Geschlechterdebatte

Feministische Verteilungspolitik: ein Karrieregarantiegesetz nur für Elitefrauen

26. Januar 2015, von Prof. Günter Buchholz

Im Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) wird von PD Dr. Elke Holst der Bereich Gender Studies vertreten. Von ihr und Dr. Anja Kirsch (FU Berlin) ist im DIW - Wochenbericht (Berlin, Nr. 82.2015, 4) eine empirische Untersuchung unter dem Titel „Weiterhin kaum Frauen in den Vorständen großer Unternehmen – auch Aufsichtsräte bleiben Männerdomänen“ erschienen.

FrauTopPosition Die vorangestellte Zusammenfassung lautet:

„Die Vorstände großer Unternehmen in Deutschland befinden sich nach wie vor fest in Männerhand: Ende 2014 lag der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen in Deutschland bei gut fünf Prozent. Das entspricht einem Plus von einem Prozentpunkt gegenüber dem Vorjahr und damit einer sehr geringen Dynamik. Die DAX-30-Unternehmen konnten mit gut sieben Prozent den höchsten Frauenanteil verzeichnen, am geringsten war er mit noch nicht einmal drei Prozent bei den MDAX-Unternehmen. Häufiger sind Frauen in den Aufsichtsräten vertreten: In den Top-200-Unternehmen waren Ende des Jahres 2014 gut 18 Prozent Frauen; die DAX-30-Unternehmen schnitten mit einem Frauenanteil von knapp 25 Prozent überdurchschnittlich ab. Die SDAX-Unternehmen wiesen mit knapp 14 Prozent nicht nur den kleinsten Frauenanteil auf, sondern mit 0,6 Prozentpunkten auch den geringsten Zuwachs gegenüber dem Vorjahr. Wie in den Vorständen haben Frauen auch in Aufsichtsräten nur in Ausnahmefällen den Vorsitz inne.

Mit dem vom Bundeskabinett im vergangenen Jahr verabschiedeten Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst dürfte sich die Besetzung zumindest von Aufsichtsratsposten durch Frauen beschleunigen. Die Quotenregelung soll ab 1. Januar 2016 gelten. Vom Gesetz betroffen wären auch Unternehmen mit Bundesbeteiligung. Hier lag der Frauenanteil im Aufsichtsrat Ende 2014 bei knapp 24 Prozent und in den Vorständen bei knapp 15 Prozent.“

Zu diesem geplanten Gesetz wird ausgeführt:

„Am 11. Dezember 2014 beschloss das Bundeskabinett schließlich einen Entwurf für ein Gesetz für die gleichberechtigte Teilhabe von Frauen und Männern an Führungspositionen in der Privatwirtschaft und im öffentlichen Dienst (Kasten 2). Er sieht Zielgrößen für den Frauenanteil in Leitungsgremien vor, die über das bisher erreichte Niveau hinausgehen. Die Bestimmungen zu einer verbindlichen Geschlechterquote im Aufsichtsrat richten sich an derzeit 108 Unternehmen in der Privatwirtschaft. Als Sanktion vorgesehen ist bei einer quotenwidrigen Wahl, dass die für das unterrepräsentierte Geschlecht vorgesehenen Plätze unbesetzt bleiben (leerer Stuhl). Etwa 3 500 Unternehmen sind von der Bestimmung zur Festlegung von Zielgrößen zur Erhöhung des Frauenanteils in Aufsichtsräten, Vorständen und obersten Management-Ebenen betroffen. Allerdings sind bei Nichterfüllung der letztgenannten Maßnahme keine Sanktionen vorgesehen. Die Festlegung von Zielgrößen setzt auf die Förderung von Frauen innerhalb der Unternehmen und soll einen Aufstieg bis in Spitzenpositionen ermöglichen. Ein systematischer Aufbau von Frauen in Führungspositionen auf allen Hierarchieebenen wurde in den Unternehmen bisher versäumt. So kam es dazu, dass die in Vorstände berufenen Frauen oftmals extern rekrutiert wurden – eine Tatsache, die wiederum die Rücktrittswahrscheinlichkeit dieser Vorständinnen [sic!] erhöhte.(...) Mit dem Ziel einer paritätischen Vertretung von Frauen und Männern in Unternehmen mit Bundesbeteiligung wird das Bundesgremienbesetzungsgesetz novelliert.“

„Die Vorstände großer Unternehmen in Deutschland befinden sich nach wie vor fest in Männerhand: Ende 2014 lag der Frauenanteil in den Vorständen der Top-200-Unternehmen in Deutschland bei gut fünf Prozent", schreiben die Autorinnen zu Beginn.

