Geschlechterdebatte

Feministische Selbstgespräche, Filterbubbles und die Produktion von Nazis

9. April 2013, von Lucas Schoppe, zuerst erschienen bei man tau

Als der WDR-Talker Jürgen Domian auf seiner Facebook-Seite ein mild-kritisches Zitat über den neuen Papst veröffentlichte, Facebook dieses Zitat löschte, die Löschaktion von Domian kritisiert und von vielen als „Zensur“ bezeichnet wurde, trat die Bloggerin Antje Schrupp auf den Plan.

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„Dummes Gerede“ sei das, mit Zensur habe das überhaupt nichts zu tun. Auf ihrem Blog, der ausgerechnet „Aus Liebe zur Freiheit“ heißt, schrieb sie: „Ich habe den Eindruck, dass es vor allem Männer mit gewissen Privilegien sind, die diese beiden Sachen verwechseln: Sie glauben, wenn sie ihre Meinung nicht jederzeit und überall veröffentlichen dürfen, sei das dasselbe, als wenn sie sie gar nicht veröffentlichen dürfen. Also 'Zensur'.“

Schrupp selbst tritt nachdrücklich für Beschränkungen in der öffentlichen Rede im Internet, für das Löschen nicht genehmer Beiträge und für den Rückzug auf den Austausch vertrauter Positionen ein. "Warum Filterbubbles toll sind":

„Man kann es natürlich für grobe Filterbubblebeschränktheit halten, dass mich die Vielfalt der im Netz vorhandenen Positionen nicht ernsthaft dazu bringt, darüber nachzudenken, ob das generische Maskulinum nicht vielleicht doch ne tolle Sache ist oder sexistische Werbung witzig. Nein, da reicht es mir völlig, mich mit meiner Filterbubble einig zu wissen. Auch dort gibt es zu allen diesen Themen gewisse Nuancen, und das ist mir dann auch schon genug an Diversität. Ich muss – egal in welchem Medium – nicht ernsthaft mit Nazis, Rassistinnen und Sexisten diskutieren, Filterbubble: I like you.“

Der Begriff „Filterbubble“, den Schrupp hier so positiv verwendet, war ursprünglich – und das heißt: vor kaum mehr als einem Jahr – sehr kritisch gemeint, als Eli Pariser ihn zum Titel eines Buches machte. Suchmaschinen wie google, soziale Netzwerke wie Facebook oder auch Internetkaufhäuser wie amazon würden die Informationen, die sie uns präsentieren, gezielt auswählen, basierend auf unserem Verhalten im Netz, unseren vorherigen Suchen, Einkäufen oder unseren „Freundeskreisen“. So bekämen wir nur das zu Gesicht, was wir sehen wollten, und würden von allem, was uns irritieren könnte, verschont. In  Parisers Augen sind die entstehenden „Filterblasen“, in denen wir uns bewegen, gefährlich – ein allgemeines ziviles Gespräch würde unmöglich werden, wir würden uns an unseren eigenen Erwartungen spiegeln, Opfer unserer eigenen Propaganda („Autopropaganda“) werden und nichts mehr dazulernen. Parisers Thesen sind umstritten - gleichwohl ist es irritierend, wie schnell sein Begriff, und nicht nur von Schrupp, positiv umgedeutet wurde. Dass es gefährlich (aber immer wieder auch unfreiwillig komisch) ist, wenn das öffentliche und offene Gespräch durch die Beschränkung auf selbstbezügliche Strukturen, auf den Monolog der Gleichgesinnten ersetzt wird, lässt sich an vielen Beispielen zeigen.

Schaumschläger und mehrstimmige Monologe

Schrupp verwendet den Begriff Filterbubble auch metaphorisch – er steht ihr unter anderem dafür, dass sie Kommentare löscht, die ihren Vorstellungen nicht entsprechen. Sie lösche zum Beispiel:

„Typische männerrechtliche Argumentationsfiguren (Väter sind in Deutschland völlig rechtlos, Feministinnen sind sowieso die Pest, heutzutage werden doch vor allem Männer diskriminiert, Frauen sind sowieso nur Schmarotzer) will ich hier nicht haben. Das ist auch keine Zensur, denn das Internet ist ja groß. Schreibt das doch einfach anderswo hin.“

