Gesellschaft

Schlimmer als Helikopter-Eltern: Helikopter-Narzissten!

Über die Opfergesellschaft und das narzisstische, globalisierte Ich

1. Februar 2017, von Deborah Ryszka

Das Auftreten narzisstischer Persönlichkeitsstörungen hat über Jahrzehnte hinweg in unserer Gesellschaft zugenommen. Jedoch findet zugleich neben einer gesellschaftlichen Globalisierung auch eine individuelle, narzisstische statt. Nämlich die des eigenen Ich. Diese drückt sich in einer kollektiv, organisierten Opfermentalität aus, wie es z.B. der Radikalfeminismus oder die politische Korrektheit tut.

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Wir leben in einer Zeit des Schreckens. Überall lauert Gefahr. Von rechts, von links, von unten oder von oben (nicht im politischen, sondern im metaphorischen Sinne). Sie ist ständig da, kann unerwartet auftauchen und das Ich in Schrecken versetzen. Denn „Ich bin Ich, also bin Ich, und zwar Ich der Mittelpunkt der Welt". So kann man das heutige Lebensmotto der meisten beschreiben. Das Ich als das Zentrum, das Absolute der Welt, um das sich alles dreht.

 

Die Theorie hinter dem Zeitgeist der Beliebigkeit. Eine Buchbesprechung

16. Januar 2017, von Prof. Adorján Kovács

Der Philosoph Daniel von Wachter unterschied in einem Vortrag vor drei Jahren zwischen zwei Arten von „Philosophie“: Es gebe einmal die „literarische oder existenzielle Philosophie“, die „oft dunkel, geheimnisvoll, kryptisch, quasireligiös“ sei, sich „oft unklar und unscharf ohne Definitionen“, dafür aber „mit langen Sätzen“ ausdrücke.

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Diese Art von Philosophie stelle „keine klare Frage“, formuliere „keine klare These“, bringe „keine Argumente“ und „keine Untersuchung der alternativen Positionen“. Von Wachter nennt als Beispiele Sartre und Camus, die vor allem Literatur produziert haben, ferner Nietzsche, der kaum Argumente bringe, sowie Heidegger, dessen „Wortbrei“ kein Mensch lesen könne, aber auch Hegel, der kaum klare Thesen nenne und gegen deren Gegenthesen verteidige.

 

Falsche Lehren aus der Silvesternacht

3. Januar 2017, von Prof. Monika Frommel

In ihrem Buch „Die Nacht, die Deutschland veränderte" arbeiten Voogt und Wiermer die Kölner Vorgänge vom letzten Silvester auf. Die Probleme liegen nicht bei Islam und Sexualstrafrecht.

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Ein gerade erschienenes Buch von Gerhard Voogt und Christian Wiermer hilft zu verstehen, was in der Kölner Silvesternacht 2015/16 passiert ist. Nun rüstete Köln für Silvester 2016/17 auf, um nicht noch einmal ein solches Desaster zu produzieren. Aber gelernt hat der Innenminister von NRW aus dem eklatanten Polizeiversagen vor einem Jahr nicht. Noch immer ist die Politik dabei, das Geschehene zu verdunkeln. Berichtet wird weder über Falschaussagen, die es auch gibt, noch zeichnet die Regierung ein realistisches Bild und erklärt, wieso sie routinierten und tatgeneigten Migranten aus den Maghreb-Staaten eine solche Gelegenheit geboten hat.

 

Der Generalverdacht gegen die Aufklärung

Oder: Wie die Dialektik der Aufklärung die Verbreitung der Aufklärung verhinderte

12. Dezember 2016, von Dr. Alexander Ulfig

Die Kritische Theorie, auch "Frankfurter Schule“ genannt, gehört zu den einflussreichsten philosophischen Strömungen des 20. Jahrhunderts. Ihr programmatisches Werk ist die 1947 von Max Horkheimer und Theodor W. Adorno verfasste Dialektik der Aufklärung.

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Bild: Jjshapiro in der Wikipedia auf Englisch, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=6633571, Bild beschnitten

Darin formulieren die beiden Hauptvertreter der Kritischen Theorie ihre folgenreiche Kulturkritik. Ihre Hauptthese lautet: Die Aufklärung schlägt in Gegenaufklärung um; fortschrittliche Ideale werden in ihr Gegenteil verkehrt. Die Aufklärung mündet in Unterordnung, skrupellose Machtausübung und Gewalt – sie mündet letztlich in Faschismus.