Und da fragt man sich doch sofort:

- Na und?

- Wieso ist denn ein Frauenanteil von x % überhaupt von irgendeiner Bedeutung?

- Wieso sollte ein Frauenanteil überhaupt eine Zielgröße sein?

Es fehlt hier wie anderswo jegliche Begründung dafür. Niemand muss derartige Zielgrößen akzeptieren, die lediglich bestimmte subjektive Ansprüche zum Ausdruck bringen, ganz wie im Märchen vom Fischer und seiner Frau, die bekanntlich eine Frau mit maßlosen Wünschen war.

Zugrunde liegt ein Denkfehler: Dass das weibliche Geschlecht ca. 50% der Bevölkerung umfasst, das bedeutet nicht, dass ein hälftiger Anteil von Frauen als generelle Norm gerechtfertigt oder überhaupt zu rechtfertigen wäre.

Das ist sie deshalb nicht, weil der Zugang zu beruflichen und gesellschaftlichen Positionen sich im Prinzip durch Qualifikation und Leistung rechtfertigt (vgl. Art. 33 GG), und eben nicht durch irgendwelche natürlichen Merkmale, hier eben das Geschlecht. Kein Mann wird wegen seines Geschlechts befördert oder macht deswegen Karriere. Aber Frauen wollen eben das. Daher geht auch das ständige Gerede über eine „Unterrepräsentanz von Frauen“, die faktisch und rosinenpickerisch nur bezüglich lukrativer und machtvoller Positionen vorgebracht wird, völlig fehl, insbesondere im Hinblick auf die konsequent falsche Lesart von Art. 3 (2) Satz 2 Grundgesetz als angeblicher Gleichstellungsauftrag für Frauen. So etwas gibt es im Grundgesetz nicht.

Weibliche Geschlechtsorgane rechtfertigen keinerlei ökonomische Verteilungsansprüche! Aber um nackte Verteilungsansprüche geht es hier, um weiter gar nichts. Und sie sind weder begründet noch überhaupt begründbar. Das heißt, der gesamte Gedankengang einschließlich des geplanten Gesetzes verfügt über keinerlei normatives Fundament, also über keinerlei tragfähige Begründung. Das geplante Gesetz ist daher illegitim.

Ein solches Gesetz, das Privilegierungen durch natürliche Merkmale schafft, so wie das einst beim Adel mit seiner biologischen Abstammung der Fall war, ein solches Gesetz ist mit dem Grundgesetz deshalb nicht vereinbar, weil das Grundgesetz außer beim Koalitionsrecht der Gewerkschaften allein auf die Rechte von Individuen abstellt. Das Grundgesetz kennt zu Recht kein angebliches Kollektiv „der Frauen“ oder „der Männer“.

Es sollten bei Personalauswahlverfahren immer die jeweils geeignetsten Personen eingestellt werden; das liegt im allgemeinen Interesse. Man lese hierzu im Grundgesetz:

Art 33
(1) Jeder Deutsche hat in jedem Lande die gleichen staatsbürgerlichen Rechte und Pflichten.
(2) Jeder Deutsche hat nach seiner Eignung, Befähigung und fachlichen Leistung gleichen Zugang zu jedem öffentlichen Amte.
(3) Der Genuß bürgerlicher und staatsbürgerlicher Rechte, die Zulassung zu öffentlichen Ämtern sowie die im öffentlichen Dienste erworbenen Rechte sind unabhängig von dem religiösen Bekenntnis. Niemandem darf aus seiner Zugehörigkeit oder Nichtzugehörigkeit zu einem Bekenntnisse oder einer Weltanschauung ein Nachteil erwachsen.
(4) Die Ausübung hoheitsrechtlicher Befugnisse ist als ständige Aufgabe in der Regel Angehörigen des öffentlichen Dienstes zu übertragen, die in einem öffentlich-rechtlichen Dienst- und Treueverhältnis stehen.
(5) Das Recht des öffentlichen Dienstes ist unter Berücksichtigung der hergebrachten Grundsätze des Berufsbeamtentums zu regeln und fortzuentwickeln.