Schrupp kombiniert hier völlig Plausibles (das Löschen von Beschimpfungen) mit Unplausiblem und Erklärungsbedürftigem (der Löschung von Beiträgen, die Kritik an der tatsächlich prekären rechtlichen Situation von Vätern üben). Ganz ähnlich springt sie schon in der oben zitierten Passage von Menschen, die das „generische Maskulinum“ für eine „tolle Sache“ halten (die also z.B. verallgemeinernd „die Blogger“ schreiben würden, statt „die Bloggerinnen und Blogger“, oder „die BloggerInnen“, oder wahlweise auch „die Blogger_innen“), zu „Nazis, Sexisten und Rassisten“. Unplausibles dadurch zu verkaufen, dass sie es mit völlig Plausiblem verknüpft, ist eine rhetorische Figur, die Schrupp häufig verwendet, es ist aber auch ein Resultat einer Fixierung auf die Filterbubble.

Wenn Schrupp die Kritik an der Zensur durch Facebook auf männliche „Mansplaining“-Bedürfnisse zurückführt, auf den als typisch männlich präsentierten Drang, überall (und gewiss ungefragt) die eigene Meinung kundtun zu können – wenn sie zudem erklärt, dass die Löschung keine Zensur sei, weil Menschen ja die Möglichkeit hätten, andernorts ihre Meinung zu äußern – dann entwirft sie eine Welt, in der jeweils in sich geschlossene Gruppen Monologe für mehrere Stimmen führen, in denen sich jeweils Gleichgesinnte gegenseitig ihre Positionen bestätigen, in der aber ein darüber hinaus reichendes gemeinsames Gespräch gar nicht mehr möglich ist und auch gar nicht angestrebt wird. Es fehlt dabei eine Orientierung, in der die jeweiligen Partikularinteressen relativiert werden können, eine Orientierung an einem gemeinsamen Interesse, das die Einzelinteressen übersteigt. Dass das auch Auswirkungen hat auf die Diskussion in den jeweiligen Gruppen, zeigt sich schon bei Schrupp selbst. Für sie macht es eben keinen gravierenden Unterschied, ob jemand sich tatsächlich radikal gegen Menschenrechte und allgemeine Interessen stellt (so wie Nazis dies tun) oder ob er lediglich eine Position bezieht, die den Interessen Schrupps und ihrer In-Group widersprechen.

Eine solche Abgrenzung von einer Orientierung an allgemeinen, vielleicht gar universellen Strukturen hat in feministischen Positionen Tradition – ein extremes Beispiel ist die Bloggerin Nadine Lantzsch, die mit „dem Rechtsstaatlichkeitsprinzip, der Aufklärung und all dem Rotz, der von weißen europäischen Männern in mächtigen Positionen erfunden wurde, um ihren Besitzstand zu wahren“, ein großes Problem hat (eine Diskussion und viele Links dazu hier bei "Alles Evolution") Ganz ähnlich argumentiert auch Schrupp und begründet so den Rückzug in die Filterbubble:

„Indem die Frauenbewegung den Separatismus als politische Praxis erfunden hat – also Orte schuf, zu denen keine Männer zugelassen waren – hat sie die herrschende symbolische Ordnung herausgefordert.“

Etwas Allgemeines, das die jeweiligen Partikularinteressen übersteigt, ist in den Augen von Schrupp und Lantzsch also wiederum nichts als der Ausdruck von Partikularintessen. Dafür, dass diese Position ebenso komische wie gefährliche Folgen hat, lassen sich unschwer Beispiele finden.

Wer nicht ist wie ich, hasst mich

Die Seite „hatr.org“ sammelt nach eigenen Auskünften Inhalt, der „schwer zu ertragen ist“, der „traumatische Erinnerungen und Angst auslösen kann“ – Hasskommentare, die gegen Frauen im Internet gerichtet sind und die von Nutzerinnen (und auch Nutzern) bei hatr.org hochgeladen werden können, um sie zu dokumentieren. Tatsächliche Hasskommentare allerdings finden sich nur vereinzelt – statt dessen werden abweichende Meinungen schlankweg als Äußerungen des Hasses präsentiert. Zum Besipiel diese hier:

„ich finde es furchtbar, dass diese Seite keine Opposition zulässt! Somit ist sie keine Plattform des Austausches oder Diskussion, sondern lediglich eine Seite die die Gesellschaft eher spaltet als vereint!“

Oder diese:

„Es ist sexistisch wenn nur Frauen über ihre negativen Erfahrungen mit Sexismus berichten dürfen.“

Als „Hass“ gilt es, wie Genderama zeigt, sogar schon, wenn Alice Schwarzer (!) gegen feministische Kritik verteidigt wird. Natürlich: Vereinzelt werden hier tatsächlich auch Gewaltphantasien, Drohungen und massiv sexualisierte Beschimpfungen öffentlich zugänglich gemacht – angesichts des starken zahlenmäßigen Übergewichts der Äußerungen jedoch, denen nichts anderes als die Formulierung einer abweichenden Meinung vorzuwerfen ist, bekommt die Triggerwarnung am Eingang von hatr. org („Hatr.org dokumentiert den Hass, dem Netzaktivist_innen ausgesetzt sind. Bitte überlege, bevor du weiter gehst, ob du dich damit konfrontieren möchtest.“ ) etwas unfreiwillig Komisches: Als sei es eine ungeheuerliche, traumatisierende Zumutung, dass Netzaktivistinnen im Internet etwas anderes vorfinden könnten als ihre eigene Meinung.

Auch hier werden also Unterschiede verwischt, weil sie in den Strukturen der etablierten Selbstgespräche keine Rolle spielen, weil eine abweichende Meinung ebenso als massive Belastung präsentiert wird wie eine reale, tatsächlich indiskutable Bedrohung oder Beschimpfung.

Die Familienberatung spielt ein Suchspiel, und die Grünen finden lauter Nazis

Die Evangelische Familienberatungsstelle in Augsburg präsentiert sich im Internet mit einem Bild, auf dem eine Mutter mit ihrem Kind im Beratungsgespräch zu sehen ist. Doch eines ist in dieser dieser Darstellung unauffindbar: der Vater.

Dass in der Familienberatung ganz selbstverständlich der Vater fehlt, ist möglicherweise schlichtes Resultat einer Gedankenlosigkeit, aber auch aussagekräftig – keiner noch so gedankenlosen Familienberatung würde es wohl einfallen, sich selbst auf Bildern zu präsentieren, auf denen außer dem Kind ausschließlich Männer zu sehen sind. Meine persönlichen Erfahrungen mit der Familienberatung – und die Erfahrungen anderer Väter mit anderen Beratungsstellen – bestätigen den Eindruck einer Familienberatung als weibliches Selbstgespräch. Ich bin mit meiner ehemaligen Partnerin, bei der unser Kind lebt, bei Beratungsstellen gewesen – eine Beraterin konnte beispielsweise nicht verstehen, dass ich trotz großer Entfernungen gleichwohl regelmäßig unser Kind besuche und riet mir, doch bitteschön einfach mit einer anderen Frau ein Kind zu bekommen.

Eine solch verfehlte „Beratung“, in der die Anwesenheit eines Vaters eigentlich lediglich eine zu beseitigende Störung darstellt, ist ein Beispiel dafür, wie selbstgesprächshafte  Strukturen  auch in Situationen durchgesetzt werden, in denen ein Gespräch nur als offenes, inklusives Gespräch einen Sinn haben könnte. Männer sind in solchen Monologen für mehrere Stimmen nur geduldet, wenn sie sich an das Skript halten, die bereits etablierte Meinungen vertreten und sich offensiv von abweichenden Positionen abgrenzen. Eines der schlimmsten Beispiele aus dem Bereich der Politik ist die Position der Grünen zu Männerrechtlern, wie sie in der von der Heinrich-Böll-Stiftung herausgegebenen Schrift „Die antifeministische Männerrechtsbewegung“  deutlich wird. Dort heißt es schon im Vorwort:

„Antifeminismus in Form von Hasspropaganda («hate speech») dient als gemeinsame Klammer. Ohne nähere Kenntnis von Feminismus sprechen Antifeminist/innen stereotyp von Männerhass, Frauenherrschaft und vom Niedergang des Volkes.“ (S. 7)

