Geschlechterdebatte

Genderdebatte: Der neue Feminismus als Abkehr von der Aufklärung

26. Dezember 2015, von Brendan O'Neill


Bei Promis, Politikern und an Universitäten ist der neue Feminismus der letzte Schrei. Dabei richtet sich diese Entwicklung gegen grundlegende aufklärerische Werte, wie der folgende Beitrag zeigt. Der zeitgenössische Feminismus hat sich weit von seinen Wurzeln entfernt.

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Der Aufstieg des Feminismus war eine der bemerkenswertesten Entwicklungen des 21. Jahrhunderts. Keine andere Bewegung genießt so viel politische, kulturelle und mediale Zustimmung, wie es gegenwärtig der Feminismus tut. Das führte sogar so weit, dass der britische Premierminister David Cameron unter Beschuss geriet, als er sich weigerte, in einem T-Shirt mit der Aufschrift „So sieht ein Feminist aus“ zu posieren. Der neue Feminismus scheint derart fest verwurzelt, dass allein der Umstand, kein Feminist zu sein, einen in Bedrängnis bringen kann.

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Der neue Feminismus durchdringt das politische, kulturelle und mediale Leben. Er ist ein gutes Geschäft. Der Popstar Beyoncé wackelt mit dem Hintern vor riesigen Lettern, die das Wort „Feminismus“ bilden. Verlagshäuser zahlen Feministen begeistert hohe Vorschüsse, wenn diese ihre Memoiren, die nun als Manifeste dienen, schreiben möchten. Titel wie Hot Feminist und Do It Like a woman dominieren mit einer Mischung aus Keckheit und Ratgeber die Bestsellerlisten. Zudem schießen allerorts neufeministische Blogs aus dem Boden. Beliebte Online-Magazine wie Buzzfeed und Vice preisen neufeministische Ideen an. Ebenso tun dies die Twitteraten, die zudem über jede Abweichung wachen und diejenigen strafen, die sich Feministen gegenüber ungebührlich verhalten. [1]

Wachsender Einfluss des neuen Feminismus

Man kann kaum eine Zeitung aufschlagen, ohne dabei feministische Kritik am Rechtssystem, dem Internet, an Mainstream-Politik oder Kinofilmen zu lesen. Kultur wird heutzutage an ihrer Bereitschaft gemessen, sich den Werten des neuen Feminismus zu fügen. Man nehme etwa die Empörung über den Film Gone Girl, der nicht neufeministisch genug schien oder den weltweiten Beifall zur Neuauflage des Films Mad Max, der offenbar mit einem Fest neufeministischer Ideen aufwartet. [2] Sogar Kunst und Entertainment müssen mittlerweile im Einklang mit neufeministischer Anschauung stehen.

„Es gibt sogar feministische Kriege“

In der Welt der Politik ist der neue Feminismus eine dominante Größe. Die Vorstellung, dass Frauen andere und auch bessere Politik machen, wird mittlerweile weitgehend akzeptiert. Hillary Clinton versprach, Frauenrechte zu einem tragenden Pfeiler ihres zukünftigen Handelns in der internationalen Sphäre zu machen. [3] UN-Institutionen und NGOs greifen für ihre globalen Agenden bereits auf die Sprache des neuen Feminismus zurück. Sie verwenden dabei Begrifflichkeiten wie „female empowerment“, um Maßnahmen zur Geburtenkontrolle und die Überwachung von Männern in weiten Teilen der südlichen Halbkugel zu voranzutreiben. [4] Es gibt sogar feministische Kriege: Die Besetzung Afghanistans wurde teilweise mit der Befreiung von Frauen gerechtfertigt (wobei äußerst wenig darüber diskutiert wurde, dass sie die Situation afghanischer Frauen tatsächlich eher verschlimmert hat). [5]

Somit gingen die Zeiten schnell vorüber, in denen der Feminismus als Ideologie kleiner Frauengruppierungen angesehen wurde. Stattdessen ist er nun das ordnende Prinzip weiter Teile des öffentlichen Lebens im Westen. Politik, Medien, Kultur, internationale Beziehungen, globale Konflikte – kein Bereich blieb davon unberührt.

Der Aufstieg des neuen Feminismus gibt aus zweierlei Gründen zu denken. Zunächst sind all die anderen politischen Bewegungen, als deren enger Cousin der Feminismus einst angesehen wurde, allmählich verschwunden. Die progressive, radikale Studentenbewegung gehört der Vergangenheit an. Linke Gruppierungen schrumpfen beständig. Die Antikriegsbewegung ist ein Schatten ihrer selbst. Und doch: Der Feminismus, der in seiner modernen Form zur selben Zeit wie eben diese Bewegungen aufkam, wächst rapide und findet bei jedermann gefallen – von Beyoncé bis hin zur womöglich nächsten Präsidentin der Vereinigten Staaten.

Der zweite Grund, der den Aufstieg des neuen Feminismus bizarr erscheinen lässt, ergibt sich aus dem Umstand, dass der Feminismus zumindest im Westen niemals überflüssiger war. Dankenswerterweise hat sich das Leben für Frauen in der westlichen Welt exponentiell verbessert. Nunmehr gehen in Mitteleuropa, der EU, in Nordamerika, und Lateinamerika mehr Frauen als Männer zur Universität. [6] Auch in der Schule übertreffen Mädchen die Jungen: So stellt die OECD für die Industrieländer fest, dass Mädchen und Jungen in den Naturwissenschaften gleichauf liegen, während Mädchen den Jungen im Lesen überlegen sind. Laut OECD entspricht hierbei der Leistungsunterschied dem Äquivalent eines ganzen Schuljahres.

„Der Feminismus war zumindest im Westen nie überflüssiger als heute“

Dieser Bildungsvorsprung der Frauen spiegelt sich auf dem westlichen Arbeitsmarkt wieder. In Großbritannien ist der Gender-Pay-Gap im Begriff, Geschichte zu werden. Frauen in ihren 20ern verdienen heute vier Prozent mehr als ihre männlichen Gegenparts. [7] Diese neue Stufe weiblicher Unabhängigkeit hat zum Rückgang von Gewalt gegen Frauen geführt. Frauen sind nicht mehr dazu genötigt, in erniedrigenden Situationen zu verbleiben. Häusliche Gewalt ist rückläufig – von einst einer Million Vorfällen im Jahr 1993 auf unter 400.000 in den Jahren 2011 und 2012. [8] Der neu-feministische Diskurs mit seiner Darstellung, westliche Frauen seien on- und offline tagtäglichem Grauen ausgesetzt, wirkt überaus wirklichkeitsfern.

Radikale Politikströmungen sind im Schwinden begriffen, für westliche Frauen hat sich das Leben erheblich verbessert und dennoch ist der Feminismus die modischste politische Haltung unserer Zeit. Wieso? In Teilen lässt sich der Feminismus als „Mission Creep“ betrachten: Eine alte Bewegung hat ihre ursprünglichen Anliegen weitestgehend erreicht und verwendet ihre alten Strukturen nun für andere Zwecke. Dies würde erklären, warum der neue Feminismus so versessen auf die Kultur und das Denken der Menschen ist, weshalb ihm so viel daran liegt, was und wie Menschen reden, welche Worte sie verwenden oder welche Bilder sie sehen.

