen unwissenschaftlichen Kampfbegriff "Linksextremismus" hantiert, ein Begriff, der weder etwas darüber aussagt, ob jemand Demokrat ist oder nicht (nur ob man den gegenwärtigen formaldemokratischen Verfassungsstaat ablehnt), noch etwas über die Einstellung zur Meinungsfreiheit oder zu Gewalt oder die Einstellung zu Moral und Ethik aussagt und der daher von seriösen Sozialwissenschaftlern in der Regel nicht verwendet wird.
Antworten
+2 # RE: Das télos der Politischen Philosophie von Karl MarxAlexander Ulfig 2015-09-27 13:52
@Leszek
Ich behandle in meinem Artikel den Marxismus. Ich behandle nicht alle linken, z.B. die nicht-marxistischen, Theorien.
"Theodor W. Adorno ... egalitären Liberalismus" - Ich habe einige Kriterien genannt, anhand derer man einen marxistischen Denker bestimmen kann. Ich schreibe in meinem Artikel: "der sog. ökonomische Reduktionismus (die Rückführung von Phänomenen aller Art auf ökonomische Verhältnisse), die Analyse der Entfremdung anhand der Warenproduktion, die führende Rolle des Proletariats als des Motors der historischen Entwicklung und das Revolutionskonzept." Ich bezweifle, dass die von Ihnen genannten Autoren all diese Kriterien oder wenigstens den größten Teil von ihnen erfüllen. Was Gerald Cohen angeht, kann ich es nicht beurteilen, weil ich den Autor zu wenig kenne. Ich werde die Lektüre seiner Spätschriften nachholen.

Das Problem liegt darin, dass Sie und auch Prof. Buchholz sich ausschließlich an dem frühen Marx orientieren, an dem Marx, bei dem humanistische Ideale noch zu finden sind. Sie blenden jedoch den späten Marx, der dann in der Politik wirkungsgeschichtlich geworden ist, völlig aus. Sie blenden z.B. seine deterministische Geschichtsauffassung (siehe den Begriff der Notwendigkeit, den Marx in Anlehnung an Hegel gewonnen hat) aus. Der späte Marx braucht keine Ethik, was sich völlig konsequent aus seiner Theorie ergibt, denn die ökonomischen Verhältnisse und die notwendige Entwicklung in der Geschichte werden es schon richten. Anders formuliert: Man braucht keine moralischen Normen, um einen Zustand zu erreichen. Dafür müssen ökonomische und politische Rahmenbedingungen geändert werden.

"... vom Verfassungschutz erfundenen unwissenschaftlichen Kampfbegriff ´Linksextremismus`... von seriösen Sozialwissenschaftlern in der Regel nicht verwendet wird."
Klaus Schroeder und Monika Deutz-Schroeder haben eine umfangreiche empirische Studie zum Linksextremismus vorgelegt ("Gegen Staat und Kapital - für eine Revolution. Linksextremismus in Deutschland - eine empirische Studie"). Sie führen weitreichende Differenzierungen ein, z.B. "links", "linksradikal", "linksextrem", "totalitär", "militant", "dogmatisch/undogmatisch" , "anti-kapitalistisch", "anti-faschistisch" usw. Sie setzen sich mit dem Begriff des Extremismus ausführlich auseinander. Sie erstellen eine Skala, die als Grundlage für eine repräsentative Befragung/Erhebung dient. Ist das alles unseriöse Sozialwissenschaft?
Antworten
0 # RE: Das télos der Politischen Philosophie von Karl MarxGünter Buchholz 2015-09-28 11:42
Ich habe den folgenden Text entdeckt, nachdem
mein obiger Text publiziert war:
http://www.praxisphilosophie.de/thom_praxiskonzept.pdf
(S. 47, FN 10)
Er mag zur Vertiefung und als Anregung zum Weiterdenken dienen.
Antworten
+1 # Marx war kein MarxistBodo Gaßmann 2015-10-14 11:32
Marx war kein Marxist (vgl. MEW 35/388)

