Geschlechterdebatte

Wider den Gleichstellungswahn

15. Juni, von Lars Bielefeldt, zuerst erschienen bei AGENS

Kommentar eines Studenten zum FAZ-Artikel „Lauter verlorene Männer“ (02.06.12)

Die Grundstimmung, in der wir sozialisiert worden sind, und die Gesellschaft, in die wir nun, als jüngere Generation, hineinwachsen, ist ausgesprochen männerfeindlich, und zwar mit einer Intensität und gleichzeitig einer alltäglichen Selbstverständlichkeit, dass wir dies gar nicht mehr wahrnehmen bzw. bewusst verdrängen, um uns die eigene Machtlosigkeit ob des Unrechts, das uns widerfährt, nicht bewusst machen zu müssen.

Es geht nicht um „Frauenbefürwortung“ oder „Frauenfeindlichkeit“, die sich durch leistungsfeindliche, antiemanzipatorische Quotierungen ohnehin kaum ausdrücken kann. Es geht m.E. um grundsätzliche Fragen des gesellschaftlichen Zusammenlebens: Die „Quotierung unserer Welt" bedeutet staatlicher Dirigismus, eine ungesunde Einmischung in private Unternehmen. Dies zu kritisieren, hat wenig mit Neoliberalismus, fehlender Reflexion oder einer einseitig männlichen Perspektive zu tun.

Die Quotenverkündigung betrifft vielmehr das Fundament eines respektvollen Miteinanders: Die Anerkennung von Leistungsbereitschaft, die Möglichkeit zum Aufstieg durch Qualifikation, Einsatz und Konzentration auf eine Sache, Idee, Funktion etc. Es geht um eine positive Konnotation von Stolz und Ehrgeiz. Hinzu tritt der Respekt vor dem Eigentum Anderer, vor allem aber der Berufs- und noch mehr der Vertragsfreiheit.

Empirisch besonders eindrücklich ist, dass die inzwischen zahlreichen, berüchtigten „Quotendränglerinnen" meistens so elitär und privilegiert sind, wie ein Mensch in unserer Gesellschaft nur privilegiert sein kann. Dies gilt für Ursula von der Leyen, Viviane Reding, Monika Schulz-Strehlow, Jutta Allmendinger u.v.m. Sie treten für den Ausbau der Privilegien Gleichgesinnter ein. Dabei handelt es sich, parteiübergreifend, zumeist um Generationsgenossinnen aus dem „Geschlechterkampf“ der 1970er und 1980er Jahre.

Dass es, wenn Männer sie tatsächlich bekämpft hätten, keine Frauen(rechts)bewegung bzw. deren Erfolg gegeben hätte, ist müßig, zu erwähnen. Dass der gegenwärtige Verdammungsfeminismus keine logische, evolutionäre, „gesunde“ Fortentwicklung der Bestrebungen vergangener Jahrzehnte ist, sondern ein historisch-ideelles Zerfallsprodukt vormaliger Umbrüche, sollte angesichts seiner totalitären Züge wie seiner Neigungen zu Intoleranz und Tabuisierungen zu denken geben.

Frau von der Leyen, besonders aber die Vorsitzenden von Gruppierungen wie „Business Professional Women“, „Frauen in die Aufsichtsräte“, Juristinnenbund, Frauenrat oder die entsprechenden parteispezifischen Zusammenschlüsse vertreten eine zutiefst antidemokratische Top-Down-Politik – und das in einem Land mit freiheitlich-demokratischer Grundordnung!

Die Kommentare der Leser unter dem FAZ-Artikel waren nahezu geschlossen gegen das, was jetzt (schon vor Einführung verbindlicher Quoten!) in einigen Unternehmen bereits vollzogen wird, nämlich die wilde Beförderung von Frauen, die nicht etwas mit Bevorzugung zu tun hat, sondern fast nur noch einem vorauseilenden Trend folgt.

Aber im Gegensatz zu „links(liberalen)“ Blättern hat die FAZ, soweit erkennbar, keine Kommentare gelöscht. Feministische RedakteurInnen gehen allen Ernstes dazu über, missliebige Kommentare allein auf Grund ihres Inhalts zu entfernen. Dieses Vorgehen verzerrt das Bild für den, der sich die verbliebenen Kommentare ansieht. Eine andere Variante: die Kommentarfunktion wird ganz gesperrt, wenn sie sehen, dass es viel konstruktive Kritik mit wesentlichen Argumenten gegen das gibt, was sie geschrieben haben. Das nenne ich schlicht Machtmissbrauch!

Dennoch geschieht es. Kaum jemand in der Bevölkerung ist für Quoten - aber alle relevanten Parteien vertreten sie und haben sie selbst. Und auch die wenigen Politiker, die gegen starre Quoten sind, wollen - natürlich - viel mehr Frauen auf prestigeträchtigen Positionen und sprechen sich ebenso für jede Art der Frauenbevorzugung aus. Das gehört offenkundig zum guten Ton wie ein Handschlag zur Begrüßung. Viele junge Frauen fühlen sich dennoch so sehr als „Opfer“ der Verhältnisse und „Benachteiligte“, wie kaum eine Generation vor ihnen, was ihrer Lebenssituation nach Maßgabe objektivierbarer Kriterien/Faktoren gelinde gesagt zuwiderläuft.

