Geschlechterdebatte

"Der abgrundtiefe Hass der Antifeministen"

20. Februar 2015, von Arne Hoffmann

In der Schweizer Tageswoche macht Franziska Schutzbach keine halben Sachen, wenn es darum geht, die Männerbewegung als Feindbild aufzubauen und Ideologiekritik in Sachen Feminismus durch rabiate Dämonisierungen abzuwehren.

Hass-nhbs2198 Wer in diesem Stil anderen Menschen "abgrundtiefen Hass" unterstellt, leistet in Sachen Projektionsarbeit Beachtliches. Einige Auszüge des wegen seiner aggressiven, einpeitschenden Haudrauf-Rhetorik insgesamt lesenswerten Artikels:

Wer sich heute feministisch äussert, erntet nicht nur Gegenwind, sondern oft auch Hass. Ob im Internet, beim Nachtessen, an Universitäten oder im Parlament – die deutschen Soziologen Hinrich Rosenbrock und Andreas Kemper zeigen in Untersuchungen, dass der Antifeminismus offensiver geworden ist, bissiger, organisierter. Die Player reichen von Abtreibungsgegnern über Parteien, die Antifeminismus als Wahlprogramm entdeckt haben (zum Beispiel die AfD in Deutschland), Bürgerbewegungen (wie Pegida), christliche Organisationen (wie zukunft.ch), Kirchenvertreter (in der Schweiz Bischof Huonder) über Männerrechtsorganisationen und Journalisten bis hin zur besonders aggressiven Maskulistenszene im Internet (zum Beispiel Agens, MANNdat, WikiMannia, wgvdl).

Was an MANNdat und AGENS "besonders aggressiv" sein soll – wir werden es im Laufe des Artikels nie erfahren. Stattdessen konstruiert Schutzbach munter Verbindungen, wo keine sind:

Aber was ist Antifeminismus? Ein extremes Beispiel ist der rechtsradikale Attentäter Anders Breivik, der 2011 in Norwegen 72 Menschen ermordete.

Wir befinden uns hier auf dem Niveau von "Was ist Sozialismus? Ein extremes Beispiel ist der Nationalsozialist Adolf Hitler, der ..." Dass Schutzbach sich lediglich selbst als Fundamentalistin bloßstellt, wenn ihr zu einer kritischen Haltung gegenüber dem Feminismus, die vom Großteil der Bevölkerung geteilt wird, als erstes Massenmord einfällt, scheint ihr entweder gar nicht bewusst oder gleichgültig zu sein. Aber es geht sogar noch besser:

Dabei bringt die neue Opferposition für die Männerrechtler einige Schwierigkeiten, denn das Eingeständnis von Schwäche ist mit ihrem meist traditionellen Männlichkeitsideal nicht kompatibel.

Hier bekommt Franziska Schutzbach bei Ihrer Argumentation das logische Problem, dass sich die von ihr unterstellte Rechtslastigkeit der Männerbewegung nicht damit in Einklang bringen lässt, dass Männerrechtler über Erfahrungen von Benachteiligungen sprechen und eben nicht das für Rechte typische Bild des unerschütterlichen starken Mannes präsentieren. Wer mit der Vorstellung von Männern als Opfer massive Probleme hat, sind ja in Wahrheit die beiden "Soziologen" Kemper und Rosenbrock, die damit tatsächlich ein reaktionäres Männerbild vertreten. Schutzbach umgeht diese fehlende Logik in ihrer Argumentation damit, dass sie so tut, als sei dies ein Problem der Männerrechtler und nicht ihr eigenes, Feminismuskritik anders als "rechts" wahrzunehmen.

Der Schweizer Männerforscher Walter Hollstein schreibt vom "männlichen Niedergang" durch die Frauenbewegung. Meistens wird dabei das Bild einer Weltverschwörung lesbischer Akademikerinnen und Frauenbeauftragter suggeriert, die mit dem "Gender-Prinzip" an der Zerstörung der traditionellen Geschlechterrollen arbeiten, an der Schaffung eines "Frankenstein ohne Geschlecht" (BaZ) oder an einer Quote, die nichts anderes als eine "staatliche Umverteilung zulasten der Männer" sei (NZZ). Solche antifeministischen Parolen sind nicht neu. Bereits im europäischen Mittelalter veröffentlichte Christine de Pizan "Das Buch von der Stadt der Frauen", mit dem sie gegen antifeministische Haltungen schrieb.

Keine Frage: Die Nerven liegen inzwischen bloß im feministischen Lager. So einen herrlichen Rappel muss man erst mal hinbekommen, bei dem man den Professor für Soziologie und Gutachter des Europarates Walter Hollstein mit "einer Weltverschwörung lesbischer Akademikerinnen" in Verbindung bringt und Kritik an Menschenrechtsverletzungen wie der sexistisch diskriminierenden Frauenquote mit einer Schrift aus dem europäischen Mitelalter. Eine sachliche Diskussion scheint mit Vertretern der Genderstudien nach wie vor unmöglich zu sein. Jetzt wartet man nur noch auf einen Beitrag, der das Desinteresse eines Spice Girls am Feminismus mit den Hexenverbrennungen vor einigen hundert Jahren vergleicht. Frau Schutzbach, sitzen Sie schon dran?

Der Artikel erschien zuerst auf Genderama.

 

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