Da sich Gleichberechtigung sowohl in der rechtlichen als auch in der beruflichen Sphäre durchgesetzt hat, wenden sich einige Feministen nun dem Bereich der Kultur und des Denkens zu. Aber genau dort hat ihre Politik keinen Platz. Am Ende entsteht häufig Intoleranz. Gefordert wird nicht nur die Förderung des weiblichen Engagements in der Öffentlichkeit, einschließlich der Auflösung aller diesbezüglichen Barrieren – eine durchaus gute Forderung – sondern darüber hinaus auch, dass Menschen, Kunst und Kultur Frauen in einer bestimmten – eben der „richtigen“ – Weise darstellen und über sie denken sollen. Dies wiederum ist eine illiberale Forderung.

Es sind die Feministen selbst, die den Aufstieg des Feminismus damit begründen, dass Frauen immer noch in einem „Meer aus Misogynie“ lebten, was schlicht und ergreifend nicht der Wahrheit entspricht. Männerrechtsaktivisten – die traurigsten Gestalten am politischen Firmament – meinen, der neue Feminismus beweise die wilde Entschlossenheit einflussreicher Frauen, den Burschen das Leben schwerer zu machen. Das erscheint ebenso wenig überzeugend und grenzt an eine Verschwörungstheorie.

„Der neue Feminismus ist der äußere Ausdruck des inneren Zerfalls westlicher Werte“

Es wirft aber auch eine Frage auf, die nur wenige der neu-feministischen Diskutanten beantworten können: Wie konnten diese neuen Feministen so sehr an Einfluss gewinnen? Inwiefern ist es die Gesellschaft – und weniger die Feministen selbst –, deren Amtsapparate und Eliten neu-feministische Ideen so begeisterungsvoll aufgreifen? Dabei geht es weniger um den beängstigenden Einfluss der Neufeministinnen, als vielmehr um die Empfänglichkeit der politisch, öffentlich und medial Verantwortlichen gegenüber feministischen Meinungen und Vorurteilen.

Meiner Ansicht nach lässt sich der neue Feminismus am besten verstehen, wenn man ihn weniger als eine junge aufstrebende Bewegung ansieht, sondern vielmehr als das Sahnehäubchen des westlichen Verlustes vom Glauben an sich selbst. Wir sind nicht etwa Zeugen des Aufstiegs einer neuen Ideologie oder irgendeiner Art aufkeimender Graswurzelbewegung. Stattdessen beobachten wir die unwillkürliche Darlegung und Erklärung für den Bruch des modernen Westens mit Vernunft, Ordnung, Autonomie, Wahrheit und der Aufklärung im Ganzen.

Der neue Feminismus mit seiner Infragestellung all dessen, was eine feministische Autorin einmal als „Diktat der Vernunft“ bezeichnete – also dem angeblich männlichen Glauben an die Welt als etwas Erfahrbares und Veränderbares – hat die Oberfläche der öffentlichen Debatte nicht etwa aufgrund seiner Neuheit oder Stichhaltigkeit erreicht, sondern weil er dem Niedergang alter westlicher Werte gegenwärtig den besten Anstrich verleiht. [9] Dabei geht es nicht um „Frauen gegen Männer“. Es geht nicht einmal um einen Kampf von Feministen gegen Autoritäten. Nein, der neue Feminismus ist schlicht der äußere Ausdruck des inneren Zerfalls westlicher Werte, das hinnehmbare Angesicht dessen, was wir als das nicht hinnehmbare Verwerfen jener Ideen erkennen sollten, welche unsere moderne, demokratische Welt geschaffen haben. Und in dieser Eigenschaft schadet der neue Feminismus Männern und Frauen gleichermaßen.

Kampf gegen die „männliche“ Aufklärung

Zu viele Debatten über den neuen Feminismus setzen stillschweigend voraus, dass dieses globale Phänomen mit all dem politischen, popkulturellen und publizistischen Aufsehen lediglich eine weitere Welle des Feminismus sei. Die Menschen fragen sich, ob es sich dabei um den Feminismus der zweiten oder dritten Welle handele, ob dieser Feminismus nicht zu sehr vom Dworkin’schen, sexualfeindlichen Feminismus der 1980er-Jahre beeinflusst sei und hingegen zu wenig vom eher liberalen Feminismus der 1960er-Jahre und späteren Feministen wie Camille Paglia. [10] Ferner wird die Frage gestellt, ob der neue Feminismus nicht etwa den Pro-Prohibitions-Feminismus der frühen Suffragetten-Bewegung widerspiegele und ob es denn besser sei, sich an dem autonomeren Feminismus in den 1920er-Jahren oder gar an Radikalen wie Germaine Greer in den 1970er-Jahren zu orientieren. [11]

Ganz unzweifelhaft haben all diese früheren Feminismen die gegenwärtige Diskussion beeinflusst. Und selbstverständlich – ganz wie es uns feministische Autoren unermüdlich erklären – gibt es nicht den einen Feminismus. Sogar heute, da der Konsens rund um den Feminismus sich einengend anfühlen mag – „Tragt dieses T-Shirt, sonst …“ – gibt es durchaus unterschiedliche Nuancen. Insbesondere in den USA stellen sich sogenannte „Choice-Feministen“ gegen die an Universitäten vorherrschende antiliberale Anschauung der Flugblatt-Feministen. [12] Nach Maßstäben Letzterer ist jeder auszugrenzen, der sich dem Neu-Feminismus nicht beugt und jedes Stück Kultur hat ferner als „problematisch“ zu gelten, sofern es nicht ausreichend neufeministisch ist.

„Der neue Feminismus ist eine Ideologie der herrschenden Klasse“

Und dennoch scheint hier etwas überaus neu zu sein. Der neue Feminismus ist eben nicht eine bloße Fortsetzung jener in den vergangenen Jahren rasenden Debatten. Am treffendsten lässt er sich vielmehr als eine Ideologie der herrschenden Klasse beschreiben. Er wurde zum moralischen und politischen Verbundstoff der auseinandergebrochenen, post-politischen Eliten des Westens, zu einem Mittel abgehalfterter Institutionen, um ihre moralische Selbstdarstellung zu pflegen und sich fortschreitend in weitere Bereiche des Lebens, der Sprache und des Denkens der Menschen einzumischen.

Das Faszinierendste am neuen Feminismus ist weniger die Sache an sich, sondern eher seine Auswirkung unter den westlichen herrschenden Klassen, die ihn so begeistert aufnahmen. Im Gegensatz zu vorangegangenen Feminismen steht der neue Feminismus nicht für einen Schlag gegen das politische System, sondern eher für eine Auffassung, mit welcher die Eliten ein neues politisches Narrativ zu schaffen und ihren Einfluss im öffentlichen wie auch im privaten Leben der Menschen auszuweiten hoffen.