Ebenso zahlreiche junge Frauen wollen keineswegs ständig per Quote „beschenkt“ werden. Sie haben auch keine Aversionen gegenüber Männern und wollen diese nicht an den Rand der Gesellschaft drängen. Vielmehr möchten sie sich um ihre Angelegenheiten selbst kümmern, erreichen, was sie erreichen wollen – und nicht ständig als Vertreterin ‚der‘ Frauen seitens der Verdammungsfeministinnen instrumentalisiert werden!

Doch diese Studentinnen, Absolventinnen und jungen Mütter, die gerne mit Männern leben, die gerne mit Männern zu tun haben, die dem anderen Geschlecht nicht permanent vorwurfsvoll und einfordernd gegenübertreten, haben es schwer, ihre unvoreingenommene Wahrnehmungsweise aufrecht zu erhalten. Dies liegt an der überbordenden Macht in Politik und Medien derjenigen, die ihre eigenen geschlechtsspezifischen Wahnvorstellungen reproduzieren, d.h. „weitervererben“ wollen: Sie benutzen ihre Meinungsführerschaft und die Deutungshoheit feministischer Sichtweisen in Bezug auf alles, was mit dem Thema „Gender“ zu tun hat, um Männerhass in die Herzen junger Frauen zu säen.

Ehrlich gesagt, halte ich dieses Ansinnen für nicht besonders ehrenvoll. Dies alles geschieht völlig unbesehen der Tatsache, dass fast ausschließlich Männer technisches Innovationspotenzial besitzen, was die Grundlage des materiellen wie ideellen Wohlstands unserer Gesellschaft ist.

Als Beispiele seien genannt: Über 80% männliche Absolventen in Ingenieurswissenschaften, 98% aller Patente und fast alle Unternehmensgründungen, die Bestand haben und Arbeitsplätze schaffen, stammen von Männern.

Selbst die radikalfeministische Partei „Die Grünen“ hat deutlich weniger als 40% weibliche Mitglieder. D.h., selbst eine solche Gruppierung wird maßgeblich und mehrheitlich von Männern getragen. Wenn es um tatsächlich Aktive geht, ist das Verhältnis sogar noch klarer. Dies gilt für die anderen Parteien übrigens genauso, Verhältnisse von 3:1 sind die Regel.

Dennoch erhalten Frauen fast die Hälfte aller Mandate und Funktionen – per Quoten garantiert. Oft bekommen sie sogar die Mehrheit aller Ämter und prestigeträchtigen Aufgaben. Nicht nur bei SPD und Grünen werden Männer bei innerparteilichen Stellenbesetzungen auf Grund ihres Geschlechts systematisch übergangen.

Die penibel durchgeführte, ständig intensivierte Benachteiligung von jungen, leistungsfähigen und -bereiten Männern in unserer heutigen Gesellschaft ist illegitim! Unmenschlich. Antiindividualistisch, gedanklich nahe an der „Kollektivschuld“. Ungerechtfertigt. Punkt. Vormals von Männern begangenes Unrecht nun mit durch Frauen begangenes Unrecht an Männern aufwiegen zu wollen, ist schon eine biblische No-Go-Area, abgesehen davon, dass die heutigen 30-jährigen Frauen nicht am „Patriarchat" litten und ihre männlichen Pendants zumeist das Gegenteil von Patriarchen sind. Der Frauenanteil in Ingenieursfächern stagniert trotz der Umsetzung jeder erdenklichen Hilfestellung, während sich die Zahlenverhältnisse in Medizin, Psychologie, Lehramt, Geisteswissenschaften etc. binnen einer Generation de facto umgedreht haben - ohne, dass dies je erzwungen worden wäre.

Dass es für eine Gesellschaft ungesund ist, kaum mehr männliche Lehrer und Psychologen zu haben, immer weniger Ärzte oder auch Kulturwissenschaftler, obwohl es viele begeisterungsfähige Jungen gäbe, die an der NC-Lastigkeit der Auswahlverfahren der Universitäten bzw. an der Art schulischen Unterrichts scheitern, da sie viel zu oft als „defizitär“ und „störend“ klassifiziert werden und wie Fremdkörper in den feminisierten Bildungseinrichtungen erscheinen, versteht sich von selbst.

Die Quotierungen wirken sich gerade in den Bereichen massiv zuungunsten junger Männer aus, in denen fast nur Männer arbeiten. Dies gilt sowohl bei Einstellungen als auch für Beförderungen in den folgenden Jahren.

Mein Fazit lautet daher: Der Gleichstellungswahn verhindert eine realitätsbezogene Auseinandersetzung mit der Unterschiedlichkeit von Menschen auf Grund ihres Geschlechts!

 

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