Ob die in Aufsichtsräten, Vorständen oder Hochschulen tätigen Personen nur männlich oder nur weiblich sind, oder ob sich ein bestimmtes Mischungsverhältnis ergibt, das ist alles vollkommen belanglos, genauso wie andere beliebige biologische Merkmale belanglos sind, zum Beispiel die Haarfarbe oder die Hautfarbe. Es besteht in keinem Fall irgendein Handlungsbedarf.

Die Frauenquotenpolitik ist genauso schädlich wie die Korruption. Und sie sollte deshalb genauso bekämpft werden.

Weitere Quellen zur Kritik:

http://frankfurter-erklaerung.de/2015/01/eu-richtlinie-geschlechterquote-fuer-aufsichtsraete/

http://frankfurter-erklaerung.de/2015/01/warum-eine-frauenquote-fuer-top-positionen-niemandem-nuetzt-vor-allem-nicht-den-qualifizierten-frauen/

 

Kommentar schreiben

Sicherheitscode
Aktualisieren

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Die Remoralisierung des Strafrechts

 
26. Februar 2016, von Prof. Monika Frommel
Offenbar ist das 21. Jahrhundert eine Zeitenwende. War Strafrecht immer ein Unterfangen, das als repressiv und eher ungeeignet zur Konfliktlösung galt, soll es nun „Menschenrechte" schützen, und zwar nicht punktuell, sondern umfassend.
Strafrecht soll nicht mehr dem Schutz von Rechtsgütern dienen, es wird nicht mehr konzipiert als ultima ratio und soll auch...

Geschlechterdebatte

Was Frauen wollen und Männer wollen sollen

10. Oktober 2013, von Lucas Schoppe
Die von der  „Bild der Frau“ beim Allensbach-Institut in Auftrag gegebene Studie „Der Mann 2013: Arbeits- und Lebenswelten – Wunsch und Wirklichkeit“ beginnt im Vorwort mit einem skurril wirkenden Kommentar zwischen Wunsch und Wirklichkeit:
„Und damit sind wir bei der großen guten Botschaft der Männer-Studie: Sein Respekt vor Frauen wächst! Das freut uns,...

Geschlechterdebatte

Wir brauchen eine Geschlechterforschung, die diesen Namen auch verdient

Interview mit Prof. Dr. Markus Meier 23. Juli 2015
Markus Meier studierte Deutsch, Geschichte, Philosophie und Musik und promovierte 2008 an der Universität in Frankfurt am Main zum Thema „Musikunterricht als Koedukation?“. Er ist heute Professor für Ciencias de Educación an der Universidad Externado in Bogotá in Kolumbien.
Er befasst sich seit vielen Jahren mit dem Thema der „gleichen...

Geschlechterdebatte

#Aufschrei: Das Schweigen der Männer und vegane Schweinshaxen

28. Januar 2014, von Lucas Schoppe
Ich wollte ja immer schon einmal einen Text über „Gender Mainstreaming“ schreiben, hatte dabei aber das kleine Problem, dass ich auch nach langen Überlegungen und der Lektüre vieler Texte noch immer nicht so recht weiß, was das ist.
Also habe ich auf der Seite des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend nachgesehen, weil dort Gender...

Geschlechterdebatte

Zerstörte Chancen - Esther Vilar begegnet den Wundern im Alice-Land

15. Februar 2014, von Lucas Schoppe
Nachdem nun das Ende der Dauerpräsenz Alice Schwarzers in den Medien bevorsteht, lohnt es sich, noch einmal einen Blick zurück zu werfen in die ferne Zeit, in der diese Präsenz begann.
1975 wurde der Vietnamkrieg beendet, starb der spanische Faschist Franco, wurden die Konditorei Coppenrath & Wiese und das Unternehmen Microsoft gegründet, David Beckham und...

