Gesellschaft

Horst Arnold - ein bitterer Nachruf

12. Juli 2012, von Dietmar Nikolai Webel

Exemplarische Abrechnung mit der Gleichstellungsideologie der letzten 10 Jahre

horst-arnold

Der Gymnasiallehrer Horst Arnold musste für 5 Jahre hinter Gitter, weil seine Kollegin behauptet hatte, sie sei von ihm in der großen Pause im Biologievorbereitungsraum rektal vergewaltigt worden. Es stand Aussage gegen Aussage. Warum sollte sie so etwas behaupten?

Sicher ist so ein Verfahren wegen Vergewaltigung kein einfacher Weg für die Opfer. Trotzdem werden manche Frauen kriminell, um für sich selber Vorteile zu bekommen. So auch die Kollegin von Horst Arnold, denn ganz offensichtlich wollte die Biolehrerin ihren Konkurrenten aus dem Arbeitsleben beseitigen und zerstörte so seine Existenz. Schon 2001 gab es reichlich Fragen zur Glaubwürdigkeit des Opfers. Das Gericht interpretierte diese Lügen als traumatisierte Wahrnehmungsstörung.

Der Fall passte seinerzeit in das politische Propagandamuster der Bundesministerinnen Bergmann und Schmidt. Das BMFSFJ legte 2003 eine Studie zur Gewalt an Frauen vor. Ergebnis war, dass jede 3. Frau Opfer von Gewalt sei. Dies mündete in den Slogan: Männer sind Gewalttäter und Frauen die Opfer. Eine wissenschaftliche Studie zur Situation der Gewalterfahrung von Männern wurde lediglich als Pilotprojekt in Auftrag gegeben, welches keine repräsentativen Aussagen möglich machte. Unabhängig von den wissenschaftlichen Erkenntnissen oder Ausblendungen gab es schon einige Jahre vorher eine Kampagne: Gegen Gewalt gegen Frauen. Ein ganzes Netzwerk von Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten war mit der Verbreitung dieser Botschaft beschäftigt: Frauen sind Opfer durch gewalttätige Männer.

Männerverbände und viele Einzelpersonen haben gegen solche Slogans beim BMFSFJ protestiert, so auch mehrfach der Väteraufbruch für Kinder. Der Einwand, dass diese Kampagne die wirkliche Gewaltsituation von Männern und Frauen ignoriert, blieb unbeantwortet. In dieser ideologisch aufgeheizten Zeit fand das erste Verfahren gegen Horst Arnold statt und die späteren Aussagen der Verfahrensbeteiligten im Wiederaufnahme-verfahren 2011 lässt einen die Luft anhalten. Arnold wurde nicht durch die Polizei vernommen und die Nebenklägerin wurde im Gericht geschützt, obwohl es hinlänglich Fragen zur Glaubwürdigkeit gegeben hatte. Von der Frauenbeauftragten des Schulamtes wurde sie begleitet und unterstützt. Auf der Webseite des Schulamtes findet man die Aufgaben wie folgt beschrieben: "Sie überwacht im Amt die Durchführung des Gesetzes, also alle Maßnahmen oder Unterlassungen, die sich auf die Chancengleichheit des Zugangs von Frauen und Männern zu öffentlichen Ämtern auswirken können." Von Fairness oder Gerechtigkeitssuche keine Spur.

Arnold zahlte einen hohen Preis. Er hat sich von der Justiz nicht bestechen lassen, um früher entlassen zu werden. Er lehnte Therapieangebote für Täter ab, noch leistete er zur Wiedergutmachung ein nachträgliches Geständnis. So blieben Hafterleichterungen aus und es gab keine vorzeitige Entlassung. Er wurde von Mitgefangenen verprügelt und ihm wurde sogar mit einem Messer gedroht. Die gesamten 5 Jahre war er als Vergewaltiger stigmatisiert. Trotzdem schrieb er liebevolle Briefe aus der Haft an seine elfjährige Tochter und malte ein kleines Herz neben ihren Namen.

Im Zeitraum dieser 10 Jahre gab es im BMFSFJ noch mehrere Ministerinnenwechsel. Die aufgeheizte Stimmung gegen Männer kühlte merklich ab. Die derzeitige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat für Männerfragen ein Referat eingerichtet. In ihrer Antrittsrede machte sie unmissverständlich deutlich, dass sie für Chancengleichheit von Frauen und Männer eintritt und schrieb ein Buch gegen bestimmte Feministinnen mit dem Titel: Danke, emanzipiert sind wir selber. Zum Referat für Männerfragen etablierte sich ein Bundesforum verschiedenster Männer- und Vätergruppen. Eine der ersten wissenschaftlichen Publikationen legte Peter Döge zur Gewalt gegen Männer vor. Er kommt zu dem Ergebnis, dass Gewalterfahrung Frauen und Männer gleichermaßen trifft. Das Klima 2011 hat sich gewandelt.

Ausgerechnet die Frauenbeauftragte aus dem Unterstützer- und Helfernetzwerk bekam Zweifel an der Geschichte und brachte über ihren Bruder, der Anwalt ist, das Verfahren wieder neu auf den Richtertisch.

Horst Arnold wurde 2011 im Wiederaufnahmeverfahren vom Landgericht Kassel freigesprochen. Im Februar wurde der Freispruch des Landgerichtes Kassel durch den BGH bestätigt. Seine Tochter ist nun 21 Jahre und hat immer an die Unschuld ihres Vaters geglaubt. Arnold hoffte auf Besserung seines Lebens. Sein Herz konnte mit dieser Hoffnung nicht Schritt halten und versagte nur wenige Monate später. Der Anwalt, Hartmut Lierow, wirft heute der Justiz und der Schulverwaltung vor, dass sie Arnold nicht rehabilitiert haben. Der Antrag auf Haftentschädigung wurde nicht bearbeitet und eine schnelle Wiedereinstellung in den Schuldienst wurde verweigert. Der unschuldig suspendierte Lehrer sollte sich wie jeder andere neu bewerben. Die Staatsanwaltschaft hat die Kollegin noch nicht einmal angeklagt.

Es verwundert nicht, dass unter solchen Umständen die Sterblichkeit bei Männern doppelt so hoch liegt, wie vergleichsweise bei Frauen. Herz- und Kreislauferkrankungen nehmen hier die Spitzenposition ein. Der Tod von Horst Arnold stimmt nachdenklich. Was ertragen Männer alles in einer ideologischen Gleichstellungsschlacht? Aber wen hat das bisher interessiert? Solange es ein Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend gibt, in dem der Mann nicht einmal im Namen vorkommt, wird es keine ausgewogene Gleichstellungspolitik geben können. Ein Referat reicht jedenfalls nicht aus, auch wenn es ein hoffnungsvoller Anfang ist. Das Herz von Horst Arnold konnte nicht genügend Hoffnung schöpfen, wir werden diese Hoffnung mit Leben erfüllen, damit die Gleichbehandlung von Frauen und Männer nicht nur auf dem Papier steht, sondern in der Gesellschaft mit Leben gefüllt wird.

Sendung im Väterradio vom 15.09.2011

 

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