Geschlechterdebatte

Ein gewaltiges Missverständnis

Von Bernhard Lassahn   30. März 2012

Draußen hängen unauffällige Plakate, auf denen zunächst nur eine Tapete zu erkennen ist – mit einem Fleck (Anmerkung: Ich habe mich getäuscht. Der Fleck war nur auf einem Plakat. Aber im Muster der Tapete waren Fäuste zu erkennen. Man muss schon genauer hinsehen). Erst wenn man näher herangeht, sieht man auch, was da steht: „Jede vierte Frau in Deutschland wird Opfer von häuslicher Gewalt“. Das ist viel. Das sind rund zehn Millionen Frauen – wenn ich richtig gerechnet habe. Das ist Bürgerkrieg. Es fällt noch etwas auf. Es sind nur Frauen als Opfer erwähnt. Kinder nicht. Männer auch nicht. Ist das richtig so?

Dazu gibt es zwei Auffassungen: Die einen meinen, dass es sich bei häuslicher Gewalt um ein (fast) ausschließlich männliches Vergehen handelt: die Opfer sind (fast) nur Frauen, die Täter (fast) nur Männer. Das „(fast)“ können wir weglassen. Das führt zu solch griffigen Formeln wie „Der Schläger geht, die Geschlagene bleibt“, und verführt zu „Übersetzungen in leichte Sprache“, bei denen versucht wird, komplizierte Politik in einfachen Worten zu erklären, da heißt es dann schlicht: „Der Mann schlägt die Frau“.

Dem gegenüber steht die Erkenntnis, dass Frauen genauso zuschlagen. Es liegt allerdings eine optische Täuschung vor. Wenn man nur die polizeilich gemeldeten Fälle und nur die inszenierten bildlichen Darstellung betrachtet, sieht es aus, als wären die Täter überwiegend männlich. Wendet man dagegen seriöse Erhebungsmethoden an (und fragt etwa: Hat ihr Partner Sie jemals geohrfeigt?), ergibt sich ein anderer Befund: über hundert internationale Studien zeigen, dass häusliche Gewalt zu etwa gleichen Teilen von Männern und Frauen ausgeht. Wer es nicht glauben will, muss googlen.

Also: Die einen sagen 100%, die anderen sagen 50% zu 50%. Hundert Pro vs. Fifty Fifty. Was stimmt denn nun? Beides nicht. Hier liegt ein gewaltiges Missverständnis vor.

Vor einigen Jahren habe ich bei der Biennale in Venedig ein Kunststück von Pipilotti Rist gesehen, das mich zum Lachen gebracht und mir die Augen geöffnet hat. Auf den ersten Blick sah es aus wie eine Video-Aufzeichnung von einem Hallenfußball-Spiel. Eine Mannschaft kickte den Ball. Dann sah man, dass die andere Mannschaft den Ball in die Hände nahm und Basketball spielte. Die eine Mannschaft stürmte auf ein Tor, die andere versuchte, Körbe zu werden. Es war derselbe Ball. Dieselbe Sporthalle. Die einen spielten Fußball, die anderen Basketball. Das Publikum zeigte sich begeistert.

Ob es am Ende unentschieden 5 : 5 ausgegangen ist oder 10 : 0 - ganz egal, der Spielstand ist in jedem Fall bedeutungslos. Ein Vergleich von Dingen, die man nicht vergleichen kann, führt aufs Glatteis. Doch der begegnet uns immer wieder – stets mit dem Ergebnis, dass Frauen als die Besseren dastehen (da sieht man’s wieder) oder als die Opfer und die Benachteiligten (was dringend geändert werden muss). Solche Gegenüberstellungen tun immer so, als wären da zwei Mannschaften gegeneinander angetreten, die den Ehrgeiz haben, das andere Team zu besiegen.

Das ist aber nicht so. Es stehen sich auch nicht zwei Mannschaften gegenüber, sondern zwei Gesamtheiten: „die“ Frauen und „die“ Männer. Als Ganzes. Und eine dieser beiden Gesamtheiten - die der Männer - sieht sich nicht als Gesamtheit und will nicht gegen die andere Gesamtheit siegen, organisiert sich aber liebend gerne in Mannschaften.