 

Verbotene Liebe, oder wer mit wem, wann, wie oft und wie lange Sex haben darf

11. November 2016, von Dr. Alexander Stevens

Gestern trat das neue Sexualstrafrecht in Kraft. Was ich von dem „Sind Sie für oder gegen Vergewaltigung Hype" halte, habe ich ja schon oft genug kundgetan. Sei's drum.

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Da ist sie also nun. Die sagenumwobene „Nein hießt Nein Regelung" oder besser gesagt „Jede Art von mutmaßlich entgegenstehendem Willen heißt jetzt Nein". Wer das genau feststellen will, wann man Sex will und wann nicht und woran man das als Richter, der ja dann im Zuge einer Anzeige genau hierüber entscheiden werden muss fest macht - keine Ahnung.

 

Hassrede ist freie Rede

27. Oktober 2016, von Kolja Zydatiss

Mit Netzsperren und öffentlichkeitswirksamen Kampagnen wird gegen sogenannte „Hate Speech“vorgegangen. Besser wäre es, rassistischen und anderen Vorurteilen sachliche Argumente entgegenzusetzen.

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Ein Gespenst geht um in Europa – das Gespenst der Hate Speech. Im Englischen wird der Begriff benutzt, um herabsetzende sprachliche Äußerungen zu kennzeichnen, die vermeintlich Ausdruck von Hass sind. Misstrauen gegenüber dem Begriff ist angebracht. Wie andere politisch korrekte Modephrasen aus dem angloamerikanischen Raum, etwa „check your privilege“ oder „mansplaining“, ist er geeignet, Andersdenkende mundtot zu machen, ohne sich mit deren Argumenten auseinandersetzen zu müssen.

 

Die fünf Säulen unserer (Leit-)Kultur

21. Oktober 2016, von Dr. Alexander Ulfig

Der Wirtschaftswissenschaftler Günter Buchholz hat in einem bemerkenswerten Artikel zum Thema „Leitkultur“ fünf geistige Strömungen genannt, die die Grundlage unserer Leitkultur bilden: die griechische (1) und die römische Antike (2), das Judentum (3), das Christentum (4) und die Philosophie der Aufklärung (5), die mit einer besonderen Form von Wissenschaftlichkeit verbunden ist.

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Die Frage nach den Grundelementen unserer Kultur ist angesichts der großen Zahl von Migranten, die nach Deutschland und Europa kommen, von höchster Aktualität. Menschen, die nach Deutschland und Europa einwandern und sich integrieren oder gar assimilieren möchten, müssen die Grundelemente unserer Kultur kennenlernen und sich mit ihnen auseinandersetzen.

 

Leitkultur? Leitkultur!

14. Oktober 2016, von Prof. Günter Buchholz

Wenn wieder einmal der von Bassam Tibi eingeführte Begriff der Leitkultur  fällt, dann sind zwei Reaktionen zu beobachten. Die einen, die Kulturelativisten, stammeln abwehrend etwas von einem angeblichen  Rassismus, die anderen, die liberal-säkularen, ebenso geschichtsvergessenen wie irgendwie aufgeklärten Individualisten reagieren ob ihrer eigenen Prinzipienlosigkeit mit Verlegenheit und Ratlosigkeit, und dann fällt ihnen prompt etwas ein, was es glücklicherweise wirklich gibt, nämlich das Grundgesetz.

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Das Grundgesetz also soll die Leitkultur sein, von der die Rede ist, und vielleicht hat Bassam Tibi das Grundgesetz gemeint. Er hat es vermutlich gemeint, denn es gehört durchaus zu diesem Begriff dazu, weniger wegen seines bloßen Textes, so wichtig der auch ist, sondern mehr noch wegen seiner vielfältigen real- und geistesgeschichtlichen Denkvoraussetzungen und Implikationen, die vielfach gar nicht bewußt sein dürften. Sie sollen im folgenden knapp benannt werden.

