Geschlechterdebatte

Bin ich jetzt ne Frau?

16. Dezember 2012, von Hadmut Danisch, zuerst erschienen in Hadmut Danischs Blog

Was hindert mich eigentlich daran, mich als Frau zu bewerben? Nur mal so zum Zwecke des Disputs, um Schwächen und Disploits gegen die Politik zu diskutieren:

lippenstift

Was hindert mich eigentlich daran, mich als Frau auf Vorstandsposten, Aufsichtsratssitze und Professuren zu bewerben und die Frauenquote für mich in Anspruch zu nehmen? Das beruht doch alles auf der Gender-Sichtweise, die rundweg bestreitet, dass Frau-sein irgendwas mit den Chromosomen, der Kleidung, dem Aussehen, den Geschlechtsorganen zu tun habe.

Das kann man ja einfach mal akzeptieren und spieltheoretisch ausnutzen. Anstatt es zu bestreiten, könnte man es ja mal befolgen.

Aus Gender-Sichtweise gibt es ja nicht mal zwei feste Geschlechter, sondern irgendwas und ganz viel dazwischen, und jeder entscheidet selbst, für was er/sie/es sich halten will. Gut, da mach ich mit.

  • An den Chromosomen soll’s ja nach Gender nicht liegen, und bisher hat auch noch nie jemand von mir eine Speichel- oder Haarprobe für ein Bewerbungsgespräch genommen. Davon abgesehen wäre das glaube ich gar nicht zulässig, von Bewerbern Genproben zu nehmen und zu untersuchen.
  • Vorname ist unproblematisch, „Hadmut” ist (meine Namensgebung war ein bedauerlicher Betriebsunfall, bei dem ich nicht gefragt wurde) ein Frauenname.
  • Auf Kleidung kommt’s nach Gender ja auch nicht an, ich muss meine Garderobe also nicht wechseln.
  • Mein Aussehen ist zwar nun gar nicht weiblich, aber das kann auch nichts ausmachen. Ich hab Fotos von Lesben aus dem Hochschulbereich gesehen, die bezüglich Kleidung, Aussehen, Haarschnitt und Muckis viel männlicher aussehen als ich, da komm ich mir im Vergleich ganz klein, schwach und weich vor. Wenn die als Frau durchgehen, dann ich gleich zweimal.
  • Das Gemächt kann auch nicht stören. Erstens musste ich noch nie bei einem Vorstellungsgespräch die Hosen runterlassen. Zweitens behaupten die Genderisten ja, dass es darauf auch nicht ankäme und es sowieso keine zwei eindeutigen Geschlechter seien, sondern das alles das Gleiche ist, nur halt mehr oder weniger nach innen oder außen gestülpt. Gut, da mach ich auch noch mit. Bin ich halt eine eher extrovertiert gestülpte Frau.
  • Frauenquoten fordern sie alle und schreiben sie alle vor. Aber noch niemand hat gesagt, woran überhaupt objektiv festgestellt wird, wer in den Genuss der Frauenquoten-Stellen kommen soll, woran das festgemacht, wie das nachgewiesen wird. Oder wie bei der Belegschaft zur Bestimmung der Ist-Frauenquote unterschieden wird, wer als Frau zählt und wer nicht. Bei der Schwerbehindertenquote ist das einfach, die haben einen amtlichen Ausweis mit Angabe des Behinderungsgrads, der auf ärztlichen Feststellungen beruht. Aber einen speziellen Frauenausweis, der auf ärztlichen Gutachten beruht, den man vorlegen müsste, gibt’s bisher nicht.

frauenquote-danischAlso frage ich mal provokant und ketzerisch, aber nichtsdestotrotz völlig ernstgemeint, zum Zwecke des Disputs und aus angriffstechnischer Überlegung heraus:

Was genau hält mich davon ab, mich als Frau auf eine Stelle zu bewerben und die Frauenquote für mich in Anspruch zu nehmen?

