Geschlechterdebatte

Feminismus: Mission fehlgeschlagen!

19. November 2012, von Maria Dorno, zuerst erschienen auf Theatrum Mundi

Der Feminismus ist gescheitert! Beim Versuch, uns Frauen von einer würdelosen Abhängigkeit zu befreien, hat er uns in die nächste gestürzt. Darum ist er heute nur noch der Fahnenträger von Manchesterkapitalismus und Sozialismus. Schade, wir Frauen hätten auch mal das Mensch-Sein verdient gehabt.

Erwerbstätigkeit = Unabhängigkeit

Im Anfang war das Wort. Und das Wort war bei Simone de Beauvoir. Das meiste, was wir heute als modernen Feminismus begreifen, geht auf sie zurück. Ihre Kernthese: Man ist nicht als Frau geboren, man wird es – Geschlechter sind nur soziale und kulturelle Konstruktionen. Ihr Ziel: Die Entmystifizierung der Frau als „Mutter“ und ihre Unabhängigkeit vom Mann durch eigene Erwerbstätigkeit.

Ihr folgend wurde der Fokus im Feminismus und der Frauenbewegung auf eben diese Erwerbstätigkeit als Zauberformel der Unabhängigkeit gelegt. Betty Friedan, die in direkter feministischer Erbfolge zu Beauvoir stand, fasste den bestimmenden Gedanken in ihrem sehr lesenswerten Werk „Der Weiblichkeitswahn“ prägnant zusammen:

„Wie für einen Mann führt auch für eine Frau der einzige Weg zu sich selbst über schöpferische Arbeit.“

Die Emanzipation der Frau vom Mann konnte demnach nur eine Emanzipation durch Arbeit sein. Doch diese Emanzipation – die ja eine extreme Reduzierung der Unabhängigkeit und Gleichberechtigung auf individuelle Arbeitskraft bedeutet – gab es in der Geschichte bereits!

Von Karl Marx höchstpersönlich attestiert, war es die Bourgeoisie, die während der Industriellen Revolution die konventionelle Familie zerstörte und Frau wie Mann (und Kind) zu Arbeitern machte, um sie auszubeuten. Das Ergebnis war pures Elend. Die Menschen existierten nur noch, um zu arbeiten. Doch Karl Marx wollte diesen Zustand gar nicht umkehren! Er nahm die zerstörten Familien – die ja so produktiver waren – und machte sie zur Grundlage jeglicher sozialistischer und kommunistischer Gedanken und Systeme nach ihm. Er forderte im Grunde lediglich, die nur zum Arbeiten geborenen Individuen stärker am großen Kuchen zu beteiligen. Auch uns Frauen.

Der Pakt mit menschenverachtenden Ideologien

Als dann zum Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhunderts die Frauen zurück nach Hause geschickt wurden, um sich um den Haushalt zu kümmern, war das ein sozialer Fortschritt ­– es war Luxus. So konnte man wieder ein eigenes (Familien-) Leben fernab von Fließband und Firma aufbauen.

Erst mit den sozialistischen Bewegungen und später mit einer vom Neoliberalismus beherrschten Wirtschaft- und Gesellschaftspolitik wurde dieser Luxus – wohlgemerkt von beiden Geschlechtern damals grundsätzlich als ein solcher empfunden – zu einer Unfreiheit!

Die Feministinnen, die die Frauen vom Herd wieder ans Fließband bringen wollten, konnten sich dabei auf die Unterstützung der politischen und wirtschaftlichen Kräfte verlassen, die im Menschen ausschließlich Arbeitskräfte und Humankapital sahen. Und sie schlossen einen Pakt mit ihnen. Aus dem Mutterkreuz wurde der Karl-Marx-Orden. Aus der „besten Mami der Welt“ wurde die „Mitarbeiterin des Monats“. Anstatt für eine Aufwertung der Haus- und Fürsorgearbeit in gesellschaftspolitischer und wirtschaftlicher Dimension – wie auch von vielen Feministinnen der ersten Stunde gefordert – stritt die zweite Welle der Frauenbewegung von nun an nur noch für die Rückkehr der Frau an den Erwerbsarbeitsmarkt.

Auf diesem Weg konnte ein Ziel erreicht werden, nämlich die weitgehend erfolgreiche Gleichberechtigung zum Mann. Doch diese Gleichberechtigung wurde nicht um ihrer selbst willen gefordert. Sie wurde erstrebt, um uns Frauen unsere Menschenwürde zurückzugeben. Hier aber ist der Feminismus kläglich gescheitert.

Frau = Arbeitskraft

Denn der Versuch, die Frau durch Abwertung zur Arbeitskraft dem Mann gleichzustellen, hatte nur ein für die Frau relevantes Ergebnis: Frauen dürfen keine Menschen mehr sein! Sie werden ausschließlich als Arbeitskräfte wahrgenommen. Das Kinder-Haben-Wollen und Kinder-Kriegen spricht ebenso dagegen wie das Führen des Haushalts.

Wieder befinden wir uns heute in einer Abhängigkeit, in der wir unser Mensch-Sein, ja unser Frau-Sein nicht ausleben können. Wieder werden wir unterdrückt. Nur diesmal ist es nicht das Patriarchat. Es ist die gesamte Gesellschaft, die uns nur noch als Arbeitskraft wahrnimmt und für die wir natürlich trotzdem fleißig Nachschub gebären sollen. Das ganze aber bitte ohne Institutionen wie Ehe und Familie, die eine Rückkehr in den Arbeitsmarkt nur erschweren würden. An dieser Unterdrückung sind Frauen jedoch selbst zu einem großen Teil beteiligt. Was Betty Friedan 1963 kritisierte, nämlich die Reduktion der Frau auf ihre Rolle als Hausfrau und Mutter, hat sich nun in das Gegenteil verkehrt.

Es wird Zeit, dass wir einen gesunden Mittelweg finden. Und dafür benötigen wir  keine expliziten Gender-Diskussionen. Ja, Mann und Frau sind verschieden – egal ob biologisch oder sozial, ob konstruiert oder nicht. Wenn es aber um Menschenwürde geht, können wir nur zusammen das Ziel erreichen.

 

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