 

Students for Liberty: Meinungsfreiheit und Demokratie auf der Heidelberger Regionalkonferenz

Zum zweiten Mal steigt in Heidelberg das größte freiheitliche Event Deutschlands. Das Team der Students For Liberty Heidelberg lädt am 29. Oktober zur Regionalkonferenz in die barocke Altstadt ein, zu der über 300 Studenten erwartet werden. Die Veranstaltung steht unter dem hochaktuellen und sicherlich kontroversen Thema “Meinungsfreiheit und Demokratie”.

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Dabei wird der Bogen von Interessenkonflikten in der Forschung über die Beziehung der Religionen zur freien Meinungsäußerung bis hin zur fundamentalen Rolle des Rechts auf freie Rede in der offenen Gesellschaft gespannt.

Wer würde nicht der Voltaire-Biographin Evelyn Beatrice Hall zustimmen, wenn sie schrieb: “Ich missbillige, was Sie sagen, aber ich werde bis zum Tod Ihr Recht verteidigen, es zu sagen”? Und doch merken wir, dass wir uns im Alltag mit dieser Position oft schwer tun und jede Menge Einwände gelten lassen, um bestimmte Ansichten auszuschließen.

Kontroverse Aussagen zu Politik und Gesellschaft, persönliche Angriffe, Hasskommentare oder schlicht nicht dem Zeitgeist entsprechende Meinungen werden so wieder zu einem Fall für die Zensur. Diesem Trend will die Heidelberger Konferenz entgegenwirken und den lebendigen, unvoreingenommen Ideenaustausch befeuern.

Neben Vorträgen von prominenten Gastrednern und Podiumsdiskussionen wird es dieses Jahr auch einige Workshops und kleine Diskussionsrunden geben, bei denen die Teilnehmer selbst ins Gespräch mit den Rednern kommen sollen. Nicht zuletzt bietet das die Gelegenheit, jede Menge neue Leute kennenzulernen und mit ihnen bis spät in die Nacht über die Streitfragen zu debattieren. Eine Neuauflage der legendären After-Show-Party darf dabei natürlich nicht fehlen!

Die Anmeldung läuft über die Homepage. Dort und auf Facebook gibt es auch weitere Informationen zu Ablauf, Rednern und aktuellste Neuigkeiten. Auch die Verpflegung ist inklusive!

 

 

Zu viel Porno

10. Oktober 2016, von Brendan O´Neill

Gerade in einer Gesellschaft, in der Pornografie als sichere und leidensfreie Alternative zu echter Intimität gilt, ist Kritik an ihr angebrachter denn je.

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Das Problem mit der Kritik am unermüdlichen Anstieg der Pornografie, an den stoßenden Gliedern und Körperöffnungen auf praktisch jedem Bildschirm auf der Erde ist, dass die Leute wahrscheinlich denken, man sei prüde. Welche Erleichterung, dass ein echter Freigeist – Pamela Anderson – die Pornografie als Freizeitbeschäftigung für Versager verdammt hat.

 

Zum Lohfink-Urteil: Eine Ministerin unterstützt eine Straftat

Warum eigentlich muss Manuela Schwesig nicht zurücktreten?

27. August 2016, von Lucas Schoppe

„Der Fall von Gina-Lisa Lohfink zeigt, dass dringend das Sexualstrafrecht reformiert werden muss. Dass die Vergewaltiger von Gina-Lisa nicht zur Verantwortung gezogen werden und sie selbst stattdessen wegen Falschaussage verurteilt werden soll, sendet ein verheerendes Signal.“ 

Das schrieb die im Bundestag vertretene Partei Bündnis 90/Die Grünen so am 11. Juni auf ihrer Facebook-Seite, versehen mit einem Bild, mit dem sich die Partei insgesamt im Stil ihrer Wahlplakate zum „TeamGinaLisa“ zählte:

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Verlinkt war ein bento-Artikel, dessen Autor Sebastian Maas behauptete, das „kaputte deutsche Recht“ bestrafe Opfer und schütze Täter. Diese harte Formulierung nahm er später selbst zurück, nachdem er sich mit den Sachverhalten des Falls näher vertraut gemacht hatte  Auf der Facebook-Seite der grünen Bundespartei ist sie bis heute, 23. August, unverändert.