(Natürlich gehe ich davon aus, dass ich damit nicht durchkäme, weil ich doch „offensichtlich” ein Mann sei. Nur: Jedes dieser Gegenargumente, mit dem ich da rechnen würde, würde gleichzeitig die Gender-Thesen widerlegen. Nämlich dass es eben doch zwei Geschlechter gibt, auf Chromosomen, Aussehen und Schniedel ankommt. Innerhalb der Gender-Ideologie, auf der ja die Frauenquote beruht, sehe ich da aber kein konsistentes Gegenargument. Würde Gender bei diesem Versuch implodieren?)

Nachtrag

Ein wesentlicher Grundpfeiler der feministischen Gender-Theorie ist ja, jede, wirklich jegliche „binäre” Einteilung der Gesellschaft in zwei Gruppen aus grundsätzlichen Erwägungen heraus gänzlich abzulehnen. Mit der Frauenquote schafft man aber wieder genau so eine „binäre” Einteilung der Menschheit, nämlich in die, die zur Frauenquote zählen bzw. bei der Bestimmung der Frauenquote als Frau gezählt oder auf Frauenstellen kommen, und deren Komplementärmenge.

Es gibt ja so den alten Informatiker-Witz, bei dem jemand bestritt, dass man die Menschheit in zwei disjunkte Mengen einteilen, einer Dichotomie unterwerfen kann. Worauf der Informatiker antwortete, dass man die Menschheit in die einteilen könnte, die das glauben, und die, die es nicht glauben. Feministinnen bestreiten, dass man die Menschheit in zwei Hälften teilen kann und widersprechen sich dann selbst, indem sie eine Frauenquoten-Dichotomie aufbauen.

 

Weitere Beiträge
Geschlechterdebatte

Feminismus - so funktioniert er in der schulischen Praxis

10. Mai 2013, von Dr. Andreas Kraußer
Aktuell erreichte uns der beeindruckende Erfahrungsbericht eines Abiturienten. Darin zeigt sich ein Mechanismus von perfektem, arbeitsteiligem Wirken von Feministinnen.
Mit öffentlich inszenierten Aufschreien zu Sexismus und anderen Nichtigkeiten binden Vulgärfeministinnen öffentliche Aufmerksamkeit, während Politfeministinnen, fest etabliert in den...

Geschlechterdebatte

Petition zur Förderung von Jungen - Das Potential von Jungen begreifen

Petition an Manuela Schwesig 30. November 2014, von Dr. Bruno Köhler, Dr. Alexander Ulfig und Kevin Fuchs
Liebe Unterstützer/innen, wir bedanken uns recht herzlich für eure Unterstützung zur Jungenförderpetition im Bildungsbereich.
Eine ehrliche und effektive geschlechterspezifische Bildungsförderung muss beide Geschlechter und damit auch Jungen im Blick haben, denn auch Jungen sind Kinder und...

Gesellschaft

Der Eiserne Vorhang

09. Dezember 2013, von Vera Lengsfeld
Anne Applebaum, die durch ihre Studie über den Gulag in Deutschland erstmals einem größeren Publikum bekannt wurde, geht in ihrem neuen Buch der Frage nach, wie es den Sowjets nach dem Zweiten Weltkrieg gelingen konnte, „die so unterschiedlichen Nationen Osteuropas in eine ideologisch und politisch homogene Region umzuformen“, aus „Gegnern und Verbündeten...

Geschlechterdebatte

Studie „Die Teilhabe von Frauen und Männern am Geschlechterdiskurs und an der Neugestaltung der Geschlechterrollen. Entstehung und Einfluss von Feminismus und Maskulismus“

27. April 2015, von Thomas Mittelberger
Die Autoren Christine Bauer-Jelinek und Johannes Meiners geben in ihrer Studie „Die Teilhabe von Frauen und Männern am Geschlechterdiskurs und an der Neugestaltung der Geschlechterrollen“ einen Überblick über den Einfluss, den Frauen und Männer in der Vergangenheit auf die Entwicklung der Geschlechterrollen nahmen bzw. den sie heute geltend machen.
...

Geschlechterdebatte

Geschlechterpolitik und Männer – passt das zusammen?

07. Mai 2015, von Johannes Meiners
Anfang März 2015 stellte der Club of Vienna (CoV), die Denkfabrik der Stadt Wien, eine neue Studie vor. Sie befasst sich mit dem Geschlechterverhältnis. An der Entwicklung von Teil I, der sich mit der Teilhabe von Männern und Frauen am Geschlechterdiskurs sowie der Geschichte von Feminismus und Maskulismus (Männerrechtsbewegung) beschäftigt, wirkte ich...