Der neue Feminismus befasst sich auffallend intensiv mit der Bloßlegung dessen, was er wie die politischen und kulturellen Eliten als Auswuchs „männlicher Vorstellungen“ bezeichnet. Ebenso gilt sein Interesse den Grenzen aufklärerischen Denkens. Jacqueline Rose, Autorin von Women in Dark Times spricht das unverhohlen aus. „Feminismus“, so sagt sie, „sollte uns die Unvernunft in der Welt ins Bewusstsein bringen“. [13] Allzu lange habe man geglaubt, dass „die sogenannte Vernunft oder Aufklärung unserer modernen Welt“ Fortschritt und freiheitliche Menschlichkeit bringe. Dies sei eine Geschichte „des Sieges des Lichts über die Dunkelheit“, sagt sie und bezeichnet diese Vorstellung als veraltet. Was nun benötigt werde, sei eine Politik, die das „Dunkle dem Dunklen“ gegenüberstelle. Nach Rose sei das Besondere am neuen Feminismus, dass er in jenem „düsteren, schwer greifbaren Ort irgendwo zwischen [Biologie und Kultur]“ wirken könne – „einem Ort des Unvernünftigen, der durch unsere Welt verläuft“.

Rose beschreibt den neufeministischen und alarmierend interventionistischen Drang, nicht nur Gesetze und Politik, sondern ebenfalls Biologie und Kultur wie unser aller Denken und alltägliches Handeln neu zu ordnen und umzugestalten. Darüber hinaus erscheint noch viel wichtiger, dass sie den neufeministischen Wunsch vorbringt, die Unzulänglichkeiten der Aufklärung offenzulegen und uns die „Welt des Unvernünftigen“ zu zeigen, in der „wir alle wohnen“.

„Der neue Feminismus weist die Vorstellung des Menschen als desjenigen zurück, der diesen Planeten zähmt und Wohlstand verbreitet“

Diese Sicht, die im Feminismus nicht nur den bloßen Garanten der Gleichberechtigung von Männern und Frauen sieht, sondern gleichfalls ein Warnschild vor den Gefahren eines von Industrialisierung und Aufklärung geprägten Weltbildes, war einige Jahre im Gespräch. Die stalinistische Feministin Beatrix Campbell nimmt die „faustische Rücksichtslosigkeit der Moderne“ ebenso ins Visier wie „ihren Sexismus – und ihre Zerstörungskraft“. [14]

Sie stellt Wachstum und Fortschritt als männliche Werte dar, die der Feminismus wieder einmal in Frage stelle. „Machismo, manische Produktivität gründet sich auf Gewalt“, sagt sie. „Sie verherrlicht die Unterwerfung der Natur und andere Menschen“. Dem Feminismus gehe es hingegen darum, eine Gesellschaft zu schaffen, die „atmen, Leben spenden, wachsen, ruhen und sich bereinigen könne“ – weil es diese Dinge seien, die Frauen täten. Die „männliche“ Moderne wolle produzieren, wachsen und die Natur kontrollieren, wohingegen weibliches Denken sich dem Vorantreiben von Menschlichkeit widme. Nach den Worten Roses gehe es dem weiblichen Denken um das Erkennen, dass das starre Kontrollstreben der Menschheit, ihr unerschütterlicher Glaube an die eigene Überlegenheit und der Versuch, die Ungewissheiten dieser Welt beherrschen zu können, zum Scheitern verurteilt seien. [15]

In ganz fundamentaler Weise ist es genau das, was der neue Feminismus verkörpert. Es handelt sich um den Ausdruck jener inneren Geringschätzung, die der post-aufklärerische Westen der Vorstellung der Vorherrschaft des Menschen und seiner Vernunft entgegenbringt – eine Zurückweisung der Vorstellung des Menschen als desjenigen, der diesen Planeten zähmt und Wohlstand verbreitet.

An dieser Stelle sei betont, dass nicht Feministen diese Idee der Aufklärung zerstört haben. Im Gegenteil ist das Bekenntnis des Westens zur Aufklärung schon seit Jahrzehnten im Abnehmen begriffen. Zum Ausdruck kommt dies allerorten vom Aufkeimen des Relativismus in der akademischen Welt über die Aushöhlung universeller Menschenrechte durch den Multikulturalismus bis dahin, dass man den Nutzen von Industrie und Wachstum vor dem Hintergrund des Umweltschutzes in Frage stellt. Nein, was der neue Feminismus repräsentiert, ist die jüngste – und gegenwärtig einflussreichste – Manifestation eines anti-aufklärerischen Denkens, das der Westen selbst hervorgebracht hat. Es entspricht dabei dem westlichen Verlust an Zuversicht, die Welt – einer modernen Mission entsprechend – im Sinne des Menschen zu gestalten.

„Der neue Feminismus ist als fortschrittszersetzende Kraft zu sehen“

Aus diesem Grund wird der neue Feminismus vor allem dort verkündet, wo die Werte der Vernunft, Autonomie und Gerechtigkeit vorrangig sind oder es zumindest sein sollten. Genau hier, wo die Aufklärung vorherrscht, erzeugt der Feminismus die größte Zugkraft. Warum? Weil der neue Feminismus als fortschrittszersetzende Kraft zu sehen ist. Die westlichen Gesellschaften selbst geben ihr mittels ihrer eigenen Institutionen freie Bahn. Lassen Sie uns drei Bereiche beleuchten, in denen neufeministisches Denken im Aufkommen begriffen ist.

Neuer Feminismus in der Politik

Die politische Klasse hat neufeministisches Denken viele Jahre lang bewusst befördert und sie tat dies, indem sie Politik aufweichte und deren Betonung auf Vernunft und Urteilsvermögen durch Pathos und Konsens ersetzte. Gemäß einer wissenschaftlichen Studie „findet die Annahme, dass Frauen anders Politik machen als Männer breite Zustimmung“ im Westen. [16] Viele argumentieren, dass Frauen eine „freundlichere, sanftere Politik“ betreiben würden. Weiblichen Politikern wird nachgesagt, eine Politik zu schaffen, die „eher durch Kooperation als durch Konflikte, eher durch Zusammenarbeit als durch Hierarchien geprägt“ sei. [17]

Im Besonderen feiert der neue Feminismus die Verdrängung der selbstbezüglichen Werturteile der alten, feindlichen politischen Klasse durch die Frauen. [18] Letztere täten dies mittels eines neuen Ansatzes: Staatstätigkeit, die auf Emotionen basiere und darum einen „neuen zivilisierenden Einfluss“ mit sich bringe. Diese sogenannte Feminisierung der Politik wird wahrscheinlich zunehmen, falls Hillary Clinton die nächste amerikanische Präsidentin wird. Da sie sich selbst als „Obergroßmutter“ bezeichnet und darüber redet, wie Frauen sich gegenseitig unterstützen, anstatt sich gegenseitig zu bekämpfen, wurde Clinton von der Washington Post als die Person umjubelt, die das Verständnis von Führung neu formen und die westliche Politik des 21. Jahrhunderts stärker konsensorientiert, leidenschaftlicher und fürsorglicher werden lassen könne. [19]

Die gefeierte Feminisierung der Politik ist insofern bemerkenswert, als sie erstens aufzeigt, dass der neue Feminismus althergebrachte Vorstellungen von Weiblichkeit und insbesondere damit verbundener Mütterlichkeit wiederbelebt. Auf solche Weise, betonen Kritiker, könne man Frauen ebenso von der Politik abstoßen: „Diese Betonung eines femininen, konsensorientierten Stils kann Frauen vielmehr aus der Politik ausschließen, indem es ihnen den Eindruck vermittelt, sich in feindseliger Umgebung nicht mit Erfolg behaupten zu können“. [20]

Und zweitens stellt das „Besänftigen“ der Politik die Politik als solche in Frage, wie sie in der modernen Zeit verstanden wurde: als ein Aufeinandertreffen widerstreitender Visionen, ein Aufgebot sachlich-logischer Argumente im Bemühen, den Gegner im Wettstreit um die öffentliche Meinung zu besiegen. Nunmehr aber geht es in der Politik – mit den Worten der Washington Post – um „Kooperation, Konsens und Wärme“. [21] In seiner Essenz steht dies für ein Verwerfen moderner demokratischer Politik zu Gunsten des Pathos und des elitären Versprechens, für die Bürger zu sorgen – ganz, wie man es aus früheren Zeiten vor der Aufklärung kennt.