Politik

Dummheit 2.0: Die Piraten haben es voll verkackt

23. September 2013, von Hadmut Danisch
Das war kein Elfmeter, den sie verschossen haben. Die Piraten standen 3 Meter vor dem Tor, kein Torwart, keine Gegenmannschaft, viel Zeit – und trotzdem haben sie das Tor nicht getroffen.
Ich habe in meinem Blog schon mehrfach prophezeit, dass die Piraten als Mehrheitsbeschaffer in die Regierung kommen könnten, wenn sie es über die 5-Prozent-Hürde schaffen....

Geschlechterdebatte

Ein wahrhaft feministisches Manifest: Prostitution als Frauenbefreiung

30. November 2013, von Prof. Gerhard Amendt
Die Neuauflage der Prostitutionsdebatte passt nicht nur in den grassierenden Trend, Sexualität als etwas Gefährliches und hoch Riskantes zu beschreiben, von der die Finger zu lassen nur vorteilhaft sein könne. Auch die Prostitutionsdebatte soll diese Angst schüren, damit den Menschen die Lust am Lustvollen vergeht.
Obwohl im gleichen Atemzug alle Formen...

Gesellschaft

Zum Lohfink-Urteil: Eine Ministerin unterstützt eine Straftat

Warum eigentlich muss Manuela Schwesig nicht zurücktreten? 27. August 2016, von Lucas Schoppe
„Der Fall von Gina-Lisa Lohfink zeigt, dass dringend das Sexualstrafrecht reformiert werden muss. Dass die Vergewaltiger von Gina-Lisa nicht zur Verantwortung gezogen werden und sie selbst stattdessen wegen Falschaussage verurteilt werden soll, sendet ein verheerendes Signal.“ 
Das schrieb die im...

Geschlechterdebatte

Die Antisexualisten und ihr Krieg gegen den Mann

16. Januar 2015, von Kevin Fuchs
In der westlichen Welt geht eine neue Mode um. Nach einer Jahrzehnte fortdauernden Hypersexualisierung unserer Kultur, der Pornographisierung einer ganzen Jugend und nach anrüchigen Aufklärungsköfferchen mit putzigen Plüschvaginas und Plüschpenissen für Grundschüler irritiert uns ein neuer Kanon, der sich so gar nicht dem uns Gewohnten fügen mag. Ich nenne es...

Gesellschaft

Wie wir zur Zensurgesellschaft werden

06. Juni 2013, von Hadmut Danisch
Ich sag’s ja immer: Bei uns ist der größte, schärfste und gefährlichste Zensor nicht der Staat, sondern die Gesellschaft selbst.
Und gerade der Feminismus betreibt das immer schlimmer, etabliert bei uns die Zensur immer stärker.
 

Geschlechterdebatte

André Sepeur: „Auch Feminismus ist ein Thema für den Umweltschutz“


Von Arne Hoffmann   28. März 2012
Heute wird Cuncti grün: Für meinen aktuellen Beitrag habe ich André Sepeur, den Herausgeber des Umweltjournals, interviewt.
Arne Hoffmann: André, nicht jeder Männerrechtler wird dich und deine Arbeit kennen. Könntest du dich erst einmal kurz vorstellen?
André Sepeur: Ich bin selbstständiger Internet-Unternehmer, betreibe dort eigene Medien wie beispielsweise das...

Politik

Parteien, ihr Kartell und die Außenseiter

12. Mai 2016, von Prof. Günter Buchholz
Die Gründung der Grünen, die der LINKEN, die der PIRATEN und jetzt die der AfD bieten Beispiele dafür, wie sich das Parteiengefüge verändern kann. In allen Fällen sind Neugründungen von den sogenannten etablierten Parteien anfangs heftig bekämpft worden. In der Gegenwart kommt die Besonderheit hinzu, dass wir es mit einer Großen Koalition (GroKo) der...