Geschlechterdebatte

Unser täglich Einheitsbrei gib uns heute

19. Juni 2016, von Gunnar Kunz
Liebe Journalisten,
in aller Regel nehme ich von anderen Menschen zunächst das Beste an, bis mir das Gegenteil bewiesen wird. Aber ihr macht es einem wirklich nicht leicht.
Ich kann mir gerade eben noch vorstellen, dass das Weglassen der einen oder anderen relevanten Information aus Unwissenheit geschieht. Etwa in einem Artikel über männliche Unterhaltspreller...

Gesellschaft

Universelle Menschenrechte versus partikulare Sonderrechte

26. Mai 2015, von Dr. Alexander Ulfig
Menschenrechte schützen den Einzelnen und legen seine grundlegenden Freiheiten fest. Sie sollen für alle Menschen gelten. Doch bis heute mangelt es nicht an Versuchen, ihre Allgemeingültigkeit, ihre Universalität, zu untergraben und partikulare – nur für bestimmte Gruppen geltende – Sonderrechte zu etablieren.
Im ersten Schritt werde ich die Attribute...

Geschlechterdebatte

Feminismus: Mission fehlgeschlagen!

19. November 2012, von Maria Dorno, zuerst erschienen auf Theatrum Mundi
Der Feminismus ist gescheitert! Beim Versuch, uns Frauen von einer würdelosen Abhängigkeit zu befreien, hat er uns in die nächste gestürzt. Darum ist er heute nur noch der Fahnenträger von Manchesterkapitalismus und Sozialismus. Schade, wir Frauen hätten auch mal das Mensch-Sein verdient gehabt.
Erwerbstätigkeit =...

Geschlechterdebatte

Qualifikation statt Quote

Ralf E. Geiling interviewt Günter Buchholz 5. Juli 2014, von Ralf E. Geiling
Prof. Buchholz, halten Sie eine gesetzlich geregelte Frauenquote für sinnvoll?
Was ist eine Frauenquote?
Eine Frauenquote ist nicht Ausdruck des Leistungsprinzips, sondern Ausdruck des konkurrierenden Proporzprinzips, das beispielsweise in der Parteipolitik weithin üblich ist. Stellen oder Positionen werden bei...

Geschlechterdebatte

Vom praktischen Wert der Männertränen (Wozu ist Männerhass eigentlich gut? Teil 2)

05. Oktober 2014, von Lucas Schoppe
Möglicherweise klingt es übertrieben, über Männerhass zu schreiben – anstatt über Wut, über Ressentiments, über Vorurteile, also über irgend etwas weniger Dramatisches und Plakatives.
Es ist nicht übertrieben. Und natürlich wollte ich diesen Text auch mit vielen Belegen dafür versehen. Ich habe dann aber so viele gefunden, dass sie den Umfang gesprengt hätten...

Geschlechterdebatte

Ach Mädchen ...

27. Dezember 2013, von Birgit Kelle
Wladimir Putin, Barbie, Heidi Klum, Markus Lanz, nun also auch Kardinal Meisner. Die Femen kommen weit rum. Soll mal einer sagen, Frauen wüssten ihren Körper nicht einzusetzen.
Josephine Witt hat sich ausgezogen. Auf dem Altar des Kölner Doms. In der Weihnachtsmesse am 25. Dezember. Wir feiern die Geburt Jesu. Es war zudem der Geburtstag von Kardinal Meisner,...

Geschlechterdebatte

Münchner SPD will angeblich „Mädchen-Zonen“ auf Kinderspielplätzen

10. März 2014, von Hadmut Danisch
Behauptet Focus. Schön so. Damit die lieben Kleinen schon im Kindergartenalter lernen, dass die Gesellschaft zweigeteilt ist, in Ober- und Untermenschen, in von Geburt aus Adlige mit Sonderrechten und Privilegien und das gemeine Proletariat.
Klar, dass so ein Aufbau einer Zweiteilung der Gesellschaft in Privilegierte und Fußvolk, das draußen bleiben muss, sowas...