Das ist deutlich: Männer neigen zur Bandenbildung - schon früh, wenn sie als Rasselbanden durch die Wälder rasseln. Wenn sich nur zwei Männer zusammentun, sind es schon ‚Vier Fäuste für ein Halleluja’, sie bilden weiterhin die ‚Drei Musketieren’, die ‚Fantastischen Vier’, ‚Fünf gegen Willi’ ... u.s.w. sie sind die ‚Sieben Samurai’, die ‚Acht Tenören’. Männer bilden ganze Symphonieorchester oder eben Sportmannschaften, in denen jeder seine Rolle hat. Aber „die Männer“ unter Vernachlässigung aller weiteren Merkmale gibt es nicht. Das ist eine Fremddefinition, eine aufgezwungene Mitgliedschaft, die ein Mann heute nicht kündigen kann – aber gerne würde.

Männer wollen nicht unter dem großen Banner „Männer“ in Erscheinung treten. Das tun nur die Mannen von der Männerpartei, von der wir wahrscheinlich noch nie gehört haben. Dennoch: Auch die Männer sind inzwischen in einen riesigen Topf geworfen worden, sie wurden über Bande zwangvereinheitlicht, weil sich die Frauen als einheitliche Menge sehen. Diese Menge wirft einen großen Schatten – und der steckt die Grenzen ab, innerhalb derer sich die Männer einfinden sollen.

Das tun sie aber nicht gerne. Die notorischen Männer-Themen (Männer leben nicht so lange wie Frauen, Männer begehen öfter Selbstmord ...) stoßen selbst innerhalb der Männerwelt auf nicht mal lauwarmes Interesse. Das betrifft ja nur die Gesamtheit aller Männer. Die ist ihnen schnuppe. Bei gegenteiligen Befunden wäre die Aufregung groß.

Männer sehen sich nicht als Ganzes. Das sieht man auch daran, dass sie sich von Beschimpfungen in XXL - „Der Mann ist ein gewaltbegabtes Tier“ - nicht getroffen fühlen. Oder es nicht zeigen. Wer sollte es tun? Sie ignorieren oder unterschätzen es. Was soll ein Mann machen? Er kann liebevoll zu seiner Mutter, seiner Tochter und Ehefrau (und zu einer heimlichen Geliebten) sein, er gilt trotzdem als Frauenfeind, wenn er einen Frauenparkplatz nicht respektiert. Na und? Er zieht sich den Schuh nicht an. Er passt ihm eh nicht. Pauschale Herabwürdigungen greifen nicht. Umgekehrt sehen Männer auch keine Veranlassung, sich als das großartige Geschlecht der Retter und Helfer zu stilisieren. Sie engagieren sich lieber bei der Freiwilligen Feuerwehr.

Frauen neigen nicht so sehr zur Bandenbildung. Zwar gibt es nun auch kickende Damen (wenn sie es in Unterwäsche tun, nennt man es „lingerie soccer“, wenn sie sportliche Trikots tragen, heißt es „Frauenfußball“), dennoch bleibt der Eindruck, dass Frauen damit etwas nachbilden, das Männer ihnen vorgemacht haben. Frauen neigen eher dazu, sich als Gesamtheit zu sehen, sich grandios zusammenzufassen. „Grandios“ klingt zunächst gut, ist aber in Psychologenkreisen ein Zeichen für eine narzisstische Störung.

Männer und Frauen passen einfach nicht zusammen. Da sagte schon Loriot. Die tiefe Wahrheit dieses Satzes steckt im Plural: „Männer und Frauen“. Im Einzelfall klappt es ja gelegentlich. Doch wenn sie sich als Gruppen sehen, stimmt es nicht nur beim Eierkochen nicht mehr. Sie sind anders. Nicht nur, dass Frauen anders Unfälle verursachen als Männer (Männer fahren zu schnell, Frauen beachten die Vorfahrt nicht), sie bilden auch andere Kategorien, sie verallgemeinern anders.