„In der neufeministischen Haltung wird Intuition über den Verstand gestellt“

Das westliche Unbehagen im Hinblick auf die Politik als ein Werkzeug herausfordernder, rationaler Debatten, ja, der westliche Unmut über die Idee der Vernunft und des logischen Urteils als solchem, kommt im öffentlichen Leben zunehmend durch die Übernahme einer neufeministischen Haltung zum Ausdruck. Dabei wird Intuition über den Verstand gestellt und das Umsorgen des Bürgers ist wichtiger als sich mit ihm als mündiges, vernunftbegabtes Subjekt sowie als Quelle demokratischer Autorität auseinanderzusetzen. Im Laufe dieses Prozesses werden wir in ein vormodernes Zeitalter zurückgetrieben, in der Politik weitgehend als Instrument betrachtet wurde, Debatten zu unterdrücken und menschliche Grundbedürfnisse zu befriedigen.

Neuer Feminismus in der Wissenschaft

Inzwischen haben Feministen über viele Jahre hinweg das aufklärerische Ideal der rationalen Erkenntnis in Frage gestellt. Dies betrifft sogar die Auffassung von der Welt als etwas Begreif- und Verstehbares. In den 1990er-Jahren stellte die amerikanische, feministische Philosophin Sandra Harding feministische Arten des Wissens dem gegenüber, was sie als „stramm verteidigte Barrikade der Vernunft, Rationalität, wissenschaftlicher Methode und Wahrheit“ bezeichnete. [22] Sie beschrieb den Feminismus als „ambivalent mit dem aufklärerischen Glauben an die Methoden der Wissenschaft“. Die feministische Autorin Jane Flax unterzog im Jahr 1989 „fehlerhafte Annahmen der Aufklärung“ ihrer Kritik und schloss damit den optimistischen Glauben ein, dass Menschen sich in ihrem eigenen Interesse rational verhalten und dass die Struktur der Wirklichkeit durch Logik und Schlussfolgerung erschließbar ist. [23]

Die neufeministische Ansicht, dass auf Vernunft gegründetes Wissen irgendwie „männlich“ sei, durchdringt große Teile der westlichen akademischen Gemeinde. Unter dem wachsenden Einfluss neufeministischer Theorien wurden an Universitäten Literaturlisten in Frage gestellt, sobald diese weitgehend männliche Autoren enthielten, wobei der Schwerpunkt auf große männliche Autoren der Vergangenheit salopp als „chauvinistisch“ bezeichnet wurde. Zudem wurden zunehmend bestimmte, klassische Texte als frauenfeindlich eingestuft.

Das Phänomen der „Trigger-Warnungen“, bei dem Studenten fordern, bestimmte Bücher mit „verstörendem“ Inhalt sollten mit einem Warnhinweis versehen werden, ist die logische Konsequenz aus der neufeministischen Darstellung von Wissen als etwas potentiell Gefährliches. Feministische Studenten befinden sich häufig an vorderster Front, wenn es um das Fordern von Trigger-Warnungen geht. An der Columbia Universität New York City etwa bestand man auf einem Warnhinweis für Orvids Metamorphosen. [24] Begründet wurde dies damit, dass man Studenten nicht mit diesem Werk die „Schönheit der Sprache“ vorführen solle, da die Mythensammlung auch Bezüge zu sexueller Gewalt enthalte.

„Wissen wird als etwas potentiell Gefährliches dargestellt“

Man ist versucht, diese Studenten, die Literatur an sich als eine Form des Missbrauchs ansehen, schlicht als Verrückte abzutun. Allerdings sind sie lediglich das Ergebnis einer akademischen Gemeinschaft, die jahrzehntelang neufeministische Überzeugungen bezüglich der Unsinnigkeit „männlichen“ Denkens und bezüglich des Sexismus klassischer Texte bereitwillig aufgegriffen hat. Es fing im Jahr 1986 an, als Sandra Harding Newtons Principia Mathematica – einer der wissenschaftlichen Schlüsseltexte der Menschheit – als „Anleitung zur Vergewaltigung“ bezeichnete, weil Newton und andere moderne wissenschaftliche Denker die Natur als etwas betrachteten, das man plündern, kontrollieren, „vergewaltigen“ solle. [25]

Wenig überraschend wurde die Beschreibung der Natur durch Francis Bacon, einen revolutionären Wissenschaftler des 16. Jahrhunderts, anschließend als frauenfeindlich gebrandmarkt, da er die Natur als eine „sie“ beschrieb, deren Geheimnisse gelüftet werden sollten, was Neufeministen als Beweis dafür erachteten, dass das neue wissenschaftliche Weltbild von „sexuellen und sexistischen Vorstellungen“ durchdrungen sei. [26] Jahrelang haben neufeministische Kritiker auf Vernunft gegründetes Wissen als invasiv, als eine Form von Vergewaltigung der Natur, von Tradition und alternativen Denkweisen dargestellt. Wir wundern uns nun, warum die heutigen Studenten diese Ideen als beleidigend, missbräuchlich und als Gewalt betrachten.

Die Umdeutung des Wissens zu etwas weitgehend Voreingenommenen, ja sogar Tyrannischen, wird zunehmend auch in Schulen wiedergegeben. Im Westen bewegen sich Schulen fort von einem von oben nach unten vermittelten Wissen hin zu einem weniger strukturierten „Teilen von Informationen“. [27] Ein Kritiker dieser neuen, lockereren Art des Lernens merkt an, dass „die Struktur von Klassenräumen eine Feminisierung erfahren“ habe, so dass „Lehrer nicht mehr vor der Klasse stehen und von Kindern erwartet wird, selbstgesteuert in offenen leistungsheterogenen Klassen zu lernen“. [28] Und weil – so die Kritik – Jungen eine „disziplinierte“ und „geordnete Lernumgebung“ benötigten, fielen sie unvermeidlich zurück.

Mit dem Wissen verhält es sich hier wie mit der Politik: Die maßgebende Dynamik besteht nicht in einer unheilvollen Invasion von Bildungseinrichtungen durch Feministen, wie uns das Männerrechtsaktivisten glauben machen wollen. Vielmehr übernehmen diese Institutionen neufeministisches Denken als vermeintlich progressive Fassade für ihre eigene Entfremdung von den Werten der Vernunft und dem Ideal der Erkenntnis, und zwar als Vorwand für ihre bereits bestehende innere Entrückung von den Errungenschaften der Moderne, der Vermessenheit der Wissenschaft, dem Menschen als Zentrum der Erkenntnis und vielleicht sogar von der Transformation der Natur.