Es fehlt in der Tat eine Ethik, welche die heutigen Probleme und auch Marx‘ Werk ernst nimmt. Aber was Marx geschrieben hat, ist auf seine Wahrheit hin zu untersuchen, nicht aus welchen Umständen es entstanden ist oder in einem Brei soziologischer Deutungen zu verwässern. Eine Ethik (Wissenschaft von der Moral und ihren Bedingungen), die auf dem avancierten Stand der Vernunft steht, muss mindestens dreierlei beachten.
Sie muss erstens eine metaphysische (erkenntnistheoretische) Begründung haben, d. h. unter anderem die ethische Tradition reflektieren. In diesem Zusammenhang kommt man nicht umhin, die kantische Ethik und ihre Kritik einzubeziehen. Dazu gehört auch die Abstinenz von modischer Begrifflichkeit, die sich eher einer karrierefördernder Originalität verdankt als wissenschaftlicher Gründlichkeit. Sie muss zweitens die moralischen Prinzipien (nicht „Werten“) systematisch auf die „Anatomie“ der bürgerlich-kapitalistisch en Gesellschaft beziehen, da kommt die marxsche Kapitalanalyse ins Spiel. Und sie muss drittens eine Ethik der Veränderung sein, weil die heutige Ökonomie moralisches Handeln bestenfalls in der Privatsphäre zulässt. Man denke nur an das Verhältnis von Lohnarbeit und Kapital, das von vornherein auf dem – moralisch ausgedrückt – Diebstahl des Mehrwerts beruht oder an die verselbstständigten Mechanismus wie der Zwang zur Kapitalakkumulation, der ein tieferer Grund für das „Zeitalter der Extreme“ war und wieder sein wird.

Eine solche Ethik wird gerade von mir, dem Herausgeber der „Erinnyen. Zeitschrift für materialistische Ethik“ entwickelt und in einigen Jahren erscheinen.

Bodo Gaßmann
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29. Dezember 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren lernte ich viele Studenten aus den islamischen Ländern kennen. Sie waren alle links und atheistisch. Was ist aus ihren Überzeugungen geworden?
Während meiner Studienzeit in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts lernte ich sehr viele Studenten aus den sog. „islamischen Ländern“ kennen (damals sprach...

Geschlechterdebatte

Frauenpolitik und Karrierismus

Oder: Wie die Linken auf ihre Ideale verzichten 16. August 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Früher haben große Teile der Linken Karriere abgelehnt. Sie wurde als Ausdruck der Entfremdung angesehen und galt als Inbegriff von Geldgier, hierarchischen Strukturen, Konkurrenz und Ellenbogenmentalität, kurz: als Inbegriff des falschen Lebens.
Seit geraumer Zeit beobachten wir eine Rehabilitierung des...

Gesellschaft

Das Desiderat des Marxismus

19. März 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Eine Studie der Freien Universität Berlin zeigt, dass linksextreme Tendenzen in Deutschland weit verbreitet sind. Viele Linke befürworten Gewalt, sprechen sich sogar für eine Revolution aus und weisen antidemokratische und antifreiheitliche Denkmuster auf.
Diese Tendenzen verweisen auf das Fehlen einer moralisch-ethischen Grundhaltung. Doch dieses Desiderat...

Politik

Das politische Links-Rechts-Schema und die Frage: Was ist heute „links“?

16. Juni 2013, von Prof. Günter Buchholz
Das politische  Links-Rechts-Schema wirkt heute zu Recht vielfach veraltet, zum Teil deshalb, weil es Probleme gibt, die – wie die ökologische Krise – unabhängig von politischen Positionen die ganze Menschheit betreffen.
Hinzu kommt, dass diese Begriffe verpönt sind: die ehemals Rechten („Deutschnationale“, „Konservative“) und die ehemals Linken...

Politik

„Schließlich wird in Warschau ein Stück Geschichte geschrieben ...“

26. November 2013, von Peter Munkelt
Das schreibt der Schriftsteller Günter Grass an Bundeskanzler Willy Brandt am 25. November 1970, kurz vor der Reise Brandts nach Warschau, um im Rahmen der neuen deutschen Ostpolitik den Deutsch-Polnischen Vertrag „über die Grundlagen der Normalisierung der Beziehungen“ zu unterzeichnen.
In seinem Brief unterbreitet Grass ausführlich Vorschläge, wie dieses...

Politik

Willy Brandt im Widerstand gegen die NS-Diktatur in Norwegen: Endlich dokumentiert und erforscht

Zur Pionierleistung von Manfred Dammeyer 04. Januar 2016, von Peter Munkelt
Willy Brandt, erster sozialdemokratischer Bundeskanzler, SPD-Vorsitzender fast ein Vierteljahrhundert lang, Friedensnobelpreisträger 1971, ist in zahlreichen Biografien porträtiert worden. Brandt selbst hat mehrere Autobiografien verfasst. Man könnte also annehmen, bisher Unbekanntes in seinem Leben sei nicht mehr zu...

Gesellschaft

Die fünf Säulen unserer (Leit-)Kultur

21. Oktober 2016, von Dr. Alexander Ulfig
Der Wirtschaftswissenschaftler Günter Buchholz hat in einem bemerkenswerten Artikel zum Thema „Leitkultur“ fünf geistige Strömungen genannt, die die Grundlage unserer Leitkultur bilden: die griechische (1) und die römische Antike (2), das Judentum (3), das Christentum (4) und die Philosophie der Aufklärung (5), die mit einer besonderen Form von...