Dass Frauen sich eher als Gesamtheit verstehen, macht den Eindruck, dass sie „solidarischer“ sind. Das äußern sie auch selber gerne so. Auch Georg Simmel thematisiert das in seinen Betrachtungen zur ’Zur Psychologie von Frauen’ und sieht tatsächlich „ein stärkeres Gefühl von gegenseitiger Solidarität“. Das erklärt zumindest, warum so viele Frauen, die nicht persönlich gemeint sind, gereizt reagieren, wenn irgendwas am Feminismus kritisiert wird.

Die einen sehen in diesem speziell weiblichen Zusammenhalt einen besonderen Wert, andere sehen darin ein Muster ohne Wert – wie ein Geldschein aus der Inflationszeit, auf dem eine eindrucksvoll große Zahl aufgedruckt ist. Man kann sich aber nichts mehr dafür kaufen. Wahrscheinlich verstehen Männer nicht, dass Frauen so sind - wie umgekehrt Frauen nicht verstehen, dass Männer nicht so sind und dass sie lieber Vereinigungen bilden, bei denen außer der Geschlechtszugehörigkeit noch mindestens ein weiteres Kriterium für eine Aufnahme erfüllt sein muss. Männer sind eben kompliziert. So ist ein „understandig gap“ entstanden. Ein Frauenversteher ist eine lächerliche Figur; eine Männerversteherin gibt es nicht.

Und wie soll man die Gewalt verstehen? Das Aggressionspotential der Männer tobt sich anders aus als das der Frauen. Es gibt sich auch an anderen Austragungsorten zu erkennen. Männer kämpfen gegen Männer. Dabei haben sie eine weit reichende Kultur des Kräftemessens entwickelt, die uns im Fall der Hooligans eher als Unkultur erscheint. Frauen haben so eine Kultur nicht. Frauen sind auch nicht fasziniert von Waffen. Doch für beide Fraktionen gilt, dass sie es verurteilen, wenn ein Stärkerer den Schwächeren haut - ein Fliegengewicht kämpft nicht gegen ein Schwergewicht. Da Frauen sich grundsätzlich als schwächer empfinden, erscheint ihnen Gewaltanwendung gegen Männer gerechtfertigt. Da steht ihnen auch kein Beschützer-Reflex im Wege.

Auch Rache ist ein heißes Thema für Männer – denken wir an den Grafen von Monte Christo. Doch die Rache der Männer richtet sich stets gegen andere Männer. Nicht gegen Frauen. Für Frauen dagegen gibt es Ratgeberbücher mit Tipps für Racheaktionen an Männern. Es gibt da schon Unterschiede. Die fallen aber unter den Tisch in einer Versuchsanordnung, bei der eine Vergleichbarkeit zugrunde gelegt wird.

Nicht nur, dass das Bild von zwei Mannschaften nicht stimmt. Auch die Spielregeln passen nicht zusammen. Was für die einen ein Foul wäre (Handspiel etwa), ist für die anderen selbstverständlich. So ist es auch bei der häuslichen Gewalt. Die einen schlagen zu, die anderen werfen lieber mit dem Aschenbecher - bei Nichtrauchern auch mal mit dem Kerzenständer. Für die einen gilt ein Brüllen als normal, für die anderen ist das bereits Gewalt.

Ob es tatsächlich so viele Opfer gibt, hängt davon ab, was wir alles als Gewalt verstehen. Sprache ist Gewalt. Sprachlosigkeit auch. Penetration ist Gewalt. Ausgrenzung ist Gewalt. Sich beobachtet fühlen ist ebenfalls eine Gewalt-Erfahrung. Dann kommt noch die strukturelle Gewalt dazu. Und die „seelische Vergewaltigung“. Dieser große Pudding wird schließlich an die Wand genagelt und in Zahlen umgewandelt. Die Zahl von den Millionen von Opfer wurde in einem internen Wettbewerb, der unter dem Motto stand „Wer bietet mehr?“, als Sieger ermittelt.