Neuer Feminismus in der Justiz

„Das Gesetz ist Vernunft, frei von Leidenschaft“, sagte Aristoteles. Besonders in modernen Zeiten war die Vorstellung vom Gesetz als etwas notwendigerweise Kühles, idealerweise frei von Unbesonnenheit und Vorurteil, ein zentraler Grundsatz demokratischer Gesellschaften. Doch dies ist im Wandel begriffen, und zwar abermals in Folge aufstrebender neufeministischer Theorien. Alles, angefangen bei der Transparenz der Justiz, insbesondere der Vorstellung, dass die Öffentlichkeit zu allen Informationen eines Strafprozesses Zugang haben müsse, bis hin zum Prinzip des harten, rationalen Kreuzverhörs von Zeugen im Sinne der Wahrheitsfindung wird nunmehr unter Verweis auf frauenfreundlichere Verfahren in Zweifel gezogen.

„Anonymität in Vergewaltigungsprozessen schafft einen gefährlichen Präzedenzfall“

Kreuzverhöre bei der Verhandlung von Sexualdelikten wurden als reviktimisierend beschrieben, als würde man „wieder und wieder vergewaltigt“. [29] In Großbritannien urteilte kürzlich ein Berufungsgericht, dass bei Anwesenheit eines „verletzlichen“ Zeugen, speziell im Fall von Sexualdelikten, „Grundregeln“ zum Kreuzverhör vorab vereinbart werden müssten. Der Spiked-Redakteur Luke Gittos bezeichnete dies als „Rücksicht gegenüber dem Opfer“, die dazu beitrage, „den Weg zu Gerechtigkeit, Objektivität und Wahrheit in unseren Gerichten zu behindern“ [30]. Anonymität in Vergewaltigungsprozessen, die von neufeministischen Denkern rücksichtslos vor Kritik geschützt wird, schafft einen gefährlichen Präzedenzfall, der die Transparenz der modernen Justiz unterminiert – und zwar, indem hier der Öffentlichkeit die Möglichkeit verwehrt wird, am Vorgehen der Justiz in einem wichtigen Gebiet des Strafrechts teilzuhaben.

Jüngere Entwicklungen zur „Feminisierung“ der Justiz, so zum Beispiel, dass Opfern ein größeres Mitspracherecht und sogar das Recht eingeräumt wird, zum Prozessende therapeutische Stellungnahmen vorzubringen, stellen konkret jenes Ideal in Frage, nach dem das Gesetz „Vernunft, frei von Leidenschaft“ zu sein hat. Und dennoch wird dies von neufeministischen Beobachtern gefeiert. Laut den Autoren des Buches Gender and Judging zieht ein solch feminisierter Ansatz die „Ideologie einer gesichtslosen, neutralen Justiz in Frage. [31]“ Karima Bennoune, eine amerikanische Juraprofessorin, bejubelt die Art und Weise, wie diese weltweite Feminisierung „die Umrisse des Rechts“ verändere, indem die „zentrale Aufmerksamkeit den Opfern“ gelte und Empathie über kalte Analyse gestellt werde. [32]

Allerdings war die „Ideologie“ der gerichtlichen Neutralität ein Schlüsselelement der allgemeinen Justiz und gewährte Fairness in Anbetracht des Machtgefälles zwischen dem Staat und dem Beschuldigten. Die „Umrisse des Rechts“, die verlangten, den Ankläger einerseits mit Respekt, andererseits aber auch mit Skepsis zu betrachten, statt ihm einen Heiligenschein zu verleihen, sollten sicherstellen, dass jede Anschuldigung, jede Behauptung einer gründlichen Prüfung unterzogen wird, ehe der Beschuldigte seiner Freiheit beraubt wird. Einer Gesellschaft, die das Gut der Freiheit ernst nimmt, wird daran gelegen sein, dass Strafprozesse so leidenschaftslos und gründlich wie nur möglich ablaufen, da hier ein Individuum im Begriff ist, etwas unfassbar Wichtiges zu verlieren: seine Freiheit.

Das neufeministische Bestreben, die Justiz in eine Ära zu führen, in der gerichtliche Neutralität als grundsätzlich schlecht gilt und in der Opfer vor strengen Kreuzverhören bewahrt werden, verleiht dem Rechtssystem etwas Voraufklärerisches, ja sogar Rachsüchtiges. Man beachte hierzu Äußerungen der Neufeministin Caitlin Moran. [33] Sogar Männer, die ihre Strafe für Sexualdelikte verbüßt hätten, sollten – so Moran – ihr Leben „zu Asche verfallen sehen“ und „öffentlich als unendlich schrecklich, erbarmungslos beschämend, ohne Aussicht auf Vergebung“ angeprangert werden. Hinter der „Feminisierung“ des Rechts scheint ein mächtiger, vormoderner irrationaler Drang nach Rache hindurch, ganz im Gegensatz zu Aristoteles’ „Vernunft, frei von Leidenschaft“.

Fazit

In allen zuvor aufgeführten Bereichen – Politik, Wissen, Justiz – besteht das Problem nicht in einer feministischen Invasion. Es liegt stattdessen im Unbehagen des Westens gegenüber jenen Werten begründet, auf denen er einst gebaut wurde: Vernunft, Wahrheit und Freiheit. Doch diejenigen, die uns regieren, unsere kulturellen und akademischen Eliten, können nicht einfach sagen, „Wir sind gegen diese Dinge, wir haben die Aufklärung hinter uns gelassen“. Und so greifen sie instinktiv nach neuen Werten, nach einer Möglichkeit, ihre Entfremdung von den Idealen der Moderne auf eine Weise auszudrücken, die sie eher progressiv als regressiv erscheinen lässt. An diese Stelle tritt der neue Feminismus, der um den Zerfall aufklärerischen Denkens eifert und der von jenen übernommen wird, die einst Verfechter der westlichen Lebensweise waren und es nun darauf absehen, Schlüsselelemente eben dieser Lebensart zu verwerfen. Vernunftgeleitete Politik ist nunmehr kalte Männlichkeit, Streben nach Erkenntnis, insbesondere auf wissenschaftlichem Gebiet, ist gleichbedeutend mit der Vergewaltigung der Natur und in der Welt des Rechts werden Strenge und Vernunft zu einer „Ideologie der Neutralität“ umgedeutet, die Opfer angeblich erniedrigt.

Der neue Feminismus ist das Gewand eines Herrschers, der alte, progressive Ideen abwirft, dies aber nach etwas Fortschrittlichem, Frauenfreundlichem aussehen lassen will – entgegen dem, was es eigentlich ist: menschenfeindlich, ein Zurückdrehen unserer Errungenschaften der Moderne. Und das ist schädlich, sowohl für Männer als auch für Frauen.