Auch im Weiteren verknüpft der Autor Hinrich Rosenbrock ganz verschiedene Gruppen und Positionen miteinander – das Eintreten für die Rechte von Vätern und Kindern, das Eintreten für eine verbesserte Gesundheitsfürsorge von Männern, Kritik an Quotenpolitik, Kritik an feministischen Positionen, aber zugleich auch rechtsradikale und völkische Stellungnahmen und immer wieder den Hass des norwegischen Massenmörders Anders Breivik. Die Behauptung, dass der „Antifeminismus“ (der sich für Rosenbrock schon in der Aussage zeigt, dass es im Feminismus Männerhass gebe) eine gemeinsame Klammer all dieser Positionen sei, ist offenkundig eine Projektion. Rosenbrock reflektiert nicht etwa die offenkundige Unseriosität seines eigenen Vorgehens, völlig unterschiedliche Gruppen beliebig und assoziativ miteinander zu verknüpfen – sondern er phantasiert die Willkür seiner Verknüpfungen in die Gegenstände seiner „Untersuchung“ hinein, unterstellt ihnen eine Gemeinsamkeit, die tatsächlich über seine „Forschung“ wesentlich mehr aussagt als über den Forschungsgegenstand.

Eine solche Projektion ist nur möglich durch die Herstellung einer strikten Trennung von In- und Out-Group, dadurch, dass Rosenbrock sich nirgendwo sachlich mit den Positionen von Männerrechtlern auseinandersetzt, diese also niemals auch nur als virtuelle Gesprächspartner akzeptiert, sondern in einem feministischen Selbstgespräch befangen bleibt, in dem jede Kritik an feministischen Positionen unterschiedslos als Ausdruck von Hass erscheint und in dem grundsätzlich nur über Menschen geredet wird, die auch für Rechte von Männern eintreten – nicht mit ihnen. Im feministischen Selbstgespräch werden Kritiker als Rechtsradikale diffamiert, und eben diese Diffamierung legitimiert dann wiederum die Struktur des Selbstgesprächs.

Für Linguisten wäre Rosenbrocks Text eine Fundgrube. Sehr aussagekräftig ist beispielsweise sein beständiger Gebrauch des Passivs:

„So wird der Feminismus als homogene Einheit dargestellt und ihm gleichzeitig Allmacht zugesprochen.“ (14)

„Dieser Hass auf den Feminismus richtet sich dabei auch explizit gegen emanzipative Männer. So werden Männer, die dem Feminismus nahe stehen oder auch nur als politische Gegner identifiziert werden, als «Lila Pudel» bezeichnet.“ (15)

„Im Gegensatz zu den Ergebnissen anthropologischer und sozialwissenschaftlicher Forschung, welche die Unterschiede von Geschlechterkonstruktionen in verschiedenen Gesellschaften betonen, wird nur der moderne Geschlechterdualismus wahrgenommen. Er gilt als biologisch gegeben und somit als soziale (Zwangs-) Norm, die durchzusetzen ist. Statt die Variabilität des Gender-Konzeptes als Befreiung aus geschlechtlich-sozialen Zwangskorsetten zu betrachten, wird die Möglichkeit, sich anders als traditionell zu verhalten, zum Zwang uminterpretiert. Freiheit im Sinne dieser Argumentation bedeutet, an (wissenschaftlich nicht belegbaren) «natürlichen» Vorgaben starr festzuhalten. Damit werden nicht nur die Einstellungen der Mehrheit der Männer ignoriert, die gleichheitlichere Verhältnisse wollen, sondern es wird auch der Weg zu individuellen Lebensentwürfen und Freiheitsräumen ? auch für Männer und Jungen ? blockiert.“ (15)

Undsoweiter undsoweiter. Der beständige verallgemeinernde Gebrauch des Passivs verhindert nicht nur eine Überprüfung der Behauptungen – es verschwinden darin auch die Akteure, über die Rosenbrock schreibt. Sie werden zu auswechselbaren Mitgliedern einer amorphen Masse, zu der irgendwie auch immer, und vor allem, rechtsradikale Massenmörder gehören.

Besonders perfide ist dabei Rosenbrocks Umgang mit Menschen, die für Rechte von Vätern eintreten (dazu an hier auch schon etwas in diesem Beitrag). Er kündigt ausdrücklich an, dass er auf sie nicht näher eingehen werde.