Zahlen lügen. Sie spiegeln nicht das tatsächliche Aufkommen von Gewalt. Sie geben keine Qualitäten wieder. Ein Mord gilt in der Welt der Zahlen so viel wie ein falsches Wort. Doch weder die Relationen noch die Zahlen selber sagen die Wahrheit. Ein Bild sagt mehr als Worte – sagt man. Worte sagen mehr als Zahlen. Sage ich. Deshalb will ich nun nicht etwa Zahlen, sondern Worte gegenüberstellen. Ich vertraue dem Wort – und ich gebe es zu: Ich hatte eine Vier in Mathe. In den Statistik-Seminaren (lang ist es her) habe ich gelitten.

Hier also einige Worte der Täter. Wie fühlen die sich? Männer zuerst. In dem Buch ‚Kindergeschichte’ wird beschrieben, wie einem Mann die Hand ausrutscht und er sein Kind schlägt. Er spürt sofort die - Achtung! - „schalltoten Hitzestöße der Posaunen“. Gemeint sind die Posaunen des Jüngsten Gerichts. Mindestens. Das sind Dichterworte. So schreibt Peter Handke.

Nun die Quizfrage: Ist Peter Handke ein Schläger? In absoluten Zahlen und rein statistisch gesehen schon. Die Beatles sind es sowieso, („beat“ heißt ja auch Schlag): „I used to be cruel to my woman I beat her and kept her apart from the things that she loved. Man, I was mean, but I’m changing the scene and I’m doing the best that I can.“

Wie sieht es auf der anderen Seite aus? Sehen wir uns ein Zitat von Andrea Dworkin an: „Ich möchte einen Mann zu einer blutigen Masse geprügelt sehen, mit einem hochhackigen Schuh in seinen Mund gerammt wie ein Apfel in dem Maul eines Schweins.“

Unfair? Willkürliche Beispiele? Kann man nicht vergleichen? Unwissenschaftlich? Dann doch lieber Zahlen? Gut: Ich habe nicht alles gelesen, was man zu dem Thema lesen könnte, doch ich habe mir Mühe gegeben – und bitte um Mitarbeit. Ich bitte um bessere Beispiele. Um Gegenbeispiele. Gerne. Vorläufig bleibe ich dabei: Eine Textinterpretation führt zu einem besseren Verständnis als die Behauptung von großen Zahlen. Vorweg: Andrea Dworkin ist krass, jedoch kein Einzelfall, sie ist eine bekannte Feministin. Äußerungen dieser Art lassen sich seitenweise zusammentragen. Also, fangen wir an:

Dem Textinterpreten fallen mehrere Unterschiede auf. Es gibt seitens der Frau keine rückblickende Reue. Im Gegenteil: Sie trumpft mit ihrer Zerstörungswut auf. Finden wir solche Töne auch bei Männern? Nein. Oder? Männer tun gut daran, sich zu distanzieren. Die Ächtung innerhalb der Männerwelt ist gnadenlos: Wer Kinder schändet oder Frauen vergewaltigt, sollte die Gefängniszelle nicht verlassen.

Frauen ächten andere Frauen nicht. Andrea Dworkin musste zwar damit rechnen, dass es so mancher Frau peinlich war, wie hier im Namen des Feminismus gepoltert wird, und es gibt weibliche Stimmen, die so eine „Hasspredigerin“ rügen, doch es bleibt eine Frage des Geschmacks, nicht des Inhalts. Radikalfeministen können eintauchen in den großen „melting pot“ mit der Aufschrift WIR FRAUEN. Sie gehen darin unter wie Fische in einem Schwarm - wie Steinewerfer, die von „friedlichen“ Demonstranten nicht behindert werden. Sie werden gedeckt von der grandiosen Solidarität der Frauen.

Die Radikalität hat sogar Vorbildfunktion. ‚Ein bisschen Männerhass steht jeder Frau’ heißt ein Buch von Christine Eifler. Männerhass light finden wir auch auf Plakaten der Grünen und in der Werbung. Gerne mit Stöckelschuh. Das fällt nicht mehr auf. Auch wenn es sich bei Frauenthemen vordergründig um etwas handelt, dem jeder zustimmen kann, so ist oft eine Stichelei gegen den Mann dabei, ein absichtliches „Wehetun“.