Das Endergebnis? Der neue Feminismus – oder vielmehr seine Akzeptanz und Verbreitung durch relativistische, illiberale Eliten – hat eine neue Misanthropie großgezogen. Heute befördert der Feminismus das Misstrauen in die Menschheit umfassender als beinahe jede andere Bewegung. Mit seiner Panikmache rund um sexuelle Belästigung und Vergewaltigung, seiner verstörten Darstellung von Hochschulen als Hochburgen männlichen Missbrauchs, seiner Beschreibung des Westens als „Meer des Chauvinismus“, seiner Verunglimpfung des Internets als Ort verdorbener Äußerungen, seiner Behauptung, dass unsere Straßen gefährlich seien und mit seinem Blick auf das Zuhause – dem Herzen in einer herzlosen Welt – als ein Ort der Gewalt gegen Frauen und Kinder vermittelt der neue Feminismus den Eindruck, dass die Menschheit verkommen und unzuverlässig ist und darum einer genaueren Kontrolle und Zensur bedarf, um ihre Leidenschaften und Auswüchse in Grenzen zu halten. Wir werden hier abermals Zeugen dessen, wie das Misstrauen der modernen Gesellschaft gegenüber der Menschheit in den Vordergrund rückt und dabei wieder einmal in neufeministischem Gewand daherkommt, statt seine wahre Gestalt zu zeigen. In demselben Maße, in dem die Werte der Aufklärung aus den Fugen geraten, wird die Bevölkerung zunehmend als Problem erachtet, das Führung erfordert, und weniger als empfindungsfähiger Demos, der zu Größe und Freiheit fähig ist.

Der neue Feminismus, dieser globale Lizenzbetrieb, dieses popkulturelle und politische Phänomen, ist nicht wirklich eine Bewegung. Ebenso wenig ist er, wie von Männerrechtsaktivisten behauptet, eine feministische Verschwörung gegen die Männer. Viel eher ist er der kühnste Ausdruck einer Mainstream-Misanthropie und der Abkehr des Westens von der Aufklärung. Die „männlichen“ Werte, die hier unter Beschuss geraten, sind tatsächlich nicht weniger als die universellen Werte von Vernunft, Autonomie, Fortschritt und Wahrheit – Werte, die Männer wie Frauen gleichermaßen benötigen und auch verdienen. Vergessen wir den „Krieg der Geschlechter“. Wir brauchen weder einen neuen Feminismus noch eine Männerrechtsbewegung. Wir benötigen Männer und Frauen, die zusammenfinden und gemeinsam gegen den Illiberalismus und die Rückwärtsgewandtheit des modernen Westens – wie sie in neufeministischer Terminologie oft zum Ausdruck kommen – ankämpfen. Was wir brauchen, ist Humanismus.

Aus dem Englischen übersetzt von Kevin Fuchs.

Brendan O’Neill ist Chefredakteur des britischen Novo-Partnermagazins Spiked, wo dieser Beitrag unter dem Titel „Feminism and the turn against Enlightenment” zuerst erschienen ist.

 

Anmerkungen

1) Jennifer Cockerell: „Twitter ,trolls‘ Isabella Sorley and John Nimmo jailed for abusing feminist campaigner Caroline Criado-Perez“, The Independent, 24.01.2014.
2) Jessica Valenti: „Sexists are scared of Mad Max because it is a call to dismantle patriarchies“, The Guardian online, 27.05.2015.
3) Jaime Fuller: „Hillary Unveils Her Plan to Advance Women’s Rights (and Her Own Campaign)“, New York Magazine online, 23.04.2015.
4) Brendan O’Neill: „Think the Earth is finite? Think again“, Spiked online, 08.11.2010.
5) Liberating the Women of Afghanistan“, The New York Times online, 24.11.2001.
6) The weaker sex”, The Economist online,17.03.15.
7) Gaby Hinsliff: „Young women are now earning more than men – that’s not sexist, just fair“, The Guardian online, 27.11.15.
8) Richard Ford: „Murder rate drops, but mind your bags and padlock the garden shed“, The Times online, 19.07.2015.
9) Jacqueline Rose: „,We need a bold, scandalous feminism‘“, The Guardian online, 17.10.14.
10) Stuart Jeffries: „Are we human?“, The Guardian online, 12.04.2006.
11) Nick Gillespie / Todd Krainin: „Everything’s Awesome and Camille Paglia Is Unhappy!“, reason online,19.03.2015.
12) Rose, s. Anm. 9.
13) Rose, s. Anm. 9.
14) Beatrix Campbell: „Why I turned from red to Green“, The Guardian online, 18.11.2009.
15) Rose, s. Anm. 9.
16) Sarah Childs: A Feminised Style of Politics? Women MPs in the House of Commons“ in British Journal of Politics and International Relations, Heft 6, 2004, S. 3–19.
17) Childs, s. Anm. 16.
18) Sylvia Shaw: „The difference women make: a critique of the notion of a ,women’s style‘ of speech in political contexts.“ in: 42nd Annual Meeting of the British Association of Applied Linguistics (BAAL), 3–5.09.2009.
19) Jena McGregor: „How a Hillary Clinton campaign could reshape what leadership looks like“, The Washington Post online, 25.02.15.
20) Childs, s. Anm. 16.
21) McGregor, s. Anm. 19.
22) Sandra Harding: „Feminism, Science, and the Anti-Enlightenment Critiques.“ in: Ann Garry / Marilyn Pearsall (Hg.): Women, Knowledge, and Reality: Explorations in Feminist Philosophy. Zweite Ausgabe , Routledge 1996, S. 298–320.
23) Jane Flax: „Is Enlightenment Emancipatory?“ in: dies.: Disputed Subjects (RLE Feminist Theory): Essays on psychoanalysis, politics and philosophy, Routledge1993, S. 75–91.
24) Elizabeth Nolan Brown: „Classical Mythology Too Triggering for Columbia Students“, reason online, 12.05.2015.
25) Sandra Harding: Biographie auf Wikipedia, Zugriff am 16.09.15.
26) Science for the people: „The present war“, Mai/Juni 1982.
27) Alexandra Smith: „Feminised curriculum ,has thrown boy out with bathwater‘“, The Guardian online, 13.06.2006.
28) Kevin Donnelly: „Teaching has become feminised and boys lose out“, The Age online, 21.11.2013.
29) Amelia Gentleman: „Prosecuting sexual assault: ,Raped all over again‘“, The Guardian online, 13.04.2015.
30) Luke Gittos: „We Should Cross-Examine this Watering Down of Justice“, Spiked online, 9.12.2014.
31) Ulrike Schulz / Gisela Shaw (Hg.): Gender and Judging (Onati International Series in Law and Society), Hart Publishing 2013.
32) Joanna Hoffman: „Karima Bennoune on Feminism, Solidarity and Fundamentalism“, Peace is loud, 5.05.2015.
33) Emine Saner: „The Gone Girl backlash: what women don’t want“, The Guardian online, 07.10.2014.

 

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Kommentare   

0 # RE: Genderdebatte: Der neue Feminismus als Abkehr von der AufklärungGereon 2015-12-27 09:59
Kann mir mal irgendjemand ein Beispiel dafür nennen, das irgendetwas durch die massive Frauenbevorzugung und Frauenhochjubelung besser geworden ist?