„Dazu ist allerdings anzumerken, dass der Väterrechtsdiskurs der größte Unterstrang im Männerrechtsdiskurs ist. Die Einordnung der verschiedenen Väterorganisationen würde jedoch den Rahmen dieser Arbeit sprengen und muss gesondert erfolgen.“ (25)

Nun hätte es kaum eine halbe Seite erfordert, beispielweise die wesentliche Positionen des Väteraufbruchs darzustellen und deutlich zu machen, dass sie mit rechtsradikalem Gedankengut nicht das Geringste zu tun haben. Rosenbrock aber unterlässt selbst solch eine knappe inhaltliche Auseinandersetzung, räsonniert am Ende noch einmal kurz über die „Bedeutung der Väterrechtsdiskurse und der väterlichen Opferideologie“ (159) und hat damit den Einsatz für Väterrechte mit rechtsradikalem Extremismus verknüpft, ohne auf die Anliegen dieses Einsatzes eingegangen zu sein.

Solche Positionen bleiben nicht ohne Folgen. Um einmal aus dem Nähkästchen zu plaudern: Mir hat einmal eine Gleichstellungsbeauftragte von einem Treffen kommunaler Gleichstellungsbeauftragten erzählt, das kurz nach der Entlassung Monika Ebelings und der Kampagne gegen sie stattfand. Keine der Frauen habe sich zur Solidarität mit ihrer Kollegin bereit finden können, alle seien mit ihrer Behandlung einverstanden gewesen – und sie hätten dies begründet mit der Schrift „Geschlechterkampf von rechts“, in der Thomas Gesterkamp für die Friedrich Ebert Stiftung der SPD Männerrechtler in ganz ähnlicher Weise diffamiert, wie Rosenbrock dies für die Grünen tut. Die Schrift Gesterkamps hätte pünktlich zum Treffen allen Gleichstellungsbeauftragten als Broschüre vorgelegen.

Menschenrechte und Herrschaftsinteressen

Schriften wie die von Rosenbrock oder Gesterkamp sind keine wissenschaftlichen Texte, sie sind Gebrauchstexte, die aus den monologischen Strukturen von Filterbubbles entstehen und deren Zweck darin besteht, diese Strukturen aufrechtzuerhalten. Dort befangen diffamieren die Autoren nicht nur Männerrechtler unmäßig als rechtsradikal – sie sind auch gar nicht mehr in der Lage, zwischen einer Kritik an den von ihnen vertretenen Partikularinteressen und einer Bedrohung für Gemeininteressen zu unterscheiden. Es fehlt ihnen auch ein Sinn für allgemeine Konzepte wie das der Menschenrechte: Denn wer Menschenrechte nur selektiv respektiert – bei Deutschen, aber nicht bei Ausländern; bei Frauen, aber nicht bei Männern; etc. – , respektiert sie überhaupt nicht.

Die Ablehnung solcher allgemeiner Strukturen mit dem Argument, darin würden sich lediglich „Herrschaftsinteressen“ widerspiegeln, ist fadenscheinig. Das Gegenteil ist der Fall – nur wer privilegiert ist, kann es sich erlauben, sich in Filterbubbles einzurichten. Wer sich hingegen in seinen Rechten eingeschränkt sieht, muss versuchen, in ein Gespräch über allgemeine Rechte einzutreten. Wer der Willkür anderer gegenübersteht, muss lernen, die Handlungsweise dieser anderen abzuschätzen, sich mit ihnen auseinanderzusetzen, ihr Verhalten zu antizipieren. Wer sich marginalisiert sieht, muss versuchen, seine Position in einem allgemeinen Gespräch deutlich zu machen.

Demokratische Gespräche gingen von dem Grundsatz aus, dass alle, die von dem Gespräch betroffen sind (und betroffen in einem sachlichen Sinne – nicht im emphatisch-kitschigen Sinne eines „Ich fühle mich davon so betroffen.“), auch daran teilhaben können. Es sind nicht solche Gespräche, sondern die Filterbubbles, die mehrstimmigen Monologe und die „Safe Spaces“, in denen sich Herrschaftsinteressen ausdrücken.

 

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