Dabei ist kein konkreter Mann gemeint. Nicht wie bei Peter Handke, bei dem es um seine Tochter, nicht wie in ‚Getting Better’, wo es um die Geliebte – also um Frauen geht, zu denen eine persönliche, womöglich komplizierte Beziehung besteht, die verbessert - und nicht etwa beendet - werden soll. Bei Männern geht es um Versöhnung. Bei der Frau um Vernichtung.

Es fällt außerdem auf, dass die Frau nicht selber zugeschlagen hat. Sie lässt Gewalt anwenden und schaut befriedigt zu; sie sorgt mit einem schicken, weiblichen Accessoire nur noch für das Tüpfelchen auf dem i. Bei ihr liegt kein unkontrollierter Gewaltausbruch vor, hier lauert latenter Sadismus.

Wieder die Quizfrage: Ist sie eine Schlägerin? Nein. Sie würde in der Statistik nicht auftauchen. Sie hat nicht zugeschlagen. Sie ist nicht mal eine richtige Mittäterin. Andrea Dworkin war übrigens zeitweise in der so genannten Provo-Szene in Amsterdam eingetaucht. Diese Provos haben Brandbomben bei der königlichen Hochzeit von Beatrix und Claus gezündet und dann die „gewalttätige Überreaktion der Polizei“ dokumentiert. Die Fotoausstellung dazu stand unter dem Motto: „Es fing damit an, dass er zurückgeschlagen hat“. Nein. Kleiner Scherz. Aber gedacht war es so.

Männergewalt ist fotogen. Frauen als Opfer sind besonders fotogen. Männergewalt lässt sich quantifizieren. Frauengewalt nicht. Was die Zahlen nicht verraten, verrät jedoch die Textinterpretation: Sie offenbart das Sündenregister der Frauengewalt. Da kommt fix eine Liste von Gewaltanwendungen und Regelverletzungen zusammen, die den Erbsenzählern entgehen und die ein Schiedsrichter nicht pfeift: Die Gewalt der mutwilligen Provokation, die Gewalt der Schreibtischtäter, die Gewalt der Falschbeschuldigung. Außerdem: der Aufruf zur Gewalt, Volksverhetzung und das Veröffentlichen von Bekennerschreiber über nicht nur „klammheimliche“ Freude.

Das Gewaltschutzgesetz, das wir nun seit zehn Jahren haben, ist seinerseits ein Gewaltakt gewesen, ein Bruch mit der Unschuldsvermutung, dem Stolz eines entwickelten Rechtsstaates. Ohne Not wurde die abgeschafft, und es wurde damit ein Einfallstor aufgerissen, durch das die weibliche Gewalt, die nach anderen Regeln spielt und sich unter statistischer Erfassung hindurchduckt, in die Häuser Einzug hält. Es war ein Präventivschlag. Eine Kriegsgefahr bestand aber gar nicht. Die wurde mit Statistiken herbeigerechnet.

Hören wir zum Schluss dieser ‚Worte-vs.-Zahlen-Betrachtung’ kurz bei ‚Effi Briest’ rein und schalten wir uns ein in ein Gespräch über Regeln. Es spricht zunächst der Herr Major Crampas und meint, dass die Behörden wohl ein ... „Auge zudrücken können. „Muß denn alles so furchtbar gesetzlich sein? Alle Gesetzlichkeiten sind langweilig.“
Effi klatschte in die Hände.
„Ja, Crampas, Sie kleidet das, und Effi, wie Sie sehen, klatscht Ihnen Beifall (Anmerkung: Wie wir sehen, redet Effi von sich in der dritten Person, damit tritt sie zurück und gibt dem folgenden Satz einen gewichtigen Auftritt.) Natürlich; die Weiber schreien sofort nach einem Schutzmann, aber von Gesetz wollen sie nichts wissen.“ (Nun sind wir gespannt, was die Männer dazu sagen:)
„Das ist so Frauenrecht von alter Zeit her, und wir werdens nicht ändern, Innstetten.“
„Nein“, lachte dieser, „und ich will es auch nicht ...“

 

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