Frauen machen bessere Politik?
Mit Verlaub, Merkel und ihre tricksende und täuschende Mädchenmannschaft ist die verheerendste Kanzlerschaft seit Hitler und H. Clinton hat ihre kriegstreiberische Maske auch schon öfter fallengelassen. Da gab es mal ein Interweiv, wo sie begleitet von dreckister Lache feixend von den völkerrechtswidrigen Angriffskriegen sprach, die sie plant.

In den Medien sind Frauen die willfährigsten Lügner und Fälscher, man denke an G. Altai oder die unsäglichen Frauenquotenausrutscher beim ZDF, die alles erzählen , nur nichts, was irgendwie wahr und unverdreht ist.

Bildung, Forschung und Lehre fallen grade hinters Mittelalter zurück, aber man jubelt über Frauenzahlen mit Abitur und Frauenüberschuß an Universitäten.

Im öffentlichen Bau und Investitionswesen geht, wenn überhaupt, nur etwas mit doppelter bis dreifacher Umsetzungszeit und fünffach gesteigenen Kosten, aber man jubelt darüber , das öffentliche Aufträge nur an Firmen mit überhöhter Frauenbevorzugung gehen.

Seit Frauengleicherberechtigun g und Frauenbesserstellung grassieren, fallen wir in allen Bereichen zurück, sogar der Rechtsstaat wird aufgegeben, offen Faschismus propagiert, Inquisition wird gutgeheissen, Meinung ist wieder gefährlich.

Und zu schlechter Letzt: Seit der von Frauen besonders geförderten Invasion junger muslimischer Männer in Europa und bes. Deutschland , Niederlanden und Schweden steigen die Vergewaltigungszahlen wieder. Jubel Jubel Jubel!

Ich bin uneingeschränkt dafür, das Problem an der Wurzel zu packen. Qualifikation durch Leistung, nicht durch Muschi.
Antworten
0 # Beachtlich.Wolf-Dieter Busch 2015-12-28 11:26
Der Feminismus als ideologisches Vehikel zur Abkehr vom Rationalismus: die Idee ist beachtlich. Verdient, als Verständnishilfe vertieft zu werden.

Zur Vermeidung von Missverständnissen: das Phänomen ist und bleibt eine Begleiterscheinung des Niedergangs des Kapitalismus. Nur hier muss ein sinnvoller ökonomischer und sozialer Umbau stattfinden.
Antworten
0 # Wahrnehmungsverzerrung: Frühere Feminismen waren genauso radikal und zerstörerischJan Deichmohle 2015-12-28 23:57
So wichtig feminismuskritische Argumente wie in obigem Artikel sind, wird allgemein ein Denk- oder Wahrnehmungsfehler gemacht, indem angenommen wird, frühere Feminismen seien weniger radikal, zerstörerisch, irrational und männerhassend gewesen. Das ist ein Irrtum und ist mit zahlreichen Quellen bewiesen. Siehe Buchreihe "Die beiden Geschlechter", in denen auch der Grund für solche verzerrte Wahrnehmung erklärt wird. http://www.amazon.de/s/field-keywords=Deichmohle+Geschlechter
Antworten
0 # Jan Deichmohle hat recht: Dieser Feminismus ist nicht neu (Teil 1)WikiMANNia 2016-01-04 19:54
Der Feminismus basierte schon immer seit seinen Anfängen auf Männerfeindlichkeit.

Der Feminismus hat aber die Ideologie der bösen Männlichkeit nicht erfunden. Das Stereotyp vom unmoralischen, gewalttätigen, sexuell unersättlichen Mann ist weit vor dem Feminismus entstanden, an einer historischen Schlüsselstelle: zu Beginn der Moderne, um 1800. Die Geburt des maskulinen Zerrbildes ist also unmittelbar mit der Geburt der modernen Gesellschaft verbunden, seither schreiten beide, Moderne und verteufelte Männlichkeit, gemeinsam und untrennbar durch die Historie.

Das Unbehagen an der Moderne wurde zum Unbehagen am Mann. Und umgekehrt.

Diese Analyse beantwortet die Frage, warum das "Unbehagen am Mann" gerade heute, in Zeiten der Globalisierung, die ein Prekariat und Abstiegsängste der Mittelschicht wachsen läßt und der Bevölkerung die Hilflosigkeit von Politikern vor Augen führt, seinen schrillen Karriere-Höhepunkt erreicht. Der eigentliche Gegner ist gesichtslos und nicht zu fassen: sind es die Rating-Agenturen, die Banken, die Hedgefonds, die Börsen, die Märkte, der Kapitalismus an sich? Sie allesamt agieren logisch, und der Verbraucher, der sein Erspartes vermehrt wissen will, ist freiwillig-unfreiwilliger Mitakteur. Das Alles ist viel zu komplex für einfache Rezepte. Der Mann dagegen ist dingfest zu machen, und ein Sündenbock muß nun einmal her.

Nichts anderes gilt im privaten Verhältnis zwischen Mann und Frau. Kommt es zu Krisen, Trennungen, Streitigkeiten: das Feindbild "Mann" steht. Und Gesetzgebung und Justiz stehen ihm zur Seite.

"Männlichkeit muss gar nicht erst durch nachprüfbare Kausalketten mit dem Unerwünschten verknüpft werden. Sie erfüllt eine viel schlichtere Aufgabe: Sie ist die Kurzformel für Missstände aller Art. So wie wir gelernt haben, schneller Reize wegen Bildschirme und Plakatwände mit nackten Frauen zu füllen, so haben wir uns antrainiert, jedem Problem einen männlichen Defekt beizugesellen, der es irgendwie verursacht haben soll."

Vor der Befreiung von diesem Missverständnis erhebt sich eine hohe Hürde; sie besteht in einem Irrtum der Geschlechterwissenschafte n. Die gehen mehrheitlich davon aus, zu Beginn der Moderne habe der Mann sich selbst zum Inbegriff des Menschlichen erklärt, als überlegenes Geschlecht, rational, moralisch und fehlerlos. Im Unterschied zur emotionalen, häuslichen und einfältigen Schwundform des Menschen namens Frau. Als "Mann plus, Frau minus" wurde dieses vermeintliche Denkmodell bezeichnet - um es als patriarchal und anmaßend zu bekämpfen.

Nur leider: Es ist bloß ein Mythos. Um 1800 kam als eigentliche historische Neuerung vielmehr ein Diskurs auf, der Männer als naturhaft unmoralisch, gewalttätig, egoistisch, asozial, hypersexuell, gefühlskalt, kommunikationsunfähig und verantwortungslos charakterisierte. Die Vorwürfe begannen etwa um 1765. Im Jahre 1779 wusste der schottische Aufklärer William Alexander bereits: "Der Mann ohne weibliche Begleitung ist ein gefährliches Tier der Gesellschaft."

Kurz darauf sieht der deutsche Bildungsreformer Wilhelm von Humboldt in naturaler Männlichkeit nichts als "Härte und Gewaltthätigkeit", nur "Einseitigkeit" und "Mangel", was ihn zur Schlussfolgerung verleitet: dass "sich der Mann von seinem Geschlecht lossagen und sich dem Weiblichen nähern müsse, um wahrer Mensch zu werden". Die SPD hat von ihm gelernt.

