Geschlechterdebatte

Die Vorurteile der Feministinnen

03. Januar 2014, von Prof. Günter Buchholz

Prof. Gerhard Amendt hat einen angeblich „furchtbaren“ Artikel mit dem Titel „Die Frauenquote entmündigt das weibliche Geschlecht“ geschrieben und Caroline Engelhardt wird darüber wütend.

Nennt man so etwas in der Psychoanalyse nicht Widerstand? Wäre es so, und der Eindruck drängt sich förmlich auf, dann hätte der Psychologe Prof. Amendt den wunden Punkt exakt getroffen. 

Was ist nun dieser wunde Punkt? Nun, zum einen, dass die wirklichen Interessen, Neigungen und tatsächlichen Verhaltensweisen von Frauen nicht immer, aber doch oftmals ganz andere sind als diejenigen, die Feministinnen wie Frau Engelhardt für sie vorgesehen haben. Und zum anderen, dass die Quotenpolitik gerade nicht zu Autonomie und Selbständigkeit und Erfolgen durch echte eigene Leistungen führt, sondern dass sie eine staatsfeministische Abhängigkeit der Frauen dauerhaft festschreibt.

Das mag Frau Engelhardt gar nicht hören, das ärgert sie gewaltig. Sie folgt dem ironischen Satz von Christian Morgenstern, „dass nicht sein kann, was nicht sein darf.“ Und das „Dürfen“ oder das „Sollen“, also die Normen: Sie sind feministisch-ideologisch bereits verbindlich vorgegeben. Wie kann Herr Prof. Amendt es wagen, sich nicht daran zu halten? Empörend!

Allerdings sind Ärger und überzeugende Argumentation zwei verschiedene Dinge, wie sich dem Leser von Frau Engelhardts Text leicht erschließt. Denn der ist wenig schlüssig, allein schon wegen des Kategorienfehlers, Gleichberechtigung, die sich auf Anfangsbedingungen bezieht, mit Gleichstellung, die sich auf Ergebnisse von Leistungsprozessen bezieht, zu verwechseln. Und dann wird noch suggeriert, es gäbe neben der, wie jeder weiß oder wissen kann, bereits verwirklichten Gleichberechtigung noch eine ominöse „wirkliche Gleichberechtigung“, mit der dann aber wieder „Gleichheit“ – offenbar im Sinne von „Ergebnisgleichheit“ – gemeint ist. Sie wollen „die Hälfte“ von allem, einfach so, am liebsten als Geschenk auf dem staatsfeministischen Silbertablett. Sie wollen nicht klettern, sondern mit der nur für sie reservierten Seilbahn auf den Gipfel fahren, um dort „wir sind schon da“ nach unten zu rufen, nach unten, dort, wo sich die Kletterer mühen.

Solche Denkfehler machen aber nichts, weil die Feministinnen über „die Wahrheit“ verfügen, die es Ihnen vermeintlich erlaubt, ohne weitere Begründung und Legitimation normativ in die Lebensführung erwachsener Frauen, zumindest der Absicht nach, einzugreifen. Oder sie von oben herab zu be- und verurteilen. Die unverschämte Anmaßung, die darin liegt, bemerken sie nicht, weil sie sich - wie Geisterfahrerinnen auf der Autobahn - einbilden, sie verfügten diesbezüglich über „die Wahrheit“ und alle anderen befänden sich im Irrtum. Diese vermeintliche feministische „Wahrheit“ ist allerdings nichts als ein Bündel ideologischer Motive, die keiner Überprüfung standhalten, logisch wie empirisch.

Aber auch das macht ihnen nichts aus, weil es sich um eine verfestigte Vorurteilsstruktur handelt, in der sich Feministinnen ständig wechselseitig bestätigen, genauso, wie das Mitglieder einer Sekte auch tun. Die Meinung, Männer, und besonders ältere Männer in gehobenen Positionen, würden Frauen unterdrücken, sind ein Beispiel dafür. Eine solche Meinung entlastet natürlich von der Frage nach der eigenen persönlichen Verantwortung und den entsprechenden Bemühungen für eine eigene ausgewiesene Leistung und den eigenen persönlichen Erfolg. Wo keine Unterdrückung ist, da wird sie zur eigenen Entlastung eben subjektiv und kollektiv phantasiert.

Wes Geistes Kind Caroline Engelhardt tatsächlich ist, das offenbart sie selbst mit ihrem letzten Satz: „Eine Schande finde ich es jedoch, dass ein so sexistischer Artikel hier veröffentlicht wurde.“ Mit anderen Worten, sie fordert Zensur, und sie verwirft die Presse- und Meinungsfreiheit, und sie maßt sich an, darüber zu urteilen, was „sexistisch“ sei.

Sie ist gut beraten, sich an ihre Maxime zu halten, „immer wieder die eigenen Vorurteile überprüfen, wie es ja jeder Mensch immer wieder tun sollte.“ Schauen Sie einfach in ihren Spiegel, Frau Engelhardt, und fangen Sie bei sich an.

 

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