Andere bürgerliche Denker, die heute keiner mehr kennt, finden in Männern nichts als "Egoismus der gröbsten Art, instinktmäßigen Eigennutz" und eine "grausame und gleichgültige Natur". Kein Wunder, dass von diesem bloßen "Stück kalter Vernunft" nur das Übelste zu erwarten ist: "die Gefühllosigkeit der Männer vernichtet die Menschlichkeit".

Vieles von dem, was um 1800 zum Standard von Männlichkeitsbeschreibung en wird, lässt heutige Radikalfeminismen zu Poesiealben-Prosa verblassen. Alle Männer sind Vergewaltiger? Klar, schreibt John Millar 1787, nennt es allerdings "universale Prostitution", die Männern den Frauen aufzwängen. Diese wiederum verfolgten unbeirrt ihren Weg, denn wo "es auf Vernunftgebrauch ankam, scheint immer das Weib die Bahn gebrochen zu haben ...". So schreibt es 1793 Theodor Gottlieb von Hippel, ein enger Freund von Immanuel Kant.

Solche Einlassungen sind nicht als Randdiskurs misszuverstehen, denn in Aberhunderten Quellen der Zeit, in Büchern, Aufsätzen, Traktaten, finden sich die Spuren dieser aufkeimenden Überzeugung, die bedeutendsten Philosophen von Adam Smith über Kant zu Hegel wirken an ihr mit, bis dieses "Wissen" vom Mann um 1850 schließlich Eingang in die Lexika findet und kanonisch wird. (Erst dann kommt auch der Gedanke auf, die Guten und die Schlechten zu sortieren: Das Kommando "Frauen und Kinder zuerst" fällt erstmals 1852 auf einem Schiff Ihrer Majestät, Königin Viktoria.)

An vorderster Front agitiert Johann Gottlieb Fichte, der Philosophenstar nach Kant. Die Beschäftigung mit ihm ist besonders aufschlussreich, weil er das Geschlechterdenken der Moderne wie kein anderer auf den Punkt bringt. Gemeinhin wird er als übelster Frauenfeind geführt, denn in der Tat: Er spricht verheirateten Frauen jegliches Recht ab und verlangt, sie hätten alle Individualität aufzugeben, um sich ganz dem Manne zu unterwerfen.

Aber warum? Weil der Mann derart überlegen ist und von solch höherer Beschaffenheit, dass sie vor ihm zu kriechen habe? Keineswegs! Der Grund klingt weitaus hässlicher für den Mann, von dem Fichte vermutlich das abfälligste, das heimtückischste Bild zeichnet, das je entworfen wurde.

Männer sind für ihn pure Triebtiere, allein der "niedern Sinnlichkeit" nachjagend, der "Geschlechtslust" - worin das "Wesen der Unmoralität" besteht. Sie sind restlos unfähig zu lieben, auch können sie keinerlei menschlich-warmen Kontakt zu ihren Kindern aufnehmen, allein die Vermittlung durch die Ehefrau kann das Gröbste lindern. So autistisch sind Männer in sich verpuppt, so sehr dem primitivsten Egoismus verhaftet - philosophisch feinsinnig formuliert: der Verabsolutierung ihrer Subjektivität -, dass Fichte sie als Prototyp des "absoluten Bösen" brandmarkt. In der säkularen Moderne ersetzt der Mann den Teufel als Eichmaß des Abscheulichen.

Und wo ist Rettung aus dieser Kältekammer des Männlichen? Man ahnt es: bei der Frau natürlich. Nur sie, und nur sie allein, ist zur Liebe und damit zur Ehe fähig - dem Ort, darin ist Fichte kategorisch, "aller Moralität". So kann allein sie den Mann zivilisieren und die bürgerliche Gesellschaft zu einer leidlich anständigen machen: indem die Frau sich unter Aufgabe aller Individualität und aller Rechte unterwirft, um durch die Übergröße ihres Opfers im Manne wenigstens ein paar moralische Anwandlungen zu wecken. Und diese dann im Laufe der Ehe so weit zu nähren, dass der Mann wider seine Natur zum brauchbaren Mitglied der Gemeinschaft emporsteigt.
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0 # Jan Deichmohle hat recht: Dieser Feminismus ist nicht neu (Teil 2)WikiMANNia 2016-01-04 19:56
So gewalttätig, so furchterregend für beide Geschlechter präsentiert sich der Ur-Gedanke der modernen Männerskepsis.

Er ist auch eine Revolution: Als erste Epoche erzählt die Moderne keine Heldengeschichte der Männer, sondern eine Problemgeschichte. Das schließt nicht aus, zivilisierte Männer, die ihre Natur hinreichend überwunden haben (Neue Männer), als Vorbild zu verherrlichen - es gibt um 1800 stets auch die Perspektive auf eine taugliche, weil reformierte Männlichkeit. Ebenso finden sich Übertreibungen in die Gegenrichtung, die das Bestialische des Männlichen zur Weltenkraft hochschreiben - und dem Manne alle kalten Talente zuschreiben, die Moderne zu bewältigen: Wissenschaft, Technik, Krieg. Aber im Zentrum des Geschlechterverhältnisses steht nicht der überlegene Mann, sondern der unmoralische.

Dieser Einsicht folgt eine verhängnisvolle Geschlechterlogik. Die Verworfenheit der Männer bedeutet nämlich auch für die Frauen nichts Gutes: Die haben jetzt ganz anders zu sein! Wenn Männer das Problem der Gesellschaft sind, müssen Frauen die Lösung darstellen. Das geht nur, wenn sie von grundlegend anderem Charakter sind: einfühlsam, passiv, friedlich - der ganze Kanon der Beleidigungen einer reduzierten Weiblichkeit. Das Spiegelbild eben zu den Beleidigungen einer reduzierten Männlichkeit.

Und wenn die Zivilisierung qua guter Weiblichkeit misslingt? Dann gnade Gott den Menschen. Die Erde wandelt sich zur Hölle des Maskulinen. "Der natürliche Egoismus unseres Seyens würde die ganze Schöpfung zerstören", schreibt ein lange vergessener Autor im Jahre 1800, und ein anderer malt 1798 unter dem Titel "Das andere Geschlecht, das bessere Geschlecht" folgendes Schreckbild seiner selbst: "Man kann gewiss seyn, dass die Welt längst zur großen, menschenleeren Wüste geworden wäre, wenn bloß Männer darauf gesetzt worden wären. Sie würden unfehlbar in Kurzem sich alle einander gemordet haben. Die Welt weiß nicht, wie viel sie in dieser Hinsicht dem andern Geschlechte zu danken hat."

Die beklemmenden Imaginationen von Männlichkeit und Weiblichkeit sind zeitgleich entstanden. Und bedingen einander. Doch während wir das Frauenbild inzwischen einer gründlichen Renovierung unterzogen und mit überfälligen Ergänzungen angereichert haben, sind uns ähnliche Aufhellungen des Männerbildes misslungen. Stattdessen macht unsere Gesellschaft es sich in einem Murmeltiertag der Männerressentiments behaglich und glaubt auch noch, durch deren unablässige Wiederholung die Geschlechterverhältnisse zu verbessern.

Aus WikiMANNia: Der Ursprung der Misandrie
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